Beiträge getaggt mit Ampel

Heute Herrn Piefke kennengelernt…

Kleine Frage vorweg: Wie heißt Ihr Hund? Oder, falls Sie keinen Hund haben,  die Katze, der Vogel, etc. (Sollten Sie  gar kein Haustier haben, stellen Sie es sich jetzt bitte einfach nur vor).
Bello? Schnupsi? Arco?  Oder Jürgen, Moses, Möp? Marilyn, Zicke, Knutschi?
Es gibt vieles, was ich schon gehört habe. Heute kam etwas neues hinzu.

Auf dem Nachhauseweg nähere ich mich zu Fuß einer Kreuzung. Mit mir gleichzeitig tritt eine Mutter mit Kind – der Junge ist etwa fünf Jahre alt – sowie einem kleinen Hund hinzu. Aus der anderen Richtung erscheint ein Herr, dieser – geschätzt –  im Alter der jungen Mutter. Wir bleiben stehen, die Ampel ist für Fußgänger rot.
Angehechtet – und das ist bei ihrem recht fortgeschrittenen Alter nicht selbstverständlich – kommt eine weitere Dame. Sie schaut sich ungeduldig um und blafft schließlich ziemlich ruppig folgende Frage in die Runde:
„Hat denn eigentlich schon mal jemand auf den Knopf gedrückt?“
Wir schauen uns alle an. Keiner ist sicher, jeder hatte vielleicht angenommen, es sei schon gedrückt worden. Die Sonne steht so, dass auf Anhieb auch gar nicht zu erkennen ist, ob die Schrift rot aufleuchtet oder es sich nur um eine Reflexion des einstrahlenden Lichtes handelt.
„Und?“ wird von ihr hinterhergeschickt.
Der kleine Junge wendet sich an seine Mama:
„Darf Herr Piefke drücken?“
Die Angesprochene zögert einen kleinen Augenblick.
Unserer es eilig habenden Lady dauert dieser Moment schon wieder viel zu lange. Sie schautet erwartungsvoll den Herrn daneben an und schleudert ein: „Na, nun machen Sie schon! Es wäre schön, wenn Sie heute noch drückten!“ in seine Richtung.
Sein Blick ist zunächst völlig verständnislos. Dann klickt es bei ihm, und er lacht schallend los. Kriegt sich kaum wieder ein. Bei der Dame sind die Zahnrädchen noch nicht weiter gesprungen.
Die junge Mutter grient ebenfalls, hebt den Hund hoch, und mittels der Hilfe ihres kleinen Sohnes, wird Herrn Piefkes Pfote auf den zu drückenden Bereich gelenkt. Das Fellwesen löst erfolgreich das Lichtzeichen ‚Signal kommt’ aus und fordert kläffend, dass man ihn nun gefälligst wieder auf den Boden setzt.
Ich bin wieder einmal fasziniert und versuche vergeblich, mein aufsteigendes Grinsen unter Kontrolle zu halten. Die Reaktion der Lady, als sie letztendlich versteht, wer hier der Herr Piefke ist und dass sie gerinfügig danebenlag, ist erbärmlich. Statt über sich zu lachen oder zumindest gute Miene zum Spiel zu machen, verharrt sie ausdruckslos bis leicht verbissen und startet wortlos als erste durch, sobald das grüne Männchen erscheint. Chance verpasst, sich an diesem Tag an etwas zu erfreuen.
Der junge Mann hingegen verabschiedet sich formvollendet von Herrn Piefke und uns anderen und gluckst noch leise im Weggehen. Ich könnte mir vorstellen, dass auch er heute noch einige andere an seinem Spaß teilhaben lässt.

Herr Piefke. An dieser Stelle grüße ich einfach mal den Herrn Cooper, dessen Herrchen Jens Schönlau den www.fiftyfiftyblog betreibt. Es fiel mir gerade ein, dass mir doch schon ein anderer Hunde-„Herr“ über den Weg lief ….

©Juli 2011 by Michèle Legrand

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Kerle in ihren Wagen

https://www.sugarsync.com/pf/D6851760_7339928_66775
(Sollte der Audioplayer gerade wieder einmal streiken – hier gibt es einen weiteren Link zum Audiobeitrag:
https://www.sugarsync.com/pf/D6851760_7339928_66775

Sie standen nebeneinander  und warteten an der Ampel.
Man könnte die heißen Gefährte als Cabrios bezeichnen. Begehrte Marke, und so eng nebeneinander stehend, dass sich die Räder ihrer Wagen fast berührten. Chrom glänzte in der Sonne. Fantasievolle Sitzpolsterbezüge, soweit es sich erkennen ließ.
Sie fuhren beide offen und trugen – als hätten sie sich abgesprochen – Schirmmützen, die die Kopfhaut sowie den Augenbereich schützten und beschatteten.
Geduld schien nicht zu ihren Stärken zu zählen. Ein genauer Beobachter entdeckte permanentes Zucken der Gliedmaßen und eine leicht vorgebeugte Haltung. Allzeit bereit, so könnte die Devise lauten. Vielleicht auch: ich bin schneller!
Leicht misstrauisch beobachteten sie einander, als wären sie Kontrahenten. Dann auf einmal: Action! Handelte es sich um bloße Verwirrungstaktik? Jedenfalls begann das männliche Wesen im linken Gefährt plötzlich wild zu fuchteln und rief aufgebracht „Los!“
Nichts geschah. Weder er noch sein Kontrahent bewegten sich auch nur einen Millimeter vom Fleck. Unmutsäußerungen erklangen und drangen bis auf die andere Seite der Straße. Beide schienen angespannt und  hingen jetzt sogar ein wenig aus ihren Fahrzeugen heraus…
Dann endlich – endlich! – sprang die Fußgängerampel  um und zeigte das grüne Männchen. Die zwei jungen Mütter, die direkt hinter den Gefährten gestanden hatten, griffen nun wieder nach der Schiebestange und schoben die Kinderwagen samt ihres hoffnungsvollen Nachwuchses über den Asphalt, hinüber zum Gehweg auf der anderen Seite.
Wieder erklang ein energisches „Los!“ und die besänftigende Antwort von hinten lautete: „Ja, doch, Lennart, wir fahren ja schon…“  Jonas daneben wurde darauf hingewiesen, dass er demnächst herausfallen würde und sich wieder ‚normal’ hinsetzen sollte.
Sie waren gleichauf, doch im Endeffekt gewann keiner der (kleinen) Kerle das Wagenrennen, denn sie wurden hinterrücks  von einem ca. fünf Jahre alten Mädchen überholt – auf einem gelben Roller!

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