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Lauenburg – Kaiser Wilhelm, Kellergewölbe, passgenaue Zäune, Mücken und ein Fest

Würden Sie gern einmal auf einem 114-Jährigen sitzen? Einem, der zeit seines Lebens wirklich jedes Jahr einige Male aktiv war?
Oder zieht es Sie zur Reeperbahn, nur Sie haben Bedenken wegen Rotlichtmilieu, zwielichtigen Gesellen o. ä.? Es gibt eine Alternative!
Vielleicht träumen Sie aber auch davon, sich in grün-blau ausgeleuchteten Kellergewölben herumzutreiben?
Lieben Sie steile Treppen, alte Türme, Möwengeschrei und den Blick aufs weite Wasser?
Sind Sie ein Flussschiffinteressierter, ein dem Museumsbesuch nicht Abgeneigter, vielleicht ein Fischesser, Kopfsteinpflasterliebhaber und Fachwerkbewunderer?
Dann sollten Sie definitiv einmal das Städtchen Lauenburg besuchen!

Elbe vor Lauenburg__

Elbe vor Lauenburg

Lauenburg liegt – von Hamburg aus gerechnet – etwa 50 km flussaufwärts unmittelbar an der Elbe. Wenn Sie dort am Wasser stehen, dann sind es zur einen Seite Richtung Flussmündung bei Cuxhaven noch 158,4 km und zur anderen Seite Richtung Quelle im Riesengebirge noch 932,6 km Flussstrecke. Schon ziemlich lang, diese Elbe
Falls Ihnen – auch wenn Sie weiter weg leben – der Name des Städtchens irgendwie geläufig, seltsam bekannt erscheint, dann kann dies zwei Ursachen haben:
Zum einen wird die schöne historische Altstadt mit Fachwerkbauten aus dem 16. bis 19. Jahrhundert gelegentlich überregional hervorgehoben, und zum anderen erscheint Lauenburg immer dann in Zeitungen und im Fernsehen, wenn – wie Ende Mai/Anfang Juni 2013 wieder ganz massiv – Überschwemmungsgefahr bei extremen Hochwassern oder schweren Sturmfluten besteht.
Die Altstadt liegt direkt am Flussufer (Unterstadt), während sich der neuere Teil, die Oberstadt, außerhalb der Gefahrenzone an einem Hang in sicherer Höhe befindet.

Lauenburg - Hochwasseranzeige ....

Lauenburg – Hochwasseranzeige …. Die Pegelstände aus verschiedenen Jahren. Ziemlich weit oben das Jahr 2013 – ganz oben die Anzeige bzgl. der aktuellen Deichhöhe

Am letzten Septemberwochenende gab es in der alten Schifferstadt einen Grund zum Feiern. Nach vierjähriger Umbauphase hatte das Lauenburger Elbschifffahrtsmuseum zur Wiedereröffnung eingeladen. Es bot am 27. und 28. September 2014 die Gelegenheit zu einem Kennenlernbesuch bei freiem Eintritt sowie weiteres Programm zur Unterhaltung.
Das Museum (Elbstraße 59) ist im ehemaligen Rathaus direkt bei der Maria-Magdalenen-Kirche untergebracht, die Tourist-Information der unmittelbare Nachbar.
Auf dem Kirchplatz wurde bei Sonnenschein kräftig gefeiert. U. a. traten am Sonntag die Sänger des Lauenburger Shanty-Chors „Die Kielschweine“ auf. Falls Sie sich über diesen Namen wundern – es ist nichts Verwerfliches oder Anstößiges. Ein Kielschwein ist ein äußerst wichtiges Teil eines Schiffes, nämlich der Längsholm ganz unten über dem Kiel, dessen Funktion es u. a. ist, die Spanten des Bootes und deren Kräfte aufzunehmen. Das Teil gibt also dem Rumpf Längssteifigkeit und den Spanten und Bodenwrangen Anbindung.  Bei der Chorgründung im Jahre 1976  hatten die damaligen Mitglieder  alle in irgendeiner Form mit Booten zu tun und entschieden sich daher damals für diesen Namen.

Lauenburg - Fest auf dem Kirchplatz anlässlich der Wiedereröffnung des Elbschifffahrtsmuseums - Shanty-Chor "Kielschweine"

Lauenburg – Fest auf dem Kirchplatz anlässlich der Wiedereröffnung des Elbschifffahrtsmuseums – Shanty-Chor „Kielschweine“

Und wo wir schon bei verwerflich oder nicht sind … Reeperbahn! Ihnen ist schon bewusst, dass dies ursprünglich nicht der Begriff für eine Straße im Rotlichtviertel war? Eigentlich hat der Ausdruck Reep die Bedeutung von Seil oder Schiffstau. Die Reeperbahn war der Arbeitsplatz eines Reepschlägers in einer Seilerei. Hier wurden die Schiffstaue verdrillt. Manchmal wurde auch der Lagerplatz der Reepseile so genannt.
Auf dem Kirchplatz konnte man einem Herrn zusehen, der seine eigene Reeperbahn mitgebracht hatte und die Seilherstellung demonstrierte.

Lauenburg - Seilherstellung mit der "Reeperbahn"

Lauenburg – Seilherstellung mit der „Reeperbahn“

Lauenburg - Seilherstellung mit der "Reeperbahn" - Auf einer Seite einhängen, kurbeln, drehen, zwirbeln, straffen, richten .... Ein Kunstwerk für sich.

Lauenburg – Seilherstellung mit der „Reeperbahn“ – Auf einer Seite einhängen, kurbeln, drehen, zwirbeln, straffen, richten …. Ein Kunstwerk für sich.

Das Museum, das sich mit allem was zur Flussschifffahrt dazugehört beschäftigt, hat sich von einer einstmals bloßen Ausstellungsfläche zu einer multimedialen Erlebniswelt entwickelt. Barrierefrei erreichbar, lässt sich auf drei Etagen inkl. Kellergewölbe eine Vorstellung davon bekommen, wie das Leben am und auf dem Fluss mit seinen Werften und seiner Personen- bzw. Güterschifffahrt für die Menschen im Laufe der Jahrhunderte gewesen sein muss und welche Bedeutung die Schifffahrt bis heute hat.
Und es war viel Betrieb auf dem Fluss!
Wenn Sie sich vorstellen, dass im Jahre 1877 50 % aller in Deutschland registrierten Schiffe auf der Elbe fuhren!
Im Museum werden nicht nur die Wandflächen für Tafeln, Bilder und Informationen genutzt, sondern auch die Bodenflächen – beispielsweise für aufgezeichnete Landkarten oder auch nachempfundene Eisschollen. Modellschiffe in Großvitrinen, Gemälde, zeitgenössische Gegenstände und Filme (via Flachbildmonitor mit Sitzmöglichkeit davor!) warten. Sie können interaktiv werden und Informationen abrufen oder Abläufe in Gang setzen.
Sie erfahren mehr über die Flößer, Werftarbeiter und Schleusenwärter früherer Zeit, sehen Modelle der Kettendampfer (Schleppdampfer mit nur 50 cm Tiefgang), entdecken Schiffs- und Wassermühlen.
Den eingangs erwähnten grün-blau ausgeleuchteten Keller treffen Sie ebenfalls hier im Museum an. Im dem nicht sehr hohen, schummrigen Gewölbe befinden sich unzählige große Maschinen, die punktuell und höchst effektvoll beleuchtet sind. Bestimmt empfinden es viele Besucher als sehr faszinierend, jedoch vielleicht anfangs ebenso als leicht gruselig. Ehe sich nämlich die Augen an die Dunkelheit gewöhnt haben, könnten es auf den allerersten Blick durchaus auch Folterinstrumente sein. Ein bisschen Frankenstein-Gefühl kommt auf … Mit der Zeit erkennt man alles, und die vielen Motoren, Dampfkessel, Dampfmaschinen, Glühkopfmotoren, Antriebswellen etc. entpuppen sich als ungefährlich. Zusätzliche „normale“ Beleuchtung lässt sich an den einzelnen Ausstellungsstücken zur besseren Sicht hinzuschalten.

