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Unterwegs entdeckt: Alle machen’s! Marienkäfer, Bulldoggen, Polizisten, Angler …

Hamburg - St. Gertrud Kirche (Uhlenhorst-Hohenfelde), rechts die Mundsburg-Hochhäuser

Hamburg – St. Gertrud Kirche (Uhlenhorst-Hohenfelde), rechts die Mundsburg-Hochhäuser

Trauen Sie ihr noch? So wirklich? (Ich spreche von der Wettervorhersage) Und überhaupt, eigentlich ist es doch gar nicht vorstellbar! Es ist Ende Oktober!
Da können die noch so viel erzählen von Tief Zenith, das über dem Atlantik Kreise zieht, irgendeinem Hoch Nastassja im Osten und der warmen Mittelmeerluft bzw. einem extravaganten, lauen Nordafrikalüftchen, welches sich an der Ostflanke des Tiefs Richtung Norden vorbeischummelt. Ich habe ihnen die prophezeiten Temperaturen nicht geglaubt, den Wetterfachleuten!
Ja doch! Am Dienstagmorgen wirkte es tatsächlich recht nett draußen und von kürzlich morgendlichen 7° C war das Thermometer auf immerhin 13° C gestiegen. Im Schatten!
Nur trauen Sie dem Frieden?
Zu oft erlebten Sie doch schon die Bauchlandung, sind mit einem Flatterjäckchen losgezogen und hatten hinterher die Bescherung bzw. den Erkältungsinfekt. Weil es eben doch nicht so warm war wie angekündigt, weil es eben doch nicht trocken blieb, weil kein Mensch etwas von Hagel erwähnt hatte!

Ich wollte etwas erledigen und beabsichtigte, es bei dem passablen Wetter mit dem Fahrrad zu tun. Es ging zwar um eine längere Strecke, doch Licht, frische Luft und Radfahren tun bekanntlich gut. Ich dachte mir:
Kleide dich nur vernünftig, d. h. rechne mit allem.
Allem im Sinne von Wolkenbruch, Frost, Orkan, Gewitter.
Nur falls es (eher unwahrscheinlich) besser als angenommen werden sollte? Wie sähe es dann aus?
Ach, kleide dich – zumindest oben herum – nach dem Zwiebelprinzip: eine Schicht über die andere.
T-Shirt, Strickjacke, Halstuch, Lederjacke. Ansonsten Jeanshose und das Übliche, was der Mensch braucht, um sich draußen unbeanstandet aufzuhalten.

Es gibt eine wirklich empfehlenswerte Route, um mit dem Rad aus dem Hamburger Osten Richtung Stadt und Außenalster zu kommen. Sie müssen nicht entlang vielbefahrener, mehrspuriger Hauptverkehrsadern radeln und bleihaltige Luft inhalieren!
Es gibt stattdessen einen schön gelegenen Radweg, teilweise auch eine erst seit 2012 in dieser Form existierende eigene Fahrradstraße! Beides schlängelt sich anfangs entlang der Wandse, später (ab Mühlenteich) läuft der Weg zunächst parallel zur Eilbek, im weiteren Verlauf (ab Maxstraße) entlang des Eilbekkanals. Die Fahrradstraße (nur Anwohner dürfen sie mit ihren Wagen befahren) führt durch die Ufer- und Lortzingstraße und ist Teil der offiziellen Veloroute 6. Die Wege leiten einen direkt an die Außenalster zur Schwanenwik-Bucht. Der Ausdruck ist jetzt doppelt gemoppelt. Denn „Wik“ bedeutet schon Bucht.

Hamburg - Herbst - Am Mühlenteich

Hamburg – Herbst – Am Mühlenteich

An einem Tag gegen Ende Oktober, an dem unvermutet mit Macht die Sonne durchbricht, heiße Luft aus Afrika (oder woher auch immer, jedenfalls aus dem Süden) die Gradzahl bis zum Mittag auf 20° C im Schatten (!) steigert, das Herbstlaub immer noch an vielen Stellen einladend leuchtet – an solch einem Tag sind sie auf einmal alle draußen.
Die Hamburger, jung und alt, die Quiddjes (Dazugezogene) und die Gäste der Stadt, die Touristen. Manche erkunden auf den roten, zu mietenden „Stadträdern“ die Gegend. Fahrradausleihstationen gibt es hier in dieser Region mittlerweile mehrere seit der Einrichtung der Fahrradstraße. Es flanieren Spaziergänger, die Hundehalter führen ihre tierischen Freunde aus (manchmal auch umgekehrt), die Bankentdecker und -besetzer blinzeln abwechselnd in die Sonne und auf das glitzernde Wasser, die Jogger sind in besonders großer Anzahl unterwegs. Auf dem Eilbekkanal wird auch gerudert.

Hamburg - Herbst - Ruderer auf der Eilbek

Hamburg – Herbst – Ruderer auf der Eilbek

Hamburg - Ein sonniger und warmer Oktobertag  - An der Eilbek

Hamburg – Ein sonniger und warmer Oktobertag – An der Eilbek

Eine im Gras dösende, sonnenanbetende Bulldogge habe ich lieber nicht fotografiert, die sah so aus, als wenn sie das – überhaupt jegliche Art von Störung – nicht duldet, aber diesen (nächstes Foto) Hund mit Herrchen. Ich fand die Fähigkeit des Tiers bewundernswert.

Hamburg - An der Eilbek - Der dreibeinige Hund ...

Hamburg – An der Eilbek – Der dreibeinige Hund …

Sie können es auf dem Foto wahrscheinlich gar nicht erkennen, aber der braune Hund hat nur drei Beine, wobei ihm der linke Vorderlauf fehlt. Sie wissen vermutlich, dass Tiere das Fehlen von Gliedmaßen häufig sehr gut ausgleichen können, doch bei einem Hund lasten 60 % seines Gewichts auf den Vorderbeinen. Es ist wesentlich leichter, das Fehlen eines Hinterbeins zu kompensieren! Dieser hier muss schon die Kraft auf seiner Laufstrecke einteilen und wiederholt Pausen einlegen. Was sein Herrchen auch mit ihm tat!

Hamburg - An der Eilbek - ... Pause mit Hund

Hamburg – An der Eilbek – … Pause mit Hund

Hamburg - Fahrradweg entlang des Eilbekkanals ... traumhaft auch im Herbst!

Hamburg – Fahrradweg entlang des Eilbekkanals … traumhaft auch im Herbst!

Seit 2009 gibt es zehn Liegeplätze für Hausboote in einem speziellen Bereich des Eilbekkanals, die im Zuge des Pilotprojekts Wohnen auf dem Wasser eingerichtet wurden. Sie befinden sich zwischen Wagnerstraße und dem Lerchenfeld. Die Boote dort haben richtige Anschlüsse an die Kanalisation, verfügen über Strom und auch der Müll wird per Müllabfuhr entsorgt! Wenn Sie durch die Straßen wandern, sehen Sie, dass diese Hausboote oben an der Straße sogar eine eigene Hausnummer bekommen haben. Einige dieser Boote werden als Wohnung, andere als Büro genutzt und wie es heißt, lebt oder arbeitet der Bootsherr dort auf jeweils 130 bis 160 qm Wohn-/Bürofläche.

Hamburg - Eilbekkanal mit Hausbooten

Hamburg – Eilbekkanal mit Hausbooten

Hamburg - Die Richard-Wagner-Brücke in Pink. Rechts eines der Hausboote, das als Büro genutzt wird.

Hamburg – Die Richard-Wagner-Brücke in Pink. (Wagner und pink??)  Rechts eines der Hausboote, das als Büro genutzt wird.

Nachdem dieser Bereich mit den Liegeplätzen hinter Ihnen ist, durchfließt der Kanal den Kuhmühlenteich und nennt sich fortan Mundsburger Kanal. An ihm steht überaus fotogen die evang.-lutherische St. Gertrud Kirche (1881-1885). Und wenn Sie sich zwischen Kirchturm und Kuhmühlenteich einen Flecken vorstellen, dann haben Sie den geographischen Mittelpunkt von Hamburg.

Hamburg - Die Einmündung des Eilbekkanals in den Kuhmühlenteich. Rechts die St. Gertrud Kirche.

Hamburg – Die Einmündung des Eilbekkanals in den Kuhmühlenteich. Rechts die St. Gertrud Kirche.

Angler versuchen hier häufig ihr Glück. In dem Gewässer, das max. zwei Meter Tiefe und einen schlammigen Grund hat, fühlen sich Karpfen, Rotaugen und Brassen recht wohl. Einer der Herren erzählte mir, dass er Richtung Schwanenwik (dahin kommen wir gleich) auch schon einmal einen Zander gefischt hätte.

Hamburg - Herbst - Vom Kuhmühlenteich ein Blick zurück in den Eilbekkanal ...

Hamburg – Herbst – Vom Kuhmühlenteich ein Blick zurück in den Eilbekkanal …

Hamburg - Kuhmühlenteich mit St.-Gertrud Kirche - Die Brücke links dient der U-Bahn Überquerungsmöglichkeit. Im Hintergrund ist der Heinrich-Hertz-Turm (Fernsehturm) zu sehen.

Hamburg – Kuhmühlenteich mit St. Gertrud Kirche – Blick Richtung Mundsburger Kanal. Die Brücke links dient der U-Bahn als Überquerungsmöglichkeit. Ganz im Hintergrund ist der Heinrich-Hertz-Turm (Fernsehturm) zu sehen.

Direkt am Ausfluss des Teichs befand sich die Kuhmühle. Dass wir uns richtig verstehen: Es war eine Pulver- und Walkmühle! Sie hat jetzt keine Kühe zerkleinert!
Damals existierte dort allerdings Weideland, und zum Queren des Wassers trieb man seine Kühe über die – ganz klar! – Kuhbrücke. Später wurde ein Damm gebaut und der Stausee, der auf diese Art für den Betrieb einer Mühle entstand, war der Mühlenteich, bzw. eben wegen der vielen Kuhnachbarn – genau! – der Kuhmühlenteich. Die Mühle – immer noch dieser Logik folgend – also die Kuhmühle. Objwohl sie mit Kühen selbst herzlich wenig zu tun hatte.
Kommen Sie noch mit?
Heute ist rein gar nichts mehr davon zu sehen, doch früher standen sogar insgesamt acht Wassermühlen auf der Strecke entlang der Wandse bis zur Stadt! Sie dienten beispielsweise als Lack-, Pulver- oder Ölmühle. Der Kuhmühlenteich, diese Ausbuchtung der Eilbek, war – wie gerade gelernt – extra zum Betrieb der Kuhmühle angelegt worden, nur als man Ende des 19. Jahrhunderts den Eilbekkanal ausbaute und dabei den Wasserstand nivellierte, war das für das Betreiben einer Mühle absolut kontraproduktiv. Sie wurde abgebrochen.

Das hier ist noch einmal aus der Nähe gesehen die Überquerung für die U-Bahn, die via Uhlandstraße in Richtung Mundsburg und Hamburger Straße sowie in Gegenrichtung fährt.

Hamburg - Hochbahnbrücke am Ausfluss des Kuhmühlenteiches in den Mundsburger Kanal - Auch der Brückenpfeiler der gegenüber liegenden Seite zeigt symbolhafte Darstellungen ...

Hamburg – Hochbahnbrücke am Ausfluss des Kuhmühlenteiches in den Mundsburger Kanal – Der Brückenpfeiler zeigt symbolhafte Darstellungen …

Es lohnt sich durchaus, einen genaueren Blick auf die Granitpfeiler zu werfen. Es sind nämlich vier Bildfelder eingearbeitet, die – so heißt es – die Beherrschung der vier Elemente Luft, Erde, Feuer und Wasser darstellen. Teilweise in Szenen mit menschlichen Wesen (auf dem Foto oben raucht hinter den Personen ein Vulkan, was auf Feuer hinweist), aber auch mit vier verschiedenen Tierdarstellungen, die sich wie eine Banderole ein Stück um den Pfeiler wickeln (auf dem Foto weiter unten Vögel, die das Element Luft symbolisieren – es gibt auch noch Pflanzen, Fische, Schlangen und Feuersalamander)

Hamburg - Hochbahnbrücke (Strecke Uhlandstraße Richtung Mundsburg)

Hamburg – Hochbahnbrücke (Strecke Uhlandstraße Richtung Mundsburg)

Hamburg - Hochbahnbrücke am Ausfluss des Kuhmühlenteiches in den Mundsburger Kanal - Die Brückenpfeiler aus Granit haben symbolhafte Bilder ...

