Beiträge getaggt mit Eiszapfen

Quentin am Balkon …

Tja, nun hat uns das schmuddelige Regenschirmwetter wieder. Harmlos ist es ja zumindest im Vergleich zur Glätte vorgestern. Blitzeis! Nachdem sich die Wetterlage enorm schnell änderte! Schon eigenartig: Erst herrscht tagelang sibirische Kälte. Von dieser Eiszeit geht es etwas untypisch bereits während der Nacht über
zu deutlich „milderen“ Minusgraden, um am Morgen den Gefrierpunkt zu knacken. 0 Grad. Wie abgesprochen macht sich gerade dann von oben aus wärmeren Schichten Nässe auf den Weg nach unten und fällt auf den steinhart gefrorenen Boden. Zack! Schon lag er da, der Eispanzer. Höllisch glatt!

Es war vorhersehbar, es wurde vorgewarnt. Auf den Straßen drehte die Stadtreinigung deshalb sogar prophylaktisch schon vorab in der Nacht zu Montag ihre Runden. Sie streute großflächig und in höherer Dosierung Salz. Aber die Gehwege und Plätze! Eine Katastrophe! Es wurde ein riskanter Eiertanz, den viele
mit Verletzungen bei Stürzen bezahlten. Dazu Probleme für Bahnreisende, vereiste Autos, für Fußgänger teilweise sogar unzugängliche Bereiche aufgrund des dort herrschenden Gefälles. Rutschbahn pur.

Das Erstaunliche an der ganzen Sache jedoch war, wie es weiterging: Tagelang schien die Temperatur im Minusbereich wie festgenagelt. Keine nennenswerten Ausschläge. Doch am Montag konnten Sie ab 8 Uhr am Thermometer verfolgen, wie sich die Luft plötzlich im Stundentakt um gleich zwei Grad erwärmte. Zwischen neun und zehn Grad pendelte es sich am Mittag ein. Im Schatten, wohlgemerkt. Das hieß, das Blitzeisproblem hatte sich bereits vor 11 Uhr komplett auf natürliche Art erledigt. Auch an Stellen, für die sich – was das Streuen anging – keiner zuständig fühlte. Die Sonne half zusätzlich mit, dass sich die Schlittschuhbahn trotz kalten Untergrundes in Wohlgefallen auflösen konnte.
In den Seitenstraßen, in denen sich Schnee über die Tage wesentlich besser gehalten hatte, als entlang der Hauptverkehrsadern, schmolz nicht nur das Eis, sondern im Rekordtempo taute auch gleich all das an den Rand geschippte Weiß mit weg. Dort lief das Wasser in Bächen.

Haben Sie mitbekommen, welche Begriffe bei unseren europäischen Nachbarn für das Phänomen extreme Kälte mit Schneechaos herhalten mussten? Ich  las am Donnerstag vergangener Woche, dass man in Holland vom „Siberischen Bär“ sprach. In Schweden hieß es „Snow Cannon“,  bei den Franzosen wurde die Hauptstadt zu “Moskau-Paris”. Frost und Schnee vom Schwarzen Meer bis ins spanische Katalonien, ebenso auf Korsika, in Biarritz oder auch in Neapel. Dort fiel seit 1956 nicht mehr derart viel Schnee. Die Briten raunten, bei ihnen wüte „The Beast from the East“. Doch was sagten die Finnen, als sie aus dem Fenster schauten? „Oh, Donnerstag.

Momentan hat Grün das Winterweiß abgelöst, dazu Sonnenschein – ein völlig anderer Anblick! Ein Umstand, der meinen Körperthermostat am Montag etwas durcheinander brachte. Der streckte aufgrund der üppigen Temperaturschwankungen nicht nur alle Viere von sich, sondern fühlte sich zusätzlich optisch genarrt. Hielt das linde Lüftchen für eine Sommerbrise.
Tatsächlich hatte man sich mittlerweile derart an den beißenden Frost gewöhnt, dass ein paar läppische Plus-
grade ausreichten, um Hitzewallungen zu verursachen. Ich hätte meine Jacke von mir werfen können, habe es nur aus Vernunftgründen unterlassen.
Ich hoffe, mein Körper und ich gehen bald wieder mit den Temperaturen konform, doch ich vermute, just in dem Moment, in dem ich mich akklimatisiert habe, erfolgt die Rückkehr des Winters.

Ob nun Blitzeis oder gemächlich entstandenes Glatteis, beides wirkt wenig anziehend.  Eiszapfen oder Eis-
skulpturen
hingegen, die die Natur im Winter unter geeigneten Bedingungen sehr phantasievoll kreiiert, üben eine Riesenfaszination aus. Eisblumen am Fenster, Eiskunstwerke an Pflanzen, gefrorene Formationen an Uferrändern, Zapfen an Dachrinnen, an Straßenlaternen, selbst an Autos!
Und wissen Sie, was ich verblüfft festgestellt habe, als ich bei mir auf der Terrasse lediglich für die Vögel neues Futter bereitstellen wollte? Ich habe solche kleinen Naturwunder direkt im eigenen Garten!

Bei mir bildeten sich die Kunstwerke gleich über mehrere Etagen durch eine Art Dominoeffekt. Vom Dach rutschte Schnee in die Dachrinne und eine dicke Flockenschicht setzte sich auf die diversen Querstreben
des Balkongeländers. Wenn die Sonne am Tag schien, setzte das Tauen ein und mit ihm Getropfe. Von der Dachrinne ins Geäst einer daneben rankenden Kletterrose, vom Balkongeländer in den teils wintergrünen Liguster darunter. Mit jedem Tauen und Tropfen veränderten sich die Figuren.

