Beiträge getaggt mit Eichtalpark

Ente? Oder Huhn …? Auf jeden Fall Kamelien und Ohrringe.

Unterwegs in Eichtalpark und Botanischem Sondergarten Wandsbek.

Die Sonne! Jetzt hält einen nichts mehr drinnen, oder? Mittwoch am späten Nachmittag wurde es schön, nachdem die Sonne es endlich geschafft hatte, den hartnäckigen Hochnebel zu vertreiben. Also schnell die Jacke übergeworfen, das Fahrrad geschnappt, entlang der Wandse geradelt und Kurs eingeschlagen Richtung Eichtalpark sowie Botanischen Sondergarten Wandsbek.

Hamburg - An der Wandse entlang (stadtauswärts Richtung Eichtalpark)

Hamburg – An der Wandse entlang (stadtauswärts Richtung Eichtalpark)

Ist das schön, endlich wieder einmal Wärme auf der Haut zu spüren! An geschützten Plätzen lässt es sich bereits gut aushalten …

Entlang der Wandse - Die "Austreiber" im Eichtalpark ...

Entlang der Wandse – Die „Austreiber“ im Eichtalpark …

Entlang der Wandse - Buschwindröschen (Anemone nemorosa)

Entlang der Wandse – Buschwindröschen (Anemone nemorosa)

Wer radelt, macht auch Pausen. Kurze Unterbrechung am Wasser, um den Grund für das Spektakel bei den Enten zu erkunden.

„Hast du gesehen? Da ist eine! Und da auch …! Die kenne ich!“ Der Steppke auf seinem Minifahrrad, der eben neben mir am Geländer der kleinen Brücke über die Wandse gehalten hat, blubbert aufgeregt drauf los. Er erzählt fröhlich, dass er häufig hier vorbeikommt mit seinem Papa. (Der ist allerdings noch außer Sicht.) Das Endziel sei immer der große Spielplatz im Eichtalpark. Er kenne den Weg …
„Gestern habe ich eine ganz neue Ente gesehen“, erklärt er mir sehr ernst, gerade als sein etwas aus der Puste geratener Vater ihn endlich eingeholt hat. Den letzten Satz des Filius‘ hat er daher vernommen. Er fragt leicht belustigt:
„Was hast du gesehen? Eine ganz neue Ente? Tatsächlich?“
Es verblüfft mich ebenfalls, wie der Junge das Entenvolk hier wohl auseinanderhält und obendrein eine weitere Ente als neu hinzu gekommen erkennt. Ich hätte enorme Schwierigkeiten! Gerade heute! Neun Erpel (ein Original und acht Klone) belästigen eine einzelne Entendame, die empört reagiert und laut protestierend dem Pulk der Männer entflieht.

Hamburg - Eichtalpark - Neun Erpel und dazwischen eine "Sie" ...

Hamburg – Eichtalpark – Neun Erpel und dazwischen eine „Sie“ …

„Wie sah sie denn aus“, fragt sein Papa, „die von gestern?“
„Ganz schwarz und dann ein bisschen weiß und rot“, antwortet er nach kurzem Überlegen.
„War die genauso groß wie die anderen Enten? Oder vielleicht größer?“
„Nee, die war nicht größer, Papa. Ich glaube kleiner …“
„Wahrscheinlich war es ein Teichhuhn.“
„Papa! Nie! Also ein Huhn, das sieht echt total anders aus …!“
„Teichhühner sind keine Hühner, wie …“, beginnt sein Vater, kommt jedoch nicht weiter, denn Sohnemann kontert bereits:
„Ich weiß!“ Er runzelt die Stirn. „Ich sag ja auch, da war ´ne neue Ente, Papa! Kein Teichhuhn, eine Teichente!
Sein Interesse an einer Fortsetzung der Diskussion ist gleich null. Leicht genervt setzt er hinzu:
„Papa, wir wollen jetzt zur Rutsche. Komm endlich …!“

Er hat seine Prioritäten, ich die meinen. Bei mir steht anstelle der Rutsche der Botanische Sondergarten Wandsbek erneut oben auf der Liste. Weit ist es nicht mehr. Sie waren übrigens auch schon dort! Erinnern Sie sich noch an prachtvolle Staudenbeete oder  z. B. auch an den Taschentuchbaum?  Der steht in diesem besonderen Park.