Hamburg – Hochbahnbrücke am Ausfluss des Kuhmühlenteiches in den Mundsburger Kanal – Die Brückenpfeiler aus Granit haben symbolhafte Bilder … Hier: Vögel als Symbol für Luft (s. auch Text)

Beim Weiterfahren mit dem Fahrrad fällt ab und zu etwas ins Auge, was dort nicht häufig auftaucht …

Hamburg - Am Mundsburger Kanal/Höhe HAW - Webversuche am Zaun: Guerilla Weaving statt Knitting ...?

Hamburg – Am Mundsburger Kanal/Höhe HAW – Webversuche am Zaun: Guerilla Weaving statt Knitting …?

Hamburg - Alster voraus - Blick vom Mundsburger Kanal Richtung Schwanenwik-Brücke und Außenalster

Hamburg – Alster voraus – Blick vom Mundsburger Kanal Richtung Schwanenwik-Brücke und Außenalster

Langsam kommt die Außenalster in Sicht. Die Schwanenwikbrücke befindet sich als letzte Straßenquerung noch vor Ihnen. An dieser Brücke werden gern Liebesschlösser befestigt und natürlich haufenweise Fotos aufgenommen. Mal mit Menschen, mal ohne Lebewesen im Bild, aber immer das Innenstadtpanorama inklusive der Kirchtürme im Hintergrund.

Hamburg  - Außenalster - Liebesschlösser an der Schwanenwik-Brücke

Hamburg – Außenalster – Liebesschlösser an der Schwanenwik-Brücke

Es ist herrlich dort, besonders, wenn Sie direkt hinunter ans Ufer wandern (oder wie ich Ihr Rad schieben bzw. abstellen). Die Wasservögel machen es sich hier gern bequem, die Menschen genießen die Atmosphäre und legen eine Pause ein. Gelegentlich dreht eines der Alsterfährschiffe seine Runde, von Zeit zu Zeit tuckert sogar der Rauch ausstoßende Dampfer, die St. Georg, vorbei. Erinnern Sie sich an unsere große Alsterrundfahrt mit einem der offenen Boote hier im Blog? Dort hatte ich Ihnen vieles von der Wasserseite aus gezeigt und erzählt. Von James Bond, dem anderen Mann, der im Wasser steht, dem Seehund, der Moschee etc. Falls Sie es nachlesen möchten, finden SIe nachstehend den Link zum Blogpost:
https://michelelegrand.wordpress.com/2012/07/03/sommer-sonne-alster-und-wie-ist-es-mit-ihnen/

Hamburg - Außenalster - Dampfer St. Georg ist auch unterwegs, begleitet von Teichrallen.

Hamburg – Außenalster – Dampfer St. Georg ist auch unterwegs, begleitet von Teichrallen.

Die Vögel relaxen allerdings nur so lange, bis wieder ein Nichtwissender (es ist gar nicht gestattet!) kommt und sie füttert. Dann werden sie unberechenbar! Ein über- und unter- und durcheinander Geflattere, ein Radau, man glaubt es nicht! Und ich schwöre Ihnen, es muss jede Möwe schreien! Jede! Ohne Ausnahme.

Hamburg - Außenalster - Schwanenwik - Ruhe und einträchtiges Beisammensein. Alles ist gut, bis jemand kommt, der füttert ...

Hamburg – Außenalster – Schwanenwik – Ruhe und einträchtiges Beisammensein. Alles ist gut, bis jemand kommt, der füttert …

Hamburg - Außenalster - Schwanenwik - Man verträgt sich, man döst, man steht auf einem Bein, man putzt sich ...

Hamburg – Außenalster – Schwanenwik – Man verträgt sich, man döst, man steht auf einem Bein, man putzt sich … Noch!

Hamburg - Außenalster - Schwanenwik - Dirigentengänse ...

Hamburg – Außenalster – Schwanenwik – Dirigentengänse … Oder haben Sie etwa gerade etwas entdeckt?

Hamburg - Außenalster - Schwanenwik - Fasts noch zivilisiert. Nur mal gucken ...

Hamburg – Außenalster – Schwanenwik – Fast noch zivilisiert. Wasservögel und Nicht-Wasservögel. Nur mal gucken …

Hamburg - Außenalster - Schwanenwik - .... und Action!

Hamburg – Außenalster – Schwanenwik – …. und Action!

Hamburg - Außenalster - Schwanenwik - Versammlung! Und JEDE Möwe schreit!

Hamburg – Außenalster – Schwanenwik – Versammlung! Und JEDE Möwe schreit!

Auch hier – wie am Eilbekkanal – entspannen die Menschen auf Bänken und sonnen sich. Darum ging es übrigens auch in der Überschrift! Sie glauben gar nicht, wer es noch alles tat – dieses sich dem Sonnenbad hingeben, dieses Blinzeln, sich Räkeln und Vitamin D tanken.

Hamburg - Außenalster - Schwanenwik - Entspannung am Wasser ... (Mitte: Drei Ruderer von E. Scharff)

Hamburg – Außenalster – Schwanenwik – Entspannung am Wasser … (Mitte: Drei Ruderer von E. Scharff)

Die Bulldogge erwähnte ich schon. Ein Streifenpolizist stand ans Fahrzeug gelehnt, hatte den Kopf in den Nacken gelegt, die Mütze noch ein Stück nach hinten geschoben und genoss die Sonnenstrahlen, während er wohl auf seinen Kollegen wartete, der offensichtlich länger ein Protokoll aufnahm. Die Angler am Kuhmühlenteich vorhin waren Sonnenanbeter, und an vielen Stellen saßen sie gehäuft und drängelten sich fast: Marienkäfer! So viele habe ich so spät im Jahr noch nie gesehen!

Und ich? Ich habe die Sonne auch genossen! Nur mir wurde sehr warm! Wer ahnt denn, dass es sich so entwickelt! Und dazu das Radeln! Die Jacke flog als erstes davon, dann die Strickjacke, das Halstuch … Mehr war nicht möglich. Sie wissen ja, Polizei in der Nähe, Anstand und so …

Hamburg - An der Schwanenwik-Brücke - Gondoliere ohne Gondel ... gewissermaßen.

Hamburg – An der Schwanenwik-Brücke – Gondoliere ohne Gondel … gewissermaßen.

Und irgendwann geht es erhitzt wieder heim. Noch ein letzter Blick über die Alster

Hamburg - Blick über die Außenalster Richtung Innenstadt

Hamburg – Blick über die Außenalster Richtung Innenstadt

Auf der Rückfahrt wurde ich überrascht. Ich wusste nämlich bisher nicht, dass ich offenbar auf einem Berg wohne! Einem unsichtbaren Berg, wie ich vermute. Sehr mysteriös! Ich dachte immer, in Hamburg gäbe es nördlich der Elbe nur in Blankenese nennenswerte Steigungen, dann die Hügel der Boberger Dünen, vielleicht noch den kleinen Rodelberg im Stadtpark und einen leichten Anstieg bei einer Straße in der Nähe, die bereits das verräterische, aber völlig unangebrachte Wort Berg in ihrem Namen trägt.
Doch eine Art schweißtreibende Passstraße zwischen Alster und meinem Wohnsitz in Hamburgs Osten …?
Mir fiel es bisher nie auf, nur Tatsache ist, dass ich auf dem Hinweg ohne großen Krafteinsatz dahinglitt, zurück aber die ganze Zeit rechtschaffen strampeln und mich anstrengen musste. Obwohl es nicht windig war!
Ist das jetzt Einbildung?
Tun Sie mir einen Gefallen und probieren Sie es bei Gelegenheit selbst aus. Ich muss das jetzt wissen! Ich will auch nicht drängeln, aber vielleicht kommen Sie noch in diesem Herbst dazu, wenn das Wetter weiterhin so schöne Tage bereithält. Falls wir wieder einen solch grauen und langen Winter wie 2012/2013 bekommen sollten, sollten Sie sich ohnehin vorher noch reichlich mit Sonne und blauem Himmel eindecken.
Es hat einen weiteren Riesenvorteil, sich der Sonne zuzuwenden und sie anzublinzeln. Walt Whitman formulierte es recht treffend: „Richte dein Gesicht immer zur Sonne, und die Schatten werden hinter dich fallen.“

©Oktober 2013 by Michèle Legrand
Michèle Legrand - Michèle. Gedanken(sprünge) @wordpress.com

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Sommer, Sonne, Alster … und wie ist es mit Ihnen?

Alsterrundfahrt - Hamburg - Blogtitel  zu Sommer, Sonne, Alster ... und wie ist es mit Ihnen?

Hamburg – Jungfernstieg (Binnenalster)

Das vergangene Wochenende (30.06./01.07.) brachte sonniges Wetter und überaus angenehme, sommerliche Temperaturen nach Norddeutschland. Haben Sie Lust, dies auszunutzen und mit ans Wasser zu kommen?
Oben ohne?
Ich hätte heute hier im Blog für Sie Folgendes im Angebot:
Eine Rundfahrt mit dem Alster-Cabrio über die Hamburger Binnen- und Außenalster.
Sie überlegen noch?
Nur das Boot ist offen, oben ohne – Sie dürfen weiterhin geschlossen, sprich bekleidet bleiben.
Es wird eine kleine, kurzweilige Fahrt, einige wissenswerte oder unterhaltsame Dinge werden locker und unauffällig hineingestreut. Wir plaudern ein wenig, Sie können Fotos ansehen, entspannen sich ein bisschen und in gut zehn Minuten steigen Sie wieder aus. Trocken und ohne dass Empfindsamen unter Ihnen vom Seegang schlecht geworden wäre.
Letzte Chance! ;)
Es geht los …

1_Alsterrundfahrt Hamburg - Ablegen am Jungfernstieg mit dem Alster-Cabrio - Am Anleger befinden sich noch "Alsterwasser", "St. Georg" und  "Eilbek" (siehe auch Text)

Ablegen am Jungfernstieg mit dem Alster-Cabrio – Am Anleger befinden sich noch die Boote „Alsterwasser“, „St. Georg“ und „Eilbek“ (siehe auch Text)

Wir starten am Anleger Jungfernstieg direkt in Hamburgs Innenstadt nahe dem Rathaus. Hier legen viele Schiffe der Alsterschifffahrt zu ihren Rund-, Kanal-. Fleetfahrten, zu Dämmertörns oder sonstigen (gecharterten) Sonderfahrten ab. Es gibt ebenfalls gesondert einen festen Linienfahrplan, der Ein- und Aussteigen an insgesamt neun Anlegern ermöglicht.

Die Boote der weißen Alsterflotte sind unterschiedlicher Bauart. Es gibt die traditionellen Alsterdampfer mit voneinander leicht abweichenden Bautypen. Sie tragen Namen wie Goldbek, Eilbek, Susebek etc. Des Weiteren die Flachschiffe („MS Fleetenkieker“ u. a.), eine restaurierte Motorbarkasse („Aue“), einen Solarkatamaran („Alstersonne“), den erwähnten offenen Schiffstyp  („Alster-Cabrio I und II“) sowie ein ZEMship („Alsterwasser“). ZEMship steht für „zero emission ship“, d. h. ein Fahrgastschiff, welches sehr fortschrittlich mit Brennstoffzellen – emissionsfrei und geräuscharm – angetrieben wird.
Von Zeit zu Zeit begegnet Ihnen auf der Alster sogar ein altes Dampfschiff. Wenn ein weißes Boot an Ihnen vorbeituckert, aus dessen Schornstein grauer Rauch quillt, dann ist es sehr wahrscheinlich die „St. Georg“. Sie gehört dem Verein Alsterdampfschifffahrt e. V.

2_Alsterrundfahrt - Hamburg - Zu sehen das solarbetriebene Alsterboot "Alstersonne"

Hamburg – Anleger Jungfernstieg – Zu sehen ist das solarbetriebene Alsterboot „Alstersonne“

Sie haben an diesem warmen Tag wirklich Glück, denn für uns steht das offene Boot abfahrbereit. Keine trübe Fensterscheibe, die die Sicht behindert, Sonne pur auf Ihrer Haut und ein bisschen frischen Wind um die Nase.

