Beiträge getaggt mit Botanischer Sondergarten Wandsbek

Ente? Oder Huhn …? Auf jeden Fall Kamelien und Ohrringe.

Unterwegs in Eichtalpark und Botanischem Sondergarten Wandsbek.

Die Sonne! Jetzt hält einen nichts mehr drinnen, oder? Mittwoch am späten Nachmittag wurde es schön, nachdem die Sonne es endlich geschafft hatte, den hartnäckigen Hochnebel zu vertreiben. Also schnell die Jacke übergeworfen, das Fahrrad geschnappt, entlang der Wandse geradelt und Kurs eingeschlagen Richtung Eichtalpark sowie Botanischen Sondergarten Wandsbek.

Hamburg - An der Wandse entlang (stadtauswärts Richtung Eichtalpark)

Hamburg – An der Wandse entlang (stadtauswärts Richtung Eichtalpark)

Ist das schön, endlich wieder einmal Wärme auf der Haut zu spüren! An geschützten Plätzen lässt es sich bereits gut aushalten …

Entlang der Wandse - Die "Austreiber" im Eichtalpark ...

Entlang der Wandse – Die „Austreiber“ im Eichtalpark …

Entlang der Wandse - Buschwindröschen (Anemone nemorosa)

Entlang der Wandse – Buschwindröschen (Anemone nemorosa)

Wer radelt, macht auch Pausen. Kurze Unterbrechung am Wasser, um den Grund für das Spektakel bei den Enten zu erkunden.

„Hast du gesehen? Da ist eine! Und da auch …! Die kenne ich!“ Der Steppke auf seinem Minifahrrad, der eben neben mir am Geländer der kleinen Brücke über die Wandse gehalten hat, blubbert aufgeregt drauf los. Er erzählt fröhlich, dass er häufig hier vorbeikommt mit seinem Papa. (Der ist allerdings noch außer Sicht.) Das Endziel sei immer der große Spielplatz im Eichtalpark. Er kenne den Weg …
„Gestern habe ich eine ganz neue Ente gesehen“, erklärt er mir sehr ernst, gerade als sein etwas aus der Puste geratener Vater ihn endlich eingeholt hat. Den letzten Satz des Filius‘ hat er daher vernommen. Er fragt leicht belustigt:
„Was hast du gesehen? Eine ganz neue Ente? Tatsächlich?“
Es verblüfft mich ebenfalls, wie der Junge das Entenvolk hier wohl auseinanderhält und obendrein eine weitere Ente als neu hinzu gekommen erkennt. Ich hätte enorme Schwierigkeiten! Gerade heute! Neun Erpel (ein Original und acht Klone) belästigen eine einzelne Entendame, die empört reagiert und laut protestierend dem Pulk der Männer entflieht.

Hamburg - Eichtalpark - Neun Erpel und dazwischen eine "Sie" ...

Hamburg – Eichtalpark – Neun Erpel und dazwischen eine „Sie“ …

„Wie sah sie denn aus“, fragt sein Papa, „die von gestern?“
„Ganz schwarz und dann ein bisschen weiß und rot“, antwortet er nach kurzem Überlegen.
„War die genauso groß wie die anderen Enten? Oder vielleicht größer?“
„Nee, die war nicht größer, Papa. Ich glaube kleiner …“
„Wahrscheinlich war es ein Teichhuhn.“
„Papa! Nie! Also ein Huhn, das sieht echt total anders aus …!“
„Teichhühner sind keine Hühner, wie …“, beginnt sein Vater, kommt jedoch nicht weiter, denn Sohnemann kontert bereits:
„Ich weiß!“ Er runzelt die Stirn. „Ich sag ja auch, da war ´ne neue Ente, Papa! Kein Teichhuhn, eine Teichente!
Sein Interesse an einer Fortsetzung der Diskussion ist gleich null. Leicht genervt setzt er hinzu:
„Papa, wir wollen jetzt zur Rutsche. Komm endlich …!“

Er hat seine Prioritäten, ich die meinen. Bei mir steht anstelle der Rutsche der Botanische Sondergarten Wandsbek erneut oben auf der Liste. Weit ist es nicht mehr. Sie waren übrigens auch schon dort! Erinnern Sie sich noch an prachtvolle Staudenbeete oder  z. B. auch an den Taschentuchbaum?  Der steht in diesem besonderen Park.

Beim Blick in den eigenen Garten Anfang April könnte man auf die Idee kommen, dass wahrscheinlich noch nicht sonderlich viel zu sehen ist im „Bosowan“. Weit gefehlt! Sicher, die großen Flächen, die üblicherweise von den Stauden belegt sind, wirken noch etwas kahl.  Es sprießt jedoch an vielen Stellen. Die Belaubung der Gehölze startet langsam. Jedoch gibt es auch schon zu dieser frühen Jahreszeit ganz eigene Höhepunkte.
Schauen Sie einmal!
Da wären die Narzissen auf der Wiese und die Frühlingsblüher Lerchensporn (Corydalis cava), Beinwell (Symphytum) sowie Christrosen (Orientalische Nieswurz, Helleborus orientalis)

Botanischer Sondergarten Wandsbek - Narzissenwiese ...

Botanischer Sondergarten Wandsbek – Narzissenwiese …

Botanischer Sondergarten Wandsbek - rosa  Lerchensporn und gelber Beinwell

Botanischer Sondergarten Wandsbek – rosa Lerchensporn und gelber Beinwell

Botanischer Sondergarten Wandsbek - Helleborus orientalis (Christrose, Orientalische Nieswurz)

Botanischer Sondergarten Wandsbek – Helleborus orientalis (Christrose, Orientalische Nieswurz)

Die Sonne geht mitten im Beet auf: ein Adonisröschen

Botanischer Sondergarten Wandsbek - Lerchensporn (Corydalis cava),  rosa und ein Adonisröschen ...

Botanischer Sondergarten Wandsbek – Lerchensporn (Corydalis cava), rosa und ein Adonisröschen …

… oder hier Scheinhasel (Corylopsis pauciflora), Beales Mahonie (Mahonia bealei) und Blut- oder Zierjohannisbeere (Ribes sanguineum), Zierquitte (Chaenomeles) sowie Duftender Winterschneeball (Viburnum x botnantense „Dawn“).

Botanischer Sondergarten Wandsbek - Auch die Scheinhasel blüht ... (Corylopsis pauciflora)

Botanischer Sondergarten Wandsbek – Auch die Scheinhasel blüht … (Corylopsis pauciflora)

Botanischer Sondergarten Wandsbek - Farbenfroh der Blattaustrieb und dazu gelbe Blüten:  die Beales Mahonie (Mahonia bealei)

Botanischer Sondergarten Wandsbek – Farbenfroh der Blattaustrieb und dazu gelbe Blüten: die Beales Mahonie (Mahonia bealei)

Botanischer Sondergarten Wandsbek - Blutjohannisbeere (Ribes sanguineum)

Botanischer Sondergarten Wandsbek – Blutjohannisbeere (Ribes sanguineum)

Botanischer Sondergarten Wandsbek - Noch bevor die Blätter so richtig da sind, blüht sie bereits_Die Zierquitte (Chaenomeles)

Botanischer Sondergarten Wandsbek – Noch bevor die Blätter so richtig da sind, blüht sie bereits: Die Zierquitte (Chaenomeles)

Botanischer Sondergarten Wandsbek - Der duftende Winterschneeball (Viburnum x botnantense 'Dawn')

Botanischer Sondergarten Wandsbek – Der duftende Winterschneeball (Viburnum x botnantense ‚Dawn‘)

Meine besonderen Lieblinge in diesen bisher noch so unwirtlichen Monaten März und April sind vom Anblick her einige übermannshohe, dunkelgrün belaubte Pflanzen aus Asien. Ist es nicht erstaunlich, welche Blütenpracht Kamelien (Camellia japonica) bereits ab März auch im Freiland (nicht nur in den Gewächshäusern) zu produzieren vermögen? Die Form der zarten, gefüllten Blüten erinnert an die von Rosen oder auch Päeonien. Ein derartiges Farb- und Blühspektakel zu diesem Zeitpunkt wirkt daher fast unwirklich, da eine für das Auge in vergleichbarer Form vorkommende Blütenpracht sonst erst in den warmen und sonnigen Monaten zwischen Mai und Hochsommer startet.