Beim Blick in den eigenen Garten Anfang April könnte man auf die Idee kommen, dass wahrscheinlich noch nicht sonderlich viel zu sehen ist im „Bosowan“. Weit gefehlt! Sicher, die großen Flächen, die üblicherweise von den Stauden belegt sind, wirken noch etwas kahl.  Es sprießt jedoch an vielen Stellen. Die Belaubung der Gehölze startet langsam. Jedoch gibt es auch schon zu dieser frühen Jahreszeit ganz eigene Höhepunkte.
Schauen Sie einmal!
Da wären die Narzissen auf der Wiese und die Frühlingsblüher Lerchensporn (Corydalis cava), Beinwell (Symphytum) sowie Christrosen (Orientalische Nieswurz, Helleborus orientalis)

Botanischer Sondergarten Wandsbek - Narzissenwiese ...

Botanischer Sondergarten Wandsbek – Narzissenwiese …

Botanischer Sondergarten Wandsbek - rosa  Lerchensporn und gelber Beinwell

Botanischer Sondergarten Wandsbek – rosa Lerchensporn und gelber Beinwell

Botanischer Sondergarten Wandsbek - Helleborus orientalis (Christrose, Orientalische Nieswurz)

Botanischer Sondergarten Wandsbek – Helleborus orientalis (Christrose, Orientalische Nieswurz)

Die Sonne geht mitten im Beet auf: ein Adonisröschen

Botanischer Sondergarten Wandsbek - Lerchensporn (Corydalis cava),  rosa und ein Adonisröschen ...

Botanischer Sondergarten Wandsbek – Lerchensporn (Corydalis cava), rosa und ein Adonisröschen …

… oder hier Scheinhasel (Corylopsis pauciflora), Beales Mahonie (Mahonia bealei) und Blut- oder Zierjohannisbeere (Ribes sanguineum), Zierquitte (Chaenomeles) sowie Duftender Winterschneeball (Viburnum x botnantense „Dawn“).

Botanischer Sondergarten Wandsbek - Auch die Scheinhasel blüht ... (Corylopsis pauciflora)

Botanischer Sondergarten Wandsbek – Auch die Scheinhasel blüht … (Corylopsis pauciflora)

Botanischer Sondergarten Wandsbek - Farbenfroh der Blattaustrieb und dazu gelbe Blüten:  die Beales Mahonie (Mahonia bealei)

Botanischer Sondergarten Wandsbek – Farbenfroh der Blattaustrieb und dazu gelbe Blüten: die Beales Mahonie (Mahonia bealei)

Botanischer Sondergarten Wandsbek - Blutjohannisbeere (Ribes sanguineum)

Botanischer Sondergarten Wandsbek – Blutjohannisbeere (Ribes sanguineum)

Botanischer Sondergarten Wandsbek - Noch bevor die Blätter so richtig da sind, blüht sie bereits_Die Zierquitte (Chaenomeles)

Botanischer Sondergarten Wandsbek – Noch bevor die Blätter so richtig da sind, blüht sie bereits: Die Zierquitte (Chaenomeles)

Botanischer Sondergarten Wandsbek - Der duftende Winterschneeball (Viburnum x botnantense 'Dawn')

Botanischer Sondergarten Wandsbek – Der duftende Winterschneeball (Viburnum x botnantense ‚Dawn‘)

Meine besonderen Lieblinge in diesen bisher noch so unwirtlichen Monaten März und April sind vom Anblick her einige übermannshohe, dunkelgrün belaubte Pflanzen aus Asien. Ist es nicht erstaunlich, welche Blütenpracht Kamelien (Camellia japonica) bereits ab März auch im Freiland (nicht nur in den Gewächshäusern) zu produzieren vermögen? Die Form der zarten, gefüllten Blüten erinnert an die von Rosen oder auch Päeonien. Ein derartiges Farb- und Blühspektakel zu diesem Zeitpunkt wirkt daher fast unwirklich, da eine für das Auge in vergleichbarer Form vorkommende Blütenpracht sonst erst in den warmen und sonnigen Monaten zwischen Mai und Hochsommer startet.