Sitzen Sie gut?
Bitte? Schwimmwesten?
Nein, die gibt es hier nicht. Sollten Sie hinausfallen, ist die Chance jedoch ziemlich groß, dass jemand hinterherspringt und sie rettet. Nicht nur das Alster-Cabrio, auch andere Boote würden sofort stoppen, beidrehen und sie wieder an Bord ziehen. Die Binnenalster ist zudem gar nicht so tief. Wenn Sie noch ein bisschen wachsen, können Sie fast darin stehen (2,50 m).

Die Binnen- und die Außenalster gibt es seit dem 13. Jahrhundert, als die Alster (der Fluss, dessen Quelle nördlich von Hamburg bei Henstedt-Ulzburg zu finden ist) zu Mühlenteichen aufgestaut wurde. Die Fläche der kleineren Binnenalster beträgt 18 ha, die der großen Außenalster 160 ha. Den großen See dürfen Sie sich etwa so groß wie das Fürstentum Monaco vorstellen. Hier beträgt die Wassertiefe ungefähr 3,50 m.

2a_Alsterrundfahrt - Hamburg - unter der  Lombards- und Kennedybrücke (dahinter) hindurch Richtung Außenalster

Unter der Lombards- und Kennedybrücke (dahinter) hindurch Richtung Außenalster …

Wir erreichen gleich die  Lombards- und die Kennedybrücke, die die beiden Seen voneinander trennen. Wenn man unter diesen steinernen Bauwerken durchfährt, hallt die Stimme plötzlich wie im Gebirge! Was gerade über uns hinwegrauscht, ist ein Fernzug. Einer von sehr vielen. Die Lombardsbrücke ist die Querung der Alster für Fern- und Güterzüge und mit 900 Zügen, die pro Tag über ihre Gleise fahren, die meistbefahrene Eisenbahnbrücke Europas!
Der Autoverkehr nutzt die Kennedybrücke dahinter, die zusätzlich gebaut wurde, als das Verkehrsaufkommen immer größer wurde. Sie hatte anfangs den sehr logischen Namen Neue Lombardsbrücke und wurde erst nach der Ermordung John F. Kennedys 1963 ihm zum Gedenken in Kennedybrücke umbenannt.

3_Alsterrundfahrt - Hamburg - Nachwuchs bei den Schwänen ...

Außenalster – Nachwuchs bei den Schwänen …

Die Brücken liegen hinter uns, wir befinden uns nun auf der Außenalster. Rechts taucht das bekannte Hotel Atlantic auf. Sehen Sie doch einmal hoch zum Dach! Es sind Menschen oben! Wird dort gearbeitet, oder spielen sich vielleicht Dramen in dieser Höhe ab?

4_Alsterrundfahrt - Hamburg - Hotel Atlantic - rechts auf dem Dach die Weltkugel mit den beiden Karyatiden  (-> James Bond Szene, siehe Text)

Hotel Atlantic – rechts auf dem Dach die Weltkugel mit den beiden Karyatiden (-> James Bond Szene, siehe Text)

Es gab dort oben tatsächlich schon einmal eine dramatische Begebenheit. 1997 wurden hier Szenen für den James Bond Film „Der Morgen stirbt nie“ mit Pierce Brosnan gedreht, der (oder sein Stuntman-Double) vor einem Killer über den Balkon an der Hausfassade hinauf auf das Dach flüchtete, bis hin zur Weltkugel rechts mit den beiden Karyatiden.
Was meinten Sie bitte?
Nein, es ist nicht schlimm! Machen Sie sich keine Gedanken!
Sie dürfen ruhig weiter James Bond Musik vor sich her summen …
Sollte sie noch der Begriff Karyatiden im Zusammenhang mit der Weltkugel beschäftigen –  so werden  in der Architektur Skulpturen von weiblichen Figuren, die eine tragende Funktion haben, genannt.

Ein Stückchen weiter, nahe der Gurlitt- Insel, treffen wir auf einen Herrn, der mitten im Wasser steht. In Hamburg gibt es an verschiedenen Orten insgesamt vier dieser auf Bojen befestigten Figuren von Stefan Balkenhol. Sie sind aus Eichenstämmen gefertigt, fast identisch, und die Kollegen befinden sich seit 1993 auf der Süderelbe in Harburg, im Serrahn in Bergedorf sowie auf der Elbe beim Museumshafen Övelgönne. Im Winter werden sie eingeholt.

5_Alsterrundfahrt - Hamburg - Einer von "4 Männern auf Bojen"  von Stephan Balkenhol

Außenalster – Einer von „4 Männern auf Bojen“ von Stephan Balkenhol

6_Alsterrundfahrt - Hamburg ...der Herr von hinten betrachtet. Besuch durch einen Wasservogel ...

… der Herr (Größe: 2,40 m) von hinten betrachtet. Besuch durch einen Wasservogel.

Unser Boot nähert sich dem Schwanenwik. Schwanenwik bedeutet so viel wie Bucht der Schwäne. Hier sehen Sie rechts die 1952/53 entworfene Bronze „Drei Männer im Boot“ von Edwin Scharff. Bevor Sie allerdings fertig gegossen und aufgestellt war, starb der Künstler 1955. Er selbst hatte sich die Herren mit den hoch aufgerichteten Ruderstangen eigentlich an den (von ihm – so dachte er) umgestalteten Jungfernstieg gewünscht – nun steht die Bronze hier, die Figuren zum Wasser ausgerichtet.

7_Alsterrundfahrt - Hamburg - Bronze "Drei Männer im Boot" von Edwin Scharff am Schwanenwik

Bronze „Drei Männer im Boot“ von Edwin Scharff am Schwanenwik

Genau hier, in der Bucht der Schwäne, befindet sich die breiteste Stelle der Außenalster. Die Entfernung vom Ostufer zum Westufer hinüber beträgt ca. 1.200 m. Die Straße, die jetzt auf unserer Uferseite entlangführt, nennt sich Schöne Aussicht. Häuser mit dieser Adresse sind begehrt, rar und in ihrer Anschaffung äußerst kostspielig.  Die Straße hat ihren Namen nicht ohne Grund, denn wer von hier aus über die Alster schaut, dem bietet sich ein großartiges Panorama! Der Blick erfasst die Silhouette der Stadt, zeigt all die markanten Kirchturmspitzen und eine Menge Himmel und Wasser drumherum!
Höher als alle Kirchtürme ist übrigens der Fernsehturm  oder Heinrich-Hertz-Turm, wie er  korrekt heißt. Er misst 279 m, ragt dementsprechend hoch in den Himmel. Ist riesig! Doch wer im Hamburger Hafen oder auch anderswo schon einmal die Queen Mary II gesehen hat, dem sei gesagt, würde man dieses Schiff hochkant an den Turm stellen, dann ragte es noch 66 m über die Spitze hinaus …

8_Alsterrundfahrt - Hamburg - Blick von der Schönen Aussicht hinüber zur Innenstadt

Blick von der „Schönen Aussicht“ hinüber zur Innenstadt

Es geht weiter am Gästehaus des Hamburger Senats vorbei. Es wird heute nicht mehr so viel genutzt wie z. B. zu jener Zeit, als Helmut Schmidt Bundeskanzler war. Er lud gern zu Gesprächen in seine Heimatstadt ein und quartierte seine Gäste an der Alster ein. Der Senat empfängt schon seit 1965 in dieser Villa und seither stiegen viele prominente Persönlichkeiten hier ab. Queen Elizabeth II hat sich als erste eingetragen. Kissinger war da, Yassir Arafat, Breschnew, der Dalai Lama, Giscard d’Estaing u. v. m. Auch der König von Tonga, für den das Bett verstärkt werden musste – er wog viereinhalb Zentner!

8a_Alsterrundfahrt - Hamburg - Gästehaus des Hamburger Senats (sehr versteckt, der Garten mit Bootsanleger liegt Richtung Feenteich)

Gästehaus des Hamburger Senats (sehr versteckt, der Garten mit Bootsanleger liegt Richtung Feenteich)

Wir passieren jetzt die Feenteichbrücke, die den Eingang zum Feenteich bildet.

9_Alsterrundfahrt - Hamburg - Feenteichbrücke

Außenalster/Ostufer – Feenteichbrücke

Nur eine von sehr vielen Brücken in dieser Stadt. Es gibt in Hamburg offiziell 2.376 Brücken (inoffiziell 2.500). Damit ist Hamburg die brückenreichste Stadt Europas und hat mehr Brücken als Amsterdam, London und Venedig zusammen! (Mit Brücken sind wirklich alle, nicht nur die über Wasserwege gemeint)

Ein Stückchen hinter der Feenteichbrücke und hinter dem Anleger  Uhlenhorster Fährhaus (Uhlenhorst = Eulennest) befindet sich die Imam-Ali Moschee. Sie ist die viertälteste Moschee in Deutschland (Grundsteinlegung 1961, Einweihung 1963 und 1965).

10_Alsterrundfahrt - Hamburg - Anleger "Uhlenhorster Fährhaus" - Im Hintergrund die Imam-Ali Moschee, das Islamische Zentrum Norddeutschlands

Anleger „Uhlenhorster Fährhaus“ – Im Hintergrund die Imam-Ali Moschee, das Islamische Zentrum Norddeutschlands

10a_Alsterrundfahrt - Hamburg -  ... gegenüber zu erkennen:der Anleger "Fährdamm" mit dem Café Cliff

… gegenüber am Westufer zu erkennen: der Anleger „Fährdamm“ mit dem Café Cliff

Lassen Sie uns von der Außenalster einen kleinen Abstecher in den Langen Zug machen. Hier gibt es auch etwas, das Sie vielleicht sehen möchten. Beim Einbiegen passieren wir das Haus des Rudervereins der Hamburger Schulbehörde. Er wirkt momentan ein bisschen verwaist, was sicher daran liegt, dass die Schulferien schon begonnen haben. Aufgenommen wird hier nicht jeder, der eine Hamburger Schule besucht, sondern nur, wer als Schüler u. a. mindestens einen Notendurchschnitt von 1,2 vorweisen kann.
Über dem Club befindet sich die Wohnung des Hausmeisters. Er ist bereits ein älterer Herr, der – laut einem Gerücht – nicht in Rente gehen möchte, weil es für ihn bedeuten würde, dass er von diesem doch sehr schön gelegenen Plätzchen fortziehen müsste …

11_Alsterrundfahrt - Hamburg - Einbiegen in den Langen Zug. Rechts der Ruderverein der Hamburger Schulbehörde

Einbiegen in den Langen Zug. Rechts der Ruderverein der Hamburger Schulbehörde.

Ein kleines Stück weiter auf der rechten Seite taucht ein recht interessantes, eigenwilliges Haus auf. Der Hamburger Architekt Hadj Teherani hat es nach seinen Entwürfen bauen lassen.

12_Alsterrundfahrt - Hamburg - Teherani Entwurf - Kreuzfahrtschiff von hinten ...

Außenalster/Am Langen Zug – Ein Teherani Entwurf : Kreuzfahrtschiff von hinten …

13_Alsterrundfahrt - Hamburg - ... man sieht, dass auch der Garten in Wellen angelegt ist, so dass der Eindruck entsteht, das "Schiff" sei im Wasser

… man sieht, dass auch der Garten in Wellen angelegt ist, so dass der Eindruck entsteht, das „Schiff“ gleite durchs Wasser

Es sieht aus wie ein Kreuzfahrtschiff von hinten, große Glasfronten bieten Ausblick und selbst der Garten wurde danach  gestaltet. Der Rasen verläuft wellig, die Anpflanzung unterschützt zusätzlich den Eindruck, dass sich das „Schiff“ im Wasser befindet. Herr Teherani wohnt dort, allerdings nur im Parterre auf „lumpigen“ 210 qm. Es gibt insgesamt sieben Parteien in diesem Haus, für einen allein waren die Kosten wohl doch zu gewaltig. Unter anderem soll Hugo Boss hier seine Ferienwohnung haben. Eine verglaste Außenkabine sozusagen …

Während Sie noch weitere Villen links und rechts anschauen, gedenke ich einen Moment einer  früheren Firma, bei der ich gern gearbeitet habe,  die sich hier ganz in der Nähe, etwa am Beginn der Straße Bellevue, befand. Fast acht Jahre konnte ich in jeder Mittagspause schnell an den Langen Zug und vor zum offenen See spazieren, Alsterluft schnuppern, den Blick über das Wasser gleiten lassen oder Wasservögel beobachten. Die Firma gibt es mittlerweile nicht mehr – aber wenigstens die Alster, nicht wahr?