Lauenburg - Das wiedereröffnete Elbschifffahrtsmuseum im ehemaligen alten Rathaus in der Elbstr. 59

Lauenburg – Das wiedereröffnete Elbschifffahrtsmuseum im ehemaligen alten Rathaus in der Elbstr. 59

Lauenburg - Elbschifffahrtsmuseum - Wein und Efeu ranken vorwitzig die schönen alten Schilder ein ...

Lauenburg – Elbschifffahrtsmuseum – Wein und Efeu ranken vorwitzig die schönen alten Schilder ein …

Lauenburg - Alter Postbriefkasten in der Altstadt

Lauenburg – Alter Postbriefkasten in der Altstadt

Wenn Sie mit der Museumsrunde fertig sind, gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder Sie sind ein Freak, dann nehmen Sie auch noch Kontakt zum Schifffahrtsarchiv auf, das sich in einem separaten Gebäude ein Stück die Elbstraße hinauf befindet und in dem Abertausende von Unterlagen lagern.
Wenn Ihnen mehr nach frischer Luft ist, wäre Kaiser Wilhelm mein Vorschlag. Der Kaiser ist gebürtiger Sachse. Ihn hatte es eine Zeit lang an die Weser verschlagen, doch seit 1970 verweilt er in Lauenburg. Er ist mittlerweile 114 Jahre alt und trotz seines hohen Alters meist draußen, unten am Anleger, zu finden. Manchmal pfeift er ziemlich durchdringend fremden Leuten hinterher. Sie können ihn besteigen, sich auf ihn setzen … aber das erwähnte ich glaube ich bereits.
Kaiser Wilhelm ist ein Schaufelraddampfer, der im Sommerhalbjahr von Ende April bis Ende September Fahrten auf der Elbe zwischen Lauenburg und Bleckede, manchmal auch ein Stück elbabwärts unternimmt. Tatsächlich ist es so, dass er bisher in jeder Saison gefahren ist – seit 114 Jahren! Ohne Ausnahme! Das Schiff ist in Deutschland einer der letzten noch fahrenden kohlebefeuerten Schaufelraddampfer, und derart original erhaltene Exemplare findet man weltweit nur noch ganz wenige.
Am vergangenen Sonntag fand um 14 Uhr die allerletzte Tour dieses Jahres statt. Da war ich an Bord – und viele Menschen mit mir.

Lauenburg - Ablegen mit Raddampfer "Kaiser Wilhelm" bei schönstem Herbstwetter ...

Lauenburg – Ablegen mit Raddampfer „Kaiser Wilhelm“ bei schönstem Herbstwetter …

Lauenburg an der Elbe

Lauenburg an der Elbe

Fahrt auf dem Raddampfer "Kaiser Wilhelm"

Fahrt auf dem Raddampfer „Kaiser Wilhelm“ – Beim Unterfahren der Brücke muss der Mast eingeklappt werden …

Elbflitzer bei Lauenburg ...

Elbflitzer bei Lauenburg …

Möwen gibt es wohl überall wo Wasser ist ....

Möwen gibt es wohl überall wo Wasser ist ….

Zufluss der Elbe-Seitenkanals in die Elbe

Zufluss des Elbe-Seitenkanals in die Elbe

Wieder von Bord .... Die Dampfpfeife ertönt  - Raddampfer "Kaiser Wilhelm" in Lauenburg - 28.09.2014:  Letzte Fahrt der Saison

28.09.2014: Letzte Fahrt der Saison – Wieder von Bord …. Die Dampfpfeife ertönt – Raddampfer „Kaiser Wilhelm“ in Lauenburg

Falls Sie Lust bekommen haben, merken Sie sich den Raddampfer für die nächste Saison vor. An Bord können Sie übrigens selbst testen, wie warm es unten im Maschinenraum ist …

Treppen steigen lässt sich in Lauenburg sehr ausgiebig. Es geht gar nicht anders, wenn Sie zwischen Altstadt (unten) und Neustadt (oben) pendeln. Es erinnert mich als Hamburgerin ein wenig an das Treppenviertel in Blankenese. Schmale, teilweise steile Stiegen mit gelegentlichem Richtungswechsel …

Lauenburg - Von der Altstadt am Wasser über Treppen zur Oberstadt ...

Lauenburg – Von der Altstadt am Wasser über Treppen zur Oberstadt …

In oberen Teil Lauenburgs angekommen, erreichen Sie den Fürstengarten, eine Parkanlage, die seit 2003 nach alten Originalplänen (aus dem 16. bzw. 17.  Jahrhundert) rekonstruiert wurde. Hier stoßen Sie auf Herrn Fielmann. Nicht persönlich, doch es gibt eine Baumallee, für deren Anpflanzung der Chef der Optikerkette die vielen Kupferfelsenbirnen gespendet hat.
Ein kleiner Rosenbereich, ein Insektenhotel, viel Rasenfläche zum Verweilen  …

Lauenburg - Fürstengarten mit Rosenbereich

Lauenburg – Fürstengarten mit Rosenbereich

Lauenburg - Großzügiges Insektenhotel im Fürstengarten ...

Lauenburg – Großzügiges Insektenhotel im Fürstengarten …

… und auch hier einen grandiosen Ausblick hinab auf den Fluss und die Einmündung des Elbe-Lübeck-Kanals!

Lauenburg - Blick vom Fürstengarten hinunter auf die Elbe - Vorne die Einmündung des Elbe-Lübeck-Kanals

Lauenburg – Blick vom Fürstengarten hinunter auf die Elbe – Vorne die Einmündung des Elbe-Lübeck-Kanals

 

Die alte Schifferstadt besaß sogar einst ein komplettes Schloss! Von der Schlossanlage stehen nach einem Brand im Jahre 1616 lediglich noch ein Flügel (heute von der Stadtverwaltung genutzt) sowie der älteste Teil der Anlage, ein alter Turm aus dem Jahre 1477. Auf den musste ich natürlich hinauf. Allein schon, um den Ausblick von dort auf die Elbe zu genießen …
Was mich davon abhielt, oben länger zu verweilen, waren ein Angriff von unzähligen Mücken, die dort als Geschwader umherzischten und die Hinterlassenschaften von offenbar einer Riesenhorde Tauben.

