Beiträge getaggt mit British Flair 2015

Welly Throwing – Einmal im Jahr fliegen die Stiefel …

Der erste flog hoch statt weit. Viel zu hoch!! Bekommen Sie das richtig hin? Treffen Sie gleich mit diesen verflixten … Sekunde, lassen Sie uns lieber doch von vorn beginnen!
Ich muss heute einfach etwas dazwischenschieben!
(Die Alster, die ich letztes Mal ankündigte, erscheint mit etwas Verzögerung nach diesem Post.)

Die Queen winkte! Es flogen schwere Hämmer! Ein Pylon kippte! Männer trugen Rock!
Ich habe Gummistiefel durch die Gegend geworfen! (Eigentlich auf ein Ziel. Zumindest war das der Plan.)
All das nicht drüben im United Kingdom, womöglich sogar direkt oben im Norden bei den Schotten!
Nein, hier in Hamburg!

Man könnte es akkurat so formulieren, dass seit 25 Jahren die in Hamburg lebenden Briten, die Hanseaten selbst und wer sonst Lust verspürt, einmal jährlich eingeladen sind, an einem Sommerwochenende einer kulturellen, sehr britischen Veranstaltung mit gleichzeitig stilvoller Einkaufsmöglichkeit beizuwohnen und dabei tatkräftig einen wohltätigen Zweck zu unterstützen.
Etwas salopper ausgedrückt würde ich es Ihnen so beschreiben:
Es treffen sich Briten und anglophile Deutsche aus dem Norden, die alle locker und möglichst leicht schräg drauf sind, zur sogenannten British Flair, um entspannt zu shoppen, sich zu unterhalten und unterhalten zu lassen, spendabel zu sein und um für einen guten Zweck selbst allerlei verrückte Sachen auszuprobieren.
Die Briten machen das, weil sie es kennen und lieben, es ihnen fern von daheim vermutlich ein wohliges Heimatgefühl vermittelt. Die Deutschen tun es wiederum, weil es ihnen für einige Stunden das Gefühl gibt, den doch angeblich nicht unerheblichen Teil der britisch tickenden Gene des Norddeutschen zu entdecken, den unterdrückten Briten herauszulassen und einer heimlichen Liebe zu frönen.

British Flair in Hamburg. Sehr oft ist an dem angekündigten Termin sogar das entsprechende Wetter: Typisch britisch bzw. typisch schottisch. Feucht von oben. Regen.
Nicht in diesem Jahr am zweiten Augustwochenende! An diesen beiden Tagen herrschte Sommerwetter mit herrlichem Sonnenschein.
Gerade dann findet sich eine äußerst angenehme Atmosphäre an solchen Orten, doch ganz generell kommen bei dieser Art von Veranstaltung die vielen erfreulichen, uns oft als sehr positiv auffallenden Eigenschaften und Merkmale der Nachbarn von der Insel deutlich zum Tragen: Humor, das geduldige Anstehen, Höflichkeit, Gastfreundlichkeit, entspannter Smalltalk, der leichte Hang zur Skurrilität u. v. m.
Ulkig, jedoch sehr vorteilhaft ist, dass diese Wesenszüge im Laufe der Zeit vor Ort auf sämtliche Gäste abfärben. Selbst auf die Nichtbriten!

Passend und stilgerecht ausgewählt ist natürlich auch der Ort des Geschehens: Das Gelände des Hamburger Polo Clubs in der Jenischstraße in Klein Flottbek. Grün, das Areal. So weit das Auge reicht. Polo und gepflegter englischer Rasen – eine bekannte Sportart und ein typisch britisches Merkmal. Passt. Das Pferdeschnauben ist auch nicht weit …

British Flair im Hamburger Polo Club

„British Flair“ im Hamburger Polo Club

Wenn Sie Lust haben, streifen Sie mit über das Gelände und die Ausstellung. Schauen selbst, was die British Flair ausmacht …