Botanischer Sondergarten Wandsbek - Voller Knospen und Blüten:  die Kamelie (Camellia japonica)

Botanischer Sondergarten Wandsbek – Voller Knospen und Blüten: die Kamelie (Camellia japonica)

Botanischer Sondergarten Wandsbek - Anfang April - Blütenhochzeit bei der Camellia japonica (Kamelie)

Botanischer Sondergarten Wandsbek – Anfang April – Blütenhochzeit bei der Camellia japonica (Kamelie)

Botanischer Sondergarten Wandsbek - Kamelienblüte aus der Nähe (Camellia japonica)

Botanischer Sondergarten Wandsbek – Kamelienblüte aus der Nähe (Camellia japonica)

Wir sind fast am Ende des kleinen Rundgangs. Nur noch dieser Baum voraus! Liebe Blogbesucher, erkennen Sie ihn im Gegenlicht?

Botanischer Sondergarten Wandsbek - Was sich hier langsam entfaltet, sind die Blüten an einem Prachtexemplar von Magnolie

Botanischer Sondergarten Wandsbek – Was sich hier langsam entfaltet, sind die Blüten an einem Prachtexemplar von Magnolie

Es ist eine Magnolie, an der sich im Moment gerade die ersten von gefühlt tausenden weißen Blüten öffnen. Ein phantastisches Gefühl, genau darunter zu stehen, zu den aufspringenden Knospen heraufzuschauen und diese Leichtigkeit, die von den zarten Blütenblättern ausgeht, plötzlich am eigenen Körper spüren. Spontan blitzt der Gedanke auf, es würden in luftiger Höh’ unzählige weiße Schmetterlinge abheben …

Botanischer Sondergarten Wandsbek - ... ein Stück dichter heran und dann  zu den Magnolienblüten hinaufgeschaut

Botanischer Sondergarten Wandsbek – … ein Stück dichter heran und dann zu den Magnolienblüten hinaufgeschaut

Wir haben das Ausgangstor erreicht. Tja, denn … Oder warten Sie kurz! Ich möchte Ihnen den folgenden Dialog eines jüngeren Pärchens auf einer Parkbank, direkt dort, wo mein Fahrrad angeschlossen ist, nicht vorenthalten!

„Ich habe vorhin schon mal wegen neuer Ohrringe geschaut.“
Ich horche etwas auf, denn dieser Satz kommt nicht von ihr, sondern von ihm. (Meint er jetzt welche für sie oder für sich?) Während ich das Zahlenschloss öffne, spähe ich hinüber. Seine Sitzposition ist günstig, und da seine Haartracht nicht besonders üppig ausfällt, sieht man obendrein bestens die Ohren. Er trägt silberne Ohrstecker in Ankerform.
„Ach ja, du wolltest ja noch andere. Was für welche denn?“, fragt sie interessiert.
(Also für ihn.)
„Ich dachte, ich nehme mal welche mit einem Stein. Da gibt es zwei verschiedene Stecker in dieser Art. Der eine hat was, das sieht aus wie ein Brilli, bei dem anderen ist die Farbe dunkelgrün. Also so wie Glas. Wie Flaschen. Ich fand beide ganz gut. Konnt‘ mich nicht entscheiden. Was findest du denn besser? Welche soll ich nehmen?“
Er sitzt aufrecht. Sie liegt auf der Bank auf dem Rücken, seinen Schoß als Kopfpolster. Sie schweigt einen Moment, grient ihn dann an und sagt:
„Die, mit denen du besser hören kannst ….“
Sie handelt sich damit einen Klaps ein, richtet sich laut protestierend auf und geht über zur Gegenwehr …
Kommen Sie, ehe es in eine wüste Klopperei ausartet, verziehen wir uns lieber! ^^
Wir gehen gelegentlich wieder hin.

Ein schönes Wochenende für Sie mit hoffentlich noch viel Sonnenschein!

© by Michèle Legrand, April 2015
Michèle Legrand - freie Autorin - ©Fotograf Andreas Grav

 

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Der Umkipp-Punkt

Es gibt einen Punkt, an dem beginnt es umzukippen. Milch wird sauer oder der eben noch standfeste Turm aus Holzstäbchen gerät massiv ins Schwanken. Dabei wollte jemand nur ein einziges weiteres Stäbchen auflegen.
Manchmal bringt eine erneute dumme Bemerkung bringt das Fass zum Überlaufen, und gelegentlich sind einfach Treiben und Radau um einen herum zu intensiv. Zu viel.
Dieses Treiben ähnelt einem aufbrisenden Wind, der anfangs durchaus angenehm scheint. So lange, bis er an Intensität zulegt. Irgendwann rüttelt und klappert es ununterbrochen, zerrt an den Nerven – und mit einem Mal knallt das auf Kipp stehende Fenster mit Wucht zu!
Schluss. Ende. Ruhe.
Sie stehen drinnen, um von dort aus das Tohuwabohu draußen zu betrachten und in Ihnen herrscht Schweigen. Urplötzlich ist der berüchtigte Umkipp-Punkt erreicht.
(Sie haben natürlich verstanden, dass ich nicht allein vom Wind rede. Doch bleiben wir bei dem Vergleich.)
Es hat dauergebrist. Gar nicht dramatisch. Eine Brise ist schließlich kein Orkan. Allerdings schafft es auch die Stetigkeit – allein oder gepaart mit einem Anstieg der Intensität.
(Lassen Sie uns nun doch zum klaren Wort übergehen).
Dauerhaft solchen Umständen ausgesetzt zu sein schafft mental und ermüdet eigenartigerweise auch körperlich.
Jeder Mensch hat andere Faktoren als Auslöser, welche bei ihm auf längere Sicht zur Folge haben, dass er sich – vielleicht vom Gefühl her noch gar nicht besonders gefordert oder überfordert – jedoch derart belagert, bedrängt, berieselt, beschallt vorkommt, dass er die Schotten dichtmacht und sich einfach nur noch zurückzieht, bis der Lärm wieder abgeklungen ist. Bis er den Wunsch verspürt, die Jalousien wieder hochzufahren und erneut am Leben draußen teilzunehmen.
Nicht endender, aufgezwungener Lärm von außen ist gar nicht so selten Auslöser für eine solche Reaktion. Das Komische ist, dass Außenlärm spielend leicht und nahezu unaufhaltbar in einen einzudringen scheint und gleichzeitig selbstgemachter Lärm – sprich Stimme – es nicht mehr hinausschafft! Je lauter und umtriebiger das Außen, je stiller das Innen.
Ausnahmen bestätigen die Regel, Krawall kann durchaus auch kurzzeitig Gegenkrawall erzeugen. Wenn noch genügend Kraft dafür da ist. Für Protest.
Wir halten fest: Menschen und Reaktionen sind sehr verschieden und damit variiert ebenfalls der persönliche Umkipp-Punkt. Wie bei der Temperatur des Badewassers. Nicht jedem wird es erst bei 45°C zu heiß. Manch einer macht vorher schlapp. Ab welcher Lautstärke ein Lebewesen ein Geräusch als Lärm empfindet, ab welchem Zeitpunkt der Lärm förmlich lähmt, hängt vom Gehör, aber auch vom ureigensten Empfinden ab.
Henriette …, nein. Ich könnte eine imaginäre Person nehmen und von ihr erzählen, doch ich will heute offen sein und sage deshalb, ich stelle fest, dass mich Lärm auf Dauer in die Knie zwingt. Es ist für sich genommen bereits anstrengend, wenn ständig etwas im Hintergrund läuft, wenn überlaut gesprochen wird, wenn Stimmen unangenehm, schrill, durchdringend sind, wenn ohne Punkt und Komma auf einen eingehämmert wird, wenn simple Unachtsamkeit zusätzliche Lärmquellen aktiviert. Doch das ist alles noch recht harmlos. Damit komme ich zurecht. Übung macht den Meister.
Nur in den letzten Wochen gesellten sich weitere Folterlärmereien hinzu. Ich würde sie gern noch als normale Stadtgeräusche bezeichnen, würden Sie nicht so massiv und andauernd auftreten. Aus einzelnen Geräuschen mit Erholungspause wurde und wird penetrante und kontinuierliche Lärmbelästigung.
„Dann darfst du eben nicht in der Stadt wohnen!“
Sicher. Das ist generell wohl richtig. Doch manches in einer Stadt unterzieht sich einer Entwicklung, die vor zehn oder 20 Jahren kaum einer weder angenommen noch vorausgesehen hätte. Lärm ist mittlerweile ein diskutiertes Thema . Lärmschutzverordnungen wurden strenger, der Lärmausstoß einzelner Geräte darf bestimmte Dezibel-Zahlen nicht mehr überschreiten, Zeiten des Einsatzes müssten beachtet und Ruhezeiten eingehalten werden etc.  Und doch!