Botanischer Sondergarten Wandsbek - Voller Knospen und Blüten:  die Kamelie (Camellia japonica)

Botanischer Sondergarten Wandsbek – Voller Knospen und Blüten: die Kamelie (Camellia japonica)

Botanischer Sondergarten Wandsbek - Anfang April - Blütenhochzeit bei der Camellia japonica (Kamelie)

Botanischer Sondergarten Wandsbek – Anfang April – Blütenhochzeit bei der Camellia japonica (Kamelie)

Botanischer Sondergarten Wandsbek - Kamelienblüte aus der Nähe (Camellia japonica)

Botanischer Sondergarten Wandsbek – Kamelienblüte aus der Nähe (Camellia japonica)

Wir sind fast am Ende des kleinen Rundgangs. Nur noch dieser Baum voraus! Liebe Blogbesucher, erkennen Sie ihn im Gegenlicht?

Botanischer Sondergarten Wandsbek - Was sich hier langsam entfaltet, sind die Blüten an einem Prachtexemplar von Magnolie

Botanischer Sondergarten Wandsbek – Was sich hier langsam entfaltet, sind die Blüten an einem Prachtexemplar von Magnolie

Es ist eine Magnolie, an der sich im Moment gerade die ersten von gefühlt tausenden weißen Blüten öffnen. Ein phantastisches Gefühl, genau darunter zu stehen, zu den aufspringenden Knospen heraufzuschauen und diese Leichtigkeit, die von den zarten Blütenblättern ausgeht, plötzlich am eigenen Körper spüren. Spontan blitzt der Gedanke auf, es würden in luftiger Höh’ unzählige weiße Schmetterlinge abheben …

Botanischer Sondergarten Wandsbek - ... ein Stück dichter heran und dann  zu den Magnolienblüten hinaufgeschaut

Botanischer Sondergarten Wandsbek – … ein Stück dichter heran und dann zu den Magnolienblüten hinaufgeschaut

Wir haben das Ausgangstor erreicht. Tja, denn … Oder warten Sie kurz! Ich möchte Ihnen den folgenden Dialog eines jüngeren Pärchens auf einer Parkbank, direkt dort, wo mein Fahrrad angeschlossen ist, nicht vorenthalten!

„Ich habe vorhin schon mal wegen neuer Ohrringe geschaut.“
Ich horche etwas auf, denn dieser Satz kommt nicht von ihr, sondern von ihm. (Meint er jetzt welche für sie oder für sich?) Während ich das Zahlenschloss öffne, spähe ich hinüber. Seine Sitzposition ist günstig, und da seine Haartracht nicht besonders üppig ausfällt, sieht man obendrein bestens die Ohren. Er trägt silberne Ohrstecker in Ankerform.
„Ach ja, du wolltest ja noch andere. Was für welche denn?“, fragt sie interessiert.
(Also für ihn.)
„Ich dachte, ich nehme mal welche mit einem Stein. Da gibt es zwei verschiedene Stecker in dieser Art. Der eine hat was, das sieht aus wie ein Brilli, bei dem anderen ist die Farbe dunkelgrün. Also so wie Glas. Wie Flaschen. Ich fand beide ganz gut. Konnt‘ mich nicht entscheiden. Was findest du denn besser? Welche soll ich nehmen?“
Er sitzt aufrecht. Sie liegt auf der Bank auf dem Rücken, seinen Schoß als Kopfpolster. Sie schweigt einen Moment, grient ihn dann an und sagt:
„Die, mit denen du besser hören kannst ….“
Sie handelt sich damit einen Klaps ein, richtet sich laut protestierend auf und geht über zur Gegenwehr …
Kommen Sie, ehe es in eine wüste Klopperei ausartet, verziehen wir uns lieber! ^^
Wir gehen gelegentlich wieder hin.

Ein schönes Wochenende für Sie mit hoffentlich noch viel Sonnenschein!

© by Michèle Legrand, April 2015
Michèle Legrand - freie Autorin - ©Fotograf Andreas Grav

 

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Teichhuhn am Abgrund, sinkende Schiffe, Ganterpel? – Ein Nachmittag im Eichtalpark

Hamburg: See im Eichtalpark (Wandsbek)

