Archiv für die Kategorie Hamburgs Elbe (Entlang des Flusses/Hafenbereich)

Hamburg: Leichter Eisgang auf der Elbe / Frostige Zeiten im Museumshafen Oevelgönne und am Anleger Neumühlen

Heute geht es an die Elbe. Bei frostigen Temperaturen. Ein bisschen schauen, ein bisschen entdecken. Und den Winterspaziergang schnell beenden, sobald das Bibbern ein erträgliches Maß übersteigt.

Zuckerbrot und Peitsche. Draußen. Haben Sie es gemerkt? An dieses Prinzip scheint sich sogar das Wetter zu halten. Schickt erst ein schmeichelnd-laues Frühlingslüftchen, nur um kurz danach – zwusssch! (das war der Peitschenknall) – mit neuem Frost aufzuwarten.
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Frost in Hamburg - Eis an der Elbe bei Oevelgönne (Strandbereich mit Schnee und einzelnen Eisschollenstückchen)

Frost in Hamburg – Eis an der Elbe bei Oevelgönne

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Ganz so unpassend ist diese Winterrückkehr gar nicht für das, was ich Ihnen heute gerne noch mit etwas Verzögerung zeigen würde. Am Monatsbeginn, als ein Hochdruckgebiet aus dem Osten eisige Kälte mit starkem Nachtfrost und sogar Tagesminusgraden bescherte, hatte sich auf der Elbe Eis gebildet. Eine moderate Schicht.
Das waren noch keine Schollen, wie wir sie vom Februar 2012 kennen, als der Fluss von Sachsen bis Hamburg für den Schiffsverkehr gesperrt werden musste und von Hamburg bis zur Mündung in die Nordsee bei Cuxhaven erhebliche Behinderungen für ein- und auslaufende Schiffe entstanden. Eisbrecher kamen damals zum Einsatz, damit Schifffahrt und Hafenbetrieb überhaupt weiterlaufen konnten.
Auf der Außenalster hingegen, dem großen See, verabschieden sich die Alsterschiffe regelmäßig in die Winterpause. So lässt man das Eis ungestört „wachsen“, bis seine Stärke irgendwann als so sicher gilt, dass
die Behörden den Hamburgern das Betreten der Eisfläche offiziell freigeben. Es geschieht nicht sehr häufig.
Diesmal setzte zu schnell Tauwetter ein. Nichts mit großem Volksfest auf dem Eis …

Eis auf der Elbe
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Winter in Hamburg - Anleger Neumühlen - Eis auf der Elbe - Blick Richtung Stadt und die Kräne am gegenüberliegenden Ufer

Winter in Hamburg – Anleger Neumühlen – Eis auf der Elbe

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Vor gut zwei Wochen bildete sich auf der Elbe bei klirrender Kälte ruckzuck Eis. Obenauf. Dünn. Wir sind hier ja nicht am Nordpol.
Das Weiß verändert etwas für das menschliche Auge. Die helle Lage Eis verbindet auf den ersten Blick alles zu einer einzigen großen Fläche, geht zum Teil sogar nahtlos in die Uferlandschaft über. Entfernungen scheinen zu wachsen, der Fluss wirkt breiter, gleichzeitig ruhiger.

Beim Näherkommen zeigte sich, dass die Oberfläche überhaupt nicht komplett verschlossen war. Ein Meer aus unzähligen Eisstücken – dicht an dicht – dümpelte vor sich hin, denn all die großen Frachter, Container- und Kreuzfahrtschiffe, die Hamburg anlaufen, brechen dünnere Eislagen mit links auf. Sie gleiten einfach hindurch. Was zurückbleibt, sieht aus wie ein riesiger Scherbenteppich, der nur hin und wieder ein paar Lücken aufweist. Dort, wo robuste Schiffsrümpfe die Eisschicht in recht kurzen Abständen durchpflügen, wird aus einst groß-
formatigen Eisplatten im Nu Scherbengebrösel.
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Hamburg - Anleger Neumühlen - Eis auf der Elbe - Blick elbabwärts - Recht das grüne Gebäude direkt auf dem Ponton des Anlegers Neumühlen

Hamburg – Anleger Neumühlen – Eis auf der Elbe – Blick elbabwärts

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Die Einwirkung der Gezeiten ist ebenfalls nicht zu unterschätzen. Das Wasser der Elbe ist durch den ständigen Wechsel von Ebbe und Flut laufend in Bewegung. Ehe hier alles ins Stocken gerät und sich – u. a. nach dem Einsatz von Eisbrechern – Eisschollen lokal zu richtigen Wällen aufschichten, das dauert.
Andererseits, durchgängige, ebene Eisflächen – glatt und unschuldig, zum Schlittschuhlaufen geeignet – werden Sie genauso wenig antreffen. Was nicht weiter tragisch ist, denn die Elbe hier ist sozusagen ver-
gleichbar mit einer vielbefahrenen Verkehrsstraße. Sie dürften im Hafen zwischen einem Kreuzfahrer wie der „Queen Mary 2“, einem 400 m langen Riesencontainerschiff wie der in dieser Woche eingelaufenen „CMA CGM Antoine de Saint Exupéry“ und mittenmang all der Hafenfähren und -barkassen sowieso nicht auf Schlittschuhkufen ihre Bahnen ziehen.

Da kürzlich kein moderner Eisbrecher in Sicht war … Möchten Sie stattdessen einen Eisbrecher der alten Zunft sehen?

Dampfeisbrecher „Stettin“
Das hier ist die „Stettin“ ein fahrbereiter, see- und funktionstüchtiger Dampfeisbrecher, der seinen Liegeplatz an der Elbe beim Kühlhaus am Anleger Neumühlen hat.
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Winter in Hamburg - Elbe - Anleger Neumühlen - Dampfeisbrecher "Stettin"

Winter in Hamburg – Elbe – Anleger Neumühlen – Dampfeisbrecher „Stettin“

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Der Eisbrecher wurde 1933 als bis dahin größter seiner Art in Dienst gestellt. Kohlebefeuert! Da wurde einiges verheizt! Der Dampf für die große Dampfmaschine wurde in zwei überdimensionalen Kesseln erzeugt, was wiederum das Verfeuern von 1,5 Tonnen Kohle nötig machte. Stündlich! (Kaum vorstellbar.)
Nun werden Sie sich vielleicht fragen, warum nahmen die denn nicht gleich einen weniger arbeitsintensiv einsetzbaren Dieselmotor, der damals auch schon bekannt war? Ganz einfach: Die Umsteuerung der Maschine von Vorwärts- auf Rückwärtsfahrt ging mit Dampfantrieb sagenhaft schnell! Innerhalb von drei Sekunden war die Aktion erledigt. Im Einsatz im Eis ein Riesenvorteil!

Fast 50 Jahre tat die „Stettin“ ihren Dienst. Aus ihrer ursprünglichen Heimat (Stettin) ging es später zu Einsätzen auf die Unterelbe, den Nord-Ostsee-Kanal oder auch zur Kieler Förde. 1981 drohte ihr die Verschrottung, doch ein Förderverein mit ehrenamtlichen Unterstützern gründete sich und verhinderte das scheinbar Unvermeidliche. 1982 wurde der Eisbrecher technisches Kulturdenkmal. Enorm viel Arbeit (und auch Geld) steckt in dem alten Schiff. Heute unternimmt man mit der „Stettin“  in den Sommermonaten Gästefahrten, die die Kasse etwas auffüllen.
Leider ereignete sich im letzten August während der Hanse Sail 2017 in Rostock eine Kollision zwischen der finnischen Frachtfähre „Finnsky“ und der „Stettin“, die für die  „Stettin“ einen ca. zwei Meter langer Riss am Rumpf zur Folge hatte. Zum Glück ließ sich die Situation in Rostock durch Verschweißen einer Stahlplatte so weit retten, dass der Eisbrecher es aus eigener Kraft heim nach Hamburg schaffte und hier endgültig repariert werden konnte. Aufatmen für den Verein, denn zum einen hatte man schließlich auch in Rostock zahlende Gäste an Bord, die zurückgebracht werden wollten, zum anderen sind generell nicht derart große finanzielle Reserven verfügbar, um mal eben einen außerplanmäßigen Werftaufenthalt zu bezahlen …

Wenn Sie den Eisbrecher unter Dampf erleben wollen, dann kommen Sie doch während des Hafengeburtstags Anfang Mai nach Hamburg; er nimmt regelmäßig an den Ein- und Auslaufparaden teil, und oft sind Gäste mit auf Fahrt. (Bei Interesse immer frühzeitig Kontakt aufnehmen!)

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Winter in Hamburg - Elbe - Anleger Neumühlen mit ehemaligem Kühlhaus (heute Augustinum)

Winter in Hamburg – Elbe – Anleger Neumühlen mit ehemaligem Kühlhaus (heute Augustinum)

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Eh. Union-Kühlhaus / Seniorenresidenz Augustinum

Wir befinden uns heute etwas westlich (elbabwärts) von Altona am Anleger Neumühlen, eine Bezeichnung, die – streng genommen – falsch ist. Neumühlen gehört nämlich zum Stadtteil Ottensen. Der Anleger Neumühlen liegt aber bereits auf dem zu Othmarschen gehörenden Gebiet „Oevelgönne“.  Wir werden uns durch diese kleine Ungereimtheit jedoch nicht irritieren lassen.
Auf dem Bild oben können Sie im Hintergrund ein großes, rötliches Gebäude erkennen. Kastenförmig. Gar
nicht zu übersehen. Es ist das frühere Union-Kühlhaus, in dem sich seit 1993 eine Seniorenresidenz, das Augustinum, befindet.

Das Kühlhaus war ein eigenartiges, ein spezielles Gebäude. Hatte ganz unterschiedliche Etagenhöhen, spezielle Fensterfronten, waagerecht umlaufende Betonbänder an den Außenwänden. Eine etwas bunker-
ähnliche Erscheinung. Die Gesamthöhe kam mit dem krummen Maß von 38,36 m daher. Ganz oben befand sich eine expressionistisch anmutende Krone.
Mitte der 20er Jahre des letzten Jahrhunderts errichtet, war es dafür vorgesehen, Fische kühl zu halten. Als man in den Siebzigern immer mehr dazu überging, die Fische gleich an Bord der Schiffe einzufrieren, wurde es überflüssig. Der Umstand, dass es da bereits als Industriedenkmal galt, legte seine bauliche Erhaltung fest. Aber wie weiter nutzen? Umnutzungspläne wurden geprüft, die Augustinum-Gruppe erhielt schließlich den Zuschlag. Nur mit dem Umbau lief es absolut nicht wie gedacht, da das Baugutachten desaströs ausfiel. Substanzielle Schäden. Keine Tragfähigkeit etc. Ein neuer Beschluss fiel, den Abriss und Neuaufbau unter Auflagen zu gestatten. Schwupps, gesellte sich in dieser Zeit ein schwerer Brand mit üblen Schäden hinzu. Die Konsequenz daraus: Alles wurde neu errichtet – musste aber so aussehen wie vorher.
Falls Sie sich also wundern, dass die nicht ganz billige Senioren-Residenz in 1a-Lage an der Elbe so gar keine Balkone oder Loggien hat – es war nicht erlaubt. Das Kühlhaus hatte schließlich auch keine.
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Hamburg - Elbe - Anleger Neumühlen mit rotem Leuchtturm - Brücke zum Anleger. Blick Richtung Land.

Hamburg – Elbe – Anleger Neumühlen mit Leuchtturm

Als das Augustinum seine Residenz eröffnete und sich – um es mal so auszudrücken – eher wohlhabende Menschen dort ein Apartment leisten konnten, kursierte einige Zeit ein spezieller Begriff für das ehemalige Kühlhaus: Klunkerbunker.
Sie können sich bezüglich erforderlicher Solvenz vielleicht selbst ein Urteil bilden. Ich habe nachgelesen, in welchem Rahmen sich die Preise bewegen. Es heißt, für rund 2.200,– Euro ist das kleinste 1-Zi.-Apartment beziehbar. Die größeren 2- und 3-Zimmer-Wohnungen kosten dann schnell zwischen 3.500,–  und knapp 5.000,– Euro.

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Hamburg - Frost an der Elbe - Oevelgönne - Gegenüber Waltershof und Container-Terminal Burchardkai

Hamburg – Frost an der Elbe – Oevelgönne – Gegenüber Waltershof und Container-Terminal Burchardkai

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Sie haben zugegebenermaßen einen wunderbaren Ausblick auf die Elbe und sind direkt am Museumshafen Oevelgönne, am Elbstrand, am Spazierweg und am Anleger! Sie könnten spontan eine Spritztour auf der Elbe unternehmen!

