Beiträge getaggt mit Echeveria pulvinata

Zum Aufwärmen und als Augenschmaus an grauen Tagen: Das Tropenschauhaus!

Wir hier oben im Norden der Republik sind seit Jahresbeginn nicht gerade reichlich gesegnet mit freundlichem Wetter und blauem Himmel. Beides macht sich extrem rar. Wir haben allerdings auch keinen Schnee, der dafür alles ein wenig aufhellen würde … Einige wenige Sonnentage für Hamburg – arg spärlich!
Und dann kam die vollmundige Wettervorhersage für Donnerstag, die sinngemäß Folgendes ausdrückte: Nehmen Sie sich bloß einen Tag Urlaub! Der Tag wird ein Kracher! Genießen Sie den Sonnenschein!
Ja, und? Ich habe gewartet!
Morgens war der Himmel grau. Es konnte noch etwas werden, abwarten … Es wurde Mittag. Immer noch grau. Gegen 15 Uhr versuchte die Sonne, sich durch die Wolkendecke durchzunagen. Sie gab nach zwei Minuten bereits wieder auf, verzichtete in der nächsten halben Stunde auf weitere Aktivitäten. Doch kurz vor vier! Freundliches Wetter! Verschämt angebläuter Himmel! Bis 16.40 Uhr …
Dafür die Vorwegeuphorie? Den ganzen Urlaubstag?
Sie können den Bikini wegpacken. Das war wohl alles nicht für Hamburg und Norddeutschland gedacht. Vielleicht wird es Sonntag etwas damit, doch vorerst bleibt es weiter unbeständig und kühl.
Gestern hat es gedonnert! Bei Ihnen auch? Seit wann haben wir denn Anfang März Gewitter?

Aufenthalt im Garten ist momentan auch so … nun ja.  Zwischen Graupel- und Hagelschauern wirkt das alles nicht einladend. Hinzu kommt, der respektlose Maulwurf schlug wieder zu! Nachdem im letzten Spätsommer endlich Ruhe einkehrt war!
Irgendwie ist das doch Schikane. Ich hatte die Schäden gerade überall ausgebessert, jetzt sind wieder Pflanzen angehoben, und auf dem Rasen reiht sich erneut Hügel an Hügel! Ein sehr ungeliebtes Déjà vu! Keine Stelle, die nicht untergraben wäre. Die reinsten Stolperfallen!

Haben Sie es zufällig mitbekommen? Das Geschehen bei den Lübecker Nachrichten?
Um deren Verwaltungsgebäude toben ebenfalls die Maulwürfe. Gestalten den Rasen neu nach ihren eigenen Traumvorstellungen. Doch nicht nur dort sind sie aktiv! Die breiten Wege auf dem Gelände sind durch einen Garten- und Landschaftsbaubetrieb profimäßig rot gepflastert. Es ist nicht zu fassen, aber die schwarzen Helden des Untergrunds schieben nicht nur Erde und Rasen weg, sie drücken auch die rechteckigen, großen Pflastersteine hoch!
Ein Maulwurf mit max. 170 Gramm Eigengewicht (inkl. Dickschädel) gegen ein Steingewicht von 1,7 Kilogramm!
Stellen Sie sich das bitte einmal umgerechnet auf einen Durchschnittsmenschen von 70 kg Gewicht vor. Könnten Sie 700 kg anheben?
Die Armen in Lübeck verzweifeln allmählich, denn schon zigmal war der Arbeitstrupp da und hat alles wieder neu verlegt. Erschien mit Rüttelmaschinen und Walzen und dem ganzen Aufgebot an Maschinen, was es so gibt. Samtfell mit den Schaufelhänden bleibt hartnäckig und ausdauernd. Spätestens zwei Tage danach geht alles von vorne los. Bis die Gartenbaufirma erneut vor Ort eintrifft, um die Geröllwüste zu beseitigen, werden als Zwischenlösung nett die orange-weißen Hütchen zwecks Absicherung und Warnung weiträumig verteilt.
Hier in Hamburg hingegen sind drei Sportplätze des Niendorfer Turn- und Sportverbands durch Tunnelgrabungen und Hügel nur unter Verletzungsgefahr nutzbar, sodass der zuständige Bezirk Eimsbüttel eine Ausnahmegenehmigung zum Jagen bzw. Bekämpfen erteilte – obwohl Maulwürfe sonst unter strengem Naturschutz stehen und solche Ausnahmeregelungen bisher nie gewährt wurden …
Haben wir tatsächlich mittlerweile eine regelrechte Maulwurfplage?

