Beiträge getaggt mit Eichhörnchen mit Nüssen

Sofathemen …

Sofathemen? Stellen Sie es sich bitte so vor, dass entweder Sie bei mir auf die Couch rutschen oder ich ein Eckchen Ihres Sofas kurzzeitig mit belagere und wir – egal, wer nun bei wem hockt – einen zwanglosen Plausch abhalten. Diverses anschneiden, was gerade in den Sinn kommt oder ins Auge springt.
Sofagespräche verlaufen in den meisten Fällen in einer sehr entspannt-privaten Atmosphäre. Die Vermischung einzelner Themen, Verwunderung, minimale Süffisanz … das ist erlaubt.
Im Grunde alles außer Sofakissen knüllen.

Die Woche verging wieder einmal wie im Flug. Bei Ihnen auch?
Zu besonderen Dingen, die ich heute hier präsentieren könnte, kam ich gar nicht. Es sei denn, Sie fänden jetzt Gefallen daran, wenn ich Ihnen erzählte, dass mir reichlich Moos um die Ohren geflogen ist. Richtiges! Ich spreche nicht etwa symbolhaft von Geld! Oh, nein!
Ich habe nebenher vertikutiert. Dummerweise haben wir die Tage recht frischen Wind. Alles, was an Moos und Unkrautresten aus der Rasenfläche herausgeholt und sorgsam zu einem Haufen zusammenkehrt wird, zischt bei der nächsten Windböe schon wieder durch die Gegend. Hin und wieder entstehen obendrein diese hinterhältigen Hochlupfer. Der Wind schiebt sich dabei erst wie eine Kehrschaufel unter das watteleichte, lose, feine Moos und wirbelt es anschließend mit einer Kraft auf, als würde ein isländischer Geysir seine Fontäne hochschießen. Schon hängt Ihnen das Grünzeug im erhitzten Gesicht. Heimtückisch!
Doch davon wollten Sie bestimmt gar nichts wissen.

Gestern früh, als ich die Tageszeitung hereinholte, blickte mich von einem Foto auf der Titelseite ein gehörntes Klettervieh auf einer Riesengranitstatue an. Nach näherem Hinsehen – und vor allem Lesen des Begleittextes – stellte sich heraus, es war eine Fotomontage. Man hatte einen täuschend echt wirkenden Steinbock auf das 34,3 m hohe Denkmal des Altkanzlers von Bismarck gebastelt. Das steht hier in Hamburg im Alten Elbpark, und der samt seiner Hörner drei Meter große Bock trampelt Fürst Otto direkt auf dem Kopf herum.
Im Mai soll es Realität werden.
Im Zuge des Hamburger Architektur Sommers beabsichtigt das Wiener Künstlerkollektiv Steinbrener/Dempf & Huber diese „parasitäre Intervention“. Dieser Ausdruck stammt nicht von mir, der ist offiziell. (In der Hauptkirche St. Katharinen wird dann übrigens auch ein riesiger Felsbrocken (8 m hoch, 5 m breit, 4 m tief) im Kirchenschiff direkt über den Bänken schweben …).
Das werden natürlich Hingucker! So etwas wird angesteuert und mit Sicherheit hunderttausendmal fotografiert. Künstlerisches Statement, Wahrnehmung in der Öffentlichkeit, Staunen, Diskussion … Zweck mehr als erfüllt.