Anleger Neumühlen

Hier halten die HADAG-Fähren der Linie 62. Die Boote bringen Sie entweder flussabwärts hinüber auf die andere Elbseite nach Finkenwerder, oder aber zurück Richtung Stadt. In dem Fall geht es ab Neumühlen flussaufwärts über das Dockland und den Altonaer Fischmarkt  direkt bis an die Landungsbrücken.
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Winter in Hamburg - Elbe - HADAG-Fähre der Linie 62 am Anleger Neumühlen

Winter in Hamburg – Elbe – HADAG-Fähre der Linie 62 am Anleger Neumühlen

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Die Pendler aus der Stadt, die drüben bei Airbus auf Finkenwerder arbeiten, nutzen für die Elbquerung gern diese Fähre. Anwohner natürlich auch. Überhaupt Bewohner auf Niedersachsenseite, die ohne Stau im Elbtunnel oder auf den Elbbrücken schnell über den Fluss kommen wollen und auf ihr Auto in Hamburg verzichten können.
Und die Touristen! Die mögen die Fähre, weil der Fahrpreis bereits im HVV-Ticket mit enthalten ist. Die Fahrt
mit der Linie 62 stellt sozusagen die Alternative zur extra kostenden Hafenrundfahrt mit der Barkasse dar. Gelegentlich herrscht ordentlich Andrang an Bord. So sehr, dass die Pendler in der Vergangenheit Probleme bekamen, einen Platz zu finden und allmählich zu murren begannen …

Schauen Sie, die Eisentwicklung auf der Elbe stellt noch kein Hindernis für den Fährbetrieb dar. Die Boote fahren regelmäßig und ohne Schwierigkeiten.
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Winter in Hamburg - Elbe - HADAG-Fähre der Linie 62 am Anleger Neumühlen

Winter in Hamburg – Elbe – HADAG-Fähre der Linie 62 am Anleger Neumühlen

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Ein schöner Gedanke, hier im Frühling am Anleger auf der Bank zu sitzen und aufs Wasser zu schauen. Oder mit einer Decke am Strand zu liegen und die Schiffe vorbeiziehen zu lassen … Gut, ja, im Moment ist es noch ein wenig zu kalt ….
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Frost in Hamburg - Schnee und Eis am Elbufer ...

Frost in Hamburg – Schnee und Eis am Elbufer …

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Winter in Hamburg - Oevelgönne/Elbe - Auflaufendes Wasser lässt bald alle Schollen wieder schwimmen ...

Winter in Hamburg – Oevelgönne/Elbe – Auflaufendes Wasser lässt bald alle Schollen wieder schwimmen …

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Man könnte jedoch schon einen Kaffee in einem der Oevelgönner Lokale trinken. Drinnen im Warmen. Draußen wird noch nichts serviert …
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Frost in Hamburg - Elbe - Oevelgönne am Museumshafen - Noch zu frisch zum Sitzen ... Zusammengeklappte und verhüllte Schirme eines Lokals

Frost in Hamburg – Elbe – Oevelgönne am Museumshafen – Noch zu frisch zum Sitzen …

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Andererseits gibt es durchaus abgehärtete Spaziergänger, die trotz Frost auf einer Bank ausharren …
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Hamburg - Frost am Elbufer - Nur die Harten komm' in'n Garten ... (Ein einzelner Spaziergänger, der auf einer Bank in der Kälte ausharrt.)

Hamburg – Frost am Elbufer – Nur die Harten komm‘ in’n Garten …

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Man würde es an milderen Tagen noch ein wenig länger im Museumshafen Oevelgönne aushalten. Sommers wie winters liegen viele der alten Boote hier. Auf den Namen Museumshafen einigte man sich aufgrund der Zusammenarbeit des Vereins mit den hamburgischen Museen. Es hätte sonst auch ein Oldtimerhafen oder einfach der Oevelgönner Hafen werden können. Er ist heute in privater Trägerschaft, sämtliche Schiffe gehören dem Verein.
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Hamburg - Elbe - Museumshafen Oevelgönne (Blick auf alte Boote im Hafenbecken)

Hamburg – Elbe – Museumshafen Oevelgönne

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Winter in Hamburg - Elbe - Blick vom Anleger Neumühlen Richtung Oevelgönne (Ufer)

Winter in Hamburg – Elbe – Blick vom Anleger Neumühlen Richtung Oevelgönne (Ufer)

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Winter in Hamburg - Elbe - Anleger Neumühlen mit Museumshafen Oevelgönne

Winter in Hamburg – Elbe – Anleger Neumühlen mit Museumshafen Oevelgönne

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Was findet sich denn nun dort?
Man sammelt verschiedenartige Fahrzeugtypen. Fischer- und Frachtboote (Kutter, Ewer, Tjalken) mit Segeln, die auf der Niederelbe sowie der Nord- und Ostsee unterwegs waren, die dampfbetriebenen Schlepper des Hafens, aber auch Motorfahrzeuge, die für Polizei und Zoll fuhren. Sogar ein Feuerschiff gehört dazu. Und z. B. Kräne, wie sie beim Umschlag im Hafen genutzt wurden.
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Winter in Hamburg - Elbe - Anleger Neumühlen mit Museumshafen Oevelgönne

Winter in Hamburg – Elbe – Anleger Neumühlen mit Museumshafen Oevelgönne

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Frost in Hamburg - Museumshafen Oevelgönne - Boote im Eis ...

Frost in Hamburg – Museumshafen Oevelgönne – Boote im Eis …

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Winter in Hamburg - Oevelgönne am Museumshafen - Blick auf die Elbe

Winter in Hamburg – Oevelgönne am Museumshafen – Blick auf die Elbe

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Die Oldtimer aus dem Oevelgönner Museumshafen sind übrigens wie die „Stettin“ jedes Jahr beim Hafengeburtstag mit von der Partie.

Es gibt zwar keine geschlossene Eisdecke hier im Hafenbecken, doch man sieht an den vereisten Trossen,
dass anständig Frost herrscht …
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Hamburg - Elbe - Anleger Neumühlen - Museumshafen Oevelgönne - Eisschollen und vereiste Trossen

Hamburg – Elbe – Anleger Neumühlen – Museumshafen Oevelgönne – Eisschollen und vereiste Trossen

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Hamburg - Elbe - Anleger Neumühlen - Museumshafen Oevelgönne - Sonnendeck ... (Ansammlung von Möwen und einigen Enter auf einem vereisten Holzdeck)

Hamburg – Elbe – Anleger Neumühlen – Museumshafen Oevelgönne – Sonnendeck …

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Wenn Sie direkt entlang des Wassers laufen, haben Sie zwar die beste Aussicht und Srandfeeling, doch der kalte Ostwind pfeift auf Dauer recht ungemütlich. Die Minusgrade sind auch ohne ihn schon ausreichend zu spüren. Gehen Sie besser nur in der Richtung am Strand, in der der Wind von hinten kommt. Für den restli-
chen Weg erklimmen Sie über eine der Treppen am Strand den höhergelegenen Spazierweg, der entlang der Häuser verläuft. Dort ist es geschützter und sehr viel erträglicher bei Frost.
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Winter in Hamburg - Elbe - Oevelgönne (Oberer Spazierweg) - Farbenfroh ...

Winter in Hamburg – Elbe – Oevelgönne (Oberer Spazierweg) – Farbenfroh …

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Farbenfrohe Häuser, nette Vorgärten und ein weiteres Gartenstück jenseits des Weges mit Blick auf den Fluss. Wie Sie sehen, wird immer fleißig ein Rückschnitt der Bäume vorgenommen. Schließlich möchte man sich als Anwohner seinen Elbblick erhalten …
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Winter in Hamburg - Elbe - Oevelgönne (Oberer Spazierweg)

Winter in Hamburg – Elbe – Oevelgönne (Oberer Spazierweg)

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Winter in Hamburg - Elbe - Oevelgönne - Entlang der Häuser ist es wärmer als unten am Strand ...

Winter in Hamburg – Elbe – Oevelgönne – Entlang der Häuser ist es wärmer als unten am Strand …

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Ich muss gestehen, mir frieren trotz allem so langsam die Hände ab. Der oben erwähnte Abbruchpunkt im Bibberfall ist erreicht. Lassen Sie uns ein anderes Mal wieder zusammenkommen und bei sicherlich bis dahin frühlingshaftem Wetter den Strand unsicher machen – oder neue Ecken entdecken!

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende! Bis zum nächsten Mal!
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Winter in Hamburg - Oevelgönne - Ausblick auf die Elbe und Container-Terminal Burchardkai

Winter in Hamburg – Oevelgönne – Ausblick auf die Elbe und Container-Terminal Burchardkai

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Neumühlen/Oevelgönne erreichen
Falls Sie Neumühlen ansteuern wollen:
Ab Bahnhof Altona (oder auch von der S-Bahn-Station Landungsbrücken) fährt der Bus 112 Neumühlen direkt an.
Die Buslinie 111 wäre die Alternative, sie fährt ab Neumühlen weiter entlang der Elbe Richtung HafenCity. Eine kleine Stadtrundfahrt quasi mit dem Linienbus. Sie können jedoch auch an der Reeperbahn aussteigen und dort wieder in die S-Bahn wechseln.
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Quellen:
Einige die „Stettin“ sowie den Museumshafen Oevelgönne betreffende Details wurden den jeweiligen Vereinsseiten entnommen.
Wikipedia lieferte die Jahreszahlen und weitere Eckdaten zur Geschichte des ehemaligen Kühlhauses.
Sämtliche Fotos © Michèle Legrand
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©by Michèle Legrand, März 2018
Michèle Legrand

 

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60 Kommentare

Zwischen Altstadt und Neustadt (2) – Ein neuer Streifzug durch Hamburg


Es geht wieder weiter! Mit leichter Verzögerung folgt heute der zweite Teil des Streifzugs durch Hamburgs Alt- und Neustadt. Ich verwende weiterhin Aufnahmen, die Ende November entstanden, denn seinerzeit schien die Sonne, ein Ereignis, das bekanntermaßen nicht nur hier in Hamburg seit Monaten Seltenheitswert hat. Grau haben Sie sicher genug gesehen, bringen wir via Foto ein bisschen Farbe ins Leben.

Erinnern Sie sich? Wir waren im ersten Teil in der Altstadt im Bereich zwischen der U-Bahn-Station Meßberg und dem Mahnmal St. Nikolai unterwegs. Mit Zwischenstopp an architektonisch interessanten Kontorhäusern sehr unterschiedlichen Alters, an der Brauerei Gröninger und der inzwischen entrüsteten (im Sinne von Gerüst weg, nicht etwa einer furchtbar aufgebrachten) Kirchenruine von St. Nikolai.

Heute streben wir zunächst den Nikolaifleet an, werfen danach einen Blick auf eine der Hauptkirchen Hamburgs, St. Katharinen, und spazieren anschließend am Zollkanal entlang Richtung  Binnenhafen und Baumwall. Auf die Art werden Sie diesmal zu Beginn in der Altstadt unterwegs sein und sich am Ende auf Neustadt-Boden von mir trennen.

Start am Mahnmal …

Unsere letzte Tour endete bei St. Nikolai in der Willy-Brandt-Straße. Halten Sie sich dort westlich, so erreichen Sie nach kurzer Zeit die Straße Holzbrücke. In südlicher Richtung führt Sie diese über den Nikolaifleet auf die Fleetinsel Cremon. In der Verlängerung – nun mit der Straßenbezeichnung Mattentwiete  – geht es weiter zum Zollkanal und Binnenhafen.
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Hamburg - Altstadt - Nikolaifleet mit Blick auf "Holzbrücke" und Mahnmal St. Nikola

Hamburg – Altstadt – Nikolaifleet mit Blick auf „Holzbrücke“ und Mahnmal St. Nikolai

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Im Verlauf der Straße Holzbrücke gibt es tatsächlich immer noch die gleichnamige Brücke, nur ist das, was
Sie heute vor sich haben, ein dreibogiger Nachfolgebau, der vor gut 130 Jahren (1887) nicht mehr aus Holz, sondern aus Stein erreichtet wurde.
Wären Sie ein bisschen eher – so um 1170 oder auch noch in den folgenden Jahrhunderten – in der Altstadt unterwegs gewesen, hätten Sie die Vorläufer aus Holz selbst in Augenschein nehmen können und hätten auch die Zeit erlebt, als es am Nikolaifleet einen großen Hafen mit regem Betrieb gab, in dem mit Schuten u. a. viel Hopfen angelandet wurde. Gröninger und andere Betriebe brauchten schließlich kontinuierlich Nachschub zum Brauen ihrer Biere.

„Das Schiff“

Heute finden Sie am Fleet direkt an der Holzbrücke möglicherweise keine Schute, dafür jedoch „Das Schiff“, das dort seinen Stammplatz hat. Hamburgs Theaterschiff. An Bord ist politisches Kabarett angesagt, hin und wieder auch Kindertheater. Und gelegentlich wird Literatur zum Thema.
Man feierte 2015 sein 40jähriges Bestehen. Zwar hat vor geraumer Zeit schon (2000) sein bekannter Gründer, Kabarettist Eberhard Möbius, die Leitung in andere Hände übergeben, dennoch läuft der Betrieb weiter.
Noch vor einigen Jahren fuhr man hin und wieder sogar zu Gastspielen nach Kiel, Stade oder Buxtehude.
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Hamburg - Altstadt - Nikolaifleet - _Das Schiff_ (Theater) mit Stammplatz an der Holzbrücke

Hamburg – Altstadt – Nikolaifleet – „Das Schiff“ (Theater) an seinem Stammplatz nahe der Holzbrücke

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„Das Schiff“ ist ein Privattheater, das meist so viel einnimmt, dass laufende Kosten gedeckt sind. Nur was tun, wenn altersbedingt am Schiff umfangreiche Reparaturen notwendig werden? Wenn dazu sein Innenleben überaltert ist? Wenn obendrein Arbeiten am Liegeplatz erforderlich werden, z. B. für einen neuen Bodenbelag des Pontons, der rissig ist. Oder für den Ersatz der vorhandenen Treppe durch eine Art tideunabhängige Gangway, die den Zugang zum Schiff auch für ältere, nicht mehr ganz so rüstige und sportliche Menschen sichert bzw. erst möglich macht. Das ist im Budget nicht drin. Dafür ist man auf  Unterstützung angewiesen. Letzten Dezember standen die Chancen sehr gut, Gelder (über 300.000 Euro) aus einem Sanierungsfond bewilligt zu bekommen.