Lauenburg - Der alte Turm (1477) am Schloss ...

Lauenburg – Der alte Turm (1477) am Schloss …

Lauenburg - Schlossturm ... der Aufstieg ist eng und niedrig. Kopf einziehen ...

Lauenburg – Schlossturm … der Aufstieg ist eng und niedrig. Kopf einziehen …

Lauenburg - Schlossturm - Ganz schön dicke Wände ...

Lauenburg – Schlossturm – Ganz schön dicke Wände …

Lauenburg - Ausblick vom Turm am Schloss auf die Elbe  ....

Lauenburg – Ausblick vom Turm am Schloss auf die Elbe ….

Lauenburg - ... wieder abwärts, zurück zur Altstadt

Lauenburg – … wieder abwärts, zurück zur Altstadt

Lauenburg - Altstadt - Elbstraße

Lauenburg – Altstadt – Elbstraße

Lauenburg - Altstadt - Raths-Apotheke mit sehr schönem Eingang ...

Lauenburg – Altstadt – Raths-Apotheke mit sehr schönem Eingang …

Lauenburg - Altstadt

Lauenburg – Altstadt

Lauenburg - Altstadt

Lauenburg – Altstadt

Lauenburg - Altstadt

Lauenburg – Altstadt

Graniticum XV - Alter Schwede in Lauenburg -  Pyramide und Megalith sind Symbole für Zeit und Ewigkeit

Graniticum XV – Alter Schwede in Lauenburg – Pyramide und Megalith sind Symbole für Zeit und Ewigkeit (Entwurf: Ludwig Vöpel, Bau: Hitzler-Werft, 2002) – Der Findling wiegt 2.800 kg!

Sie merken,  in Lauenburg gibt es allerhand zu sehen. Wenn Sie selbst zu weit entfernt wohnen, haben Sie die über 800 Jahre alte Schifferstadt heute zumindest via Blog ein wenig kennengelernt. Falls Sie einen persönlichen Besuch planen, entdecken Sie selbst bestimmt noch viel mehr und haben bis dahin das Geschriebene hier samt Fotos sowieso fast schon wieder vergessen.
Wissen Sie, was die meisten Menschen ein paar Monate später aller Voraussicht nach auf Anhieb davon erinnern werden?
Lauenburg? Klar, weiß ich noch! Da gibt’s einen Raddampfer. Irgendein Kaiser. Uralt. Aber ständig aktiv! Und hat das Museum nicht einen Frankenstein-Keller? Ach ja, oben im Turm schwirren saumäßig viel Mücken … Und sonst … Bitte? Die Altstadt? … Oh ja, natürlich, die ist auch sehr schön! Wohnt da nicht Fielmann …?
Vorsicht! Kriegen Sie nichts durcheinander!
Wir sollten Schluss machen. Nur eines noch:
In Lauenburg werden Zäune überaus akkurat angepasst. Schauen Sie einmal hier, die Stelle, an der Felsmauer und Bretterzaun aufeinandertreffen …

Lauenburg - Mauer triff auf Zaun - Der Übergang stimmt ...

Lauenburg – Mauer triff auf Zaun – Der Übergang stimmt …

Eine weiteres (unnützes) Detail, das – wie ich vermute – hartnäckig im Gedächtnis haften bleiben wird. ^^

Nun ist wirklich Feierabend für heute!
Ich wünsche Ihnen einen schönen Sonntag! Bis zum nächsten Mal!

©Oktober 2014 by Michèle Legrand

Michèle Legrand - freie Autorin ©Foto Andreas Grav (Ausschnitt)

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Zwischen Deutschland und der Schweiz: Grenzhüpferei Teil II – Mentalitätsgedanken und Stein am Rhein (CH)

Stein am Rhein (CH) - Altstadt mit Rathaus

Stein am Rhein (CH) – Altstadt mit Rathaus

Man kann keine Nation irgendeiner einzelnen, bestimmten Kategorie Mensch zuordnen, wasserdichte Beweise für immer wiederkehrendes, typisches, identisches Verhalten liefern oder – ganz fürchterlich – ein ganzes Land in eine Schublade packen! Doch heute möchte ich mich außer dem Städtchen Stein am Rhein (CH) nebenher ein wenig der Schweizer und auch unserer, der deutschen Mentalität widmen. So wie ich sie bisher kennengelernt habe, gerade wenn sie aufeinanderprallten!
Ihnen ist klar, dass solche persönlichen Eindrücke immer subjektiv sind – so gern man auch objektiv wäre.
Und Sie werden automatisch auch wieder ein bisschen mehr meiner Mentalität kennenlernen. Der Grund, weshalb ich drei vorherige Fassungen dieses Blogposts in den virtuellen Papierkorb geworfen habe. Ich hatte das dumpfe Gefühl, Sie kennen mich bald ein bisschen zu genau. ^^

Wenn Sie mehr auf die Fotos aus der Altstadt von Stein am Rhein warten, dann scrollen Sie gern nach unten, ansonsten beginnen wir jetzt mit dem Text und – örtlich gesehen bedeutet dies – der Start ist im schweizerischen Diessenhofen, dem am Rhein gelegenen Ort mit der besonderen Holzbrücke, an dem ich das letzte Mal unterbrach.
(Mehr über die Region, aus der ich auch heute berichte, finden Sie im Archiv Juli 2013„Abgetaucht“ und die „Grenzhüpferei Teil I“, alle – auch die noch folgenden Teile – ebenfalls in der Kategorie Auf Entdeckung – unterwegs im In- und Ausland)

Diessenhofen hat nicht die einzige Brückenverbindung über den Rhein, einige Kilometer östlicher queren Autos und Eisenbahn den Fluss bei Hemishofen (CH). Danach erneut in Stein am Rhein. Und genau auf diesem Weg, über die Brücke Richtung Norden, fallen wir in das Städtchen ein.

ie Brücke über den Rhein, die beide Teile von Stein miteinander verbindet. Keine Holzbrücke wie in Diessenhofen ... Es gab schon vorher eine Brücke, doch diese wurde 1972-74 gebaut.

Die Brücke über den Rhein, die beide Teile von Stein miteinander verbindet. Keine Holzbrücke wie in Diessenhofen … Es gab schon vorher eine Brücke, doch diese wurde 1972-74 gebaut.

die Rheinbrücke nach Stein wollen, wird es nach der Überquerung eng. Eine Ampel regelt den Verkehr.  Selbst lange Gelenkbusse fahren hier entlang

Wenn Sie über die Rheinbrücke in die Alstadt von Stein wollen, wird es nach der Überquerung eng. Eine Ampel regelt den Verkehr. Selbst lange Gelenkbusse fahren hier entlang und durch die engen Kurven!