Wie ist das bei Ihnen? Wohnen Sie in der Stadt? Hat sich etwas verändert? Negativ oder positiv?
Ich hadere mit den Zuständen hier ein bisschen. Seit einiger Zeit befindet sich eine große Dauerbaustelle (bis 2018!) ganz in der Nähe. Straßenbauarbeiten im Zuge der geplanten Aufhebung weiterer beschrankter Bahnübergänge auf der Zugstrecke Richtung Lübeck. Die Untertunnelung von insgesamt drei Gleisen, damit die Autos trotz gestiegenen Schienenverkehrs zügig vorankommen und nicht ständig stundenlang vor verschlossenen Schranken stehen. Durch diese Baustelle entsteht einerseits Baulärm, zusätzlich zieht es Sperrungen nach sich, was zur Folge hat, dass der Verkehr – auch wenn anders geplant – im Endeffekt verstärkt durch die Straßen des Wohnviertels geht. Tag und Nacht.
Personen- und Güterverkehr haben im Laufe der Jahre enorm zugenommen. Mit den schweren Güterzügen auch das Rumpeln. Das Vibrieren des Bodens bei der Vorbeifahrt der Züge, das einen im Bett noch beben lässt, Risse in Wänden verursacht und Gläser im Schrank zum Klirren bringt. An den Bahngleisen selbst wird häufig,  begleitet von lärmintensiven Maschinen – aus praktischen Gründen gern auch mal nachts – gearbeitet. Lautes Tröten zur Warnung der Arbeiter begleitet die Aktion genauso wie das vorgeschriebene Hupen der Zugführer vor Bahnübergängen, wenn dessen Schranke nicht geschlossen wurde. Die Unterhaltung der Arbeiter wird brüllend geführt, um laufende Apparate zu übertönen.
Wenn in der Stadt seit Wochen an jedem Wochenende Aktionen wie Motorradgottesdienst, Harley-Davidson-Treffen, Schlager-Move oder Sportveranstaltungen (Derby, Marathon, Triathlon, Halbmarathon) bzw. Public Viewing anlässlich der WM stattfinden, hat das (so schön das einzelne Event für sich betrachtet sein mag) gehörige Auswirkungen was die Geräuschkulisse angeht und ist noch kilometerweit entfernt vom eigentlichen Ort des Geschehens zu hören.
Die Start- und Landebahnen des Flughafens werden regelmäßig überholt. Als Konsequenz ist dann jeweils eine der Rollbahnen  gesperrt.  So starten die Flugzeuge mehrere Wochen über meine Region oder überfliegen sie bei ihrem Landeanflug.
Vor zwei Tagen waren Gärtner bei einem Nachbarn, um dessen Buchenhecke zu schneiden. Sie hatten zwei Motorheckenscheren dabei. So laut, das können Sie sich kaum vorstellen! Da nützt es wenig, wenn lediglich die Gärtner Ohrenschützer tragen.
Eine Straße weiter wird an drei verschiedenen Häusern seit Wochen drinnen und draußen renoviert – also auch auf dem Grundstück gearbeitet. Hammerschläge, Fliesen schneiden, Fräsen, Langzeitbohren. Jetzt wurde bei einem der Grundstücke der Vorgarten komplett (zu)gepflastert. Eine Ramme war über Stunden am wummern, dann folgten nicht enden wollende dumpfe Schläge des Gummihammers.
Und genau das war der Umkipp-Punkt bei mir. Schotten dicht. Kopf betäubt. Stimme weg.

Am Abend bin ich einfach abgehauen und mit dem Fahrrad bei spätem Sonnenschein in den Botanischen Sondergarten Wandsbek (Sie erinnern vielleicht den Taschentuchbaum oder auch die blühenden Fächerpalmen aus früheren Blogposts) gefahren.
Das tat ziemlich gut …
Der Garten liegt fernab der Straße, Bäume umgrenzen das Terrain. Keine Baustelle, keine Züge, keine motorbetriebenen Geräte. Die Menschen, die ich dort antraf, unterhielten sich normallaut. In Zimmerlautstärke. Unaufgeregt. Nur miteinander. Nicht als Megaphon für andere am anderen Ende der Gartenanlage. Kein Public Hearing. Sie schienen auch die Ruhe zu genießen.
Vielleicht waren sie ebenso auf der Flucht vor Lärm …

Haben Sie zufällig gerade irgendwie Bedarf an Ruhe, Abendsonne und dem Anblick schöner Blumen? Mal kurz auf skurrile Samenstände schauen? Oder Seerosen vor dem Einschlafen erwischen?
Kommen Sie doch mit!

Botanischer Sondergarten Wandsbek - Zebra-Chinaschilf, Phlox, Storchschnabel und Rosen in der Abendsonne

Botanischer Sondergarten Wandsbek – Zebra-Chinaschilf, Phlox, Storchschnabel und Rosen in der Abendsonne

Botanischer Sondergarten Wandsbek - Juli 2014 - Was von Weitem ein wenig an Lupinen erinnert, sind die Blütenstände des Ungarischen Akanthus (Acanthus hungarius)

Botanischer Sondergarten Wandsbek – Juli 2014 – Was von Weitem ein wenig an Lupinen erinnert, sind die Blütenstände des Ungarischen Akanthus (Acanthus hungarius)

Botanischer Sondergarten Wandsbek - Vorne Kerzen-Knöterich (Bistorta amplexicaulis), hinten Rittersporne, Phlox u. a.