Shopping, Show and Charity

Bei diesem Event entdecken Sie eine Vielzahl von Ständen, an denen Sie zugreifen und Ihre typisch britisch geprägten Gelüste jeglicher Art befriedigen können. Es finden sich Schneider, die Ihnen die Anfertigung hochwertiger Maßkleidung anbieten. Muster der Tweedstoffe stehen vor Ort zur Verfügung. Es gibt Schuhhersteller, die rahmengenähtes Schuhwerk offerieren. Sie stolpern über Sonnenhüte, Halstücher und Strickröcke, Artikel für den Hund („Finest Dog Food und Lifestyle für Hund und Halter“), Accessoires für die Wohnung und Informationen über Reisen ins Königreich oder auch nach Irland. Selbstverständlich wird ausreichend für Nahrung gesorgt. Fish & Chips, Indische Currygerichte, Suppen, Spezialitäten, Süßigkeiten, heiße und kalte Getränke aller Art stehen zur Verfügung. Selbst Guinness.

Sonnenhüte und Kappen finden reißenden Absatz bei dem strahlenden Sonnenschein ...

Sonnenhüte und Kappen finden reißenden Absatz bei dem strahlenden Sonnenschein …

Bei einem der Hutstände entdeckte ich von etwas weiter entfernt ein dort aufgestelltes Textschild, von dem ich annahm, es würde mir etwas zu den Kopfbedeckungen verraten.  Ich trat näher.
„Koi-Karpfen zu vekaufen“

Wer andere Vorlieben hat, wird vielleicht bei den Fahrradspezialanfertigungen fündig oder bekommt bei chromblitzenden Motorrädern leuchtende Augen. Auch für so etwas sind Spezialisten vor Ort.

Am Stand von "Le Velo" ...

Am Stand von „Le Velo“ …

 

Holzpedale ...

Holzpedale …

 

Autos ...

Autos …

 

Hunde an Bord ... (Plüschhunde im Fahrerraum eines Minis)

Hunde an Bord …

 

Oder klopft das Herz für Oldtimer?
Die Oldtimer verschiedener Altersklassen drehen sogar kleine Runden (classic car parade), damit sie jeder in Fahrt bestaunen kann. Den Motoren bekommen die langsamen Drehzahlen auf Dauer nicht so gut, daher geben die Teilnehmer gelegentlich zwischendurch ordentlich Gas und preschen nach vorn. Was natürlich auf diesem Rasen nur auf den geraden Streckenabschnitten möglich ist. Schließlich möchte keiner mit Blitzstarts oder Raserei in den Kurven das Polofeld des Clubs zerpflügen …

MG M-Type Midget, Bj. 1930

MG M-Type Midget, Bj. 1930

 

Classic car parade - Oldtimers Concours

Classic car parade – Oldtimers Concours

 

Oldtimer aufgeklappt ... (MG Midjet Baureihe TD, Baujahr 1953)

Oldtimer aufgeklappt … (MG Midjet Baureihe TD, Baujahr 1953)

 

... Innenraum (Feuerlöscher dabei)

… Innenraum (Feuerlöscher dabei)

 

Oldtimer ....

Oldtimer ….

 

Oldtimer ...

Oldtimer …

Es wird hier und bei vielen anderen Dingen gern Show mit Charity verbunden. Sie haben immer etwas zu schauen, doch Sie können ebenfalls Lose für die Tombola kaufen oder zusätzlich für 5 € das Mitfahrrecht im Oldtimer erwerben und so gleichzeitig etwas für den guten Zweck tun. In diesem Jahr geht der Erlös der Veranstaltung an die Stiftung „Ein Platz für Kinder“.