14_Alsterrundfahrt - Hamburg - Richtung Krugkoppelbrücke, rechts "Bobby Reich"

Außenalster – Richtung Krugkoppelbrücke, rechts „Bobby Reich“

Die Sonne strahlt weiterhin, das Wasser glitzert, und die Fahrt führt Sie nun Richtung Krugkoppelbrücke. Am Ufer liegt die Straße Bellevue mit sehr noblen Häusern. Bellevue heißt im Grunde auch wieder Schöne Aussicht. Doch auf diese Art findet sich der Postbote leichter durch, als wenn das ganze Ostufer den gleichen Straßennamen hätte. ;)
Rechts von der Krugkoppelbrücke an der Straße Fernsicht, liegt das bekannte und gut besuchte Restaurant-Café „Bobby Reich“ mit Bootssteg, Bootslagerung und Bootsvermietung schon seit 1883.

Sie haben es natürlich bereits bemerkt: Auf der Alster fahren selbstverständlich nicht nur die Boote der Alstertouristik (Alsterschifffahrt). Hier sind auch viele Segler, Ruderer und Tretbootfahrer unterwegs. Es werden Regatten veranstaltet und Ruderrennen ausgetragen. Es gibt mehrere Ruderclubs an verschiedenen Stellen entlang des Ufers,  die Segelschule Käpt’n Prüsse unweit des Hotel Atlantics und einige Verleihstellen für Segel-, Tret- und Ruderboote rund um den See. Lediglich weitere motorisierte Fahrzeuge sind  nicht erlaubt, und es gilt zudem der Grundsatz: Vorfahrt haben immer die Alsterschiffe!

Unser Alster-Cabrio fährt noch unter der Krugkoppelbrücke hindurch, so dass Sie sehen können, wo der Alsterlauf hinführt. Schauen Sie bitte einmal nach rechts.

15_Alsterrundfahrt - Hamburg - Unter der Krugkoppelbrücke hindurch und wenden. Weiter geht es bei dieser Tour nicht.

Unter der Krugkoppelbrücke hindurch und wenden. Weiter geht es bei dieser Tour nicht.

Von hier aus bleiben gut 50 km Wasserstrecke bis zur Quelle. Befahrbar mit den Schiffen der Alstertouristik sind allerdings lediglich noch die nächsten sieben bis acht Kilometer (Richtung Winterhuder Fährhaus).
Wir drehen und wählen die Route entlang des Westufers zurück. Dort sind die Stadtteile Harvestehude und Rotherbaum, und das Alstervorland mit Alsterwiesen und  Alsterpark ragt bis an das Ufer.

Unser Kapitän hat jedoch eben bemerkt, dass die Zeit knapp wird, empfiehlt, die Hüte festzuhalten und gibt Gas. Es dröhnt, der Boden vibriert, und der Lärm verhindert vorerst weitere Erläuterungen.

Immer noch Sonnenschein. Aber selbst wenn hier – wie in den letzten Wochen – sehr viel Regen fällt, besteht nie die Gefahr, dass die Alster oder ihre Fleete überlaufen. Zwei elektronisch gesteuerte Schleusen (Rathausschleuse und Schaartorschleuse) regulieren den Wasserstand und sorgen für einen gleichmäßigen Pegel.
Auch ansonsten können Sie beruhigt sein, denn schauen Sie jetzt einmal nach links: die Polizei ist schon da und passt auf …

16_Alsterrundfahrt - Hamburg - ... die Polizei ist anwesend.

Außenalster – … die Polizei ist anwesend.

17a_Alsterrundfahrt - Hamburg - ... auf der Rücktour vorbei am Anleger "Alte Rabenstraße" mit Bodos Bootssteg

… auf der Rücktour vorbei am Anleger „Alte Rabenstraße“ mit Bodos Bootssteg

18_Alsterrundfahrt - Hamburg - .... die Zeit drängt. Noch einmal Gas geben, dass der Boden vibriert.

Alsterrundfahrt: …. die Zeit drängt. Noch einmal Gas geben, dass der Boden unter den Füßen vibriert.

Wir lassen die Außenalster gleich wieder hinter uns und steuern erneut auf die Kennedybrücke zu. Haben Sie es erkannt? Im Wasser schwimmt ein „Seehund“ …

19_Alsterrundfahrt - Hamburg - ... was hier in der Alster schwimmt, ist ein Seehund.

… was hier in der Alster schwimmt, ist ein Seehund ;)

19b_Alsterrundfahrt - Hamburg - ... der See-Hund

Außenalster mit See-Hund …

Geht es Ihnen gut?
Fühlen Sie sich noch wohl?
Ich hoffe, sie haben die leichte Schaukelei eben vertragen.
Ansonsten wird es jetzt wieder ruhiger, denn wir befinden uns nun wieder auf der Binnenalster. Was als leichter Sprühnebel auf sie niederkommt, ist die zart verpustete Gischt der großen Alsterfontäne.

19a_Alsterrundfahrt - Hamburg - Unter der Kennedybrücke, vorweg die Lombardsbrücke und die Binnenalster

Unter der Kennedybrücke. Vorweg die Lombardsbrücke sowie die Binnenalster.

20_Alsterrundfahrt - Hamburg - Zurück auf der Binnenalster mit Fontäne

Die Alsterfontäne in Aktion.

Das schöne Gebäude zur Rechten ist das Hotel Vier Jahreszeiten, von dem ich Ihnen kürzlich schon den Eingang auf einem Nachtfoto zeigte. (Lesen Sie hier bitte freundlicherweise korrekt! Es heißt nicht Nacktfoto!)  Das Vier Jahreszeiten ist immer noch eines der besten Hotels weltweit und dementsprechend sind  die Preise. Ein Zimmer (nach hinten heraus, kein Alsterblick!) bekommen Sie bereits für günstige 430,00 €, die Präsidentensuite, die Sie rechts oben (dort, wo die schmalen Fenster sind) erkennen, kostet 4.900,00 € pro Nacht.

21_Alsterrundfahrt - Hamburg - Hotel Vier Jahreszeiten - rechts oben (mit schmalen  Fenstern) die Präsidentensuite

Hotel Vier Jahreszeiten – rechts oben (mit schmalen Fenstern) die Präsidentensuite

22_Alsterrundfahrt - Hamburg - Das ALEX am Jungfernstieg, links der eigene Beach Club

Das ALEX (früher Alsterpavillon) am Jungfernstieg, links der eigene Beach Club (Georgia-Beachclub-Lounge)

23_Alsterrundfahrt - Hamburg - Geradezu der Eingang der Europapassage, im Hintergrund die Petrikirche

Anleger Jungfernstieg. Geradezu der Eingang der Europapassage, im Hintergrund die Petrikirche

Wir sind fast am Ende unserer Rundfahrt,  doch bleiben Sie zu Ihrer eigenen Sicherheit noch sitzen! Im Gegensatz zu früher, werden wir heute nicht an der Pier vertäut. Am Anleger Jungfernstieg befinden sich an einigen Stellen senkrecht Metallplatten montiert, an Bord der Alsterschiffe hingegen gibt es Magneten. Das Anlegen erfolgt  elektromagnetisch, und da es nicht reicht, einfach nur in die Nähe der Platten zu kommen und sich hoffnungsfroh anziehen zu lassen, muss unser Kapitän mit relativ viel Schwung dagegen halten.

23a_Alsterrundfahrt - Hamburg - Anlegen am Jungfernstieg - Metallplatten für die elektromagnetische "Andockung"

Anlegen am Jungfernstieg – Metallplatten für die elektromagnetische „Andockung“

Nun, Sie sind ja jetzt mental vorbereitet und halten sich am besten vorsichtshalber an der Sitzbank oder an  ihrem Nachbarn fest. Wenn Sie ihn bisher noch nicht kennen, kann das nun mit einer guten Begründung nachgeholt werden. Starten Sie die Kontaktaufnahme vielleicht zwanglos mit einem: „Sind Sie auch so furchtsam?“ oder „Ihre Hände wirken auf mich irgendwie beruhigend!“

24_Alsterrundfahrt - Hamburg - Ende. Schön war's ...

Ende der Alsterrundfahrt. Schön war’s. Der schlanke Herr in dunkler Hose und weißem, kurzärmeligen Hemd, der uns gerade den Rücken zuwendet – das war unser Kapitän.

Angedockt. Sie können ausatmen.
Hat es Ihnen ein bisschen gefallen?
Ich betone, es waren nicht immer oder ausschließlich die Erläuterungen, die der Kapitän von sich gab, doch ich fand, wir bräuchten zusätzlich noch ein bisschen Information.
Falls Ihre Beine sich erst wieder an Festland gewöhnen müssen, setzten Sie sich noch einen Moment hier auf die sonnenbeschienenen Sitzbänke und schauen dem Treiben zu.

25_Alsterrundfahrt - Hamburg - ... noch ein bisschen die Sonne genießen und gucken ...

Wieder festen Boden unter den Füßen. Noch ein bisschen die Sonne genießen und gucken …

Demnächst können Sie – wenn Sie denn wollen – auch einen Ausflug auf der Landseite mitmachen. Zu Fuß entlang der Außenalster.
Was halten Sie davon?

26_Alsterrundfahrt - Hamburg - ... und demnächst könnten Sie mit mir die Alster von der Landseite aus kennenlernen

… die Landseite ist nämlich auch sehr schön!

Ich sage rechtzeitig Bescheid …!

©Juli 2012 by Michèle Legrand

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Akademie für Mode und Design – Open House 12: Stehröcke kennen Sie schon …?

Prolog
In der Zeitung fänden Sie jetzt vermutlich einen kleinen Bericht von acht bis zehn Zeilen, der sie knapp und präzise über Open House 12 informierte. Wann, wo, wie … Vielleicht ein Foto dazu.
Bevor ich mit diesem Bericht beginne, stelle ich mir selbst gerade die Frage, weshalb ich es angenehmer finde, Blogposts zu schreiben als Artikel für eine Zeitung.
Ich übermittle genauso gern Informationen im Blogpost wie im Artikel und halte durchaus an vielen Stellen Sachlichkeit für notwendig. Doch im Blog kann ich Wissen anders verpacken. Zudem habe ich Platz und keine Spaltenbegrenzung.
Ein Blog bietet mehr. In ihm ist Platz für Gedankenspiele und ein bisschen Emotion. Dort finden Dinge Erwähnung, die mit dem eigentlichen Erlebnis nur bedingt zu tun haben, jedoch unmittelbar dort oder aber zeitgleich stattfinden. Ich darf dort jemanden, dem daran liegt einen Gesamteindruck zu erhalten, virtuell die Hand geben und ihn mitnehmen.
Das ist der Luxus des Blogs …
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Rückblick. Freitag, 15. Juni 2012.
An diesem Tag lud die Akademie für Mode und Design (AMD) ein und informierte interessierte Gäste zwischen 17 und 22 Uhr nicht nur über die verschiedenen Studiengänge und Möglichkeiten, die sich an dieser staatlich anerkannten Hochschule für Studenten bieten, sondern bot auch Praxis-Workshops zum Mitmachen an, stellte aus und lockte zusätzlich mit einer Modenschau, der sog. Floorshow.
Der Studiengang Mode Design (B.A.) präsentierte seine Semesterarbeiten und wäre das Wetter wärmer, weniger windig oder insgesamt beständiger gewesen an diesem Tag, so hätte dieses Event sogar im Garten stattfinden können.
Ein denkbar schöner Fleck für eine Modenvorführung, denn das Grundstück, auf dem sich die AMD befindet, liegt direkt an der Außenalster (Alte Rabenstraße 1/Ecke Alsterufer bzw. Harvestehuder Weg), in unmittelbarer Nähe des Anlegers (Alsterschifffahrt u. a.), dort, wo sich auch das Lokal „Bodo’s Bootssteg“ befindet (und ja, in diesem Eigennamen ist ein Apostroph)

Open House 12 - AMD - Ein deutliches Zeichen, dass Sie sich in der Alten Rabenstraße befinden

Ein deutliches Zeichen, dass Sie sich in der Alten Rabenstraße befinden …

"Open House 12" - Akademie für Mode und Design (AMD) - Alte Rabenstraße 1

„Open House 12“ – Akademie für Mode und Design (AMD), Hamburg

Wenn Sie an einen Ort möchten, von dem Sie annehmen, dass Sie mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit keinen Parkplatz finden werden, stellen Sie sich möglicherweise – wie ich – auch gleich auf das Benutzen öffentlicher Verkehrsmittel ein. Keine strapazierten Nerven, kein Zeitdruck, unter den Sie geraten, weil Sie auch eine halbe Stunde nach Ihrer Ankunft vor Ort weiterhin durch vollgeparkte Seitenstraßen fahren – mit schwindender Hoffnung auf einen temporären Abstellplatz für Ihre Limousine.
Mir geht es allerdings so, dass ich mich – nach dem Entschluss, die Bahn zu nehmen – in Sicherheit wiege und weitere Nachforschungen bezüglich möglicher anderer Verkehrsbeeinträchtigungen unterlasse.
So spaziere ich am 15.06. in den Abendstunden zu Fuß die Alte Rabenstraße hinab Richtung Alster und staune über Stau, Hupen, blau zuckendes Blinklicht in der Ferne am Alsterufer, unverständliche Durchsagen per Megaphon, die zu mir herüberschallen, generellen Menschenlärm und etwas, was wie Applaus klingt.
Alles, weil die AMD einen Tag der offenen Tür veranstaltet? Na, da herrscht aber Betrieb …!
Oder hat es einen Unfall gegeben?
Das amerikanische Generalkonsulat ist auch nicht weit entfernt … Hat da jemand …?
Nichts dergleichen! An diesem Abend findet entlang der gesamten Außenalster der 8. Hamburger Nachtlauf mit über 5.000 Läufern statt, die das große Gewässer ein- oder zweimal umrunden (7,5 bzw. 15 km Strecke sind möglich). Start und Ziel nahe dem Ort, dem ich mich gerade nichtsahnend nähere.

