Beiträge getaggt mit Einkaufszentrum

25 Jahre EKZ QUARREE Wandsbek-Markt – Ob der Herr Blanco auch zum Jubiläum wieder kommt?

Michèle Legrand (@WordPress.com)In der heutigen oft recht schnell- bzw. kurzlebigen Zeit, sind Zeitspannen von mehr als drei Jahren schon lang. Vieles was just in diesem Moment entsteht oder en vogue ist, gilt dann bereits wieder als veraltet oder existiert gar nicht mehr.
Ist weg vom Fenster.
Trends haben es nun einmal an sich, dass sie nur über eine gewisse Lebensdauer verfügen – was nicht heißt, dass sie nicht irgendwann erneut auferstehen!
Während Nützliches und Dinge des täglichen Bedarf nie völlig out sind, geht den Trends und Modeartikeln schon eher die Puste aus. Wie die Überlebenschancen für heute angesagte Frisuren, Bubble Tea, neue hippe Sportarten, Farbvorlieben, Duftkreationen, Trendnahrungsmittel etc. stehen, kann keiner genau abschätzen. Das Herausfordernde ist, sich immer wieder dem Wandel anzupassen, was sich besonders schwierig gestaltet, wenn er nicht rechtzeitig erkannt oder sogar bewusst ignoriert wird!
Weggedacht. Gardine vor. Die blickdichte …
Nur – ist er dadurch vermeidbar, oder ist es eine Möglichkeit, etwas ungeschehen zu machen?
Wandel entsteht unter anderem dann, wenn sich Ansprüche ändern. Durch Umstände oder weil neue Bedürfnisse geweckt werden. Weil Vorreiter dort sind, die sich mit ihren Ideen und Konzepten, aber auch mit ihrer Qualität durchsetzen und auf diese Art zum Maßstab für andere werden. Wer dort hinterherhinkt, hat schnell das Nachsehen – außer, er schafft es, sich nicht den Anstrich eines ewig gestrigen, langweiligen Uninteressierten zu geben, sondern pflegt sein Image dahingehend, dass sein Altes bewahren und pflegen Kultcharakter erlangt.
Gewollt altmodisch, nicht rückständig!

Generell sieht es eher so aus, dass übertrieben konservatives Verhalten, einhergehend mit Kurzsichtigkeit bzw. Widerspenstigkeit gegenüber jeder Veränderung und allem Neuen, häufig der Grund für das Scheitern oder in der Versenkung verschwinden einer an sich guten Sache ist. Wer immer nur gleichartige Pullover strickt, nie das Strickmuster, die Farbe, den Schnitt oder/und das Garn ändert, war vielleicht irgendwann mit seiner Kollektion Branchenprimus, wird jedoch bei Stillstand und Ausruhen auf alten Lorbeeren langsam aber sicher als öde und von gestern abgestempelt werden.
Auf Wirtschaft und Handel – oder heute aus gegebenem Anlass ganz speziell auf Einkaufszentren – bezogen, bedeutet dies:
Entweder ich befriedige die Bedürfnisse in besonderer Weise und schaffe immer wieder Anreiz für ein Wiederkommen des Käufers oder die Besucher bleiben weg, orientieren sich anderswo. Das Geschäft dümpelt müde vor sich hin, die Mieter verlassen das Zentrum, das Angebot sinkt weiter, die Hälfte der Ladenflächen steht leer, verkommt – und irgendwann greift sich ein Investor den Komplex und macht im günstigsten Fall Wohnungen daraus.

Das es auch anders geht, beweist ein Jubiläum, das Ende September ansteht:
Mein – ich habe es natürlich nicht gekauft, aber ich sehe es als mein persönliches Einkaufzentrum an – mein EKZ QUARREE Wandsbek-Markt im östlichen Hamburg, wird tatsächlich schon 25 Jahre alt! Es ist so ein Beispiel für ständige Anpassung an neue Gegebenheiten. Vieles habe ich begrüßt, ein paar Dinge auch bedauert. Geschäfte, die kommen und gingen, Umgestaltungen – nicht mit allem kann jeder gleich glücklich sein. Nur im Großen und Ganzen ist es eine enorme Bereicherung für das östliche Hamburg, eine wirkliche Alternative zur City, und wirklich lobenswert sind die vielen Veranstaltungen, die dort erdacht und umgesetzt werden.
So übersteht man nicht nur die Jahre, sondern sieht dabei auch noch gut aus und gewinnt laufend Kunden dazu!

