Archiv für die Kategorie Wandsbek (Lokales)

„ … die kriegen doch nicht mal die Dinger richtig herum übergezogen!“

Wenn mir jemand im Brustton der Überzeugung, dies aber abschätzig-aufgeplustert-entrüstet, extrem bollerig, wenn mir einer auf diese Art eine plumpe, schon provokante Behauptung auftischt, dann fange ich trotz gesträubter Nackenhaare und einiger Bemerkungen, die mir auf der Zunge liegen, keine große Diskussion an. Das wird kein Gespräch, kein Dialog. Das bringt nix und ist vergebene Liebesmüh. Ein minimaler Ausdruck leisen Zweifels ist in dem Fall bereits Auslöser für noch mehr wirres Zeug, das folgt. Als Monolog. Ich brülle doch nicht gegenan, auch werde ich nicht versuchen, Leute zu bekehren, die eh nicht zuhören.
Konsequenzen hat es natürlich schon. Einerseits hat derjenige bei mir ziemlich verschiss.. und andererseits beschäftigt mich das Ganze durchaus länger. Ich möchte unqualifizierte Thesen gern widerlegen. Nur so für mich. Sollte ich wider Erwarten die Chance bekommen, es dem anderen später genüsslich aufs Brot zu schmieren – umso besser.

Ich hatte vor ein paar Tagen einen Anrufer am Telefon, der mich selbst gar nicht sprechen wollte. Die eigentliche Person, die er erreichen wollte, war nicht anwesend. Es ging nach Vermittlung dieser Information nur noch darum, wann ein Rückruf passen würde, und ich beging den Fehler zu fragen:
„Wäre es Ihnen auch gegen Abend recht? Oder schauen Sie momentan die Fußball-WM und möchten da nicht gestört werden?“
Oooooh, das hätte ich nicht sagen sollen!
Der Herr am anderen Ende der Leitung schnappte nach Luft, wirkte maßlos echauffiert, drehte  intern die Lautstärke auf Maximum und verkündete mir letztendlich mit resoluter, sehr belehrend wirkender Stimme:
„Fußball ist nur etwas für Bekloppte!“
„Bitte?“
Ich selbst bin kein ausgesprochener Fußballfan, doch sporadisch, z. B. bei einer WM, schaue ich mir zumindest die Spiele der eigenen Mannschaft an. Wie es die Millionen anderen Menschen auf der Welt halten, darüber mache ich mir relativ wenig Gedanken. Ob jemand  bemalt und verkleidet ist und vor lauter Fußballbegeisterung gar nicht mehr zum Schlafen kommt durch die vielen Spiele, die aus Brasilien nächtens übertragen werden oder ob er stattdessen bei „Schlaflos in Seattle“ selig sein Taschentuch zückt und danach zeitig ins Bett huscht, das möge doch jeder so handhaben, wie er es gut findet. Was nicht anspricht, kann doch links liegengelassen werden. Darf doch trotzdem anderen Spaß machen. Diese gewisse Toleranz für unterschiedliche Vorlieben hielt ich immer für selbstverständlich und bin nie auf die Idee gekommen zu vermuten, dass alles, was ich selbst nicht intensiv verfolge, wobei ich nicht vor Begeisterung ausflippe oder was ich sogar langweilig finde, dass dieses andere Zeugs folglich Spinnkram für geistig Minderbemittelte sei. Wieso denn das?
Er war noch nicht fertig.
„Fußball kann man sich doch wirklich nicht antun!“ Es folgten Ausdrücke, die ich gar nicht wiedergeben möchte. „Und dann diese Typen, die auf einmal Nationalstolz raushängen lassen, die aber die Dinger noch nicht mal richtig herum überziehen können.“
Den Satz habe ich anfangs missverstanden …
Tatsächlich ging es um die Stoffdekoration für Autoaußenspiegel. Dieses im Design der deutschen Flagge bedruckte Stretchverhüterli, das im Moment während der WM häufig Frischluft tanken darf und links, oft auch beidseitig, die Spiegel ziert. Nun versicherte mein Gesprächspartner sehr überzeugt, die ach so dummen Fans würden aus Unkenntnis der Farbanordnung auf der Flagge die Farbe Gelb (Gold) nach oben drehen. Und er legte nach:
„Schauen Sie sich die doch an! Und die Hymne können sie auch nicht! Die Fußballer kriegen sie doch selbst nicht hin! Wenn einer den Mund aufmacht, dann kommen solche Sachen heraus wie: Brüh im Glanze dieses Lichtes …“
Verdrehte Tatsache. Das waren nicht die Fans oder die Fußballer, die das verzapft haben, doch ich denke, die arme Interpretin des Liedes, die damals in der Aufregung umtextete, hat genug gelitten. Man muss diese olle Kamelle jetzt nicht noch einmal hervorholen. Lampenfieber ist schließlich nicht Dummheit.
Nachdem er sich etwas rabiat hatte Luft machen können, fehlte dem Anrufer die Zeit und mir die Lust auf weitere Details, und so endete das Gespräch. Doch mir ging es nicht aus dem Kopf …

Wissen Sie, was ich seither in den letzten Tagen gemacht habe? Ich habe darauf geachtet! Gibt es Außenspiegelbezüge verkehrt herum aufgezogen? Hängen Fahnen nicht korrekt?

WM 2014 - Flagge zeigen

WM 2014 – Flagge zeigen

Das kann fast zur Manie werden! Dieser prüfende Blick.
Ich denke, es zeigt sich eine eindeutige Tendenz. Ich habe Fotos gemacht, darum schauen und urteilen Sie gern selbst:

1) Flagge zeigen
Bei den Fähnchen kann man nichts falsch machen. Die haben ihren „Flaggenmast“ schon montiert, ebenso die Halterung. Es funktioniert gar nicht anders, als sie Schwarz-Rot-Gold aufzuhängen. Ob nun am Auto, am Motorrad oder am Fahrrad. Gesehen habe ich sie auch am Rollator, an der Kinderkarre und im Rucksack steckend. Alle korrekt.

WM 2014 - Deutschlandfahnen und Nightwish. Wunschdenken für Freitagabend ...?

WM 2014 – Deutschlandfahnen und Nightwish. Wunschdenken für Freitagabend …?

WM 2014 - Flagge am Motorrad, aber die Spiegel bleiben frei ...

WM 2014 – Flagge am Motorrad, aber die Spiegel bleiben frei …

WM 2014 - Flagge auch am Fahrrad  ...

WM 2014 – Flagge auch am Fahrrad …

WM 2014 - Natürlich gibt es auch Rucksackflaggenträger, und hier wird gerade die Produktpalette bezüglich weiterer Fanartikel durchgesehen

WM 2014 – Natürlich gibt es auch Rucksackflaggenträger, und hier wird gerade die Produktpalette bezüglich weiterer Fanartikel durchgesehen

WM 2014 - ... auch alles korrekt. Wirkt nur seltsam, weil eingeklappt.

WM 2014 – … auch alles korrekt. Der Spiegel wirkt nur seltsam, weil eingeklappt.

2) Die Sache mit der Flaggenanhäufung
Mit sind Fahrzeuge aufgefallen, die nicht nur eine oder mehrere Deutschland-Fähnchen spazieren fahren, sondern gleich Flaggen mehrerer, unterschiedlicher Staaten.
Hier in der Nachbarschaft ist alles klar. Dort lebt eine deutsch-italienische Familie. Die hatten selbstverständlich beide Fahnen gehisst. Als Italien ausschied, sank auch die Fahne. Man könnte meinen, jetzt konzentrierte man sich eben auf Deutschland. Oh nein, jetzt ist die holländische Fahne dazugekommen. Auch ohne Holländer in der Familie.

WM 2014 - In der Nachbarschaft. Deutsch-Italienische Familie. So kann man immer noch hoffen ... Doch Italien ist raus. Jetzt kommt Holland hinzu.

WM 2014 – In der Nachbarschaft. Deutsch-Italienische Familie. So kann man immer noch hoffen … Doch Italien ist raus. Jetzt kommt Holland hinzu.

Das nächste Auto hat einen Fahrer, der sich irgendwie nicht entscheiden kann oder seine Sympathien verteilen möchte. Allerdings – was jetzt folgt, ist reine Spekulation! – es könnte auch sein, dass noch wesentlich mehr Fahnen befestigt waren. Immer wenn ein Land ausschied, wurde die entsprechende Flagge entfernt, und der Besitzer trat wütend gegen Fahrertür und Kotflügel …

WM 2014 - Flagge zeigen  - Gleich mehrere Flaggen am Auto ... Unentschlossenheit? Auf Nummer sicher gehen ...?

WM 2014 – Flagge zeigen – Gleich mehrere Flaggen am Auto … Unentschlossenheit? Auf Nummer sicher gehen …?

Und dieser hier ist auch noch unschlüssig, hat sich aber – wie Sie sehen – beim Tankdeckel auf Deutschland festgelegt. Auch hier war kein „Bekloppter“. Der Bezug sitzt goldrichtig! Schwarz ist oben!

WM 2014 - Deutschland-Doppelunterstützer, Brasilien natürlich auch - und man hat den Tankdeckel mit einbezogen ...

WM 2014 – Deutschland-Doppelunterstützer, Brasilien natürlich auch – und man hat den Tankdeckel mit einbezogen …

3) Schwierige Positionierung
Es gibt einen relativ anspruchsvollen Fall was das Befestigen angeht. Das Flaggendesign auf Radkappen! Wenn die Räder stehen, sollten alle Flaggen stimmen und richtig ausgerichtet sein. Das klappt wohl auch. Doch beim Fahren! Dieser Stress! Richtig-falsch-richtig-falsch-richtig …. Was wohl mein gereizt-genervt-erregter Anrufer dazu sagen würde …?

WM 2014 - Flaggen an den Radkappen ... richtig herum, falsch herum ... Das ändert sich ständig.

WM 2014 – Flaggen an den Radkappen … richtig herum, falsch herum … Das ändert sich ständig.

4) Sonstiges bzw. gehäuftes Auftreten des Flaggendesigns
Ansonsten tauchen die Farben Deutschlands als Heckscheibensonnenschutz auf sowie als großflächiger Sticker auf der Motorhaube. Die Frage in diesem Fall: von wo schaut man? Vom Fahrer aus oder steht man vor dem Auto?

WM 2014 - Flagge am Spiegel korrekt und hier zusätzlich der Sonnenschutz ...

WM 2014 – Flagge am Spiegel korrekt und hier zusätzlich der Sonnenschutz …

Ein Fahrzeug hatte (rechtlich bedenklich) kleine Fähnchen wie Standarten befestigt. Ist das so als Hoheitszeichen gestattet? … Egal! Es war jedenfalls alles richtig montiert. Schwarz oben.
Und dieses Fahrzeug hatte so ziemlich alles auf und in sich versammelt, was man als Fanartikel ergattern kann: Spiegelüberzieher (korrekt) links und rechts, Fahnen, Deutschland-Kette am Innenspiegel und …. Kopfstützenbezüge! Mehr geht kaum.

WM 2014 - Zwei Flaggen, zwei Außenspiegelüberzieher, eine Deutschlandkette am Innenspiegel hängend und  ... die Kopfstützenbezüge!

WM 2014 – Zwei Flaggen, zwei Außenspiegelüberzieher, eine Deutschlandkette am Innenspiegel hängend und … die Kopfstützenbezüge sind schemenhaft zu erkennen!

 

Fazit der Studie:
Die Behauptung war falsch. Alle Fans konnten die Dinger richtig überziehen, und es gab keinen einzigen falsch montierten Flaggendekoartikel!
Keinen …?
In meinem Bezirk schloss man sich dem WM-Fieber an. Bezirksamt oder auch die Geschäftsleute der Einkaufsstraße, wer weiß das schon, beschlossen, die Straßenlampen mit Fähnchen zu schmücken.

WM 2014 - ... lediglich mein Bezirk scheint heimlich für Belgien zu sein.

WM 2014 – … lediglich mein Bezirk scheint heimlich für Belgien zu sein.

Kann es sein, dass Wandsbek sich entschlossen hat, Belgien zu unterstützen?

Unserer Mannschaft am heutigen Abend viel Glück bei ihrem Viertelfinaleinsatz!

©Juli 2014 by Michèle Legrand
Michèle Legrand - Michèle. Gedanken(sprünge) @wordpress.com

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Anziehend, ausziehend, abziehend …

Er blühte auf, sie pellte sich und manche wurden begehrt. Oder: Das Ding hat seine Tücken!
Hätte man ebenso gut als Titel nehmen können.
Sie landen auch auf Knoblauch. Ich will noch nicht sterben. Der mit dem Monogramm …
Auch das hätte man alles sagen können. Doch ehrlich, eine Überschrift reicht.
Oder warten Sie!
Im Grunde hätte es auch Simsalabim sein können! Oder Bosowan Zwei.
Ach, Titel sind Schall und Rauch. Auch Texttitel. Wählen Sie doch einfach, wonach Ihnen der Sinn steht.

„Ich habe Durst!“
„Es gibt gleich was.“
„Ich habe aber jetzt schon Durst!“
„Felix, der Opa hat deinen Becher im Rucksack verstaut. Wir machen nur das Fahrrad fest, dann holen wir dein Getränk heraus.“
„Und wenn ich bis dahin sterbe?“
„Vor Durst?“
„Ja, es ist so heiß!“

Recht hat der Knabe. Hochsommerlich ist es zu diesem Zeitpunkt. Man stirbt nicht gleich bei kurzzeitiger Unterbrechung der Flüssigkeitszufuhr, doch der Mund ist trocken, die bei Bewegung selbst produzierte Flüssigkeit hingegen klebt großflächig auf der Haut.
Die Großeltern mit dem vier Jahre alten Enkel haben das gleiche Ziel wie ich: Sie unterbrechen ihren Fahrradausflug am Botanischen Sondergarten in Wandsbek.

Botanischer Sondergarten Wandsbek (Hamburg) im Mai

Botanischer Sondergarten Wandsbek (Hamburg) im Mai

Sein Rad kann man auf das umzäunte, 1,5 ha große Areal mitnehmen, man muss es nur schieben. Einfacher ist es, es gleich beim Betreten am Zaun abzustellen. So große Strecken sind im Garten selbst nicht zurückzulegen, das Tempo bleibt gemäßigt, doch wer trotz allem zwischendurch schlapp machen sollte, kann sich auf bereitstehenden Holzstühlen, auf Bänken oder einfach auf dem Rasen niederlassen.
Viele haben sich genau dazu entschlossen an so einem schönen Tag, sitzen – der direkten Sonne etwas entwischt – im Halbschatten von Gehölzen oder ungeschützt dicht am Teichbecken – einfach weil dort der Anblick von Wasser erfrischend wirkt. Sie lesen, lernen, dösen, picknicken, unterhalten sich. Freunde, Familien, Liebespärchen, eine kleine Gruppe von Radlern, Pflanzenliebhaber, Ruheschätzer.
Denn dieser Botanische Garten liegt zwar mitten in der Stadt, ist jedoch so weit von der nächsten Hauptstraße entfernt und zudem durch so viele Bäume abgeschirmt, dass der Lärm nicht mehr wahrgenommen wird. Wenn hier jemand Lärm macht, dann sind es die zahlreichen Vögel, die voller Inbrunst zwitschern. Ab und zu erspäht man in einem Gehölz einen von ihnen, doch meist dringen nur diverse Arien durch das inzwischen dichte Laub.

Botanischer Sondergarten Wandsbek (Hamburg) - Gern besucht ...

Botanischer Sondergarten Wandsbek (Hamburg) – Gern besucht …

Mittlerweile hat Felix mit seinen Großeltern eine Bank erreicht. Er lebt glücklicherweise weiterhin, hechelt lediglich wie ein junger Hund. Der Becher wird aus dem Rucksack gehangelt und damit beginnt das Problem. Er (der Becher) bockt offenbar widerspenstig. Jedenfalls müht sich der Großvater damit ziemlich ab. Es ist einer dieser höheren, verschraubbaren Thermosbehälter, die aus irgendwie ziemlich vielen Einzelteilen bestehen. Dem Unterteil mit Inhalt, einem abdichtenden Deckel, einer Kappe, die gleichzeitig als Trinkbecher fungiert, einem Zwischenring und falls man das Zusammenbauen nicht richtig macht,  scheint so ein Becher in noch wesentlich mehr Einzelteile zu zerfallen. Felix’ Opa erfährt gerade dieses Wunder der Teilevermehrung. Die Hände vermehren sich nicht dementsprechend mit, und so siegt die Schwerkraft. Zwei Teile gehen zu Boden, unter ihnen die Trinkkappe. Der rüstige Becherexperte reicht dem Jungen schließlich einfach nur das Unterteil mit dem Inhalt, während er die Reste wieder einsammelt.
„Opa, da gibt es doch einen Becher!“
„Jung, der ist runtergefallen, trink das mal so.“
„Oma, man trinkt doch nicht so aus der Flasche, oder?“
„Heute ausnahmsweise, pass auf, dass du dich nicht bekleckerst. Der Saft färbt.“
Felix bekommt es bildschön hin und wünscht, dass sein Becher nun wieder korrekt zusammengebaut wird.
„Hier, Opa, du musst das jetzt wieder zuschrauben.“
Eine einfache Anordnung? Es wird kompliziert. In welcher Reihenfolge kommt jetzt was? Beim Zuschrauben verkantet sich der Verschluss im Gewinde. Ein Teil ist zudem übrig. Es wird neu verschraubt, diesmal gerade. Nur wieder bleibt etwas übrig. Dieser Ring …
„Opa, ist das jetzt zu?“
„Ja.“
Felix gehört zu der Sorte Jungen, die nach dem Grundsatz leben: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Er nimmt seinen Thermosbecher und dreht ihn auf den Kopf. Es tropft. Der Blick Richtung Großvater ist anklagend.
Oma meint, das überzählige Teil spiele wohl doch eine Rolle. Alles wird erneut auseinandergenommen. Der nächste Verschließversuch bringt trotz inzwischen aufgesetzter Brille kein wesentlich anderes Resultat. Es leckt weiterhin. Großvater schaut grimmig, und weitere Kritik wäre jetzt fehl am Platz, wäre äußerst unklug.
Seine Frau meint deshalb ermunternd: „Ach, du kriegst das schon noch hin.“
Der Herr mit der grauen Wuschelfrisur macht jedoch keinerlei Anstalten.
Dafür will Felix!
Nur Oma will nicht, dass Felix will. Oma will selbst und Felix heult.
„Hier, schau zu“, erklärt sie seufzend ihrem Enkel. „Ich mache es dir einmal vor, dann kannst du es selbst versuchen.“
Felix schnieft und verkündet beleidigt, dass er so nicht mehr will, aber Opa aufpassen soll, damit er es dann endlich kann. Der runzelt die Stirn.
Die Demonstration beginnt. Oma schraubt, verbindet und macht vor dem letzten Teil eine kurze Kunstpause. Sie schaut verschwörerisch und murmelt:
„Simsalabim …!“
Fertig! Der Becher ist zu, hält dicht – und bei ihr bleibt nichts übrig beim Zusammenbau!
Felix bewundert sie sehr, erinnert seinen Großvater, dass nun er dran sei, und ehe die Stimmung kippt und die Heulerei wieder losgeht, macht dieser, wie ihm geheißen. Der Anfang klappt ganz passabel, doch mittendrin stockt er, wieder droht das bewusste Teil übrigzubleiben … Wo kam es bloß hin?
„Simsalabim …!“, raunt der Kleine und malt mit den Händen kreisförmige Figuren in die Luft.
Wer sagt’s denn! Opa weiß plötzlich, wo der Fehler ist, schraubt und strahlt. Er hat es geschafft!
Während die drei nun pausieren, schauen Sie und ich uns ein wenig im Garten um.