See im Eichtalpark

Eigentlich wollte ich darüber gar nicht bloggen. Wen interessiert denn schon mein Fahrrad-Trip durch Wandsbek. Meine Güte! Andere waren vielleicht in der Zeit beim Bungee-Jumping in Neuseeland! Sollen die doch berichten …
Dachte ich mir so. Ich postete stattdessen nur ein einzelnes Ausflugsfoto an meiner Facebook Pinnwand, das meine neueste Bekanntschaft vorstellte. Eine überaus zutrauliche Gans, die mir aus der Hand fraß. Oder war es ein Ganter? Das Bild, die Frage … oh, das hatte Folgen! Und letztendlich hat es jetzt die Auswirkung, dass ich über diesen Nachmittag mehr erzähle und zusätzliche Fotos in den Beitrag mit aufnehme. Vielleicht kommen wir auf diese Art zu einem Ergebnis. In den Kommentaren hat die Weisheit der Vielen bisher noch kein eindeutiges Resultat erbracht, dafür löste das sympathische Federvieh Assoziationen aus. Die eigenen Gedanken wurden offenbart, generelle Information zusammengesucht. Doch wir beginnen besser von vorne:

Ich liebe es sehr, in einer Stadt zu leben, die viel Grün und Wasser zu bieten hat. Egal, wo man sich in Hamburg befindet, es ist nie weit zum nächsten Grünzug, einem Park, einem Bach, Fleet oder Fluss.
Neulich bereits hatte ich (auch hier im Blog) einen Abstecher zum Mühlenteich in Wandsbek gemacht. Der Anlass war ein frühmorgendlicher Autowerkstatttermin in der Nähe gewesen, und der anschließende Spaziergang mündete in einem kleinen Frühstück für die anwesenden, noch etwas schlaftrunkenen Wasservögel.
Der vergangene Sonnabend entpuppte sich nach wolkenverhangenem Vormittag am Nachmittag als zwar etwas kühl, aber so sonnig, dass es verlockend gewesen war, sich per Fahrrad in Richtung Wandse, Eichtalpark und Botanischen Sondergarten zu begeben. Ich hatte zwischenzeitlich weitere Brotreste aufbewahrt, und da es entlang der geplanten Route Wasservögel gibt, steckte ich die neue kleine Portion ein. Für den Fall der Fälle …

Vom Wandsbek-Markt in östlicher Richtung stadtauswärts, führt der Rad- und Wanderweg hier vorbei:

Wandse mit Teichhuhn ...

Wandse mit Teichhuhn …

Ich bewundere, wie Rallen (Teichhühner), diese doch recht leichten Wasservögel mit zarten Beinchen, es schaffen, sich dort in der Strömung genau an der Kante zu halten … In aller Seelenruhe marschierte sie mehrfach von links nach rechts …

Wandse: Teichhuhn am Abgrund ...

Wandse: Teichhuhn am Abgrund …

Weiter führte mich der Weg entlang von Wiesen voll blühendem Löwenzahn. Auf einer Bank am Wegesrand saß eine Frau und flocht einen sonnengelben Kranz daraus, während ein kleines Mädchen mitten in der Wiese kauerte und für Blütennachschub sorgte.

Löwenzahnwiese an der Wandse in Wandsbek

Löwenzahnwiese an der Wandse in Wandsbek

Im Eichtalpark hielt gerade eine Gruppe Wildgänse Siesta auf der Wiese und schien die Sonne und Wärme dem Wasser – zumindest in diesem Moment – vorzuziehen.

Graugänse (Wildgänse) im Eichtalpark

Graugänse (Wildgänse) im Eichtalpark

Sie sahen träge, faul und müde aus, so dass ich beschloss, erst auf dem Rückweg zu halten, und derweil am See nachzuschauen, ob dort Enten Lust auf eine kleine Fütterung hätten.
Ich passierte ein kleines, abgezäuntes Terrain, das es dort schon seit Jahren gibt. Eingerahmt von einer kleinen Holzquerlatte befindet sich ein Beet, auf dem Mammutblatt (Gunnera manicata) wächst. Der Name deutet es schon an: es hat im Sommer riesige Blätter mit einem Durchmesser von bis zu zwei Metern – auf Stielen, die ebenso hoch werden können! Die Staude ist winterhart, zieht sich aber völlig zurück. Deshalb der Schutz, damit sie nicht unwissentlich völlig niedergetrampelt wird. Ein zweiter Grund ist, dass sie zusätzlichen Winterschutz erhält (Abdeckung mit Laub und Ästen). Momentan ist sie gerade am Austreiben, was auch schon höchst interessant aussieht!

Eichtalpark (Wandsbek): Mammutblatt (Gunnera manicata) beim Austrieb ...