Ich habe mich mit dem Einschätzen seines Alters schwer getan, dabei bekam ich die Erstellung damals mit und verfolgte sämtliche Umbauten und Erweiterungen aus nächster Nähe!
Meine Güte, 25 Jahre!
Wie oft liegt der Mensch daneben, wenn er angeben soll, wie lange ein bestimmtes Ereignis schon zurückliegt. Meist ist doch viel mehr Zeit seitdem vergangen als gedacht!
Könnten Sie spontan sagen, was vor 25 Jahren passierte?
Die Chancen stehen gut, wenn Sie bestimmte, für Sie wichtige Ereignisse, damit verknüpfen können. Schule beendet, geheiratet, erstes Kind – das sind Dinge, bei denen Sie meist datenfest sind. Aber wann Sie Mumps hatten, wie lange Ihr Nachbar im Haus wohnt, wann Ihr Auto das letzte Mal beim TÜV war, vor wie vielen Jahren Sie die letzte Tetanus-Impfung bekamen … keine Ahnung.
Sie werden so etwas wie den Terroranschlag auf die beiden Türme des WTC in New York erinnern. Die Bilder des Anschlags sowieso – doch das Datum wird zusätzlich immer wieder genannt und von Ihnen mit Ihren gebliebenen Eindrücken verbunden. Ist abrufbereit. Das Abspeichern von Daten ist eine Ausnahme, die bei denjenigen Vorkommnissen stattfindet, die weit über das Normale hinausgehen, tragischer sind, mehr Einfluss haben, privat oder weltweit immense Änderungen nach sich ziehen …

Doch zurück zum Einkaufszentrum, welches zum Glück nicht zu dieser Kategorie zählt und dessen Gründungsjahr daher auf andere Art und Weise aus meinem Gedächtnis hervorgekramt werden musste. Ich behalf mir mit dem Alter meiner Kinder. Mein Sohn war schon etwas vorher – vor der Fertigstellung – auf der Welt, meine Tochter jedoch noch nicht. Zwischen ihren Geburten musste Eröffnung gewesen sein. Daraus ergab sich eine unsichere Zeitspanne von gut drei Jahren.
Nun, bei mir hätte das EKZ Quarree Wandsbek-Markt eben statt 1988 erst 1989 oder Anfang 1990 eröffnet gehabt und könnte dementsprechend leider erst später Jubiläum feiern …

Als ich in den 80er Jahren in diese Gegend zog, gab es eine Vielzahl an teilweise weiter auseinanderliegenden Einzelgeschäften und das alteingesessene Kaufhaus KARSTADT. Zu dieser Zeit war die Existenz der großen Ketten noch nicht so ausgeprägt, deren zahlreiche, fast identisch aussehende Filialen jede Einkaufsstraße heutzutage der nächsten ähneln lassen. Die Häuser entlang der Wandsbeker Marktstraße waren unterschiedlich in ihrer Größe und auch in ihrer Höhe. Ein Sammelsurium. Nicht immer schön, denn manche Bauten waren nach dem Krieg nur halbherzig wieder hergerichtet worden. Geschosse, die nach dem Bombardement fehlten, stockten die Eigner teilweise gar nicht wieder auf, sondern sie zogen einfach auf halber Höhe ein Flachdach. Fertig.
Es gab auch bis hin in die besagten 80er Jahren zahlreiche Eigentümer mit verschiedenen Interessen, Ansichten, Vorhaben und Geldbeuteln. Nicht leicht, etwas Einheitliches, Gemeinsames auf die Beine zu stellen. Die Kunden wanderten für ihre Besorgungen vorrangig in die City und erledigten hauptsächlich den alltäglichen Einkauf vor Ort, obwohl damals durchaus in einem Häuserkomplex, der später zum völlig neuen QUARREE II wurde, das Kaufhaus HORTEN auf zwei Etagen und im Tiefgeschoss Schaulandt, der bekannte Technik- und Elektroanbieter mit dem auffälligen Erkennungszeichen, dem weißen Gespenst auf schwarzem Grund, existierte. Die Wandsbeker Marktstraße bot zu dieser Zeit ein etwas unruhiges Bild. Bunt zusammengewürfelt, es war nicht alles leicht zu finden und an manchem fehlte es komplett. So entstand hier, wie auch in manchen anderen Stadtteilen, die Idee der Errichtung eines Einkaufzentrums. Nicht irgendwo an der Peripherie, sondern mittendrin.