"Open House 12" - AMD - Absperrungen aufgrund des 8. Hamburger Nachtlaufes

Absperrungen aufgrund des 8. Hamburger Nachtlaufes

Ich erahne, worum es geht, als eine nicht endende wollende Truppe joggender Menschen in einheitlichen weiß-orangefarbenen T-Shirts an mir vorbeieilt. Das Blaulicht stammt von einem Peterwagen, der Absperrungen kontrolliert und sichert, der Applaus ertönt immer dann, wenn Läufer eine Art Torbogen durchlaufen, der das Ende der ersten Runde markiert.
Die AMD muss noch ein klein wenig warten, denn ich schaue diesem Treiben weitere Minuten zu. Man erzählt mir, dass ich gar nicht erst versuchen soll, hinüber auf den Wanderweg an der Alster zu kommen – ich käme nie wieder zurück zur Straße! Es würde nämlich das Gros der Teilnehmer erst noch erwartet … Und man verrät mir auch, dass ein weiterer Start um 22 Uhr erfolgt.
Das wiederum kommt meinen Plänen sehr entgegen, denn ich würde gern später nach der Modenschau noch im Dunkeln an der Alster und Richtung Stadt zur U-Bahn spazieren. Ich glaube, dass ich heute reichlich Gesellschaft haben werde und somit dort trotz Finsternis gefahrlos „alleine“ unterwegs sein kann.

Zurück zum Open House 12 der AMD.
Ich folge gern einer Einladung, denn abgesehen davon, dass mich die Möglichkeit des Anschauens von Objekten der Studenten der Studiengänge
Mode Design (B.A.),
Mode- und Designmanagement (B.A.) sowie
Raumkonzept und Design (B.A.)
generell interessiert, reizt es mich, die angekündigte Modenschau zu besuchen. Aus sehr persönlichem Interesse, da einige der Teilnehmer (männlich und weiblich) des Model Contests QUARREE GESICHTER 2013, über den ich regelmäßig im Blog berichte, sich hier einem Casting gestellt und sich durchgesetzt haben.
Alexander Strauß, Verantwortlicher beim eben erwähnten Model-Wettbewerb, steht hier ebenfalls eine große Herausforderung bevor. Er choreographiert die Show – hatte dafür allerdings nur eine extrem kurze Zeitspanne zur Verfügung – nämlich wenige Stunden an diesem Nachmittag. Für mich schwer vorstellbar, wie diese Aufgabe gelöst werden soll angesichts der nicht geringen Anzahl von Teilnehmern, der Vielzahl der Outfits/Styles, der nicht optimalen räumlichen Gegebenheiten etc.

Ich möchte Sie gern, bevor die Modenschau beginnt, mit hinab in den Keller nehmen. Dort werden an diesem Tag Ausstellungsstücke unterschiedlicher Studiengänge gezeigt.

Open House 12 - AMD - Interessante Objekte im Untergeschoss - Modelle des Studiengangs Raumkonzept und Design

Interessante Objekte im Untergeschoss – Modelle des Studiengangs Raumkonzept und Design

Open House 12 - AMD - Modelle im Untergeschoss - Studiengang Raumkonzept und Design, 1. Sem.

Modelle im Untergeschoss – Studiengang Raumkonzept und Design, 1. Sem.

Außerdem befinden sich hier im Untergeschoss die Werkstätten mit den Nähmaschinen für den Fachbereich Mode Design. In der Raummitte stehen Sie als Besucher vor Tischen mit Schneiderpuppen und dürfen sich heute die Modelle ansehen, die Studierende des 1. Semesters entworfen haben.

"Open House" - AMD - Lampenschirme - Hinterlegt mit Entwürfen ...

„Open House“ – AMD – Lampenschirme – Hinterlegt mit Entwürfen … Eine Arbeit von Sarah Isabella Ford, 1. Semester Mode Design

Open House 12 - AMD - Röcke - neue Formfindung - Studiengang Mode Design (B.A.) - 1. Sem.  Richard Knauer

Röcke – neue Formfindung – Studiengang Mode Design (B.A.) – 1. Sem. Richard Knauer

"Open House 12" - AMD - Entwurfsmodelle für Rockformen

Entwurfsmodelle für Rockformen

AMD - Open House 12 - Neue Rockentwürfe - vielleicht Ihr nächster ... ? - 1. Sem. Laura  Riepel

Neue Rockentwürfe – vielleicht Ihr nächster …? – 1. Semester – Laura Riepel

"Open House 12" - AMD - Weitere Entwürfe ... u. a. von Aljona Lange

„Open House 12“ – AMD – Weitere Entwürfe … u. a. von Aljona Lange

"Open House 12" - AMD - Auch ein sehr schickes Modell - 1. Sem., Yasmin Gleitsmann

Auch ein sehr schickes Modell – 1. Sem., Yasmin Gleitsmann

Es geht um neue Formfindung und so sehen Sie ausgefallene, ins Auge stechende Entwürfe und Modelle. Seien Sie einfach offen und unvoreingenommen!
Es geht um Ideen, um Kreativität, die Erarbeitung, das Umsetzen (Aufgabenerfüllung), die Verarbeitung!
Sie dürfen sich dabei bitte nicht vorrangig fragen:
Ist das denn tragbar?
Tragbar ist ein weiter Begriff, ein unklarer, mehrdeutiger Begriff.
Tragbar heißt für manchen, dass das Kleidungsstück nicht besonders, nicht merkwürdig oder eigenartig sein darf. Es soll sich nicht aus der Masse hervorheben, nicht provozieren, soll normal sein …
Jetzt könnten wir dazu übegehen, normal zu definieren. Machen wir aber nicht.
Tragbar, wie zuvor genannt, bedeutet, sie fallen nicht auf wie ein bunter Hund, wenn sie damit vor Ihre Haustür treten und werden in Ihrer Firma nicht aufgrund eines nicht verstandenen  oder zu locker interpretierten Dresscodes postwendend zum Chef bestellt.
Tragbar kann im schlimmsten Fall allerdings auch für langweilig, öde stehen. Ein Synonym werden für Einheitslook, Konformität. Tragbar, aber belebend wie abgestandener Sekt, grau wie ein Nebeltag.

Tragbar im anderen Sinn signalisiert einen gewissen Tragekomfort. Sie fühlen sich wohl in dem, was sie anhaben. Das Material ist angenehm auf der Haut, die Verarbeitung gut, der Schnitt bequem.
Sie genießen Bewegungsfreiheit und fühlen sich in keiner Weise in Ihrem Tun eingeschränkt.

Weiterhin gibt es tragbar natürlich noch in Bezug auf das Gewicht – diese Definition vernachlässigen wir generös.

Sie haben gerade die Fotos der Werkstattmodelle gesehen. Kann jemand so etwas anziehen?
Wir haben das große Glück, dass genau diese Entwürfe umgesetzt wurden und während der Fashion Show von Models vorgeführt werden."Open House 12" - AMD - Fashion Show - Rockentwürfe

„Open House 12“ – AMD – Fashion Show – Rockentwürfe
"Open House 12" - AMD - Rockentwürfe ... die Rückseite.

Rockentwürfe … die Rückseite.

"Open House 12" - AMD - Rockentwürfe ... weitere Ansichten von hinten.

Rockentwürfe … weitere Ansichten von hinten.

Entdecken Sie Stehröcke? Genau, da taucht er auf, der Begriff aus der Überschrift.
Bei welchem Rock ist vom Hinsetzen abzuraten?
Wenn Sie bitte einmal von links nach rechts kontrollieren möchten:
Modell 1:
Sitzen ist möglich, aber vorzugsweise auf einem Doppelsitz und nicht am Tisch. Dafür stehen Sie zu weit vor. Möglicherweise können Sie auch ihren Stuhl gar nicht in eine bessere Position schieben, weil ihr Arm nicht bis zur Stuhllehne herunterreicht. Was schick aussähe, wäre, wenn sie mit diesem Rock Hand- und Kopfstand machen. Dann wäre ihr Rock „richtig herum“.
Modell 2 und 3:
Sitzen? Jein. Keine Verletzungsgefahr für Sie, aber Faltenwurf und Schleife sind platt.
Modell 4:
Ein absoluter Nur-Stehrock! Das Modell „Vorstehende Eistüten“. (Ausnahme: Sie finden einen Stuhl mit extrem großen Lochmuster in der Sitzplatte)
Model 5-7:
Ähnlich wie 2 und 3 – es wäre einfach zu schade um Ihr gutes Stück.
Model 8:
Es ist zu überlegen, den Rock fürs Sitzen zu drehen. Rückseite nach vorne …

Nein, ich beabsichtige nicht, mich über die Arbeiten lustig zu machen! Bitte nicht falsch verstehen! Im Gegenteil, ich bewundere den Ideenreichtum und die kunstvolle Ausarbeitung sehr! Die Entwürfe und Modelle sind absolute Hingucker.
Ich prüfe nur momentan spaßeshalber doch einmal auf Praxistauglichkeit.

Die Modenschau wird mit diesen besonderen Stücken eröffnet und fortgesetzt mit Arbeiten einzelner Studenten, die zum Teil interessante Entwürfe präsentieren. In einer offenen Weltstadt wie Hamburg durchaus „tragbar“ – doch … individuell. Dezente Farbtöne sind vertreten genauso wie grasgrün oder leuchtendrot, es gibt etwas düster und hochgeschlossen Gehaltenes genauso wie dunkle Unikate, die viel Einblick gewähren, sexy sind. Man findet die Varianten ärmellos, mit kleinen Flügeln, extrem lange Ärmel oder lange Stulpen an nackten Armen. Es ist Figurbetontes, Bauschiges, Mode für Schwangere (?), Beschwingtes, leicht Festliches, aber auch Casual Look dabei. Für mich optisch gewöhnungsbedürftig sind Oberteile, die nur einseitig ein Schulterpolster besitzen …
Wie kommt die Show an?
Gut! Der Raum ist vollbesetzt. Die U-förmig um einen imaginären Laufsteg aufgestellten Stuhlreihen sind eine halbe Stunde vor Beginn schnell gefüllt. Viele besetzen hartnäckig und ausdauernd mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln Plätze für noch erwartete Nachzügler.

"Open House 12" - AMD - Platzhalter ...