Das nicht kriegerisch gemeinte Wörtchen einfallen wähle ich aus folgendem Grund:

Ich habe bei dieser Kurzreise festgestellt, wie ungewohnt es für mich war, Orte fast nur vom Auto aus zu „erfahren“, immer wieder lediglich kurz herauszuhüpfen, um schnell einen Eindruck von etwas zu erhaschen. Ungewohnt war es vor allem auch deshalb, weil es mir behagt, mich zu Beginn des Kennenlernens eines neuen Terrains einfach irgendwo hinzustellen und nur zu schauen.
Ich bin ein Einsauger! Mit Ohren, Augen und Nase!
Was passiert? Welche Geräusche, Gerüche, Farben gibt es? Welchen Eindruck hinterlassen Gebäude, wie verhalten sich Menschen? Wie ist die augenblickliche Stimmung? Was fällt sofort auf? Lebt ein Ort?! Vor allem: ist etwas komplett anders?

Es folgt das Laufen. Das Erlaufen. Lange. Ohne Stadtplan. Abbiegen, wohin es mich zieht. Ich versuche lediglich, mir zu merken, wie ich wieder zurückfinde.
Dabei kommen die Beobachtungen, das Miterleben kleiner Szenen, das Eigenarten und Bräuche erkennen, das Warmwerden und – wenn man sehr viel Glück hat – plötzlich das Dazugehören. Durch ein Gespräch beispielsweise. Und wenn ich heimkomme, erinnere ich mich vorrangig an Menschen, verbinde sie mit einem Ort – weniger als dies Statuen, Brunnen, Kunstwerke generell und die typischen touristischen Anziehungspunkte vermögen.

Dieses Mal jedoch gab es Vorgaben. Zeitvorgaben. Kleine, bescheidene Zeitfenster.
Also kein Herantasten, dafür gezieltes Einfallen.
Was lässt sich in der kurzen Zeit erfassen?
Ich versuchte, bereits im Auto während der gesamten Wegstrecke ein Gefühl für die Umgebung zu entwickeln. Wenn Sie – besonders als Stadtmensch! – in der Schweiz nicht gerade in den ganz großen Ballungszentren unterwegs sind, merken Sie bald, dass allgemein das Tempo nachlässt, was nicht an den niedriger angesetzten Höchstgeschwindigkeiten auf Landstraßen oder Autobahnen liegt.
Es werden oft Witze darüber gemacht, dass Schweizer etwas langsamer seien. Nicht immer die feine Art, denn oft bezieht es sich in äußerst flachen Bemerkungen etwas herablassend auf das Denkvermögen – was absolut blödsinnig ist!
Doch Tatsache ist, in der Schweiz findet eine Verlangsamung statt, die ich – für alltägliche Gegebenheiten, den privaten Teil und selbst für den geschäftlichen Bereich – als äußerst positiv empfinde. Das langsamere Agieren hat nichts mit Intelligenz zu tun. Es ist körperlich spürbar. Es erlaubt Ihnen, einen Gang zurückschalten. Sie fühlen sich nicht gehetzt. Können kurz innehalten.
Was Sie nicht versuchen sollten, ist, ihr bisheriges Tempo, ihre Forschheit beizubehalten oder womöglich krampfhaft durchsetzen zu wollen!
Erstens sind Sie dort Gast, und ein Gast drängelt nicht herum oder schreibt seinem Gastgeber vor, dass er gefälligst auf die Tube drücken soll!
Zweitens würden Sie auf Granit beißen, denn der Schweizer wird sich wegen Ihres Tamtams nicht verbiegen oder ändern – dazu müsste er Ihre wilde Hast einsehen können! Ich würde nicht sagen, dass die Eidgenossen generell ruhiger oder geduldiger sind als Deutsche, doch sie leben wirklich nervenschonender.
Sie scheinen keinen zu mögen, der auf den Putz haut bzw. jemanden, der den schwer beschäftigten Manager, den Wichtigtuer, den Drängler oder die leicht hochnäsige Schlaue mimt.
Aber wer mag das alles schon …
Wir Deutschen lehnen es im Grunde – zumindest bei anderen – ebenso ab, verkennen allerdings, dass wir schnell so wirken können. Ich habe in der Schweiz (mehrfach im Kanton Graubünden, aber auch in Städten wie Luzern,  Zürich etc.) Situationen erlebt, in denen das vermeintlich schnellere Wesen (trügerisches Selbstbild!) und der Handlungseifer des Deutschen zu merkwürdigem Gebaren führten und dabei das Gefühl vermittelt wurde, man sei besser oder plietscher. Wollte alles selbst in die Hand nehmen …
Kommen Sie irgendwo ohne Gruß dazu und führen sich derart auf, dann fällt die Klappe und zwar schnell!
Es herrscht eisiges Schweigen und Sie werden fortan ignoriert. Sie ernten bestenfalls noch einen sehr kritischen Blick und gut möglich, dass Ihr Gegenüber beim nächsten „Hock“ mit Freunden etwas über die stressigen Deutschen herzieht.
Was man verstehen kann!
Was schaffen wir gelegentlich für eine Unruhe, und was haben wir (natürlich neben sehr vielen netten Menschen) von Zeit zu Zeit für selbstherrliche Artgenossen!

Ich habe über die Jahre in Graubünden einige sehr angenehme Schweizer kennengelernt, die lediglich dann erstaunlich fuchsig wurden, wenn etwas präzise Geplantes nicht funktionierte oder wenn der Postbus nicht pünktlich fuhr.
Sie ahnen den Zusammenhang?
Wer einwandfrei laufende Uhren herstellt und dafür weltweit bekannt ist, der kann es halt schlecht verknusen, wenn sich der Bus dann nicht an den Zeitplan hält. Unpräzise ist.
Aber sonst?
Sie mögen nicht nur das Dominante nicht so gern, sie scheinen generell lieber alles eine Nummer kleiner haben zu wollen. Man merkt es einerseits an ihrer Sprache, an der Endung -li, mit der sie vieles in seiner Größe (und auch Wichtigkeit) reduzieren. Wenn Sie wiederum über Land fahren, sehen Sie es real an der Größe der Häuser, Ortschaften, Läden, der Art der neuen Industrie-/Gewerbegebiete etc. Es wird auf moderne Technik geachtet und Wert gelegt, aber immer auch darauf, dass Neues nicht alles erschlägt, sondern sich einpasst und idealerweise der Natur eher unterordnet.
Ordnung. Überschaubarkeit. Die Größenverhältnisse müssen stimmen. Vielleicht wirkt diese Balance so beruhigend.