Schön häufig, wenn ich von der Holzbrücke das Schiff betrachtete, schoss  mir der Gedanke durch den Kopf: Mensch, ist das beachtlich, was der betagte Kahn alles miterlebt hat, seitdem es als Besansegel-Ewer 1912 in Holland das Licht der Welt erblickte! Wie lange das her ist!
Der erste Weltkrieg hatte noch gar nicht stattgefunden. In den Niederlanden saß damals die Uroma des heutigen Königs, Königin Wilhelmina, auf dem Thron, während bei uns Kaiser Wilhelm II herrschte. Zu jener
Zeit misst er lediglich 20,19 m. Der Kahn, nicht der Kaiser. Ein deutscher Kunde ersteht den Segler aus Holland und baut irgendwann eine Hilfsmaschine ein. Für ihn verrichtet der Ewer als „Seemöve“ seinen Dienst.
Ein paar Jahre darauf entscheidet sich der nächste Eigner für einen stärkeren Motor, ein Schiffsmast fällt, der Klüverbaum wird gekappt. So weit so gut. Doch dann! Stellen Sie sich vor, im zweiten Weltkrieg sinkt das Schiff im Hamburger Hafen! Geht komplett unter!
Es wird gehoben, repariert und bei dieser Gelegenheit gleich umgebaut. Plötzlich ist der Rumpf 34,50 m lang und das Boot kein Besan-Ewer mehr, sondern ein Küstenmotorschiff. So hört er bald darauf nicht mehr auf den Namen „Seemöve“, sondern nennt sich fortan „MS Rita Funck“. Dieses Schiff schauen sich Herr Möbius und sein Frau aus, um es nach dem Kauf auf einer Werft in Rothenburgsort für den Theaterbetrieb herrichten zu lassen.
Seit 1975 steht es für diesen Zweck zur Verfügung. Mitte der 80er Jahre war ich selbst einmal an Bord für eine Vorstellung …
Ein abwechslungsreiches Schiffsleben bis dahin mit Hochs und Tiefs. Doch seitdem es Theaterschiff ist, wurde nichts Größeres mehr daran erneuert, gerichtet, saniert oder verschönert, während gleichzeitig unablässig Wind, Wetter und vor allem das Fleetwasser an ihm „nagen“ – wie auch der Zahn der Zeit …

Vielleicht hat „Das Schiff“ im Alter von 106 Jahren nun bald einen längeren Kuraufenthalt.
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Lassen Sie uns ein Stück weiterspazieren …
In vielen dieser Altstadtstraßen stoßen Sie immer wieder auf besondere Eingangstüren oder Portale.
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Hamburg - Altstadt - ... und immer wieder sehenswerte Eingangstüren.

Hamburg – Altstadt – … und immer wieder sehenswerte Eingangstüren.

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Hinter der Holzbrücke, direkt links abgebogen in die Katharinenstraße,  geht es im sanften Bogen bis vor zur Kirche St. Katharinen.
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Sankt Katharinen
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Hamburg - Altstadt - Hauptkirche St. Katharinen

Hamburg – Altstadt – Hauptkirche St. Katharinen

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Von den fünf Hauptkirchen, die es bei uns gibt, ist St. Katharinen die dritte. Sie entstand um 1250 herum. Damals wuchs Hamburg, der Platzbedarf stieg erheblich, und Stadtflächen sollten durch Eindeichungen ver-
größert werden. Gesagt, getan. Doch ist nicht unmittelbar nach Eindeichung gleich alles knochentrocken. Das Gelände hier war noch feuchtes Marschland, und so wurden für das Fundament der Kirche 1 100 Lärchen-
stämme in den Grund getrieben.
Wir sprachen vorhin davon, dass der Hafen früher im Bereich des Nikolaifleets regen Betrieb aufweisen konnte. Ein aufstrebender Hafen zudem, der natürlich viele anzog. St. Katharinen wurde damals die Kirche für die sich neu niederlassenden Kaufleute, die Bierbrauer und Schiffbauer.
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Hamburg - Altstadt - Hauptkirche St. Katharinen (Rückseite)

Hamburg – Altstadt – Hauptkirche St. Katharinen (Rückseite)

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Ob Kirchgänger damaliger Zeit sich eine Vorstellung davon hätten machen können, wie sich die Zeiten wandeln, wie sich die Menschheit in Glaubensfragen und damit auch die Beziehung zwischen Mensch (Volk) und Kirche ändern würde? Die Kirche selbst findet sich mit anderen Aufgaben und Erfordernissen konfrontiert, so dass es nicht verwunderlich ist, wenn sich das Kirchenleben der Neuzeit hin und wieder überraschend anders gestaltet …

In Zeiten, in denen die Finanzlage der Kirchen aufgrund sinkender Kirchensteuereinnahmen und gleichzeitig steigender Pensionsansprüche sowie erhöhter Ausgaben jeglicher Art gehörig in die Schieflage gerät, denkt man mancherorts neben Einsparungen über zusätzliche Einnahmequellen nach. Was lobenswert ist und nicht grundsätzlich schlecht sein muss.
Unabhängig von Sparzwängen oder gar Profitdenken, gilt es manchmal auch nur sich hervorzuheben, sich von anderen Gemeinden bzw. Glaubensrichtungen abzuheben und zu positionieren. Seht her, so machen wir das. Wir sind anders. Fortschrittlicher, konservativer, offener … was auch immer.
Nähe, Erreichbarkeit – nicht nur im örtlichen Sinn – zu demonstrieren, scheint ein weiteres Ziel. Nicht selten erleben Sie den Versuch einzelner Kirchen (Pastoren, Kirchenvorstände), das Image des Starren, des Welt-
fremden, des ewig Gestrigen abzulegen.
Wenn Kirchen viele Mitgliedsaustritte verzeichnen und dazu die Bänke im Gottesdienst stets reichlich freie Plätze aufweisen (womit auch die Kollekte mager ausfällt), ist schon die Frage erlaubt, wie Kirche von heute bei den Menschen auszusehen hat, damit sie wahrgenommen, angenommen, obendrein im Idealfall (finanziell) unterstützt wird.
Es ist wohl immer ein bisschen von allem, was zum Tragen kommt und irgendwann  ein – ich nenne es einmal – Testballons starten auf Kirchenseite hervorruft. Die Katharinenkirche z. B. nutzte die Klimawoche 2015 dazu, ein „Klimakonzert mit grüner Modenschau“ im Kirchenschiff zu genehmigen und durchzuführen.  Mit Models, Lichteffekten und allem, was dazugehört. Das ist mittlerweile salonfähig und kein Aufreger mehr. Es bringt Einnahmen, sorgt für Gesprächsstoff, und immerhin steht dahinter der positiv behaftete „grüne“ Gedanke.
Ein Teil der Gemeinde schreit Hurra, der andere ist etwas pikiert, und morgen ist das Thema abgehakt.
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Hamburg - Altstadt - St. Katharinen vom Zollkanal aus gesehen

Hamburg – Altstadt – St. Katharinen, diesmal vom Zollkanal aus gesehen

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Als allerdings 1996 rund 2 000 Raver in St. Katharinen eine Technoparty feierten, gab es mehr als hanseatisch leicht gerümpfte Nasen. Da half es auch nichts, dass Rauchen nicht erlaubt war. Es gab reichlich Alkohol, seltsame „Energy Drinks“, leichtbekleidete Wesen zwischen Heiligenstatuen, ekstatische Tänzer und viel Remmidemmi.
Warum man es in der Kirche gestattete? Oh, es war eine Art Kreuzzug der Techno-Tänzer („Crusade“). Es sollten die beiden Kulturen Gregorianik und Techno miteinander verbunden werden. Immerhin war auch ein Kieler Gregorianik-Chor mit von der Partie. Auf diese Art erhoffte man, Menschen in die Kirche zu locken, die sonst nie hinfänden. Das hat man sicher auch geschafft, nur ob die danach je wiederkamen?

Finanziell hat es sich gelohnt. Man musste zwar einen Sicherheitsdienst engagieren, der zehn Stunden im Dauereinsatz war, aber bei damals 60 DM Eintritt kam doch ein erkleckliches Sümmchen von ca. 120 000 DM zusammen. Damit waren die Kosten kein Thema  mehr, und der ansehnliche Rest half, den der Kirchen-
technoparty folgenden Stress und Ärger leichter zu verdauen.
Danach fanden in St. Katharinen interessanterweise ebenso Abende mit Gegenveranstaltungen statt, in
denen genau dieses Verhalten (Konsumdenken, Profit egal wodurch) angeprangert und kritisiert wurde.
Kirchenleben ist also bunt. Vielfältig, mit einem Hauch Unberechenbarkeit.

Schauen Sie einmal zur Turmspitze. Diese als Krone geformte Goldverzierung soll gerüchteweise mit Gold
aus dem verschollenen Goldschatz Störtebekers hergestellt worden sein. Sie wissen schon, der berühmt-berüchtigte Pirat. Der Begriff Störtebeker – übersetzt aus dem Plattdeutschen – bedeutet „Stürz den Becher“. Man munkelt, der Pirat konnte einen Vierliter-Krug Wein, wahlweise Bier, in einem Zug austrinken. Ob er deshalb so genannt wurde?
Ich zweifle ein wenig daran, ob jemand überhaupt vier Liter auf einmal in sich hineinbringen kann …
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Hamburg - Altstadt - Turmspitze St. Katharinen mit kronenförmiger Goldverzierung

Hamburg – Altstadt – Turmspitze St. Katharinen mit kronenförmiger Goldverzierung

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Sie können auch in St. Katharinen die Aussicht von oben genießen, allerdings, wenn Sie hier auf den Turm möchten, müssen Sie es im Rahmen einer Führung machen. 292 Stufen hinauf, vorbei an fünf Glocken …
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Plaza oder Turm? Elbphilharmonie vs. Kirchtürme …

Apropos Turmbesteigung. Die Kirchen, und vorneweg der Pastor der Hauptkirche St. Michaelis, klagen, dass seit Eröffnung der Elbphilharmonie vor einem Jahr die Zahl der Kirchturmbesteigungen massiv zurückge-
gangen sei und damit eine wichtige Einnahmequelle versiege. Im Gegensatz zum kostenfreien Besuch der Plaza in der Elbphilharmonie kostet die Besteigung der Türme Geld.
Der Michel-Pastor hat jetzt nicht explizit gefordert, dass die Begehung der Plaza umgehend Eintritt kosten muss, doch hätte er angesichts der Umstände natürlich nichts dagegen. Sein nachvollziehbares Wunschdenken wurde in den Medien vielfach gleich in Richtung Forderung verdreht, und schon rief seine Bemerkung einen Sturm der Entrüstung hervor.

Lassen wir kurz den Punkt Plaza-Eintritt ja oder nein außen vor und betrachten die Situation ganz generell. Zum einen können nicht alle Kirchen diese Entwicklung uneingeschränkt oder in gleichem Maße bestätigen. Beim Mahnmal St. Nikolai ist es nicht eindeutig, weil gerade nach der Sanierung und Wiedereröffnung des Turms im letzten Herbst besonders viel Zustrom zu verzeichnen ist. Dort herrscht Andrang, obwohl die Fahrt mit dem gläsernen Panoramalift fünf Euro kostet. Also ebenso viel, wie beim Michel zu löhnen ist. Ob der Zulauf so bleibt, wird man sehen.
Andere verzeichnen ebenfalls einen Rückgang, der jedoch trotz verlangter Gebühr für die Turmbesichtigung geringer ausfällt.
Die Hauptkirche St. Petri in der City wiederum meldet zwar weniger Zulauf, nur hatte sie dabei eher mit den Auswirkungen des berüchtigten G20-Gipfels im letzten Jahr zu kämpfen. Währenddessen (im Monat Juli) erschienen gleich 17 000 Besucher weniger als im Folgemonat August (39 000 zu 56 000).