Zu Beginn schienen alle Figuren noch mehr aus harschem Schnee denn aus Eis zu sein. Weiße Knubbel auf dem Geländer …
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Knubbeleis - weißes Schnee-/Eisgebilde auf einem Geländer.
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Unter Einfluss von Sonne taute anfangs nur die Oberfläche an, doch immer mehr Schneekristalle schmolzen, das Wasser verlief, um gleich darauf wieder zu erstarren. Mit einem Mal wirkte der Körper gläsern.
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Eis am Geländer - milchig-gläserene, säulenartige Skulptur
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Ein recht luftig-leicht daherkommendes Gehänge in der Kletterrose …

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Eisgehänge an der Kletterrose
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Im Liguster entstand eine regelrechte Tropfsteinhöhle. Die Eiszapfen hingen dicht gedrängt herab wie sonst Stalaktiten von der Höhlendecke …
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Tropfsteinhöhle im Garten - Eiszapfen, die wie Stalaktiten von der Decke einer Tropfsteinhöhle hängen. Hier aber im Ligusterstrauch
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Nicht nur Zapfen, dazwischen sind einzelne Blätter vom Eis umhüllt …  eingeschlossen wie in einer Blase …
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Ligusterblätter umeist - Eiszapfen und Eisblasen rund um Ligusterlaub
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Das ist Esmeralda, dort obenauf. Ein langbeiniges, heuschreckenartigs Insekt. Oder eine Gemse, die den Gipfel erklommen hat?
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Eisgebilde mit Eisinsekt obenauf
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(Kurz danach tropfte es erneut, von oben bis unten verlief alles. Die Teile verbanden sich miteinander. Das brachte die Umwandlung zur Giraffe mit sich.)
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Das Eisgehänge links an der Gartenhütte würde ich als sogenannten Fake-Eiszapfen bezeichnen. Aus der Distanz echt wirkend …
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Eiszapfen an der Hütte
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… bei näherer Betrachtung zeigt sich allerdings das wahre Innenleben. Die Kette hat Hilfestellung geleistet.

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Eiszapfengebilde an einer herabhängenden Kette
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Und schließlich war da noch Quentin am Balkon, den ich mehrfach besucht habe. Solange er lebte …
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Eiszapfenzeit - Quentin am Balkon (mannähnliches Eisgebilde, das sich an einem Geländer bildete)
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Vergängliche Kunst. Mittlerweile ist alles wieder verschwunden. Nun bin ich sehr gespannt, wie der März weitergeht. Ich sehe im Netz bereits den Wechsel zu Frühlingsbildern und muss Sie vorwarnen: Bei mir wird es höchstwahrscheinlich auch noch im nächsten Post winterlich zugehen. Ich würde Ihnen nämlich gern frostige Aufnahmen vom Elbufer zeigen. Demnächst an dieser Stelle.
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Für heute möchte ich mich verabschieden, aber falls Sie Eiskunstwerke auch faszinieren und Sie Lust auf Eislilien haben, dann schauen Sie doch einmal bei meinem Schweizer Bloggerkollegen Michael Schneider  (Michael’s Beers & Beans / PhotoLyric Blogger)  herein. Der hat absolute Schönheiten am Bodensee entdeckt und fotografiert! Sein Blog ist generell überaus lesens- und anschauenswert!

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©by Michèle Legrand, März 2018
Michèle Legrand

 

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Märzsonnenbäder lassen Eiszapfen ziemlich schnell vergessen …

Hammer Park - Ende Februar -  Erica carnea (Schneeheide) blüht ...

Blühende Schneeheide (Erica carnea) – hier im Hammer Park, Hamburg, Ende Februar

Herrlich dieses Frühlingswetter, oder? Nutzen Sie momentan auch jede Gelegenheit, draußen zu sein? Und wenn es für ein paar Minuten zwischendurch ist?
Morgens täuscht der strahlend blaue Himmel zwar etwas hinterhältig mehr Wärme vor, als wirklich vorhanden ist, doch gegen Mittag verfügt die Sonne tatsächlich über genügend Kraft, um der Menschheit einzuheizen. Derart, dass die ersten Unverwüstlichen bereits im Top und mit nackten Beinen daherkommen. Splitternackte Haut und belüftete Zehen neben in Wollschals eingewickelten Hälsen und stiefelgeschützten Beinen und Füßen. Dick vermummt sind immer jene gut erkennbar, die schon im Dunkeln früh morgens bei 4° C aus dem Haus mussten. Weiterhin jene Skeptiker, die allem, was momentan wettermäßig abgeht, nicht so recht trauen mögen oder auch jene Vorsichtigen unter uns, die generell bis Mitte Mai Daunenmäntel mit Fell eingefasster Kapuze tragen.
Egal, wie das Wetter ist, bevor die Strickjacke eine Chance hat oder gar Haut freigelegt wird, werden konsequent erst die Eisheiligen abgewartet. Vor der Kalten Sophie geht gar nichts. Man könnte sonst Spätfrostschäden erleiden.
Ach, das gilt nur für Pflanzen?