Mammutblatt (Gunnera manicata) beim Austrieb …

Eichtalpark (Wandsbek): Mammutblatt - bereits weiter im Wachstum

Mammutblatt – bereits weiter im Wachstum

Der Weg führt an einem kleinen See vorbei, der in einen größeren übergeht. Dieser Teil des Sees lag in der Nachmittagssonne, und aus ihm ragten die wie auf kleinen Inseln wachsenden Lärchen. Ihr Holz enthält viel Harz und ist sehr dauerhaft. Auch bei extremer Nässe. Es ist Ihnen sicher auch schon aufgefallen, dass es aus diesem Grund gern für die Herstellung von Gartenmöbeln verwendet wird. Es muss nämlich nicht imprägniert werden. Lärchen sind die Nadelbäume, die jeden Nadeljahrgang abwerfen und deshalb gegen die meisten Schadstoffe relativ tolerant sind. Die Baumart hat das höchste Potential zur Verbesserung der Luftqualität in Städten, sagt gerade eine neue englische Studie. Und zum Baum des Jahres 2012 wurde sie auch gekürt.
Sie schlagen momentan gerade aus, die Lärchen …

Eichtalpark (Wandsbek): Die Lärchen treiben gerade aus (und man sieht, wie dicht die Wohnhäuser am Park liegen)

Die Lärchen treiben gerade aus (und man sieht, wie dicht im Grunde die Wohnhäuser am Park liegen)

Austrieb der Lärchen (Baum des Jahres 2012)

Austrieb der Lärchen (Baum des Jahres 2012)

Ich radelte weiter und sah erstaunt eine ältere Dame mit Rollator, die diesen nicht mühsam und langsam vor sich her schob, sondern mit dem Hilfsmittel regelrecht spurtete. Wir hielten an der gleichen Stelle, denn Stimmen hatten plötzlich geschrien:
„Sie gehen unter! Unsere Boote sinken!“
„Nein, aber sie schwimmen weg!“
Daraufhin hatte es im Gebüsch wild geknackt.
In der Nähe ist der große Spielplatz, und seine Ausläufer grenzen an die durch den Park fließende Wandse. Kinder hatten Papierschiffe gefaltet und diese zu Wasser gelassen. Keine Anker dabei. Das eine hatte bedenklich Schlagseite, die anderen machten sich langsam aus dem Staub. Daher die ganze Aufregung …

Eichtalpark: In der Nähe des Spielplatzes ließen Kinder Boote zu Wasser ...

Eichtalpark: In der Nähe des Spielplatzes ließen Kinder Boote zu Wasser …

Mit der Dame kam ich ins Gespräch. Wir überlegten, wie viele Generationen Kinder wohl schon Papierschiffe gefaltet haben. Generell. Dass sie es gerade draußen auf dem Spielplatz machen, ist relativ selten. Danach schob die rüstig wirkende Rollator-Dame ihr Gefährt wieder weiter. Er wirkte bei ihr merkwürdig deplatziert, irgendwie überflüssig. Sie hielt bereits nach wenigen Metern wieder an, blockierte die Räder und setzte sich auf die kleine Sitzbank ihres Gehwagens.
Ich hatte mein Fahrrad noch geschoben und war nun neben ihr.
„Das ist sehr praktisch“, bemerkte ich unverbindlich.
„Ja“, bestätigte sie, „das ist auch der Hauptgrund, warum ich ihn habe. Ich habe Gleichgewichtsstörungen und kann vor allem nicht lange stehen. Also auf der Stelle. Ich muss zwischendurch sitzen.“
„Mir ist vorhin aufgefallen, wie flott sie mit ihrem Rollator unterwegs sind.“
Weil ich ihn habe, komme ich schneller voran! Ich kann mich abstützen und muss keine Angst haben zu fallen.“
Das klang logisch. Ich dachte an meine Mutter, die durchaus ähnliche gesundheitliche Probleme hat, sich allerdings mit Händen und Füßen weigert, auch nur einen Gedanken an so etwas wie einen Rollator zu vergeuden. Das ist etwas für Ältere! Doch wann fängt älter an? Und unter welchen Umständen sollte es einem egal sein?