MG M-Type Midget, Bj. 1930

MG M-Type Midget, Bj. 1930

Und sollten Sie selbst Motoren und Technik nicht vollends befriedigen, sind da immer noch Pferde, Sport und etwas fürs Gehör. Dazu gleich mehr.
Bei Veranstaltungen dieser Art bietet sich netterweise ganz unverkrampft die Möglichkeit, sich mit den Sitten und Gebräuchen der Bewohner des Kingdoms vertraut zu machen und anzufreunden.
Briten und Norddeutsche. Briten und Hamburger!
So weit auseinander, wie es manchem scheint, liegen wir wesensmäßig in Wahrheit gar nicht.
Beispiel?
Was uns im Hafen hier der Shantychor im maritimen Look samt Matrosenkragen und Akkordeonmusik, das sind dem Briten und speziell dem Schotten die Dudelsackspieler im Kilt inklusive der ergänzenden Bass- und Snaredrums.
Singt hier die Finkwarder Speeldeel und tanzt dazu eine Volkstanzgruppe in Trachten, bewegen sich die Inselnachbarn im Schottenkaro zu ihren Reels (schottische Volkstänze) und haben dabei die Bagpipes im Ohr.
Wenn Norddeutsche bei Ebbe aufkommende Langeweile verspüren, kostümieren sie sich und veranstalten ungeniert Schlittenschlickrennen im Matsch. Oder heißt es Schlickschlittenrennen? Egal! Hemmungslose Rennen im Watt jedenfalls.
Das Pendant in Sachen Zeitvertreib bei ungewöhnlichen Spielen mit eigenartigen Geräten gibt es bei den Briten in Form der Scottish Highland Games, die dort seit Jahrhunderten Tradition haben. Theoretisch beinhalten sie ca. 50 verschiedene Sportarten, doch in der Praxis wird aus den verschiedenen Disziplinen jeweils gezielt etwas herausgepickt.
(Der Baron de Coubertin, den kennen Sie als den Begründer der modernen Olympischen Spiele, dieser Baron war bei der Weltausstellung 1889 in Paris von der Präsentation einiger Highland-Sportarten so hin und weg, dass er Hammerwerfen, Kugelstoßen und Tauziehen gleich mit in seinen Wettbewerb aufnahm. Bis auf das Tauziehen sind es bis zum heutigen Tage olympische Sportarten!)

Während es drüben auf der Insel jedes Jahr eine große Anzahl von lokalen, profimäßigen Turnieren gibt, hat sich immerhin schon ein spürbares Highland-Games-Fieber auch nach Deutschland verirrt. Vielleicht ist Fieber ein bisschen zu viel gesagt. Eine ordentliche Hitzewallung ist es jedoch durchaus.
Begeisterungsfähig sind wir schon!
Heute trifft man daher selbst bei uns so dann und wann anlässlich der  „British Days“ auf starke Männer, die „Tossing the Caber“ (Baumstammwerfen) oder auch „Putting the Stone“ (Steinstoßen) betreiben.
Die British Flair in Hamburg bot ersteres, dazu „Throwing the Hammer“ (Hammerwerfen) und an einem langen Seil wurden durch die pure Muskelkraft berockter Herren zwei Autos („Minis“) gezogen.

Hammerweitwurf (Throwing the Hammer)

Hammerweitwurf (Throwing the Hammer)

 

Scottish Highland Games - Hammerweitwurf ...

Scottish Highland Games – Hammerweitwurf …

 

Was so geworfen wird ...

Was so geworfen wird …

 

Autos ziehen per Seil und purer Muskelkraft ...

Autos ziehen per Seil und purer Muskelkraft …

Als Besucher wiederum konnten Sie „Welly Throwing“ (Gummistiefelweitwurf) betreiben. Das kann von Menschen sämtlicher Altersgruppen ausgeführt werden und macht allen, vom Kind bis zum Greis, Spaß! Hand aufs Herz: Herumschleudern bekommt schließlich jeder irgendwie hin! (Wo das Ding landet, ist eine andere Sache …)

Den Obolus für Ihre Werfversuche können Sie ebenfalls als Spende betrachten. Die kommt der Stiftung und den Kindern zugute, egal wie Sie abschneiden.
Nach den ersten grottenschlechten Versuchen erwacht allerdings häufig der Ehrgeiz herauszubekommen, wie der Stiefel am besten zu greifen und zu befördern ist. Wie er besser fliegt und zielgenauer eintrifft.
Man fasst ihn vorzugsweise am oberen Schaftrand, hält den Stiefel dabei zu und bewegt sich in etwa so, als würde man kegeln oder bowlen wollen. Der Haken ist, dass Sie dazu tendieren, dabei ihr Gummigeschoss beim Abwurf nach oben zu bewegen. Viel zu weit nach oben!
Das Geheimnis liegt irgendwo darin, die richtige Rotation hinzubekommen und auch den optimalen Winkel zum Wind zu finden. Nur selbst wenn einem all dies in der Theorie klar ist, es durchzuführen ist gar nicht so einfach. Diese Stiefel sind absolut nicht aerodynamisch …

Gummistiefelweitwurf? ... Gummistiefelhochwurf?