Platzhalter …

Überall hinter den Stuhlreihen stehen die Zuschauer dichtgedrängt. Zwischen Ihnen die Dozenten und Professoren der Akademie, viele mit vor der Brust verschränkten Armen und – wie ich finde – einem milden Lächeln. Gut erkennbar (sie, nicht das Lächeln) an den Plaketten, die sie in Brusthöhe tragen. Es segeln einige Luftküsse durch den Raum, wenn Menschen sich auf Entfernung entdecken, aber nicht mehr zueinander finden können. Meine übernächste Sitznachbarin scheint mit jemanden schräg gegenüber zu telefonieren …

Und der Ablauf der Show? Alexander Strauß ist es tatsächlich in dieser kurzen Zeit gelungen, nicht nur alle Modelle unter einen Hut zu bekommen, sondern sie auch wirkungsvoll zusammenzustellen und ihnen eine ansprechende Choreographie zu vermitteln! Er hat es geschafft, dass alle Outfits rechtzeitig zur Verfügung stehen, im fliegenden Wechsel getauscht werden und sämtliche Models stehen zum richtigen Zeitpunkt an der Tür zum Raum der Auftritts parat. Keine Pausen, der nächste Walk folgt sofort.  Zur An- und Umkleidung verschwinden sie kurzzeitig über den Flur in einen separaten Raum, also nicht einfach nur hinter die Bühne, die hier auch gar nicht existiert. Die Distanz erleichtert nicht gerade die Kommunikation, und so sieht man Alexander Strauß zwischen Tür und Angel agieren, um die Abstimmung zwischen Discjockey, Fotografen, Models im Veranstaltungsraum, Models vor dem Raum und Models/Helfern im Raum auf der gegenüberliegenden Flurseite zu bewerkstelligen. Zeichensprache ist angesagt. Lippenlesen dazu. Es funktioniert.
Von ihm würde ich gern eine Show sehen, bei dem für die Vorbereitung mehr Zeit zur Verfügung steht, und den Fotografen wären bessere Umstände bei ihrer Arbeit zu wünschen (Platz, Entfernung, Lichtverhältnisse, etc.)
Der Applaus ist überaus freundlich, bei einigen Modellen auch begeistert. Nach einer guten Stunde endet die Show mit einem bunten Finale, bei dem sich auch die Schöpfer der Werke zeigen.

Ein gelungener, interessanter Abend in der AMD. Toller, professioneller  Auftritt auch der mir mittlerweile bekannten und ein bisschen ans Herz gewachsenen Nachwuchsmodels des Model Contests QUARREE GESICHTER 2013.
Im Garten hätte es wahrscheinlich noch mehr Atmosphäre gehabt, als in der von Neonröhren ausgeleuchteten, sehr nüchternen, vom Platz und der Aufteilung her unvorteilhaftem Räumlichkeit (Stützpfeiler im Sichtfeld), die leider nur zur Verfügung stand.
Schade, dass das Wetter eine Außenshow diesmal nicht zuließ.

22.45 Uhr. Auf dem Heimweg.
Im Dunkeln an der Alster laufen immer noch Heerscharen von sportlichen Menschen ihren Nachtlauf. Manche joggen locker und unangestrengt fröhlich plaudernd in Gruppen. Je weiter ich mich jedoch Richtung City und Binnenalster bewege, desto mehr erreichen mich schnaufende, erschöpfte Nachzügler. Es ist, als kämen einem Dampfloks in der Dunkelheit entgegen oder stampfende und schnaubende Rösser. Gespräche können sie nicht mehr führen. Das einzige Wort, dass ihnen vielleicht noch krächzend  über die Lippen kommt: „Wasser!“
Durchhalten! Das Ziel naht, ihr habt es fast geschafft!

Die Wasservögel schlafen schon. Sie sitzen auf den in Ufernähe im Wasser angelegten künstlichen Steinbänken oder –inseln und haben den Kopf ins Gefieder gesteckt.
Die Luft ist mild an diesem Abend, und es ist ein so wunderbarer Anblick, über die dunkle Außenalster auf die beleuchteten Gebäude der gegenüberliegenden Seite zu sehen, dass ich nicht zur U-Bahn am Stephansplatz abbiege, sondern noch weiter, nun auch entlang der Binnenalster, laufe. Ich passiere das Hotel Vier Jahreszeiten und allmählich setzt die Müdigkeit ein.

Blick über die Binnenalster am späten Abend des 15. Juni 2012

Blick über die Binnenalster am späten Abend des 15. Juni 2012

Hotel Vier Jahreszeiten - Hamburg

Ebenfalls schön anzusehen mit der abendlichen Beleuchtung: Hotel Vier Jahreszeiten – Hamburg

Meinem Chauffeuer winkte ich ab. Nein, danke, heute fahre ich U-Bahn … ;)

Und dann kam mein Chauffeur ... ;)

Und dann kam mein Chauffeur … ;)

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Epilog

Daheim. Ich stehe Haare bürstend vor dem Spiegel und komme mir schon ein wenig bieder vor in meinem schlichten Nachthemd. Nicht ganz bieder. Meins ist rot. Aus Satin. Bequem. Und ich lache bei der Vorstellung, dass ich in Hüfthöhe jetzt diese aufgesetzten Eistüten hätte und irgendwie wie ein Fakir auf meinem B(r)ett nächtigen müsste.
Ich glaube, ich bin doch recht konservativ. Ich stehe auf tragbar.
Sie wissen schon im welchem Sinne …

Oh doch, ein Blog lässt einem eindeutig mehr Freiheiten!

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Anmerkung:
Die Genehmigung zum Veröffentlichen der Rockentwürfe etc. (Werkstattraum) wurde eingeholt. Auf die Einstellung weiterer Fotos der Show habe ich verzichtet, da einerseits keine Gelegenheit war, von jedem Model das Einverständnis zur Veröffentlichung einzuholen und andererseits die Qualität der Fotos (Sichtbehinderung beim Fotografieren, schlechtes Licht) nicht ausreicht.

©Juni 2012 by Michèle Legrand

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Wieder auf Entdeckungstour: Teil 1: Hamburg – Wintersonne an der Binnenalster

Hamburg, Eis auf der Binnenalster, Jungfernstieg, Alsterschiffe am Anleger

Hamburg – Die Binnenalster am Jungfernstieg. Alsterschiffe im Resteis

Ich ließ es schon durchblicken: es ist Zeit, wieder auf Kennenlern- und Erkundungstour in Hamburg zu gehen! Wer schon Gast in meinem Blog war, weiß, dass ich in lockerer Folge über meine Heimatstadt berichte und gern Freiwillige auf einen Streifzug durch schöne und/oder interessante Ecken der Hansestadt mitnehme.
Im Dezember waren es – dem Wetter damals angemessen – Dinge, die drinnen zu finden sind. Am Mittwoch dieser Woche hingegen schien traumhaft die Sonne. Was war also naheliegender, als sich auf den Weg zur Alster zu machen. Vorgehabt hatte ich es bereits am letzten Wochenende. Die zugefrorene Außenalster war offiziell zum Betreten freigegeben, ein Ereignis, das nicht oft vorkommt. Nur leider kam mir zeitlich etwas dazwischen.
Ich wollte es am 15.02. nachholen, und ziemlich unbekümmert dachte ich mir: Nun kannst du das Eis wenigstens noch sehen, wenn auch nicht mehr überqueren. Die Behörden warnten und untersagten mittlerweile, dies zu tun.
Auf meinem Weg vom Hauptbahnhof zur Alster gab es schon viel zu entdecken, und so erwartet Sie jetzt ein Mehrteiler. Chronologisch geordnet wäre schön und sinnvoll gewesen, doch heute ist ein regnerischer, trüber Tag, und daher setze ich einfach die Sonnenfotos an den Anfang.

Teil 1: Hamburg – Rund um die (Binnen-)alster bei strahlend sonnigem Winterwetter
Teil 2: Gefiederte Hamburger und Quiddjes / Die Scherben an der Rathausschleuse
Teil 3: Entdeckt! Zwischen Hauptbahnhof und Binnenalster! Von Spinnen, Zyklopen und Nackten

Die Alster. Beginnen wir für Auswärtige mit der Information, dass es in Hamburgs City die Alster in Seeform gibt.
Superschön!
Die Quelle der Alster liegt in Schleswig-Holstein (Henstedt-Ulzburg), der breiter werdende Fluss nähert sich Hamburg von Norden und bildet hier schließlich die Außenalster (ca. 164 ha) sowie die Binnenalster (ca. 18 ha), bevor er später – durch Schleusen und Fleete geleitet –  in die Elbe mündet. Wem die Hektarangaben kein Bild von den Ausmaßen vor Augen produzieren, dem hilft eventuell dieser Vergleich:   Die Wasserfläche entspricht einer Größe von ca. 365 bzw. ca. 40 Fußballfeldern!
Die Trennung von Außen- und Binnenalster verläuft an der Lombardsbrücke bzw. der Kennedybrücke (die beiden Brücken liegen hintereinander).

Ich wollte gestern meinen Augen nicht trauen, als ich auf das Ufer der südlichen Außenalster stieß. Kaum zu glauben, aber das meiste Eis war schon wieder verschwunden! Sonntag eine 20cm dicke Eisschicht, die Hunderttausende trug, heute fröhlich vor sich hin plätscherndes Wasser in weiten Bereichen. Nun, ich habe glücklicherweise ein Foto von meiner Tochter bekommen, das am vorigen Freitag entstand. Ich bitte, den kleinen Unterschied zu beachten …

Hamburg, Außenalster am 10.02.2012, zugefroren, betretbar, im Hintergrund der "Fernsehturm"

Außenalster am 10.02.2012, zugefroren, betretbar, im Hintergrund der „Fernsehturm“

Hamburg: Außenalster am 15.02.2012 - Das Eis vom Wochenende ist fast verschwunden

Drei Tage nach dem Wochenende ist von dem Eis nicht mehr viel übrig …

Hamburg, Außenalster, Blick von der Kenndybrücke nach Norden, Resteis 15.02.2012

Blick auf die Außenalster (von der Kenndybrücke nach Norden)

Der Wind blies recht frisch um die Außenalster, so dass ich nach einer guten halben Stunde beschloss, mich mehr dem Bereich der Binnenalster zuzuwenden.

Hamburg, Hotel Atlantic, mit Granit-Skulptur von Max Bill im Vordergrund (Rhythmus im Raum)

Das bekannte Hotel Atlantic mit der Granit-Skulptur von Max Bill im Vordergrund

Auf dem Rückweg ein Blick auf das Hotel Atlantic. Im Vordergrund steht die Granit-Skulptur “Rhythmus im Raum“ von Max Bill. Über diesen Titel wurde oft diskutiert. Warum …? Wieso …? Oder auch: Nun, … irgendetwas wird er sich schon dabei gedacht haben …! Er hat (hauptsächlich) Formen entwickelt, die es so in der Natur nicht gibt.  Manche erinnert dieses Werk allerdings an einen Totenschädel.

Etwas später ein weiterer Blick von der Kennedybrücke in Richtung der Straße „Alsterufer“ und zum Ruderclub.

Hamburg, Blick von der Kennedybrücke Richtung Straße 'Alsterufer' mit Ruderclub

Blick von der Kennedybrücke auf die Außenalster. Richtung Straße „Alsterufer“ mit Ruderclub

Auch das gibt es. Auch in einer Stadt wie Hamburg ist es leider so, dass Obdachlose unter Brücken hausen müssen (Lombardsbrücke)

Hamburg, Obdachlose in ihren Zelten unter der Lombardsbrücke

Hamburg: Obdachlose in ihren Zelten unter der Lombardsbrücke …

Nimmt man den langen, schmalen Tunnel, der durch das Mauerwerk der Lombardsbrücke zur Binnenalsterseite führt, erwartet einen am Ende plötzlich ein sehr schönes Panorama.

Hamburg: Blick von der Lombardsbrücken-Seite über die Binnenalster Richtung Jungfernstieg

Blick von der Lombardsbrücken-Seite über die Binnenalster Richtung Jungfernstieg

Der Blick geht hinüber zum Jungfernstieg mit dem Anleger für die Boote der Alsterschifffahrt. Die Silhouette Hamburgs mit seinen markanten Kirchtürmen (St. Jacobi-Kirche, St. Petri, St. Katharinen (fast verdeckt), Rathaus, St. Nikolai-Turm) taucht auf, und die Sonne lässt alles blitzen und glänzen.