Man kann dazu jetzt stehen wie man will, es als hinreißend originelle oder aber alberne Idee, als innovativ-mutiges oder kitschiges Vorpreschen ansehen; worauf ich hinaus möchte, ist etwas ganz anderes:
Was passiert, wenn ein Normalbürger – ein Privatmensch – derartige Pläne hat?
Nicht übermäßig kreative, gehen wir eher davon aus, dass er mit einem ganz alltäglichen Anliegen, mit einer durchdachten Anfrage, einer angemessenen und äußerst risikoarmen Bitte um eine Genehmigung für ein Vorhaben (stilvolle Umgestaltung, unkritischen, kleineren Anbau, maßvolles Stutzen eines Baumes) an eine Behörde herantritt?
Er muss bis zur Durchführung Extrazeit einplanen, reichlich Zusatzkosten einkalkulieren und viel Geduld zeigen. Und bangen, ob seinem Antrag überhaupt stattgegeben wird!
Selbst wenn es um Änderungen auf seinem eigenen Grund geht, die wirklich keinen Nachbarn stören, kann er ohne das offizielle Okay der Ämter rein gar nichts machen. Unser Privatmensch muss zunächst Papiere gefühlt 50-fach einreichen und hierfür bereits diverse – teils sinnvolle, teils komplett unsinnige – Regularien beachten. Er muss Gebühren entrichten, einen riesigen Fragenkatalog beantworten und sich auf Einwände, Auflagen oder negative Bescheide gefasst machen.
Man hat gern „erhebliche Bedenken“, ob alles rechtens ist, ob es nicht einer erneuten Untersuchung oder eines weiteren Gutachtens bedarf, ob es nicht jemanden gefährden, beeinträchtigen oder gar diskreditieren könnte. Manchmal ist zwar theoretisch durchaus alles in Ordnung – doch komischerweise hört der Antragsteller trotzdem nichts mehr! Dann liegt der eingereichte Papierwust irgendwo herum, wurde vergessen und altert still vor sich hin.

Doch hier – ist ja schließlich Kunst – darf ruckdizuck sogar einem Altkanzler, einem offiziellen Denkmal (!), ein Bock aufs Haupt gesetzt werden. Wenn sich Otto da nicht doch heimlich in seinem Grab umdreht.
Stellen Sie sich einmal vor, unser imaginärer Privatmensch würde so etwas vorhaben. Streichen Sie den öffentlichen Raum. Nehmen Sie an, er würde lediglich anfragen, ob er einen drei Meter hohen Steinbock auf den Schornstein seines eigenen Hauses montieren dürfte.
Was müsste er sich wohl anhören?
Erfordert das Einverständnis sämtlicher umliegender Nachbarn. Geht nicht, weil es vom Bebauungsplan abweicht. Ein Kran kann dafür nicht korrekt platziert werden. Ist sowieso nicht sicher, Gefährdung der Allgemeinheit. Behindert den Abzug der Abgase. Könnte herunterplumpsen und den Briefträger treffen. Bräuchte eine rote Positionslampe. Wegen eventuell im Landeanflug befindlicher Flugzeuge …
Sie sehen, keine Chance.
Und wäre der Mensch lediglich sporadisch kreativ und würde dabei ertappt, wie er spontan ein Denkmal mit einem Schal oder einer Brille „verschönerte“?
Drama! Respektlos! Erregung öffentlichen Ärgernisses! Sachbeschädigung! Anzeige!
Was sagen eigentlich die adeligen Nachfahren im Sachsenwald zu dieser Aktion mit dem Gehörnten? Sie werden wahrscheinlich damit beschwichtigt, dass es ja nur zeitlich begrenzt ist und der Herr von Bismarck seinen Kopf wieder freibekommt, sobald der Bock im Juli oder spätestens August absteigt.
Widmen wir uns weiteren Sofathemen.

Ein ganz junges Giraffenkind sprang in Hagenbecks Tierpark bei seinem ersten Ausflug ins Freie furchtlos in den Wassergraben und drohte zu ertrinken. Weil ein Team von Tierpflegern sofort hinterhersprang und das Kleine herausholte, konnte es gerettet werden. Teamwork. Alle für einen.
Irgendwie denke ich gerade an einen bestimmten Fußballverein. Stellen Sie sich so etwas einmal für den HSV vor. Ohne Wasser. Aber Teamwork und Aktionen mit Herz und vollem Einsatz als Rettung vor dem Untergang. Ungeahnte Möglichkeiten …

Sind Sie eigentlich gut durchgekommen? Bei der Blitzaktion am Donnerstag, diesem Wir-kriegen-dich-vielleicht-Marathon? Betonung auf vielleicht. Es ist schon recht zweckkillend, das Blitzen anzukündigen und dazu auch noch sämtliche betroffenen Straßen zu veröffentlichen. Genau einen Tag lang und genau in diesen Straßen zeigt man sich artig, doch ab Freitag wird wieder gerast wie eh und je. Das lehrt notorische Regelübertreter und Verkehrsgefährder doch rein gar nichts!
Mich wundert es immer wieder, dass trotz der massiven Vorwarnungsphase an einem solchen Achtung-du-weißt’s-heute-ist’s-Tag immer noch welche ein Foto von sich bekommen …