Das Kuriose am (Vor-)Frühling 2014 ist, er ist diesmal Überraschungsgast, extrem früh dran und zwischen Eiszapfenzeit und lauer Frühlingsluft, Fellstiefeln und Sandalen liegen in diesem Jahr obendrein nur gut vier Wochen.
Hier im Norden (im Süden und Westen Deutschlands war es nicht so ausgeprägt) gab es Ende Januar eine Frostperiode mit Temperaturen von -8 bis -10°, doch nur einen Monat später, Ende Februar, stürmte der Frühling förmlich mit kontinuierlich ansteigenden Temperaturen heran.
Seit mittlerweile einer Woche hält es sich so traumhaft schön. Jede freie Minute zieht es einen hinaus und für mich z. B. bedeutete es eine beachtliche Anzahl von Stunden, die ich mit Gartenarbeit verbrachte. Wenn man so lange Zeit frische Frühlingsluft atmet, Sonne tankt, die Hormonproduktion in Schwung kommt etc., dann passiert etwas.
Im Körper. Im Gehirn!
Die Wärme radiert die Vorstellung an Frost aus. Man hält weitere Kälte langsam für unmöglich. Hält es zumindest für höchst unwahrscheinlich, dass der Winter jetzt noch einmal richtig zurückkommt.
Ausgeschlossen! Kann doch auch gar nicht sein! Die Vegetation! Leute, das treibt doch alles aus! Winter passt doch nun wirklich nicht mehr in die Landschaft!
Das menschliche Gedächtnis möchte – wer kann es ihm verübeln – liebend gern vergessen, dass es graues, nasses Wetter und Bibbertemperaturen gibt. Doch sein Besitzer, der Mensch, macht sich – ebenfalls liebend gern – selbst etwas vor.
Haben Sie es auch schon vergessen? Oder erinnern Sie sich noch daran? Wenn Sie während der letzten Tage zum Fenster herausschauten, dürfte es Ihnen schwergefallen sein, die Eisbilder von vor knapp fünf Wochen aufzurufen. Wollen wir kurz einmal das Gedächtnis auffrischen?

Planten un Blomen, Hamburg - Ende Januar - Etwas verfrorene Vögel auf dem Eis des Wallgrabens ...

Planten un Blomen, Hamburg – Ende Januar – Etwas verfrorene Vögel auf dem Eis des Wallgrabens …

Planten un Blomen, Hamburg - Wallgraben an den Mittelmeerterrassen Ende Januar - Eisig ...

Planten un Blomen, Hamburg – Wallgraben an den Mittelmeerterrassen Ende Januar – Eisig …

Zu der Zeit war der Wallgraben in Planten un Blomen leicht überfroren, immerhin doch so dick, dass die Vögel auf dem Eis sitzen konnten. Mir wäre das definitiv zu kalt am Hintern –  und sagen Sie selbst, sie sehen doch irgendwie ziemlich verfröstelt aus.

Planten un Blomen, Hamburg - Ende Januar - Der Wallgraben ist zugefroren ... Die Möwen rasten .

Planten un Blomen, Hamburg – Ende Januar – Der Wallgraben ist zugefroren … Die Möwen rasten .

Die Krähenvögel an Land plusterten sich dick auf und erhofften sich in menschlicher Nähe Nahrungsreste. Brötchenreste, Krümel, Heruntergefallenes …

Planten un Blomen, Hamburg - Ende Januar - Die Krähenvögel wirken verfroren.  Hoffnung auf Nahrung in Menschennähe ...

Planten un Blomen, Hamburg – Ende Januar – Die Krähenvögel wirken verfroren. Hoffnung auf Nahrung in Menschennähe …

Planten un Blomen, Hamburg - Ende Januar - Die zwei haben es sich auf dem Holzzaun gemütlich gemacht. Etwas wärmer als der Steinboden ... (Krähen auf einem Zaun am Tropenschauhaus)

Planten un Blomen, Hamburg – Ende Januar – Die zwei haben es sich auf dem Holzzaun gemütlich gemacht. Etwas wärmer als der Steinboden …

Und wenn Ihnen Ihr eigenes Haupt lieb und teuer war und Sie seine aktuelle Form und Funktionalität hoch schätzten, sollten Sie zur bewussten Zeit den Bereich unmittelbar an den Scheiben des Tropenschauhauses gemieden haben. Ein weiß-rotes Plastikabsperrband hat Ihnen auch mahnend angezeigt, dass Sie lieber etwas Distanz halten sollten. Der Blick nach oben offenbarte warum …

Planten un Blomen, Hamburg - Ende Januar - Eiszapfen am Tropenschauhaus

Planten un Blomen, Hamburg – Ende Januar – Eiszapfen am Tropenschauhaus

Planten un Blomen, Hamburg - Ende Januar - Am Tropenschauhaus brechen Eiszapfen und schwere Eisstücke vom Dach herunter ...

Planten un Blomen, Hamburg – Ende Januar – Am Tropenschauhaus brechen Eiszapfen und schwere Eisstücke vom Dach herunter …

Bei diesen Spießen und Keilen, die sich durchaus lösen und wie ein Fallbeil herunterstürzen, bleibt man automatisch in gebührlichem Abstand.

Planten un Blomen, Hamburg - Ende Januar - Am Tropenschauhaus - Sie sehen schön aus, die Eiszapfen, sind aber nicht ungefährlich ...

Planten un Blomen, Hamburg – Ende Januar – Am Tropenschauhaus – Sie sehen schön aus, die Eiszapfen, sind aber nicht ungefährlich …

Nein, nein, Winter – selbst in seiner schönsten Form –  mit frischem, knirschendem Schnee, kunstvoll geformten Eiskristallen, filigranen, überfrorenen Spinnennetzen etc. mag  an einzelnen Sonnentagen recht nett wirken, Fakt ist aber:
a) Man braucht das nicht ewig.
b) Man friert irgendwann doch.

Planten un Blomen, Hamburg - Ende Januar - Am Tropenschauhaus - Kalt ist es. Schön auf den Holzwegen links bleiben, der Rest sind nur mit einer sehr dünnen Eis- und Schneeschicht überzogene Wasserbecken

Planten un Blomen, Hamburg – Ende Januar — Kalt ist es. Schön auf den Holzwegen links bleiben, der Rest sind nur mit einer sehr dünnen Eis- und Schneeschicht überzogene Wasserbecken

Planten un Blomen, Hamburg - Ende Januar - Gräser zusammengebunden, Wurzelbereich geschützt, eine leichte Schneedecke  .... und FROST!

