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Alte Bekannte, Menschenfresserzeugs und Heimatgefühle: Das Tropenschauhaus von Planten und Blomen

Es gibt Menschen, einige sogar, die zieht es immer wieder in ihre Stammkneipe. Sie biegen nach Feierabend noch schnell in die bewusste Nebengasse und schieben einen kurzen Besuch ein. Zur Entspannung, zum Abschalten. Dort fühlen sie sich wohl, dort kennen sie sich aus, alles ist vertraut. Trotzdem ist der Ort auch immer wieder gut für Überraschungen. Man erfährt dabei Neues! Oder stößt auf Bekannte.
Es gibt Fälle, da steigen Lebewesen, obwohl sie eigentlich durchfahren und mit der Bahn direkt nach Hause wollten, plötzlich an einer früheren Station aus. Sie legen spontan einen Zwischenhalt ein, um solch eine angenehm vertraute Stelle anzusteuern. Nur muss es nicht zwangsläufig ein Stammlokal sein! Es braucht lediglich eine Stätte, welche all die genannten Merkmale aufweist und die gleiche Funktion erfüllt.
Vertraut, heimelig, anziehend – genau mein oder Ihr Ding.

Bei mir ist das Tropenschauhaus von Planten un Blomen quasi die Ersatzkneipe und ein Ort mit erstaunlicher Anziehungskraft. Zog es mich vergangenen Wochenende doch tatsächlich am Dammtor-Bahnhof aus dem Zug! Dort oder über den Ausgang des U-Bahnhofs Stephansplatz kommen Sie schnell und ohne weitere Umwege in die Parkanlage, in der sich die Gewächshäuser befinden.
Im Zug konnte ich förmlich spüren, wie jemand kurz vor dem Halt am Dammtor an meinem Hosenbein zerrte und dabei sirenengleich säuselte: Komm! Komm mit! Du willst es doch auch!
Widerstand zwecklos. Ja, selbstverständlich wollte ich und war in Sekundenschnelle überzeugt! Der Zug präsentierte sich kalt und muffig. Ich wollte da raus, mich entlüften, allerdings auch wieder warm werden. Ich wünschte mirm die Beine zu vertreten, ich war süchtig nach Entspannung, ich brauchte Vertrautes. Einen Ort wie eine Stammkneipe. Eine für Nichttrinker.

Bahnhof Hamburg-Dammtor vom Congress Center (CCH) aus gesehen - November 2013

Bahnhof Hamburg-Dammtor vom Congress Center (CCH) aus gesehen – November 2013

Möchten Sie virtuell mitkommen? Es ist überhaupt nicht weit. Ich wollte Ihnen diesmal im Tropenschauhaus ein Gewächs mit einem merkwürdigen Namen und einem interessanten Hintergrund zeigen und auch Dinge, die Sie vielleicht – allerdings etwas anders ausschauend – von zwei vorherigen Besuchen erinnern.
Der kurze Weg vom Bahnhof führt am Congress Center Hamburg (CCH) und dem direkt daneben errichteten Hotel Radisson Blu entlang. Eine Fußgängerbrücke leitet Sie vom Bahnhofsvorplatz hinüber zum Park. Die Sumpfzypressen, von denen ich im Oktober unter anderem sprach (siehe auch rechts auf der Startseite des Blogs die Extrakategorie Planten un Blomen im Gartenbereich für sämtliche Artikel und Fotos), sind inzwischen ziemlich braun, doch haben sie ihre Nadeln bisher nicht abgeworfen.

Planten un Blomen - November 2013 - Sumpfzypressen (Taxodium distichum) mit inzwischen braunen Nadeln ...

Planten un Blomen – November 2013 – Sumpfzypressen (Taxodium distichum) mit inzwischen braunen Nadeln …

Von dort aus ist es nur noch ein kleines Stück Weg bis zum Tropenschauhaus.