Vermutlich haben Sie es auch gelesen: Schleswig-Holstein konnte sich nicht am Blitzmarathon beteiligen, weil sämtliche Polizisten in Lübeck zur Sicherung des G7-Gipfels benötigt wurden. Schließlich kam u. a. Herr Kerry. (Konnte doch keiner vorher ahnen, dass er nicht beide Tage komplett, sondern nur vier Stunden anwesend sein würde. Da waren die Scharfschützen auf den Dächern schon fest eingeplant und konnten nicht plötzlich doch blitzen gehen …)

Lübeck - Blick auf die St.-Marien-Kirche von der Aussichtsplattform der Petrikirche

Lübeck – Blick auf die St.-Marien-Kirche von der Aussichtsplattform der Petrikirche

Ich habe seitdem eine Theorie. Eine heimliche, ganz vage …
In Hamburg ist oft das Geschrei groß, wenn die Polizei – unerhört! – unangekündigt blitzt. Es könnte doch sein, dass Hamburg sich nur deshalb als Olympiastadt beworben hat, weil im Fall des Stattfindens der Spiele in der Hansestadt, sämtliche vorhandenen Polizisten für diesen Sondereinsatz gebraucht würden. In der Zeit würden weder Raser geblitzt werden, noch hätte man Personal, das Knöllchen schreiben könnte …
Eine Theorie. Aber denkbar wär’s! Man müsste halt einmal herausfinden, wer da ursprünglich so kräftig für die Spiele geworben hat. Punktestand abgleichen und so.

Sie möchten jetzt als Abschluss etwas weniger Lästerei? Etwas Versöhnliches, Friedliches? Verzicht auf Ironie, milden Sarkasmus etc.? Gut. Letztes Sofathema für heute: ein Eichhörnchen.

Ich ertappte es morgens auf der Terrasse dabei, wie es in aller Seelenruhe Erdnüsse aus der für die Vögel gedachten Futterschale klaute. Ertappen kommt grundsätzlich überraschend. Ein Fotoapparat ist dann nicht zur Hand – allerdings das Handy. Ich halte den Nussdiebstahl kurz fest, öffne langsam die Terrassentür und bezeichne das rote Etwas als Gauner. Ich sage dem Tischbesetzer, er habe doch sowieso schon alle Nüsse vom Haselstrauch allein vertilgt, solle daher bitte schön etwas vom Futter für das fliegende Volk übriglassen. Und ich bemängele das schlechte Timing. Keine Kamera in der Nähe etc.
Das Hörnchen horcht gebannt. Die Ohren drehen sich leicht. Plötzlich huscht es davon.
Eichhörnchen beim Vogelfutter ...
Am späten Nachmittag komme ich von meinem Termin zurück, spaziere entlang der Hecke Richtung Haustür, und wer begrüßt mich fröhlich herumscheckernd? Das rote Wesen vom Morgen. Es wetzt oberhalb des Ligusters auf der Holzpergola hin und her, verschwindet kurz, kommt mit einer Nuss (?) zwischen den Zähnen zurück und posiert. In aller Seelenruhe. Als würde es mir nach der Gardinenpredigt vom Morgen nun einen extra Shooting-Termin gewähren. Es lässt mich die Kamera aus der Handtasche ziehen …

Eichhörnchen mit Nuss auf Pergola

Da ich damit rechne, dass es weiterhin hier auftauchen wird, suche ich momentan nach einem Namen für den Kleinen. Oder ist er eine sie? Ich kann es nicht unterscheiden. Vielleicht wäre ein geschlechtsneutraler Name eine gute Idee.
Kim. Oder Bo?
Nur Vorname oder auch Familienname?
Rotschwanz-Luca? Nicky Red? Puschel Nutthief?
Haben Sie nicht einen Vorschlag?

Bevor der Sofaplatz völlig durchgesessen ist, sollten jetzt alle wieder aufstehen. Wir haben die heutigen Themen auch durch.
Ihnen ein schönes Wochenende und gute Entspannung!

© by Michèle Legrand, April 2015
Michèle Legrand - freie Autorin - Michèle. Gedanken(sprünge) @wordpress.com__

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