Es kam Bewegung in die Angelegenheit. Häuser wechselten den Besitzer. Aufkäufe für ein zukünftig an dieser Stelle entstehendes Ladenzentrum wurden getätigt. Die inzwischen vorliegenden Pläne wurden vorgestellt, und schließlich war es soweit: die Um- und Neubauten starteten. Im Herbst 1988 eröffnete der erste Teil des heutigen Einkaufszentrums. Das QUARREE I wurde im zweiten Schritt stadtauswärts erweitert, Quarree II kam mit neuen Ladenflächen und weiterer Tiefgarage (Parkhaus) hinzu. Heute zieht sich das Einkaufszentrum von KARSTADT bis hin zu den U-Bahn-Abgängen in der Wandsbeker Marktstraße, die sich gegenüber des ZOB befinden.
Das Zentrum ist sehr gut erreichbar, und zu seiner Beliebtheit trägt sicher auch das CinemaxX Kino bei, das im Jahr 2000 eingeweiht wurde. Es wurde quasi nachträglich auf das Dach des QUARREE I  gebaut, schwebt frei und sitzt außerhalb auf vier Stützen. Eine ziemlich einmalige Konstruktion!
Die Region Wandsbeker Marktstraße wurde BID (Business Improvement District) und überaus rührige Wandsbeker Geschäftsleute haben sich zusammengeschlossen, um im City Wandsbek e. V. gemeinsam neue Wege zu gehen und weitere Verbesserungen für die Region zu erreichen.

25 Jahre. Silberjubiläum!

EKZ QUARREE Wandsbek-Markt - Im September ist das 25-jährige Jubiläum. Stargast Roberto Blanco war bei der Eröffnung dabei ...

EKZ QUARREE Wandsbek-Markt – Im September ist das 25-jährige Jubiläum. Stargast Roberto Blanco war bei der Eröffnung dabei …

Trotz all der notwendigen Gedächtnisanstoßerei und -trickserei bezüglich des Alters des Jubilars – wissen Sie, woran ich mich ganz klar sofort erinnerte?

Ich weiß, dass Roberto Blanco und brasilianische Tänzer zur Eröffnung eingeladen waren. Damals war Herr Blanco 51 Jahre. Was man ihm nicht ansah. Da er heute immer noch auftritt, befür…worte ich natürlich, dass er jetzt mit 76 Jahren unter Umständen wieder dabei ist.
Simply irresistible.
Bitte?
Nein, das bezog sich jetzt überhaupt nicht auf das Vorherige!
Es ist der Titel eines Liedes. Robert Palmer hat es gesungen. Ich wollte es Ihnen nur erzählen, weil der Song ebenfalls in diesem Jahr 25 Jahre alt wird.

Ich denke, ich werde mir das Jubiläum vormerken und nachsehen, was sich zu diesem Anlass Ende September in „meinemQUARREE tut. Dann kann ich Ihnen auch sagen, ob Roberto wieder da war oder nicht …

Abschließend ein Tipp, falls Sie im August in der Nähe sind:
Anlässlich des Jubiläums läuft ein Wettbewerb um den Designpreis für die Jubiläumsedition der Gutscheinkarten des QUARREES. Die Entwürfe stammen von Studenten der Kunstschule Wandsbek. Ab 19.-24.08.2013 ist es möglich, sich die Arbeiten zu drei verschiedenen Themenbereichen auf der Aktionsfläche des Quarree I anzusehen. Besucher des EKZ können per Wahlkarte über ihren Favoriten abstimmen. Die Preisverleihung findet am 24.08.13 um 18 Uhr statt.

Ein weiteres Event erwartet sie dort ebenfalls zu dieser Zeit: am 23. und 24. August geht es im QUARREE in die nächste Runde des Model-Wettbewerbs QUARREE GESICHTER 2014. Diesmal sind die verbliebenen Kandidaten als Living Dolls (lebende Schaufensterpuppen) unterwegs!  Schauen Sie doch vorbei!
Mehr darüber auch im Blog zu gegebener Zeit.

©August 2013 by Michèle Legrand

, , , , , , , , , , ,

Ein Kommentar

Bekommt man davon Muskelkater in den Lidern …?

Heute wurde nachgeholt, was gestern durch den Kinobesuch zu kurz kam: Besorgungen tätigen, den Hasenfutter-Nachschub organisieren, den Geldautomaten leeren, den Kühlschrank füllen.
Wo komme ich vorbei?
An einem neuen Mode-Geschäft im Einkaufszentrum. Wie neu es ist, erfahre ich, als ich unmittelbar vor der Eingangstür stehe und noch überlege, auf welche innere Stimme ich heute höre. Die eine vermeldet energisch:
Bleib’ draußen, da drinnen wirst du taub!