Planten un Blomen - November 2013 - Vom Dammtor und CCH kein weiter Weg zum Tropenschauhaus ...

Planten un Blomen – November 2013 – Vom Dammtor und CCH kein weiter Weg zum Tropenschauhaus …

Immer wenn ich dort die Tür öffne und eintrete, habe ich einen ganz bestimmten Geruch in der Nase. Im Grunde habe ich ihn schon kurz vorher irgendwo – als Erinnerung. Er ist gar nicht so spezifisch, denn die eigentlichen Abteilungen des Gewächshauses beginnen erst hinter den nächsten Türen, es ist also im Eingangsbereich noch kein Regenwald- oder Tropenfeeling. Dort kommt jedoch Verschiedenes zusammen. Ich glaube, mit einer Augenbinde dort hingeführt, wüsste ich nach kurzer Zeit, wo ich mich befinde.
Viele blinde Menschen besuchen diesen Blog, sie können sehr gut nachempfinden, wenn ich jetzt sage, wie es sich anfühlt.
In den Minuten, in denen Sie – am besten  mittig – im Eingangsbereich stehen, öffnen und schließen sich im Wechsel die Tür nach draußen, die Glaseingangstür zum warmen Tropenhausteil und die Ausgangstür vom Sukkulentenhaus. In der Luft, die von draußen eindringt, schwingt immer irgendein Rest Pflanzenaroma mit, und gelegentlich dringt Vogelgeschrei mit hinein. Besonders jetzt im Herbst, wenn sich die relativ lauten Möwen unterhalb der Mittelmeerterrassen im Wallgraben breit gemacht haben. Ansonsten ist mehr menschliches Gemurmel zu vernehmen.
Öffnen Besucher die Tropenhaustür, dringt ein kleiner Schwall feuchte Luft und Wärme ins Foyer. Ein bisschen Regenwaldklima schleicht sich jedes Mal mit hinaus, dazu gesellt sich der leicht modrige Geruch der Erde. Doch sobald ein Besucher den Sukkulentenbereich des Schauhauses, der wesentlich kühler ist und trockene Luft besitzt, verlässt, dann geht, nachdem sich diese Glastür geöffnet hat, mit kurzer Verzögerung ein ganz leichtes Frösteln über ihre Haut.
Und manchmal, während Sie dort stehen und herauszufinden versuchen, wo Sie sind, sagt jemand belustigt: Oh, guck mal! Der Fisch!  Das ist dann höchst verräterisch! Es gibt nämlich Wandaquarien im Vorraum, und einer der schwimmenden Bewohner hat es wirklich drauf: Er hängt sich gern mit weit geöffnetem Maul platt an die Frontscheibe und starrt Besucher an.
Doch ich wollte ja hinein mit Ihnen und nicht nur mit Augenbinde im Vorraum verweilen …

Im Moment ist gleich beim Eintreten rechts ein eigentlich bekannt aussehendes Gewächs mit einem allerdings sehr merkwürdigen Namen zu finden. Die Menschenfressertomate!

Planten un Blomen - November 2013 - Tropenschauhaus - Menschenfressertomate (Solanum viride)

Planten un Blomen – November 2013 – Tropenschauhaus – Menschenfressertomate (Solanum viride) – Wirkt recht harmlos …

Denken Sie auch immer erst so einfach gestrickt wie ich? Aha, eine Tomate, die Menschenfresser frisst … Und wundern sich dann, was die angeblich so kann?
Willkommen im Club!
Sie kann es nicht! Es ist im Grunde nur ein Wort wie z. B. Berufskillercroissant. In dem Fall jedoch würden Sie wahrscheinlich nicht annehmen, das Croissant könnte Berufskiller killen, sondern Ihr Gehirn würde richtig erkennen:
Aha, ein Croissant, welches vermutlich besonders gern von Berufkillern verzehrt wird.
Und so ist das mit dieser Tomate, der Solanum viride, ebenfalls. Es gibt auch einen guten Grund, warum die Kannibalen der Fidschi-Inseln sie lieben. Menschenfresser haben es offenbar gar nicht so leicht beim Verzehr von Artgenossen. Sie kennen mit Sicherheit den Ausdruck: Du, das liegt mir jetzt aber schwer im Magen! Bei uns ist es im übertragenen Sinn gemeint, nur die Kannibalen haben tatsächlich ein Problem mit der nur gemächlich voranschreitenden Verdauung von Menschenfleisch, die etwa zwei bis drei Tage benötigt, egal wie sympathisch oder fies der Verzehrte war. Fleisch ist Fleisch bzw. Bokola ist Bokola. Es liegt schwer wie Blei und sorgt selbst bei ansonsten eher Hartgesottenen für einen verdorbenen Magen. Sagen wir lieber sorgte, denn offiziell gibt es keinen Kannibalismus mehr.
Etwas Abhilfe schaffte bei dieser unbeliebten Situation die leicht bittere, verdauungsfördernde Menschenfressertomate, die auch zu einer Tomatensoße verarbeitet wurde. Die Blätter der Pflanzen wiederum wurden häufig wie bei einer Kohlroulade genutzt: Man wickelte sie um das Fleisch, das dann auf heißen Steinen gebacken wurde.
Sven Bernhard vom Tropenschauhaus in Planten un Blomen hat Informationen dazu auf einer Schautafel hinterlassen. Etwas seriöser als ich, mehr fachsprachliche Ausdrücke als Worte wie Berufskillercroissants, Kohlrouladen etc. ^^ Er geht dort noch auf drei weitere Pflanzen ein, deren Blätter ebenfalls auf diese Art bei der Fleischzubereitung verwendet wurden.
Wer heutzutage schwer Verdauliches isst, schwört häufig auf Magenbitter (Kräutertrank) oder hat sonst irgendwelche Tricks auf Lager, die das Wohlbefinden danach wiederherstellen sollen. Vielleicht sollten Sie die wirkungsvolle Tomate anbauen. Ihre Wirkstoffe helfen sicher auch bei anderen Gerichten. Eisbein etc. Sie müssen jetzt deshalb nicht mit Bokola anfangen …

Diese schöne Pflanze, ein afrikanischer Losbaum, blüht auch im November:

Planten un Blomen - November 2013 - Tropenschauhaus - Blüht momentan: Der afrikanische Losbaum (Clerodendrum splendens)

Planten un Blomen – November 2013 – Tropenschauhaus – Blüht momentan: Der afrikanische Losbaum (Clerodendrum splendens)

Ein Stückchen weiter gelangen Sie an den Platz der Titanenwurz, die Ende Juli blühte und hier im Blog einen eigenen Artikel erhielt.
Damals sah sie so aus:

Planten un Blomen - Titanenwurz (Amorphophallus Titanum) in Blüte am 20.07.2013

Planten un Blomen – Titanenwurz (Amorphophallus Titanum) in Blüte am 20.07.2013

Der Blütenkelch verwelkte und der gesamte Rest – ich nenne es einmal salopp  – vergammelte mehr oder weniger, jedenfalls blieb danach oberirdisch nicht viel übrig. Manchmal stirbt die Pflanze danach sogar ab. Nicht generell, doch einige Knollen überleben den Kraftakt zuvor nicht. Wenn die Knolle sich allerdings erholt, treibt die Titanenwurz ein Blatt.  So las ich es damals und stellte mir daher wirklich einen langen Trieb mit mehr oder weniger einem großen Blatt vor. Nichts da! Wollen Sie einmal schauen, wie sie im Moment aussieht?

Planten un Blomen - November 2013 - Tropenschauhaus - Titanenwurz (Amorphophallus titanum)

Planten un Blomen – November 2013 – Tropenschauhaus – Titanenwurz (Amorphophallus titanum)

Ein völlig anderer Eindruck, nicht wahr? Spannend, ob sie nun innerhalb von etwa 12-20 Monaten eine weitere (neue, etwa doppelt so schwere) Knolle ausbildet, die nach einer Ruhepause entweder auch ein Blatt treibt oder aber einen erneuten Blütenansatz zeigt und daraufhin ihren gewaltigen Kelch eines Nachts öffnet. Man wird sehen …
Eine Dame traf ich dort, die auch das zarte Grün betrachtete. Irgendwie kam mir ihr Gesicht bekannt vor. Es stellte sich heraus, dass sie auch zur Blüte in der Julinacht gekommen war. Eine alte Bekannte gewissermaßen, mit der man prima fachsimpeln und auch in Erinnerungen schwelgen konnte.

Kommen Sie doch noch ganz kurz mit in den Sukkulentenbereich, denn ich möchte Sie fragen, ob Ihnen das etwas trockene Gestrüpp, das hinten an der Wand lehnt, irgendwie bekannt vorkommt.

Planten un Blomen - November 2013 - Tropenschauhaus - Sukkulentenbereich mit der abgetrockneten Agave weberi J. F. Cels ex. J. Poiss aus dem Vorjahr

Planten un Blomen – November 2013 – Tropenschauhaus – Sukkulentenbereich mit der abgetrockneten Agave weberi J. F. Cels ex. J. Poiss aus dem Vorjahr

Nicht? Ich gehe ein bisschen näher heran …

Planten un Blomen - November 2013 - Tropenschauhaus - Sukkulentenbereich- ... und Agave weberi J. F. Cels ex. J. Poiss aus der Nähe gesehen

Planten un Blomen – November 2013 – Tropenschauhaus – Sukkulentenbereich- … und Agave weberi J. F. Cels ex. J. Poiss aus der Nähe gesehen

2012 blühte im Herbst hier in diesem Teil der Gewächshäuser eine Agave weberi und ragte dabei meterhoch aus dem Schauhaus hinaus. Ein Fenster wurde damals dafür extra entfernt, weil die vorhandene Höhe drinnen bei Weitem nicht ausreichte. Als sie abgeblüht war, wurde der lange Blütenstiel nicht weggeworfen, kompostiert! Oh, nein! Der ist wirklich selten und besonders! Als ich im Juli hier war, lag er aufbewahrt – besser gesagt: aufgebahrt –  hinter den Kakteen.

Planten un Blomen - Tropenschauhaus - Sukkulentenbereich mit den Resten Agave weberi J. F. Cels ex. J. Poiss aus dem Vorjahr - Juli 2013

Planten un Blomen – Tropenschauhaus – Sukkulentenbereich mit den Resten Agave weberi J. F. Cels ex. J. Poiss aus dem Vorjahr – Juli 2013 – „Aufgebahrt …“

Nun steht er und erinnert dadurch besonders an die Zeit, als es so aussah:

Planten un Blomen - Agave weberi blühend und aus dem Gewächshaus wachsend im September 2012

Planten un Blomen – Agave weberi blühend und aus dem Gewächshaus wachsend im September 2012

Die nächsten zwei Pflanzenarten sind ebenfalls gerade am blühen. Die gelben Blüten auf dem ersten Foto erinnern auf Anhieb an Mohn, auch die Samenkapseln. Aber so pieksig? Doch, es gibt auch eine stachelige Variante der Mohngewächse (Papaveraceae)! Den mexikanischen Stachelmohn (Argemone mexicana):

Planten un Blomen - November 2013 - Tropenschauhaus - Sukkulentenbereich - Mexikanischer Stachelmohn (Argemone mexicana)

Planten un Blomen – November 2013 – Tropenschauhaus – Sukkulentenbereich – Mexikanischer Stachelmohn (Argemone mexicana)

Planten un Blomen - November 2013 - Tropenschauhaus - Sukkulentenbereich - Auch sie blüht im Moment_(Aloe bellatula) aus Madagaskar

Planten un Blomen – November 2013 – Tropenschauhaus – Sukkulentenbereich – Auch sie blüht im Moment: Aloe bellatula aus Madagaskar

Genug gesehen, oder? Beim Verlassen des Gewächshauses lohnt sich ein kleiner Gang auf die Johan-van-Valckenburgh-Brücke, auf der Fußgänger den Wallgraben überqueren können. Von dort haben Sie u. a. einen schönen Blick auf das Radisson Blu Hotel am CCH.

Planten un Blomen - November 2013 - Der Blick von der Johan-van-Valckenburgh-Brücke am Wallgraben hinüber zum Radisson Blu Hotel am Dammtor

Planten un Blomen – November 2013 – Der Blick von der Johan-van-Valckenburgh-Brücke am Wallgraben hinüber zum Radisson Blu Hotel am Dammtor

Und beim Verlassen des Parks am Ausgang U-Bahn Stephansplatz, zieht dieses Farbenspiel am inzwischen trockengelegten Bachbett die Blicke noch einmal auf sich. Ein Kommentator bei Facebook, wo ich das Bild vorab veröffentlichte, äußerte, er hätte zu gern noch Schnee dazu gehabt. Das stelle ich mir von der Farbkombination her auch wunderschön vor.

Planten un Blomen - November 2013 - Intensive Laubfärbung neben dem inzwischen trockenen Bachbett am Ausgang Stephansplatz

Planten un Blomen – November 2013 – Intensive Laubfärbung neben dem inzwischen trockenen Bachbett am Ausgang Stephansplatz

Nachdem wir für heute alles entdeckt haben, frage ich Sie: Was sagen Sie zu der gewagten These vom Tropenschauhaus als Ersatzstammkneipe? Diesem Vergleich. Hinkt gar nicht so sehr, oder?
Sie kommen in vertraute Umgebung, was Ihnen dieses Heimatgefühl vermittelt, Sie fühlen sich wohl, kommen ins Gespräch, treffen Bekannte, erfahren, was es Neues gibt, freuen sich dennoch ungemein, das meiste wie gewohnt anzutreffen und gehen irgendwann zufrieden und entspannt nach Hause. Sogar nüchtern!

©November 2013 by Michèle Legrand
Michèle Legrand auf WordPress

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Nichts wie hin! Planten un Blomens Himmelsstürmerin Agave weberi öffnet die Blüten!

Liebe Leser,
wenn Sie mir hier häufiger einen Besuch abstatten, erinnern Sie sich vielleicht an zwei Artikel dieses Jahres, in denen ich meine Bloggäste in eine wunderschöne Garten- und Parkanlage in Hamburg mitnahm: in das Reich von Planten un Blomen (Wallanlagen)
(Wer es nachlesen möchte: die Links zu den Posts finden Sie am Ende dieses Artikels)

Damals erzählte ich Ihnen auch von einer Besonderheit, die sich gerade im Sukkulentenhaus der Tropengewächshäuser an den Mittelmeerterrassen zu entwickeln begann.
Die größte dort wachsende Agavenart, eine Agave weberi J. F. Cels ex. J. Poiss mit einem geschätzten Alter von 30 bis 40 Jahren, hatte im Februar begonnen, einen Blütenstand auszubilden.

Planten un Blomen - Die einen Blütenstand ausbildende Agave weberi am 26.05.2012

Planten un Blomen – Die einen Blütenstand ausbildende Agave weberi am 26.05.2012

Planten un Blomen - Dachfenster entfernt, da die Agave zum Himmel strebt ...