Der Besuch im Botanischen Sondergarten währte nicht ganz so lange wie im Sommer. Ganz so viel ist dort um diese Jahreszeit noch nicht am Blühen. Doch es gibt schöne Stellen …

Wandsbek: Im Botanischen Sondergarten

Im Botanischen Sondergarten

Ganz in der Nähe geht es sehr urwüchsig zu. Der Teich/Tümpel wirkt wie unberührt. Ein Erpel und eine Ralle zogen gemeinsam ihre Kreise

Wandsbek/Wandse: Idyll in der Stadt nahe des Botanischen Sondergartens - Nicht weit davon rauschen die Autos auf der vielbefahrenen B75

Idyll in der Stadt nahe des Botanischen Sondergartens – Nicht weit davon rauschen die Autos auf der vielbefahrenen B75

Brücken zum Queren der Wasserläufe bieten schöne Ausblicke

Wandse - nahe Botanischer Sondergarten

Wandse – nahe Botanischer Sondergarten

See im Eichtalpark: Die Ralle im Wasser startete gerade eine wahren Putzmarathon ...

Die Ralle im Wasser startete gerade eine wahren Putzmarathon …

Die Sonne verschwand hin und wieder hinter Wolken. Zog es sich weiter zu? Musste ich doch noch mit Regen rechnen? Ich entschloss mich irgendwann zum Umkehr. Nach einer Weile hatte ich wieder den Eichtalpark erreicht.
Inzwischen hatte sich das Bild auf der Wiese gewandelt. Die Gänse waren verschwunden, stattdessen hatten sich Menschen dort niedergelassen. Und nicht nur das. Die Gruppe Hungriger hatte den Grill angeworfen! Rauchschwaden zogen über die Freifläche.

Eichtalpark (Wandsbek): Beim Anblick des Grills verschwanden die Gänse lieber ...

Beim Anblick des Grills verschwanden die Gänse lieber …

Offenbar war der Grill den Gänsen nicht geheuer gewesen. Sie könnten ihn als Alarmsignal empfunden haben. Vielleicht sind sie nach interner Beratung übereingekommen, lieber baden zu gehen. Ich stelle mir gern Gespräche unter ihnen vor, die etwa so ablaufen:
„Du, komm! Wir verduften!“
„Ja, los! Menschen sind unberechenbar. Denen fällt plötzlich ein, dass sie Appetit auf frisches Geflügel haben …“)

Eichtalpark: Nachmittagssonne am Teich. Die Gänse verzogen sich von der Wiese ...

Nachmittagssonne am Teich. Die Gänse verzogen sich von der Wiese … (PS Bitte durchaus einmal draufklicken. Mir geht immer das Herz auf, wenn ich diese Szene sehe)

Am kleinen Teil des Sees traf ich sie alle an, stellte mein Fahrrad neben einer Bank ab und näherte mich mit dem Brot. Nicht nur die Gänse badeten. Auch einige Stockenten und Teichhühner mischten mit. Die ersten Brotbrösel flogen, und schon stellte sich heraus, wer an diesem Tag die ganz großen Pöbler und Rabauken unter den Wasservögeln waren: die Teichhühner!

Wasservögel im Eichtalpark: Noch herrscht Ruhe ...

Wasservögel im Eichtalpark: Noch herrscht Ruhe …

Eichtalpark: ...doch nun ist Teichhuhn sauer, Ente panisch, Erpel desinteressiert, Gänse arrangieren sich ...

…doch nun ist Teichhuhn sauer, Ente panisch, Erpel desinteressiert, Gänse arrangieren sich …

Eichtalpark: Ausflippendes Teichhuhn

Ausflippendes Teichhuhn …

Obwohl sie von der Größe her ganz hinten rangieren, kannten sie kein Vertun. Sobald Essen im Anmarsch war, begannen sie zu drängeln, griffen mit eindeutigen Drohgebärden an und motzten lautstark, wenn eine vorwitzige Ente es wagte, sich dem Brotstück auch nur zu nähern. Ein Teichhuhn pflügte dermaßen erbost durchs Wasser, dass es eine Ente damit komplett aus dem See scheuchte! Der dazugehörige Erpel verdünnisierte sich, die Gänse reckten die Hälse, standen jedoch über allem oder arrangierten sich zumindest mit den aufmüpfigen Rallen. Eine einzelne Gans schwamm ans Ufer, kletterte in einigen Metern Entfernung von mir an Land, um mir dann kontinuierlicher näher zu kommen. Anfangs wie zufällig. Völlig unbeteiligt. Es fehlte nur noch so ein fröhliches Pfeifen …

Eichtalpark: Sie nähert sich (ging in Höhe meines Fahrrads an Land). Leicht schüchtern mit etwas weggedrehtem Kopf ...