Recht hat sie, es wummert, dass wieder die Knochen zu vibrieren beginnen und das Trommelfell anfängt zu zittern und zu rebellieren.
Die andere Stimme jedoch flüstert:
Geh hinein, du wirst dir das noch nicht entgehen lassen, Liebes?
Sie können es vielleicht nachvollziehen – ich jedenfalls, mochte schon immer die Stimmen lieber, die leiser reden und nette Sachen sagen …

Ich betrete den – just an diesem Tage eröffnenden – relativ kleinen Laden und stelle erleichtert fest, dass es drinnen nicht noch lauter ist. Offensichtlich wird hauptsächlich der Bassbeat nach draußen getragen. Hier im Raum hört der Kunde das Gesamtwerk, was wesentlich besser  auszuhalten ist.
Moderne Musik.
Oder irgendein Remix mit Tokio, New York, etc. im Textteil … (fragen Sie mich nicht, ich bin in dieser Hinsicht uninformiert!)

Zwei blutjunge Top-Model ähnliche Verkäuferinnen sind dort tätig und zusätzlich eine Filialleiterin, starke zwei bis drei Jahre älter …
Sie machen ihren Job gut und offensichtlich auch gerne. Ich kann an einem Teil absolut keine Größenangabe finden und erhalte gleich Hilfestellung. Alles dort präsentierte,  ist wirklich nicht mein Stil, doch eine dünne, taillierte Strickjacke gefällt mir. Ich würde sie gern anprobieren.
Für diese Aktion ist offensichtlich die Filialleiterin persönlich zuständig.
„Gerne, ich zeige dir (man wird automatisch erst einmal geduzt – gut, dass ich das inzwischen von Twitter gewohnt bin und auch völlig in Ordnung finde), wo die Kabine ist. Hast du die tollen Unterzieh-Shirts dazu schon gesehen?“
„Nein, bisher noch nicht“, antworte ich, denn ich denke, dass es sich um Shirts in der gleichen feinen, dünnen Art handeln müsste, und die hatte ich nicht entdeckt.
„Hier, schau mal, ein Wahnsinns-Türkis! Na, ist das nichts für dich?“
Sie zeigt mir ein Spaghettiträger-Hemd aus Ripp-Baumwolle mit Häkelspitze, die auf mich grob, krumpelig und ungebügelt wirkt.
Ich weiß ja, dass das so gehört, aber ich bevorzuge den Look eher an anderen, nicht so bei mir. Allerdings hat die Verkäuferin offenbar einen guten, trainierten Blick für die Größe und bemerkt auch mein Zögern sofort.
Zuerst nimmt sie an, es sei wegen der Wahnsinns-Farbe.
„Ich habe es auch noch in diesem dezenten Altrosa“, vermeldet sie, sympathisch lächelnd.
Die Farbe ist in der Tat augenfreundlich, die Stoff- und Machart jedoch die gleiche.
Weil sie sich solche Mühe mit mir gibt, erkläre ich ihr meine Vorbehalte. Sie schließt daraus, dass ich etwas Feineres möchte, und was passiert? Unbewusst wechselt sie vom Du zum Sie! Das lässt mich innerlich lächeln, aber auch stutzen.
Wenn ich Baumwolle trage bin ich ‚Du’, wenn ich Satinspitze wähle ‚Sie’?
Sehr merkwürdig.
Während ich anprobiere und noch einen Moment überlege, ob ich die zuerst gewählte Jacke nehmen möchte, hat sie der Rhythmus der Musik gepackt, und sie wippt vor mir mit den Hüften.
„Gut, ich danke dir (ich bin lernfähig und maches es ihr nach mit dem Du) für deine Hilfe und möchte gerne die Strickjacke nehmen!“
„Fein, da vorne ist die Kasse“, spricht sie, nimmt mir das Teil aus der Hand und schuffelt wie eine Dampflok im Takt der Musik vor mir her.  Ich muss aufpassen, dass ich es nicht nachmache …

Ein kleines Drama bahnt sich an der Kasse an. Die Mädels schimpfen auf ihren Chef.
Der erste Tag, und der gute Mann hat ihnen kein Wechselgeld dagelassen!
Vor mir haben wohl mehrere Kunden zum Zahlen große Scheine verwendet, und die Angst sitzt tief, dass auch ich  … Nein, ich habe es fast passend, was entsprechend enthusiastisch gefeiert wird.
Zum Abschied erhalte ich mit einem tiefen Augenaufschlag meine „Paparazzi“ Tüte.

Ach, das hatte ich noch gar nicht erzählt, oder?
Die Filialleiterin, eine wirklich sehr gut aussehende Brünette, hat sich die Wimpern unheimlich vielen Schichten Mascara verschönt. Das Gewicht der Tusche muss ganz erheblich sein!
Unter erschwerten Umständen öffnet sie die hübschen Augen und lässt die zarten und doch so beschwerten Lider  wieder herunterplumpsen.