Botanischer Sondergarten Wandsbek – Vorne Kerzen-Knöterich (Bistorta amplexicaulis), hinten Rittersporne, Phlox u. a.

Botanischer Sondergarten Wandsbek - Juli 2014 - ... und überall Platz, sich niederzulassen.

Botanischer Sondergarten Wandsbek – Juli 2014 – … und überall Platz, sich niederzulassen.

Botanischer Sondergarten Wandsbek - Juli 2014

Botanischer Sondergarten Wandsbek – Juli 2014

Botanischer Sondergarten Wandsbek - Juli 2014

Botanischer Sondergarten Wandsbek – Juli 2014

Botanischer Sondergarten Wandsbek - Juli 2014 - Zierlauch (Allium), auch im verblühten Zustand mit Samenkapseln interessant anzuschauen

Botanischer Sondergarten Wandsbek – Juli 2014 – Zierlauch (Allium), auch im verblühten Zustand mit Samenkapseln interessant anzuschauen

Botanischer Sondergarten Wandsbek - Juli 2014 - ... ebenso die bis 200 cm hohen verblühten Steppenkerzen (Eremurus robustus und stenophyllus )

Botanischer Sondergarten Wandsbek – Juli 2014 – … ebenso die bis 200 cm hohen verblühten Steppenkerzen (Eremurus robustus und stenophyllus )

Botanischer Sondergarten Wandsbek - Juli 2014 ... die Samenkapseln der Steppenkerze aus der Nähe betrachtet.

Botanischer Sondergarten Wandsbek – Juli 2014 … die Samenkapseln der Steppenkerze aus der Nähe betrachtet.

Botanischer Sondergarten Wandsbek - Mädesüß (Filipendula purpurea elegans)  und Stockrosen (Alcea rosea) im Abendlicht

Botanischer Sondergarten Wandsbek – Mädesüß (Filipendula purpurea elegans) und Stockrosen (Alcea rosea) im Abendlicht

Botanischer Sondergarten Wandsbek - Juli 2014 - Phlox, Frauenmantel, Storchschnabel, Schilf dazwischen ...

Botanischer Sondergarten Wandsbek – Juli 2014 – Phlox, Frauenmantel, Storchschnabel, Schilf dazwischen …

Botanischer Sondergarten Wandsbek - Juli 2014 - Kerzen-Goldkolben oder auch Kerzen-Greiskraut (Ligularia przewalskii)

Botanischer Sondergarten Wandsbek – Juli 2014 – Kerzen-Goldkolben oder auch Kerzen-Greiskraut (Ligularia przewalskii)

Botanischer Sondergarten Wandsbek - Juli 2014 - Storchschnabel, Phlox, Rittersporn und Rosen ...

Botanischer Sondergarten Wandsbek – Juli 2014 – Storchschnabel, Phlox, Rittersporn und Rosen …

Botanischer Sondergarten Wandsbek - Juli 2014 - Die Seerosen schließen am Abend ihre Blüten ...

Botanischer Sondergarten Wandsbek – Juli 2014 – Die Seerosen schließen am Abend ihre Blüten … Auch hier ist jetzt Feierabend.

Entspannt? Bei mir reicht heute sogar schon der Anblick der Fotos nebst Erinnerung, um den beruhigenden Effekt zu fühlen.

Ich bin recht gespannt, wie es am späten Sonntag, nächtens,  böllertechnisch aussieht und ob hupend per Autokorso durch die Gegend gezogen wird. Den Grund würde ich natürlich ausnahmsweise noch einmal akzeptieren. ^^
Aber danach ist Schluss, Leute! Ruhe im Karton!

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende! Viel Spaß beim Fußball – falls Sie schauen! Sobald es insgesamt wieder ruhiger geworden ist, werde ich mich weiter hinauswagen und Ihnen auch wieder Neues von unterwegs mitbringen. Ich habe so das Gefühl, die Jalousie wird bald wieder hochgezogen.

©Juli 2014 by Michèle Legrand
Michèle Legrand ©Foto Andreas Grav (Ausschnitt)

 

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Anziehend, ausziehend, abziehend …

Er blühte auf, sie pellte sich und manche wurden begehrt. Oder: Das Ding hat seine Tücken!
Hätte man ebenso gut als Titel nehmen können.
Sie landen auch auf Knoblauch. Ich will noch nicht sterben. Der mit dem Monogramm …
Auch das hätte man alles sagen können. Doch ehrlich, eine Überschrift reicht.
Oder warten Sie!
Im Grunde hätte es auch Simsalabim sein können! Oder Bosowan Zwei.
Ach, Titel sind Schall und Rauch. Auch Texttitel. Wählen Sie doch einfach, wonach Ihnen der Sinn steht.

„Ich habe Durst!“
„Es gibt gleich was.“
„Ich habe aber jetzt schon Durst!“
„Felix, der Opa hat deinen Becher im Rucksack verstaut. Wir machen nur das Fahrrad fest, dann holen wir dein Getränk heraus.“
„Und wenn ich bis dahin sterbe?“
„Vor Durst?“
„Ja, es ist so heiß!“

Recht hat der Knabe. Hochsommerlich ist es zu diesem Zeitpunkt. Man stirbt nicht gleich bei kurzzeitiger Unterbrechung der Flüssigkeitszufuhr, doch der Mund ist trocken, die bei Bewegung selbst produzierte Flüssigkeit hingegen klebt großflächig auf der Haut.
Die Großeltern mit dem vier Jahre alten Enkel haben das gleiche Ziel wie ich: Sie unterbrechen ihren Fahrradausflug am Botanischen Sondergarten in Wandsbek.

Botanischer Sondergarten Wandsbek (Hamburg) im Mai

Botanischer Sondergarten Wandsbek (Hamburg) im Mai

Sein Rad kann man auf das umzäunte, 1,5 ha große Areal mitnehmen, man muss es nur schieben. Einfacher ist es, es gleich beim Betreten am Zaun abzustellen. So große Strecken sind im Garten selbst nicht zurückzulegen, das Tempo bleibt gemäßigt, doch wer trotz allem zwischendurch schlapp machen sollte, kann sich auf bereitstehenden Holzstühlen, auf Bänken oder einfach auf dem Rasen niederlassen.
Viele haben sich genau dazu entschlossen an so einem schönen Tag, sitzen – der direkten Sonne etwas entwischt – im Halbschatten von Gehölzen oder ungeschützt dicht am Teichbecken – einfach weil dort der Anblick von Wasser erfrischend wirkt. Sie lesen, lernen, dösen, picknicken, unterhalten sich. Freunde, Familien, Liebespärchen, eine kleine Gruppe von Radlern, Pflanzenliebhaber, Ruheschätzer.
Denn dieser Botanische Garten liegt zwar mitten in der Stadt, ist jedoch so weit von der nächsten Hauptstraße entfernt und zudem durch so viele Bäume abgeschirmt, dass der Lärm nicht mehr wahrgenommen wird. Wenn hier jemand Lärm macht, dann sind es die zahlreichen Vögel, die voller Inbrunst zwitschern. Ab und zu erspäht man in einem Gehölz einen von ihnen, doch meist dringen nur diverse Arien durch das inzwischen dichte Laub.

Botanischer Sondergarten Wandsbek (Hamburg) - Gern besucht ...