Wandselauf in Höhe des Botanischen Sondergartens (Wandsbek), Hamburg

Wandselauf in Höhe des Botanischen Sondergartens (Wandsbek), Hamburg

Nebenan läuft direkt an einem Bachlauf (Wandse) ein Wander- und Radweg, aus der City kommend und noch weit aus ihr hinausführend. Der Botanische Sondergarten ist ein anziehendes Ziel oder auch eine interessante und entspannende Unterbrechung, denn hier finden Sie ein idyllisches, hübsch angelegtes Fleckchen, eine Oase, die Ihnen im Verlauf des Jahres durch vielfältige Staudenbepflanzung, viele Zwiebelgewächse, farbenfrohe Sommerblumen und unterschiedlichste Gehölze sehr abwechslungsreiche Blüherlebnisse und Ansichten verschafft und obendrein mit zahlreichen besonderen, teilweise exotischen Pflanzen aufwarten kann.
Trotz allem wirkt die Park- bzw. Gartenanlage in vielen Teilen sehr natürlich, denn man hat z. B. den Rasen nicht überall akkurat gemäht, sondern lässt an einzelnen Stellen Wiesenstücke mit herrlichen Wildpflanzen stehen.

Botanischer Sondergarten Wandsbek (Hamburg) - Ein Teil des Grüns ist Rasen, ein Teil darf Wiese bleiben ...

Botanischer Sondergarten Wandsbek (Hamburg) – Ein Teil des Grüns ist Rasen, ein Teil darf Wiese bleiben …

Botanischer Sondergarten Wandsbek (Hamburg) - Wiese erlaubt ...

Botanischer Sondergarten Wandsbek (Hamburg) – Wiese erlaubt …

Gut, manche würden Sie vielleicht auch als Unkraut bezeichnen. Doch das ist eine Frage des Empfindens und der Definition. Es gibt wunderschöne Unkräuter, und vor allem sind sie hochbegehrt bei den Insekten und Schmetterlingen. Es brummt und flattert dort ständig und sobald Sie näher an die Blüten vieler Stauden herantreten, sehen Sie es dort ebenfalls wild herumwuseln.

Höchst anziehend!

Botanischer Sondergarten Wandsbek (Hamburg) -  Bepflanzung mit Stauden, Zwiebelblühern und Gräsern ...

Botanischer Sondergarten Wandsbek (Hamburg) – Bepflanzung mit Stauden, Zwiebelblühern und Gräsern …

Botanischer Sondergarten Wandsbek (Hamburg) - Teppich-Wiesenknöterich (Bistorta affinis 'Superbum')

Botanischer Sondergarten Wandsbek (Hamburg) – Teppich-Wiesenknöterich (Bistorta affinis ‚Superbum‘)

Botanischer Sondergarten Wandsbek (Hamburg) -  Schnittknoblauch (Allium tuberosum)

Botanischer Sondergarten Wandsbek (Hamburg) – Schnittknoblauch (Allium tuberosum)

Botanischer Sondergarten Wandsbek (Hamburg) -  Im Mai: Ein blaues Meer aus Akelei-Blüten  .

Botanischer Sondergarten Wandsbek (Hamburg) – Im Mai: Ein blaues Meer aus Akelei-Blüten

Botanischer Sondergarten Wandsbek (Hamburg) -  Bizarr und schön ... sieht aus wie die abgeblühten Blütenstände der Küchenschelle.

Botanischer Sondergarten Wandsbek (Hamburg) – Bizarr und schön … sieht aus wie die abgeblühten Blütenstände der Küchenschelle.

Schauen Sie bitte einmal hier! Ein ausgefallener Baum, der mich unweigerlich daran denken lässt, was passiert, wenn man bei diesem 28°-Grad-Sommer-Wetter seine Haut lange der Sonne und der intensiven  UV-Strahlung aussetzt: Sonnenbrand, abgestorbene Hautfetzen, abblätternde Haut.

Botanischer Sondergarten Wandsbek (Hamburg) - Kupferbirke (Betula albosinensis) mit abblätternder Borke

Botanischer Sondergarten Wandsbek (Hamburg) – Kupferbirke (Betula albosinensis) mit abblätternder Borke

Ausziehend!

Botanischer Sondergarten Wandsbek (Hamburg) -  Sie pellt sich ... die Borke der Kupferbirke (Betula albosinensis) blättert ab.

Botanischer Sondergarten Wandsbek (Hamburg) – Sie pellt sich … die Borke der Kupferbirke (Betula albosinensis) blättert ab.

Bei dieser besonderen Birke, der Betula albosinensis (vielen Dank an Helge Masch vom Sondergarten für die Information bezüglich des Namens), gibt es auch ein „Abpellen“, allerdings nicht sonnenbedingt oder sonnenabhängig. Es ist die älteste Borkenschicht, die bei diesem Baum die Eigenart hat, abzublättern. Am recht glattrindigen Stamm, der eine sehr ungewöhnliche Färbung, ein Farbspiel in unterschiedlichen Brauntönen (und das bei einer Birke!) zeigt, aber auch weiter oben in seinen Verästelungen. Dort, wo es sich pellt, ist die darunter liegende Rinde heller. Hauptsächlich so entstehen die Farbunterschiede. Einen schönen Kontrast dazu bildet das frischgrüne Laub samt den zur Zeit herabhängenden Kätzchen.
Als deutscher Name ist der Begriff Kupferbirke gebräuchlich, und tatsächlich erinnert die leicht glänzende Farbe des Stammes genau an das warme, changierende Braun dieses Metalls.

Botanischer Sondergarten Wandsbek (Hamburg) - Das Farbenspiel am Stamm der Kupferbirke (Betula albosinensis) ...

Botanischer Sondergarten Wandsbek (Hamburg) – Das Farbenspiel am Stamm der Kupferbirke (Betula albosinensis) …

Generell sollte man im eigenen Garten bei der Auswahl von Pflanzen sein Augenmerk ebenfalls auf Rinden (Borken) und Astformen richten, nicht nur auf Laub, Blüten oder Herbstfärbung. Was im Winter bleibt und sichtbar ist, sind Äste und die Rinde. Und wenn die kahlen Zweige im Schnee rot oder gelb leuchten (Hartriegel) oder außergewöhnliche Wuchsformen (die gedrehten Äste der Korkenzieherhasel, der Spindelstrauch mit seinen Korkleisten etc.) haben, reizt der Anblick – genauso wie der einer stark zerklüfteten Borke oder eben der eines Gehölz, das sich sogar „auszieht“.

Ich werfe nur eben schnell einen Blick hinüber zu Felix. Ah ja, man bestaunt Insekten …

Botanischer Sondergarten Wandsbek (Hamburg) -  Die Blüten des Zierlauchs (Allium Early Emperor) werden gern von Insekten besucht ...

Botanischer Sondergarten Wandsbek (Hamburg) – Die Blüten des Zierlauchs (Allium Early Emperor) werden gern von Insekten besucht …

Botanischer Sondergarten Wandsbek (Hamburg) -  Und diese Blätter und Blüten (Kätzchen) gehören zu einer Bitteren Hickorynuss (Cayra cordiformis aus Kanada)

Botanischer Sondergarten Wandsbek (Hamburg) – Und diese Blätter und Blüten (Kätzchen) gehören zu einer Bitteren Hickorynuss (Cayra cordiformis aus Kanada). Auch bei ihr lösen sich (kleinere) Schuppen von der Borke. Sind Sie zufällig Bogenschütze? Ihr Holz wird u. a. auch für den Bogenbau verwendet!

Besondere Attraktionen gibt es im Sondergarten immer wieder. Kürzlich war es die Blüte des großen Taschentuchbaums. Sie erinnern sich an den „Tatuba“ aus einem der vorherigen Blogposts?
Doch stellen Sie sich vor, hier gibt es auch Palmen! Obwohl in diesen Breitengraden und speziell im norddeutschen Flachland eher selten und unerwartet, sind z. B. chinesische Hanfpalmen (Fächerpalmen) recht robust und vermögen durchaus dem Frost bis zu einem gewissen Grad zu trotzen. Sie sind obendrein nicht nur frost- sondern auch nässetolerant. Wird es richtig frisch, mit Temperaturen von unter minus zehn Grad, haben sie mit einem zusätzlichen Schutz trotzdem reelle Chancen, den Winter schadlos zu überstehen und sich zu entwickeln. Wer sie im Kübel hält und in einem recht kühlen, aber frostfreien Raum überwintern kann, muss sich natürlich weniger sorgen.
Im Botanischen Sondergarten steht u. a. eine solche Hanfpalme (Trachycarpus fortunei), die nicht nur sehr schöne Palmenwedel besitzt, sondern in diesem Jahr spontan beschlossen hat, Blütenstände auszubilden. Etwas, was man in unseren Breiten nicht alle Tage zu sehen bekommt.
Wir machen es jetzt einfach so, wie Felix und seine Großmutter es vorhin taten. Ich zeige Ihnen zwei Fotos …

Botanischer Sondergarten Wandsbek (Hamburg) - Chinesische Hanfpalme bzw. Fächerpalme (Trachycarpus fortunei) bildet Blütenstände aus

Botanischer Sondergarten Wandsbek (Hamburg) – Chinesische Hanfpalme bzw. Fächerpalme (Trachycarpus fortunei) bildet Blütenstände aus

Botanischer Sondergarten Wandsbek (Hamburg) - Chinesische Hanfpalme bzw. Fächerpalme (Trachycarpus fortunei) mit gleich mehreren Blütenständen

Botanischer Sondergarten Wandsbek (Hamburg) – Chinesische Hanfpalme bzw. Fächerpalme (Trachycarpus fortunei) mit gleich mehreren Blütenständen

… und nun sagen Sie „Simsalabim“. Na, nun kommen Sie schon, zieren Sie sich nicht so!
Simsalabim!“
Na, bitte, klappt doch! Und schon hat sich die Blüte rasant weiterentwickelt!

Botanischer Sondergarten Wandsbek (Hamburg) - Chinesische Hanfpalme bzw. Fächerpalme (Trachycarpus fortunei) bildet Blütenstände aus - Der Fortschritt nach zwei Wochen ...

Botanischer Sondergarten Wandsbek (Hamburg) – Chinesische Hanfpalme bzw. Fächerpalme (Trachycarpus fortunei) bildet Blütenstände aus – Der Fortschritt nach zwei Wochen …

Wie Sie bei unserer Zauberspruchanwendung gesehen haben, wächst die Wahrscheinlichkeit von schnellen Fortschritten, wenn man zweimal im Park ist und von beiden Besuchen Fotos mitbringt. ^^
Auch die kleine, im Kübel gezogene Europäische Zwergpalme (Chamaerops humilis), hält mit: Blütenstände auch bei ihr.

Botanischer Sondergarten Wandsbek (Hamburg) - Europäische Zwergpalme (Chamaerops humilis) - ebenfalls mit Blütenstand!

Botanischer Sondergarten Wandsbek (Hamburg) – Europäische Zwergpalme (Chamaerops humilis) – ebenfalls mit Blütenstand!

 

Botanischer Sondergarten Wandsbek (Hamburg) - Am Teichbecken, zwei Wochen zuvor (03.05.2014), als die Tulpen noch blühten

Botanischer Sondergarten Wandsbek (Hamburg) – Am Teichbecken, zwei Wochen zuvor (03.05.2014), als die Tulpen noch blühten

Auf einer Bank liegt eine junge Frau auf dem Rücken lang ausgestreckt in der Sonne und telefoniert. Beim Vorbeigehen hört man mehrfach ein leicht verlegenes: „Nein … Ach, du!“ gefolgt von Gelächter.
Auch Felix lacht. Allerdings über die Hosenbeinhochkrempelversuche seines Opas. Vielleicht sind es auch nicht die Versuche, sondern es ist eher der unverhoffte Anblick von hautmäßig sehr blassen, dafür aber enorm dunkel behaarten Beinen.
Fragen Sie sich auch manchmal, warum dunkle Kopfhaare grau werden, Barthaare irgendwann auch, aber die Haare an den Beinen kohlrabenschwarz bleiben? Ulkig, oder? Wäre es andersherum, würde einem keiner glauben, dass man die Kopfhaare nicht dunkel nachgefärbt hat.

Botanischer Sondergarten Wandsbek (Hamburg) -  An allen Ecken blüht es bereits ...

Botanischer Sondergarten Wandsbek (Hamburg) – An allen Ecken blüht es bereits …

Es sieht so aus, als würden die Großeltern mit dem Jüngsten wieder aufbrechen. Vermutlich kommt nach dem Durst jetzt langsam der Hunger, und alles hat man ja nicht immer dabei. Jedenfalls nicht ausreichend. Proviant unterwegs geht immer wesentlich flotter weg als das Essen am Tisch daheim. Kaum sind Sie aufgebrochen, meint der erste Mitreisende, er bräuchte dringend Verpflegung.
Sie und ich sind zwar nicht am verhungern, aber so langsam sollten wir auch mal wieder … Oh, wer sitzt denn dort?

Botanischer Sondergarten Wandsbek (Hamburg) - Ein weiterer Gast des Gartens. Und wer genau hinschaut, weiß auch, an welcher Stelle sich die Katze aufhält. Unter dem Taschentuchbaum. Einige verräterisch herumliegende "Tücher" lassen den Schluss zu ...

Botanischer Sondergarten Wandsbek (Hamburg) – Ein weiterer Gast des Gartens. Und wer genau hinschaut, weiß auch, an welcher Stelle sich die Katze aufhält. Unter dem Taschentuchbaum. Einige verräterisch herumliegende „Tücher“ lassen den Schluss zu …

Abziehend!

Botanischer Sondergarten Wandsbek (Hamburg) - ... sie fühlte sich wohl beobachtet.

Botanischer Sondergarten Wandsbek (Hamburg) – … sie fühlte sich wohl beobachtet.

Wie hat es Ihnen im Botanischen Sondergarten gefallen? Ein Besuch lohnt sich, oder? Wenn Sie in Hamburg oder Umgebung leben, schauen Sie doch selbst einmal vorbei. Kombinieren Sie es mit einem Spaziergang, denn der Wanderweg sowie der nahegelegene Eichtalpark bieten sich dafür wirklich an.

Viburnum Opulus direkt beim Botanischen Sondergarten Wandsbek neben einem Teich ... und wer ist da?

Viburnum Opulus direkt beim Botanischen Sondergarten Wandsbek neben einem Teich …

Direkt am Gartenausgang zum Wandse-Wanderweg, befindet sich eine Wegabzweigung mit einer kleinen Brücke. Links und rechts von ihr liegen ganz idyllisch Teiche. Hier wächst u. a. ein Gehölz namens Viburnum opulus, ein Vertreter der zahlreichen Schneeballsorten. Er trägt zurzeit cremefarbene Blüten, gleichzeitig aber auch dunkle, rötliche bis fast schwarze Früchte. Schon mit dem Fahrrad am anfahren, schaut man da natürlich doch genauer hin. Und wen erspähe ich so glücklicherweise gerade noch aus dem Augenwinkel?

C-Falter auf einem Viburnum opulus

C-Falter auf einem Viburnum opulus

Es ist ein C-Falter (an der Unterseite der Flügel erscheint ein kleines helles C, daher der Name), der von diesem sonnigen Plätzchen angelockt wurde. Obwohl einer der gängigen Tagfalter, habe ich ihn in der Stadt vorher noch nie gesehen! Ein sehr schönes Exemplar – und außer an dem C recht gut an seinen sehr „zerklüfteten“ Flügelrändern zu erkennen, bei denen man im ersten Augenblick fast fürchtet, irgendjemand hätte ihn angeknabbert.

So, wir haben viel gesehen! Feierabend für heute.
Simsalabim!
Es ist Wochenende! Genießen Sie es und lassen Sie es sich gut gehen!
Bis zum nächsten Mal!