In vielen Gegenden unseres Landes wird hingegen gerade der Kontrast geliebt. Das Große, Bombastische muss her. Ein auffälliges Prestige-Objekt. Direkt neben das Alte. An der Verbindung hapert es manchmal. Wir stellen meist erst hinterher fest, dass uns das neue (Angeber-)Hochhaus die für die Stadt typische Silhouette wieder ein bisschen mehr zerstört, da es die Sicht auf markante Gebäude versperrt und zudem fortan als häufig seelenloser Kasten die Stadt verhunzt.
Natürlich hat auch die Schweiz Hochhäuser, hat ihre Fabriken mit Geräuschentwicklung und zeitweise qualmenden Schornsteinen, doch sie werden eher etwas abseits konzentriert bzw. dahinverlegt. Der Gedanke an Natur und Umwelt ist präsent. Präsenter als in vielen Gegenden unseres Landes. Mag sein, dass es für ein relativ kleines Land leichter ist, den Überblick zu behalten und relativ einheitlich zu agieren.

Getreidefeld bei Hemishofen (CH)

Getreidefeld bei Hemishofen (CH)

Bevor Sie darüber stolpern, möchte ich anmerken, dass es natürlich auch in der Schweiz besagte unangenehme Zeitgenossen gibt – wie überall auf der Welt, doch insgesamt wirken die Schweizer auf mich einfach entspannter, scheinen mehr eins nach dem anderen zu machen.
Deutsche, insbesondere Städter, werden einerseits mehr gescheucht (die Unruhe existiert eben durch alle Hierarchien und wird nach unten weitergegeben) und verwechseln andererseits dabei oft gesunde Geschäftigkeit mit wirrem, unproduktivem Hin- und Hergehechel. Machen Wirbel und erzeugen Stress, wo er gar nicht nötig ist. Preisen ihre ach so wünschenswerte und angeblich vorhandene Mutitasking-Fähigkeit.
Schaffen wir dadurch wirklich so viel mehr?
Selbst wenn – um welchen Preis!
Oft verzetteln wir uns, und das eine Mal, bei dem wir vielleicht wirklich flotter sind, effektiver arbeiten und die gleiche Entspanntheit dabei empfinden wie ein Großteil der Schweizer generell, dieses lumpige eine Mal ist zu vernachlässigen.

Fragen Sie sich auch gelegentlich, ob wir eigentlich in der Lage wären, bei Bedarf, Wunsch oder Einsicht wieder zurückschalten?
Angenommen, der Druck von außen wäre uns egal, und wir müssten nur etwas finden, womit wir persönlich Verlangsamung üben könnten …
Fahren Sie in die Schweiz! Das beste Trainingsziel!

In der Schweiz wird selbst für kleinere Straßenarbeiten  eine Baustellenampel aufgestellt, die den Verkehr regelt, der abwechselnd einspurig an dem Hindernis vorbeigeführt wird. Die Wartezeit an der Ampel ist wesentlich länger als die in Deutschland!
Ich sah einen Deutschen, den das richtig fertig machte!
Gar nicht der generelle Anfall von extra Wartesekunden, aber die Untätigkeit und das Erkennen, dass die Gegenseite offenbar ebenfalls schon länger Rot hat und es hier immer noch einen großzügigen Sicherheitspuffer gibt, bis tatsächlich auch das letzte Fahrzeug die Baustellenstrecke verlassen hat.
Momente, in denen sich scheinbar überhaupt nichts tut!
Das ist nichts für eilige Multituer! Zeitverlust! Bei unserer Mentalität ist die Reaktion meist: puterrot anlaufen, sich aufregen und renitent werden.

Ich behaupte, eine Schweizer Baustellenampel ist eine exzellente Übung, um zur Ruhe zu kommen, um durchzuatmen. Ein einfaches Mittel Geduld zu üben oder wieder zu erlernen.
Sie werden feststellen, dass es viel entspannter läuft, wenn die innere, oft selbst erschaffene Hetze nachlässt. Wenn alles geregelt ist und sicher wie ein Uhrwerk läuft, wenn sich alle einfach daran halten und wenn sie – weil sie wissen, dass es so oder so dauert – diese Unterbrechung als willkommene (Atem-)Pause nutzen.
Das ist wie mit dem Schlangestehen der Engländer. Was haben wir uns anfangs an den Kopf gefasst! Bis wir gemerkt haben, so läuft es besser. Stressfreier.
Es dauert gar nicht wirklich länger!
So langsam lernen wir es auch, dass manchmal langsamer schneller ist.

Wir haben Stein am Rhein erreicht!

Ich hoffe, Sie haben den langen Text überstanden und es eher als Unterhaltung während der Fahrt betrachtet … Oder wie das Warten an der Baustellenampel. Das könnte Ihr erstes Training gewesen sein!

Das Schweizer Städtchen liegt auf beiden Seiten des Rheins, der gut erhaltene Altstadtkern befindet sich auf der nördlichen Rheinseite. Er zieht viele Besucher an, denn rund um den Rathausplatz (ehemals Marktplatz) gibt es zahlreiche, wunderschöne mittelalterliche Bauten. Viel Fachwerk, sehenswerte Wandmalereien, ansprechende Erker und Giebel und schmale Gassen mit Kopfsteinpflaster lassen alles sehr altertümlich und gleichzeitig enorm gemütlich wirken.
Von Stein am Rhein westwärts gesehen, erstreckt sich bis Mammern (sogar auf beiden Seiten des Rheins) das Wasser- und Zugvogelreservat Untersee und Rhein. Dort können Schell-, Reiher- und Tafelenten überwintern.

Dadurch dass so viele Gäste kommen, um die Altstadt zu erkunden, ist man bereits vor Langem dazu übergegangen, den Verkehr außen herum zu führen. Es gibt eine Transitstrecke und vor dem Stadttor einen Riesenparkplatz, auf dem vorrangig die Busse halten und Reisegruppen ausspucken, die entweder in die Stadt oder aber zum Schiffsanleger möchten, um eine Fahrt auf dem Rhein (Linie Kreuzlingen-Schaffhausen) zu unternehmen. Die Boote verkehren von April bis Oktober und sind – besonders bei schönem Wetter – eine nette Alternative, um die Landschaft und die in Ufernähe gelegenen Ortschaften diesseits und jenseits des Flusses zu erkunden. Auch viele private kleine Boote haben in Stein am Rhein ihren Platz oder legen zeitweise dort an.

Die Rheinschiffe legen auch in  Stein am Rhein an - Hier die "Schaffhausen".

Die Rheinschiffe legen auch in Stein am Rhein an – Hier die „Schaffhausen“.

Stein am Rhein (CH) - Nicht nur die Kursschiffe, auch kleine Privatboote halten hier.  Sie erinnern sich noch an den tauchenden Schwan? ^^

Stein am Rhein (CH) – Nicht nur die Kursschiffe, auch kleine Privatboote halten hier. Sie erinnern sich noch an den tauchenden Schwan? ^^

Stein am Rhein (CH) - Der Rhein führt immer noch reichlich Wasser ...