Planten un Blomen, Hamburg – Ende Januar – Gräser zusammengebunden, Wurzelbereich geschützt, eine leichte Schneedecke …. und FROST!

Als ich Ende Februar wieder im Park weilte (u. a. den Leberwurstbaum (Kigelia africana)  im grünen, warmen Tropenschauhaus anschauen, Sie kennen vielleicht den entsprechenden Blogpost), war es draußen nicht zu übersehen: Der Lenz hatte es auf einmal eilig!

Planten un Blomen, Hamburg - Ende Februar - Nur vier Wochen weiter und man ahnt den Frühling. Kein Eis mehr auf dem Wallgraben dahinter ...

Planten un Blomen, Hamburg – Ende Februar – Nur vier Wochen weiter und man ahnt den Frühling. Kein Eis mehr auf dem Wallgraben dahinter …

Planten un Blomen, Hamburg - Ende Februar - Beim Alpinum zeigen sich auch schon Blüten (Im Hintergrund das Radisson Blu Hotel am Dammtor)

Planten un Blomen, Hamburg – Ende Februar – Beim Alpinum zeigen sich auch schon Blüten (Im Hintergrund das Radisson Blu Hotel am Dammtor)

Planten un Blomen, Hamburg - Ende Februar - Christrosen (Helleborus niger) bahnen sich ihren Weg durchs alte Laub.

Planten un Blomen, Hamburg – Ende Februar – Christrosen (Helleborus niger) bahnen sich ihren Weg durchs alte Laub.

Die ersten Blattknospen öffnete sich und zeigten ihr frisches Grün, die ersten Blüten an Sträuchern reckten sich der Sonne entgegen, die Zwiebelblüher bildeten bunte Teppiche.

Planten un Blomen, Hamburg - Ende Februar - Frostfrei und es blühen Krokusse, Winterlinge, Schneeglöckchen und Märzenbecher

Planten un Blomen, Hamburg – Ende Februar – Frostfrei und es blühen Krokusse, Winterlinge, Schneeglöckchen und Märzenbecher

Am wieder eisfreien Wallgraben jagten die Herren Erpel lautstark quakend die Entendamen. Pflügten energisch durchs Wasser und hatten die Hormone kaum im Griff. Es herrschte Männerüberschuss, entsprechend beherzt waren die Werbeaktionen und entsprechend durchdringend klang es. Eine (Menschen-)Dame, die etwas oberhalb auf einem der weißen Stühle an den Mittelmeerterrassen saß und wohl vergeblich versuchte, lesend ein paar Zeilen in ihrem Buch voranzukommen, bat sich irgendwann genervt Ruhe aus.
„Jetzt ist aber mal gut hier! Sie hat es ja nun gehört, Jungs!“
Mag sein, dass die Entendame die engagierten Herren gehört hatte, sie tat allerdings höchst desinteressiert. Taktik?

Die Amseln sonnten sich am Boden und pickten, was sich so alles zwischen den alten Blättern befand.

Planten un Blomen, Hamburg - Ende Februar - Amsel in der Sonne (auf alten Blättern vor sich einen glänzenden Kronkorken)

Planten un Blomen, Hamburg – Ende Februar – Amsel in der Sonne

Was dieser Amselmann mit dem Kronkorken vorhatte?
Man weiß es nicht …
Blauer Himmel, Sonnenschein. Der Regenschirm hatte ausgedient. Neugierige Tauben checkten die Möglichkeit, ein ausgedientes Exemplar eventuell für den Nestbau zu gebrauchen und gegebenenfalls in Gemeinschaftsarbeit abzuschleppen.
Tauben-WG-tauglich? ^^

Planten un Blomen, Hamburg - Ende Februar - Tauben suchen Nistmaterial ...

Planten un Blomen, Hamburg – Ende Februar – Drei Tauben auf der Suche nach  Nistmaterial … „Kommt, das schauen wir uns mal genauer an …!“

Wissen Sie, was in diesen Tagen noch einmal besonders für einen Winter-Frühling-Kontrast sorgte und den Unterschied warm-kalt sehr deutlich zeigte?
Die Eisbahn in den an Planten un Blomen angrenzenden Wallanlagen!

Planten un Blomen, Hamburg -  Eisbahn in den Wallanlagen  - Ende Februar - In der Sonne bilden sich Pfützen auf der Eisbahn ...

Planten un Blomen, Hamburg – Eisbahn in den Wallanlagen – In der Sonne bilden sich Pfützen auf der Eisbahn …

Anfang März: Dort ist noch richtiges (jaja, natürlich künstlich erzeugtes) Eis! Kein Eisersatz, keine lediglich schlittschuhtauglichen Bodenplatten, welche zwar weiß daherkommen (und ökologisch als empfehlenswert gepriesen werden), aber wie verlegtes Laminat aussehen und so gar kein Eislauf-Feeling vermitteln.
Die echte Eisfläche gibt der unmittelbaren Umgebung weiterhin einen sehr winterlichen Touch. Optisch und akustisch! Man hört das ganz typische Kratzen der Kufen, wenn die Schlittschuhläufer ihre Bahnen ziehen und besonders, wenn die Künstler unter ihnen Pirouetten drehen oder nach einem Sprint abrupt abbremsen. Dann spritzt feiner Eisnebel auf.
Eisige Kulisse, doch die Kleidung ist plötzlich alles andere als winterlich. Sobald momentan die Frühlingssonne scheint, fahren viele im T-Shirt. Wer mehr Kleidung anlässt, friert nicht notgedrungen, sondern möchte für den Fall des Hinplumpsens eine Schutzhülle besitzen.