Damit komme ich auch zu meiner Frage:
Diese Gewichte an den Wimpern, dieses mühsame Lider öffnen und schließen erinnert mich an Training im Fitness-Studio.
Verursacht so etwas nach einem langen Tag Muskelkater in den Lidern?
Und wie entfernt man die dicken, starren Schichten?
Wird die Farbe abgeklopft?
Gibt es vielleicht sogar einen entsprechenden Mascara-Meißel …?

Wahrscheinlich ist alles gar kein Problem.
Aber wie …?
Wissen Sie was, ich gehe irgendwann noch einmal dort hin und frage einfach nach.

©Februar 2011 by Michèle Legrand

, , , , , , , , , , , , , , , ,

Hinterlasse einen Kommentar

Der Stoff, aus dem die Daily Soaps gemacht werden?

Einkaufen am Vormittag des 8. Januars.
Es ist Sonnabend, und der Ort des Geschehens ein ganz gewöhnliches Einkaufszentrum im östlichen Teil der Stadt Hamburg. Es spielen sich interessante Szenen ab an diesem Tag und seitdem glaube ich: Dies ist der Platz, an dem im Kopf irgendeines Machers eine neue Daily Soap entstehen könnte.
Kann ich das einfach so behaupten? So ohne Daily Soap Erfahrung?
Vielleicht vermessen, dennoch,  ich bin felsenfest überzeugt:
Hier ist das Urmaterial, aus dem die Fortsetzungsgeschichten im Fernsehen gemacht werden!
Hier wartet der Grundstoff, der danach allerdings noch genüsslich aufbereitet wird mit „Drama, Baby, Drama …
Genau, den Bruce habe sogar ich gesehen – als meine Tochter noch zu Hause wohnte.
Ich habe genau EINE Staffel von diesem Top-Model-Gesuche mitbekommen, nicht vollständig, aber dass „das Handetasche auch leben musse“, ist selbst mir jetzt sonnenklar – unauslöschlich!
Tja, diese Sendung ist noch nicht einmal eine Daily Soap … Ich kam auch nur durch den Darnell’schen Drama-Klassiker darauf.

Daily Soaps oder Seifenopern.
Das sind meist werktägliche, melodramatische und kommerzielle Endlosserien. Es ist eine Inszenierung des Alltags, ein Einsetzen stereotyper Charaktere und der unvermeidbare Einbau eines Cliffhangers, der den Zuschauer bei der Stange hält, ihn süchtig macht! Süchtig danach weiterzuschauen, zu erfahren, wie alles ausgeht.
Nur gibt es nie ein Ende!
Dieses scheinbar so geniale Konzept, verfängt sich bei mir leider nur sehr unzufriedenstellend. Der Inhalt dieser Geschichten fesselt mich nicht sonderlich, und mir ist einfach die Zeit zu schade! Es gibt so viel anderes, was Vorrang hat. Ich lebe nicht ewig.
Wenn ich bisher Gespräche über diese Art Fernsehprogramm mitbekam, fragte ich mich ein ums andere Mal, aus welchem schier unerschöpflichen Reservoir die Drehbuchschreiber bloß ihren ganzen Stoff nehmen, und wie sie überhaupt darauf kommen!

Es ist nun nicht so, dass ich gar keine Fantasie habe, aber auf teilweise – so schien es mir – sehr absurde Sachen zu kommen, verlangt schon ein arg schräges Vorstellungsvermögen. Bis heute ist es mir auch ein absolutes Rätsel, wie es möglich ist, mit hundertmal durchgekauten Sachen und einem Einheitsblick der Darsteller, immer noch ein Massenpublikum zu fesseln.
Das war alles vor heute.
Heute war ich nur Besorgungen machen.
Einkäufe erledigen. Mehr nicht.
Einzige Besonderheit: es war sehr mild geworden. Die Temperatur stieg im Laufe des Tages auf +10° Celsius. Das hiesige Einkaufszentrum hatte jedoch allem Anschein nach die Heizung noch auf sibirischen Frost eingestellt. Die Folge war verheerend. Die Menschen schlurften in sich zusammengesunken durch die Gänge, die Blicke erschöpft bis genervt, die Wangen eingefallen.
Die Erinnerung an Nomaden der Wüste kam in mir hoch. Nein, Nomaden ist nicht richtig! Eher Beduinen, die sind es, glaube ich, die dunkle Gewänder tragen. Hellhäutige, schwarzbemantelte Beduinen bei Karstadt, mit ausgezehrten, durstigen, starren Augen.
Menschen, die sich statt auf das Kamel auf die nächste Rolltreppe hieven.
Menschen, die – so einer Situation ganz brutal ausgesetzt – höchst unterschiedlich reagieren.
Sie meckern oder sie schweigen, sie werden hektisch, oder sie werden apathisch. Sie rennen los, oder sie bleiben abrupt stehen. Die Geduldsspanne ist reduziert. Statt ausführlicher Sätze folgt ein Stakkato abgehackter Wortaneinanderreihungen.
Reduzierte Merkfähigkeit, verlangsamte Reaktion, unberechenbares Handeln.
Streitsucht! Je nach Veranlagung und Charakter.
Das Klügste, was sie (diese Menschen und ich in diesem Moment) oder möglicherweise auch Sie  tun können, ist, in dieser wirklich unerträglich heißen Umgebung auf die Suche nach einer Oase zu gehen.
Zunächst ein Plätzchen im Schatten, dazu eine Erfrischung,  dann ein Lockern der Kleidung und endlich die Erholung und Wiederbelebung.

