Beiträge getaggt mit Andrang vor Festtagen

Und die Zeit, und die Zeit, und die Zeit …

Christbaumkugeln am TannenbaumZack! Weihnachten ist da! Letzte Woche schien es realistisch, noch ausreichend Zeit zu finden, um ein weiteres Mal vor dem Fest etwas im Blog zu hinterlassen. Nun steht der Heiligabend plötzlich vor der Tür und hämmert penetrant. Fordert vehement Einlass. Ich bin dadurch hin- und hergerissen, doch zwischen den Vorbereitungen sollte wenigstens ein kleiner Gruß zum Fest möglich sein.
Möglicherweise geht es minimal gehüpft und gesprungen zu. Ich muss ab und zu in die Küche zum Pilzragout und all dem Rest.
Kochen zwischen dem Schreiben.

Ich war gestern am 23.12. noch unterwegs im Gewühl. Die letzten Kleinigkeiten fürs Mahl ergattern. Frische Petersilie, Champignons …
Es waren in Läden und Passagen vermehrt Weihnachtsmänner unterwegs. Einige etwas lieblos hergerichtet und leider auch manchmal unpassend mickrig, zu dürr. Dass sie vor Weihnachten stets zu massenhaft und teilweise nicht glaubwürdig genug auftreten, erkennen Sie auch an der Reaktion der kleineren Kinder. Die sind dann nicht mehr begeistert, sondern misstrauisch. Sie riechen den Braten. In dem Fall helfen auch keine an den Haaren herbeigezogene Erklärungen. Das Jungvolk nimmt den Eltern die Story von den vielen notwendigen Helfern des Weihnachtsmanns nicht ab. Schon gar nicht, wenn sich bei denen die Bärte lösen und unter dem Mantel Jeans und Turnschuhe herausschauen.
Kürzlich traf ich allerdings auf drei Engel. Die sahen in ihren weißen Kleidern und mit den entsprechenden Flügeln schon echter aus und haben obendrein wirklich engelsgleich Weihnachtslieder im Einkaufszentrum gesungen. Mehrstimmig! Das kam tatsächlich kurze Zeit eine festliche Stimmung auf! Doch auch diese Himmelswesen werden von den Kindern sehr genau beobachtet. Es wurde – O-Ton eines kleinen Mädchens – festgestellt, dass hübsche, weißgekleidete Engel, wohl niemals kleckern dürfen …
Engel singen Weihnachtslieder

Dass Kinder viele Fragen auf dem Herzen haben, wissen Sie. Doch auch Erwachsene machen es untereinander. Dieses Fragen abfeuern. Eine junge Frau löcherte ihren Freund. Nach der gefühlt 27. Frage antwortete er sichtlich geschafft:
„Für eine einzige Person fragst du ganz schön viel!“
Da war sie etwas eingeschnappt – nur, um nach kurzem Durchatmen Frage 28 hinterherzuschicken:
„Ist dir das zu anstrengend?“
„Nein, nein! Überhaupt nicht!“
Wäre er Pinocchio …

Draußen im etwas stürmisch-nassen Wetter hob eine Böe einer Frau neben mir an der Ampel die Kopfbedeckung ab. Ein Vater und sein kleiner Sohn bekamen es ebenfalls mit. Der Mann fing das Flugobjekt gekonnt ein und reichte es der Dame zurück, worauf sie sich hocherfreut bedankte. Zum Lütten gewandt sagt sie: „Dein Papa ist aber ein sehr hilfsbereiter Mann.“ Der Kleine ist wie sein Vater Afrikaner, verstand nicht so richtig und wollte daher alles noch einmal langsam erzählt und erklärt haben. Auch die Hutsache. Der Vater bemühte sich, es ihm auf Deutsch zu erklären:„Amare, wenn das Wind ist richtig hart, die Hut macht einfach weg. Dann Papa muss springen, weil Frau sonst nicht glucklich.“
So ist das.
Hamburg - Wandelhalle Hauptbahnhof - Weihnachtskugel

Am Fischstand ging es um Information. Mit mulmigem Gefühl verlangte eine sehr junge Dame (5-6 Jahre) nach einem skeptischen Blick auf einen ziemlich langen, schwarzen Aal die Gewissheit, dass dieses Viech keine giftige Schlange sei. Sie beharrte daher auf einer Bestätigung, besonders, weil ihre Mama das Ungetüm kaufen wollte.
„Natürlich ist das keine Schlange!“, beteuerte die Fischverkäuferin.
Das Fräulein wirkte danach nicht sonderlich überzeugt. Ich würde darauf wetten, dass sie den Aal daheim nicht anrühren wird!

Moment, es blubbert. In der Pfanne. Bin gleich wieder da …

Ich fand es auch auf der Rolltreppe amüsant. Eine Enkelin erzählte ihrer Oma, dass die ganz kleine Schwester bald in die Krippe käme. Opa dahinter hörte nur die Hälfte. „Sarah hat Grippe?“
Und zu guter Letzt bot ein Schaufenster ungewollt ein zur momentanen Einkaufssituation recht passendes Bild. Puppen wurden umdekoriert und daher fürs Umkleiden demontiert. Komplett zerlegt! Überall auf dem Boden fanden sich verstreut einzelne, nackte Gliedmaßen. Und Köpfe fehlten.
Genauso kopflos und leicht unkoordiniert, als würden sie nicht mehr alle Körperteile beherrschen, liefen am letzten Tag vor dem Heiligen Abend auch viele Menschen umher.
Weihnachten. Das übliche Durcheinander. Ach, ja …
Es ist ja nur noch für kurze Zeit. Dann läuft alles wieder in den üblichen, geordneten Bahnen.