Planten un Blomen, Hamburg -  Die Eisbahn in den Wallanlagen

Planten un Blomen, Hamburg – Die Eisbahn in den Wallanlagen

Dass die Sonne ein ganz beachtlicher Heizstrahler ist, merkt man auch daran, dass das Eis auf dem Teil der Bahn, der nicht im Schatten liegt, zu tauen beginnt. So viel kann gar nicht hinterhergekühlt werden! Große Pfützen haben sich gebildet und werden mit gebührendem Respekt und geringerem Tempo durchquert. Wer das kennt, fährt momentan sogar mit Regenhose. Ein Ausrutscher ohne diese Vorkehrungen bedeutet sonst: die Büx trieft!  Und wer hat schon jedes Mal Ersatzkleidung mit dabei.

Jetzt, da ich Ihnen davon erzähle, ist allerdings Ende mit dem Eislauf. Die Eisbahn hat für diese Saison ihre Pforten geschlossen. Am 10. März war der letzte Öffnungstag. Nun heißt es wieder warten bis zum November … Oder vielleicht friert es draußen doch noch einmal heftig, sodass natürliche Flächen …
Wie bitte? Sie möchten keine Herumunkerei?
Warten Sie es ab. Das Erdreich riecht noch nicht richtig nach Frühling! Nicht ganz, ich habe im Garten intensiv geschnuppert. Dieser ganz typische, erdige und dabei etwas modrige Geruch, der vermischt mit Wärme und den ersten Düften von Frühlingszwiebelblühern vermengt etwas Unvergleichliches ergibt! Er war noch nicht ganz entstanden, wirkte gebremst. Und wenn man aufs Moos klopft, staubt es bisher nicht genügend.
Fazit: Da kommt noch wieder kühleres Wetter auf uns zu …

Als nervender Frühlingsdableibinfragesteller und alter Spielverderber muss ich Ihnen weiterhin (als anschauliches Beispiel) mitteilen, dass mein Großvater ein Widder-Geborener war, der am 31. März Geburtstag hatte. Wenn er feierte, dann hatten wir temperaturmäßig im Laufe seines Lebens an diesem Datum alles nur erdenklich Mögliche an Witterungs- und Saisonzuständen.
Man saß bei beinahe sommerlichen Temperaturen in Hemdsärmeln, die Balkontür weit auf, man kam in anderen Jahren mühsam bei einsetzendem Glatteis zu ihm oder – wenn er zufällig Ostern Geburtstag hatte – fiel die Eiersuche auch schon mal bedingt durch heftigen Neuschnee völlig aus. Mal waren die Hecken noch komplett kahl, mal grünte es sichtlich. Ein Jahr war vorher durchgehend Frost gewesen, im nächsten kam pünktlich zum Geburtstag Ende März die Wärme und blieb. Doch auf sehr frühe Wärme folgte stets das große Klappern!
Auch noch Ende April!

Gehen Sie also tunlichst jetzt hinaus, solange die Sonne sich zeigt, nutzen und genießen Sie die milden Temperaturen, aber packen Sie ihren Wintermantel noch nicht so weit weg.
Jammern Sie bitte nicht rum, wenn er demnächst noch einmal gebraucht wird.
Freuen Sie sich stattdessen, dass er zwischendurch unnötig war.

Die schöne Zeit kann Ihnen ja schließlich keiner mehr nehmen …

©März 2014 by Michèle Legrand
Michèle Legrand  ©Foto Andreas Grav (Ausschnitt)

Hinweis:
Planten un Blomen hat im Blog eine eigene Kategorie (siehe Startseite rechts). Hier finden Sie zahlreiche bebilderte Artikel, die Ihnen die Außenanlagen, aber auch die Tropengewächshäuser näherbringen. Außergewöhnliche Pflanzen, besondere Blühereignisse etc. können Sie via Blogbesuch und natürlich vor Ort kennenlernen.

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Omar Sharif II und die richtige Kälte …

Vor einigen Tagen fragte ich Sie, ob Sie für den bevorstehenden Wintereinbruch schon vorgesorgt hätten. Ob Sie an das Einbringen des Proviants gedacht hätten.
Sagen Sie bitte, hätten Sie – trotz aller Vorhersagen – mit Schneefall in diesem Maße gerechnet?

März - 11.03.2013 - Schneegestöber ...

März – 11.03.2013 – Schneegestöber …

Derart, dass Sie wirklich bald ein paar Dosensuppen und Zwieback im Schrank haben sollten, da durchaus das Risiko besteht, dass Sie eines Morgens beim Öffnen der Haustür vor einer massiven, undurchdringlichen Schneewand stehen?
Oder hätten Sie erwartet, dass die Temperaturen noch einmal derart in den Keller rutschen würden?
Erheblicher Schneefall am 10. März, gefolgt von weiteren massiven und äußerst ausdauernden Schneegestöbern am Tag darauf. Nachts Frost. Richtiger Frost! Nicht bloß das eine Grad minus, das die Schneepracht am Tag konserviert hatte.

12. März 2013 - Eiszapfen am Geländer

12. März 2013 – Eiszapfen am Geländer

Seit dem Wochenbeginn hat sich die Wetterfront samt Schnee langsam nach Süden vorgearbeitet – ohne dabei vorerst im Norden die Arbeit zu vernachlässigen. Am 12. März jedoch, nach klarer, kalter Nacht, strahlte die Sonne an einem traumhaft blauen Himmel, und die Welt sah für einen Moment gleich wieder ganz anders aus. Dafür war  inzwischen bis zum Rhein-Main-Gebiet der Winter zurück, und am Frankfurter Flughafen herrscht seitdem Zustand. Die Bahn ist auch betroffen – nicht nur hier, ebenfalls bei den europäischen Nachbarn.