Planten un Blomen – Dachfenster entfernt, da die Agave zum Himmel strebt …

Eine absolute Seltenheit – noch dazu in unseren Breitengraden – denn erstens blühen Agaven nur einmal in ihrem ganzen Leben, und zweitens brauchen Pflanzen gerade dieser Größenordnung Jahrzehnte, um überhaupt zur Blüte zu kommen. In diesem Zeitraum bauen sie ausreichend Pflanzenmasse auf und sammeln Reservestoffe, um danach in wenigen Monaten einen Riesenblütenstand auszubilden und Samen anzusetzen. Das wiederum ist derart kräftezehrend, dass sämtliche Reservestoffe verbraucht werden und die Pflanze danach abstirbt!
Normalerweise ist die Pflanze mit dem ihr zur Verfügung stehenden Platz im Gewächshaus zufrieden, doch der Blütenstand dieser Agavenart kann eine Höhe von sieben bis acht Metern erreichen! Die Gärtner überlegten kurz und entfernten bereits im Frühjahr eine Dachfensterscheibe, um der emporstrebenden Agave einen Durchlass zu schaffen.

Hamburg - Planten un Blomen am Abend des 20.07.2012 -  ... und sie wächst und gedeiht: Der Blütentrieb der Agave hat mittlerweile Seitentriebe

Hamburg – Planten un Blomen am Abend des 20.07.2012 – … und sie wächst und gedeiht: Der Blütentrieb der Agave hat mittlerweile Seitentriebe.

Sie genießt es offenbar, denn seitdem trieb sie munter weiter (die aktuelle Höhe wird mit 7,1 m angegeben), bildete im Frühsommer in schon recht luftiger Höhe Seitentriebe und zeigte im späten Juli/Anfang August die ersten Blütenansätze. Jetzt hat sie begonnen zu blühen, braucht vielleicht noch ein paar warme Sonnentage, wie wir sie gerade in Hamburg genießen können, um sich überall in voller Pracht zu entfalten.
Man schätzt die Zahl der Einzelblüten übrigens auf ca. 1.500! Ein schöner und gleichzeitig ungewöhnlicher, leicht bizarrer Anblick!

Planten un Blomen: Die Agave weberi am 06.09.2012 - Himmelsstuermerin ...

Planten un Blomen: Die Agave weberi am 06.09.2012 – Himmelsstuermerin …

Planten un Blomen: Agave weberi am 06.09.2012 - Einem Baum nicht unähnlich ...

Planten un Blomen: Agave weberi am 06.09.2012 – Einem Baum nicht unähnlich … (Gesamthöhe 7,1 m!)

Planten un Blomen am 06.09.2012 - Die Blüten der Agave weberi einmal aus der  Nähe betrachtet ...

Planten un Blomen am 06.09.2012 – Die Blüten der Agave weberi einmal aus der Nähe betrachtet …

Wie wäre es, wenn Sie sich die Himmelsstürmerin und dieses seltene Schauspiel einmal selbst ansehen? Von außen geht es immer, wenn Sie in das Tropenschauhaus hinein möchten, so ist dies zu folgenden Öffnungszeiten möglich:

März bis Oktober
– werktags 9.00-16.45 Uhr
– Sa/So/feiertags 10.00-17.45 Uhr
(Einlass bis 30 min. vor Schließung)

Links zu vorangegangenen Artikeln und Fotos:
https://michelelegrand.wordpress.com/2012/05/28/genuss-pur-mitten-in-hamburg-planten-un-blomen-und-das-geheimnis-der-fehlenden-fensterscheibe/
https://michelelegrand.wordpress.com/2012/07/27/erfrischend-wenn-die-hitze-uber-der-stadt-brutet-ein-abend-mit-wasserlichtorgelkonzert-und-mehr-in-planten-un-blomen/

Einen ähnlichen Artikel von mir mit Datum vom 10.09.2012, finden Sie auch im Hamburger Wochenblatt online:
http://www.hamburger-wochenblatt.de/wandsbek/unser_hamburg/es-geht-los-planten-und-blomens-himmelsstuermerin-agave-weberi-hat-angefangen-zu-bluehen-d4216.html/action/lesen/1/recommend/1/

©September 2012 by Michèle Legrand

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