Übertragen auf das Einkaufszentrum schwebt mir eine kleine Pause plus Getränk vor, ein Stopp am Eiscafé, ein Hinsetzen auf einer der Bänke verbunden mit einer Kleidungsreduzierung, einem Wintermantel-Wegwurf.
Alternativ denke ich an einen Flashmob, bei dem alle „Probier’s mal mit Gemütlichkeit“ darbieten oder das Center-Management über die Lautsprecher statt Auto-Falschparker-Suchmeldungen Musiktitel à la „Eiszeit“ oder „Ich friere“ laufen lässt.

Was passiert stattdessen?
Beobachtungen eines Vormittags:
Am Stand der Bäckerei wartet eine lange Schlange. Dichtaufrücker schnaufen und pusten unangenehm feuchte und verbrauchte Atemluft von hinten. Selbst die Luft anzuhalten, nur vorsichtig einzuatmen ist meine Reaktion. Es geht gut, bis der Hintermann mich mahnt aufzurücken.
Nein, mein Guter, den  Luftraum  bis zum Vordermann, diese 20 cm,  brauche ich nun doch zum Überleben!
Ich schicke ein  strahlendes Lächeln nach hinten, rücke aber keinen Zentimeter vor. Das hilft im Moment. Mein Lächeln hat erfolgreich abgelenkt. Er ist noch damit beschäftigt, es zu verarbeiten.
Die Ruhe währt nur ein kurzes Weilchen, dann wird es vor mir kritisch. Der Kampf um den letzten Berliner mit Apfelfüllung hat eingesetzt. Zwei Damen älteren Jahrgangs kommen sich ins Gehege. Die junge Verkäuferin steht hilflos dazwischen und sieht so aus, als möchte sie am liebsten alles hinwerfen. Wie kleine Kinder zanken die Ladies um das Recht des letzten Apfelballens.
Diskussion, wer zuerst da war.
Punkt für Dame Nr. 1 in der Schlange.
Diskussion, wer den Berliner zuerst genannt hat.
Punkt für Dame Nr. 2 und Gleichstand.
Das kann noch eine Weile dauern.
Einem Herrn wird’s zu bunt. Er bemerkt treffend, aber uncharmant, dass beide eigentlich keinen mehr essen dürften (Übergewicht). Das sitzt. Die Folge, die eine kreischt, sie verbitte sich so etwas, kauft aber gar nichts mehr. Die andere ordert nun Mehrkornbrötchen.  Der Berliner liegt indes verwaist auf dem Tablett. Mein Nackenpuster hinter mir ist so fasziniert, dass er sogar Abstand zu mir einhält.
Ich finde, mit dem Resultat lässt es sich leben!

= Der Stoff für eine Daily Soap – Klappe 1 –  Ein Quantum Zoff

Am Tresen des Geflügelhändlers.
Die Schlange ist verhältnismäßig kurz heute.
Eine Auswirkung des jüngsten Dioxin-Futtermittel-Skandals?
Oh ja, sicher, man redet bereits darüber. Wie oft die Angestellten wohl an einem Tag diese Erklärungen abgeben müssen?
„Nein, wir beziehen unser Futter aus einer anderen Quelle. Unsere Eier und unser Fleisch sind nicht betroffen.“
Der nächste Kunde kommt.
„Ist Dioxin in ihren Eiern?“
„Nein, wir beziehen unsere …“
„Ist das sicher? Wer garantiert mir das?“
Das Personal weist auf einen Ausdruck im DIN A4 Format. Eine Erklärung eben dieser Umstände plus ein Verweis auf jüngste negative Testergebnisse.
„Und wer sagt mir, dass das stimmt?“

Ich glaube, dass kann hier heute noch etwas länger dauern …
Doch auch hier verkürzt eine Dame im Fellmantel die Plauderstunde. Sie ist größer als der unentschlossene Kunde vor ihr. Ihre Haltung hat etwas leicht Bedrohliches und in der Art, wie eine Schlange plötzlich die Zunge hervorschnellen lässt, kommt zischend die Frage:
„Wollen Sie den Einkauf jetzt riskieren oder nicht?“
Ein empörtes: „Sie …!“ folgt.  Danach versagt die Stimme.
Mit Schlangen legt man sich auch nicht an. Ein lahmer Zeigefinger weist nur noch in Richtung Eier, Größe M.
„Sollen es die jetzt sein?“ fragt die Verkäuferin hoffnungsfroh.
Es folgt die Andeutung eines Kopfnickens.