Wir waren eigentlich beim Wetter.
Vorrangig kalt, grau, ungemütlich. Immerhin gibt es mittlerweile deutliche Frühjahrsboten. Ich habe bei meinen diversen Blogvisiten anderenorts anhand der geposteten Fotos gesehen, dass die Entwicklung der Vegetation in Deutschland sehr unterschiedlich weit gediehen ist. Schneebedeckte Landschaften, jedoch auch milde Ecken, dadurch kahle Felder neben ersten leuchtenden Zwiebelblühern – alles ist vertreten. So langsam trudeln allerdings von überall her die Krokusteppich- und Märzenbecherbilder ein, bilden freundliche Lichtblicke und die Hoffnung auf angenehmere Zeiten.

Ende Januar und Anfang Februar sah es noch wesentlich desolater aus. Sie sahen fast gar keinen Farbtupfer draußen! Eine einsame und bei Kälte eher zaghaft blühende chinesische Zaubernuss (Hamamelis mollis) als höchstes der Gefühle!
Das war der Zeitpunkt, an dem ich mir einen Besuch im Hamburger Tropenschauhaus (Planten und Blomen) genehmigte. Wärme anstelle der Kälte draußen. Farben sehen, Düfte einatmen! Es war eine gute Idee, denn der Unterschied zwischen drinnen und draußen … Lassen Sie es mich so sagen: Innen hui, außen pfui.

Wenn Sie hier regelmäßig mitlesen, wissen Sie, dies ist nicht der erste Besuch im Tropengwächshaus, doch als Besucher kann man hinkommen so oft und wann man will, irgendetwas ist immer neu, irgendetwas blüht jedesmal, irgendetwas ist bestimmt besonders oder war bei den letzten Besuchen gerade in einer „unauffälligen“ Phase und blieb unentdeckt. Was Sie bereits kennen hat vielleicht an Größe oder Umfang zugelegt oder Blüte bzw. Fruchtansatz treten erstmalig auf bzw. fallen reichlicher aus.

Erinnern Sie sich noch an den Leberwurstbaum (Kigelia africana)? Er trägt erneut und sogar mehr als zuvor!

Planten un Blomen - Tropenschauhaus- Der Leberwurstbaum (Kigelia africana) trägt sogar mehr Früchte als im Vorjahr

Planten un Blomen – Tropenschauhaus- Der Leberwurstbaum (Kigelia africana)

Im Tropenbereich habe ich diesmal diese Blüten entdeckt:

Planten un Blomen - Tropenschauhaus - Rosenapfel (Syzygium jambos) ...

Planten un Blomen – Tropenschauhaus – Rosenapfel (Syzygium jambos) …

Sieht die Blüte des Rosenapfels (Syzygium jambos) mit den vielen, langen Staubblättern nicht sehr apart aus? Er trägt später auch Früchte! Selbst im Gewächshaus! Ein bisschen erinnert mich seine Blüte an die des Puderquastenstrauchs (Calliandra hamatocephala), die so ausschaut:

Planten un Blomen - Tropenschauhaus - Die Blüte einer Calliandra hematocephala (Puderquastenstrauch aus Südamerika)

Planten un Blomen – Tropenschauhaus – Die Blüte einer Calliandra hematocephala (Puderquastenstrauch aus Südamerika)

(Der Strauch blüht allerdings erst im April, das Foto entstand bei einem früheren Besuch.)

Wenn man die Glastür zum Subtropenbereich öffnet, riecht es um diese Zeit des Jahres besonders gut. Ein immergrüner, sehr langsam wachsender Strauch, trägt kleine, filigrane, weiße Blüten, die ganz ausgeprägt nach Zitrone und Honig duften. Es sind die Blüten der Fleischbeere (Sarcoocca confusa).
In diesem Gewächshausteil, im Bereich der Kamelien, deren Blüte bereits Ende Januar einsetzt, steht mittendrin ein recht großes Exemplar der Camellia tsaii, die in Burma, Nord-Vietnam oder auch in Yunnan (China) verbreitet ist. Sie gehört zur Familie der Teestrauchgewächse und ist übersät mit schlichten, kleinen, weißen Blüten, die ebenfalls einen angenehmen, sehr dezenten Duft verbreiten.

Planten un Blomen - Ende Januar  2015 - Camellia tsaii (aus der Familie der Teestrauchgewächse) blüht und duftet

Planten un Blomen – Ende Januar 2015 – Camellia tsaii (aus der Familie der Teestrauchgewächse) blüht und duftet!

Auch die Blüten dieses Strauchs ersetzen an trüben Tagen mit ihrem leuchtenden Gelb ein wenig die fehlende Sonne …

Blomen - Subtropenhaus - Ende Januar

Blomen – Subtropenhaus – Ende Januar

Spätestens beim Anblick der Apfelsinen (Citrus sinensis) vergessen Sie für ein Weilchen das Grau draußen und wähnen sich in südlichen Gefilden …

Planten un Blomen - Ende Januar/Anfang Februar ist Apfelsinenzeit (Citrus sinensis (L.) Pers.)