Stein am Rhein (CH) – Der Rhein führt immer noch reichlich Wasser …

Speziell am Wochenende brummt es in Stein und die Parkplätze sind schnell belegt. Dann kommen außer den Bussen auch die Motorräder (ich habe schöne Harley Davidsons gesehen) und abgesehen von schlichten Autos auch die Fahrzeuge von Menschen, die stilvoll gekleidet im Oldtimer anreisen. Und es gibt viele Fahrradtouristen, die manchmal den langen Rheinradweg erforschen oder als „Velofahrer“ einfach zu einer Tagestour Richtung Stein gestartet sind.

Stein am Rhein (CH) - Zünftig gekleidet im Oldtimer unterwegs ... ein Skoda mit tschechischem Kennzeichen

Stein am Rhein (CH) – Zünftig gekleidet im Oldtimer unterwegs … ein Skoda mit tschechischem Kennzeichen

Bei Sommerwetter zieht es zudem viele Schwimm- und Sonnenbadfreunde – auch Einheimische – in das Strandbad. In seiner unmittelbaren Nähe fährt auch diese kleine Dampfeisenbahn, auf der Passagiere aufsteigen können.

Stein am Rhein (CH) - Miniatur-Dampfzug mit Passagieren fährt in den Bahnhof ein

Stein am Rhein (CH) – Miniatur-Dampfzug mit Passagieren fährt in den Bahnhof ein

Stein am Rhein (CH) -  Dampfeisenbahn - ... ankuppeln!

Stein am Rhein (CH) – Dampfeisenbahn – … ankuppeln!

Es quillt in der Altstadt (Fußgängerzone), denn die Gassen sind eng und selbst der Rathausplatz hat nur eine begrenzte Aufnahmefähigkeit.

Es wird ununterbrochen heftigst fotografiert, und ich vermute, es gibt Motive, die wohl jeder knipst, die schon millionenfach festgehalten wurden! Manche Besucher haben den Ehrgeiz, eine Fassade, einen Erker oder eine Brunnenfigur ohne einen Pulk von Menschen drum herum zu erwischen. Das kann dauern, und so gibt es gar nicht so selten Fotografierstaus vor einem beliebten Motiv. Busreisende, denen die genehmigte Zeit davonläuft, müssen irgendwann entscheiden, ob sie ein Foto mit Menschen oder gar keines haben wollen.

Stein am Rhein (CH) - Altstadt  mit dem Untertor (Stadttor)

Stein am Rhein (CH) – Altstadt mit dem Untertor (Stadttor)

Stein am Rhein (CH) - Fassadenmalerei an vielen Häusern der Altstadt ...

Stein am Rhein (CH) – Fassadenmalerei an vielen Häusern der Altstadt …

Stein am Rhein (CH) - Die Häuser am Marktplatz ...

Stein am Rhein (CH) – Die Häuser am Marktplatz …

Stein am Rhein (CH) - Altstadt

Stein am Rhein (CH) – Altstadt

Stein am Rhein (CH) - Das Hotel und Restaurant (Weißer) Adler, dessen Wandmalerei aus der Renaissance stammt, rechts daneben das Bürger-Asyl

Stein am Rhein (CH) – Das Hotel und Restaurant (Weißer) Adler, dessen Wandmalerei aus der Renaissance stammt, rechts daneben das Bürger-Asyl

Stein am Rhein (CH) - Die Brunnenfigur zeigt einen alten Krieger der Eidgenossenschaft

Stein am Rhein (CH) – Die Brunnenfigur zeigt einen alten Krieger der Eidgenossenschaft

Stein am Rhein (CH) - Auch hier am Rathaus sind es außer dem Fachwerk und der Wandmalerei wieder die Details, die entzücken ...

Stein am Rhein (CH) – Auch hier am Rathaus sind es außer dem Fachwerk und der Wandmalerei wieder die Details, die entzücken …

In diesem Gebäude befindet sich das Städtische Asyl, das Bürger-Asyl, wie es auf der Fassade steht. Es handelt sich um ein Bauensemble, dass schon im 14. Jh. erwähnt wurde – damals als Klosterspital.

Stein am Rhein (CH) - Teil der Fassade des Bürger-Asyls

Stein am Rhein (CH) – Teil der Fassade des Bürger-Asyls

Im Laufe der Zeit war es Pflegeheim, Armen- und Waisenhaus und während seiner Funktion als städtisches Asyl, wurden Delinquenten dort untergebracht.

Stein am Rhein (CH) - Bürger-Asyl

Stein am Rhein (CH) – Bürger-Asyl

Stein am Rhein (CH) - Pagodenförmiges Türmchen auf dem Dach des Bürger-Asyls

Stein am Rhein (CH) – Pagodenförmiges Türmchen auf dem Dach des Bürger-Asyls

Stein am Rhein (CH) - Blick in das Gebäude des Bürger-Asyls ...

Stein am Rhein (CH) – Blick in das Gebäude des Bürger-Asyls

Im Erdgeschoss gab es ein Gefängnis für die härteren Burschen, die Bettlerstube nahm harmlosere Personen unter Arrest (Landstreicher, Bettler, Handwerksburschen ohne Geld oder Personen, die in die Ausnüchterungszelle kamen).

Stein am Rhein (CH) - Die Bettlerstube im Bürger-Asyl

Stein am Rhein (CH) – Die Bettlerstube im Bürger-Asyl

Von 1999-2002 hat man es umgestaltet und restauriert, und heute wird es als Kultur-, Verwaltungs-, Wohn- und Begegnungszentrum genutzt.

Das Haus Pelikan stammt aus dem 14. Jahrhundert, doch erst 1611 wurde der Fachwerkteil aufgestockt. Das lässt sich in Stein am Rhein bei vielen Bürgerhäusern feststellen. Damals nahmen Wohlstand und mit ihr auch die Bevölkerung stark zu – jedoch nicht die Grundfläche im Zentrum. So wurde zusätzlicher Wohnraum eben nach oben erschaffen.
Die Fassadenmalerei an diesem Haus entstand um 1900 durch den aus Zürich stammenden Künstler Christian Schmidt.

Stein am Rhein (CH) - Altstadt - Metzgerei zum Pelikan

Stein am Rhein (CH) – Altstadt – Metzgerei zum Pelikan

So etwas findet sich ebenfalls in der Altstadt …

Stein am Rhein (CH) - Außerirdische?

Stein am Rhein (CH) – Außerirdische?

Auch Schweizer Spatzen genießen einen bequemen Sitzplatz und Blumen vor dem Schnabel …

Stein am Rhein (CH) - Spatzensitzplatz ...

Stein am Rhein (CH) – Spatzensitzplatz …

Wissen Sie, dass die am Schiffsanleger gelegene Spaghetteria Wasserfels einen Rekord hält? Nun, er ist zwar schon älter – stammt aus dem Jahr 1984 – doch er schaffte es in das Guinness Buch der Rekorde!
Man hat hier 182,42 m lange Spaghetti hergestellt. Oder einen einzigen Spaghetto. Ich bin nicht sicher völlig sicher. Ich wüsste schon gern, wie man es geschafft hat und auch, wohin man ihn oder sie zum Messen legte! Selbst als schmale Brücke über den Rhein gespannt, wären die Rekordnudeln immer noch zu lang gewesen.