©Mai 2014 by Michèle Legrand
Michèle Legrand - Michèle. Gedanken(sprünge) @wordpress.com

 

 

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Ein Tatuba im Bosowan

Im Grunde sah ich vor, Ihnen nach diesem Wochenende etwas vom Hafengeburtstag in Hamburg zu erzählen, Ihnen obendrein einige optische Eindrücke mitzubringen. Es ging nicht. Wobei nicht einmal das stürmisch-nasse, teilweise absolut grausliche Wetter, der Grund dafür war. (Ich denke, es hätte Vorteile, im nächsten Leben gleich als Wasservogel oder Amphibie auf die Welt zu kommen).
Ein Tatuba ist demzufolge kein Tiefdruckgebiet mit Wirbelsturm oder irgendein Schiffstyp. Und Bosowan auch kein Hafenbecken oder eine Werft  in Hamburg.
Ich gebe zu, bei dieser Art von Titelzeile raufen sich SEO-Spezialisten, die nur suchmaschinenoptimiert denken, sowieso fürchterlich die Haare. Solange bis nichts mehr auf dem Kopf ist!
Ist sie von allen guten Geistern verlassen? Was für eine Überschrift! Hat sie überhaupt keine Ahnung? Was für Begriffe! Wie kann man bloß so etwas wählen, warum nur?
Und schon fliegen sie wieder, die Haarbüschel.
Wie ich? Ganz einfach. Mit Lust und spielend leicht!
Und warum? Weil ich nicht vorrangig für eine olle Suchmaschine schreibe.

Nun zu uns. Tatuba. Kennen Sie bestimmt, oder? Bosowan auch, ganz klar, das muss ich beides nicht extra erklären.
Ganz ruhig! War nur Spaß … ^^
Es herrscht Erkältungswetter. Regenwetter, böige Winde, zwischendurch Sonne, sehr schwankende Temperaturen, hohe Luftfeuchtigkeit, Gewitter, Schwitzen, Frieren, Schnupfen und hier daheim auch Traurigkeit, weil am Sonnabend die Schwiegermama verstorben ist.
Was braucht man dann?
Taschentücher!
Was wäre praktisch?
Gesicherter Nachschub, zupffrisch.
Undenkbar? Natürlich nicht! Es gibt glücklicherweise den Taschentuchbaum (Davidia involucrata), meinerseits liebevoll Tatuba genannt, der in Hamburg im Botanischen Sondergarten Wandsbek (kurz: Bosowan), im Moment noch in voller Blüte steht und reichlich Tücher bereithält.

Taschentuchbaum (Davidia involucrata) im Botanischen Sondergarten Wandsbek (Hamburg) - Massenhaft "Blütentücher" Anfang Mai ...

Taschentuchbaum (Davidia involucrata) im Botanischen Sondergarten Wandsbek (Hamburg) – Massenhaft „Blütentücher“ Anfang Mai …

An diesem Baum fallen gar nicht so sehr die eigentlichen, bräunlichen Blütenstände (in der Mitte) auf, auch nicht die kleinen, eiförmigen Steinfrüchte, die noch aus dem Vorjahr an den Ästen hängen, sondern die an den neuen Blüten befindlichen zwei – in Ausnahmefällen auch einmal drei – weißlichen Hochblätter (Brakteen), die herabhängen. Sie verleihen das spezifische Aussehen und verhalfen dem Davidia involucrata zu seinem deutschen Namen. Auch im Englischen ist der Ausdruck handkerchief tree gebräuchlich. Es existiert in beiden Sprachräumen eine weitere Bezeichnung: Taubenbaum (Dove Tree). Doch – ganz ehrlich – empfinden Sie den Anblick so, als würden weiße Tauben auf seinen Ästen sitzen? Das müsste wohl die Besatzung aus gleich mehreren Taubenschlägen sein. So massenhaft tauchen schneeweiße Tauben jedoch generell nicht auf.

Taschentuchbaum (Davidia involucrata) im Botanischen Sondergarten Wandsbek (Hamburg) - Ein Blick von unten auf die eigentliche Blüte, dazwischen noch zu erkennen sind die Steinfrüchte vom Vorjahr

Taschentuchbaum (Davidia involucrata) im Botanischen Sondergarten Wandsbek (Hamburg) – Ein Blick von unten auf die eigentliche Blüte, dazwischen noch zu erkennen sind die Steinfrüchte vom Vorjahr

Wir stellten vorhin fest, dass beim Prioritäten setzen der suchmaschinenkonforme Titel oder Text bei mir nicht unbedingt an vorderster Stelle steht. Was bedeutet das außerdem? Richtig, der Inhalt weicht von dem eines Lexikons gelegentlich ab.  Hier im Blog geht es zusätzlich darum, was Dinge auslösen, welche Assoziationen entstehen, welche Bilder im Kopf auftauchen.

Deshalb stellen Sie sich die Masse der herabhängenden „Tücher“ vor und auch, dass Sie alle diese „Tatüs“ im Laden erstehen sollten. Ich habe mir ein, zwei längere Äste sehr genau angesehen und an ihnen Blüten gezählt. In kurzer Zeit erreichte ich bereits die Zahl 200.
Bei lediglich zwei Ästen!

Taschentuchbaum (Davidia involucrata) im Botanischen Sondergarten Wandsbek (Hamburg) - Blüte inkl. Hochblatt (Braktee), dem Taschentuchzipfel ...

Taschentuchbaum (Davidia involucrata) im Botanischen Sondergarten Wandsbek (Hamburg) – Blüte inkl. Hochblatt (Braktee), dem Taschentuchzipfel …

Nehmen wir – nur um eine Zahl und Vorstellung zu haben – an, der Baum hätte 6.000 Blüten und eine Blüte entspräche einem Tuch. Dafür stände im Drogeriemarkt Ihres Vertrauens ein Kauf von 75 Pappzupfboxen à 80 Blatt an! Nach Hause getragen in etwa 20-25 Einkaufsbeuteln.
Oder wenn Sie diese Einzelpäckchen à zehn Tücher wählen, die immer als Familienvorrat in Einheiten zu 15 Pack eingeschweißt sind, dann bräuchten Sie 40 dieser Riesenpakete!
Sie können natürlich auch weiterspinnen. Den Gedanken meine ich. Machen wir gleich …

Die Aufzucht eines solchen Baumes ist leider nichts für Ungeduldige. Die Samen keimen meist erst nach 18 Monaten. Selbst wenn Sie Ihren Davidia involucrata als Containerpflanze erstehen, ist es so, dass er nur langsam an Größe zulegt, in den ersten Jahren recht frostempfindlich ist und seine ausgefallenen Blüten erst nach zehn Jahren das erste Mal zeigt. In späteren Jahren ist er irgendwann zu groß für kleine Hausgärten. Man findet den Taschentuchbaum daher selten und wenn auch eher in Parkanlagen bzw. speziell in Botanischen Gärten.
Falls Sie den Baum toll finden, jedoch keinen besitzen und auch nicht planen ihn anzuschaffen und  gleichzeitig bemerken, dass es Ihnen zwanghaft in den Fingern juckt und Sie unheimlich gern die Nachbarschaft irritieren würden, dann könnten Sie im Mai einen vorhandenen Laub- oder gern auch Obstbaum großzügig mit Tempos behängen. Sie wissen ja nun, wie viele Päckchen Sie einkaufen müssen.
Mag sein, dass Ihre Hausleiter nicht ausreicht, vielleicht haben Sie aber einen Bekannten bei der freiwilligen Feuerwehr, der nachts mit dem Einsatzfahrzeug vorbeikommt und durch das Ausfahren der Teleskopleiter zu einer wertvollen Hilfe bei der Durchführung Ihres Projekts wird. In einer Nacht- und Nebelaktion wäre alles erledigt …

Blühender Taschentuchbaum (Davidia involucrata) im Botanischen Sondergarten Wandsbek (Hamburg)

Blühender Taschentuchbaum (Davidia involucrata) im Botanischen Sondergarten Wandsbek (Hamburg)

Sollten Ihre Nachbarn fragen, was für ein besonderes Gewächs bei Ihnen so plötzlich blüht, dann nennen Sie gern den neu geschaffenen Begriff aus der Überschrift. Verkünden Sie mit ernster und wichtiger Miene, Sie hätten einen Tatuba und zwar die erste, höchsteigene europäische Züchtung eines Taschentuchbaumes (er kommt ursprünglich aus China). Die schnäuzfeste, mit den außergewöhnlich großen Brakteen.
Variieren Sie ruhig ein wenig. Nehmen Sie im folgenden Jahr die unifarbenen, roten Papierservietten. Ihr europäischer Taschentuchbaum ist nämlich der spektakuläre Tatuba europaea „Farbwunder“. Und der wächst – sehr richtig mitgedacht – nicht im Bosowan, sondern im Prigado. Im Privatgartendomizil.

Taschentuchbaum (Davidia involucrata) im Botanischen Sondergarten Wandsbek (Hamburg) - Mai 2014

Taschentuchbaum (Davidia involucrata) im Botanischen Sondergarten Wandsbek (Hamburg) – Mai 2014

Und dann, liebe Leser, könnte es durchaus passieren, dass plötzlich alle nach Tatuba googelten und den SEO-Profis  gar nicht anderes übrig bliebe, als dieses Suchwort als vollwertig, nein als extraordinär, einzustufen!
Läuft es denn jemals anders?
Die Nachfrage nach einem Begriff wird doch immer erst geschaffen. Irgendeiner muss doch der Vorreiter sein. Sie sehen, in Wirklichkeit habe ich bereits (heimlich) suchmaschinenoptimiert betitelt …
Ende gut, alles gut. Die Spezialisten könnten ihre Haare wieder am Platze belassen und bräuchten mir auch endlich keine Mails mehr mit Optimierungsangeboten zu schicken. Es ist eh aussichtslos – ich bin Wiederholungstäter.

©Mai 2014 by Michèle Legrand
Michèle Legrand - Michèle. Gedanken(sprünge) @wordpress.com

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Von denen, die sich im Rindenmulch wälzen und denen, die kopflos wirken …

Räkeln Sie sich bei Sonnenschein auch auf Rindenmulch? Schubbern am Boden, breiten Ihre Arme aus, wackeln mit dem Allerwertesten und genießen die Wärme?
Nicht?
Sie sitzen also ganz sittsam auf der Bank. Das ist vorbildlich, aber wer hat jetzt mehr Vergnügen, hm? Wir kommen gleich noch einmal zu diesem Punkt, doch klären wir zunächst noch:
Beginnen Sie während des Sonnenbads damit, an sich herumzuzupfen? Winden, verrenken Sie sich? Verschwindet Ihr Kopf dabei außer Sichtweite? Das heißt, verstecken Sie ihn – sagen wir einmal – in der Achselhöhle?
Sie sind nicht so gelenkig? Hm.
Nun, wenn Menschen sich damit so schwer tun und fürchten, Verknotungen  oder aber die Erregung öffentlichen Ärgernisses zu riskieren, dann schauen wir uns heute lieber den Nachwuchs zweier Vogelarten an, der mit derartigem Räkeln und Kopf verstecken kein Problem hat.

Es gab Junge bei den Teichhühnern oder – ganz korrekt – den Teichrallen (Gallinula chloropus). Hier in Hamburg tauchen diese Wasservögel recht häufig auf, während anderenorts – vor allem in der offenen Landschaft – von rückläufigem Bestand gesprochen wird. Es schwankt sehr von Region und Region und hängt u. a. mit der Härte der Winter zusammen. Auch mit Biotopzerstörung und genereller Veränderung von Landschaften sowie den Randzonen von Gewässern. Die Teichrallen möchten halt nicht nur Wasserflächen, sondern auch eine dichte Ufervegetation, und das ist glücklicherweise manchmal an den Teichen und Seen im Stadt- und Randgebiet Hamburgs der Fall.

Teich mit eingewachsener Uferzone nahe des Botanischen Sondergartens Wandsbek - so, wie ihn Teichrallen schätzen ...

Teich mit eingewachsener Uferzone nahe des Botanischen Sondergartens Wandsbek – so, wie ihn Teichrallen schätzen …

Vorgestern war ich in meinem Stadtteil nahe des Botanischen Sondergartens Wandsbek (da muss ich Ihnen in Kürze auch noch etwas zeigen!) unterwegs. An ihm entlang fließt zum einen die Wandse, zum anderen liegen ganz in seiner Nähe zusätzlich kleinere Teiche. Die Rufe einer Ralle machten mich auf sie aufmerksam und danach lockte mich zaghaftes Piepsen eines Kükens dichter heran. Eine weitere Spaziergängerin stoppte, kannte im Gegensatz zu mir die Teichbewohner jedoch schon, da sie jeden Tag dort entlanggeht. Sie verriet mir, dass es bei einem Teichhuhnpärchen ursprünglich sieben Küken gab. Leider sind davon nur noch zwei übrig. Die anderen sollen Wasserratten erwischt haben. Sagt die Dame. Was genau sich dahinter verbirgt, ob Schermäuse oder Biberratten oder gewöhnliche Ratten in Wassernähe – keine Ahnung. Andere denkbare Feinde wären z. B. Igel, Marder, Eulen oder Raubfische, Raubvögel etc.

Teichralle mit Jungem - Nähe Botanischer Sondergarten Wandsbek

Teichralle mit Jungem – Nähe Botanischer Sondergarten Wandsbek

Teichrallen mit zwei Nachkömmlingen - Nähe Botanischer Sondergarten Wandsbek

Teichrallen mit zwei Nachkömmlingen – Nähe Botanischer Sondergarten Wandsbek

Wer sie sieht, ist hin- und hergerissen. Süß oder eher nicht? Die jungen Vögel werden erst noch Schönheiten. Im Moment sind sie recht quirlige kleine, wuschelige, leicht zerzauste, schwarze Bälle, die fiepen, piepsen und häufig um Futter betteln. Sie haben erstaunlich kräftige und beim Strecken lange, sehr dunkle, etwas grünlich schimmernde Beine, die in großen Füßen und respekteinflößenden Krallen enden. Und sie haben bisher kaum etwas auf dem Kopf! Die Oberseite ist fast kahl, dort sprießen nur ein paar „Härchen“.

Ich bin ein junges Teichhuhn (Gallinula chloropus) und bald auch eine Schönheit. Die Kahlheit am Kopf dauert nicht mehr lang an ...

Ich bin ein junges Teichhuhn (Gallinula chloropus) und bald auch eine Schönheit. Die Kahlheit am Kopf dauert nicht mehr lang an …

Die Eltern kümmern sich beide hingebungsvoll um die Kleinen. Wer Vater und wer Mutter ist, lässt sich für ein ungeübtes Auge kaum erkennen, denn Gefieder und Färbung weisen keine Unterschiede auf. Es heißt, das Weibchen sei größer und schwerer, doch wenn sie nicht direkt nebeneinander schwimmen, fällt der Vergleich ziemlich schwer.

Die Jungen paddeln in Elternnähe im Wasser umher, suchen sich selbst schon den einen oder anderen Samen oder zupfen an Wasserpflanzen. Ansonsten werden sie jedoch von den Großen gefüttert. Schnecken, kleine Fische, das sind die Leckerbissen, nach denen sie gieren.
Zwischendurch wird über Seerosenblätter gelaufen, die diese Leichtgewichte noch tragen. Man ruht sich auf Blättern und abgeknicktem Schilf aus, sonnt sich und vollzieht dabei die schon eingangs erwähnten Verrenkungen. Bis der Kopf weg ist!
Schauen Sie einmal hier!

Teichrallennachwuchs beim Sonnenbad und Putzen .... Huch!  Kopflos?

Teichrallennachwuchs beim Sonnenbad und Putzen …. Huch! Kopflos?

Oh!  Zum Glück! Der Kopf ist wieder aufgetaucht .... Teichrallenjunges putzt sich

Oh! Zum Glück! Der Kopf ist wieder aufgetaucht …. Teichrallenjunges putzt sich

So sehe ich von vorne aus - Teichrallenküken zeigt doch noch sein Gesicht.

So sehe ich von vorne aus – Teichrallenküken zeigt doch noch sein Gesicht.

Und nun habe ich wieder Hunger! Junges Teichhuhn (was für Beine, Füße, Krallen!  wird nach von einem Elternteil gefüttert

Und nun habe ich wieder Hunger! Junges Teichhuhn (was für Beine, Füße, Krallen! wird danach von einem Elternteil gefüttert

Währenddessen wird auf der anderen Teichseite das zweite Küken  vom anderen Elternpart versorgt ... Teichrallenfütterung

Währenddessen wird auf der anderen Teichseite das zweite Küken vom anderen Elternpart versorgt … Teichrallenfütterung

Dank der guten Versorgung entwickeln sich die Küken schnell, und vielleicht schaffen es wenigstens diese beiden kleinen Racker, dass kein anderes Tier sie als Beute erwischt.

Ein Stückchen weiter, direkt im Botanischen Sondergarten, ist auf einem Wegstück Rindenmulch verteilt. Auf ihm sonnte sich völlig selbstvergessen ein Amseljunges.

Jungamsel beim Sonnenbad ...

Jungamsel beim Sonnenbad …

Obwohl es mich irgendwann bemerkte, breitete es noch einmal genüsslich die Flügel auf dem von der Sonne beschienenen Mulch aus und wackelte dann und wann wohlig mit dem noch etwas kurzen Schwanz.

Junge Amsel benießt den warmem Rindenmulch

Junge Amsel benießt den warmem Rindenmulch

Aus dem Gebüsch nebenan erklang erregtes Gezwitscher einer erwachsenen Amsel. Offenbar hatte meine Anwesenheit die Eltern in Alarmbereitschaft versetzt, und das Küken wurde gewarnt. Es erhob sich widerwillig, hüpfte unerschrocken erst auf mich zu, dann an mir vorbei hin zu einer Steintreppe, mühte sich hüpfend die Stufen hinauf, um sich schließlich – oben angekommen – mit einem letzten fröhlichen Gebrabbel von mir zu verabschieden. Vielleicht war es auch nur ein Beruhigungslaut für Mama oder Papa. Ein äußerst selbstsicherer und fideler Nachwuchs.

... dann kommt das Amseljunge auf mich zumarschiert, läuft an mir vorbei Richtung Treppe ...

… dann kommt das Amseljunge auf mich zumarschiert, läuft an mir vorbei Richtung Treppe …

... erklimmt die Stufen ....

… erklimmt die Stufen …

... tschilpt noch ein Auf Wiedersehen und hört endlich auch auf die aufgeregten Rufe der Eltern

… tschilpt noch ein Auf Wiedersehen und hört endlich auch auf die aufgeregten Rufe der Eltern

Wissen Sie, was ich danach gemacht habe?
Ich habe zur Probe die Hand auf den Rindenmulch gelegt und tatsächlich, er wärmt wie eine Fußbodenheizung. Eigentlich könnte man sich dort zumindest hinsetzen. Oder mit nackten Füßen …
Man müsste ja nicht gleich mit dem Hintern wackeln …
Und der Kopf!
Der müsste natürlich noch sichtbar bleiben!

©Mai 2014 by Michèle Legrand
Michèle Legrand ©Foto Andreas Grav (Ausschnitt)

 

 

 

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25 Jahre EKZ QUARREE Wandsbek-Markt – Ob der Herr Blanco auch zum Jubiläum wieder kommt?

Michèle Legrand (@WordPress.com)In der heutigen oft recht schnell- bzw. kurzlebigen Zeit, sind Zeitspannen von mehr als drei Jahren schon lang. Vieles was just in diesem Moment entsteht oder en vogue ist, gilt dann bereits wieder als veraltet oder existiert gar nicht mehr.
Ist weg vom Fenster.
Trends haben es nun einmal an sich, dass sie nur über eine gewisse Lebensdauer verfügen – was nicht heißt, dass sie nicht irgendwann erneut auferstehen!
Während Nützliches und Dinge des täglichen Bedarf nie völlig out sind, geht den Trends und Modeartikeln schon eher die Puste aus. Wie die Überlebenschancen für heute angesagte Frisuren, Bubble Tea, neue hippe Sportarten, Farbvorlieben, Duftkreationen, Trendnahrungsmittel etc. stehen, kann keiner genau abschätzen. Das Herausfordernde ist, sich immer wieder dem Wandel anzupassen, was sich besonders schwierig gestaltet, wenn er nicht rechtzeitig erkannt oder sogar bewusst ignoriert wird!
Weggedacht. Gardine vor. Die blickdichte …
Nur – ist er dadurch vermeidbar, oder ist es eine Möglichkeit, etwas ungeschehen zu machen?
Wandel entsteht unter anderem dann, wenn sich Ansprüche ändern. Durch Umstände oder weil neue Bedürfnisse geweckt werden. Weil Vorreiter dort sind, die sich mit ihren Ideen und Konzepten, aber auch mit ihrer Qualität durchsetzen und auf diese Art zum Maßstab für andere werden. Wer dort hinterherhinkt, hat schnell das Nachsehen – außer, er schafft es, sich nicht den Anstrich eines ewig gestrigen, langweiligen Uninteressierten zu geben, sondern pflegt sein Image dahingehend, dass sein Altes bewahren und pflegen Kultcharakter erlangt.
Gewollt altmodisch, nicht rückständig!

Generell sieht es eher so aus, dass übertrieben konservatives Verhalten, einhergehend mit Kurzsichtigkeit bzw. Widerspenstigkeit gegenüber jeder Veränderung und allem Neuen, häufig der Grund für das Scheitern oder in der Versenkung verschwinden einer an sich guten Sache ist. Wer immer nur gleichartige Pullover strickt, nie das Strickmuster, die Farbe, den Schnitt oder/und das Garn ändert, war vielleicht irgendwann mit seiner Kollektion Branchenprimus, wird jedoch bei Stillstand und Ausruhen auf alten Lorbeeren langsam aber sicher als öde und von gestern abgestempelt werden.
Auf Wirtschaft und Handel – oder heute aus gegebenem Anlass ganz speziell auf Einkaufszentren – bezogen, bedeutet dies:
Entweder ich befriedige die Bedürfnisse in besonderer Weise und schaffe immer wieder Anreiz für ein Wiederkommen des Käufers oder die Besucher bleiben weg, orientieren sich anderswo. Das Geschäft dümpelt müde vor sich hin, die Mieter verlassen das Zentrum, das Angebot sinkt weiter, die Hälfte der Ladenflächen steht leer, verkommt – und irgendwann greift sich ein Investor den Komplex und macht im günstigsten Fall Wohnungen daraus.

Das es auch anders geht, beweist ein Jubiläum, das Ende September ansteht:
Mein – ich habe es natürlich nicht gekauft, aber ich sehe es als mein persönliches Einkaufzentrum an – mein EKZ QUARREE Wandsbek-Markt im östlichen Hamburg, wird tatsächlich schon 25 Jahre alt! Es ist so ein Beispiel für ständige Anpassung an neue Gegebenheiten. Vieles habe ich begrüßt, ein paar Dinge auch bedauert. Geschäfte, die kommen und gingen, Umgestaltungen – nicht mit allem kann jeder gleich glücklich sein. Nur im Großen und Ganzen ist es eine enorme Bereicherung für das östliche Hamburg, eine wirkliche Alternative zur City, und wirklich lobenswert sind die vielen Veranstaltungen, die dort erdacht und umgesetzt werden.
So übersteht man nicht nur die Jahre, sondern sieht dabei auch noch gut aus und gewinnt laufend Kunden dazu!

Ich habe mich mit dem Einschätzen seines Alters schwer getan, dabei bekam ich die Erstellung damals mit und verfolgte sämtliche Umbauten und Erweiterungen aus nächster Nähe!
Meine Güte, 25 Jahre!
Wie oft liegt der Mensch daneben, wenn er angeben soll, wie lange ein bestimmtes Ereignis schon zurückliegt. Meist ist doch viel mehr Zeit seitdem vergangen als gedacht!
Könnten Sie spontan sagen, was vor 25 Jahren passierte?
Die Chancen stehen gut, wenn Sie bestimmte, für Sie wichtige Ereignisse, damit verknüpfen können. Schule beendet, geheiratet, erstes Kind – das sind Dinge, bei denen Sie meist datenfest sind. Aber wann Sie Mumps hatten, wie lange Ihr Nachbar im Haus wohnt, wann Ihr Auto das letzte Mal beim TÜV war, vor wie vielen Jahren Sie die letzte Tetanus-Impfung bekamen … keine Ahnung.
Sie werden so etwas wie den Terroranschlag auf die beiden Türme des WTC in New York erinnern. Die Bilder des Anschlags sowieso – doch das Datum wird zusätzlich immer wieder genannt und von Ihnen mit Ihren gebliebenen Eindrücken verbunden. Ist abrufbereit. Das Abspeichern von Daten ist eine Ausnahme, die bei denjenigen Vorkommnissen stattfindet, die weit über das Normale hinausgehen, tragischer sind, mehr Einfluss haben, privat oder weltweit immense Änderungen nach sich ziehen …

Doch zurück zum Einkaufszentrum, welches zum Glück nicht zu dieser Kategorie zählt und dessen Gründungsjahr daher auf andere Art und Weise aus meinem Gedächtnis hervorgekramt werden musste. Ich behalf mir mit dem Alter meiner Kinder. Mein Sohn war schon etwas vorher – vor der Fertigstellung – auf der Welt, meine Tochter jedoch noch nicht. Zwischen ihren Geburten musste Eröffnung gewesen sein. Daraus ergab sich eine unsichere Zeitspanne von gut drei Jahren.
Nun, bei mir hätte das EKZ Quarree Wandsbek-Markt eben statt 1988 erst 1989 oder Anfang 1990 eröffnet gehabt und könnte dementsprechend leider erst später Jubiläum feiern …

Als ich in den 80er Jahren in diese Gegend zog, gab es eine Vielzahl an teilweise weiter auseinanderliegenden Einzelgeschäften und das alteingesessene Kaufhaus KARSTADT. Zu dieser Zeit war die Existenz der großen Ketten noch nicht so ausgeprägt, deren zahlreiche, fast identisch aussehende Filialen jede Einkaufsstraße heutzutage der nächsten ähneln lassen. Die Häuser entlang der Wandsbeker Marktstraße waren unterschiedlich in ihrer Größe und auch in ihrer Höhe. Ein Sammelsurium. Nicht immer schön, denn manche Bauten waren nach dem Krieg nur halbherzig wieder hergerichtet worden. Geschosse, die nach dem Bombardement fehlten, stockten die Eigner teilweise gar nicht wieder auf, sondern sie zogen einfach auf halber Höhe ein Flachdach. Fertig.
Es gab auch bis hin in die besagten 80er Jahren zahlreiche Eigentümer mit verschiedenen Interessen, Ansichten, Vorhaben und Geldbeuteln. Nicht leicht, etwas Einheitliches, Gemeinsames auf die Beine zu stellen. Die Kunden wanderten für ihre Besorgungen vorrangig in die City und erledigten hauptsächlich den alltäglichen Einkauf vor Ort, obwohl damals durchaus in einem Häuserkomplex, der später zum völlig neuen QUARREE II wurde, das Kaufhaus HORTEN auf zwei Etagen und im Tiefgeschoss Schaulandt, der bekannte Technik- und Elektroanbieter mit dem auffälligen Erkennungszeichen, dem weißen Gespenst auf schwarzem Grund, existierte. Die Wandsbeker Marktstraße bot zu dieser Zeit ein etwas unruhiges Bild. Bunt zusammengewürfelt, es war nicht alles leicht zu finden und an manchem fehlte es komplett. So entstand hier, wie auch in manchen anderen Stadtteilen, die Idee der Errichtung eines Einkaufzentrums. Nicht irgendwo an der Peripherie, sondern mittendrin.

Es kam Bewegung in die Angelegenheit. Häuser wechselten den Besitzer. Aufkäufe für ein zukünftig an dieser Stelle entstehendes Ladenzentrum wurden getätigt. Die inzwischen vorliegenden Pläne wurden vorgestellt, und schließlich war es soweit: die Um- und Neubauten starteten. Im Herbst 1988 eröffnete der erste Teil des heutigen Einkaufszentrums. Das QUARREE I wurde im zweiten Schritt stadtauswärts erweitert, Quarree II kam mit neuen Ladenflächen und weiterer Tiefgarage (Parkhaus) hinzu. Heute zieht sich das Einkaufszentrum von KARSTADT bis hin zu den U-Bahn-Abgängen in der Wandsbeker Marktstraße, die sich gegenüber des ZOB befinden.
Das Zentrum ist sehr gut erreichbar, und zu seiner Beliebtheit trägt sicher auch das CinemaxX Kino bei, das im Jahr 2000 eingeweiht wurde. Es wurde quasi nachträglich auf das Dach des QUARREE I  gebaut, schwebt frei und sitzt außerhalb auf vier Stützen. Eine ziemlich einmalige Konstruktion!
Die Region Wandsbeker Marktstraße wurde BID (Business Improvement District) und überaus rührige Wandsbeker Geschäftsleute haben sich zusammengeschlossen, um im City Wandsbek e. V. gemeinsam neue Wege zu gehen und weitere Verbesserungen für die Region zu erreichen.

25 Jahre. Silberjubiläum!

EKZ QUARREE Wandsbek-Markt - Im September ist das 25-jährige Jubiläum. Stargast Roberto Blanco war bei der Eröffnung dabei ...

EKZ QUARREE Wandsbek-Markt – Im September ist das 25-jährige Jubiläum. Stargast Roberto Blanco war bei der Eröffnung dabei …

Trotz all der notwendigen Gedächtnisanstoßerei und -trickserei bezüglich des Alters des Jubilars – wissen Sie, woran ich mich ganz klar sofort erinnerte?

Ich weiß, dass Roberto Blanco und brasilianische Tänzer zur Eröffnung eingeladen waren. Damals war Herr Blanco 51 Jahre. Was man ihm nicht ansah. Da er heute immer noch auftritt, befür…worte ich natürlich, dass er jetzt mit 76 Jahren unter Umständen wieder dabei ist.
Simply irresistible.
Bitte?
Nein, das bezog sich jetzt überhaupt nicht auf das Vorherige!
Es ist der Titel eines Liedes. Robert Palmer hat es gesungen. Ich wollte es Ihnen nur erzählen, weil der Song ebenfalls in diesem Jahr 25 Jahre alt wird.

Ich denke, ich werde mir das Jubiläum vormerken und nachsehen, was sich zu diesem Anlass Ende September in „meinemQUARREE tut. Dann kann ich Ihnen auch sagen, ob Roberto wieder da war oder nicht …

Abschließend ein Tipp, falls Sie im August in der Nähe sind:
Anlässlich des Jubiläums läuft ein Wettbewerb um den Designpreis für die Jubiläumsedition der Gutscheinkarten des QUARREES. Die Entwürfe stammen von Studenten der Kunstschule Wandsbek. Ab 19.-24.08.2013 ist es möglich, sich die Arbeiten zu drei verschiedenen Themenbereichen auf der Aktionsfläche des Quarree I anzusehen. Besucher des EKZ können per Wahlkarte über ihren Favoriten abstimmen. Die Preisverleihung findet am 24.08.13 um 18 Uhr statt.

Ein weiteres Event erwartet sie dort ebenfalls zu dieser Zeit: am 23. und 24. August geht es im QUARREE in die nächste Runde des Model-Wettbewerbs QUARREE GESICHTER 2014. Diesmal sind die verbliebenen Kandidaten als Living Dolls (lebende Schaufensterpuppen) unterwegs!  Schauen Sie doch vorbei!
Mehr darüber auch im Blog zu gegebener Zeit.

©August 2013 by Michèle Legrand

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Ein Kommentar

Den „Wandsbeker Winterzauber“ hier einmal als Beispiel genommen: Was braucht es, um Zauber zu entfalten?

Wandsbeker Winterzauber 2012  - Abteilung Süßes direkt am Abgang zur U-Bahn

Wandsbeker Winterzauber 2012 – Abteilung Süßes direkt am Abgang zur U-Bahn

Er ist gut gemacht … Doch … Nein, wirklich! … Nur …

Genau dieses zögerliche Beurteilen ist heute an der Reihe. Warum gefallen einem Dinge, die vordergründig reizvoll sind, auf einmal nicht so richtig?
Warum scheint es ihnen an Ausstrahlung zu fehlen? Wo versteckt sich ihr angekündigter Zauber? Gibt es ihn? Ist man nur blind oder zu verwöhnt?

Vorweg: Mir liegt es fern, Sie zu verwirren! Es geht im Endeffekt zu einem großen Teil um den Wandsbeker Winterzauber. Und ich bin durchaus pro eingestellt! Doch es geht nicht um ihn ausschließlich!
Ich möchte ihn heute vielmehr als Beispiel nutzen, um die Fragen oben – aber auch andere – ein wenig zu beleuchten. Es gibt folglich eine kleine Anlaufkurve auf dem Weg zum Winterzauber, und wer nur Eindrücke von vor Ort sucht, der scrolle doch bitte einfach zu den Fotos weiter und achte auf die hinweisenden Zwischenüberschriften.
Alle anderen, die mit mir ein paar Gedanken austauschen möchten, bleiben bitte an meiner Seite.

Zauber und zauberhaft
Wann und ob wir etwas als zauberhaft empfinden, hängt nicht allein von dem Hauptbestandteil einer Sache ab.
Ein Beispiel:
Angenommen, Sie würden Ihren Sommerurlaub am Nord- oder Ostseestrand verbringen. Was brauchen Sie, was ist wichtig?
Man könnte denken, der maßgebliche Hauptbestandteil wäre der Urlaub. Gut, Sie müssen frei bekommen, aber ansonsten? War es das?
Nein? Was dann?
Der Ort?
Für den Zauber spielt auch er nicht die alles entscheidende Rolle.
Doch wann ist die Chance am größten, dass Sie von einem idealen Urlaubsort, einem Traumstrand, von einem rundherum zauberhaften Sommerurlaub schwärmen würden? Und das selbst angesichts der Tatsache, dass es eigentlich ein kleines, unscheinbares Kaff ist – ebenso der Strand und alles andere wirklich durchschnittlich, unauffällig. Nicht weltbewegend oder aufregend.
Richtig! Wenn Sie für Ihren Sommerurlaub auch die Sommermonate wählen und Sie dabei entsprechendes Sommerwetter genießen!
Wenn es warm ist, die Sonne Ihre Nase kitzelt, Sie barfuß mit den Zehen den feinen Sand am Strand umgraben, sich leicht nach Luft schnappend (das Wasser ist halt doch etwas frisch) in die Fluten stürzen, Sie aufgrund der herrschenden Hitze den Speiseeis- respektive Mineralwasserabsatz ankurbeln und wenn Sie Ihren Strandkorb als Sonnen- und nicht als Regen- oder Kälteschutz benutzen.
All das hebt ihre Stimmung, schafft eine schöne Atmosphäre und lässt Sie positiv bewerten. Selbst wenn Ihnen ein Urlaubstag dazwischen nicht alles erfüllen kann, bleibt die positive Einstellung erhalten.

Nehmen Sie bitte außerdem an, Sie durchquerten auf dem Heimweg von der Ostsee Hamburg, pausierten und spielten mit dem Gedanken, sich die legendäre Reeperbahn anzusehen.
Wann ist hier die Chance am größten, dass Sie Atmosphäre spüren, die Luft ein bisschen knistert und Sie die bunten Leuchtreklamen beeindrucken? –
Also die Leuchtreklamen Sie, nicht Sie die Leuchtreklamen …
Richtig! Höchstwahrscheinlich abends, nachts – auf jeden Fall bei Dunkelheit!
Da entfaltet sich auf einmal der Zauber.

Und Ihre Weihnachtsdekoration?
Die kilometerlangen Lichterketten, beleuchteten Elche und Schlitten? Der sich abseilende Weihnachtsmann mit Lichtschlauch, der an Ihrem Balkon baumelt? Die Fensterbilder?
Wann wirken die?
Am Tag, wenn Sie den ganzen Kabelsalat und sonstiges Plastik sehen?
Falsch!
Richtig ist, auch hier warten Sie auf den Moment, in dem das Tageslicht sich verabschiedet und all die Lampen, Lichter und Kerzen die Vorherrschaft übernehmen, dafür sorgen, dass Ihre Umgebung gleich ganz anders wirkt.
Zauberhaft.

Was hat das alles mit dem Wandsbeker Winterzauber zu tun?
Mit ihm ist es im Grunde ganz genauso.  Auch bei ihm braucht es bestimmte Voraussetzungen, damit sich sein Zauber entfaltet. Es gilt dasselbe Prinzip.
Alles hat seine Zeit!

Die Entwicklung: Wandsbeker Winterzauber – das war doch früher …
Entwickelt hat sich der Wandsbeker Winterzauber aus dem ehemaligen, dem traditionellen Weihnachtsmarkt, der ursprünglich immer zur Adventszeit startete, wenn Volkstrauertag und Totensonntag hinter uns lagen, der Nebel trüber Novembertage vergessen war und alles langsam festlich wurde.
Sobald der Countdown lief, nämlich das Anzünden der Adventskerzen, öffnete der weihnachtliche Markt als Adventszeitbegleiter.
Nur mit jedem Jahr entdeckte die Wirtschaft (nicht nur in Wandsbek!) mehr und mehr, wie zauberhaft es wäre, wenn das Geschäft schon eher liefe, gierte, dass der Rubel früher rollte.
Die Dominosteine und Stollen tauchen jede Saison zeitiger auf. Irgendwann wird es sie zeitgleich mit den Osterhasen geben.
Die Glitzerbäume und Girlanden in den Läden entwickeln sich allmählich zum Halbjahresschmuck, lediglich kurzzeitig unterbrochen von baumelnden Valentinsherzchen, bunten Ostereiern oder Plastikkürbissen.
Anfangs waren die Proteste gewaltig, später immer noch erheblich und heute? Langsam haben wir uns offenbar daran gewöhnt und sind es einfach leid, uns ständig wieder aufzuregen. Der Boykott von Printen im September war vergebens, ebenso das Ignorieren des Stollens im Oktober. Hartnäckig wird die Ware weiterhin bei noch sommerlichen Temperaturen zu Pyramiden aufgestapelt, und irgendwann hat man uns weichgekocht.
Steter Tropfen höhlt den Stein.
Resignation.
Bringt ja doch nichts …
Ein letztes, halbherziges Murren über das Lametta, das einem im Oktober am Eingang durchs Gesicht wischt – Ende des Aufbäumens.

Dieses Verhalten ermuntert dummerweise gleich wieder den nächsten forschen Unternehmer dazu, sein Rentier noch einige Tage eher als im Vorjahr ins Fenster zu stellen.
Und sein Vorpreschen?
Seine Aktion ist Freibrief oder Startschuss für die Restlichen seiner Zunft!
Man sieht förmlich den Fingerzeig auf das schwarze Schaf und hört sie aufgeregt haspeln:
Der hat ja auch schon …! Wir hätten doch sonst nie!
Jedes Jahr wird wahrscheinlich einer auserwählt, der den Buhmann spielen darf. So wie die Tankstellen als Preisvorreiter sich auch ablösen …

Wir halten fest:
– alles beginnt immer eher
– der Handel macht ziemlich, was er will
– alles vermischt sich
– das Timing stimmt nicht mehr

Der Wandsbeker Winterzauber ist eine schöne Idee. Darüber gibt es keinen Zweifel, und ich möchte ihn, seine Existenz, überhaupt nicht in Frage stellen!
Ich stelle mir nur gelegentlich die Frage, was es oder er genau sein soll. Immer noch eine Art Weihnachtsmarkt in ausgedehnter Form unter Verzicht auf diese Bezeichnung, weil man sich wenig um die wirkliche Weihnachtszeit schert? Weil es sich so neutraler anhört, sich unbekümmert mehr dazumixen lässt? Stellt die neue Variante möglicherweise ein multifunktionales November-Dezember-Januar-Potpourri dar?
Oder kann man sich vielleicht nicht entscheiden? Möchte man möglichst von allem etwas haben und anbieten?
Ist es etwa so, dass man etwas anderes tun muss, um sich abzuheben? Um Publikum anzuziehen?
Was zieht denn Publikum an?

Der Wandsbeker Winterzauber speziell in diesem Jahr …
Es entstand wie im Vorjahr wieder eine Art Bergdorf aus Holzhütten, aufgebaut auf dem Wandsbeker Marktplatz, schön geschmückt, mit vielfältigem Angebot. Die abwechslungsreiche Verköstigung ist gesichert (in allen möglichen Varianten von süß bis deftig), es gibt zahlreiche kalte und heiße Getränke für fast jeden Geschmack, für Groß und Klein.

Es wird auch für Unterhaltung gesorgt, denn die etwa 400 qm große Schlittschuhbahn („Like-Ice“, umweltschonend) wurde erneut aufgebaut. Mit täglicher Disco on Ice ab 10.00 Uhr vormittags oder der Aktion After Work on Ice von Montag bis Freitag ab 17.00 Uhr.

Wandsbeker Winterzauber - Ein Blick auf die Like-Ice-Schlittschuhbahn mit dem abgeteilten Bereich fürs Curling. Links schließt sich die Panorama-Terrasse an.

Wandsbeker Winterzauber – Ein Blick auf die Like-Ice-Schlittschuhbahn mit dem abgeteilten Bereich fürs Curling. Links schließt sich die Panorama-Terrasse an.

Für die Kinder gibt es ein Kinderkarussell mit vielen Fahrzeugen sowie das Haus des Nikolaus. Sogar die Zahl der Buden wurden in diesem Jahr erhöht. Es gibt zusätzlich jeweils einen Stand mit Kerzen, Gewürzen, Mützen und eine Hütte mit etwas skurrilem Kunstgewerblichen.

Wandsbeker Winterzauber - Kinderkarussell - Blick Richtung ZOB Wandsbek

Wandsbeker Winterzauber – Kinderkarussell – Blick Richtung ZOB Wandsbek

Wandsbeker Winterzauber - Kinderkarussell

Wandsbeker Winterzauber – Kinderkarussell

Wandsbeker Winterzauber - Neu in diesem Jahr: Mr. Magorius Wunderladen mit teilweise recht skurrilen Dingen ...

Wandsbeker Winterzauber – Neu in diesem Jahr: Mr. Magorius Wunderladen mit teilweise recht skurrilen Dingen …

Ein weiteres großes Plus: Der von mir oft kritisierte Gestank durch die Räucherschwaden des sonst mitten auf dem Platz befindlichen Schwenkgrills wurde fast ausgeschaltet, indem die Schwenkbraterei  diesmal eine eigene Holzhütte am Ende des Platzes Richtung ZOB bekam.
(Dort hat er gefühlt jedoch weniger Kundschaft)

Wandsbeker Winterzauber - Die Schwenkbraterei mit dem Schwenkgrill erstmalig mit Hütte direkt am ZOB zu finden ...

Wandsbeker Winterzauber – Die Schwenkbraterei mit dem Schwenkgrill erstmalig mit Hütte direkt am ZOB zu finden …

Es gibt noch mehr hervorzuheben, vor allem die Kunst, alles besonders eindrucksvoll zu benennen.
Das ist freundlich gemeint, nicht gehässig!
Bekannt ist von früheren Veranstaltungen natürlich die Almhütte, in der ausgekühlte Winterzauber-Besucher einkehren und auftauen können.
Sie wird gut angenommen.

Wandsbeker Winterzauber - Am Abend füllt es sich - Die Almhütte

Wandsbeker Winterzauber – Am Abend füllt es sich – Die Almhütte

Seit letztem Jahr haben Sie als Besucher auch einen sagenhaften Rundblick. Wenn sie waghalsig ein bis zwei hölzerne Stufen nahe der Schlittschuhbahn erklimmen, sind Sie nämlich auf dem Unterdeck der sogenannten Panorama-Terrasse, die selbstverständlich auch ein Oberdeck hat!
Was können Sie da nicht alles sehen!
Wenn Fernsicht herrscht in den Wandsbeker Bergen …
Oder zumindest freie Sicht, denn meistens steht jemand neben Ihnen oder Sie sehen – dort wo sie stehen – nur in eine Richtung, da ein Hüttenaufbau Ihnen im Weg ist.
Sie haben somit ein halbhohes Teilpanorama.
Über weite, vereiste Felder … Nein, Korrektur, über die überschaubare „Like-Ice“- Schlittschuhbahn.
Ist aber auch schön!
Ich liebe nur diese Begriffe …

Wandsbeker Winterzauber - Ein Blick am Tage über den Platz Richtung EKZ QUARREE. Gut zu erkennen, die Panorama-Terrasse mit Unter- und Oberdeck.

Wandsbeker Winterzauber – Ein Blick am Tage über den Platz Richtung EKZ QUARREE. Gut zu erkennen, die Panorama-Terrasse mit Unter- und Oberdeck.

Wie läuft es beim Wandsbeker Winterzauber? Wie ist der Eindruck? Herrscht Andrang? Wie kommt der frühe Start an? Wer kommt zum Winterzauber?
Es startete mit einer schwungvollen Eröffnungsfeier am 09. November, zu dem u. a. hübsche Mädchen (die Ice Girls) auf der Eisfläche auftraten. Man bereitete sich und die Besucher auf ca. acht Wochen zauberhaften Winter vor.
Es sieht – besonders am Abend – sehr ansprechend aus. Und trotzdem …
Mein Weg führt quasi jeden Tag am Wandsbeker Marktplatz vorbei. Egal zu welcher Zeit, der Zulauf war anfangs eher zaghaft.
Wurde es besser?
Ich habe zwei Wochen mit meinem Blogpost gewartet, um einen besseren Eindruck zu bekommen . Ich bilde mir wirklich ein, der November kann bisher hinsichtlich des Besucheraufkommens als recht mau bezeichnet werden.

Woran mag es liegen?
Während der Errichtungsphase Ende Oktober hatten wir anfangs noch sehr milde Tage. Wer sich erinnert: Am 19. Oktober herrschten sommerliche Temperaturen, die höchsten im Oktober seit Aufzeichnung!

Wandsbeker Winterzauber - Der Wegweiser: Weihnachtsmann mit Laden im unteren Bereich

Wandsbeker Winterzauber – Der Wegweiser: Weihnachtsmann mit Laden im unteren Bereich

So wurde hier und da Protest laut über die extrem frühen Aufbauaktionen und vor allem das arg verfrühte Auftauchen des meterhoch gen Himmel ragenden Riesenweihnachtsmannes, der mittlerweile zum ständigen Wahrzeichen des Winterzaubers erkoren wurde und – sehr nützlich – den Besuchern schon von weitem den Weg weist.
Was alle empfinden, nämlich, dass Weihnachtsdekoration im Oktober verfrüht ist und sich einfach noch kein Christmas-Feeling einstellt, dieses Empfinden tritt beim Anblick des eindeutigen Weihnachtssymbols besonders zu Tage. Während Lichterketten bereitwillig toleriert werden, wurde über diesen bärtigen Genossen im roten Mantel wirklich gemurrt!
Die Folge: er bekam kurzerhand für die restlichen Tage bis zur Eröffnung eine weiße Hülle über sein Haupt gestülpt …

Die überschaubare Anzahl von Schlittschuhläufern, insbesondere Kindern, hängt weniger mit der aus Kunststoff nachempfundenen Eisfläche zusammen (die immer noch nicht alle mögen), als vielmehr damit, dass durch die langen Unterrichtszeiten in den Schulen, heute fast gar kein schulpflichtiges Kind mehr am frühen Nachmittag zum Laufen kommen kann. Sie haben als Schlupfloch die Zeit zwischen Schulende und Dunkelheit und verlegen ihre Aktivitäten häufig auf das Wochenende. Ausnahmen bilden Klassen, die dort gemeinsam einen Besuch planen – während der Unterrichtszeit. Doch das ist nicht der Regelfall.

Bisher nutzen auch relativ wenige Erwachsene das Eisvergnügen. Ich sehe eher ab und zu Besucher, die Curling spielen, als welche, die sich Schlittschuhe umschnallen. Wenn, dann sind es Väter oder Mütter in Begleitung ihres jüngeren Nachwuchses.

Man sieht weiterhin extrem wenig ältere Menschen dort verweilen. Wenn ich jemanden begegne und frage, wie es ihm gefällt, folgt als Reaktion der Hinweis, dass die Bänke fehlen. Sie sind nicht zugänglich im Moment.  Und man fühle sich etwas fehl am Platz. Es wäre ja sonst keiner da (in dem Alter). Man ginge einmal hin und zurück – das war es. Und abends spät schon gar nicht …

Gegen Abend und am Wochenende wird es belebter. Gut besucht sind dann die Stände mit Getränken und Essbarem. Das Angebot wird gern angenommen, der Marktplatz ist zudem um diese Zeit Treff für Freunde oder Bekannte. Grüppchenbildung ist zu erkennen.

Warum trotzdem das Gefühl, früher war mehr? Mehr Flair, mehr Seele, mehr Leute!
Mir kommt es fast vor, als würde die Tatsache, dass der Winterzauber über so viele Wochen läuft, nicht wenige Menschen davon abhalten, sofort hinzugehen.
Es ist ja noch viel Zeit …

Für die Veranstalter werden sicher viele Argumente eine Rolle gespielt haben oder der Auslöser gewesen sein, sich für diese Dauer zu entscheiden – abgesehen von dem Wunsch, das Weihnachtsgeschäft zu verlängern.
Einige Vermutungen:
Der Aufwand (Aufbau!) muss sich lohnen. Je länger etwas genutzt werden kann, desto besser rechnet es sich. Es wird profitabler.
Nur richtig profitabel wird es erst dann, wenn es auch genutzt wird …
Die Bevölkerung soll länger eine Attraktion vorfinden, länger ihr Vergnügen haben.
Nur über eine Dauer von gut acht Wochen ist auch hier zu bedenken, dass Menschen sich dann gern bereits wieder langweilen – wenn nicht immer neue kleine Highlights den weiteren Ablauf begleiten.
Wir schaffen schon im November ein Programm! Ein Kontrastprogramm zu den traurigen Tagen. Zur Ablenkung. Gegen das trübe Wetter, gegen den Hang zu Depressionen, etc. …
Sollte dies zutreffen, so ist es äußerst löblich. Es erfordert allerdings auch ein wirkliches Programm neben dem Hinstellen und acht Wochen später wieder Abbauen von Dingen. Und es gibt eine Sache, die nicht unterschätzt werden darf, die immer wieder enormen Einfluss darauf hat, ob etwas eher als Erfolg oder Nichterfolg wahrgenommen wir – und zwar unabhängig davon, wie sorgfältig und einfaltsreich die sonstige Planung verlief:
Man wird immense Schwierigkeiten haben, für konstante Zufriedenheit zu sorgen, wenn ein Event unter einem Namen an den Mann gebracht wird, der schwer halten kann, was er verspricht.
Winterzauber!
Erinnern Sie sich an den Anfang des Blogposts?
Den gelungenen Sommerurlaub?
So wie Sie dort Sonne und Wärme brauchen und beides im Zusammenhang mit dem Begriff Sommer erwarten, so sieht ihre Hoffnung auch aus, wenn Sie zum Winterzauber gehen.
Es soll gefälligst Winter sein!
Genau davon hängt letztlich der Zulauf ab. Solange der Umstand nicht eintritt, kann sich der Zauber nicht erfüllen.
„Zum Winterzauber gehe ich erst, wenn Winter ist!“
Das sagte mir mehr als nur einer, und das Verhalten der Menschen ist tatsächlich entsprechend!
Sobald die Temperaturen sinken, der Himmel klar wird, die Sonne sich durchmogelt – schon sind sie da.
Zeigen sich zusätzlich leise rieselnde Schneeflocken, nähert sich Weihnachten wirklich, ist die Zeit gefühlt reif für Weihnachtslieder aus quäkenden Lautsprechern … ja, dann beginnt in der Tat der Winterzauber.

Nun ist selbst der beste Veranstalter nicht in der Lage, das Wetter zu beeinflussen. Er kann nur bestmöglich planen.
Er muss grundsätzlich von den schlechtesten Bedingungen ausgehen und Möglichkeiten schaffen, sich beispielsweise vor schlechter Witterung zu schützen. Missliches Wetter darf den Besucher nicht von vornherein davon abhalten zu kommen!
Beim Winterzauber hat man (im Gegensatz zum Sommerevent) daran gedacht – die Möglichkeiten sind gegeben.
Er sollte ebenfalls über ein Bündel an Alternativen nachdenken, Programmpunkte berücksichtigen, die selbst bei trübem Wetter, Regen und Matsch machbar sind und nicht etwa buchstäblich ins Wasser fallen.
Vielleicht ließen sich Aktivitäten einbauen, die in den Hütten (vorhandenen wie z. B. der Almhütte oder auch einer zusätzlichen) ausgeführt werden können. Spiele, Quiz-Runden, Lesungen/Märchenstunde, Kinderstunde/Malen, Kaffeezeit für Ältere, Podium für junge Künstler, Themenabende u. v. m.
Ich höre schon die Proteste:
Ja, aber die Kosten!
Kosten entstehen auch, wenn keiner kommt!
Man kann nicht nur etwas hinstellen. Es muss auch mit Leben erfüllt werden!

Fazit:
Wir haben in Wandsbek eine im Prinzip schöne Veranstaltung, die den sonst leeren Marktplatz in der etwas trostlosen Jahreszeit bunter und freundlicher wirken lässt, die Menschen anzieht. Ein Angebot, das auf seine Art besonders ist, weil es nicht überall mitten in der Stadt ein Hüttendorf mit der Möglichkeit zum Eislaufen gibt!
Aber:
Selbst wenn die Like-Ice-Schlittschuhbahn aufgrund ihrer Beschaffenheit umweltschonend und nicht wetterabhängig ist – das Event ist es (wie auch der Beachclub im Sommer!) sehr wohl!
Wer als Veranstalter einen derart frühen Start plant, ist nicht immer gut beraten! Weder wenn er versucht, Weihnachten künstlich vorzuziehen, noch wenn er die Adventszeit nach eigenem Gutdünken wie Kaugummi in die Länge zieht.
Nicht immer ist es sinnvoll, zwei derart grundverschiedene Monate wie November und Dezember  (Trauer/Gedenken und Weihnachtsvorfreude)  in einem Aufwasch zu behandeln und abhaken zu wollen.
Wer überdies so früh vor Ort ist, muss mit ungünstiger Witterung rechnen. November ist kontinuierlich der Monat der Nässe, des Nebels, der Trübheit. Es ist keine nicht zu ahnende Ausnahme!
Das Risiko des Nichtübereinstimmens der Erwartungen mit den tatsächlichen Gegebenheiten erhöht sich eklatant, wenn einfach die Jahreszeit eigenmächtig umbenannt wird.
So enttäuscht, wie sie über Nicht-Sommer während ihres Strandurlaubs wären, so ernüchtert reagieren Sie auch auf Nicht-Winter beim Winterzauber.
Werden ganz gezielt und konkret Vorstellungen durch Ankündigungen und Bezeichnungen vermittelt, die ein ganz bestimmtes Bild vorzeichnen und dieses sich danach nicht erfüllt oder bestätigt, produziert es Enttäuschung – trotz vieler positiver Aspekte!

Was tun?
Da Sie wenig Einfluss auf das Wetter oder  die Planung nehmen können und zudem das Empfinden – das ist mir durchaus bewusst – subjektiv ist, geht es Ihnen so wie bei einem verregneten Sommerurlaub. Da hilft Ihnen auch kein Klagen.  Es liegt immer in Ihrer Hand, was Sie dennoch daraus machen. Ob Sie es weiterhin als faulen Zauber empfinden oder als trotzdem zauberhaft – nur auf eine völlig andere Art.

Wissen Sie was?
Warten Sie nur noch auf einen knackig kalten Tag (im Moment sieht es doch schon gut aus!), hüllen Sie sich in ihre Winterjacke, ziehen die Kapuze hoch und wickeln den Schal dreimal um den Hals.
Gehen Sie los, besuchen Sie den Wandsbeker Winterzauber, gönnen Sie sich einen heißen Kakao, Kaffee, Glühwein –  oder wonach immer Ihnen ist!
Schnappen Sie sich doch ein Kind dazu (eigenen Nachwuchs oder suchen Sie sich ein bis vier freiwillige Leihkinder aus der Verwandt- oder Bekanntschaft) und dann veranstalten Sie Ihren eigenen, persönlichen, lebendigen Zauber.
Treffen Sie sich mit anderen! Verabreden Sie sich!
Überhaupt: Gehen Sie auch einmal abends, wenn die ganze Illumination ihren eigenen Reiz hat.
Oder schnallen Sie sich selbst die Schlittschuhe an! Und reicht Ihnen der Anblick des Kunstbodens nicht zur Verzauberung, dann schauen Sie eben auf die Lichter-Bäumchen am Eisflächenrand mit ihren tausenden, leuchtenden LED-Lampen.
Winken Sie jemandem hoch oben auf der Panorama-Terrasse zu, äußern Sie Ihre Bewunderung über die  Schwindelfreiheit  und spielen Sie miteinander Unterhaltung mit Echo!
Es gibt so viele Möglichkeiten!

Wann kommen Sie?

Sie haben noch bis zum 06. Januar 2013 Zeit. Die Chancen stehen gut, dass Ihnen bis dahin auch das nötige Winterfeeling beschert wird.
Familientag ist jeden Mittwoch von 10-18 Uhr (ermäßigte Preise bei der Eisbahn und am Karussell), die Ladies‘ Night montags von 18-22 Uhr (halber Preis an der Schlittschuhbahn sowie halber Preis für den ersten Glühwein).

Viel Spaß in Wandsbek!

Weitere Fotos vom Vorjahr (Fast identischer Aufbau der „Bergdorfes“) finden Sie in diesem Artikel:
https://michelelegrand.wordpress.com/2011/11/11/nun-aber-richtig-der-wandsbeker-winterzauber-ist-eroffnet/

©November 2012 by Michèle Legrand

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Herbst im Gehölz: Tanzendes Licht, tarntalentierte Pilze, tauchende Blätter …

Herbst - Vor dem Laubfall: Erleuchtet ...

Herbst – Vor dem Laubfall: Erleuchtet …

Ich war am Wochenende spazieren …
Nein, fangen wir anders an!
Wie schaut es bei Ihnen aus?
Hätten Sie Lust, heute ein Stück mitzukommen? Ins Gehölz?

Ich bemerke gerade bei einem Bloggast die Andeutung von Querfalten auf der Stirn, und vielleicht stellt sich dieser Jemand die Frage:
Warum sagt sie nicht einfach Wald, wie jeder Mensch …?
Und dann kommen die Zweifel!
… oder ist Gehölz doch etwas anderes?
Liebe Blogleser, so viel anders ist es nicht. Ich meine ein überschaubares Laubwäldchen und entscheide mich nur deshalb für den Begriff Gehölz, was das sein richtiger, offizieller Name ist:
Das Wandsbeker Gehölz.
Es geht um insgesamt vier Waldstückchen, die sich im östlichen Hamburg befinden, am Wandsbeker Markt beginnen und sich ca. zwei Kilometer nach Osten erstrecken. Seit langem existierend, dementsprechend herrlich und alt ist der Baumbestand. Mehrheitlich wachsen dort Buchen und Eichen, aber auch Ahorn, einige Kastanien, weitere Laubbaumarten als Einzelgewächse und – wirklich die Ausnahme bildend – noch hin und wieder ein Nadelbaum.
Durch den Bau von Straßen und durch die Eisenbahnstrecke nach Lübeck wurde alles im Laufe der Jahrzehnte etwas zerteilt und zerklüftet, so dass es heute eben Gehölz I bis IV gibt – mit Unterbrechungen.
Genug der Erklärungen!

Es ist momentan trocken, sogar leicht sonnig und die Luft ist gut!
Schließen Sie sich mir an?

Ich habe von Menschen gehört, die seit ewiger Zeit nicht mehr in einem Wald oder waldähnlichem Gebiet spazieren waren. Die gar nicht mehr wissen, wie es dort ist!
Wie es riecht, wie es sich anhört, wie sich der Boden unter den Füßen anfühlt, welches Licht dort herrscht.
Mag sein, dass Sie kein Stadtmensch sind und der Wald sie täglich umgibt. Genau, Sie waren bestimmt im Wald, doch ich zerre Sie – wie alle anderen – heute trotzdem durchs Unterholz, damit Ihnen nichts entgeht. (Manchmal drücke ich es drastisch aus, doch in Wirklichkeit meine ich zerren im Sinne von hauchzart am Jackenärmel nehmen und Sie zu der ein oder anderen Auffälligkeit dirigieren, die Sie selbstverständlich auch völlig allein gefunden hätten …)

Auf dem Weg zum Gehölz:

Herbst - Kunstwerke an Bäumen ... sich täglich verändernd

Herbst – Kunstwerke an Bäumen … sich täglich verändernd

Herbst - Langsam fangen die Wände an zu brennen ...

Herbst – Langsam fangen die Wände an zu brennen …

Herbst - auch schön: das Blatt einer Heckenrose

Herbst – auch schön: das Blatt einer Heckenrose

Herbst - Wenn der Ahorn sein Licht anknipst ...

Herbst – Wenn der Ahorn sein Licht anknipst …

Herbst - Der Osterschneeball (Viburnum burkwoodii) mag es farbenprächtig

Herbst – Der Osterschneeball (Viburnum burkwoodii) mag es farbenprächtig

Herbst - ein wenig Indian Summer ist auch in Hamburg

Herbst – ein wenig Indian Summer ist auch in Hamburg

Während es auf dem Weg durch das Wohngebiet sehr herbstlich aussieht, sich die Sträucher in den Gärten, einige Bäume am Straßenrand und Wilder Wein an Hauswänden bunt verfärbt haben, ist es im Gehölz auf den ersten Blick noch nicht so weit. Allein die kühle Temperatur weist auf den Herbst hin. Die kürzeren Tage mit weniger Licht sind den Buchen und Eichen offenbar noch nicht aufgefallen.
Woran könnte es liegen?
Hier ist es generell dunkler, die Bäume kommen auch im Sommer mit relativ wenig Licht aus. Für sie ist es ein Anzeichen von kürzeren Tagen, wenn auch ihre Krone weniger Licht erhält und darauf reagieren sie ganz gemächlich.
Zudem ist der Austrieb von Eichen und Buchen im Frühjahr generell später als bei anderen Laubbaumsorten, vielleicht halten sie dadurch auch länger durch.
Und sie verfärben sich nicht so auffällig hellgelb wie z. B. eine Linde oder manche Ahornsorte. Sie haben weniger und andere Farbpigmente. Verfärbung ist immer auch Sonnenschutz, und wenn bei uns das Wetter bewölkt oder der Baum durch Nachbarbäume geschützt ist, dann entfällt die Notwendigkeit der Blattfärbung.  Der Farbwechsel existiert, doch wesentlich  zurückhaltender. Die Farbe der Blätter geht langsam über in ein eher unscheinbares Braun, eine Farbe, die erst beim Absterben des Blattes auftritt und deren Ursache in der Oxidation von Gerbstoffen zu braunen Farbstoffen (Phlobaphene) zu finden ist.
Diese Bäume sind jetzt für uns nicht DER Hingucker. Aber sie sind Helfer, die durch ihren dunklen Kontrast erst die anderen Farbenkünstler richtig zur Geltung bringen.

Diese eher grünen Bäume vermögen uns ein wenig in die Irre zu leiten. Lassen Sie sich ausnahmsweise darauf ein, denn dieses Täuschungsmanöver im Gehölz bewirkt Interessantes:
Wenn Sie den Boden außer Acht lassen und nur recht flach atmen (also ihren Geruchssinn nahezu ausschalten), könnte noch Sommer sein. Die Vögel zwitschern unverdrossen, Sonnenlicht stiehlt sich am Mittag durch das Blätterdach, wird gefiltert und lässt den Baldachin über Ihnen leuchtendgrün schimmern. Ihnen ist lediglich ein wenig frisch …

Wandsbeker Gehölz -  Wie eine grüne Höhle - nur ganz vereinzelte gelbe Blätter verraten den Herbst ...

Wandsbeker Gehölz – Wie eine grüne Höhle – nur ganz vereinzelte gelbe Blätter verraten den Herbst …

Wenn Sie hingegen die Baumwipfel ignorieren und stattdessen den Boden betrachten, mit schlurfenden Schritten durch offenbar doch schon reichlich herabgefallenes Laub rascheln, hier und da auf einmal bunte Blätter wahrnehmen, Eichhörnchen mit dicken Backen über den Weg huschen sehen, weil sie wieder die Eicheln quer gebunkert haben und Sie jetzt tief einatmen – dann herrscht Herbst!

Wandsbeker Gehölz -  ... es scheint alles noch grün und doch ist Laub auf den Wegen

Wandsbeker Gehölz – … es scheint alles noch grün und doch ist Laub auf den Wegen

Wandsbeker Gehölz - Herbst

Wandsbeker Gehölz – Herbst

Wandsbeker Gehölz - Sie wirken majestätisch .... die Baumriesen

Wandsbeker Gehölz – Sie wirken majestätisch …. die Baumriesen

Etwas Klammes, was in den Wohnstraßen nicht so auffiel, liegt in der Luft und kräuselt die Haare, das Gras wirkt schlaff, an manchen Stellen grau, das Moos ist jetzt höher. An morschen Baumstümpfen und der Borke uralter, knorriger Bäume, sind stellenweise dicke, grüne, leicht schwammige Beläge. Mit Feuchtigkeit vollgesogen, nicht mehr abgetrocknet nach dem Regen, denn die wärmende Luft fehlte und der nächste Schauer kam zudem zu schnell.
Herbst!

Es riecht würzig, leicht modrig, nach Pilzen …
Mögen Sie den Geruch?
Dann kommen Sie mit ins Gebüsch, dort, wo das Laub nicht auf dem hartgetretenen Weg, sondern direkt auf lockerem Erdreich liegt und Bodenbewohner leichter über die Pflanzenreste, verwelkte Blätter und Früchte oder Beeren herfallen können. Dort wird mit Hilfe von Würmern, Schnecken, Spinnen, Ameisen und Käfern bester Kompost hergestellt. Während die Vorgenannten durch Verzehr und folgende Kotausscheidung dem Boden wieder wichtige Nährstoffe und Mineralien zurückgeben, helfen Pilze und Bakterien einigen Bäumen auf ihre Art. Manch Pilz lebt mit einem bestimmten Baum in Symbiose. Seine Pilzfäden erleichtern dem Baum die Wasseraufnahme und der wiederum gibt dem Pilz im Gegenzug Zucker.
… das nur nebenbei.
Wenn Sie hier mit der Hand oder auch mit einem Stock ein wenig das Laub lockern, dann steigt Ihnen der Herbst mit seinem ganz typischen Geruch direkt und unverfälscht in die Nase.

Schauen Sie einmal hier!

Wandsbeker Gehölz - Überall Pilze  ... gut getarnt

Wandsbeker Gehölz – Überall Pilze … gut getarnt

Ist das nicht wirklich perfekte Tarnung?
Anpassung an die Umgebung. Farben wie die des Laubs, der Erde oder heruntergefallener Aststücke.

Wandbeker Gehölz - Pilze im Unterholz  ... die mit den halb aufgeklappten Sonnenschirmen

Wandbeker Gehölz – Pilze im Unterholz … die mit den halb aufgeklappten Sonnenschirmen

Wandsbeker Gehölz - Der modernde Baumstumpf scheint diesem Pilz sehr zu behagen ...

Wandsbeker Gehölz – Der modernde Baumstumpf scheint diesem Pilz sehr zu behagen …

Es gibt einen alten Spruch, der besagt: Unter Birken, Tannen, Buchen kannst du immer Pilze suchen; unter Eschen, Erlen, Linden, wirst Du nicht viel finden.
Ich habe nie nachgeprüft, ob es wirklich stimmt, doch hier unter den Buchen finden sich zahlreiche, ganz unterschiedliche Exemplare. Ich habe die Pilze nicht für ein Foto ausgegraben oder freigeschaufelt! Sie wachsen mittendrin und fallen kaum auf. Manche mit flachem Hut, andere haben etwas, was wie halb zugeklappte Sonnenschirme aussieht, wieder andere ähneln runden Knollen oder Korallen am Riff. Nur die helleren unter ihnen, stechen schneller ins Auge.

Wandsbeker Gehölz - Pilze - Die helleren fallen schon mehr auf, auch durch ihre  Lamellen ...

Wandsbeker Gehölz – Pilze – Die helleren fallen schon mehr auf, auch durch ihre Lamellen …

Wandsbeker Gehölz -  ... auch augenfälliger aufgrund ihrer Form

Wandsbeker Gehölz – … auch augenfälliger aufgrund ihrer Form

Wandsbeker Gehölz - Pilze -  ... hier die korallenähnliche Variante

Wandsbeker Gehölz – Pilze – … hier die korallenähnliche Variante

Haben Sie es bemerkt?
Die Pilze wachsen nicht nur am Boden!
Wenn Sie hinauf schauen, können Sie ganz weit oben in der Astgabel ebenfalls helle Pilze entdecken.

Wandsbeker Gehölz - Pilze ganz oben in der Astgabel des Baumes ....

Wandsbeker Gehölz – Pilze ganz oben in der Astgabel des Baumes ….

Und ist Ihnen aufgefallen, wie der Boden federt, wie Sie an manchen Stellen einsacken und es an anderen Plätzen unter Ihren Füßen knirscht und knackt?
Hier liegen leere, von den Eichhörnchen und anderen Tieren geplünderte Bucheckern herum, teilweise auch noch die nicht ganz verrotteten Kapseln vom Vorjahr.
Es befinden sich Eicheln mit ihren Hütchen auf dem Weg, auch einige Kastanien sowie Teile ihrer stacheligen Panzer liegen verstreut.
An manchen Tagen …
Moment, kurz ein Blick auf die Uhr … Oh, schon recht spät!
Bitte?
Ihnen läuft auch die Zeit weg? Sie müssen heim?
Wenn wir den Weg über die Brücke am Bachlauf nehmen, ist der Rückweg nicht weit …

Es ist still hier, ab und zu schafft es ein winziger Sonnenstrahl durch die Kronen hindurch hinab bis aufs Wasser zu zielen und es an einem Punkt zum Glitzern zu bringen.

Wandsbeker Gehölz - Bachlauf

Wandsbeker Gehölz – Bachlauf

Übrigens, falls Sie nicht sicher sind, in welche Richtung das Wasser fließt – die aufgestauten Blätterhaufen, die an Steinen oder Ästen im Wasser hängenblieben, verraten es Ihnen. Manchmal auch ein einzelnes schwimmendes Blatt, das mit der Strömung treibt.

Wandsbeker Gehölz im Herbst  - Farbkleckse im Bach ...

Wandsbeker Gehölz im Herbst – Farbkleckse im Bach …

Einige werden löchrig, beginnen auf sonst eine Art sich zu zersetzen oder nehmen Wasser auf. Ihre Schwere lässt sie sinken. Sie tauchen ab im klaren Bach, breiten sich auf dem Grund des flachen Rinnsals aus und hinterlassen dort bunte Farbkleckse.
Bis auch diese sich auflösen und verschwinden … oder der Winter kommt, mit ihm der Frost, der eine Eisdecke schafft und einiges bis zum Frühjahr konserviert.

Winter!
Der ist schneller da, als Sie denken!

Sollten Sie also noch etwas von der milden Herbststimmung erleben wollen, sollten Sie Lust auf Wald- oder Gehölzatmosphäre bekommen haben, sollten Sie das bunte Farbenspiel an Bäumen, Sträuchern, Stauden und Rankgewächsen rundherum selbst sehen möchten, die Bilder verinnerlichen, Gerüche genießen, Geräusche abspeichern …
dann nichts wie hinaus!

Der Ahorn (Acer palmatum aconitifolium) zeigt Farbe

Der Ahorn (Acer palmatum aconitifolium) zeigt Farbe

Wilder Wein

Wilder Wein

Herbst - ... und hier die auffälligen Vertreter, die Fliegenpilze. Der braune Pilz links im Bild geht völlig unter, genauso wie die kleinen vorne rechts.

Herbst – … und hier die auffälligen Vertreter, die Fliegenpilze. Der braune Pilz links im Bild geht völlig unter, genauso wie die kleinen vorne rechts.

Der Herbst ist bunt ... doch nicht mehr lange!

Der Herbst ist bunt … doch nicht mehr lange!

Herbst ... im Nu ist alles wieder vorbei

Herbst … im Nu ist alles wieder vorbei

©Oktober 2012 by Michèle Legrand

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21 Kommentare

Wandsbeker Wiesn – Es hoaßt widda: O’zapft is …

Montag, 24. September 2012. Ganz allmählich lässt der Dauerregen nach. Sie können froh sein, dass sie ein Zelt haben.
Nein! Nicht Sie!
Wie war Ihr Wochenende? Haben Sie an den Nachmittagen ein wenig die sich doch noch durchkämpfende Sonne genutzt und frische, appetitliche Herbstluft geschnuppert? Ja?
Ich? Mein Wochenende?
Oh, danke der Nachfrage! Es waren superschöne Stunden dabei! Doch wir schweifen wieder völlig ab!
Kleines Spiel?
Ich nenne Ihnen Begriffe, Sie antworten spontan, was Ihnen dazu einfällt.
Blätter, Spinnweben, Pilze, Frühtau, Nachtfrost, Beeren.
Jetzt Sie!
Gut! Richtig! Herbst ist die Antwort.
Weiter.
Wiese. Fass. Dirndl. Brezn. Haxn. Maß.
Sie wieder!
Gut! Oktoberfest!
Ich merke schon, das ist viel zu einfach für Sie. Sie haben also das „Was“ erraten. Was ist das Thema?
Antwort: das Oktoberfest. Bitte merken! Jetzt folgen nur noch Fragepronomen.
Wann?
Falsch! Nicht im Oktober. Oktoberfest ist schon im September. Jedenfalls hauptsächlich.
Wo?
Nix da! Nicht Bayern. Zu ungenau.
Nein, auch nicht München!
Ich sehe schon, Sie geraten ins Stocken.
Ich verrate es Ihnen: Es geht heute um einen der östlich gelegenen Bezirke Hamburgs und das dort stattfindende Oktoberfest. Die Wiesn in Wandsbek! (Ich hoffe, Sie haben gerade den kleinen Tusch vorweg vernommen)

Hamburg - Oktoberfest" Wandsbeker Wiesn 2012" - Hinweis auf die Veranstaltung an jeder Gehweglampe - 23.09.2012

Hamburg – Oktoberfest“ Wandsbeker Wiesn 2012″ – Der Hinweis auf die Veranstaltung an jeder Gehweglampe …

Jaha, die Hamburger müssen auch das durchziehen!
Bayerisches Oktoberfest! Es gibt wirklich kaum etwas, vor dem sie Halt machen würden.
Was sagte ich zu Beginn? Gut, dass sie ein Zelt haben!
Und ich möchte noch etwas sagen, möchte – nein, muss! – Sie vorwarnen! Ich bin heute ein wenig in Lästerlaune. Tatsache! Es kommt nicht sehr häufig vor, also haben Sie bitte Nachsicht und nehmen Sie folglich  nicht alles zu ernst! Lassen Sie sich durch mein Gefrotzel vor allem nicht davon abhalten, es dennoch zu tun! Hinzugehen.

Es gab eine große Ankündigung: Bayerisches Oktoberfest. Die „Wandsbeker Wiesn“ Party mit Original bayerischer Musik im Festzelt.
Warten Sie …
Eigentlich stimmt nichts davon so richtig.
Dös Fest is ned bayerisch.
Die Wiesn is koa Wiesn, die Wiesn is oa oafach, eckert Platz. G’pflastert.
Dös Zelt is koa echtes Zelt!
Also, wennst mi frogst, is dös scho oa bisserl Beschiss, sogi…

Das Zelt ist tatsächlich nicht aus Planen und Gestänge – mittels Heringen gesichert – sondern ein riesiges, hallenähnliches Ungetüm aus weißen Kunststoffteilen, welches jetzt im September mit grünen Girlanden geschmückt wird.
Ganz flüchtig taucht der Gedanke an Tannenzweige und Weihnachten auf …

Hamburg - Oktoberfest Wandsbeker Wiesn 2012 - ... außen diese Herren, im Festzelt die Band Donaweda

Oktoberfest „Wandsbeker Wiesn 2012“ – … außen diese sechs Herren, im Festzelt die fünfköpfige Partyband Donaweda

Es hat aber einen wirklich großen Vorteil: Es ist richtig wind- und wetterfest, es ist stabil und stoßfest, und es passen viele Leute hinein. Angesichts des Regens und meist kühlen Wetters ein nicht hoch genug zu schätzender Garant für dennoch kräftigen Besucherzustrom und kontinuierlichen Maß- und Haxnabsatz.
Denn erinnern wir uns:
Es gab Ende Juni/Anfang Juli die Sommeraktion „Like Ice and Sunshine“ mit einem eigens dafür hergerichteten Beachclub an gleicher Stelle. Das Wetter zeigte sich seinerzeit wenig sommerlich, eine schützende Unterkunft vor Regengüssen war nicht eingeplant – dafür aber eine Kunsteisbahn. Im Sommer. Sie verstehen. Der Gag … ! (Uuaah, Entschuldigung, ich musste kurz gähnen).
Ich hatte mich dazu schon im Blog geäußert.

Es soll sich allerdings nicht so anhören, als wollte ich die Veranstaltungen grundsätzlich kritisieren oder gar schlecht machen! Im Gegenteil. Mir wird warm ums Herz, wenn ich Initiative spüre und sehe, dass sich Gedanken gemacht werden. Nur mein Herz wird halt ein wenig wärmer, wenn sich vorab ein paar mehr Gedanken gemacht werden und abstruse Ideen vielleicht eher wieder verworfen werden.

Widmen wir uns erneut dem Oktoberfest.
Doch, dieses Event hat mittlerweile auch im hohen Norden seine Freunde gefunden. Jedes Jahr scheint es mehr Zulauf zu haben, das Festzelt ist oft proppevoll, die „original bayerische Musik“ (Ma-ma-ma—mamamamia-he … gefolgt von einem italienischem Schmachtfetzen) dröhnt über große Distanz. Der Bass wummert rabiat. Er wummert so, dass ich beim Vorbeigehen am Festzelt jedesmal wieder verblüfft bin, dass nicht die Seitenwände wackeln oder komplett weggesprengt werden!
Alles selbstverständlich „original bayerisch“. Sie glauben ja nicht, was offenbar alles bayerisch ist! Dinge, die Sie für spanisch hielten! Wie können Sie bloß so ungebildet sein!
Nun, die fünfköpfige Partyband heißt zumindest „Donnaweda“, spielt jedoch wirklich alle Genres und ist gut darin –  keine Frage.
Woher ich das weiß?
Weil ich mich gestern in die Höhle des Löwen gewagt habe (Eingangsbereich mit Fluchtmöglichkeit). Für einen Blick, eine Minute des Atmosphäre Aufsaugens. Ich habe das Stimmungsbarometer kontrolliert, mir einen persönlichen Eindruck verschafft. Auch, wenn ich selbst nicht bleiben wollte, muss ich dennoch ganz klar feststellen: die Menschen, die da waren, hatten wirklich ihren Spaß und amüsierten sich!

Das Angebot an Speis und Trank ist umfangreich.
Kassler und Leberkäs mit Krautsalat, Bayerischer Wurstsalat, Weißwürstl, Grillschinken, Schweinshaxn im Preisbereich von 4,50 Euro bis 7,50 Euro (auch abhängig von der Beilage – Krautsalat oder Bratkartoffeln)
Die Maß (1 Liter) Oktoberfestbier kostet 8,20 Euro, der halbe Liter für 4,50 Euro. In München liegt der Preis für die Maß in diesem Jahr immerhin zwischen 9,10 und 9,50 Euro. Es gibt weitere Biersorten sowie Alsterwasser. Prosecco und alkoholfreie Getränke sind ebenfalls vorrätig.
Bitte?
Was mich abhält? Warum ich nicht bleiben möchte?
Ich glaube, dass Besuche solcher Feste in einer Gruppe Spaß machen. Wenn der Geräuschpegel insgesamt lauter ist. Der Albernheitsgrad höher ist. Man ein Bierfreund ist. Das Essen bevorzugt. Bayer mit Heimweh ist.
Oder man muss grundsätzlich ein Freund von Gewühl und Lärm sein und einer Imitation bayerischer Gepflogenheiten in völlig anderen Gefilden viel abgewinnen können. Pseudo-bayerisch akzeptieren.
Einem darf es auch nichts ausmachen, dass Betrunkene in einen hineinschwanken, als herrsche auf dem Wandsbeker Marktplatz Wellengang bei Windstärke 12.
Man sollte die überall umherziehenden verräucherten Schwaden des auf dem Platz vor dem Zelt  befindlichen Schwenkgrills lieben. Vielleicht ist es auch vorteilhaft, Raucher zu sein.
Oder – andere Idee – man sollte sich (die eigenen)  Kinder schnappen,  ganz an den Rand des Platzes Richtung ZOB gehen und ihnen beim Fahren im Kinderkarussell zusehen.
Oder sich beim PLAZA auf einen der Außenplätze setzen und einfach nur friedlich beobachten.
Oder sich ein Dirndl kaufen, Haare flechten, ein Klammer gegen Gerüche auf die Nase setzen und sich gnadenlos mitten ins Getümmel stürzen.
Nein! Einen Crashkurs „Bayerisch“ besuchen und dann hier so tun, als sei man aus Garmisch.
Woas hast g’sagt? Hallo? Bei uns sogt ma Grias God, wennma reikimt!!
Oane Gaudi wär’s scho! Und koa misrablige.

Wissen Sie eigentlich, was im Zelt zwischen Trinken, Essen, Schunkeln, Singen, gelegentlichem Grölen und den Darbietungen der Partyband noch abgeht?
Eine Dame aus dem Publikum taucht auf, redet mit einem Bandmitglied und darf daraufhin an eines der Mikros. Es folgt eine alkoholgeschwängerte Live-Liebeserklärung an ihren Teuersten. Sie werden im Dezember heiraten.
Gut, dass Wandsbek es nun weiß.
Die Reaktion im Publikum ist gemischt. Applaus, gerührte Oooohs, Pfiffe und Buhs ergeben ein Medley. Als ich nach dieser krönenden Darbietung definitiv gehen möchte, verstellt mir jemand samt Glasmaßkrug den Weg.
„Hey du …, du koanst doch jetzt noch ned hoam …“
Doch, verehrter norddeutscher Bajuwar, das kann ich und das mache ich!
Nun feiere schön weiter, du findest schon noch jemanden, der sich genauso wohl dabei fühlt.

Und auch an Sie noch einmal das Wort gerichtet:
Gehen Sie hin, wenn Ihnen danach ist!
Jeder empfindet es anders – und das ist völlig richtig so. Die einen werden sich mit Händen und Füßen sträuben, die anderen werden fiebern dabei zu sein. Aus den unterschiedlichsten Gründen.
Wenn Sie gehen, wünsche ich Ihnen viel Spaß und erzählen Sie doch bitte, was für Sie persönlich das Besondere war! Es würde mich interessieren! Das Fest findet noch bis zum 2. Oktober statt und ist täglich von 11.00 bis 24.00 Uhr geöffnet.

Für Sie habe ich zum Abschluss einige Fotos. Es gibt nicht nur das Festzelt, sondern auf dem Wandsbeker Markplatz stehen einige weitere Buden, es gibt einen kleinen Biergarten mit Plätzen unter Sonnenschirmen (sie halten zur Not auch Regen ab), und direkt am ZOB befindet sich das besagte Kinderkarussell.

Hamburg - Oktoberfest "Wandsbeker Wiesn 2012" - ... für die jüngeren Besucher das Kinderkarussell

Oktoberfest „Wandsbeker Wiesn 2012“ – … für die jüngeren Besucher das Kinderkarussell

Hamburg - Oktoberfest "Wandsbeker Wiesn 2012" - Auch draußen kann der Wiesn-Besucher sitzen ...

Oktoberfest „Wandsbeker Wiesn 2012“ – Auch draußen kann der Wiesn-Besucher sitzen …

Hamburg - Oktoberfest "Wandsbeker Wiesn 2012" - ... uuii, VIP-Reservierung!

Hamburg – Oktoberfest „Wandsbeker Wiesn 2012“ – … uuii, VIP-Reservierung!

Hamburg - Oktoberfest Wandsbeker Wiesn 2012 - ... neben Schwenkgrill draußen, sowie Haxn, Brezn und Paulaner im Zelt, gibt es auch Zuckerwaren für alle, die der Hunger auf Süßes überkommt.

Oktoberfest „Wandsbeker Wiesn 2012“ – … neben Schwenkgrill draußen, sowie Haxn, Brezn und Paulaner im Zelt, gibt es auch Zuckerwaren für alle, die der Hunger auf Süßes überkommt.

Hamburg - Oktoberfest "Wandsbeker Wiesn " - ... und ein einziges von mehreren Plakaten zeigt Spiegelschrift ;-)

Hamburg – Oktoberfest „Wandsbeker Wiesn “ – … und ein einziges von mehreren Plakaten zeigt Spiegelschrift. Können Sie es lesen? ;-)

Hamburg - Oktoberfest Wandsbeker Wiesn 2012 - ... ein Blick ins das Festzelt auf dem Wandsbeker Marktplatz

Oktoberfest Wandsbeker Wiesn 2012 – … ein Blick ins das Festzelt auf dem Wandsbeker Marktplatz

Hamburg - Oktoberfest Wandsbeker Wiesn 2012 - ... bis zum nächsten Mal - noch  möglich bis zum 02. Oktober 2012

Oktoberfest Wandsbeker Wiesn 2012 – Bis zum nächsten Mal – noch möglich bis zum 2. Oktober 2012!

Im letzten Jahr machte ich mir bereits grundsätzliche Gedanken zum Oktoberfest, beobachtete den Einfluss auf das Warenangebot in den Läden, verglich mit Karneval und Halloween, und ich traf auf diesem Platz während der Aufbautage Richard II.
Einen sehr interessanten Mann!
Unser Gespräch habe ich hier im Blog im vergangenem September hinterlassen. Warum er Richard II. heißt, worüber wir uns unterhielten, und was er mit dem Oktoberfest verbindet, das können Sie nachlesen. Der unten stehende Link führt Sie direkt dort hin.

Kleines Staatswappen - Bayern - Richard II. (Blog: Richard II - Auf die Wiesn warten ...

Richard II. – Auf die Wiesn warten …

https://michelelegrand.wordpress.com/2011/09/21/richard-ii-auf-die-wiesn-warten%E2%80%A6/

©September 2012 by Michèle Legrand

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Doch nicht nur Eiszapfen im Sommer: „Like Ice and Sunshine“

Like Ice and Sunshine - Beach Club auf dem Wandsbeker Marktplatz - Maritime Dekoration, Palmen, Bänke, Liegestühle, Sand ...

Sommer Event „Like Ice and Sunshine“ – Beach Club auf dem Wandsbeker Marktplatz

In den ersten Junitagen wunderte ich mich im Blog über eine Ankündigung, die besagte, dass in Wandsbek im Sommer eine Eisbahn aufgebaut wird. Ich runzelte kaum merklich die Augenbrauen über eine Tannengirlande mit Eiszapfen, stutzte beim Anblick der Holzhütten aus der Weihnachtszeit. Jetzt im Juni.

Das war hier:
https://michelelegrand.wordpress.com/2012/06/06/wandsbek-nun-es-ist-kalt-doch-brauchen-wir-die-eiszapfen-am-17-06-2012/
Ich unkte herum, doch plötzlich tat sich etwas beim Aufbau. Das Gesicht des Wandsbeker Marktplatzes änderte sich stündlich, der Gedanke dahinter wurde deutlicher, eine Plakatankündigung brachte Aufklärung, und somit erhielt der Blogpost schon zwei Tage später der Fairness halber einen Nachtrag (siehe ebenfalls Link oben)

Das Wandsbeker Sommer-Event Like Ice and Sunshine öffnete am 15.06.2012 seine Pforten, und somit ist es allerhöchste Zeit, ein bisschen mehr vom fertig gestalteten Beach Club zu zeigen und die neue Situation weiter zu beleuchten.

So sieht der Platz aus, wenn gerade keine Aktion läuft, kein Event angesagt ist. Ein Freiplatz eingerahmt von Sitzbänken, an dessen Ende (von hier aus gesehen) sich das „PLAZA“,  der ZOB Wandsbek – und dahinter zu erkennen – die Christuskirche befinden.

Stahlskulpturenausstellung - Wandsbeker Marktplatz - 07.Juli 2011

Fast leer. Dies ist ein Foto vom 07. Juli letzten Jahres, als gerade für einige Wochen eine Stahlskulpturenausstellung stattfand.

Und nun Eindrücke vom Beach Club am Tag der Eröffnung (ebenfalls in Blickrichtung ZOB, PLAZA)

Like Ice and Sunshine - Beach Club auf dem Wandsbeker Marktplatz - Maritime Dekoration, Bänke, Liegestühle, Sand ...

Maritime Dekoration, Bänke, Liegestühle, Sand …

Der rechte Teil des Platzes – neben der Schlossstraße – ist der Standort der schon vom „Winterzauber“ bekannten Hütten. Auf der linken Seite hingegen – neben der Wandsbeker Marktstraße – entstand der eigentliche Beach Club.
Ein kleines Areal mit Strandfeeling, Liegestühlen und Palmen, dazu eine 120 qm große Eisbahn, die in Wirklichkeit nicht aus Eis ist.

Like Ice and Sunshine - Beach Club auf dem Wandsbeker Marktplatz - Hinter der Balustrade befindet sich die Like-Ice-Schlittschuhbahn

Beach Club – Hinter der Balustrade befindet sich die Like-Ice-Schlittschuhbahn …

Like Ice and Sunshine - Beach Club auf dem Wandsbeker Marktplatz - Die Kunststoffplatten der Like-Ice-Fläche sind gut zu erkennen ...

Sommer Event „Like Ice and Sunshine“ – Die Kunststoffplatten der Like-Ice-Fläche sind gut zu erkennen …

Direkt dort angrenzend das Dock 12. Dekoration, die ein bisschen einem Schiffswrack nachempfunden wurde, ergänzt durch das Lotsenhaus und vor diesem liegend Wasserbecken mit Brücken und kleinen Fontänen/Springbrunnen. Dock 12 ist der Ort, an dem die Schlittschuhe ausgeliehen werden können.
Wer nicht in den Sand stiefeln mag, hat zusätzlich Gelegenheit, dort auf Sitzbänken vor oder auf Liegestühlen neben den Becken Platz zu nehmen.

Like Ice and Sunshine - Beach Club auf dem Wandsbeker Marktplatz - Alternativ zumPlatz im Sand gibt es die Liegestühle am Becken ...

Like Ice and Sunshine – Beach Club – Alternativ zum Platz im Sand gibt es die Liegestühle am Becken …

Like Ice and Sunshine - Dock 12 - Das Depot für die Schlittschuhe, etc.

Like Ice and Sunshine – Dock 12 – Das Depot für die Schlittschuhe, etc.

Manche Hütten tragen weiterhin die Namen, die sie schon während des „Winterzaubers“ hatten, z. B. „Tränke“. Das ist glücklicherweise relativ neutral. Doch ein weiteres Hinweisschild an einem Holzpfahl entlockt mir ein Lächeln. Dort lese ich:
„Die Toiletten befinden sich hinter der Almhütte.“
Es versetzt mich in die Berge. Stellen Sie sich vor, Sie wandern in den Alpen und stoßen auf dem Höhenwanderweg auf ein Schild, welches Ihnen eine Hütte ankündigt.
Sie sind in 2.500 m Höhe, die Luft ist dünner geworden. Sie plagt ein kolossaler Durst, also folgen Sie diesem Hinweisschild.
Frisch und zugig hier oben … Sie ziehen den Reißverschluss Ihrer Jacke noch höher.
Das Gebirgsmassiv ist zerklüftet.
Oh, … ein Edelweiß!
Endlich! Die Hütte!
Nur noch einmal umrunden, der Eingang ist wohl hinten …
Na? Und was meinen Sie, was Sie dort erwartet?
Genau!
Ein Beach Club …!

Like Ice and Sunshine - Beach Club auf dem Wandsbeker Marktplatz - Blick an Palmen vorbei Richtung Dock 12

Beach Club – Blick an Palmen vorbei Richtung Dock 12 …

Like Ice and Sunshine - Beach Club auf dem Wandsbeker Marktplatz - Die Tannengirlande mit Eiszapfen ...

Like Ice and Sunshine – Beach Club auf dem Wandsbeker Marktplatz – Die Tannengirlande mit Eiszapfen …

Like Ice and Sunshine - Beach Club auf dem Wandsbeker Marktplatz - Bronze Der Ehrensprung von Bernd Stöcker

Dieser Herr, der zum Sprung ansetzt (Matthias Claudius) ist zwangsweise im Beach Club. Die Bronze „Der Ehrensprung“ von Bernd Stöcker steht immer an dieser Stelle und macht notgedrungen jedes Event mit. An Tagen, an denen bei der Fußball-EM Deutschland spielt, hängen schon einmal schwarz-rot-goldene Ketten um seinen Hals …

Like Ice and Sunshine - Beach Club auf dem Wandsbeker Marktplatz - Diesmal vom ZOB aus Richtung Stadt gesehen

Like Ice and Sunshine – Beach Club auf dem Wandsbeker Marktplatz – Diesmal vom ZOB aus Richtung Stadt gesehen

Wie ist der Andrang hier in Wandsbek?
Sehr wetterabhängig! Leider hatten die Veranstalter bisher damit nicht besonders viel Glück. Die sehr wenigen geschützten Strandkörbe werden gern aufgesucht. Zusätzlicher Vorteil: ihre Sitzfläche ist von einem Schauer zwischendurch nicht wirklich betroffen. Ansonsten muss die Sonne schon ein bisschen länger hervorkommen, um Liegestühle und Bänke nach einem Guss abzutrocknen. Neue Gäste lassen sich nicht dazu verlocken, mit Longdrinks oder Cocktails zu verweilen, wenn der Allerwerteste (oder mehr) nass wird.

Die Eisbahn, deren Untergrund aus Kunststoff besteht, wird kaum genutzt. Vielleicht gezielt dann, wenn Eisstockschießen angesagt ist, doch der Platz ist dafür sehr beschränkt. Die rechteckige Grundfläche misst nur 120 qm.
Am 18.6 liefen ein paar Kinder Schlittschuhe – verloren vorzeitig die Lust und nutzten ihre theoretisch mögliche Laufzeit von 90 min. nicht mehr aus.

Der Kontrast, der geplant ist zwischen heiß und kalt, Sommer/Sonne und Eis, wird durch die Kunststoffplatten oder auch Hütten vom Winterzauber nicht erreicht. Es ist zudem unlogisch, dass diese „Winterhütten“, die sich auf der Seite, die für „Eis“ steht, befinden, dennoch Beach Club Dekoration tragen …  Nach meinem Empfinden ist es ein etwas mühsamer Gag, der nicht recht zünden will.
Wahrscheinlich ließe sich mehr Wirkung erzielen, würde man einfach (unechte) Eisskulpturen als Dekoration zwischen die Liegestühle  stellen und zweimal am Tag jemanden herumschicken, der sich als Eisbär oder Pinguin verkleidete.

Da wir hier in den Monaten Juni und Juli nicht automatisch von Sommerwetter ausgehen können, stellt sich eigentlich eher die Frage, wie sich ein Sommer-Event gestalten ließe, das auch bei schlechterem Wetter attraktives Anlaufziel bleibt. Das gewissen Schutz vor Regen bieten kann (variabel). Um bei dem gewünschten Kontrast zu bleiben: ein Iglu muss her!

Am vergangenen Wochenende (23.6./24.6.), begann der Sonnabend wettermäßig recht freundlich, und so steuerten einige Eltern mit ihren Kindern das Platzende Richtung Karstadt an. Dort befindet sich ein weiteres Wasserbecken. Hier besteht für den Nachwuchs die Möglichkeit, in aufblasbare, große, bunttransparente Wasserbälle zu klettern und in dem Becken – laut einer Zeitungsinformation – ein Wasserrennen zu starten.
Die Idee mit den Bällen ist originell. Doch Wasserrennen? Es waren zeitweilig sechs große Bälle im Wasser, die sich fast alle gegenseitig berührten. Jeder konnte sich noch ein wenig hin und her bewegen, im Ball herumstolpern, mit ihm auf der Stelle herumkugeln – ähnlich einem Hamster im Laufrad. Den Kindern hat es sicher Spaß gemacht, doch warum vorgeben, es wäre für Wasserrennen?
Das ist das eine. Zum anderen gab es mehrfach Kritik bezüglich des hohen Preises, denn fünf Minuten Vergnügen mit diesem Ball kosten 5 €uro! Vielleicht sollte man einmal darüber nachdenken, ob nicht das zurückhaltende Interesse – insbesondere in der Woche – dadurch zustande kommt.

Like Ice and Sunshine - Beach Club auf dem Wandsbeker Marktplatz - Wasserbälle zum Hineinsteigen ...

Beach Club auf dem Wandsbeker Marktplatz – Wasserbälle zum Hineinsteigen … Sie haben eine Art Reißverschluss zum Ein- und Ausstieg.

Like Ice and Sunshine - Beach Club auf dem Wandsbeker Marktplatz - Und das bleibt von den Bällen übrig, wenn die Luft heraus ist ...(am Ein- und Aussteigebereich)

Und das bleibt von den Bällen übrig, wenn die Luft heraus ist …(am Ein- und Aussteigebereich)

Like Ice and Sunshine - Beach Club auf dem Wandsbeker Marktplatz - Hinweis_Man kann nass werden ...

Happig – der Preis. Jedoch ein fürsorglicher Hinweis: Man kann nass werden … ;) (Offenbar dürfen doch auch Erwachsene den Wasserball erobern – nur habe ich noch nie einen dabei gesehen!)

Fazit:
Es ist generell eine wirklich schöne Idee, auch in Wandsbek für eine begrenzte Zeit einen Beach Club zu erschaffen. Hinsichtlich der Dekoration wurde sich Mühe gegeben. Der Beach Club Bereich ist ansprechend gestaltet.
Allerdings: zu viel „Originalität“ auf beschränktem Raum (hier: Kontrast Eis/heiß, wobei Eis doch nicht Eis ist) braucht es gar nicht. Eher Flexibilität. Auch dadurch kann man sich von anderen abheben.
Preise sollten speziell bei Angeboten für Kinder auch familienfreundlich sein!

Das Sommer-Event läuft noch bis zum 08. Juli 2012. Daher bitte Daumen drücken, dass der Regen nachlässt und die Temperaturen steigen. Dann sieht alles gleich viel freundlicher aus. Eine noch geplante Schatzsuche für Kinder sowie ein Bikini-Wettbewerb könnten bei besserem Wetter sicher endlich stattfinden, bisher ließen die Veranstalter den Termin offen.
Am kommenden Freitag, den 29.06.2012 findet nach letzten Informationen (anfänglich war der 22.06.2012 genannt worden) ab ca. 22.30 Uhr ein Feuerwerk statt.
Vielleicht haben Sie Lust, dem Beach Club an diesem Tag einen Besuch abzustatten. Die Wettervorhersage ist nicht schlecht!

Like Ice and Sunshine:
wo: Wandsbeker Marktplatz (am ZOB)
wann: täglich ab 11.30 Uhr (Schlittschuhbahn: ab 12.00-20.00 Uhr)
noch bis zum 08.07.2012!

©Juni 2012 by Michèle Legrand

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Nachtrag am 30. Juni 2012:
Habe ich einen Aushang falsch verstanden? Der Hinweiszettel im Beach Club hatte etwas anderes erzählt. Auf jeden Fall war am 29. Juni 2012 definitiv kein Feuerwerk! In dieser Hinsicht umsonst dort gewesen …

Nachtrag am 03.07.2012:
Ein neuer Aushang. Neuer Termin für das Feuerwerk ist der 06. Juli 2012. Wirklich diesmal? Ich werde überlegen, ob ich einen neuen Versuch starte …
Nachtrag am 05.07.2012:
Und wieder ein neuer Aushang: Feuerwerk findet jetzt am Sonnabend, den 07. Juli 2012, statt.
Ich muss ganz ehrlich sagen, so langsam verliere ich die Lust! Es kann doch nicht davon ausgegangen oder erwartet werden, dass der Besucher vorher jeden Tag hingeht und nach neuen Zetteln sucht!
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Es gab ein Feuerwerk! Eindrücke davon (Fotos)  sind hier zu finden:
https://michelelegrand.wordpress.com/2012/07/09/heutiges-regenkontrastprogramm-feuerwerk/

©Juni 2012 by Michèle Legrand

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Wandsbek: Nun, es ist kalt … doch brauchen wir die Eiszapfen am 17.06.2012?

Juni - Titelbild (auf Eisfläche) zum Artikel über den verkaufsoffenen Sonntag in Wandsbek (17.06.2012)Ich weiß nicht, ob es vorausahnend, fortschrittlich, blödsinnig, pessimistisch, sparsam, ironisch, albern, kreativ oder vielleicht einfach nur „anders“ ist. Es wundert, amüsiert, irritiert – ja, in gewisser Weise verschreckt es mich ein wenig!
Es geht um nichts anderes als den nächsten geplanten verkaufsoffenen Sonntag am 17. Juni 2012 in Wandsbek, meinem Hamburger Stadtbezirk. Jeder, der es eigenartigerweise in der Woche während der – richtig! – äußerst knappen Öffnungszeiten in Deutschland mal wieder überhaupt nicht geschafft hat, der kann an diesem Tag zwischen 13 und 18 Uhr shoppen gehen. Bis dahin ist es noch nicht erschreckend, aufrüttelnd, verursacht noch kein Hingucken oder Augenbrauen hochziehen …
Es ist allerdings so:  Irritierenderweise werden jetzt erneut die Buden vom Weihnachtsmarkt hervorgeholt. Dienten diese Holzhäuschen als Basis, aber mit anderer, leicht sommerlich angehauchter Dekoration, würde ich es hier nie kritisch erwähnt haben. Nur, sie und den Platz zieren auch wieder die Eiszapfen tragenden Tannengirlanden vom Winter.

Sommereiszapfen (Wintergirlande für das Sommerevent am Wandsbeker Marktplatz)

Sommereiszapfen …

Im Juni!
Zuerst vermutete ich: die Zuständigen wissen mehr als ich. Sie haben direkten Kontakt zum Profi vom Wetteramt, dem für die Langzeitprognosen …
Welcher jedoch auch oft falsch liegt.
Selbst die unwahrscheinliche Bekanntschaft mit Petrus selbst würde nicht viel nützen. Wie ich neulich anlässlich eines verregneten Konzert im Stadtpark lernte,  lässt er sich nicht in seine Pläne hineinreden. Abmachungen, Becircen und dergleichen sind zwecklos.

Dann kamen mir Zweifel, ob sie nicht vielmehr auf dem falschen Dampfer sind. Sich im Monat oder der Jahreszeit vertan haben. Überhaupt durcheinander sind.
Oder man hat darum gewürfelt.
Auch nicht? Möglicherweise doch eher zwingende Gründe wie Einsparungen? Der Chef, der dem Team polternd verkündet:
„Das Riesenrad von vor zwei Jahren? Wie bitte?? Andere Deko kommt überhaupt nicht in die Tüte! Das merkt eh keiner! Die sollen froh sein, dass da was steht!“
Vortrag Ende.

Es scheint mir alles ein wenig obskur. Dieses Rätsel muss doch irgendwie zu lösen sein!
Siehe da, es gibt eine Erklärung, die logisch erscheint und die anderen Punkte sogar ein wenig mit abdeckt. Offenbar wird als Attraktion an diesem offenen Sonntag eine Kunsteisbahn errichtet. Schlittschuhlaufen im Sommer. Was sonst! Frösteln im Juni. Dem Monat der Grogbuden.

Ich frage mich allerdings (ein bisschen boshaft), wie es wirkt und vor allem, was passiert, wenn uns am 17.06.2012 ein gigantisches Hoch mit sommerlichen Temperaturen im 30° C Bereich erreicht.
Die Aggregate, die die Eisbahn Eisbahn bleiben lassen, laufen auf Hochtouren. Wandsbek wird an diesem Sonntag zu einem der Hauptstromabnehmer Hamburgs.
Die generell hohe Luftfeuchtigkeit an jenem schwülen Junitag, lässt  die Kufen der verwaisten Schlittschuhe, die sich nichtbeachtet in den Regalen stapeln, rosten.
Die Sonne brennt unbarmherzig herab.
Die ausgedörrten Menschen werden drängeln und verzweifelt versuchen, an den Kunsteiszapfen zu lutschen. Sie werden den spärlichen Schatten unter der Tannengirlande suchen und sich zur Abkühlung in die Pfützen auf der Eisbahn legen.
Vielleicht gibt es eine spontane Demo gegen Grogausschank.
Man wird sehen …

Wenn Sie – ganz wetterunabhängig und nicht auf Schlittschuhlaufen fixiert – überlegen, an diesem Sonntag in Wandsbek einkaufen zu gehen, habe ich einen Tipp.
Im EKZ Quarrée Wandsbek direkt am ZOB (wo die Eisbahn sein wird), finden an diesem Tag, wie auch bereits am Sonnabend (16. und 17.06.2012), die Walking Acts der Teilnehmer des Model Contests QUARREE GESICHTER 2013 statt. Sie werden im Zentrum unterwegs sein … ;) Schauen Sie doch mal herein!

Einzelheiten dazu finden Sie demnächst hier im Blog.

Nachtrag:
Der Fairness halber möchte ich zu obigem Artikel vom 06. Juni 2012 heute (2 Tage später) einen kleinen Nachtrag posten:
Inzwischen sind die Aufbauarbeiten auf dem Wandsbeker Marktplatz am ZOB vorangeschritten. Mit etwas Entgegenkommen lässt sich die Aktion durchaus als kreativ und eben anders bezeichnen (was ich zu Beginn meines ursprünglichen Artikels immerhin auch in Erwägung gezogen hatte …).
Die Veranstalter rechnen durchaus selbst mit herrlichem Wetter und setzen ganz auf den  Kontrast kalt-heiß. Es geht nicht nur um den verkaufsoffenenen Sonntag, sondern um ein länger andauerndes Sommerevent (15.06.-08.07.2012). Dementsprechend lautet das Motto nun: Like Ice and Sunshine!  Das  Wörtchen „Like“ beinhaltet offenbar wieder die Information, dass wir es nicht mit einer echten Eisbahn zu tun haben werden, sondern mit dem schon vom „Winterzauber“ bekannten Kunstboden.
Arbeiten an den Holzhäusern zeigen, dass die Dekoration noch im Wandel ist und einen sommerlichen Touch bekommt. Fischernetze, ein Schiffssteuerrad  … bleiben wir gespannt!

Like Ice and Sunshine ... Das Sommerevent in Hamburg-Wandsbek

Like Ice and Sunshine … Das Sommerevent in Hamburg-Wandsbek

Hat es mich nun vom Herumunken kuriert? Nicht ganz.
Vielleicht gibt es einen Wettbewerb. Wer trägt die schönste Badehose beim Schlittschuhlaufen  … ? ;)

Wir wäre es eigentlich im nächsten Winter mit Palmen und einer großen Poollandschaft? Des Kontrastes wegen …

©Juni 2012 by Michèle Legrand

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