Planten un Blomen – Ende Januar/Anfang Februar ist Apfelsinenzeit (Citrus sinensis (L.) Pers.)

Das Sukkulentenhaus wartet wie immer am Ende des Rundgangs. Viele denken, Kakteen und Sukkulenten wären ein- und dasselbe. Kakteen sind aber nur gleichzeitig auch SukkulentenSukkulenten jedoch noch lange nicht ausschließlich Kakteen.
Sukkulent zu sein heißt nicht, einer Gattung anzugehören, sondern eine bestimmte Eigenschaft zu besitzen. Nämlich die Fähigkeit, Wasser zu speichern. Sukkulenten passen sich so an besondere Klima- und Bodenverhältnisse an. Dadurch, dass sie so saftreich sind, schaffen sie es, auch in niederschlagsarmen Gegenden zurechtzukommen.
Ihr Standort ist nicht auf einen Kontinent begrenzt, es muss nicht nur die Wüste sein! Auch in Hochgebirgsregionen, tropischen und subtropischen Zonen kann es Perioden geben, die dürreähnlich sind.
Sollten Sie gerade rätseln, welche „paar“ Pflanzen vielleicht noch zu den Sukkulenten zählen: nicht ein paar! Ganz viele! Auch Orchideen gehören dazu! Bei ihnen wird das Wasser weniger in den Blättern oder dem Stiel, als vielmehr in den Bulben gespeichert. Das sind diese zwiebelähnlichen Verdickungen.

Doch hier im Tropenhaus erstaunt mich immer wieder, dass mitten im Winter bei ungünstigsten Lichtverhältnissen plötzlich bei diversen sukkulenten Bewohnern die große Blühlust ausbricht.
Ich hatte lange angenommen, dass es allein vom Licht, von der Tageslänge, von der Wasserzufuhr, von Nährstoffen, Ruhepausen … etc. vor Ort abhinge, wann eine Pflanze letztendlich blüht. Doch dieses vor Ort scheint eine wesentlich geringere Rolle zu spielen. Die Fachleute vom Gewächshaus sagen, dass z. B. ein Dickblattgewächs, die Echeveria pulvinata aus Mexico ganz unabhängig von allem gerade jetzt blüht, weil es ihr quasi in den Genen steckt. Sie hat irgendwann abgespeichert, wie Regenzeit und die Jahreszeit, in der der Regen auftritt, zusammentreffen, und es steht für sie einfach fest, wann sie blühen muss. Das tut sie offenbar weiterhin konsequent zum gewohnten Zeitpunkt, egal in welcher Ecke der Welt sie sich jetzt befindet.

Planten un Blomen - Sukkulentenhaus - Ende Januar  2015 - Sukkulentenhaus - Echeveria pulvinata aus Mexiko blüht  um diese Zeit

Planten un Blomen – Sukkulentenhaus – Ende Januar 2015 – Sukkulentenhaus – Echeveria pulvinata aus Mexiko blüht um diese Zeit

Planten un Blomen - Ende Januar  2015 - Sukkulentenhaus -  links Cotyledon tomentosa, rechts Echeveria pulvinata, vorne Crassula rupestris ssp. marnieriana

Planten un Blomen – Ende Januar 2015 – Sukkulentenhaus – links Cotyledon tomentosa, rechts Echeveria pulvinata, vorne Crassula rupestris ssp. marnieriana

Auch Aloen gehören zu den Sukkulenten und mögen es farbenprächtig und durchaus üppig …

Planten un Blomen - Ende Januar  2015 - Sukkulentenhaus - Aloe arborescens (Baumaloe - Candelabra Aloe, Octopus Plant)

Planten un Blomen – Ende Januar 2015 – Sukkulentenhaus – Aloe arborescens (Baumaloe – Candelabra Aloe, Octopus Plant)

Planten un Blomen - Ende Januar  2015 - Sukkulentenhaus - Aloe

Planten un Blomen – Ende Januar 2015 – Sukkulentenhaus – Aloe

Ich stelle gerade mit Schrecken fest, dass meine Schreibzeit für heute zur Neige geht! Beenden wir den Besuch. Es muss ja nicht das letzte Mal gewesen sein …

Haben Sie ein bisschen Farbe und Wärme aufgetankt? Ich hoffe, es hält bis zu den wirklichen Frühlingstagen vor.
Ansonsten finden Sie rechts auf der Startseite in der Kategorie Planten un Blomen noch reichlich Überbrückungs- und Aufwärmmaterial.

Alles Gute für Sie und bis demnächst!

© by Michèle Legrand, März 2015
Michèle Legrand ©Foto Andreas Grav (Ausschnitt)

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