Wenn ein Hamburger Ur-Wahrzeichen wie der Michel von eklatantem Rückgang der Turmbesucher spricht, dann sind es vermutlich weniger die Einzelreisenden, als vielmehr – und zahlenmäßig relevanter – die Teilnehmer von Gruppen- und organisierten Städtereisen, die ausbleiben. Wer allein, auf eigene Faust kommt, plant meist mehr Zeit ein, steuert viele Attraktionen und Ziele an und hängt notfalls dafür noch einen Tag dran.
Bei organisierten Städtetrips (z. B. Wochenendtouren) ist irgendwann Schluss mit der Programmstraffung. Wenn keine zusätzliche Zeit zur Verfügung steht und jeder Reiseteilnehmer erwiesenermaßen vor allem die Elbphilharmonie gesehen haben möchte, wird kurzerhand der Michel entweder komplett herausgenommen oder aber zumindest der Turmbesuch gestrichen. Gerade die Besteigung kostet Zeit, ganz abgesehen davon, dass nicht jeder in der Lage ist, daran teilzunehmen. Die Aufzugfahrt ist nicht von ganz unten bis direkt zur Aussichts-
plattform möglich. Es bleiben einige Treppen, die weiterhin zu Fuß bewältigt werden müssen. Nehmen wir jetzt noch das mehr als unvorteilhafte Wetter des letzten Jahres mit entsprechend schlechter Aussicht, so ist es nicht verwunderlich, wenn weniger Interesse als sonst besteht, bei niedrigen Temperaturen und Nässe den Aufstieg für einen zugigen Turmausblick anzugehen.
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Hamburg - Hafen (Höhe Baumwall) - Restaurant _Feuerschiff_

Hamburg – Hafen (Höhe Baumwall) – Restaurant „Feuerschiff“ – Im Blick haben Sie auch die Elbphilharmonie …

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Es kann nicht allein an den Kosten liegen. Über ein reizvolleres Kombiticketangebot (Kirche mit Krypta plus Turm) ließe sich trotzdem nachdenken. Warum nicht auch als Anreiz den Treppensteigern einen günstigeren Preis anbieten als den Lift-Nutzern oder eventuell einen Tag festlegen, an dem es nur die Hälfte kostet …
Ja, und ein bisschen enthusiastischer die Besonderheiten einer solchen Turmbesteigung und vor allem die des Ausblicks hervorheben! Rundumblick vom Turm aus 106 m Höhe und Plaza-Ausblick sind nun wirklich nicht vergleichbar. Michel und Elbphilharmonie müssten so gesehen gar keine Konkurrenten sein.
(Ich lasse Ihnen am Ende einen Link zu einem Blogbeitrag meiner Michelklettertour da, falls Sie Lust darauf haben. Auch Glockengeläut ist zu hören!)
Angewiesen sind die Kirchen auf die Einnahmen aus den Eintrittsgeldern, selbst wenn sie im Grunde nur ein Tropfen auf dem heißen Stein sind, betrachtet man die Kosten, die zum Erhalt der Gebäude nötig sind. Es ist also leider keine Option, grundsätzlich auf Eintritt zu verzichten.

Der Plaza-Besuch in der Elbphilharmonie wiederum würde unter Garantie bei den Reiseveranstaltern weiter im Programm bleiben, selbst wenn der Zutritt kostenpflichtig werden würde. Für den Reisegesamtpreis bedeutet es letztendlich keine dramatische Erhöhung. Einzelpersonen hingegen und speziell die Hamburger …

Nun, viele Hamburger fühlten sich doppelt ausgenommen, sollte es dazu kommen. Erst wird das Jahrhundert-
bauwerk und neue Wahrzeichen so hundsteuer, dass mehrfach immense Summen aus Steuergeldern der Hamburger Bürger nachgeschoben werden müssen, und nun soll womöglich noch einmal geblecht werden, bevor man als Einheimischer und Mitfinanzierer einmal einen Blick auf das Ganze werfen kann? Das sieht nicht jeder ein …

Wir werden die Entwicklung weiter verfolgen.
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Hamburg - Altstadt - Zollkanal (Bei den Mühren) mit Speicherstadt im Hintergrund

Hamburg – Altstadt – Zollkanal (Bei den Mühren) mit Speicherstadt im Hintergrund

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Wir sind inzwischen von St. Katharinen ein Stück entlang des Zollkanals gewandert und haben den Binnenhafen erreicht.
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Hamburg - Altstadt - Am Binnenhafen

Hamburg – Altstadt – Am Binnenhafen

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Hamburg - Altstadt - Binnenhafen - Blick Richtung Niederbaumbrücke

Hamburg – Altstadt – Binnenhafen – Blick Richtung Niederbaumbrücke

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Flussschifferkirche

Sehen Sie das blaue Schiff (Foto unten)? Das ist die Flussschifferkirche, Deutschlands einziges Gotteshaus auf dem Wasser, auf Schiffsplanken zumindest. Mit Gottesdiensten, einer Binnenschifferseelsorge, und „Hausbesuchen“. Man fährt zweimal die Woche mit einer alten Arbeitsbarkasse im Hafengebiet herum und besucht die Binnenschiffer direkt an ihrem Arbeitsplatz.
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Hamburg - Altstadt - Binnnhafen mit Flussschifferkirche links (blaues Boot) - Speicherstadt rechts

Hamburg – Altstadt – Binnenhafen mit Flussschifferkirche links (blaues Boot) – Speicherstadt rechts

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Nachdem wir uns bisher die ganze Zeit auf Altstadtgebiet befanden, wechseln wir hier nun auf Neustadtgebiet. Die Grenze verläuft etwa auf der Otto-Sill-Brücke, von der aus das obige Foto aufgenommen wurde. Der Baumwall liegt voraus – doch wenn ich es mir recht überlege, ist eigentlich dieser Wechsel des Stadtgebiets eine wunderbare Gelegenheit, für heute die Tour zu beenden. Mit einem Blick aus der Neustadt zurück in die Altstadt
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Hamburg - Hafen - Niederbaumbrücke - Blick von der Neustadt Richtung Altstadt

Hamburg – Hafen – Niederbaumbrücke – Blick von der Neustadt Richtung Altstadt / Ganz hinten St. Katharinen, links der Turm von St. Nikolai (Mahnmal)

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Sind Sie bei einem weiteren Streifzug wieder mit dabei? Sie haben gemerkt, obwohl es stets seine Zeit braucht, müssen Sie keine Riesenentfernungen schaffen oder tausend Dinge durchhecheln. Es bleibt entspannt.

Bis demnächst! Ich vermeide es allerdings, mich zeitlich festzulegen, denn das klappt erfahrungsgemäß nur mittelprächtig.

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Hier noch der Link zur oben erwähnten St.-Michaelis-Turmbesteigung:
=> „Der Hamburger Michel: Wem die Glocke schlägt“

Und so gelangen Sie bei Interesse zum ersten Teil des Altstadt/Neustadt-Streifzugs:
=>„Zwischen Altstadt und Neustadt (1): Ein neuer Streifzug durch Hamburg“
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© by Michèle Legrand, Januar 2018
Michèle Legrand

 

 

 

 

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50 Kommentare

Blick von oben …

Es ist soweit: Zumindest ab und zu werde ich wieder bei Ihnen hereinschneien und Sie behelligen. Die
Wochen seit Mai sind gefühlt schnell vergangen, waren und sind aber alles andere als einfach. Ich möchte
das Thema Erkrankung nicht völlig umgehen, die Lage allerdings nur kurz und schnodderig so umreißen:
Es ist alles Grütze. Weiterhin große, ernste, unbarmherzige, verdammte Grütze.

Einen kleinen Lichtblick gab es allerdings am Sonntag. Der Gemahl hatte Freigang! Oder wie heißt das korrekt, wenn man tagsüber raus darf aus dem Bau? Warten Sie … Bin ich gerade auf dem richtigen Dampfer? Nicht, dass wir uns missverstehen, es geht ums Krankenhaus …
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Asklepiosklinik Altona - Am freundlichsten wirkt das Hochhaus in der Abendsonne (20stöckiges Hochhaus, Nordansicht mit Haupteingang)

Asklepiosklinik Altona – Am freundlichsten wirkt das Hochhaus in der Abendsonne …

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Mein Mann muss seit geraumer Zeit erneut stationär behandelt werden. So bin ich seit nunmehr fünf Wochen täglich quer durch Hamburg von Ost nach West bzw. umgekehrt unterwegs und verbringe viele Stunden bei ihm am Krankenbett. Ich werde Sie nicht mit privaten Krankenhausgeschichten zuschütten. Nein, nein. Doch stellen Sie sich darauf ein, dass ich Ihnen momentan logischerweise ausschließlich von Ereignissen, Eindrücken und Menschen erzählen kann, die mir auf dem Weg zum Krankenhaus unterkamen.

Ist Ihnen auch aufgefallen, wie außergewöhnlich oft Hamburg in den Wochen meiner Blogabstinenz aus den unterschiedlichsten, dabei nicht immer schönen, Anlässen bundesweit in den Medien erwähnt wurde? Auf der einen Seite bot der G20-Gipfel mit seinen Ausschreitungen ausreichend Gelegenheit. Dazu Themen wie Bürgermeister Scholz in Nöten, dauerhaft innerstädtische Staus, Wasserrohrbruch mit anschließendem Riesenkrater auf der Amsinckstraße, wochenlange Sperrungen wegen immer neuer Langzeitbaustellen und Bauarbeiten entlang der Autobahn, Brückenerneuerung selbst bei der Bahn mit umfangreichem Schienen-
ersatzverkehr über die gesamten Sommerferien.
Dazu Ereignisse wie die kürzliche Messerstecherei im Supermarkt, Funde von Leichenteilen in Rissen, ein Erschlagener an der Alster oder auch Berichte über die Müllzunahme auf den Straßen, die vielen zu späten
und lauten An- oder Abflüge am Flughafen, das nicht endende Chaos bei der Gepäckabfertigung.
Klar, es gab glücklicherweise auch Positives. Den Gegenpol bildeten ansprechende Fotos einer grünen und wasserreichen Stadt, gute Taten und Aktionen, der friedliche Ablauf zahlloser Events. Bei den Großveran-
staltungen fielen die Triathlon-Tage sowie der jährliche Schlagermove als positiv verlaufen auf. Sogar Kate und William waren bei uns zu Besuch! Nicht bei mir direkt, aber beim Bürgermeister und u. a. in der Elbphilharmonie.
Ja, die jungen Vertreter des Hauses Windsor samt ihrer beiden Kinder … Die Presse hatte wieder einmal aufgepasst und mitgezählt, wie viele unterschiedliche Kleider die Herzogin auf der Reise wo und zu welchem Anlass trug. Man staunt, dass das immer noch Leser hinter dem Ofen hervorlockt … Unter uns: Ich persönlich stehe eher auf Berichte über beispielsweise den Gummistiefelweitwurf bei Veranstaltungen wie der „British Flair“, die am vergangenen Wochenende wieder zum Besuch einlud. Ich habe Ihnen vor zwei Jahren davon erzählt, erinnern Sie sich noch? (Welly throwing – Einmal im Jahr fliegen die Stiefel …)

Nirgends aktiv teilgenommen, habe ich von all dem dennoch eine Sache wirklich intensiv miterlebt: die Auswirkungen des G20-Gipfels. Plötzlich ist eine Stadt tagelang mehr oder weniger lahmgelegt und dabei gleichzeitig in Aufruhr. Straßensperrungen machen jegliches Durchkommen unmöglich, die Umleitungen sind im Nu ebenso verstopft oder funktionieren aufgrund chaotischer Zustände von vornherein nicht. Selbst Taxis geben auf und stellen die Fahrten ein, die Notfallpläne für den oberirdisch verlaufenden öffentlichen Verkehr können nicht umgesetzt werden. Kaufhäuser verbarrikadieren vorab vorsorglich ihre großen Fensterflächen aus Angst vor Randale mit Holzplatten, und in kritischen Ecken bleiben Läden, Betriebe und Praxen geschlossen.
Das Aufeinandertreffen von gewaltbereiten Demonstranten und der Polizei artet teilweise aus, Steine fliegen, Autos brennen, Vandalismus findet statt, Plünderungen passieren, an denen sich erstaunlich viele beteiligen! Und überall sind Menschen im Handumdrehen in Gefahr! Die Polizei, die in einen Hinterhalt gelockt wird, aber selbst Außenstehende, Passanten, Anwohner, die gar nicht aktiv an etwas teilnehmen. Ihre Unversehrtheit, ihr Leben. Ihr Hab und Gut dazu, wenn sie das Pech haben, am „falschen“ Ort zu wohnen, bzw. bereits dann, wenn sie lediglich ihr Auto oder sonstiges Eigentum dort abgestellt haben.

Ich muss Ihnen gestehen, ich habe Hamburg noch nie so erlebt. Ich war wirklich erschüttert! Es mag Anwohner aus anderen Stadtteilen und speziell den Außenbezirken geben, die abwiegeln. Ach, komm, so schlimm war’s nun auch nicht! Vielleicht hat es dann nicht so eindrücklich berührt, wenn vieles nur im Nachhinein verwundert den Medien entnommen wurde, der Mensch jedoch zu weit ab vom Geschehen war. Distanz bewahren konnte.
Wer einmal erlebte, wie völlig egal offenbar einigen gewaltbereiten Demonstranten Menschenleben sind, wie viel Hass auf jeden und alles, wie viel blinde Zerstörungswut sich zeigt, wer sich dem immensen Polizeiaufgebot gegenüber sah mit den schier endlosen Fahrzeugkolonnen, den Wasserwerfern, wer die stundenlang über einem kreisenden Hubschrauber hörte, sehr schwer einzuschätzende Vermummte oder sogar Randalierende plötzlich in seiner Nähe entdeckte, neben wem es knallte, wer mit demolierten Fahrzeugen, eingeschlagenen Fenstern oder verkohlten Resten einer Barrikade unmittelbar konfrontiert wurde, dem war alles andere als wohl zumute.