Botanischer Sondergarten Wandsbek (Hamburg) – Gern besucht …

Mittlerweile hat Felix mit seinen Großeltern eine Bank erreicht. Er lebt glücklicherweise weiterhin, hechelt lediglich wie ein junger Hund. Der Becher wird aus dem Rucksack gehangelt und damit beginnt das Problem. Er (der Becher) bockt offenbar widerspenstig. Jedenfalls müht sich der Großvater damit ziemlich ab. Es ist einer dieser höheren, verschraubbaren Thermosbehälter, die aus irgendwie ziemlich vielen Einzelteilen bestehen. Dem Unterteil mit Inhalt, einem abdichtenden Deckel, einer Kappe, die gleichzeitig als Trinkbecher fungiert, einem Zwischenring und falls man das Zusammenbauen nicht richtig macht,  scheint so ein Becher in noch wesentlich mehr Einzelteile zu zerfallen. Felix’ Opa erfährt gerade dieses Wunder der Teilevermehrung. Die Hände vermehren sich nicht dementsprechend mit, und so siegt die Schwerkraft. Zwei Teile gehen zu Boden, unter ihnen die Trinkkappe. Der rüstige Becherexperte reicht dem Jungen schließlich einfach nur das Unterteil mit dem Inhalt, während er die Reste wieder einsammelt.
„Opa, da gibt es doch einen Becher!“
„Jung, der ist runtergefallen, trink das mal so.“
„Oma, man trinkt doch nicht so aus der Flasche, oder?“
„Heute ausnahmsweise, pass auf, dass du dich nicht bekleckerst. Der Saft färbt.“
Felix bekommt es bildschön hin und wünscht, dass sein Becher nun wieder korrekt zusammengebaut wird.
„Hier, Opa, du musst das jetzt wieder zuschrauben.“
Eine einfache Anordnung? Es wird kompliziert. In welcher Reihenfolge kommt jetzt was? Beim Zuschrauben verkantet sich der Verschluss im Gewinde. Ein Teil ist zudem übrig. Es wird neu verschraubt, diesmal gerade. Nur wieder bleibt etwas übrig. Dieser Ring …
„Opa, ist das jetzt zu?“
„Ja.“
Felix gehört zu der Sorte Jungen, die nach dem Grundsatz leben: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Er nimmt seinen Thermosbecher und dreht ihn auf den Kopf. Es tropft. Der Blick Richtung Großvater ist anklagend.
Oma meint, das überzählige Teil spiele wohl doch eine Rolle. Alles wird erneut auseinandergenommen. Der nächste Verschließversuch bringt trotz inzwischen aufgesetzter Brille kein wesentlich anderes Resultat. Es leckt weiterhin. Großvater schaut grimmig, und weitere Kritik wäre jetzt fehl am Platz, wäre äußerst unklug.
Seine Frau meint deshalb ermunternd: „Ach, du kriegst das schon noch hin.“
Der Herr mit der grauen Wuschelfrisur macht jedoch keinerlei Anstalten.
Dafür will Felix!
Nur Oma will nicht, dass Felix will. Oma will selbst und Felix heult.
„Hier, schau zu“, erklärt sie seufzend ihrem Enkel. „Ich mache es dir einmal vor, dann kannst du es selbst versuchen.“
Felix schnieft und verkündet beleidigt, dass er so nicht mehr will, aber Opa aufpassen soll, damit er es dann endlich kann. Der runzelt die Stirn.
Die Demonstration beginnt. Oma schraubt, verbindet und macht vor dem letzten Teil eine kurze Kunstpause. Sie schaut verschwörerisch und murmelt:
„Simsalabim …!“
Fertig! Der Becher ist zu, hält dicht – und bei ihr bleibt nichts übrig beim Zusammenbau!
Felix bewundert sie sehr, erinnert seinen Großvater, dass nun er dran sei, und ehe die Stimmung kippt und die Heulerei wieder losgeht, macht dieser, wie ihm geheißen. Der Anfang klappt ganz passabel, doch mittendrin stockt er, wieder droht das bewusste Teil übrigzubleiben … Wo kam es bloß hin?
„Simsalabim …!“, raunt der Kleine und malt mit den Händen kreisförmige Figuren in die Luft.
Wer sagt’s denn! Opa weiß plötzlich, wo der Fehler ist, schraubt und strahlt. Er hat es geschafft!
Während die drei nun pausieren, schauen Sie und ich uns ein wenig im Garten um.

Wandselauf in Höhe des Botanischen Sondergartens (Wandsbek), Hamburg

Wandselauf in Höhe des Botanischen Sondergartens (Wandsbek), Hamburg

Nebenan läuft direkt an einem Bachlauf (Wandse) ein Wander- und Radweg, aus der City kommend und noch weit aus ihr hinausführend. Der Botanische Sondergarten ist ein anziehendes Ziel oder auch eine interessante und entspannende Unterbrechung, denn hier finden Sie ein idyllisches, hübsch angelegtes Fleckchen, eine Oase, die Ihnen im Verlauf des Jahres durch vielfältige Staudenbepflanzung, viele Zwiebelgewächse, farbenfrohe Sommerblumen und unterschiedlichste Gehölze sehr abwechslungsreiche Blüherlebnisse und Ansichten verschafft und obendrein mit zahlreichen besonderen, teilweise exotischen Pflanzen aufwarten kann.
Trotz allem wirkt die Park- bzw. Gartenanlage in vielen Teilen sehr natürlich, denn man hat z. B. den Rasen nicht überall akkurat gemäht, sondern lässt an einzelnen Stellen Wiesenstücke mit herrlichen Wildpflanzen stehen.

Botanischer Sondergarten Wandsbek (Hamburg) - Ein Teil des Grüns ist Rasen, ein Teil darf Wiese bleiben ...

Botanischer Sondergarten Wandsbek (Hamburg) – Ein Teil des Grüns ist Rasen, ein Teil darf Wiese bleiben …

Botanischer Sondergarten Wandsbek (Hamburg) - Wiese erlaubt ...

Botanischer Sondergarten Wandsbek (Hamburg) – Wiese erlaubt …

Gut, manche würden Sie vielleicht auch als Unkraut bezeichnen. Doch das ist eine Frage des Empfindens und der Definition. Es gibt wunderschöne Unkräuter, und vor allem sind sie hochbegehrt bei den Insekten und Schmetterlingen. Es brummt und flattert dort ständig und sobald Sie näher an die Blüten vieler Stauden herantreten, sehen Sie es dort ebenfalls wild herumwuseln.

Höchst anziehend!

Botanischer Sondergarten Wandsbek (Hamburg) -  Bepflanzung mit Stauden, Zwiebelblühern und Gräsern ...

Botanischer Sondergarten Wandsbek (Hamburg) – Bepflanzung mit Stauden, Zwiebelblühern und Gräsern …

Botanischer Sondergarten Wandsbek (Hamburg) - Teppich-Wiesenknöterich (Bistorta affinis 'Superbum')

Botanischer Sondergarten Wandsbek (Hamburg) – Teppich-Wiesenknöterich (Bistorta affinis ‚Superbum‘)

Botanischer Sondergarten Wandsbek (Hamburg) -  Schnittknoblauch (Allium tuberosum)

Botanischer Sondergarten Wandsbek (Hamburg) – Schnittknoblauch (Allium tuberosum)

Botanischer Sondergarten Wandsbek (Hamburg) -  Im Mai: Ein blaues Meer aus Akelei-Blüten  .

Botanischer Sondergarten Wandsbek (Hamburg) – Im Mai: Ein blaues Meer aus Akelei-Blüten

Botanischer Sondergarten Wandsbek (Hamburg) -  Bizarr und schön ... sieht aus wie die abgeblühten Blütenstände der Küchenschelle.

Botanischer Sondergarten Wandsbek (Hamburg) – Bizarr und schön … sieht aus wie die abgeblühten Blütenstände der Küchenschelle.