Sie nähert sich (auf Umwegen, denn sie ging in Höhe meines Fahrrads an Land). Leicht schüchtern mit etwas weggedrehtem Kopf …

Sie schien schüchtern, legte ihren Kopf schief, hielt zwischendurch, wartete ab, watschelte weiter. Ich blieb in der Hocke. Sobald ich mich zu ihr wendete und ihr Beachtung schenkte, schaute sie zur Seite. Also fütterte ich völlig ausdruckslos die Kumpel im Wasser.

Freundschaft schließen. Sie sitzt neben mir. Ist es eine Sie oder ein Er?

Freundschaft schließen. Sie sitzt neben mir. Ist es eine Sie oder ein Er?

Sie schlich sich dichter heran, bis sie schließlich direkt neben mir hielt. Ich drehte mich langsam zu ihr.
„Na!“, begrüßte ich sie.
Sie guckte angelegentlich ihre Füße an.
„Wie sieht’s aus? Möchtest du ein Stück?“
Ich hielt ihr langsam ein Brotstück entgegen.
GRABSCH!
Der Schnabel schnellte nach vor und riss mir das Brot förmlich aus der Hand! Sie säbelte engagiert an ihrer Beute herum. Der leicht geöffnete Schnabel offenbarte eine richtige Zahnleiste. Kleine Spitzen, dicht an dicht – wie die Zähne eines Sägeblattes.
Mein Proviant war am Ende. Auf dem Spazierweg näherte sich eine Familie mit einem großen Hund. Die Gans hatte ihn auch bemerkt, doch offenbar auch registriert, dass er angeleint war. Sie wich keinen Zentimeter von mir. Der Hund starrte sie beim Herannahen unaufhörlich an. Als er direkt an uns vorbeilief, konnte er es einfach nicht lassen und musste wenigstens ein bisschen bellen. Der Gans wurde mulmig. Sie entschwand Richtung See und stürzte sich in die Fluten.
Ich nutzte die Gelegenheit zum Aufbruch, und fragte mich, ob ich es jetzt mit einer Sie oder einem Er zu tun gehabt hatte. Bei Gantern soll der Beinabstand größer sein. Das Geschnatter hätte eine tieferen Tonlage. Der Ganter sei schwerer. Gut und schön. Doch was macht man, wenn kein Vergleichstier daneben sitzt? Oder wenn zwar ein zweites Gänsevieh da ist, aber genauso aussieht? Sind das dann zwei Frauen oder zwei Männer?
„Hey, wie viel wiegst du denn?“, könnte man fragen. Oder freundlich bitten: „Du, sag mal was. Ich muss wissen, wie tief du dich anhörst.“
Meine Gans sagte nichts. Sie war schweigsam-verfressen.

Am Beginn des Blogposts erwähnte ich die Resonanz und die Kommentare, die das Bild bei Facebook auslöste. Doch waren sie hilfreich beim Feststellen des Geschlechts?
Zu Beginn ging es eher um die Diskussion und Klarstellung, ob es nicht vielleicht eher eine Ente als eine Gans sei. Vielleicht ein männlicher Mix? Ein Ganterpel? Größen, Halslängen, etc. wurden verglichen.
Dann bekam jemand Hunger beim Anblick des Tieres.
Einem weiterem diente der Vogel als Inspiration für einen baldigen Spaziergang, um selbst Wildgänse zu betrachten.
Im Anschluss gab es sachdienliche Hinweise zu Arten, Gattungen und Besonderheiten.
Aber konnte jemand wirklich eindeutig das Geschlecht bestimmen? So mit absoluter Sicherheit?
Nein, noch nicht!
Und das ist jetzt Ihre Chance!
Wenn Sie es wissen, oder wenn Sie jemanden kennen, der es wissen könnte oder der wissen könnte, wer jemanden kennt, der … (Sie wissen schon, was ich meine), dann lassen Sie sich nicht bremsen.
Tun Sie sich keinen Zwang an, sondern handeln, schreiben oder kommentieren Sie völlig ungeniert! ;)

Ich bin sehr gespannt, ob ich auf diese Art doch noch genau erfahre, mit wem ich im Park das Vergnügen hatte.

©Mai 2012 by Michèle Legrand

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