Gummistiefelhochwurf?

 

Gummistiefelweitwurf ...

Gummistiefelweitwurf …

Einige Versuche später verzeichnen Naturtalente jedoch schon eine signifikante Steigerung der Zielgenauigkeit. (Die roten Stofffelder auf dem Rasen sind anzupeilen.)

Welly throwing (Gummistiefelweitwurf) für Jung und Alt ...

Welly throwing (Gummistiefelweitwurf) für Jung und Alt … – Er kann’s!

Noch ein bisschen weiterschauen?

Schäferhunde (Hütehunde) demonstrieren ihr Können. Paddington Bear erzählt den Kindern Geschichten.

Paddington Bear ...

Paddington Bear …

Sie treffen ein Kamel …

Ein Kamel ...

Ein Kamel …

Sie könnten bei den Scottish Reels mittanzen …

Scottish Country Dancing (Reels)

Scottish Country Dancing (Reels)

Eine Liveband spielt auf einer Bühne und ein bisschen zurückversetzt in der Zeit fühlt man sich beim „Side-saddle riding display“. Dort schauen Sie historisch gekleideten Reiterinnen beim Ritt im Damensattel zu, diesem Reiten im Seitsitz.

Im Damensattel und historisch gekleidet ... (Side-saddle riding)

Im Damensattel und historisch gekleidet … (Side-saddle riding)

Kennen Sie die britische (Kult-)Fernsehserie „Downton Abbey“? Wir bewegen uns dort auf einem herrschaftlichen Anwesen und den Ländereien zu Beginn des 20. Jahrhunderts und bekommen einen Eindruck von Leben der feinen (adeligen) Gesellschaft, aber auch ihrer Dienerschaft. Die Damen, die hier in Hamburg in ihren langen Röcken reiten, könnten sehr gut aus der dort in den ersten Staffeln gezeigten sogenannten Edwardian era (1901-1914) stammen. Beim zweiten, genauen Hinschauen scheint es jedoch eher so, dass ihre Kleidung bereits einige Jahrzehnte früher angesagt gewesen sein könnte.

Im Damen- aber auch normalen Reitsattel ...

Im Damen- aber auch normalen Reitsattel …

Im Damensattel ...

Im Damensattel …

 

Reiten im Damensattel mit Hund - Side-saddle riding with dog

Reiten im Damensattel mit Hund – Side-saddle riding with dog

Eine Kopfbedeckung (Hut, auch Zylinder) gehörte selbstverständlich dazu. Daran befestigt war ein feinmaschiges Netz, das die Reiterin recht eng über dem Gesicht anliegen hatte. Es diente nicht nur zur eigenen Zierde, sondern auch zu dem Zweck, während des Ritts vor Insekten oder schrammenden kleinen Ästen zu schützen.
Ist es für Sie vorstellbar, dass man in einer solchen Position auf dem Pferd auch noch Hindernisse überspringt? Ohne dabei vom Ross zu fallen? Man kann!

Im Damensattel auch über Hindernisse ...

Im Damensattel auch über Hindernisse …

Nur warum setzt man sich nicht vernünftig? Warum sicher, wenn’s auch wackelig geht?
Das ist unser heutiges Denken!
Früher musste man als Dame eben „ordentlich“ sitzen. Nicht breitbeinig. Das Seitsitzreiten tat man schließlich seit Urzeiten, seit Jahrhunderten – immer schwer, dann etwas zu verändern. Nur eine wirkliche Dame durfte überhaupt auf dem Pferd mit einem Damensitzsattel reiten! Es wäre ein Unding gewesen, hätte ein Mädchen aus dem Dorf gewagt, es ihr gleichzutun. Bei dem Standesunterschied! No, no, no!
Allerdings erkannte man die erhöhte Unfallgefahr trotz so mancher Verbesserung bei der Konstruktion der Sättel. Als Nichtreiter würde ich denken, man fiele einfach viel leichter herunter, doch in Wirklichkeit war das besonders Gefährliche, dass man beim Abrutschen hängenblieb und mitgeschleift wurde.
Nach dem ersten Weltkrieg hat sich (glücklicherweise) der Herrensitz langsam durchgesetzt.