Schauen Sie bitte einmal hier! Ein ausgefallener Baum, der mich unweigerlich daran denken lässt, was passiert, wenn man bei diesem 28°-Grad-Sommer-Wetter seine Haut lange der Sonne und der intensiven  UV-Strahlung aussetzt: Sonnenbrand, abgestorbene Hautfetzen, abblätternde Haut.

Botanischer Sondergarten Wandsbek (Hamburg) - Kupferbirke (Betula albosinensis) mit abblätternder Borke

Botanischer Sondergarten Wandsbek (Hamburg) – Kupferbirke (Betula albosinensis) mit abblätternder Borke

Ausziehend!

Botanischer Sondergarten Wandsbek (Hamburg) -  Sie pellt sich ... die Borke der Kupferbirke (Betula albosinensis) blättert ab.

Botanischer Sondergarten Wandsbek (Hamburg) – Sie pellt sich … die Borke der Kupferbirke (Betula albosinensis) blättert ab.

Bei dieser besonderen Birke, der Betula albosinensis (vielen Dank an Helge Masch vom Sondergarten für die Information bezüglich des Namens), gibt es auch ein „Abpellen“, allerdings nicht sonnenbedingt oder sonnenabhängig. Es ist die älteste Borkenschicht, die bei diesem Baum die Eigenart hat, abzublättern. Am recht glattrindigen Stamm, der eine sehr ungewöhnliche Färbung, ein Farbspiel in unterschiedlichen Brauntönen (und das bei einer Birke!) zeigt, aber auch weiter oben in seinen Verästelungen. Dort, wo es sich pellt, ist die darunter liegende Rinde heller. Hauptsächlich so entstehen die Farbunterschiede. Einen schönen Kontrast dazu bildet das frischgrüne Laub samt den zur Zeit herabhängenden Kätzchen.
Als deutscher Name ist der Begriff Kupferbirke gebräuchlich, und tatsächlich erinnert die leicht glänzende Farbe des Stammes genau an das warme, changierende Braun dieses Metalls.

Botanischer Sondergarten Wandsbek (Hamburg) - Das Farbenspiel am Stamm der Kupferbirke (Betula albosinensis) ...

Botanischer Sondergarten Wandsbek (Hamburg) – Das Farbenspiel am Stamm der Kupferbirke (Betula albosinensis) …

Generell sollte man im eigenen Garten bei der Auswahl von Pflanzen sein Augenmerk ebenfalls auf Rinden (Borken) und Astformen richten, nicht nur auf Laub, Blüten oder Herbstfärbung. Was im Winter bleibt und sichtbar ist, sind Äste und die Rinde. Und wenn die kahlen Zweige im Schnee rot oder gelb leuchten (Hartriegel) oder außergewöhnliche Wuchsformen (die gedrehten Äste der Korkenzieherhasel, der Spindelstrauch mit seinen Korkleisten etc.) haben, reizt der Anblick – genauso wie der einer stark zerklüfteten Borke oder eben der eines Gehölz, das sich sogar „auszieht“.

Ich werfe nur eben schnell einen Blick hinüber zu Felix. Ah ja, man bestaunt Insekten …

Botanischer Sondergarten Wandsbek (Hamburg) -  Die Blüten des Zierlauchs (Allium Early Emperor) werden gern von Insekten besucht ...

Botanischer Sondergarten Wandsbek (Hamburg) – Die Blüten des Zierlauchs (Allium Early Emperor) werden gern von Insekten besucht …

Botanischer Sondergarten Wandsbek (Hamburg) -  Und diese Blätter und Blüten (Kätzchen) gehören zu einer Bitteren Hickorynuss (Cayra cordiformis aus Kanada)

Botanischer Sondergarten Wandsbek (Hamburg) – Und diese Blätter und Blüten (Kätzchen) gehören zu einer Bitteren Hickorynuss (Cayra cordiformis aus Kanada). Auch bei ihr lösen sich (kleinere) Schuppen von der Borke. Sind Sie zufällig Bogenschütze? Ihr Holz wird u. a. auch für den Bogenbau verwendet!

Besondere Attraktionen gibt es im Sondergarten immer wieder. Kürzlich war es die Blüte des großen Taschentuchbaums. Sie erinnern sich an den „Tatuba“ aus einem der vorherigen Blogposts?
Doch stellen Sie sich vor, hier gibt es auch Palmen! Obwohl in diesen Breitengraden und speziell im norddeutschen Flachland eher selten und unerwartet, sind z. B. chinesische Hanfpalmen (Fächerpalmen) recht robust und vermögen durchaus dem Frost bis zu einem gewissen Grad zu trotzen. Sie sind obendrein nicht nur frost- sondern auch nässetolerant. Wird es richtig frisch, mit Temperaturen von unter minus zehn Grad, haben sie mit einem zusätzlichen Schutz trotzdem reelle Chancen, den Winter schadlos zu überstehen und sich zu entwickeln. Wer sie im Kübel hält und in einem recht kühlen, aber frostfreien Raum überwintern kann, muss sich natürlich weniger sorgen.
Im Botanischen Sondergarten steht u. a. eine solche Hanfpalme (Trachycarpus fortunei), die nicht nur sehr schöne Palmenwedel besitzt, sondern in diesem Jahr spontan beschlossen hat, Blütenstände auszubilden. Etwas, was man in unseren Breiten nicht alle Tage zu sehen bekommt.
Wir machen es jetzt einfach so, wie Felix und seine Großmutter es vorhin taten. Ich zeige Ihnen zwei Fotos …

Botanischer Sondergarten Wandsbek (Hamburg) - Chinesische Hanfpalme bzw. Fächerpalme (Trachycarpus fortunei) bildet Blütenstände aus

Botanischer Sondergarten Wandsbek (Hamburg) – Chinesische Hanfpalme bzw. Fächerpalme (Trachycarpus fortunei) bildet Blütenstände aus

Botanischer Sondergarten Wandsbek (Hamburg) - Chinesische Hanfpalme bzw. Fächerpalme (Trachycarpus fortunei) mit gleich mehreren Blütenständen

Botanischer Sondergarten Wandsbek (Hamburg) – Chinesische Hanfpalme bzw. Fächerpalme (Trachycarpus fortunei) mit gleich mehreren Blütenständen

… und nun sagen Sie „Simsalabim“. Na, nun kommen Sie schon, zieren Sie sich nicht so!
Simsalabim!“
Na, bitte, klappt doch! Und schon hat sich die Blüte rasant weiterentwickelt!

Botanischer Sondergarten Wandsbek (Hamburg) - Chinesische Hanfpalme bzw. Fächerpalme (Trachycarpus fortunei) bildet Blütenstände aus - Der Fortschritt nach zwei Wochen ...

Botanischer Sondergarten Wandsbek (Hamburg) – Chinesische Hanfpalme bzw. Fächerpalme (Trachycarpus fortunei) bildet Blütenstände aus – Der Fortschritt nach zwei Wochen …

Wie Sie bei unserer Zauberspruchanwendung gesehen haben, wächst die Wahrscheinlichkeit von schnellen Fortschritten, wenn man zweimal im Park ist und von beiden Besuchen Fotos mitbringt. ^^
Auch die kleine, im Kübel gezogene Europäische Zwergpalme (Chamaerops humilis), hält mit: Blütenstände auch bei ihr.

Botanischer Sondergarten Wandsbek (Hamburg) - Europäische Zwergpalme (Chamaerops humilis) - ebenfalls mit Blütenstand!

Botanischer Sondergarten Wandsbek (Hamburg) – Europäische Zwergpalme (Chamaerops humilis) – ebenfalls mit Blütenstand!

 

Botanischer Sondergarten Wandsbek (Hamburg) - Am Teichbecken, zwei Wochen zuvor (03.05.2014), als die Tulpen noch blühten

Botanischer Sondergarten Wandsbek (Hamburg) – Am Teichbecken, zwei Wochen zuvor (03.05.2014), als die Tulpen noch blühten

Auf einer Bank liegt eine junge Frau auf dem Rücken lang ausgestreckt in der Sonne und telefoniert. Beim Vorbeigehen hört man mehrfach ein leicht verlegenes: „Nein … Ach, du!“ gefolgt von Gelächter.
Auch Felix lacht. Allerdings über die Hosenbeinhochkrempelversuche seines Opas. Vielleicht sind es auch nicht die Versuche, sondern es ist eher der unverhoffte Anblick von hautmäßig sehr blassen, dafür aber enorm dunkel behaarten Beinen.
Fragen Sie sich auch manchmal, warum dunkle Kopfhaare grau werden, Barthaare irgendwann auch, aber die Haare an den Beinen kohlrabenschwarz bleiben? Ulkig, oder? Wäre es andersherum, würde einem keiner glauben, dass man die Kopfhaare nicht dunkel nachgefärbt hat.

Botanischer Sondergarten Wandsbek (Hamburg) -  An allen Ecken blüht es bereits ...

Botanischer Sondergarten Wandsbek (Hamburg) – An allen Ecken blüht es bereits …

Es sieht so aus, als würden die Großeltern mit dem Jüngsten wieder aufbrechen. Vermutlich kommt nach dem Durst jetzt langsam der Hunger, und alles hat man ja nicht immer dabei. Jedenfalls nicht ausreichend. Proviant unterwegs geht immer wesentlich flotter weg als das Essen am Tisch daheim. Kaum sind Sie aufgebrochen, meint der erste Mitreisende, er bräuchte dringend Verpflegung.
Sie und ich sind zwar nicht am verhungern, aber so langsam sollten wir auch mal wieder … Oh, wer sitzt denn dort?

Botanischer Sondergarten Wandsbek (Hamburg) - Ein weiterer Gast des Gartens. Und wer genau hinschaut, weiß auch, an welcher Stelle sich die Katze aufhält. Unter dem Taschentuchbaum. Einige verräterisch herumliegende "Tücher" lassen den Schluss zu ...

Botanischer Sondergarten Wandsbek (Hamburg) – Ein weiterer Gast des Gartens. Und wer genau hinschaut, weiß auch, an welcher Stelle sich die Katze aufhält. Unter dem Taschentuchbaum. Einige verräterisch herumliegende „Tücher“ lassen den Schluss zu …

Abziehend!

Botanischer Sondergarten Wandsbek (Hamburg) - ... sie fühlte sich wohl beobachtet.

Botanischer Sondergarten Wandsbek (Hamburg) – … sie fühlte sich wohl beobachtet.

Wie hat es Ihnen im Botanischen Sondergarten gefallen? Ein Besuch lohnt sich, oder? Wenn Sie in Hamburg oder Umgebung leben, schauen Sie doch selbst einmal vorbei. Kombinieren Sie es mit einem Spaziergang, denn der Wanderweg sowie der nahegelegene Eichtalpark bieten sich dafür wirklich an.

Viburnum Opulus direkt beim Botanischen Sondergarten Wandsbek neben einem Teich ... und wer ist da?

Viburnum Opulus direkt beim Botanischen Sondergarten Wandsbek neben einem Teich …

Direkt am Gartenausgang zum Wandse-Wanderweg, befindet sich eine Wegabzweigung mit einer kleinen Brücke. Links und rechts von ihr liegen ganz idyllisch Teiche. Hier wächst u. a. ein Gehölz namens Viburnum opulus, ein Vertreter der zahlreichen Schneeballsorten. Er trägt zurzeit cremefarbene Blüten, gleichzeitig aber auch dunkle, rötliche bis fast schwarze Früchte. Schon mit dem Fahrrad am anfahren, schaut man da natürlich doch genauer hin. Und wen erspähe ich so glücklicherweise gerade noch aus dem Augenwinkel?

C-Falter auf einem Viburnum opulus

C-Falter auf einem Viburnum opulus

Es ist ein C-Falter (an der Unterseite der Flügel erscheint ein kleines helles C, daher der Name), der von diesem sonnigen Plätzchen angelockt wurde. Obwohl einer der gängigen Tagfalter, habe ich ihn in der Stadt vorher noch nie gesehen! Ein sehr schönes Exemplar – und außer an dem C recht gut an seinen sehr „zerklüfteten“ Flügelrändern zu erkennen, bei denen man im ersten Augenblick fast fürchtet, irgendjemand hätte ihn angeknabbert.

So, wir haben viel gesehen! Feierabend für heute.
Simsalabim!
Es ist Wochenende! Genießen Sie es und lassen Sie es sich gut gehen!
Bis zum nächsten Mal!

©Mai 2014 by Michèle Legrand
Michèle Legrand - Michèle. Gedanken(sprünge) @wordpress.com

 

 

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Ein Tatuba im Bosowan

Im Grunde sah ich vor, Ihnen nach diesem Wochenende etwas vom Hafengeburtstag in Hamburg zu erzählen, Ihnen obendrein einige optische Eindrücke mitzubringen. Es ging nicht. Wobei nicht einmal das stürmisch-nasse, teilweise absolut grausliche Wetter, der Grund dafür war. (Ich denke, es hätte Vorteile, im nächsten Leben gleich als Wasservogel oder Amphibie auf die Welt zu kommen).
Ein Tatuba ist demzufolge kein Tiefdruckgebiet mit Wirbelsturm oder irgendein Schiffstyp. Und Bosowan auch kein Hafenbecken oder eine Werft  in Hamburg.
Ich gebe zu, bei dieser Art von Titelzeile raufen sich SEO-Spezialisten, die nur suchmaschinenoptimiert denken, sowieso fürchterlich die Haare. Solange bis nichts mehr auf dem Kopf ist!
Ist sie von allen guten Geistern verlassen? Was für eine Überschrift! Hat sie überhaupt keine Ahnung? Was für Begriffe! Wie kann man bloß so etwas wählen, warum nur?
Und schon fliegen sie wieder, die Haarbüschel.
Wie ich? Ganz einfach. Mit Lust und spielend leicht!
Und warum? Weil ich nicht vorrangig für eine olle Suchmaschine schreibe.

Nun zu uns. Tatuba. Kennen Sie bestimmt, oder? Bosowan auch, ganz klar, das muss ich beides nicht extra erklären.
Ganz ruhig! War nur Spaß … ^^
Es herrscht Erkältungswetter. Regenwetter, böige Winde, zwischendurch Sonne, sehr schwankende Temperaturen, hohe Luftfeuchtigkeit, Gewitter, Schwitzen, Frieren, Schnupfen und hier daheim auch Traurigkeit, weil am Sonnabend die Schwiegermama verstorben ist.
Was braucht man dann?
Taschentücher!
Was wäre praktisch?
Gesicherter Nachschub, zupffrisch.
Undenkbar? Natürlich nicht! Es gibt glücklicherweise den Taschentuchbaum (Davidia involucrata), meinerseits liebevoll Tatuba genannt, der in Hamburg im Botanischen Sondergarten Wandsbek (kurz: Bosowan), im Moment noch in voller Blüte steht und reichlich Tücher bereithält.

Taschentuchbaum (Davidia involucrata) im Botanischen Sondergarten Wandsbek (Hamburg) - Massenhaft "Blütentücher" Anfang Mai ...

Taschentuchbaum (Davidia involucrata) im Botanischen Sondergarten Wandsbek (Hamburg) – Massenhaft „Blütentücher“ Anfang Mai …

An diesem Baum fallen gar nicht so sehr die eigentlichen, bräunlichen Blütenstände (in der Mitte) auf, auch nicht die kleinen, eiförmigen Steinfrüchte, die noch aus dem Vorjahr an den Ästen hängen, sondern die an den neuen Blüten befindlichen zwei – in Ausnahmefällen auch einmal drei – weißlichen Hochblätter (Brakteen), die herabhängen. Sie verleihen das spezifische Aussehen und verhalfen dem Davidia involucrata zu seinem deutschen Namen. Auch im Englischen ist der Ausdruck handkerchief tree gebräuchlich. Es existiert in beiden Sprachräumen eine weitere Bezeichnung: Taubenbaum (Dove Tree). Doch – ganz ehrlich – empfinden Sie den Anblick so, als würden weiße Tauben auf seinen Ästen sitzen? Das müsste wohl die Besatzung aus gleich mehreren Taubenschlägen sein. So massenhaft tauchen schneeweiße Tauben jedoch generell nicht auf.

Taschentuchbaum (Davidia involucrata) im Botanischen Sondergarten Wandsbek (Hamburg) - Ein Blick von unten auf die eigentliche Blüte, dazwischen noch zu erkennen sind die Steinfrüchte vom Vorjahr

Taschentuchbaum (Davidia involucrata) im Botanischen Sondergarten Wandsbek (Hamburg) – Ein Blick von unten auf die eigentliche Blüte, dazwischen noch zu erkennen sind die Steinfrüchte vom Vorjahr

Wir stellten vorhin fest, dass beim Prioritäten setzen der suchmaschinenkonforme Titel oder Text bei mir nicht unbedingt an vorderster Stelle steht. Was bedeutet das außerdem? Richtig, der Inhalt weicht von dem eines Lexikons gelegentlich ab.  Hier im Blog geht es zusätzlich darum, was Dinge auslösen, welche Assoziationen entstehen, welche Bilder im Kopf auftauchen.

Deshalb stellen Sie sich die Masse der herabhängenden „Tücher“ vor und auch, dass Sie alle diese „Tatüs“ im Laden erstehen sollten. Ich habe mir ein, zwei längere Äste sehr genau angesehen und an ihnen Blüten gezählt. In kurzer Zeit erreichte ich bereits die Zahl 200.
Bei lediglich zwei Ästen!

Taschentuchbaum (Davidia involucrata) im Botanischen Sondergarten Wandsbek (Hamburg) - Blüte inkl. Hochblatt (Braktee), dem Taschentuchzipfel ...

Taschentuchbaum (Davidia involucrata) im Botanischen Sondergarten Wandsbek (Hamburg) – Blüte inkl. Hochblatt (Braktee), dem Taschentuchzipfel …

Nehmen wir – nur um eine Zahl und Vorstellung zu haben – an, der Baum hätte 6.000 Blüten und eine Blüte entspräche einem Tuch. Dafür stände im Drogeriemarkt Ihres Vertrauens ein Kauf von 75 Pappzupfboxen à 80 Blatt an! Nach Hause getragen in etwa 20-25 Einkaufsbeuteln.
Oder wenn Sie diese Einzelpäckchen à zehn Tücher wählen, die immer als Familienvorrat in Einheiten zu 15 Pack eingeschweißt sind, dann bräuchten Sie 40 dieser Riesenpakete!
Sie können natürlich auch weiterspinnen. Den Gedanken meine ich. Machen wir gleich …

Die Aufzucht eines solchen Baumes ist leider nichts für Ungeduldige. Die Samen keimen meist erst nach 18 Monaten. Selbst wenn Sie Ihren Davidia involucrata als Containerpflanze erstehen, ist es so, dass er nur langsam an Größe zulegt, in den ersten Jahren recht frostempfindlich ist und seine ausgefallenen Blüten erst nach zehn Jahren das erste Mal zeigt. In späteren Jahren ist er irgendwann zu groß für kleine Hausgärten. Man findet den Taschentuchbaum daher selten und wenn auch eher in Parkanlagen bzw. speziell in Botanischen Gärten.
Falls Sie den Baum toll finden, jedoch keinen besitzen und auch nicht planen ihn anzuschaffen und  gleichzeitig bemerken, dass es Ihnen zwanghaft in den Fingern juckt und Sie unheimlich gern die Nachbarschaft irritieren würden, dann könnten Sie im Mai einen vorhandenen Laub- oder gern auch Obstbaum großzügig mit Tempos behängen. Sie wissen ja nun, wie viele Päckchen Sie einkaufen müssen.
Mag sein, dass Ihre Hausleiter nicht ausreicht, vielleicht haben Sie aber einen Bekannten bei der freiwilligen Feuerwehr, der nachts mit dem Einsatzfahrzeug vorbeikommt und durch das Ausfahren der Teleskopleiter zu einer wertvollen Hilfe bei der Durchführung Ihres Projekts wird. In einer Nacht- und Nebelaktion wäre alles erledigt …

Blühender Taschentuchbaum (Davidia involucrata) im Botanischen Sondergarten Wandsbek (Hamburg)

Blühender Taschentuchbaum (Davidia involucrata) im Botanischen Sondergarten Wandsbek (Hamburg)

Sollten Ihre Nachbarn fragen, was für ein besonderes Gewächs bei Ihnen so plötzlich blüht, dann nennen Sie gern den neu geschaffenen Begriff aus der Überschrift. Verkünden Sie mit ernster und wichtiger Miene, Sie hätten einen Tatuba und zwar die erste, höchsteigene europäische Züchtung eines Taschentuchbaumes (er kommt ursprünglich aus China). Die schnäuzfeste, mit den außergewöhnlich großen Brakteen.
Variieren Sie ruhig ein wenig. Nehmen Sie im folgenden Jahr die unifarbenen, roten Papierservietten. Ihr europäischer Taschentuchbaum ist nämlich der spektakuläre Tatuba europaea „Farbwunder“. Und der wächst – sehr richtig mitgedacht – nicht im Bosowan, sondern im Prigado. Im Privatgartendomizil.

Taschentuchbaum (Davidia involucrata) im Botanischen Sondergarten Wandsbek (Hamburg) - Mai 2014

Taschentuchbaum (Davidia involucrata) im Botanischen Sondergarten Wandsbek (Hamburg) – Mai 2014

Und dann, liebe Leser, könnte es durchaus passieren, dass plötzlich alle nach Tatuba googelten und den SEO-Profis  gar nicht anderes übrig bliebe, als dieses Suchwort als vollwertig, nein als extraordinär, einzustufen!
Läuft es denn jemals anders?
Die Nachfrage nach einem Begriff wird doch immer erst geschaffen. Irgendeiner muss doch der Vorreiter sein. Sie sehen, in Wirklichkeit habe ich bereits (heimlich) suchmaschinenoptimiert betitelt …
Ende gut, alles gut. Die Spezialisten könnten ihre Haare wieder am Platze belassen und bräuchten mir auch endlich keine Mails mehr mit Optimierungsangeboten zu schicken. Es ist eh aussichtslos – ich bin Wiederholungstäter.

©Mai 2014 by Michèle Legrand
Michèle Legrand - Michèle. Gedanken(sprünge) @wordpress.com

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