Die Zeit scheint irgendwie zu verfliegen. Doch die Geschenke sind komplett, die Vorbereitungen fast abgeschlossen, die Vorfreude auf das Fest stellt sich trotz unweihnachtlichen Wetters langsam ein und nimmt sicher mit zunehmendem Rückzug aus dem Gewühl und der Hektik noch zu.

Unterwegs klagte mir heute eine lockere Bekannte, die ich beim Einkaufen in einer Schlange antraf, ihr Leid. Sie hat das Problem (so empfindet sie es), dass sie mit den Geschenken nicht so glücklich ist, die sie verschenken wird – also vorrangig eher mit den diesen Präsenten zugrundeliegenden Wünschen – und wollte partout wissen, was ich dazu zu sagen hätte.
Wozu? Dass sich die Leute nicht das Richtige wünschen? Es ist ein bisschen heikel, darauf zu antworten. Ich tat es dennoch. Merkte an, es sei nicht der Sinn oder das Ziel der Sache, dass der Geber unbedingt damit glücklich wird oder sich dadurch Wohlbefinden verschafft. Wichtiger sei, dass der Empfänger sich daran erfreut und das Geschenkte ihm gut täte.
Es war wohl nicht die gewünschte Erwiderung …

Ich muss zum Schluss kommen. Das Kochen erfordert längere Anwesenheit. Halt! Eine Sache noch!
Es war gerade die Rede von Problemen. Oder war es keines?
Sagen Sie, erinnern Sie sich eventuell an das Chanson „Un peu d’amour et d’amitié“ von Gilbert Bécaud? Ich habe es vorhin im Auto gehört. Eine deutsche Version gibt es von ihm (Bécaud) auch. Ein bisschen Glück und Zärtlichkeit wird darin besungen und im Refrain heißt es wiederholt: Und die Zeit, und die Zeit, und die Zeit …
Kennen Sie nicht?
Ist jetzt nicht weiter tragisch, denn eigentlich wollte ich lediglich auf diese herausgepickte Zeile des Liedtexts zurückkommen. Diese mehrfache, fast schon stakkatoartige Wiederholung der Zeit bewirkt etwas, was im Lied gar nicht geplant ist. Es vermittelt ein wenig den Eindruck von Gehetztheit, von verfliegender, rasender Zeit, von einem durch die Finger entgleitender Zeit. Doch in Wirklichkeit ist die Rede – ganz vereinfacht und verkürzt gesagt – davon, dass die Zeit quasi Heilkräfte besitzt. Leg doch einfach die Probleme auf den Tisch, heißt es. Hier … oder besser noch  bei einem Freund. Die Zeit wischt sie fort. 
Glauben Sie daran?
Klingt gut, oder? Zu gut? Es kann gelegentlich, muss aber nicht funktionieren.
Es ist dennoch verführerisch, den Gedanken weiterzuspinnen, denn der erste Eindruck (geht nicht!) täuscht. Es ist tatsächlich etwas Wahres dran!
Es ist definitiv hilfreich, Probleme auf den Tisch packen. Es bedeutet nicht anderes, als sie einfach herauszulassen, sie möglicherweise sogar mit jemandem zu teilen, vor allem aber heißt es, die Knackpunkte mit Abstand zu betrachten. Manchmal erledigt sich dann vieles von selbst.
Falls Sie (die anderen hier können ja bis zur Verabschiedung weghören) gerade mit Dingen hadern:
Legen Sie einmal alles ab, was belastet. Was nervt, was Sorgen bereitet, was stört. Breiten Sie es symbolisch aus, erkennen Sie Puzzlestücke, aber auch ein Gesamtbild, und genehmigen Sie sich danach den Versuch zu testen, ob die Zeit nicht vielleicht schon bald etwas davon von sich aus wegzuwischen gedenkt. Das ist nicht zu verwechseln mit Verdrängung, absoluter Passivität und einem grundsätzlichen Aussitzen!
Es ist ein befristetes, distanziertes Betrachten. Es ist das Vermeiden von zu früher und unnötiger Hektik, das Unterlassen von unüberlegten Aktivitäten und die Abschaffung vom ewigen Angehen des Kleinviehs. Es ist ein sich Klarsicht verschaffen. Sie können schauen, welches Vieh den meisten Mist produziert. Sie können verschiedene Aspekte betrachten, berücksichtigen und nutzen danach den Effekt der ganz natürlichen Regelung.
Erstaunlicherweise gibt es sie!
Bleiben Sie gelassen, geduldig, nehmen Sie nicht alles zu schwer, zu persönlich, zu wichtig. Auch das reduziert schon gewaltig das Problemaufkommen.
Was sich nach dieser Abwartephase hartnäckig auf der Tischplatte hält, werden Sie schon sehen. Dieser manchmal erstaunlich kleine Rest offenbart das, was Sie sich wirklich noch vornehmen müssen.
Aber nicht gerade an Weihnachten, dafür hält das Jahr noch ein paar mehr Tage bereit.

Und die Zeit, und die Zeit und die Zeit …
Krippe mit Spieluhr

So, nach der nächsten Küchenaktion werde ich meine uralte Weihnachtskrippe mit der eingebauten Spieluhr aufziehen und mir Stille Nacht anhören. Ich denke, die Spieluhr im Wohnzimmer wird das Rauschen der Dunstabzugshaube in der Küche übertönen. Und während das Lied läuft (und lustigerweise zum Ende immer langsamer erklingt, im Zeit-lu-pen-tem-pooooo), sende ich Ihnen meine herzlichsten Wünsche für ein frohes Weihnachtsfest und entspannte Feiertage!

Bis bald!

©Dezember 2014 by Michèle Legrand
e Legrand, freie Autorin ©Foto Andreas Grav (Ausschnitt)

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