Stein am Rhein (CH) - Direkt am Anleger gibt es die Spaghetteria Wasserfels, die Spaghetti-Längen-Rekordhalter ist. Mit Eintrag im Guinness Buch!

Stein am Rhein (CH) – Direkt am Anleger gibt es die Spaghetteria Wasserfels, die Spaghetti-Längen-Rekordhalter ist. Mit Eintrag im Guinness Buch!

Wenn Sie die Gassen nutzen, die sich entlang der Rückfronten der Häuser befinden, stoßen Sie auf abgemagerte Dinos …

in am Rhein (CH) - Abgemagerter Dino in der Undergass ...

Stein am Rhein (CH) – Abgemagerter Dino in der Undergass …

… oder Sie entdecken schöne Holztüren!

Stein am Rhein (CH) - Eingangstür

Stein am Rhein (CH) – Stilvolle Eingangstür

Und wenn Sie am Ende des Erkundungsganges aus der Altstadt zum Berg hinaufschauen, dann haben Sie dieses Bauwerk auf dem Gipfel im Blick.

Stein am Rhein (CH) - Blick hinauf zur Burg Hohenklingen

Stein am Rhein (CH) – Blick hinauf zur Burg Hohenklingen

Dieses Gemäuer können Sie – falls Sie Lust haben – im nächsten Part, dem Teil III der Grenzhüpferei zwischen Deutschland und der Schweiz, kennenlernen. Es ist die Burg Hohenklingen – genau die mit den grünen Stufen …

Und dazu eine Burg, die im Vergleich dazu ein Floh ist, aber eine Besonderheit hat …

Bis demnächst!

©Juli 2013 by Michèle Legrand
Michèle Legrand auf WordPress

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Schwedenhappen – Teil 2: Lumpen, Lachse und auch ein paar Lügen

Tag 2 des Stockholmbesuchs.
Die Wettervorhersage für diesen Sonnabend ist gut – noch! Ab Sonntag soll es merklich kühler und auch regnerisch werden.
Was macht man schlauerweise unter solchen Umständen?
Genau, der mitdenkende Tourist sieht zu, dass er die sommerlichen Temperaturen und den strahlenden Sonnenschein bestmöglich nutzt. Museumsbesuche können auch bei trübem Wetter stattfinden. Es sieht also leider so aus, als müsste der Gatte noch ein bisschen länger fiebern, bis er die „Vasa“ (die vermeintliche Kogge) zu sehen bekommt.
Als Alternative erwartet ihn heute sein zweitliebstes Vergnügen: eine Bootsfahrt. Ehrlicherweise füge ich hinzu, die Sightseeing-Tour per Schiff dauert ca. zwei Stunden, den Rest des Tages wird er doch mehr oder weniger laufend ertragen müssen.
Es soll Männer geben, die laufen … von Steckdose zu Steckdose – ihrer Smartphones wegen. Und es gibt welche, die laufen von Sitzbank zu Sitzbank.^^
Nach dem Frühstück führt der Weg Richtung Altstadt, der Gamla Stan, die auf einer separaten, kleinen Insel liegt. Ein wenig wollen wir sie heute entdecken, und erst gegen Mittag – zum Füße ausruhen – den Ausflug auf dem Wasser starten.
Aus der City kommend, überquert der Stockholm-Besucher zuerst die Brücke zur vorgelagerten kleinen Insel, auf der sich das Reichstagsgebäude befindet. Direkt davor wiederum, an der Ecke Drottningsgatan/Strömgatan, hockt etwas Seltsames an der Straßenecke. Eine Art tierischer Lumpensammler mit um die Schulter geschlungener Decke. Ein Fuchsgesicht schaut heraus. (Ich poste ein Bild dazu, beschreibe es jedoch zusätzlich für die blinden Blogbesucher)

Stockholm, City, Sculpture, Rag and Bone with Blanket, Laura Ford

Rag and Bone with Blanket (2009), by Laura Ford

Diese Bronzeskulptur stammt von der aus Großbritannien stammenden Künstlerin Laura Ford (Jahrgang 1961) und ihr Werk steht seit 2009 an dieser Ecke.
Im Laufe der Tage, in denen ich Stockholm ‚erwanderte’, fielen mir die zahlreichen Büsten und Skulpturen auf, die in der schwedischen Metropole zu finden sind. Die typischen alten Statuen, die einen der, ach so vielen, Könige mit dem immer wiederkehrenden Namen Gustav darstellten – mal zu Fuß, mal zu Pferd, aber auch völlig andere, modernere und vor allem unheimlich ausdrucksstarke Figuren, von denen ich Ihnen gern noch einige zeigen werde.
Entdeckt man eine Stadt nur per Bus oder hüpft mit dem Plan wirklich ausschließlich von Sightseeing-Attraktion zu Sightseeing-Attraktion, verpasst man häufig die vielen unerwähnten Dinge. Ich für mich habe festgestellt, dass sie mir oft mehr erzählen, als manch groß hervorgehobenes Denkmal. Bei diesen unvermutet auftauchenden Dingen, passiert gelegentlich Unerwartetes! Besucher, die begeistert loslachen, die erschrocken zurückfahren, die irritiert schauen, was denn die anderen davon halten, die plötzlich mit Wildfremden ins Gespräch kommen und  untereinander ein bisschen ihr Wissen austauschen.
Oder ein alter Schwede tritt hinzu und verkündet abgeklärt schmunzelnd, was es mit allem auf sich hat.
Nach dieser Fuchsskulptur betritt man unmittelbar die Brücke, die hinüber zum Reichstag führt.

Stockholm, Blick auf den Reichstag

Der Reichstag

An dieser Stelle hänge ich über dem Geländer und versuche, etwas im Wasser ausfindig zu machen. Zuerst sehe ich wild prustende, weil gerade gekenterte Paddler. Eine Schule hat dort ihr „Strudel-Übungsgebiet“.
Nein, eigentlich schaue ich nach etwas anderem aus …
Ein Follower auf Twitter (@querged8) hatte mich am Vortag per Tweet gefragt, ob ich denn schon Lachse gesehen hätte und postete außerdem einen YouTube-Link. Ein Filmchen zeigte mir die putzmunteren Fische. Die  Bildunterschrift gab lediglich die Auskunft:
Lachse unterhalb des Reichtags, Stockholm.
Jetzt erkläre mir doch bitte einmal jemand (ich habe in dieser Hinsicht keine so große Vorstellungsgabe), wo beim Reichstag unterhalb ist!
Eine kleine, fast runde Insel. Eine Brücke, die hinaufführt, eine die wieder herunterleitet Richtung Gamla Stan (Altstadt). Unterhalb gesehen, wenn man die Karte vor der Nase hat?  Unterhalb, wo es vom Landschaftsniveau her etwas tiefer gelegen ausschaut?
Das Video hatte relativ bewegtes Wasser gezeigt, das ich ausschließlich an den Brücken vorfinde. Dort herrscht leichtes Gefälle. Ich umrunde (ein bisschen zum Leidwesen meines Gatten) die gesamte Insel, entdecke aber keinen einzigen Fisch. Es gibt an den Brückenpfeilern an zwei Stellen auffällig aufsteigende Luftblasen. Vielleicht sitzt da unten einer der Kollegen und blubbert. Am Wegrand finde ich ein in einen Glaskasten eingelegtes Info-Plakat, auf dem zwei verschiedene Arten von Lachsen abgebildet sind. Offensichtlich gibt es sie hier wirklich.