März - 10.03.2013 - Schneebeladene Hecken ...

März – 10.03.2013 – Schneebeladene Hecken …

Die Menschheit wurde wirklich fuchsig. Ist fuchsig seit dem Wochenende! Ist aufgebracht! Mordlustig!
Lyncht den Winter!
Würde es sich um Herrn Winter handeln, also um eine Person, hätte sie – bezogen auf die üblen Attacken und den regelrechten shitstorm, der hier im Netz ausgebrochen ist – bestimmt schon Klage eingereicht. Wegen Beleidigung, Bedrohung, Anfeindung, übler Nachrede, Intoleranz etc.

März - 10.03.2013 - Auch Straßen ... weiß - Wenn man es nur nicht schon so über hätte mit der Kälte ...

März – 10.03.2013 – Auch Straßen … weiß – Wenn man es nur nicht schon so über hätte mit der Kälte …

Es wird schon jämmerlich geheult, gemosert und gemotzt!
Sie können fast sicher sein, alles wäre gut gewesen, hätten wir nicht kurz zuvor diese verführerischen, frühlingshaften Stunden genießen können. Es ist so, wie einem Hungrigen etwas lecker Gebrutzeltes vor die Nase zu halten, ihn daran schnuppern zu lassen, aber beim Zubeißversuch die Leckerei nicht nur wegzuziehen, sondern stattdessen auch noch Lebertran oder Verdorbenes hinzuhalten.
Ohne eine gewisse Erbostheit lässt sich die Angelegenheit nicht hinnehmen!
Sozusagen die Wut der ersten Sekunde, eine Spontanreaktion.
Mensch A fängt sich schnell wieder, Mensch B … Nun, sagen wir es so: Es ist generell eine Herausforderung, mit dem Guten vor der Nase wieder das weniger Gute – selbst wenn es nicht wirklich schlecht ist – einfach gelassen zu akzeptieren.
Ist es nicht immer so?
Egal bei welchen Dingen – ist erst einmal ein gewisser Level, ein bestimmter Standard erreicht, fällt es dem Menschen außerordentlich schwer wieder zurückzudrehen, mit weniger auszukommen. Kleinere Wohnung, weniger Gehalt, Urlaub auf dem Balkon, kleineres/kein Auto, Verzicht auf eine bestimmte Marke …

Doch zurück zum Wintereinbruch und zu Herrn Sharif. Ich erinnerte mich gestern plötzlich an ihn, als ich während des Schneetreibens vor geschlossener Bahnschranke stand und die Gedanken beim Blick auf die Gleise treiben ließ …

März - 12.03.2013 - Gleise im Schnee ...

März – 12.03.2013 – Gleise im Schnee …

Klirrende Kälte. Endlos wirkende Gleise irgendwo im Ural. Dann das Geräusch einer zischenden und schnaufenden Dampflok. Ein Bahnhof. Jurij im langen Mantel, die Fellmütze telegen in die Stirn gezogen, steigt aus, sieht sich um. Der melancholische Blick aus dunkel bewimperten, braunen Augen gleitet langsam und suchend den Bahnsteig entlang.
Dr. Schiwago!
Omar Sharif hat ihn gespielt. Sie haben ihn noch vor Augen?
Von ihm komme ich zu Joe B. Kadlec, einem Herrn etwa gleichen Alters, dessen Vorfahren – wenn ich mich richtig entsinne – aus der Tschechei nach Kanada auswanderten und der dort, als ich ihn kennenlernte, für die Cominco Polaris Mine gearbeitet hat. Mit ihm hatte ich beruflich länger zu tun, als meine damalige Firma Produkte lieferte, die für den Erzabbau in dieser Mine notwendig waren.

Eines Tages kündigte unser kanadischer Kunde seinen Besuch an und aufgrund des sehr netten Kontakts und seiner wirklich angenehmen Art, wollten wir es uns nicht nehmen lassen, ihn direkt vom Flughafen abzuholen.
Doch wie sah Mr. Kadlec aus? Wie konnte man ihn erkennen?
Es war noch nicht die Zeit, in der man einfach schnell ein Foto über den Atlantik mailte und alle Bescheid wussten.
Mein damaliger Chef, ein sehr gelassener Mensch, hatte wenig Abneigungen, stellte sich kaum an, doch eine Sache verabscheute er wirklich sehr: das Herumstehen im Ankunftsbereich mit einer Namenspapptafel …!
Oh, nein, nicht mit ihm!
Er fragte immer nach Erkennungszeichen (Ach, kommen Sie, Sie haben doch bestimmt irgendwo eine Narbe!), doch wenn man ihn im Gegenzug aushorchen wollte, was denn an ihm spezifisch wäre, dann sagte er nur: Ich schaue Sie an.
Er hat auch nie einen verpasst. Nur manchmal blickte er zu viele an, die das gelegentlich missverstanden …
Mr. Kadlec aus Kanada schrieb auf seine Frage zurück:
Don’t worry, you can’t miss me. I look like Omar Sharif. Well, a bit. At least, they say so …

Ein Double? Wir unkten ein wenig herum, denn häufig sind es gar nicht die Gesichtszüge, die Augen, die Haare etc. , die die Ähnlichkeit ausmachen. Oft sind es Bewegungen, Ausdruck, Haltung, Stimme oder das Lachen, was an eine bestimmte Person erinnert.
Wenn der Gast aber nicht wirklich so aussah wie Omar Sharif, wenn er womöglich schwieg und wie festgewachsen dort stand … was dann?
„Wenn wir uns unsicher sind, summen wir bei Wackelkandidaten einfach das Lied! Dann wird schon der Richtige reagieren …“
Die Schiwago-Melodie! Lara’s Theme!
Das müsste gehen.