= Der Stoff für eine Daily Soap – Klappe 2 – Kleingekriegt

Am Fischstand steht nur ein Schlängchen, aber der Herr vor mir hat eine lange Einkaufsliste. Ich warte mit Blick auf den Bereich, in dem der Chinese (oder Vietnamese?) Essen ausgibt. Proppevoll ist es dort, frühes Mittagessen, die Hungrigen drängeln sich  auf den wenigen vorhandenen Barhockern.
Ein Pärchen speist. Er scheint sehr bewegungsfreudig, erzählt lebhaft und gestikuliert dabei wild mit Händen und Füßen. Joe Cocker auf dem Hocker.
DA! Jetzt ist es passiert!
Er rutscht seitlich vom hohen Ross. Sie lacht herzhaft. Er grinst verlegen …

= Der Stoff für eine Daily Soap – Klappe 3 – Ein Quantum Komik

Die nächsten zwei Halts verlaufen ohne weitere Vorkommnisse.

= Der Stoff für eine Daily Soap – Klappe 4 – Ein Quantum Normalität/Alltag

Ich setze meinen Weg fort und begebe mich per Rolltreppe ein Stockwerk hinauf. Je höher ich komme, desto lauter werden die Stimmen.
„ … das musst du gerade sagen, du brauchst doch immer so lange!“ erschallt eine männliche Stimme.
„Ich habe jetzt eine Viertelstunde hier auf dich gewartet, aber du kommst nicht! Der Herr hat ein Handy, aber nein, warum auch Bescheid sagen?? Ist ja nur die olle Freundin, die wartet! Was hat das damit zu tun, dass ich angeblich lange brauche? Ich war da!! Du nicht!“
Das war – unschwer an der Länge der Antwort zu erkennen – ein weibliches Wesen, die Freundin.
Der so zusammenfaltete Herr kontert:
„Wenn wir uns verabreden, kommst du immer später! Jetzt gehe ich einmal davon aus, um nicht immer rumzustehen, was machst du? Kommst pünktlich!“
Er ist entrüstet. Darüber, dass sie so unberechenbar ist. Darüber, dass sie ihm jetzt auch noch Vorhaltungen macht.
Ist doch ihre Schuld!!
Was kommt sie pünktlich …!

Es würde auffallen, wenn ich noch länger dort stehe und zuhöre. Mich entfernend, taucht ganz langsam und verschwommen wie aus dem Nebel der Gedanke auf, dass dies wohl die Themen sind, die Daily Soaps ausmachen…

= Der Stoff für eine Daily Soap  – Klappe 5 – Beziehungskrisen

Als nächstes passiere ich den Steffi-Moden Shop. Mode, etwas ausgefallener. Man versucht, sich ein bisschen von den anderen Bekleidungsgeschäften abzuheben.
Manchmal ist auch die Schaufensterdekoration auffällig. Einiges fand ich gut, einiges weniger. Neulich hatte ein Teil der Puppen goldenes Lametta anstelle einer Perücke auf dem Kopf.
Heute hingegen …
Nun, das kommentierten zwei etwa sechsjährige davorstehende Jungen, während ihre Mamas bei Tamaris gegenüber dem Schuhkauf nachgingen, so:
„Guck mal, die da …!“
„Was soll das denn?“
Erstaunen und Gekicher. Der eine Junge ruft quer über den Gang:
„Mama, warum ham die alle hier Papiertüten aufgekriegt?“
„Was ist?“ fragt irritiert die Angesprochene und schaut von den neuen Stiefeln hoch.
„Na, die Puppen! Die ham alle ne Tüte aufm Kopf! Das sieht doch doof aus!“

Stimmt, das sieht sehr … merkwürdig aus.