Lachse in der City

Ein junges, asiatisches Ehepaar lehnt mit Angeln über der Mauerbrüstung. Ich spreche die Frau an.
„Angeln Sie nach Lachsen? Gibt es die um diese Zeit hier?“
Natürlich hatte ich schon ein bisschen am Vorabend geforscht. Lachse der Ostsee kennen nicht diese Wanderungen, die die Lachse vor Kanada beispielsweise vornehmen. Dort wandern sie jedes Jahr im Herbst in die süßwasserhaltigen Flüsse zum Laichen. Bezüglich Skandinavien und Lachsen in Flüssen, hatte irgendwo etwas vom vermehrten Auftreten im Mai/Juni gestanden. Die offizielle Angelsaison für diese Fischart geht vom 01. Mai bis zum 30. September. Übrigens ist Angeln in Stockholm frei, und das Wasser ist so sauber, dass man die Fische auch essen kann. Und Baden ist erlaubt (für Menschen, die Lachse tun es ja ständig und würden sich eh nicht an ein Verbot halten ^^).
Die Asiatin lacht ein wenig auf meine Frage. Offensichtlich hält sie ihre Fangchancen auch nicht für wahnsinnig ausgeprägt.
„Wir versuchen’s halt, man kann ja nie wissen …!“
An Montag, als ich ein weiteres Mal dort vorbeikomme, steht ein einsamer Angler auf der Brücke. Er wirft unablässig seine Angelschnur ins Wasser, und seine Bewegungen wirken sehr  eigenwillig. Ich wundere mich, dass er die Schnur offenbar nicht über eine Rolle abspult, sondern zusätzliche Länge in Schlaufen locker um die Hand gewickelt hat. Er lässt mehr nach, je weiter der Wurf gehen soll.
Ich habe Zeit an diesem Tag und schaue eine Weile zu. Natürlich wird es bemerkt. Ein Hej wird mir herübergeworfen. Für uns Deutsche gut zu wissen, dass es eben ein Hallo ist und kein He! (Was guckst du so!). An diesem Tag lerne ich, dass der Herr Fliegenfischen betreibt. Ich hatte aus der Entfernung den Köder nicht sehen können. Natürlich darf ich gucken kommen. Sieht schon toll aus, was dort zusammengebastelt wird, um Beutetiere der Fische zu imitieren. Sehr phantasievolle Insekten (Land- oder Wasserbewohner) entstehen und Material wie Federn, Fell oder auch Tierhaare und –flusen, wird mit (Kunststoff-)Fäden um einen Bindestock gewickelt. Eine Kunst für sich …
Viel erfahren, aber auch er hatte noch nichts gefangen.
Ich verlasse Stockholm an Ende, ohne einen lebenden Lachs gesehen zu haben.

Gehen wir zurück zum Mittag des Sonnabends. Wir bemühen uns inzwischen um die Tickets für die Bootsfahrt. Ein bisschen spät, wie sich herausstellt, denn die 12 Uhr Fahrt ist bereits ausverkauft. Wir lösen Biljetter für die Tour um 13 Uhr und stromern noch ein wenig herum. Kurzer Blick heute auf den Königspalast. Ein Teil der Front ist mit einem feinmaschigen Netz verhängt, offensichtlich aufgrund von Bauarbeiten an der Fassade. Reine Vorsicht, damit nicht einer der zahlreichen Touristen von oben beworfen wird.
Zahlreiche Besucher ist das Stichwort! Es sind Unmengen von Reisebussen, die eintreffen. Oft parken sie nur für ein paar Minuten, entleeren den Inhalt ihres Fahrzeugs und entlassen die Reisegruppen mit eben dem Hinweis: Come back in 15 minutes. Don’t be late! We can’t wait!“

Stockholm, Innenhof des Königspalastes

Königspalast (Innenhof)

Es ist gerammelt voll. Wochenende halt. Anfangs habe ich geduldig auf eine Lücke gewartet, doch als ich den gefühlt zwanzigsten Anlauf unternehme, ein Foto zu schießen und immer ein japanischer Tourist ins Bild springt, wird’s mir ein bisschen zu blöd; eine Art kleine Boshaftigkeit macht sich bemerkbar. Freunde, so geht das aber nicht!
Was tun, fragen Sie?
Ich bin nicht so der Mensch, der sich kloppt oder losbrüllt. Für mich gibt es jedoch diese drei Möglichkeiten, sich freie Bahn zu verschaffen:

1) Tippen Sie einen der Gruppe – in diesem Fall Japaner –  an und weisne ihn darauf hin, dass der Busfahrer schon dreimal nach der Gruppe gerufen hat…. (Nein, stimmt natürlich nicht, aber muss er ja nicht wissen!) Sobald der Trupp losgeeilt ist, knipsen Sie in Ruhe Ihr Bild.

2) Führen Sie gut hörbar für alle ein fingiertes Handygespräch auf Englisch, und wiederholen dabei mehrfach: „Wow!  Wirklich? Am Haupteingang? Und wann soll der König da erscheinen? Was? Jetzt gleich? Ich komme!“ Erstaunlich, wie viele sich plötzlich auch auf den Weg zum Haupteingang machen. Gehen Sie zurück an Ihren ursprünglichen Platz und knipsen Sie in aller Seelenruhe Ihr Foto.

3) Wenn Sie kein Handy zur Verfügung haben, stellen Sie sich alternativ in Hörweite. Weisen Sie völlig entrückt und verzückt auf ein weit entferntes Fenster des Palastes und rufen enthusiastisch: „Da! Das ist sie! Da ist Prinzessin Viktoria! VIC-TO-RI-A! VIC-TO-RI-A!

Alles stiefelt los, und schon haben Sie freie Sicht.
Bei mir reichte heute die langweiligere Methode Nr. 1 aus, und bis die ersten mit dem Busfahrer gesprochen hatten, war ich natürlich schon wieder verschwunden …

Wie es weitergeht mit dem Boot und über  die Eigentümlichkeiten eines Wachwechsels, erfahren Sie hier in einem der nächsten Schwedenhappen. Schauen Sie gern wieder herein! Bis bald!

©September 2011 by Michèle Legrand

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