Hamburg. City. Binnenalster, Silhouette mit Kirchtürmen (St. Jacobi-Kirche, St. Petri, St. Katharinen (fast verdeckt), Rathaus, St. Nikolai-Turm)

Hamburg: Markante Kirchtürme der Hansestadt ->St. Jacobi-Kirche, St. Petri, St. Katharinen (fast verdeckt), Rathaus, St. Nikolai-Turm

Die Skulptur, die hier direkt am Ufer steht heißt Windsbraut und stammt von dem Hamburger Hans-Martin Ruwoldt, eigentlich bekannt als Tierbildhauer und Porträtist. Vielleicht braucht es deshalb hier einen zweiten und dritten Blick, um die Braut richtig zu erkennen und zu  würdigen. Als ich am Mittwoch dort war,  war es zufällig der Tag seines Geburtstags, der 15. Februar. Er wäre 121 Jahre geworden, starb allerdings schon 1969. Der Bildhauer lehrte zweitweilig an der Hochschule für bildende Künste Hamburg.

Hamburg Binnenalster Blick Richtung Jungfernstieg - Die Windsbraut von Hans-Martin Ruwoldt (1986)

Binnenalster: Blick Richtung Jungfernstieg – vorne die „Windsbraut“ von Hans-Martin Ruwoldt (1986)

Von ihm gibt es insgesamt ca. 10 Skulpturen (Tiere und Figuren) in Hamburg. Geparde und Panther sind ein bei ihm beliebtes Motiv, jedoch  auch Kraniche und weitere menschliche Figuren wie die Schreitende (bei den Grindel-Hochhäusern) und die Liegende (vor dem Bezirksamt Hamburg-Nord).

Bleibt man auf dieser Seite der Binnenalster, befindet man sich am „Neuen Jungfernstieg“, der Straße, in der auch das Hotel Vierjahreszeiten liegt. Am Ufer der Binnenalster dümpeln Einsschollen, doch so dünn, dass ich sie als ‚Scherben’ bezeichne.

Hamburg, Binnenalster. Neuer Jungfernstieg, Kaum Eisschollen, nur noch "Scherben" am 15.02.2012

Die Binnenalster am Neuen Jungfernstieg. Kaum Schollen, nur noch „Scherben“ am 15.02.2012

Auf einer wirklich noch etwas dickeren Scholle, die noch keine Sonne abbekommen hat, begegnen einem die übriggebliebenen Reste der letzten Tage  (wobei dieser Teil der Alster nie zum Betreten freigegeben war!).

Hamburg, Binnenalster am 15.02.2012, Die Überbleibsel auf dem Eis ...

Die Überbleibsel auf dem Eis …

Dort wo die Straße wieder auf den ‚richtigen’ Jungfernstieg trifft, stehen Menschen in der Mittagssonne und blinzeln auf das glitzernde Wasser. Die Mienen sind überaus freundlich. Es fehlt nur noch das Schnurren …

Hamburg, City, Jungfernstieg, Menschen genießen die Sonne

Am Jungfernstieg (Anleger) genießen die Menschen den Sonnenschein …

Natürlich ist es trotzdem noch kalt! Der frühere „Alsterpavillon“, der vor längerer Zeit umgebaut wurde und sich nun „Alex“ nennt, hat sämtliche Sommermöbel draußen – aber zusammengeschoben und die Schirme geschützt. Der hauseigene „Beachclub Georgia“ ist noch „closed“.

Hamburg, Jungfernstieg, das ALEX - Das Außenmobiliar ist noch eingepackt

Jungfernstieg und das ALEX – alles noch eingewickelt …

Hamburg, Jungfernstieg. Der hauseigene Beachclub des ALEX - "Georgia" ist noch geschlossen

Beachclub „Georgia“ beim ALEX – CLOSED wegen Winterfrische

Die Alsterdampfer nehmen sicher bald wieder die Fahrt auf. Hier liegen sie allerdings zwischen eiskalten „Scherben“. Im Hintergrund am Ballindamm ist das Gebäude von Hapag Llyod zu erkennen.

Hamburg, Jungfernstieg, Anleger der Alsterschiffe, Blick auf das Hapag LLoyd Haus

Alsterdampfer auf der Binnenalster am Jungfernstieg, rechts zu sehen das Gebäude von Hapag Lloyd (dunklere Flaggen)

Ich habe mich stundenlang in der sonnigen Kälte herumgetrieben. Dies war ein kleiner Eindruck rund ums Wasser. Im nächsten Teil  geht es Richtung Alsterarkaden und Schleuse. Eine Szene erinnerte mich an die Niagara-Fälle …, und wir widmen uns kurz dem Thema, was  hier in der City auf welche Art „gehäckselt“ wird ;).

-> Teil 2: Gefiederte Hamburger und Quiddjes / Die Scherben an der Rathausschleuse -> Folgt kurzfristig!

©Februar 2012 by Michèle Legrand

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Brunch(upper) in der Mellingburger Schleuse

Mellingburger Schleuse Eingang
Ich folgte gestern einer Einladung aus der Verwandtschaft und fuhr ins nördliche Hamburg, nach Lemsahl-Mellingstedt, um an einer Geburtstagsfeier teilzunehmen.
Kommt um 11 Uhr, es gibt Brunch.
So hatte es in der Einladung gestanden. Graupelschauer am Sonntagmorgen waren zwar nicht das ideale Wetter zum 75. Geburtstag einer netten Tante, doch ansonsten stand einem schönen Tag überhaupt nichts im Wege. Auf der Fahrt wanderten die Gedanken …
Brunch. Das ist doch dieses Kombifuttern. Frühstück und Mittag. Breakfast and Lunch in einem. Wie lange mag das gehen? Bis 14.00 Uhr vielleicht? Na, sagen wir bis 14.30 Uhr, eine Tasse Kaffee am Ende mit eingerechnet …
Wir würden eine große Runde sein. Etwa 30 Personen, die sich zum Teil nicht weiter kennen, denn die Jubilarin ist eine relativ spät angeheiratete und inzwischen leider verwitwete Tante, deren eigene Verwandtschaft ich sehr selten treffe und daher nur flüchtig kenne. Doch sie erzählt häufig von ihren Nichten, Großnichten und Patenkindern. Namentlich und auch geschichtlich bin ich somit voll im Bilde, ich muss es nur schaffen, die Namen gleich den richtigen Personen zuzuordnen. Mal schauen, ob es klappt.
Einige geladene Gäste sah ich das letzte Mal vor fünf Jahren, anlässlich des 70. Geburtstages. Es werden auch Kinder darunter sein, und bei denen wird es schwieriger, denn ihre Entwicklung und äußerliche Veränderung vollzieht sich immer besonders rasant und gravierend.

Mellingburger Schleuse Eingang, linker Flügel

Mellingburger Schleuse, linker Flügel

Es geht zur Mellingburger Schleuse am Alster-Wanderweg. Heute trägt diesen Namen ein daneben gelegenes Hotel-Restaurant. Das ursprüngliche Gebäude am Wasser entstand bereits 1717 und war ein Gasthaus für Treidelschiffer. Als Treidelschiffe wiederum bezeichnete man Boote, die stromaufwärts gezogen wurden, während sie stromabwärts meist von Wind und Strömung getrieben wurden. In den letzten 45 oder mehr Jahren, wurde viel an dem alten reetgedeckten Haus um- und angebaut, und so entstand ein ziemlich komfortables Hotel-Restaurant, das in einer Senke im Naturschutzgebiet liegt und im Sommer einen herrlichen Platz auf der Garten-Terrasse mit Blick auf die Alster bietet.

Heute hingegen kann man froh sein, dass einen keiner auf diese Terrasse schickt! Es ist trüb, kalt, grau, nass. Trotz allem hat die Gegend auch im Winter etwas Anziehendes. Der Flusslauf, ansteigend das Gelände, der Wanderweg am Wasser, viel Laubbaumbestand, die Reste der alten Schleuse, eine Art Rutsche für die Kanus, die im Sommer hier zu Wasser gelassen oder wieder herausgezogen werden. Idyllisch. Und es rauscht. Laut. Das Wasser bildet an der Schleuse einen kleinen Wasserfall und brodelt beim Herunterrauschen. Schon bei der Ankunft am Restaurant kann man es hören.

Es stellt sich ziemlich schnell heraus, dass mein Zeitplan wohl nicht hinkommen wird. Ehe alle eingetroffen sind, ist es bereits halb zwölf, und offenbar ist auch erst ab 12 Uhr überhaupt Brunch geplant. Ich wollte morgens aufgrund der Brunch-Einladung nur Tee trinken und nicht frühstücken, doch mein werter Gatte riet mir zu fester Nahrung.
„Wer weiß, wann wir was kriegen …“
Recht hat er gehabt, und ich bin froh, dass ich nicht mit völlig leerem Magen aus dem Haus ging.
Dann allerdings steht große Auswahl zur Verfügung, und es sieht sehr appetitlich aus.

Hotel-Restaurant Mellingburger Schleuse, Foyer, Eingangshalle

Eingangshalle/Foyer

Nach den Gesprächen der letzten Stunde im weitläufigen Empfangsbereich des Hotels, weiß ich, dass wir heute hier die Altersstufe 4-86 Jahre repräsentieren. Während das Buffet freigegeben wird, bleiben der Jüngste und die Älteste sitzen. Die Älteste, weil sie nicht ganz so sicher auf den Beinen ist und sich das Essen an den Platz bringen lässt, der Jüngste, weil er dringend weiter mit seinen Ritterfiguren spielen muss. Er nickt nur auf die Frage, ob auch er die Klare Suppe mit Eistich haben möchte. Ansonsten ist er schwer beschäftigt: sein einer Ritter schmeißt gerade den anderen vom Pferd.
Die Suppe kommt, er vernachlässigt seine Figuren für einen Moment und beginnt mit skeptischem Blick zu löffeln. Argwöhnisch schiebt er ihm verdächtigen Inhalt in der Suppenschüssel von links nach rechts und zurück.
„Mama, … was sind das für Stöpsel?“
Was er als Stöpsel bezeichnet, entpuppt sich als Spargelstückchen. Er sagt, er möchte die Stöpsel lieber aussortieren …
Dadurch ausgelöst entsteht ein Gespräch darüber, dass man manche Dinge eben nicht mag. Die umsitzenden Erwachsenen beteiligen sich rege am Austausch von Beispielen:
„Rosenkohl!“
„Schwarzsauer!“ (Anm. Gericht aus Blut)
„Rosinen!“
„Leber!“
„Warme Milch!“
„Rohe Zwiebeln!“
Nach fünf Minuten wurde das Thema einvernehmlich beendet. Grund: wir waren alle noch beim Essen und mittlerweile wurden Lebensmittel erwähnt, die am Buffet auch bereitstanden. Es sollte doch keinem der Appetit verdorben werden durch ein voller Abscheu herausgeschleudertes:
„Blutiges Roastbeef!“
Beliebte Gesprächsthemen unter den Älteren: Medikamentenvergleiche, Arztreporte, kleinere und größere gesundheitliche Wehwehchen und – quasi zur Erholung davon – Urlaub. Vom Urlaub war der Schwenk zur Kreuzfahrt nicht weit, und sofort stieg die Zahl der Gesprächsteilnehmer. Die nächsten 15 Minuten wurde über den Kapitän der havarierten Costa Concordia vor der toskanischen Küste diskutiert. Ich glaube, Capitano Schettino kann froh sein, dass er nicht zum Brunch eingeladen war …
Die Zeit verging schnell. Als ich das nächste Mal auf die Uhr sah, war es halb drei. Das Buffet bot weiterhin Reste, doch nun trug man zusätzlich den bisher ausstehenden Nachtisch auf.
Der Vierjährige hatte bis jetzt erstaunlich friedlich durchgehalten. Es waren noch vier weitere Kinder und Jugendliche im Alter von 8-16 Jahren anwesend, die sich gelegentlich zusammenschlossen und ganz vergnügt wirkten. Ich habe eine kleine Unterhaltung mit einer sehr hübschen jungen Dame, einem 16-jährigen Teenager. Beinahe hätte ich sie nicht wiedererkannt. Beim letzten Mal war sie 11 Jahre alt gewesen. Was für ein Unterschied! Eines der Mädchen schleppte damals einen Teddybären fest an sich gedrückt mit sich herum und hatte verkündet, er litte unter Halsschmerzen. Diesmal dreht sich alles um das Thema Pferde, Reiten und Schule. Beim nächsten Mal (in fünf Jahren?), bringt sie vielleicht ihren Freund mit und erzählt von Ausbildung/Studium oder Beruf.
Danach sitze ich bei einer Mittsechzigerin. Sie ist gebürtige Österreicherin und eine Freundin der Tante, die heute hier feiert. Wir landen beim Thema Container-Terminal im Hamburger Hafen. DAS typische Frauenthema … Ich mag solche Frauen.
Ein männlicher Gast spricht mit mir über Höhenangst und die Zubereitung der perfekten Bratkartoffeln, die Älteste der Runde will meinen Verwandtschaftsgrad zur Jubilarin näher erläutert haben. Angefangen hatte es harmlos. Wir hatten uns zusammengesetzt und sie fragte:
„Und wie gehören Sie hier dazu? Sind Sie die aus Flensburg?“
„Nein, ich komme aus Hamburg …“
„Hamburg, dann sind Sie sicher eine der Nichten?“
„Nein, ich bin im Grunde gar nicht richtig verwandt.“ Und dann wollte sie natürlich genauer wissen, wie es sich verhält.
„Mein Mann ist der Neffe des verstorbenen Mannes unseres Geburtstagskindes. Also ist sie als zweite Frau des Onkels im Grunde seine Stieftante. Ich als Frau des Stiefneffen bin höchstwahrscheinlich gar nichts – außer freundschaftlich verbunden. Es gibt doch keine Schwiegerstieftante, oder?“
Wir grübeln ein bisschen. Die Gäste sitzen in bunt gemischter Reihe nebeneinander. Sie weist auf den Mann links von mir.
„Und das ist Ihr Mann?“
„Nein, der Herr ist aus Flensburg! Der Ehemann einer der Nichten …“
„Ach, der ist aus Flensburg? Ich dachte, das sei der aus Eutin …?“
Sie scheint verdutzt. Obwohl das Thema Verwandtschaftsgrad-/beziehung sehr ergiebig ist, ist es plötzlich ausgereizt, und wir widmen uns wieder dem Essen.
Es geht abwechslungsreich und locker zu, was überaus anregend und interessant ist. Die Sitznachbarn wechseln gelegentlich, wenn durch abwesende Raucher etwas frei wird. Neue Themen sind der schlechte Handy-Empfang in der Mellingburger Schleuse, der Zustand der Autobahnen und das Musical Sister Act.
Ich habe gerade nicht ganz verstanden, was mir jemand über die Atomuhr und Cäsium und Synchronisation erzählte, aber – hey – nobody is perfect!