= Der Stoff für eine Daily Soap – Klappe 6 – Kindermund

Ich bin auf dem Weg zum Eiscafé. Meine Besorgungen sind so weit erledigt, mein Bedürfnis nach etwas Rast und Erquickung enorm. Schnell noch  Görtz 17 passieren. Dort hat man heute einen DJ engagiert, feiert irgendetwas. Der Bass wummert, dass mir die Knochen vibrieren.
Ihr Lieben, damit vertreibt ihr mich eher …

= Der Stoff für eine Daily Soap – Klappe 7 – Ein Quantum „Wir sind yeah!“

Mein Stammplatz ist frei, aber unbekannt die Bedienung. Es sind gleich mehrere neue Gesichter da, wie ich bemerke. Schade, ich hätte gern Anna Hallo gesagt. Meines Mantels habe ich mich entledigt, der Schal folgt. Der Caffè Latte wird serviert, mein Notizblock liegt neben mir, doch mich überkommt für einen Moment der Wunsch, einfach nur die Augen zu schließen und Luft zu holen.
Gefühlt, getan.
Dieses Gewusel, die Wärme heute, latent diese Aggressivität in der Luft. Anstrengend, obwohl man selbst gar nicht viel tut oder körperlich astet!
Irgendetwas berührt meinen linken Fuß. Ich öffne die Augen. Ein langhaariger Hund mittlerer Größe steht vor mir. An der Leine zwar, doch ich kann noch nicht sehen, wohin sie führt. Es scheint eine dieser ausfahrbaren Hundeleinen zu sein. Das Tier schaut mich abwartend an, so als wollte es sagen:
Na du, habe ich dich wach bekommen? Du wolltest doch wohl hier nicht etwa einschlafen …!
Ich erzähle ihm: „Nicht schlafen, mein Freund, aber Ruhe haben. Du siehst aus, als könntest du sie auch vertragen.“
Sein Schwanz ist eingekniffen, die Zunge hängt hechelnd heraus. Vielleicht wäre er über Wasser froh, zumal er seine Kleidung nicht ablegen kann. Inzwischen hat ein jüngerer Mann, der sich als sein Herrchen entpuppt, bemerkt, dass sich sein tierischer Partner nicht mehr bei ihm befindet.
„Rolf, komm wieder her!“
Er zieht etwas an der Leine. Rolf dreht sich genervt zu ihm um. Wenn Tiere doch reden könnten.
Siehst du nicht, dass ich mich gerade unterhalte? wäre jetzt von ihm gekommen.
Genauso hat er geguckt!
„Ihr Hund stört mich nicht. Er hat sich bisher sehr gut benommen.“
Als hätte er es verstanden, legt er sich hin, die Schnauze teils zwischen, teils auf die Pfoten gebettet.
Irgendwie beruhigend. Er bleibt, bis der junge Mann sich zum Gehen rüstet. Rolf erhebt sich seufzend, schüttelt sich durch, wedelt mir noch einmal freundlich zu und zieht von dannen.

= Der Stoff für eine Daily Soap – Klappe 8 – Das unvermeidbare Quantum Tier

Auch ich trete den Heimweg an. Doch, jetzt kann ich mir besser vorstellern, wie derartiger Stoff zusammenkommt. Ein routinierter Daily Soap Schreiber würde aus diesem Material die Drehbücher für mindestens eine Woche machen.
Und für die Woche drauf das Ganze vermutlich noch einmal durchkauen …

Der Cliffhanger wäre das Paar an der Rolltreppe, das sich theatralisch vorwirft, dass alles doch so keinen Sinn hat. Er würde sie stehenlassen, die Rolltreppe betreten und nicht bemerken, dass sich sein langer Schal in einer der Stufen verfängt. Man sähe noch, wie der Wollstrang straffer und straffer werden würde. Kurz vor der Strangulation käme die Stimme aus dem Off:
Wird Uwe es überleben?
Wird Petra sich von ihm trennen?
Schalten Sie wieder ein, wenn es heißt:

                   „Das Center am Rande der Stadt“

Täglich nur bei uns (hier folgt der Sender). Kleine und große Dramen – und du mittendrin!
Nicht verpassen! Schalt ein, immer um 18.10 h
(die Musik schwillt an)

Nein, ohne mich!  Oder, einen Moment … Sollte es einen Gastauftritt von Dr. House  geben, könnte man in diesem einen Ausnahmefall  doch mit mir rechnen.
Ich sehe ihn schon mit zum Wandsbeker Krankenhaus fahren – und zwar nachdem er im Einkaufszentrum eine attraktive Douglas-Parfümerie-Verkäuferin mit einer zweckentfremdeten Wimpernformzange notbehandelt hat.
Er wird sagen: „Sie lügt.“
(Das ist nicht weiter schlimm, weil jeder Mensch lügt …)
„Untersucht ihre Wohnung. Bringt sie in die Klinik und macht ein MRT. Wahrscheinlich ist es Lupus.“ Es ist irgendwie immer Lupus …

©Januar 2011 by Michèle Legrand

, , , , , , , , , , ,

Hinterlasse einen Kommentar

%d Bloggern gefällt das: