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Bom Dia, MADEIRA – Part 4: Lavabecken, Strände, Fischer und Piraten …

Heute:
Entlang des Atlantiks (Panorama Promenade) nach Câmara de Lobos / Piscinas Naturais, Porto Moniz / Madeiras Schwarzer Degenfisch (Espada)
 

Frisch ist der April bei uns! Kalte Windböen, kräftige Hagelschauer. Es wird allerhöchste Zeit, sich zurück
auf die Insel im Atlantik zu begeben, auf der Sonnenschein nicht so selten ist und die ohnehin sympathischen Temperaturen mittlerweile weiter klettern.
Part 3 der MADEIRA-Serie endete im Westen der Hauptstadt Funchal. Sie erinnern sich, am Stadtrand ent-
stand ein großes Hotelviertel. Hier und dort sind natürlich schon blühende Pflanzen vorhanden, speziell in den einzelnen Hotelanlagen selbst, es gibt neu angelegte Promenaden, viele Restaurants, Cafés, Kneipen, den Meerblick, der ebenfalls nicht zu verachten ist, nur grundsätzlich wirkt alles enorm konzentriert und vollgebaut. Ein Areal mit hohen, sehr wohl praktischen, doch nicht allesamt schön anzusehenden Bauten, um die wir uns daher heute nicht weiter scheren.
Hier nur ein Beispiel, das belegt, es gibt mittendrin durchaus auch farbenfrohere und einfallsreichere Formen
als den klotzförmigen Kastenbau.
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Madeira - Lido (Hotelviertel) - Einige Bauten heben sich vom Klotzbau wohltuend ab ...

Madeira – Lido (Hotelviertel) – Einige Bauten heben sich vom Klotzbau wohltuend ab …

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Wir steuern das Viertel allerdings lediglich an, um gleich am Beginn nach links zu einer Art Küstenwanderweg abzubiegen, der sich Panorama Promenade nennt. Bei all den Steilküsten, Klippen und nicht zu vergessen den Hängen, die ebenfalls oft bis nah ans Wasser heranreichen, finden Sie hier erstaunlicherweise einmal einen Bereich, der vergleichsweise eben daherkommt. Direkt entlang des Atlantischen Ozeans lässt es sich tat-
sächlich ohne allzu große Anstrengungen und mit wenigen moderaten Höhendifferenzen westwärts bis zum alten Fischerdorf Câmara de Lobos wandern. Eineinhalb Stunden sind Sie dafür etwa unterwegs, haben ein schönes Ziel, und sollte die Kraft für den Rückweg nicht ausreichen, fahren ab dort Busse zurück in die Hauptstadt.

Lobos – denken Sie auch spontan an Wölfe …? Nur – ein Fischerort ohne Wald und dann diese Tiere? Direkt am Wasser? Überhaupt wären Wölfe auf Madeira mehr als verwunderlich; wie es heißt, gibt es auf der Insel
wild respektive freilebend keine größeren Tiere als Kaninchen. Die abgeschiedene Lage im Atlantik hat eine Besiedelung durch andere Landtiere stets verhindert. Des Rätsels Lösung lautet deshalb auch anders:
Es gab in der Bucht von Câmara de Lobos früher Seebären bzw. Seelöwen. Sogar eine ganze Menge. Die gehören zu den Ohrenrobben und heißen auf Portugiesisch lobos marinhos. Wenn Sie an den letzten Blogpart und den Entdecker Madeiras, Zarco, zurückdenken, wissen Sie, dass er damals den Ort gründete und sich erst dann um das Fenchelroden in der Bucht von Funchal kümmerte. Er gab dem Fischerdorf den Namen, den es bis zum heutigen Tage trägt.

In unserer Zeit werden entlang dieser Küste kaum Robben erspäht, Es leben noch einige Exemplare einer weltweit extrem selten gewordenen Robbenart (Mittelmeer-Mönchsrobben) auf den ebenfalls zum Archipel gehörenden, unbewohnten Ilhas Desertas (portugiesisch für: verlassene Inseln), die als Naturschutzgebiet erklärt wurden und sich ca. 30 km südöstlich von Madeira befinden.
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Von Madeiras Küste aus gut zu sehen: Die unbewohnten Ilhas Desertas, südöstlich gelegen

Von Madeiras Küste aus gut zu sehen: Die unbewohnten Ilhas Desertas, südöstlich gelegen

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Was Sie wiederum gelegentlich auf den Wellen des Ozeans ausmachen können, ist ein vermeintlich altes Segelschiff mit dem Namen Santa Maria de Colombo. In Wirklichkeit handelt es sich um einen Nachbau der echten „Santa Maria“, mit der Christoph Kolumbus 1492 in Amerika eintraf. 19 Jahre ist es her, dass in eben diesem Fischerdorf Câmara de Lobos ein Holländer zusammen mit sieben einheimischen Handwerkern innerhalb nur eines Jahres den 22 m langen Dreimaster aus Holz fertigstellte. Woher der Bezug zu Kolumbus rührt? Der berühmt gewordene Seefahrer war mit einer Portugiesin verheiratet, lebte einige Jahre auf Madeiras Nachbarinsel Porto Santo (ca. 40 km nordöstlich) und erkundete natürlich auch die Hauptinsel des Archipels. Warum nicht seine Bekanntheit ein bisschen nutzen, nicht wahr …?

Heute fahren hauptsächlich Touristen mit dem Schiff hinaus, in der Hoffnung, Wale zu sichten. Ein umfang-
reiches Bordprogramm wird dazugeboten. Die Besatzung erscheint als Piraten verkleidet, die Mitfahrenden bekommen den inseltypischen Honigkuchen (Bolo de Mel) oder auch den bekannten Madeirawein, und wenn es im Sommer richtig warm wird, dürfen Sie als Passagier sogar die Badehose herausholen und von der Santa Maria de Colombo in den Atlantik hüpfen.
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Apropos baden …
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Madeira - Südküste - Die Santa Maria de Colombo ist unterwegs ....

Madeira – Südküste – Die Santa Maria de Colombo ist unterwegs ….

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Wo geht’s denn hier zum Strand? / Baden auf Madeira

Madeira kann in vielen Dingen punkten. Es hat grandiose Bergwelten, tolle Wandergebiete, eine üppige Vegetation mit farbenprächtigen Blüten, ist enorm vielfältig und verfügt über ein subtropisches, ganzjährig überaus angenehmes Klima. Doch was Bademöglichkeiten und Strandexistenz bzw. -beschaffenheit angeht, gibt es recht geteilte Meinungen und Ansichten.

Lassen Sie es mich so formulieren: Begeisterung und Enttäuschung liegen überraschend eng beieinander. Es kommt extrem darauf an, was der Reisende unter der Bezeichnung Strand versteht, was er von ihm erwartet und sich generell als Haupturlaubsbeschäftigung vorstellt. Ausschließliche Badeurlauber und Dauerstrand-
läufer, die von feinsandigen Untergründen so weit das Auge reicht träumen, sollten dafür vielleicht doch die Wahl eines anderen Ziels als Madeira erwägen.

Weshalb? Der Atlantik erwärmt sich in diesen Breiten nie in dem Maße, wie es beispielsweise im Sommer für weite Teile des Mittelmeers oder für das Rote Meer der Fall ist. Madeiras Lufttemperaturen, die selbst im Hochsommer für den Menschen angenehme 25-26 °C kaum einmal überschreiten, sind gar nicht in der Lage, das Wasser in Küstennähe in kurzer Zeit extrem aufzuheizen. 19 °C in den Wintermonaten, max. 23 °C erreicht die Wassertemperatur im August/September.

 

Badebuchten …

Ob Norden, Süden, Westen oder Osten, die Küsten Madeiras sind mehrheitlich rau und zerklüftet. Grund und Boden sind aufgrund des vulkanischen Ursprungs von Natur aus dunkel, von einem Rotbraun bis hin zu dunkelstem Anthrazit. Die fruchtbare Erde erscheint vielerorts torffarben, jegliches Gestein jedoch – ob als großer Brocken, kieselförmig oder in Sandkorngröße – kommt vorzugsweise in dunklem Grau daher.

Wenn daher auf Madeira überhaupt die Rede von Strand ist, dann gehen Sie grundsätzlich davon aus, dass
es sich nicht um kilometerlange goldgelbe Sandstreifen handelt, sondern um ein Plätzchen innerhalb einer kleinen Badebucht, in der es mehr oder weniger steinig ist und nur im Idealfall ein Teil der Fläche einen dunklen, feineren, sandartigen Grund besitzt.

Solche Strände gibt es mittlerweile häufiger u. a. in Porto da Cruz (Praia de Lagoa) oder beispielsweise in Form einer Badebucht (Prainha) an der östlichsten Halbinsel, der Ponta de São Lourenço. In Funchal selbst wartet die Praia da Barreirinha am Ende der Avenida do Mar auf Badegäste.

Machico, Madeiras ältestes Städtchen, hat einen steinigen, grauen Strand, doch zusätzlich einen neuen, für den extra heller Sand aus Marokko eingeführt wurde. Ein sehr schön angelegter Strand, der ebenfalls künstlich mit Saharasand aufgepeppt wurde, entstand bei Calheta.
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Madeira - Badebucht von Machico mit Kieselstrand (ein weiterer hat hellen Sand aus Marokko)

Madeira – Badebucht von Machico mit Kieselstrand (ein weiterer hat hellen Sand aus Marokko)

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Auf viel Besuch eingestellt .. Strandpromenade von Machico (Madeira) (Großes gepflastertes Areal mit hohen Palmen in Wassernähe)

Auf viel Besuch eingestellt .. Strandpromenade von Machico (Madeira)

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In Caniço findet sich nicht nur der Lido Galomar, es gibt dort außerdem einen Unterwassernationalpark! Unter Anleitung, bei entsprechender Erfahrung auch auf eigene Faust, können Sie Tauchgänge unternehmen und dabei zu bestimmten Zeiten des Jahres sogar Rochen sichten (Manta-Tauchen von etwa Juli bis Oktober).

Bei unserer heutigen kleinen Küstenwanderung von Funchal nach Câmara de Lobos treffen Sie gleich auf gute Beispiele der unterschiedlichen Bademöglichkeiten.

Zunächst das bekannteste Schwimmbad der Insel, der Lido (Funchal) mit zwei verschieden großen Meerwasserpools und Zugang zum Atlantik, falls jemand lieber direkt im Meer schwimmen mag.
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Madeira - Funchal - Öffentliches Baden im Lido (mit Kinderrutsche)

Madeira – Funchal – Öffentliches Baden im Lido

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Wie es früher einmal aussah, verraten alte Aufnahmen, die hier in Form von Klebefolien auf die Glastüren aufgebracht wurden.
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Madeira - Funchal - Lido (Badeanstalt, wie sie früher einmal war ...)

Madeira – Funchal – Lido (Badeanstalt, wie sie früher einmal war …)

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Im weiteren Verlauf folgt ziemlich schnell eine Strandansammlung der Sorte Kiesel, Steine und dunkler Sand. Sie liegt im Bereich der Praia Formosa, wo im Grunde vier Strandstückchen verbunden wurden. Wiederum nicht weit davon entfernt findet sich ein kleiner, recht felsiger Badebereich, der unter dem Namen Doca do Cavacas bekannt ist. Er liegt direkt hinter einem Tunnel, der für diesen Panoramaweg durchs Gestein geschlagen wurde.
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Madeira - Panorama Promenade (Funchal-Câmara de Lobos) - Badeplatz Doca do Cavacas.

Madeira – Panorama Promenade (Funchal – Câmara de Lobos) – Badeplatz Doca do Cavacas.

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Madeira - Panorama Promenade - Der Weg führt ein kleines Stück als Tunnel durch Felsen hindurch ....

Madeira – Panorama Promenade – Der Weg führt ein kleines Stück als Tunnel durch Felsen hindurch ….

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Madeira - Panorama Promenade - Am Ausgang des Tunnels angekommen ...

Madeira – Panorama Promenade – Am Ausgang des Tunnels angekommen …

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Madeira - Panorama Promenade (Funchal-Câmara de Lobos) - Teilweise auf Stelzen angelegter Weg ...

Madeira – Panorama Promenade (Funchal-Câmara de Lobos) – Teilweise auf Stelzen angelegter Weg …

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Strand nach Madeirer Art - Dunkler Sand und grobe Kiesel ...

Strand nach Madeirer Art – Dunkler Sand und grobe Kiesel …

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Badebecken …

Neben befestigten natürlichen Felsbadebuchten mit eventuell zusätzlich künstlich etwas verschönerten Strandbereichen, gibt es noch etwas Besonderes. Etwas Madeira-Spezifisches. Wenn Sie nämlich schon hier sind und baden wollen, dann sollten Sie sich nicht wegen fehlenden hellen Rieselsandes grämen, sondern frohen Mutes einmal ganz anders eintauchen und dafür gezielt Ausschau nach Felsbadebecken halten. Das sind Meeresschwimmbecken der natürlichen Art.
Ein ganz besonderer Platz mit ziemlich umtosten Piscinas naturais, wie sie hier heißen, ist der Ort Porto Moniz an der Nordküste. Oben im westlichen Zipfel der Insel gelegen.
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Madeira - Naturbadebecken (Piscinas Naturais) bei Porto Moniz

Madeira – Naturbadebecken (Piscinas Naturais) bei Porto Moniz

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Lavagestein gibt es nicht nur an Land. Lavamasse tropfte in früheren Zeiten auch bizarre Felsformationen vor der Küste ins Wasser, hinterließ kleine Inseln und Becken, die sich dank starker Brandung und entsprechend hohem Wellengang mit Wasser füllen.
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Porto Moniz - Naturlavabecken

Porto Moniz – Naturlavabecken

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Madeira - Piscinas Naturais bei Porto Moniz - Die Becken füllen sich ...

Madeira – Piscinas Naturais bei Porto Moniz – Die Becken füllen sich …

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Das dunkle Lavagestein erwärmt sich gut in der Sonne, sodass gleichzeitig ein ideales Plätzchen zum Sonnenbaden entsteht. Um vor zu heftigen Wellen zu schützen, teilweise auch, um das Wasser am kompletten Ablaufen zu hindern und einen Teil in den Becken zu halten, wurden Barrieren gemauert, die zum Meer hin etwas abschirmen.
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Madeira - Piscinas Naturais in Porto Moniz - Gratisdusche ...

Madeira – Piscinas Naturais in Porto Moniz – Gratisdusche …

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Madeira - Porto Moniz - Die Brandung ist beachtlich ...

Madeira – Porto Moniz – Die Brandung ist beachtlich …

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Madeira - Porto Moniz - Atlantik eben ....

Madeira – Porto Moniz – Atlantik eben ….

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Echter Sandstrand …

Wer dennoch absolut nicht auf seinen echten Sandstrand verzichten mag, der schnappt sich die Fähre für einen Tagesausflug zur Nachbarinsel Porto Santo. Dort gibt es tatsächlich einen fast neun Kilometer langen hellen Strand. Einen richtigen! Und der feine Sand, der dort liegt, soll sogar eine heilende Kraft besitzen.

Diesen Strand nutzen auch die Madeirer selbst gerne, in ihren Ferien. Es ist interessant, wie sich Touristen und Einheimische zeitlich arrangieren.
Auf Madeira geht die Hauptsaison von Oktober bis Mai, die Nebensaison von Juni bis Ende September. Speziell im Herbst und Winter flüchten die (Nord-)Europäer vor Kälte und ewig grauem Himmel und quartieren sich auf der Atlantikinsel ein. Dann kommen die geschichtlich bedingt stark vertretenen Engländer, die Franzosen, die Deutschen, deren Anteil sehr zugenommen hat, die Skandinavier, Holländer und andere, allerdings in geringerer Zahl.
Viele Engländer und Deutsche haben sich auf Madeira schon Eigentum angeschafft und verbringen regelmäßig Zeit im milden Klima. Nur im europäischen Sommer, zieht es sehr viele dieser Wintergäste offensichtlich an ganz andere Orte. Die Skandinavier tauchen dann so gut wie gar nicht auf.
Wer aber stattdessen einfliegt und nun einen Teil der gerade freistehenden Hotelbetten belegt, das sind die Portugiesen ebenso wie deren spanische Nachbarn, denen die heißen Festlandsommer und insbesondere die kaum abkühlenden Nächte auf dem Kontinent einfach zu anstrengend werden.
Die Madeirer wiederum, sie machen, wenn der Tourismus zwischen Ende Juni und Anfang September abflaut, endlich selbst Urlaub. Auf Porto Santo, dieser gut 40 km nordöstlich von Madeira liegenden Insel mit dem herrlichen Sandstrand …
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Câmara de Lobos

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Madeira - Blick am Morgen aus dem Westen auf Câmara de Lobos

Madeira – Blick am Morgen aus dem Westen auf Câmara de Lobos

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Wir sind angekommen! In Câmara de Lobos – einem der ältesten Fischerdörfer der Insel! Es im Laufe der Jahre zur Stadt angewachsen, doch rund um den Hafen hat es immer noch den alten Charakter. Kunterbunte Fischerboote, Stockfisch, der zum Trocknen hängt, enge Gassen, in denen bis heute in einigen Häusern Fischer mit ihren Familien leben.
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Madeira - Panorama Promenade - Die ersten Häuser von Câmara de Lobos tauchen auf ...

Madeira – Panorama Promenade – Die ersten Häuser von Câmara de Lobos tauchen auf …

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Madeira - Katzen lieben die warmen Steine ...

Madeira – Katzen lieben die warmen Steine …

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Oben am Hang können Sie das wohl wichtigste Anbaugebiet der Insel (Estreito de Câmara de Lobos) für den bekannten Madeirawein erkennen.
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Madeira - Camara de Lobos - Anbau von Wein etc. auf den Terrassen am Hang ...

Madeira – Camara de Lobos – Anbau von Wein etc. auf den Terrassen am Hang …

 

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Madeira - Hafen von Câmara de Lobos

Madeira – Hafen von Câmara de Lobos

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Madeira - Camara de Lobos (Boote im Hafen an Land)

Madeira – Camara de Lobos

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Madeira - Câmara de Lobos - Nur wenig Betrieb im Hafenbecken ... (Einzelne kleine Boote, in der Bucht verankert)

Madeira – Câmara de Lobos – Nur wenig Betrieb im Hafenbecken …

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Madeira - Câmara de Lobos - ... doch im Hafenviertel tobt das Leben. (Gastronomie gut besucht.)

Madeira – Câmara de Lobos – … doch im Hafenviertel tobt das Leben.

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Sie kommen unten im Hafen übrigens an einer Gedenktafel vorbei. Sie erinnert an Winston Churchill, der einst gern hier weilte und malte. Sich von seinem stressigen Job entspannte, indem er den Pinsel schwang und dabei gleichzeitig lernte, generell im Leben genauer hinzuschauen, besser wahrzunehmen … Um 1950 herum war das, vom Berg gegenüber aus. Hut auf dem Kopf, Zigarre im Mund, die Augen leicht zusammengekniffen, Câmara de Lobos und das Meer im Blick. So bannte er Dorf, Hafen und Atlantik auf seine Leinwand. Auf diese Weise fand der kleine Fischerort auf einmal international Beachtung.
Kennen Sie Churchills Malstil und Farbgeschmack? Er mochte auffällige Farben und nutzte mit Vorliebe viel kraftvolles Rot, Pink und Gelb. Schwarz existierte für ihn nicht. Er drückte sich bezüglich möglicher anderer Farben recht drastisch aus. So stufte er Grau als selbstmordgefährdend ein oder behauptete, Braun käme ihm erbärmlich vor …
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Madeira - Vom Hang hinabgeschaut auf Câmara de Lobos ...

Madeira – Vom Hang hinabgeschaut auf Câmara de Lobos …

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Fischer unterwegs …

Wenn wir schon in einem Fischerdorf sind, sollten wir uns über den Fischfang unterhalten. Der spielt allgemein auf Madeira eine recht große Rolle. Selbst in heutiger Zeit. Hier in Câmara de Lobos stechen die Fischer meist am Abend in See …
Der Atlantische Ozean rund um Madeira ist der Lebensraum vieler Fischarten. Sollten Sie einmal die Markthallen in Funchal (siehe Part 3) besuchen und dort im hinteren Teil den Bereich des Fischmarktes ansteuern, können Sie die Vielfalt sehen. Brassen, Makrelen, Barracudas, Trompetenfische, Zackenbarsche, Papageienfische u. v. m.
Zwei Fischarten werden jedoch besonders häufig gefischt und auch überall in den Restaurants vielfältig zube-
reitet angeboten. Zum einen ist dies Thunfisch, der vorrangig im östlichen Bereich rund um die Insel gefangen wird. Das Wasser dort profitiert ein wenig mehr vom Golfstrom, ist etwas wärmer als das im Westen und für den Thunfisch gerade richtig. Um Câmara de Lobos herum und in den kühleren westlichen Gewässern Madeiras fischt man den Schwarzen Degenfisch, den typischen Speisefisch der Insel, der zumindest in Europa an keinem anderen Ort als hier vorkommt.

Auf Madeira ist der Degenfisch unter dem Namen Espada (portugiesisch für: Degen / gesprochen: Eschpáda) bekannt und als Speise äußerst beliebt. Können Sie sich vorstellen, dass man gebratenen Fisch zusammen mit Banane anrichtet? Klingt verwegen oder scheint geschmacklich zumindest ungewöhnlich. Es harmoniert jedoch sehr gut, denn der Espada ist ein Fisch, dem der eindeutige Fischgeschmack fehlt. Er hat ein weißes, sehr zartes und lockeres Fleisch, so gut wie überhaupt kein Fett und ähnelt im Geschmack – das ist ein bisschen abhängig von der Zubereitungsart – dem von Geflügel. Selbst Menschen, die um Fisch sonst einen Bogen machen, greifen bei Espada zu.
Sie bekommen ihn auf Madeira als Filet gebraten, zu Röllchen zusammengesteckt, als gebackenen Fisch, paniert, sie finden Stückchen im Salat, in der Suppe, aus ihm wird Espada-Lasagne, es gibt ihn in Form von Kroketten, mild oder pikant gewürzt, mit oder ohne Soße … Sie könnten vermutlich dreimal ihren Urlaub dort verbringen, ehe sie alle Varianten getestet hätten.
Verwechseln Sie es bei der Bestellung nur nicht mit „Espetada“, was ähnlich klingt. Das ist Ochsenfleisch am Spieß und ebenfalls ein typisches Gericht der Insel Madeira.

Espada – der Fisch, der aus der Tiefe kommt

Achtung:
Wenn Sie empfindsam sind und vorhaben, den Degenfisch (Espada) irgendwann zu probieren, lassen Sie den folgenden Abschnitt vorsorglich aus und lesen bei Hinweis weiter. Sollten Sie neugierig sein und schnell wieder vergessen können, fahren Sie hier fort.

Espada ist ein Tiefseefisch, der nicht mehr mit Netzen gefangen werden kann. Der Meeresbewohner ist nicht besonders … apart. Es ähnelt ein wenig einer relativ schlanken Muräne, wird bis zu 1,5 m lang, verfügt über Reißzähne, relativ große Augen und hat eine dunkle, ledrige, recht schleimige Haut ohne Schuppen. Die Schwanzflosse ist unauffällig, fällt im Vergleich zur Gesamtgröße winzig aus. In der Markthalle konnte ich mir Exemplare anschauen und dachte, bevor ich die Zähne erblickte, an einen fetten Aal bzw. eine enorm korpu-
lente Schlange.
Die Degenfische halten sich am Tag meist in Bereichen zwischen 1 000 und 1400 m Tiefe auf, teilweise sogar darunter (1 700 m). Nachts jedoch steigen sie ein beträchtliches Stück auf, bewegen sich nun etwa im Bereich der 800-m-Marke, weshalb die Fischer sich ausschließlich zu dieser Zeit auf Espada-Fang begeben.
Sie lassen entsprechend lange Angelleinen hinab, an deren Enden sich weitere Leinenstücke samt Haken befinden. Hilfsangeln quasi. Stufenartig, versetzt angebracht. Rundherum. Bis zu 50 Hilfsangeln sind an einer der langen Leinen befestigt. Inzwischen gibt es noch modernere Methoden, die Angelleinen auszubringen, noch wesentlich mehr Haken zu platzieren, viel mehr Degenfische zu fangen … Die Folge: Langsam wird es kritisch für den Bestand!

Wenn die Tiere angebissen haben und hochgezogen werden, vollzieht sich die Druckveränderung schnell und zwar in einem Maße, dass die Fische nicht erst an der Luft verenden, sondern bereits vorher im Wasser regel-
recht „platzen“. Ihre Schwimmblase, die Kiemen … Die Farbe der Haut wechselt dadurch von kupferfarben zu schwarz. Und die Augen werden arg in Mitleidenschaft gezogen … Kein schöner Anblick, kein schönes Ende. Es ist zu hoffen, dass dieses wenigstens schnell kommt.

Es heißt übrigens, dass es einem Fischer aus Câmara de Lobos vor etwa 100 Jahren per Zufall gelang, den ersten Degenfisch zu fangen, den bis dato gar keiner kannte.
Er befand sich mit seinem Boot draußen, hatte die Angel ausgeworfen. Man munkelt, erheblicher Weingenuss sei mit im Spiel gewesen. Jedenfalls wurde der gute Mann müde und schlief ein. Die Angel, die über eine lange, aufgerollte Schnur verfügte, weiterhin neben sich. Aus irgendeinem Grund löste sich das Ganze, die Restleine spulte nach und nach ab, senkte sich dank des bleibeschwerten Hakens mit dem Köder in ungeahnte Tiefen. Als er beim Aufwachen die Leine einholte, hatte er einen dieser unheimlichen, etwas verunstalteten und zu seiner Verwunderung bereits verendeten, schwarzen Tiefseeraubfische am Haken …

Hinweis: Sie können jetzt alle wieder mitlesen.

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Die kleine Farm am Hang …

Mit Fisch ist Madeira demnach gut versorgt. Ob das mit anderen Nahrungsmitteln auch der Fall ist? Muss man alles aus Portugal und von den Azoren importieren, oder ist Madeira ein Selbstversorger? Lässt sich überhaupt etwas anpflanzen bei all den steilen Hängen, und angesichts der etwas ungleichen Wasserverteilung auf Nord- und Südhälfte der Insel stellt sich die Frage, ob Gewächse überall gedeihen.
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Madeira - Stützwände und Terrassenfelder am Hang für den Anbau ...

Madeira – Stützwände und Terrassenfelder am Hang für den Anbau …

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Insellage und Gebirgssituation hin oder her, Madeira wäre im Stande, sich selbst zu versorgen, wenn nicht … wenn nicht jährlich eine Million Touristen und noch einmal eine halbe Million Kreuzfahrer kämen und Hunger und Sonderwünsche mitbrächten! Die einheimische Bevölkerung hätte jedenfalls ausreichend, um damit gut selbst über die Runden zu kommen.
Die Schwierigkeit mit den steilen Hängen wird gemeistert, indem dort errichtete Stützwände ein Rutschen der Erde verhindern und die Anlage terrassenförmiger Felder Anpflanzungen ermöglicht. Die Auswahl sowie eine gekonnte Kombination und Anordnung der Nutzpflanzen sichert zudem den bestmöglichen Ertrag. Jeder Madeirer kennt genau die Ansprüche seiner Erntepflanzen. Die sonnen- und wärmeliebenden Weinreben stehen oben, darunter wachsen auf mehreren Ebenen unterschiedliche Gemüsesorten, längs an den Seiten stehen häufig Obst und Zuckerohr. Bananenpflanzen sind robust und können auch weiter unten klarkommen. Früchte reifen dank des vorherrschenden subtropischen Klimas und bei gleichzeitig fruchtbarem Boden wun-
derbar, so kann sich der Ertrag sehen lassen.
Das nötige Wasser, das speziell im Südteil der Insel nicht so üppig vorhanden ist wie in der Nordhälfte, die mehr Regen abbekommt, wird seit Jahrhunderten durch Wasserkanäle, die Levadas, aus den feuchten Bergregionen in die tiefer gelegenen trockenen Zonen geleitet und zur Bewässerung genutzt.
Dass man es schafft, bedeutet nicht, dass es leicht wäre. Die Bewirtschaftung der Hanganlagen bereitet große Mühe, denn der Einsatz von Maschinen ist nicht möglich. Hier geschieht alles von Hand und selbst erklettert …

Die zahlreichen eher kleineren Bananenplantagen der Insel liefern Bananen rund ums Jahr. Die Ernte ist nicht auf eine bestimmte Saison beschränkt. Auf diese Weise kommt einiges zusammen. Es ließen sich theoretisch sogar welche exportieren, nur lässt das die EU nicht zu. Die findet nämlich, dass die Inselbananen zu klein sind. So kann man höchstens welche ans portugiesische Festland abgeben …
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Madeira - Bananenplantage

Madeira – Bananenplantage

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Natürlich halten die Insulaner ebenso ihre Nutztiere. Nur man sieht kaum Vieh. Ab und zu krähen irgendwo Hähne, ein paar Schafe oder Ziegen tauchen in den Dörfern auf. Rinder gibt es, nur Kühe können nicht an den steilen Hängen weiden. Sie würden herunterpurzeln und sich Beine oder Genick brechen. Kühe auf Madeira sind Stalltiere, bzw. stehen nah am Haus. Mir ist nur einmal auf der großen Hochebene Paúl da Serra im Zentrum des Westteils der Insel ein Rindvieh im Freien begegnet … Und ehe Sie nachfragen, ja, ein tierisches.

Kennen Sie die elegante Blume Calla, deren Blüten manchmal ein wenig an die von Lilien erinnert? In Deutsch-
land haben wir die zu den Aronstabgewächsen zählende Schönheit meist als grünblättrige Topfpflanze, mühen uns mit der Pflege und hoffen, dass sie endlich einmal blüht. Oder wir kaufen sie als Schnittblume, dann ist sie meist in ein höherpreisiges Bouquet integriert.
Auf Madeira wird die Calla längst nicht so gepäppelt. Sie ist nichts Außergewöhnliches. Im Gegenteil, hier wächst sie sogar wild! Und wissen Sie, wer schwer hinter ihren Blüten her ist? Die Kuh! Also bekommt das Vieh manchmal eine Extraportion Calla gestiftet – das ist in den Augen der Madeirer genauso normal wie in unseren die Portion Löwenzahn, mit der wir das Kaninchen daheim erfreuen. Ein kleines Leckerli …

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Endet gelegentlich als Kuhfutter: Die auf Madeira oft wild wachsende Calla

Endet gelegentlich als Kuhfutter: Die auf Madeira oft wild wachsende Calla

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Ich bekomme Hunger beim Schreiben … Sie sind mit einer Pause einverstanden? Wir haben wieder lange zusammengehockt. Ich hoffe, Sie haben ein paar zusätzliche Teile für Ihr Madeira-Puzzle erhalten, und das Bild der Insel wird detaillierter.
Aufgepasst! Unangekündigter Test! Worauf ist auf Madeira zu achten? Na, was haben Sie heute gelernt?

A)  .Strand ist nicht gleich Strand.
B)  .Zum Degenfisch-Tauchen brauchen Sie mehr als einen Schnorchel.
C)  .Halten Sie Ihre Calla nicht zu nah an eine Kuh!
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Part 5 wird Sie mit auf eine Seilbahnfahrt nehmen und in zwei Gärten führen. Wenn Sie Lust haben, seien Sie gern wieder mit von der Partie.
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Falls Sie die ersten Teile der MADEIRA-Serie versäumt haben sollten oder noch einmal etwas nachschauen möchten, können Sie Part 1, 2 und 3 jeweils per nachstehendem Direktlink aufrufen:

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Bom dia, MADEIRA – Part 1: Atlantikinsel voraus …
Bom dia, MADEIRA – Part 2: Bergwelten, grandiose Ausblicke – Serpentinen stets inklusive …
Bom dia, MADEIRA – Part 3: Funchal, Madeiras Hauptstadt

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© by Michèle Legrand
Michèle Legrand

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49 Kommentare

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