Ich selbst hätte unter anderen Umständen konsequent einen Riesenbogen um die Innenstadt und die Areale gemacht, die als Korridore für die Fahrten der Delegierten des Gipfels herhalten mussten. Unter normalen Umständen hätten mich keine zehn Pferde aus meinem Viertel im Osten Hamburgs bekommen. Durch den Klinikaufenthalt gab es erzwungenermaßen eine Planänderung: Ich wollte – allen Sperrungen zum Trotz – zum Krankenhaus am anderen Ende der Stadt kommen!
Als sicherste Variante entpuppte sich die in den kritischen Gebieten unterirdisch verkehrende S-Bahn. Sie werden in solch einer Situation ja trickreich. Sie lassen den während der Gipfeltage als unsicher geltenden Bahnhof Altona aus, suchen sich nicht ab dort die empfohlene, praktische Anschlussverbindung, sondern fahren unterirdisch über das eigentliche Ziel hinaus und schleichen sich dann von hinten per Bus wieder an. Wenn jedoch selbst im feinen und vermeintlich sicheren Othmarschen, in Bahrenfeld, in den schmalen Straßen Ottensens, an der noblen Elbchaussee und an weiteren Stellen unerwartet ebenfalls herumrandaliert wird, Scheiben zertrümmert sowie Geldautomaten demoliert werden und Busse sich zum Halten zwischen den Touren auf einmal in Nebenstraßen verdünnisieren, jeglichen Fahrplan über den Haufen werfend … dann hat das Chaos gefühlt allmählich die ganze Stadt erreicht.

Dies alles ist nun einen Monat her, doch erstaunlicherweise ist es präsent, als wäre es gestern passiert. Es beschäftigt gedanklich wieder und wieder.

Bahn- und Busfahren habe ich seitdem beibehalten, denn es ist tatsächlich die schnellste Variante, um auf die andere Seite der Stadt zu kommen. Und die nervenschonendste! Außerdem, das wissen Sie vermutlich aus eigener Erfahrung, sind Fahrten in öffentlichen Verkehrsmitteln durchaus lehrreich. Manche Linienbusse hier bei uns haben eine sogenannte „Buchhaltestelle“. Das ist eine Art Leihbücherei für Mitfahrende. Ein Buchregal, aus dem sich während der Fahrt bedient wird und aus dem Bücher auch leihweise entführt werden können. Bis man sie durch hat. Bei einer der nächsten Fahrten stellt man sie einfach ins Bord zurück.
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Hamburg - Die Busbibliothek "Buchhaltestelle" ... (Bücherregal im Fahrgastraum)

Hamburg – Die Busbibliothek „Buchhaltestelle“ …

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Weiterhin lernte ich kürzlich zwischen Othmarschen und Altona, dass die Chance, von einem Hai angegriffen zu werden, geringer ist, als die Chance auf einen Sechser im Lotto. Und ich habe mir sagen lassen, die sei schon extrem winzig. Der Mensch seinerseits  – das hat mich angesichts der Menge sehr erstaunt – murkst jährlich die schier unvorstellbare Zahl von 100 Millionen Haien ab!

Mich verblüffen häufig auch die Gespräche meiner Mitfahrer. Manchmal aufgrund der unerwarteten Wendung, die sie nehmen.
Zwei erhitzte, junge Männer stiegen zu, nahmen mir gegenüber Platz. Der eine meinte mit sehnsuchtsvollem Blick, jedoch akustisch eher resolutem Einschlag:
„Jetzt ´nen Energydrink! Mann, was habe ich grad Bock auf  ‘nen Energydrink!“
Einen Moment herrschte Ruhe.
„Hätte noch Wasser“, sagte der andere. „Willste?“
„Ja, geht auch.“

Oder die Schulklasse auf Ausflug. Davon waren in Hamburg in der zweiten Julihälfte vor der Zeugnisvergabe und dem Beginn der Sommerferien einige unterwegs.
Vier Jungen, zehn, elf Jahre alt, drängten auf zwei einander gegenüberliegende Zweiersitzbänke zu. Die beiden Fixesten belegten die Fensterplätze. Einer der Nachkömmlinge wandte sich schwer empört an den am Fenster:
„Da sitze ich!“
„Nö.“
„Los, mach Platz!“
„Nö.“
„Mir wird aber immer schwindlig am Gang!“
(Man kann es ja wenigstens versuchen.)
„Spinner.“
(Versuch erfolglos, Schwindelkandidat gibt auf.)

Die vier erwähnten im lebhaften Gespräch einige Male den Ausdruck „OP machen“, das Wort „steril“ und weitere Begriffe, die ich in den Bereich Medizin packen würde. Ich vermutete kurzzeitig, vielleicht weil ich momentan etwas vorgeschädigt bin, sie hätten gerade eine Krankenhausbesichtigung hinter sich, aber nein, sie redeten über ein Handyspiel. Einiges klang für mich wie böhmische Dörfer. Zum Beispiel entwickelte sich eine heiße Debatte über einen Stick mit Verbrennung. (Keine Ahnung, ich grüble heute noch darüber nach.) Die Wortwahl anschließend fiel nicht minder kurios aus.
„Du kannst Coins im Shop kaufen.“
„Da bist du ja instant tot!“
(Was?)

Kennen Sie noch das Spiel „Papier, Schere, Stein“ und den dazugehörigen Spruch: „Ching, Chang, Chong“?
Von den Jungen habe ich eine neue Variante kennengelernt. Bei dieser Abart führen Sie die gleichen Hand-
bewegungen aus, die Sie von Papier, Schere, Stein kennen, sagen dabei jedoch laut und vernehmlich: „Ching, Chang, Schmerz.“ Wer verliert, kriegt eine Backpfeife. Keine saftige Ohrfeige, mehr ein gezieltes, jedoch labberiges Tätscheln. Bei den jungen Herren gab es großes Gelächter gratis dazu.
Ich vermute, wenn sich Mädchen etwas Alternatives ausdächten, hieße es „Ching, Chang, Schmatz.“ Und die Verlierer müssten den Gewinner küssen.

Zu erzählen wäre noch einiges, nur meine Zeit für heute ist um. Ihre sicher auch. Ich komme demnächst wieder. Ich hätte Ihnen zum Abschluss jedoch gern noch einen Blick von oben gezeigt.
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Aussicht aus dem 18. Stock des Klinikums Altona (Blickrichtung Süd, Elbe)

Elbblick vom Klinikum Altona …

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Das ist die Aussicht, die Sie aus dem 18. Stock des Klinikums in Altona haben. Ich bin extra einmal hoch-
gefahren. Nur in diesen Höhen kommt selten eine Fensterputzkolonne vorbei. Die Scheibe hat sicher schon einmal sauberere Zeiten erlebt; erkennen können Sie trotzdem ein bisschen.
Der Blick geht Richtung Süden, Richtung Elbe. Da das Gelände am Flussufer schnell ansteigt und Baum-
bestand auf den Anhöhen zusätzlich die Sicht auf den Strom nimmt, können Sie am besten mit Hilfe der Kräne am gegenüberliegenden Ufer erkennen, wo die Elbe verläuft.
Etwa in Bildmitte (Klick aufs obere Foto vergrößert die Aufnahme) lässt sich im Hintergrund sogar die langgezogene, geschwungene Köhlbrandbrücke ausmachen …
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Aussicht vom Klinikum Altona (Blickrichtung Elbe)

Aussicht vom Klinikum Altona (Blickrichtung Elbe)

Wenn Sie sich von unserem Aussichtspunkt eine senkrechte Linie Richtung Elbfluss denken, würde sie etwa in Höhe der recht bekannten „Strandperle“ auf das Ufer stoßen. Die liegt zwischen dem Museumshafen Oevelgönne und dem großen Findling, den man „Alter Schwede“ getauft hat. Gegenüber am Elbufer befindet sich Waltershof mit den erwähnten Kränen, ein Areal, das nahezu ausschließlich aus Hafen- und Industrie-
anlagen besteht. Rechts davon (flussabwärts) liegt Finkenwerder. Dort schließt sich auch das Gelände von Airbus an. Die dicken Transportmaschinen („Beluga“) kommen hier beim Ansetzen zur Landung im Tiefflug vorbei, und sie röhren speziell beim Starten mächtig.

Feierabend. Vorerst. Machen Sie sich bitte darauf gefasst, dass ich Sie gelegentlich mit einem neuen Beitrag behelligen werde. Ich habe es jedenfalls vor. Je nach Lage – und wenn ich die beschreiben sollte, dann am ehesten so: Der Blick schweift in diesen Wochen eher nicht in die Ferne, sondern vorsichtig voraus, immer nur bis zur nächsten Ecke …

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Ich möchte mich bei dieser Gelegenheit noch einmal recht herzlich für den vielen Zuspruch, die fürsorglichen Nachrichten und überhaupt ihre persönliche Anteilnahme via Kommentar und Mail nach dem letzten Post bedanken!

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© by Michèle Legrand, August 2017
Michèle Legrand

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63 Kommentare

Hamburg entdecken – Heute ein Blick in den Oberhafen und seine Umgebung

Moderne Glasbauten, Backstein, Brücken, alte Schlösschen und mehr  

Hätten Sie heute zufällig etwas übrig für schiefe Kaffeeklappen, eigenartige Drachenschwäne
und all die anderen Dinge, die ich gerade oben erwähnte? Elbwasser wäre auch dabei …
Überlegen Sie es sich, und bis Sie einen Entschluss gefasst haben, lesen Sie einfach weiter.

In der letzten Zeit hatte ich abends mehrmals in für mich relativ unbekannten Ecken der Hansestadt zu tun. Entweder war ich noch nie dort gewesen (Hamburg ist immerhin eine Großstadt) oder hatte mich ewig lang
nicht mehr in gerade diesen Bereichen aufgehalten.
War man bereits irgendwann einmal in dem Viertel, verleiht dieser Umstand eine trügerische Sicherheit im Hinblick auf den jetzigen Besuch. Das finde ich schon wieder, ist der erste Gedanke. Nur vergisst man dabei schnell, dass Veränderungen gerade in einer Stadt an der Tagesordnung sind. Im Laufe von fünf, zehn oder noch mehr Jahren, hat sich vieles erheblich gewandelt. Wo Sie sich einst fast schon auskannten, ist nun eine andere Straßenführung, es gibt auf einmal Tunnelbauten oder weitere Brücken, riesige Kreuzungsanlagen, es fanden diverse Abrisse statt, Neubauten gesellten sich dafür dazu, andere Fassaden blinzeln sie an. Es ist manchmal gar nicht so einfach, sich wieder zu orientieren.
Klar, wie jeder andere wahrscheinlich auch, suche ich mir gerade deshalb jeweils vorab die entsprechende Route heraus, doch, Hand aufs Herz, Karte gegenüber realer Ansicht – irgendwie wirkt das beim Näher- bzw. Ankommen oft komplett anders. Vor allem, wenn die markanten Punkte, die einem als Wegmarken dienen sollen, kaum zu sehen sind. Wegen Dunkelheit. Im Winterhalbjahr ist sie leider ein ständiger Begleiter.
Ich habe jedenfalls in letzter Zeit hin und wieder ganz schön verdutzt geschaut und herumsuchen müssen.
Umso schöner, hin und wieder einen Mitkommer und Mitsucher dabeizuhaben. Als ich neulich am Abend in Begleitung meiner Tochter unterwegs war, wurde dabei nur eines ziemlich deutlich: Man kann nicht gerade behaupten, dass ich – zumindest zu später Stunde – über so etwas wie Adleraugen verfügen würde.

Wir wollten zu einer Veranstaltung am Großmarkt. Früher strebten dorthin nur Produzenten und Händler von Lebensmitteln (frisches Gemüse und Früchte) und Blumen. Und bis heute herrscht dort speziell nachts und in den frühen Morgenstunden Hochbetrieb! Generell gibt es aber in den Großmarktmallen rund um die Uhr ein Riesenangebot für Kaufwillige. Es ist Norddeutschlands größtes Frischezentrum mit etwa 470 beteiligten Marktfirmen!
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Hamburg (Hammerbrook) - Der Großmarkt am Tag ... (Eingang zu den Großmarkthallen

Hamburg (Hammerbrook) – Der Großmarkt am Tag …

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Sind es sonst die Firmenvertreter und die Käufer des Einzel- und Großhandels, die sich in den Hallen begegnen, so treffen einmal im Jahr an einem Wochenende auf dem Großmarktgelände völlig andere Menschen und viel blitzender Chrom aufeinander. Dann sind Harley Days angesagt und auf dem Vorplatz stehen die Maschinen dicht an dicht.
Seit zwei Jahren streben nun regelmäßig Unmengen von abendlichen Besuchern mit einem wiederum völlig anderen Plan auf die Hallen mit den geschwungenen, wellenförmigen Dächern zu. Sie wollen ins Konzert!
Im Jahr 2015 hat das „Mehr! Theater am Großmarkt“ eröffnet,  das bis zu 3500 Besuchern Platz bietet und wohl das einzige Theater ist, das in einen bestehenden Lebensmittelgroßmarkt einfach integriert wurde.
Nicht direkt ins Gemüse, aber in eine der Hallen, in die mittlere.
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Hamburg - Großmarkthallen (Blick auf die wellenförmig geschwungenen Dächer)

Hamburg – Großmarkthallen

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Mit meiner Tochter spazierte ich vor dem Konzert vom Hauptbahnhof und den Deichtorhallen kommend die lange Banksstraße hinauf Richtung Mehr!Theater.  Kurz vor dem Ziel überquert man die „Erste Banks-Brücke“, und dort tauchte mitten aus der Dunkelheit auf der Außenseite des Geländers ein mittelgroßes Wesen auf. Ein unechtes, wie aufgrund der Starre schnell klar wurde. Aber was ..?  Ich versuchte, etwas zu erkennen.
„Was ist denn das? Ein Schwan?“, fragte ich meine Tochter.
Ein kurzer Blick hinüber genügte ihr. „Nein! Kein Schwan! Eher ein Drachen!“, entgegnete sie überzeugt.
Ein Drachen? Ich fixierte das Wesen genauer. Meine Augen sahen allmählich etwas mehr … Sie hatte sofort Details im Dunkeln erkannt, ich hingegen zunächst nur die reine Form, die Haltung. Das muss die berühmte Nachtblindheit sein, die unweigerlich zunimmt, sobald man in die Jahre kommt …
Wir mussten weiter. So nahm ich mir in dem Moment bereits fest vor, mir den sonderbaren Kollegen bei Gelegenheit noch einmal anzuschauen. Im Hellen!