Es hat damals geklappt, sogar ohne Summen, denn Joe B. Kadlec war ein Omar Sharif Double erster Klasse! Noch besser aussehend. Etwas kantiger.
Er war bei leicht frostigen Temperaturen in einer relativ dünnen Jacke erschienen, weshalb wir ihn schnell zum Auto bugsieren wollten. Uns selbst war auch etwas frisch. Doch er erstaunte uns mit der Bemerkung, wie schön mild es doch in Deutschland im Winter sei!
Frühlingshaft!

Und dann begann er, uns mehr von der Gegend, in der sich die Polaris Mine befand, zu erzählen.
(Mittlerweile ist sie geschlossen, denn der unterirdische Abbau von Zink auf Little Cornwallis Island im kanadischen Territorium Nunavut lohnte sich 2002 nach gut 20 Jahren nicht mehr.)
Die Mine lag 1.120 km nördlich vom Polarkreis und fast 100 km entfernt von der nächsten Siedlung (Resolute). Kaum eine Seele, logischerweise eine karge Landschaft, arktische Temperaturen, Erzabbau unter extremsten Bedingungen.
Sagen Ihnen die Lage oder die Kilometerangaben etwas? Nicht?
Warten Sie, wir starten anders und bringen es ein wenig in Beziehung zu Orten, die Sie kennen!
Die Region im äußersten Norden Kanadas liegt etwa auf dem 75. Breitengrad. Deutschland von Bayern bis Sylt zieht sich vom 47. bis zum 55. Breitengrad.
Sylt wiederum ist etwa gleichauf mit den kanadischen Territorien Neufundland und Labrador.
Von Sylt aus (= 55. Breitengrad) 20 Breitengrade Richtung Norden zu gehen, heißt, ca. 2.222 km weiter nördlich zu reisen! Westlich an Grönland vorbei bis zum Ende der Baffin Bay oder meist die Northwestern Passages nutzend.  Immer weiter Richtung Norden.
(1 Grad = 60 Minuten, 1 Minute entspricht 1 Seemeile, 1 Seemeile = 1,852 km).

Ziemlich weit oben. Sie haben jetzt ein Gefühl für die Entfernung?
Bitte?
Man geht als Europäer eher nach Süden als nach Norden?
Dann stellen Sie sich doch vor, Sie würden von Bayern aus südwärts starten. In dem Fall würden Sie ungefähr auf den kanarischen Inseln vor der afrikanischen Küste angelangen!

Unser Omar Sharif hielt sich jedoch oft im äußersten Norden auf und hatte sich mittlerweile schon gut mit den örtlichen Gegebenheiten arrangiert. Er zeigte uns ein Foto, auf dem er winterliche Privatkleidung trug – sehr ähnlich der, die der echte Omar Sharif als Doktor Schiwago anhatte – was einer gewissen Komik nicht entbehrte, denn er hätte diese Aufnahme durchaus glaubhaft als Autogrammkarte benutzen können.
Ein anderes Bild zeigte ihn in moderner, hochentwickelter, leuchtkräftiger Kälteschutzkleidung , inkl. Gesichtsschutz.
Er erzählte von den strengen Vorschriften, an die sich jeder Mitarbeiter zu seiner eigenen Sicherheit zu halten hatte. Verlassen der Innenräume nur in kompletter Schutzkleidung und stets mit Anmeldung und Abmeldung, nur bestimmte (kurze) Zeiten in freier Umgebung. Vieles mehr wurde genauestens reglementiert, natürlich auch das Arbeiten in der Mine selbst erfolgte im genau festgelegten Rhythmus und mit häufigen Schichtwechseln. Wer länger dort war und sich akklimatisiert hatte, hielt besser durch.
Warum ihm bei Temperaturen um den Gefrierpunkt in Hamburg Frühlingsgefühle überkamen, erklärt sich damit, dass in der Region der Polaris Mine im Jahresschnitt  -16° C herrschen. Das hört sich noch halbwegs erträglich an, ist aber eben auch nur der Mittelwert.
Jetzt, um diese Zeit, Anfang März, herrschen dort allerdings etwa -30° C, Anfang Februar waren es  -35° C, gelegentlich sogar -50° Celsius!
Schneefall?
Ja, schon, doch der meiste fällt bereits im September und Oktober.
Sommer?
Nicht nach unserem Verständnis. In den Monaten Mai/Juni klettern die Temperaturen durchaus kurzfristig leicht in den Plusbereich, weshalb sämtliche Lieferungen, die per Schiff für die Mine ankamen, genau dann einzutreffen hatten, da in diesen „warmen“ Monaten das Eis des Seeweges noch durchdringbar ist oder zumindest die Fahrrinne mit Hilfe von Eisbrechern freigehalten werden kann.
Genau das war es, was im Endeffekt für uns als Händler und Lieferanten immer wieder für Nervenkitzel und Stressmomente sorgte: Lieferungen, die aus der Produktion von Ländern des ehemaligen Ostblocks stammten und zur Weiterverladung nach Kanada bestimmt waren, kamen oft nicht pünktlich. Wir starben unterdessen stets kleine Tode, wenn das Wetter schlechter wurde, Schiffe verpasst wurden, die Eisdecke auf dem Fahrwasser wuchs …
Später ging man deshalb dazu über, einige Dinge auch per Flugzeug zumindest bis zur Resolute Bay zu bringen. Nur waren die Kosten entschieden zu hoch, um alles auf diese Art und Weise zu transportieren. Es ging bei der Versorgung einer Mine nicht um kleine Pillenboxen, sondern mehrheitlich um beträchtliche Mengen von  20ft und 40ft Containern. Und irgendwie hat es dann doch immer gerade noch geklappt …