Haben Sie noch Zeit und Lust? Kleine Pause vielleicht …?

Setzen Sie sich einfach auf den weichen Rasen und erwarten die Dudelsackspieler. In Hamburg waren Mitglieder der Gruppe Baul Muluy Pipes & Drums eingeladen und spielten bekannte Titel.

Dudelsackspieler der Gruppe "Baul Muluy Pipes & Drums"

Dudelsackspieler der Gruppe „Baul Muluy Pipes & Drums“

Solche Instrumente müssen durchaus auch zwischendurch gestimmt werden. Gerade bei der Hitze! Vor dem Spielen von Amazing Grace ging ein Mitglied der Truppe reihum und kontrollierte den Klang der Pfeifentöne mit einem elektronischen Stimmgerät. Schließlich soll sich stets alles harmonisch und perfekt anhören …

... stimmen (Stimmen der Dudelsackpfeifen per Gerät)

… stimmen

Marschieren die Musiker nicht während ihres Spiels, bekommen Sie Feinheiten besser mit. Nicht unbedingt der Musik (die hören sie immer gut), aber der Abläufe untereinander. Wer gibt welches Signal an die anderen der Gruppe (Vortreten kurz vor Ende des Lieds, Instruktionen zu Beginn) etc.
Aus der Perspektive des am Boden sitzenden Zuschauers haben Sie zudem einen etwas anderen Blickwinkel als üblicherweise. Meine Aufmerksamkeit wurde auf etwas in Wadenhöhe des einen Dudelsackspielers gelenkt. Die Augen wanderten daraufhin zu den nächsten Füßen und Waden und danach zu der Person daneben …
Die haben das ja alle so!

Schnürtechnik bei den Ghillie Brogues der Dudelsackspieler ...

Schnürtechnik bei den Ghillie Brogues der Dudelsackspieler …

Mittlerweile habe ich gelernt, dass diese speziellen Schuhe Ghillie Brogues heißen, sie keine Zunge haben und die ihnen eigenen langen Schnürbänder traditionell sehr kunstvoll um das Bein geschlungen werden. Falls Sie planen, das Spielen des Dudelsacks zu erlernen und Ambitionen haben, irgendwann korrekt gekleidet aufzutreten, dann passen Sie gleich gut auf. Es gibt zwar keine ganz einheitlich geregelte Bindetechnik, aber grundsätzlich funktioniert es so:
Die Schnürsenkel werden straff gezogen, vorne in Schienbeinhöhe ungefähr fünfmal verzwirbelt und dann nach hinten geführt. In Wadenmitte werden wieder die Bänder miteinander verdreht, aber nur etwa zweimal. Zuletzt werden die Schnürsenkel vorne, alternativ gelegentlich auch seitlich, zusammengeführt und mit Doppelschleife befestigt. Das dies alles über dem Strickstrumpf passiert, sitzt, passt und hält es.
Bis jetzt ist mir nur immer noch nicht ganz klar, ob es rein zur Zierde dient oder die Befestigungstechnik noch weitere Gründe nützlicher und praktischer Art hat …

Was sollte man auf jeden Fall gesehen haben, wenn man schon einmal in einem Poloclub ist?
Polo selbstverständlich! Den Sport, den die Engländer auch „hockey on horses“ nennen.
Stehen Sie bei der British Flair am Feldrand, haben Sie entweder jemanden neben sich, der Ihnen Unklares erläutert (wer in Frage kommt, erkennen Sie schon vorher an den lautstarken Fachkommentaren zu Aktionen auf dem Spielfeld und etwas erhöhter Erregung) oder aber die Lautsprecherdurchsagen verraten mehr über das Treiben auf dem Rasen.
Ich hatte vorher keinen blassen Schimmer, weiß aber jetzt, dass Polo ein Sport ist, bei dem das Tier mehr zählt als der Reiter. Der Schutz des Pferdes hat Priorität. Deshalb gibt es strenge Verhaltens- und Wegerechtregeln für die Spieler. Da darf keiner in vollem Galopp einfach die Bahn des Gegners kreuzen, nur um diesem den Ball abzujagen! Viel zu gefährlich! Es hat derjenige das Wegerecht, der sich in der Bewegungslinie des Balles befindet. Der, der diese Linie kreuzen würde, beginge ein Foul.