Letzte Woche war es schließlich soweit. Der Wochenanfang hielt lang vermisste Sonnenscheintage und nicht mehr ganz so frostige Temperaturen parat. Somit geht es heute auch für Sie hinaus! Später zum Drachen, doch zunächst an die Elbe. Auf Hamburger Gebiet. Zur Abwechslung diesmal nicht elbabwärts Richtung Blankenese (und Nordsee), sondern ein Stückchen in die Gegenrichtung, elbaufwärts.
Wer von der Norderelbe abzweigt, kommt z. B. in die Speicherstadt, landet im Zollkanal, in den Fleeten oder in verschiedenen Hafenbecken. Eines davon trägt den Namen Oberhafen, und das – inkl. seiner Umgebung – schauen wir uns heute an.
An einem Ufer dieses Hafenbeckens schließt der Stadtteil Hammerbrook an, an der gegenüberliegenden Uferseite stoßen Sie auf den neuen Stadtteil HafenCity mit dem Lohsepark.
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Hamburg - Oberhafen - Der Fruchthof Hamburg am Stadtdeich

Hamburg – Oberhafen – Der Fruchthof Hamburg am Stadtdeich

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Eine recht interessante, kontrastreiche Ecke Hamburgs! Sie haben nämlich neben der schönen Wasserlage eine lebhafte Kombination von Altem und Neuem. Einerseits Bürogebäude mit futuristischen Design und hohem Glasanteil, andererseits die Ausläufer der alten Speicherstadt mit ihren roten Klinkern und dazu die zwischen 1911 und 1914 auf dem Areal des ehemaligen Berliner Bahnhofs in Hamburg als Markthallen errichteten Deichtorhallen.
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Hamburg - Deichtorhallen (zum Wasser und der Flutschutzanlage hin)

Hamburg – Deichtorhallen (zum Wasser und der Flutschutzanlage hin)

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Als Markthallen werden sie schon länger nicht mehr genutzt. Sie wurden restauriert, saniert, und heute sind
sie mit der Halle für aktuelle Kunst sowie dem Haus der Photographie (Südhalle) bekannter und beliebter Ausstellungsort für zeitgenössische Kunst. Noch bis zum 1. Mai heißt es „Elbphilharmonie revisited“. Kein er-
neuter, ellenlanger Aufwasch der Entstehungsgeschichte, die gerade vor der Eröffnung der Philharmonie im Januar extrem oft und ausführlich durch die Medien ging, sondern Werke von Künstlern, die sich durch die Elbphilharmonie inspirieren ließen. Ich war noch nicht in dieser Ausstellung, es hört sich aber spannend an.
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Hamburg - Deichtorhallen - Haus der Photographie (Halle Süd)

Hamburg – Deichtorhallen – Haus der Photographie (Halle Süd)

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Hamburg - Auf dem Gelände der Deichtorhallen das Palazzo Gourmet Theater im Spiegelpalast

Hamburg – Auf dem Gelände der Deichtorhallen das Palazzo Gourmet Theater im Spiegelpalast

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Der Kunstverein ist gleich gegenüber am Klosterwall ansässig und zeigt ebenfalls zeitgenössische Kunst.
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Hamburg - Der Kunstverein in Hamburg - Klosterwall/Deichtorplatz

Hamburg – Der Kunstverein in Hamburg – Klosterwall/Deichtorplatz

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Das ZDF-Landesstudio hat sich in einem sehr modernen Gebäude niedergelassen, dem 2002 fertiggestellten Deichtor-Center. Zehn Geschosse und u. a. war hier Herr Teherani einer der Architekten (Jens Bothe, Kai Richter und Hadi Teherani (BRT Architekten))
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Hamburg - Das Deichtor-Center mit dem Landesstudio des ZDF

Hamburg – Das Deichtor-Center mit dem Landesstudio des ZDF

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Mittendrin tost der Verkehr. Ein Verkehrsknotenpunkt, eine wichtige Verbindung auch von Stadt Ost nach Stadt West. Gewusel und Gedränge herrscht am Klosterwall stets zusätzlich durch die Bauarbeiten im Wallringtunnel. Die Sanierung des Tunnels begann bereits 2014, und ein Ende ist noch nicht in Sicht. Immerhin ist die Oströhre bald (geplant April) fertig.
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Hamburg - Klosterwall - Baustelle am Wallringtunnel

Hamburg – Klosterwall – Baustelle am Wallringtunnel

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Nach dem Blick auf die Gegebenheiten auf Landseite, werfen wir doch jetzt ein Auge auf das Wasser. Der Oberhafen grenzt unmittelbar an den Ericusgraben. Ein Begriff, der Ihnen vielleicht irgendwoher bekannt vorkommt. Ericus? Genau! Ericusspitze! DER SPIEGEL! Dort, mit Adresse Ericusspitze 1, residiert in einem modernen Gebäude mit sehr markantem Aussehen seit 2011 die SPIEGEL-Gruppe.
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Hamburg - Die Ericusspitze mit dem Verlagsgebäude des SPIEGELs

Hamburg – Die Ericusspitze mit dem Verlagsgebäude des SPIEGELs

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Hamburg - Ericusgraben - Die Deichtorhallen noch einmal vom Wasser aus gesehen ....

Hamburg – Ericusgraben – Die Deichtorhallen noch einmal vom Wasser aus gesehen …

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Woher weiß man überhaupt, wo der Oberhafen endet und der Ericusgraben beginnt? Das Elbwasser sieht doch nicht plötzlich anders aus … Es gibt eine Art optische Begrenzung zwischen Oberhafen und Ericusgraben. Die Oberhafenbrücke dient als guter Anhaltspunkt.  Dort wo sie das Wasser quert, denken Sie sich einfach eine Trennlinie. Die Brücke ist speziell. Sie ist eine kombinierte Bahn- und Straßenbrücke, bei der der Verkehr nicht nebeneinander, sondern übereinander verläuft!
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Hamburg - Oberhafenbrücke - Ein ICE auf der obersten Ebene

Hamburg – Oberhafenbrücke – Ein ICE auf der obersten Ebene

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Auf ihr fährt ganz oben auf insgesamt vier Gleisen der Fernzugverkehr Richtung Harburg (Süden) bzw. kommt hierüber in die Stadt hinein. Darunter, eine Ebene tiefer, ist es dem Autoverkehr möglich, das Wasser zu queren. Zu beiden Seiten der Fahrbahn verlaufen Wege für Fußgänger.
Es ist ein ulkiges Gefühl, dort als Passant zu laufen. Zwischen all den Stahlstreben, bei gefühlt recht geringer Brücken- bzw. Raumhöhe, dicht neben sich Autos … Besonders merkwürdig wird es, wenn über einem gerade ein Zug fährt. Oder gar Züge! Eigenartige Geräusche entstehen, und ein anhaltendes Vibrieren und leichtes Schwanken macht sich bemerkbar. Die Seitenverstrebungen engen seltsam ein, nehmen zudem viel Licht. Urplötzlich kommt es einem so vor, als sei man die Wurstscheibe in einem Sandwich. Von oben und unten etwas eingezwängt. Gleichzeitig meldet sich die Hoffnung, von der Lage drüber möge bitte nichts abbröseln und durchkleckern …

Von der Hammerbrook-Seite aus startend, stoßen Sie nach Überquerung der Brücke ganz am Ende auf etwas, was herrlich windschief daherkommt und eine recht lange, zeitweise unruhige Geschichte mit ungewissem Ausgang vorweisen kann: die Oberhafen-Kantine.
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Hamburg - Die Oberhafen-Kantine an der Oberhafenbrücke (Ansicht von vorne)

Hamburg – Die Oberhafen-Kantine an der Oberhafenbrücke

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Ursprünglich war in dem kleinen 1925 erbauten Gebäude eine Kaffeeklappe. So nannte man in der Bevöl-
kerung eine Einrichtung, die es ungefähr seit Mitte des 19. Jahrhunderts zunächst in England gab und die eigentlich korrekt Volkskaffeehalle hieß. Das Hauptmerkmal einer Kaffeeklappe war, dass es dort einfache Speisen für Arbeiter und keinerlei alkoholische Getränke gab.
Arbeitgeber waren damals schwer hinter der Sache her und unterstützten die Klappen, um dem Alkoholkonsum von vornherein wirksam entgegenzutreten. Man bot das Essen äußerst preisgünstig an und schenkte zusätzlich reichlich Kaffee aus, der die Arbeitsleistung noch steigern sollte.

Bei der Oberhafen-Kantine, die für die Werft- und Hafenarbeiter errichtet wurde, spricht man von expressio-
nistischer Gebrauchsarchitektur
. Toller Begriff, oder? Es klingt beeindruckend. Sollten Sie vorhaben, gegrillte Würstchen an den Mann zu bringen und eigens zu diesem Zweck ein Häuschen mit ordentlicher Raumhöhe
und einigen Spitzbögen bauen, dann könnten Sie Ihren Imbiss mit stolz geschwellter Brust als gotische Gebrauchsarchitektur bezeichnen.
Doch zurück zur Oberhafen-Kantine. In dem speziellen Fall und angesichts der Umgebung, in der sie sich befindet, spricht man von norddeutschem Klinker- bzw. Backsteinexpressionismus. Der ist nun nicht auto-
matisch windschief und krumm. Warum also steht das Häuschen dermaßen schräg?
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Hamburg - Oberhafen-Kantine an der Oberhafenbrücke - Abgesackt ... (Gebäude neigt sich nach vorn)

Hamburg – Oberhafen-Kantine an der Oberhafenbrücke – Abgesackt …

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Sie können sich vorstellen, dass das kleine Gebäude an dieser Position direkt an der Kaikante des Oberhafens nicht immer trockene Füße behalten hat. Der Fluss ist mächtig – und tideabhängig! Das Mauerwerk wurde unterspült, sowohl bei den normalen Gezeiten, aber vor allem bei Sturmfluten. Das komplette Haus ist dadurch abgesackt.

Es ist erstaunlich, dass es überlebt hat und bis heute immer wieder neu betrieben wird! Nachdem der Bauherr es vor über 90 Jahren als eine Art Familienbetrieb etablierte, kümmerte sich dessen Tochter bis ins hohe Alter um die Verpflegung und blieb der Kantine treu. Erst vor 20 Jahren, nach ihrem Tod 1997, musste man sich überlegen, wie es weitergehen könnte.
Es hieß damals, das Gebäude sei einsturzgefährdet, jedoch viel zu schade zum Abriss. Nach einigem Hin und Her wurde es zunächst unter Denkmalschutz gestellt, dann kaufte es derselbe Herr, der auch die Rote Flora in der Sternschanze besaß, Klausmartin Kretschmer. 2005 pachtete es – frisch renoviert – Tim Mälzer, dessen Mama  wiederum ab 2006 mit Frikadellen, Kartoffelsalat und ähnlichen Speisen für das leibliche Wohl der Kantinenbesucher sorgte.
Leider richtete danach ein Orkan schwere Schäden an, also musste erneut saniert werden. Herr Mälzer fand den Zustand nicht so verlockend, seine Mutter mit Sicherheit auch nicht, also wechselten seit 2008 mehrfach die Gastronomen. Schon 2014 schlug abermals ein Orkan mit entsprechendem Hochwasser zu, und noch einmal musste gerettet werden, was noch zu retten war. Während der notwendigen Sanierungen und Schadens-
behebungen blieb als Ausweg immer nur die zeitweilige komplette Schließung der Klappe oder das befristete Auslagern des Betriebs.

Aber sie lebt immer noch! Sie ist einfach nicht unterzukriegen.

Man kann sein Pausenbrot natürlich ebenso gut von daheim mitbringen und mittags hinaus in die Sonne gehen. Die Möwen warten hoffend …
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Hamburg - Oberhafen/Ericusgraben - Pause mit Blick aufs Wasser ...