Wir in Deutschland haben in diesem Winter besonders über die Dunkelheit, das trübe Licht geklagt.
Wie schaut es denn dort oben diesbezüglich aus?
Im Territorium Nunavut sind im Winter teilweise nur knapp vier Stunden Licht am Tag, je nördlicher man kommt, desto weniger. Irgendwann erreichen Sie die Regionen, in denen es dunkel bleibt – genauso wie es während der wenigen Sommermonate dort fast 24 Stunden hell ist.
Gewöhnungsbedürftig.
Besser als bei uns? Schlechter?
Worüber gibt es mehr zu klagen? Was wäre uns lieber?
Würden wir bei dieser Auswahl doch lieber bei unserem deutschen Klima bleiben? Selbst dann, wenn heute Frankfurt wieder im Schnee versinkt, die Sonne im Norden sich schon wieder verkrümelt und neues Schneetreiben einsetzt, und alles Kalte doch schon so lange geht, uns so über ist, und wir doch Frühling wollen und überhaupt …?

Halten Sie einfach durch!
Es kann jetzt nicht mehr lange dauern!
Letztendlich ist alles eine Frage der Verhältnismäßigkeit.
Im Verhältnis zu Nordkanada sind wir recht gut dran.
Im Verhältnis zu der Zeit, die schon Winter war, ist die Zeit, die wir jetzt noch Geduld aufbringen müssen, recht begrenzt.
Im Verhältnis zum Gejaule, ist Gelassenheit irgendwie die coolere Variante.

März - 10.03.2013 - Ein neuer Wintereinbruch

März – 10.03.2013 – Ein neuer Wintereinbruch

März - 10.03.2013 - Baumwolle, Schaum, Watte ...? Schnee .. was auch sonst dieser Tage!

März – 10.03.2013 – Baumwolle, Schaum, Watte …? Schnee .. was auch sonst dieser Tage!

März - 10.03.2013 - Bis auf den Boden herunter gedrückte Zweige ...

März – 10.03.2013 – Bis auf den Boden herunter gedrückte Zweige …

März - 12.03.2013 - Eiszauber an der Dachrinne

März – 12.03.2013 – Eiszauber an der Dachrinne

März - 10.03.2013 - ... alles weiß

März – 10.03.2013 – … alles weiß

März - 12.03.2013 - Blumenhartriegel mit Schneetuffs ... Cornus kousa var. chinensis ...

März – 12.03.2013 – Blumenhartriegel mit Schneetuffs … Cornus kousa var. chinensis …

März - 10.03.2013 - Es läppert sich zusammen. Erstaunlich wie aufrecht die Haselnuss dabei bleibt ...

März – 10.03.2013 – Es läppert sich zusammen. Erstaunlich wie aufrecht die Haselnuss dabei bleibt …

März - 10.03.2013 - ... von unten gesehen. Der Schnee auf den Zweigen des Cornus kousa (Blumenhartriegels).

März – 10.03.2013 – … von unten gesehen. Der Schnee auf den Zweigen des Cornus kousa (Blumenhartriegels).

März - 10.03.2013 - An den Enden der Schneeball-Zweige (Viburnum rhytidophyllum) formen sich - passend zum Namen - regelrechte Schneebälle ...

März – 10.03.2013 – An den Enden der Schneeball-Zweige (Viburnum rhytidophyllum) formen sich – passend zum Namen – regelrechte Schneebälle …

März - 12.03.2013 - Eiszapfen am Geländer

März – 12.03.2013 – Eiszapfen am Geländer

März - 10.03.2013 - Die Korkenzieher-Hasel (Corylus avellana 'Contorta). Das Wollknäuel von gestern heute mit Schnee ...

März – 10.03.2013 – Die Korkenzieher-Hasel (Corylus avellana ‚Contorta). Das Wollknäuel von gestern heute mit Schnee …

März - 10.03.2013 - Schnee-Engel ...

März – 10.03.2013 – Schnee-Engel …

Und wenn Sie jetzt gerade die letzten Bilder von unserem Winter angesehen haben … sagen Sie selbst, wirken sie nicht doch irgendwie positiv, so ganz grundsätzlich? Wattetuffs auf den Zweigen, glitzernder Schnee, blinkende Eiszapfen und nicht zu vergessen … die Helligkeit!
Wenn Omar Sharif II in der Arktis überlebt hat, dann müssten wir das hier doch auch schaffen.
Manchmal kommt es nur auf die richtige Kleidung an.
Und die richtige Einstellung.
Hören Sie: Wir werden es alle überleben bis zum Frühlingsbeginn!

Doch, doch … ich bin mir sicher!

Ach, nur noch eines: Wenn Ihr Herz jetzt Lust bekommt,  zu irgendjemanden auf die Reise zu gehen, dann tun Sie sich keinen Zwang an und gönnen sich die Instrumentalversion von Maurice Jarres Song für den Film Dr. Schiwago – Lara’s Theme. Hier dirigiert er selbst, und Sie können bei den eingespielten Szenen auch Omar Sharif I (das Original ^^) sehen.

Youtube dot com/watch?v=3X-Q4nmYqc4 (->Bitte dot durch Punkt ersetzen. Zum Schutz Ihrer Daten kein aktiver, direkter Link hinüber zur Videoplattform!)

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©März 2013 by Michèle Legrand
Michèle Legrand auf WordPress.com

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