Polo ...

Polo …

Ein Spiel besteht aus mehreren Zeitabschnitten (Chukker, Chucka). Auch hier gilt es als unmöglich, dass ein Pferd zwei Abschnitte hintereinander absolviert. Es braucht Pause und darf sowieso nur eine bestimmte Höchstzahl von Chukkers pro Tag absolvieren. Was ist also die Konsequenz?
Ein Spieler braucht für ein einziges Polospiel mindestens zwei Pferde!

Es ist zwar nicht gestattet, die Wege zu kreuzen, dennoch jagen die Teams in wilden Verfolgungsjagden dem Ball hinterher. Direkt auf die Tore zu, die durch locker aufgestellte, nicht am Boden verankerte, Pylone dargestellt werden. Im Eifer des Gefechts kippt schon einmal so ein Torpfosten um …  Es minimiert aber enorm die Verletzungsgefahr der Pferde (und Reiter)!

Polo - Kurze Unterbrechung, der Torpfosten (Pylon) ist umgekippt ...

Polo – Kurze Unterbrechung, der Torpfosten (Pylon) ist umgekippt …

Fiele ein Tor (jetzt meine ich nicht den Pfosten!) ist Seitenwechsel. Diese Regel hat ihren Ursprung in früherer Zeit, als z. B. in Indien gespielt wurde. Aufgrund der Hitze verlegte man die Spiele auf den späten Nachmittag. Dann stand die Sonne sehr tief und eine der beiden Mannschaften wurde mit Sicherheit massiv geblendet. Mit den torbedingten Seitenwechseln wurde ein Ausgleich geschaffen.

Ich habe anfangs den Schiedsrichter gesucht! Bis mir auffiel, dass sich eine ungerade Anzahl von Pferden und Reitern auf dem Feld befand. Ungerade war es durch den Vermissten. Der Schiedsrichter ist nämlich auch beritten und trägt zum besseren Erkennen ein gestreiftes Hemd.
Pfeift er ein Foul, wird die Zeit angehalten. Sollte ein Reiter vom Pferd fallen, ist es nicht zwangsweise so, dass deshalb ein Spiel unterbrochen oder gar abgebrochen wird. Wie gesagt, es zählt mehr das Pferd als sein Reiter …

Polo - Dem Ball hinterher ... (Ganz am Ende reitet der Schiedsrichter)

Polo – Dem Ball hinterher … (Ganz am Ende reitet der Schiedsrichter)

Genug entdeckt?
Sie waren heute übrigens im ältesten Poloclub! Es gibt nur eine kleine Einschränkung: Im ältesten Poloclub auf dem Kontinent. Natürlich gab es auf der britischen Insel schon eher welche – und den Polosport selbst sogar schon seit etwa 600 vor Christus! Hätten Sie das gedacht?

Sie wollen aufbrechen? Ich auch. Es freut mich, dass Sie mit von der Partie waren und so lange durchgehalten haben! Ich glaube, die Geduld der Briten hat schon auf sie abgefärbt … ^^

Am Ende, kurz vor dem Verlassen des Geländes, hat mir sogar die Queen noch zugewinkt. Eine Miniaturausgabe Ihrer Majestät. Sie stand auf einer Kühlerhaube und war adrett in Rosa gekleidet.

Her Majesty, the Queen ...

Her Majesty, the Queen …

Zum Ausklang der beiden Festtage bestände übrigens jedes Jahr noch die Möglichkeit, sich einen Platz für das Konzert am Sonntagabend zu sichern. In Anlehnung an die legendäre „ Last Night of the Proms“ in der Royal Albert Hall in London, gab es z. B. dieses Mal „The British Flair Open Air Proms Concert“ mit dem Hamburg Festival Orchestra. Very British!

Wie wär’s?  Sind Sie beim nächsten Mal auch dabei?

© by Michèle Legrand, August 2015
Michèle Legrand - freie Autorin - ©Fotograf Andreas Grav

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24 Kommentare

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