Hamburg – Oberhafen/Ericusgraben – Pause mit Blick aufs Wasser …

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Interessant auch, was bei Niedrigwasser im Schlick so alles zum Vorschein kommt …
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Ericusgraben an der Oberhafenbrücke - Fundstücke bei Ebbe

Hamburg – Ericusgraben an der Oberhafenbrücke – Fundstücke bei Ebbe

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Wenn Sie von Westen, also von der Stadt her kommend, auf die Oberhafenbrücke sehen, entdecken Sie an ihr einige Wörter, die in großen, weißen Neonlettern geschrieben sind. Es sind Begriffe wie Kanäle, Eisenbahn-
brücke, Lagerhäuser, Schiff, Wolken, Himmel, Wind
 und Hafenkräne. Begriffe, die für Hamburg und gerade diesen Bereich der Stadt am Rande des ehemaligen Freihafens sehr typisch sind. Und wer hat …?
Das ist ein Kunstprojekt! Diese Beschriftung wurde bereits für die Vorgängerbrücke (Drehbrücke von 1902) im Zuge einer Ausstellung des Schweizers Rémy Zaugg (Deichtorhallen, 1992) angefertigt, und nach abgeschlos-
sener Neuerrichtung der Oberhafenbrücke (2007) später an dieser wieder montiert.
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Hamburg - Oberhafenbrücke - Kunstprojekt (1992) - Hafenbegriffe von Rémy Zaugg

Hamburg – Oberhafenbrücke – Kunstprojekt (1992) – Hafenbegriffe von Rémy Zaugg

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Auf der Hammerbrook-Uferseite, auf der Sie auf einem Foto weiter oben den Fruchthof gesehen haben, liegt
die Straße Stadtdeich. Auf dieser Seite der Brücke gibt es ein Schiebetor zur Flutsicherung. Man kann also die Brückenfahrbahn schließen.
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Hamburg - An der Oberhafenbrücke - Schiebetor als Flutschutz

Hamburg – An der Oberhafenbrücke – Schiebetor als Flutschutz

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Hamburg - Oberhafenbrücke - Ein weiterer Begriff aus dem Kunstprojekt von Rémy Zaugg ...(Das Wort KANÄLE ist an der Brücke montiert)

Hamburg – Oberhafenbrücke – Auf der Schiebetorseite – Ein weiterer Begriff aus dem Kunstprojekt von Rémy Zaugg …

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Bevor es abschließend zu einem wirklich schönen Bauwerk in traumhafter Lage an einem Fleet in der Speicherstadt geht, möchte ich mit Ihnen noch den Schlenker zum „Drachenschwan“ in der Banksstraße (Hammerbrook) einlegen.
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Hamburg - Banksstraße/Hammerbrook - Einer der beiden Brückendrachen ...

Hamburg – Banksstraße/Hammerbrook – Einer der beiden Brückendrachen …

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Ich habe die Brücke und ihn bei Sonnenschein wiedergefunden und dabei entdeckt, dass nicht nur ein Drache existiert, sondern auf der anderen Straßenseite, ebenfalls außen am Geländer, sein Zwilling Wache schiebt. Allerdings ist auf dessen Schild sogar die Bezeichnung „Erste Banks-Brücke“ zu lesen.
Mich interessiert sehr, welchen Bezug Drachen gerade zu dieser Brücke oder überhaupt zu einem Standort wie diesem in der Banksstraße haben. Ich vermute stark, es ist ein Zeichen dafür, dass dieser Teil der Stadt ursprünglich einmal zum Stadtteil St. Georg gehörte. Sie kennen doch die Sage um den heiligen Ritter Georg, den Drachentöter …
Aber vielleicht sollen sie auch nur den Mittelkanal und die Einwohner von Hammerbrook vor unliebsamen Gästen schützen, die sich via Oberhafen und durch die Hammerbrookschleuse einzuschmuggeln versuchen. Wer weiß …
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Hamburg-Hammerbrook - Banksstraße - Der Drache auf der anderen Seite verrät sogar, wie die Brücke heißt ... (Sein Schild zeigt _Erste Banks-Brücke_)

Hamburg-Hammerbrook – Banksstraße – Der Drache auf der anderen Seite verrät sogar, wie die Brücke heißt …

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Es gibt noch etwas Interessantes an dieser Stelle, was offenbar wesentlich älter ist als die eigentliche Straßenbrücke. Es ist eine separate Rohrbrücke aus dem Jahr 1894, die parallel zu ihr über den Mittelkanal führt.
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Hamburg-Hammerbrook - Banksstraße - Rohrbrücke von 1894 über den Mittelkanal

Hamburg-Hammerbrook – Banksstraße – Rohrbrücke von 1894 über den Mittelkanal

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Auf dem nächsten Kanalfoto können Sie im Hintergrund die Hammerbrookschleuse gut erkennen. Sie ist schon mächtig alt, wurde zwischen 1844 und 1847 erbaut! Das muss man sich einmal vorstellen. Die Schleuse wurde in dem Jahr fertiggestellt, als Thomas Alva Edison, Paul von Hindenburg oder auch Revolverheld Jesse James gerade erst geboren wurden!
Die Hammerbrookschleuse steht unter Denkmalschutz. Dennoch hat man natürlich inzwischen nachgebessert (2008/2009) und saniert, damit sie technisch gut funktionsfähig bleibt sowie von der Höhe her ausreichend Schutz bietet. Sie regelt nämlich als Stauwehr die Tide zwischen der Norderelbe und dem vom Oberhafen hier abzweigenden Mittelkanal.
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Hamburg - Hammerbrookschleuse (Mittelkanal)

Hamburg – Hammerbrookschleuse (Mittelkanal)

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Aber jetzt! Nun geht es noch einmal zum Ericusgraben, über die Oberbaumbrücke am SPIEGEL-Gebäude entlang und kurz danach rechts in eine kleine Seitengasse, die zur Poggenmühlenbrücke über dem Wandrahmsfleet führt. Die Brückenmitte sollten Sie sich als Platz merken! Von da aus haben Sie nämlich
eine hervorragende Sicht auf das kleine Wasserschloss, das abends zusätzlich wunderbar illuminiert wird.
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Hamburg - Speicherstadt - Wasserschloss

Hamburg – Speicherstadt – Wasserschloss

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Sieht schön aus in seiner Umgebung, nicht wahr? Es ist eines der beliebtesten Fotomotive hier in Hamburg. Insbesondere als Nachtaufnahme, wenn es angestrahlt ist!
Es wurde vor etwa 110 Jahren erbaut, als auch die Speicherstadt entstand. Und hier haben wir ihn wieder:
den Backstein-Expressionismus. Zusätzlich zum Backstein wurde zur Gliederung noch Granit verwendet. Den Schlosscharakter erhält das kleine viergeschossige Schmuckstück durch seinen Turm, die runden Erker und durch die hohen Bogenfenster. Auch sein Kupferdach macht sich gut.

In früheren Zeiten wurde das Schlösschen von Windenwächtern genutzt. Als Unterkunft, aber auch als Werkstatt. Windenwächter (oder –wärter) waren die Hafenarbeiter, die für die Wartung und die Reparatur von Speicherwinden zuständig waren. Von diesen hydraulischen Vorrichtungen gab es in der Speicherstadt unzählige, denn wie anders als durch Hochhieven sollte man Waren aus den Booten vom Fleet hinauf zu den Lagerböden der Speicherhäuser bekommen. Obwohl sonst in der Speicherstadt damals keiner wohnen durfte – für die Wächter und anderes technisches Personal wurde eine Ausnahme gemacht. Es war vorteilhafter, sie direkt vor Ort zu wissen.

Heute wacht im Wasserschloss keiner mehr über Winden, aber über Tee oder über Sie. Das „Wasserschloss Speicherstadt“ besteht aus einer Gastronomie mit gleich angeschlossenem Fachgeschäft, in dem sich alles um
Tee dreht. Sie können also zunächst einkehren, später im Teekontor Sorten schnuppern und neue Ge-
schmacksrichtungen für daheim erstehen.

Haben Sie Kinder? Es könnte sein, dass Ihrem Nachwuchs das Wasserschloss schon ein Begriff ist. Es ist sehr bekannt, seit es in der beliebten Fernsehserie „Die Pfefferkörner“ vorkam.
Mir fällt gerade ein, was Sie in dem Schlösschen am Wasser auch tun könnten! Stilvoll heiraten! Sie müssten sich in dem Fall zwecks Terminabsprache mit dem Standesamt Hamburg-Mitte in Verbindung setzen.

Natürlich dürfen Sie sich auch das noch gut überlegen und müssen hier und jetzt keine übereilten Entschlüsse fassen. Während Sie in sich gehen, verabschiede ich mich für dieses Mal.
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Bis demnächst – vielleicht bei einer neuen Entdeckungstour.

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©by Michèle Legrand, Februar 2017
Michèle Legrand

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„Büschen Wind“

Haben Sie das Weihnachtsfest gut verlebt? Ich hoffe, Sie hatten schöne Feiertage, solche entspannter Natur, so dass Ihnen Stress oder andere Unannehmlichkeiten weitestgehend erspart blieben.

Nachdem der Trubel vorbei und das Essen etwas gesackt ist, spräche doch nichts dagegen, sich hier erneut zusammenzufinden. Ich hätte Sie nach der vermehrten Sitzerei natürlich gern wieder zu einem Spaziergang abgeholt, doch glauben Sie mir, das Hamburger Wetter war bisher alles andere als empfehlenswert für einen Aufenthalt im Freien. Sturm, Regen und Hochwasser wurden uns um Weihnachten herum kredenzt.
Obwohl Hamburger – mit ihrem leichten Faible fürs Understatement – eher von einem büschen (bisschen) Wind und erhöhter Feuchtigkeit sprechen. Ich sage, es hat ordentlich gebrist, dazu gab es ausgiebig Sprühregen, am zweiten Feiertag abends örtlich obendrein Hagel, der Blitzeis auslöste. Nicht so fein. Genauso wenig wie umge-
stürzte Bäume und herumfliegende Gegenstände. Und dann die Elbe!
Dazu fällt mir gerade etwas ein …

Ein ehemaliger Kollege war Leiter der Speditionsabteilung meiner damaligen Firma. Er war einer dieser wetterfesten Althamburger. Jobbedingt musste er recht häufig vom Büro an der Außenalster hinüber in den Hafen zu Speditionen und anderen Betrieben, zu Lagerhallen und Schuppen oder, wenn wir Ware erwarteten bzw. verluden, auch direkt bis an die Pier zu den Containerschiffen. Ein alter Fuchs wie er war natürlich mit den Gezeiten vertraut und wusste, was Sturm an der Elbe, einem mit der rauen Nordsee verbundenen Fluss, bedeutet. So einem war klar, dass man bei Hochwasser fix aufpassen musste, wo im Hafenareal noch ein Durchkommen war und vor allem, wo man bei angesetzten Terminen vor Ort zwischenzeitlich sein Auto ab-
stellen konnte und wo tunlichst nicht.
Wer nicht gerade ein Amphibienfahrzeug besitzt, hat nämlich sonst ganz schnell das Nachsehen.

Es ging auch alles gut bis zu dem Tag, an dem er nach einem Vertragsabschluss zum Feiern mit Geschäfts-
partnern am Hafenrand, unten in Altona an der Fischauktionshalle, unterwegs war und seinen ziemlich neuen BMW dort parkte. Völlig sorglos, da sich kaum ein Lüftchen regte, geschweige denn eine Sturmflutwarnung verbreitet worden wäre.
Man feierte bei einem Essen auf Partnerseite die zu erwartenden großen Ladungsmengen bzw. auf unserer Seite vorteilhafte Sonderkonditionen für alle Frachtraten, zog spätabends zu Fuß weiter, versackte in einer Kneipe auf St. Pauli und becherte ganz erheblich – wie das seinerzeit branchenüblich war. Der Morgen dämmerte bereits, als der Kollege sich von einem Taxi nach Hause chauffieren ließ. Vernünftig nach all dem Alkoholkonsum, und das eigene Auto lässt sich schließlich auch im Tagesverlauf noch einsammeln.

Nicht so reaktionsschnell wie sonst, fiel ihm im angeduselten Zustand überhaupt nicht auf, dass über Nacht ein frisches Windchen aufgekommen war. Eines, das der Sturmflutwarndienst des Bundesamts für Seeschifffahrt und Hydrographie so nicht auf dem Schirm gehabt hatte. Später hieß es, man hätte es schwächer und wesentlich weiter nordöstlich vorbeiziehend erwartet. Dieses „büschen Wind“ erreichte jedoch selbst in Stadtnähe in Böen Orkanstärke, was wiederum zur Folge hatte, dass das auflaufende Hochwasser mit Macht hereingedrückt wurde und in Altona an der Fischauktionshalle Land unter herrschte. Die Elbe trat im Schwall über die Kaimauer, noch bevor überhaupt der Höchststand der Flut erreicht worden war.