Um halb vier war ich so weit, dass ich in einer Graupelschauerpause doch gern einmal an die frische Luft wollte. Es klappte, daher gibt es nachstehend sogar ein bisschen Fotomaterial von der Mellingburger Schleuse. Auf dem Wanderweg war ein Hundebesitzer mit seinem schwarzen Wirbelwind unterwegs. Das Tier ging bei diesen Temperaturen höchst freudig ins Alsterwasser, um Stöckchen herauszuholen! Mehrfach!

Mellingburger Schleuse (Alsterlauf bei Lemsahl-Mellingstedt)

Mellingburger Schleuse (Alsterlauf bei Lemsahl-Mellingstedt)

Bei der Rückkehr, empfingen mich am Eingang zum Restaurant zwei bibbernde Gäste. Süchtige. Raucher. Mir fiel ein, was ich bei @DBaezol (Twitter) gelesen hatte:
Raucher sterben nicht an Lungenkrebs sondern an Unterkühlung …

Drinnen hat der Vierjährige gerade damit begonnen, die Namenskärtchen von der Tafel zu entfernen. Er sammelt sie und verteilt sie – nach gründlichem Mischen – neu. Ich heiße jetzt Holger.
Nach einer Weile entwendet er sie erneut, richtet damit eine lange Reihe auf einem separaten Tisch an und beginnt zu zählen:
„Eins, zwei …, drei, vier …, Pause…, fünf ….“
Eine Dame fragt ihn: „Na, wie weit kannst du denn schon zählen?“
Er dreht sich zu ihr und erwidert ernsthaft: „Bis zum Himmel.“

16 Uhr und noch immer kein Ende. Jetzt gibt es neue Tassen, und auf einmal wird Kuchen aufgetragen. Käsesahnetorte, Sachertorte, Apfelkuchen, Butterkuchen. Der Ober meint es besonders gut und gibt mir ein extragroßes Stück. Ich kämpfe damit bis halb fünf und auf einmal startet – ganz plötzlich – allgemeines Aufbrechen. Jeder hat offensichtlich nur auf den Ersten gewartet. Innerhalb von wenigen Minuten ist der Raum leer, insgesamt Hunderte von Händen haben sich geschüttelt, zwischen 90 und 180 Luft- und/oder Feuchtküsse wurden vergeben, es wurde sich geherzt, bedankt – und dann ist Schluss.
Fast sechs Stunden gemeinsam beim Brunch. Das ist kein Brunch, das ist Longbrunch! Oder Brunchtea. Nein, nach dem Kuchen holte sich der ein oder andere noch deftige Buffetreste als Frühabendbrot. Es war Brunchupper. Brunch plus Supper.

Würde ich es empfehlen? Brunch für eine Feier?
Ja!
So locker kann wirklich jeder mit jedem reden und sitzt nicht festgenagelt nur auf einem Platz.
Würde ich die Mellingburger Schleuse empfehlen? Für eine Feier, Zusammenkunft? Die Location, die Atmosphäre, den Service (das Personal), das Anrichten, die Umgebung?
Ja!
Für das Essen selbst (auf Brunch bezogen), würde ich lieber etwas anderes auswählen …

* * *

Mellingburger Schleuse, Wasserseite, Weg hinten zur Gartenterrasse

Die zum Wasser gelegene Seite des Restaurants mit dem Außenweg, der zur Gartenterrasse führt.

Mellingburger Schleuse - Blick von der Schleuse zum Restaurant

Blick von der Schleuse zum Restaurant (Gartenterrasse)

Mehr über die „Mellingburger Schleuse“:
Die Inneneinrichtung ist stilvoll-gediegen. Altes Mobiliar, lederbezogene Sitzmöbel und auch Polsterstühle in der geräumigen Empfangshalle, trotz relativ niedriger Decken sehr hell und freundlich. Es gibt einige Nebenräume für geschlossene Gesellschaften oder andere Veranstaltungen, die sehr gemütlich wirken.
In einem Flügel sind vorwiegend die Hotelzimmer (Hotel Dependance steht am Gebäude) untergebracht. In einem anderen Part fühlt der Gast sich in der Zeit zurückversetzt. Es gibt noch uralten Pflasterboden, eine Sattel-, Futter- und eine Räucherkammer.

Mellingburger Schleuse, Flügel mit Sattelkammer etc.

Flügel mit Sattelkammer, Futterkammer, altem Inventar … Das „Frohe Weihnachten“ Schild hängt auch am 21. Januar noch dort.

Mellingburger Schleuse, Flügel mit Futterkammer, Sattelkammer und altem Inventar

… dort befinden sich auch die Futter- und Sattelkammer nebst altem Inventar.

Mellingburger Schleuse, Flügel mit altem Inventar, Mangel

Eine alte Mangel steht ebenfalls dort …

Am Beginn des Gebäudekomplexes befindet sich die historische, restaurierte (Fest-)Scheune, in der ebenfalls Gruppen von 50-250 Personen feiern können.

Mellingburger Schleuse, historische (Fest-)Scheune (restauriert)

Die restaurierte Scheune …(auch noch mit Weihnachtsschmuck an der Wand ;)

Ausreichend Parkplätze stehen zur Verfügung.
Weiterführender Link:
http://www.mellingburgerschleuse.de/site/index.php

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©Januar 2012 by Michèle Legrand

Hinweis und Update Mai 2016!

Die Mellingburger Schleuse wurde 2014 geschlossen. Das Restaurant eröffnet nun aber nach Umbau unter neuer Führung und neuer Küche im Mai 2016 wieder seine Pforten! Es lohnt sich sicher, dort einmal vorbeizuschauen …!

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Hamburg. Alster. Kühl! Und doch: Bootsfahrt im November …!

Michèle Legrand auf WordPressDas Boot nähert sich unauffällig der Gruppe.
„So, Freunde, es geht los! Alle einsteigen bitte …“
Der Herr scheint allen Ernstes behaupten zu wollen, eine Fahrt im offenen Boot über
die Alster wäre jetzt im November bei knapp 3° Celsius eine klasse Sache! Die Angesprochenen sehen das offenbar auch anders, und dementsprechend fällt ihre Reaktion aus.
Einer dreht sich weg und schaut in die entgegengesetzte Richtung.
Ein weiterer gibt vor, nichts gehört zu haben.
Ein sehr elegant wirkendes Wesen ergreift geradezu panisch die Flucht.

Der eigentlich harmlos wirkende Kapitän möchte sich damit nicht abfinden und schnappt sich einfach den
ersten Fahrgast! Das Festhalten entpuppt sich als schwierig, denn es wird heftig protestiert und kraftvoll herumgefuchtelt. Nach kurzem Nahkampf landet der Gast in Weiß im Boot und schaut etwas schnippisch und ungnädig zur Seite.
Diese Szene wiederholt sich mehrfach, und sie wird nicht einfacher! Der Bootsführer erhält mittlerweile die Unterstützung der Wasserschutzpolizei. Die unwilligen Mitfahrer werden eingekreist und Richtung Schleuse
am Rathaus getrieben.
Haben sie etwas verbrochen?
Gerade wieder wird ein fauchendes Etwas gegen seinen Willen über die Bordkante gehoben und landet auf dem
mit Stroh ausgelegten Boden des blauen Bootes. Empörtes Getuschel mit dem bereits dort sitzenden Nachbarn.
Geht es um den Komfort?
Zu guter Letzt ist der Bootsrumpf gefüllt mit neugierig umherschauenden Herrschaften in Weiß, die sich jetzt damit abgefunden zu haben scheinen, dass ihnen eine kleine, schon leicht winterliche Alstertour bevorsteht.

Apropos Winter …

Langsam müssten die Schwäne doch wissen, dass es jedes Jahr so abläuft!
Schwanenvater Olaf Nieß sammelt sie immer um diese Zeit ein, um sie zum künstlich eisfrei gehaltenen Mühlenteich in Eppendorf zu bringen, ihrem Winterquartier.  Dort werden sie auch gefüttert.
Geht man davon aus, dass ein Höckerschwan etwa 16-20 Jahre alt werden kann, so dürften einige diese Um-
quartieraktion schon mehrfach mitgemacht haben. Nur weiß ja keiner so ganz genau, wie gut das Gedächtnis eines Schwanes funktioniert …
Ich war einmal zufällig vor Ort, als es hieß: Alle an Bord!
Es wirkt durchaus komisch, wenn einige der Vögel versuchen, noch schnell auszubüxen, es erregt aber auch Mitgefühl. Für die Schwäne, weil die schöne Binnenalster doch so ungern verlassen wird und zudem die Aufregung anfangs groß ist – jedoch auch für Schwanenvater Nieß und sein Team, da sie ziemliches Durchhaltevermögen zeigen müssen! Mit sich wehrenden Schwänen ist sicher nicht zu spaßen! Um diese Zeit verteidigen sie allerdings keine Jungen und mit der Erfahrung, die dem Team vorliegt, hat der Transport  bisher jedes Mal – früher oder später – geklappt.
Es soll sogar den ein oder anderen Schwan geben, der den Weg nach Eppendorf kennt und schon selbst dorthin schwimmt. Mir scheint, sie haben doch ein Gedächtnis … ;)

Heute ist es wieder soweit. Ich las vorhin die kleine Ankündigung in der Zeitung:

  ….. „120 Schwäne machen sich auf ihren Weg ins Winterquartier.“

Und Olaf Nieß wird sich am Ende wieder einmal leicht geschafft den Schweiß von der Stirn wischen …
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Schwäne auf der Kleinen Alster, Hamburg

Offizielle Bilder  dazu (2011) gibt es hier:

http://www.mopo.de/nachrichten,5067140,11182214.html

©November 2011 by Michèle Legrand

Nachtrag im November 2012:
In diesem Jahr wurden die Schwäne am 20. November wieder in Richtung Winterquartier gefahren. Wer Facebook nutzt, findet bei Malte Klauck auf seiner Seite „Hamburg Fotografiert“ schöne Aufnahmen vom heutigen Tag.  Der folgende Link führt dorthin:

https://www.facebook.com/photo.php?fbid=369434206482247&set=a.287920967966905.67513.287674981324837&type=1&theater

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