Es ist jedes Mal aufs Neue erstaunlich, wie sich Wasser seinen Weg sucht, wie schnell es sich durchfrisst, ausbreitet und dabei der Wasserspiegel innerhalb weniger Minuten massiv steigt …
Für die Fischauktionshalle selbst ist das Hochwasser kein Drama. Dort ist es bereits eingeplant. Man öffnet sogar die Tore, damit das Wasser gut wieder ablaufen kann. Aber für alles drum herum bedeutet es heute genauso wie früher: Was nicht niet- und nagelfest ist, wird getunkt, getränkt und mitgeschleift, und nicht rechtzeitig entfernte Autos in Kainähe gehen nach kurzer Zeit auf leichte Tauchstation. Heute wie damals.

Wie es mit dem Kollegen weiterging? Am nächsten Morgen vermissten die Mitarbeiter der Speditionsabteilung zunächst ihren Chef, nahmen angesichts des Vertragsabschlusses und des intensiven „Anstoßens“ jedoch an, er wäre verkatert und käme deshalb etwas später. Mittags hielt ein weißer R4 vor der Firma. Sein Sohn lieferte ihn am Büro ab.
Es stellte sich heraus, dass der Nachtschwärmer daheim im Halbschlaf das Heulen des Windes und das Rütteln an den Fenstern mitbekommen und kurz darauf im Radio von der Sturmflut bzw. der Situation im Hafen gehört hatte. In böser Vorahnung war er mit seinem Sohn als Chauffeur zur Fischauktionshalle geeilt. Wasser stand dort nicht. Nicht mehr. So schnell wie es aufläuft, läuft es häufig auch wieder ab. Allerdings stand dort auch kein Auto mehr. Kostenpflichtig abtransportiert, wie er kurz darauf von der Polizei erfuhr. Es hatte nachts eigenmächtig seine Position verändert und gefährdete den Verkehr. Die Spuren am Auto zeigten, dass das Wasser bis mindestens Oberkante Radkasten gestanden hatte und teilweise hineingelaufen war – an Stellen, die besser kein Wasser abbekommen hätten.
Inzwischen befand sich der BMW erneut auf einem Abschleppwagen und auf dem Weg zu einer Werkstatt. Die Laune seines Besitzers fiel eine ganze Weile entsprechend grottig aus. Die Stimmung besserte sich erst, als das Auto aus der Reparatur zurückkam, wieder einsatzfähig war und langsam Gras über die Sache wuchs.
Nur von Zeit zu Zeit, wenn der Abteilungschef wieder zu Terminen Richtung Hafen aufbrach, konnte es sich mancher nicht verkneifen, mit unschuldigem Blick und den Worten „Büschen windig, oder?“ alte Wunden wieder aufzureißen.

Sturmflut in Hamburg. Überflutete Bereiche im Hafengebiet. Verschwundene Straßen, einsam aus dem Wasser ragende Laternenpfähle oder die Oberkanten von Sitzbanklehnen als einzige noch herausragende Teile und sichtbare Beweise ihrer Existenz. Umgekippte Mülltonnen, herumfliegende Gegenstände, im Wasser treibende Teile. Sprühregen, den der Wind waagerecht heranpeitschen lässt. Sie haben vielleicht entsprechende Aufnahmen gesehen. Alles büschen feucht …

Im Moment wird gerade wieder diskutiert, ob zu spät vor dem Hochwasser am zweiten Feiertag gewarnt wurde, denn die Sturmflutwarnung kam erst in der Nacht, als die meisten bereits schliefen, also nichts mehr hätten in Sicherheit bringen oder eventuell zusätzlich hätten schützen können. Auf der anderen Seite kam es selbst für Spätheimkehrer nicht mehr rechtzeitig genug; sie wurden von der Heftigkeit der Sturmflut und den überfluteten Straßen größtenteils überrascht.
Zum Zeitpunkt der Nachricht und Warnung war der Höchststand jedenfalls schon fast erreicht, und der Fischmarkt optisch bereits ein Swimmingpool.

Es ist offenbar gar nicht so leicht, den richtigen Zeitpunkt für die Verbreitung einer Warnmeldung zu finden. Vor einiger Zeit wurde massiv und mit überreichlichem Vorlauf vor einer erwarteten, schweren Sturmflut gewarnt, nur trat sie später in dieser Form nicht ein. Die angekündigten Pegelstände wurden bei weitem nicht erreicht. Schon wurde gemeckert. Was die Aufregung und unnütze Panikmacherei solle.
Zu Weihnachten hingegen hatte man stürmische Winde an der Küste erwähnt und auf dadurch etwas höher ausfallendes Hochwasser hingewiesen. Nun entpuppte sich das „büschen Wind“ als mächtiger als vermutet. Sie werden es ahnen – nun wird gemosert, dass „nie“ jemand was sagt.
Und die Fachleute selbst äußern dazu, sie wollten vermeiden, zu oft und zu früh zu warnen, weil sie dadurch im Fall der Fälle keiner mehr ernst nehmen würde …
Stimmt alles, doch lieber einmal zu oft oder letztendlich unnötig gewarnt, als gar nicht und es passiert durch Unwissenheit ein Unglück. Oder wie sehen Sie die Sache?

Bei Sturm und Regen war mir nicht so sehr danach ins Hochwassergebiet zu marschieren, nur um Fotos mitzubringen. Ich habe in meinem Archiv gekramt und zeige Ihnen stattdessen, wie es an der Fischauktionshalle aussieht, wenn es trocken und sturmfrei ist. Die 120 Jahre alte Halle ist nämlich ein sehr schöner Bau, der nach der Restaurierung 1984 zu Recht unter Denkmalschutz gestellt wurde.
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Hamburg - Altona - Fischauktionshalle in der Abenddämmerung

Hamburg – Altona – Fischauktionshalle in der Abenddämmerung

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Haben Sie gesehen? Draußen vor der Halle macht gerade eine Gruppe von weißbemützten Köchen Pause, bevor die Verköstigung der Gäste drinnen weitergeht …
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Hamburg - Altona - Fischauktionshalle mit Stil an der Großen Elbstraße (Details Ziegelwand und Wandlampen)

Hamburg – Altona – Fischauktionshalle mit Stil an der Großen Elbstraße

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Hamburg - Altona - Fischauktionshalle (Detail Fenster Eingang)

Hamburg – Altona – Fischauktionshalle

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Hamburg - Altona - Fischauktionshalle - Auch von innen interessant anzusehen ...

Hamburg – Altona – Fischauktionshalle – Auch von innen interessant anzusehen …

Sie können auf den nächsten Aufnahmen erkennen, wo Autos üblicherweise geparkt werden. Hinter der Fischauktionshalle verläuft die Große Elbstraße …
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Hamburg - Altona - Große Elbstraße (Im Hintergrund die Fischauktionshalle)

Hamburg – Altona – Große Elbstraße (Im Hintergrund die Fischauktionshalle)

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… und etwas weiter rechts (Foto unten), von der Halle aus gesehen, findet am Sonntag in der Früh stets der traditionelle Altonaer Fischmarkt statt.
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Hamburg - Elbe - Anleger Altona (Fischmarkt) mit Fischauktionshalle

Hamburg – Elbe – Anleger Altona (Fischmarkt) mit Fischauktionshalle

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All diese Bereiche stehen bei Sturmflut komplett unter Wasser …

Der erwähnte Kollege hat natürlich nie wieder dort unten geparkt. Einmal Überflutung, nasser BMW und Reparaturkosten haben ihm gereicht. Geben auch Sie acht, wo Sie ihre Habseligkeiten abstellen, falls Sie einmal in Hamburg an der Elbe unterwegs sind und so ein büschen Wind weht. Auch am Elbstrand!
So wie die Flut an der Nordsee nach der Ebbe enorm schnell große und eben noch trockene Wattbereiche wieder für sich einnimmt, so macht sich hier der Fluss notfalls breit und erobert sich das Land dazu. Wasser
ist unberechenbar …

Ich schaue gerade aus dem Fenster … Ich möchte nicht euphorisch wirken, schon gar nicht zu früh, doch es scheint tatsächlich so, als würde sich das Wetter endlich bessern. Ein Spaziergang rückt somit in greifbare Nähe. Sie werden schon sehen, das wird hier alles penibel nachgeholt …

Haben Sie jedoch erst einmal eine schöne Zeit zwischen den Jahren und kommen Sie gut in das neue Jahr hinein. Wäre es nicht traumhaft, wenn 2017 positiver und friedlicher ausfallen würde als 2016?
Ach, kommen Sie, träumen und hoffen darf man doch …

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© by Michèle Legrand, Dezember 2016
Michèle Legrand ©Foto Andreas Grav (Ausschnitt)

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HafenCity / Hamburg: Wo ein Teppich kein Teppich und ein Pilz kein Pilz ist …

Falls Sie gerade Lust auf Elbluft verspüren und mitkommen möchten, würde ich Sie heute gern Richtung HafenCity Hamburg ziehen und Ihnen dort nebenbei etwas ganz speziell Herausgepicktes vorstellen.
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Hamburg - Hafen - Blick vom Baumwall Richtung Elbphilharmonie und Kehrwiederspitze

Hamburg – Hafen – Blick vom Baumwall Richtung Elbphilharmonie und Kehrwiederspitze

 

Lassen Sie sich nicht dazu verleiten, bei HafenCity allein an den sich neu entwickelnden Hamburger Stadtteil
zu denken, der an vielen Stellen nicht nur modern wirkt, sondern einen überaus futuristischen Charakter hat. Die alten Speichergebäude an den Fleeten zählen verwaltungstechnisch ebenfalls zur HafenCity! Vielleicht erinnern Sie sich noch an einen früheren Beitrag, in dem es um die Kontraste ging, die dort besonders zutage treten, wo die markanten roten Backsteinbauten Hamburgs denkmalgeschützter Speicherstadt direkt an die modernen Häuser der neuen HafenCity angrenzen. Auf der einen Seite die alten Bauten, die alte Zeit – gegenüber die gläserne, die neue Welt.

Hamburg - HafenCity - Wilhelminenbrücke und Kehrwiederspitze

Hamburg – HafenCity – Wilhelminenbrücke und Kehrwiederspitze

 

Könnten Sie sich etwas vorstellen, was – diese besondere Situation berücksichtigend – einen Anknüpfungs-
punkt darstellen würde? Was einen Übergang oder ein optisches Bindeglied bildete, eine Art Brücke von Alt zu Neu? Bedenken Sie dabei, dass Hamburg ein überaus bedeutender Handelsumschlagsplatz für Orientteppiche ist. Nun?
Eine Brücke bilden … Teppichbrücke? Läufer? Etwas Begehbares? Ein begehbares Bindeglied?
Aus einer solchen Grundidee entstand ein Kunstwerk im öffentlichen Raum. Die Körber-Stiftung, die ihren Sitz
in der Hafencity am Kehrwiederfleet hat, beauftragte den Steinmetz und Bildhauer Frank Raendchen, einen Orientteppich mehr oder weniger vor ihrer Haustür zu erstellen. Er schmückt seit 2005 auf der einen Seite der Wilhelminenbrücke deren Fußgängerweg, und passenderweise verbindet genau diese Brücke das Alte (City) mit dem Neuen (HafenCity).
Wenn Ihr Läufer zu Hause aus Wolle geknüpft ist und respektable zwei oder gar drei Meter Länge vorweisen kann, so ist das Grundmaterial des Brückenteppichs Stein, und er besitzt „unwesentlich“ größere Ausmaße: Diese Brücke misst 27,5 m in der Länge, ist 2,45 m breit und ca. 5 cm hoch.

Hamburg - HafenCity - Steinerner Orientteppich auf der Wilhelminenbrücke

Hamburg – HafenCity – Steinerner Orientteppich auf der Wilhelminenbrücke

Seine typisch orientalischen Ornamente wurden mit Hilfe eines farbigen Natursteingranulats (Quarz, Granit
und Marmor) geformt, das von Frank Raendchen und zwölf Helfern in wochenlanger Arbeit „krümelgenau“ ausgebracht und zum Schluss mit einem Kunstharz versiegelt wurde. Selbst Teppichfransen wurden nicht vergessen!

Hamburg - HafenCity - ... auch Fransen besitzt der Steinerne Orientteppich

Hamburg – HafenCity – … auch Fransen besitzt der Steinerne Orientteppich

Diese besondere Herstellungsweise sollte Langlebigkeit und Resistenz gegen die üblichen Einflüsse von außen garantieren. Hitze, Kälte, raue Sohlen, spitze Absätze … Nur stand dem Teppich gleich nach dem „Auslegen“ eine besonders harte Belastungsprobe bevor, als während der Umzugsarbeiten des Hanseatic Trade Centres (2005/2006) reichlich Betrieb und Rangiererei auch auf der Brücke herrschte und dort sogar mit Genehmigung eine Entladezone eingerichtet wurde.
Infolgedessen bröselte es bereits ein halbes Jahr nach Fertigstellung und Teile des Teppichs platzten ab. Die ersten Notausbesserungen standen an. So blieb es, und die Jahre vergingen. Wenn Sie daheim ihren Teppich nie ausklopfen, säubern oder auf sonstige Art pflegen, wissen Sie, wie er nach einigen Jahren aussieht. Der Flor ist platt, ein paar Fransen hat es erwischt, die Farben verblassen.
Dem steinernen Teppich erging es nicht anders. Man nahm ihn dadurch zuletzt relativ spät wahr, nämlich erst, wenn man unmittelbar vor der Brücke und somit direkt vor seinem Anfang oder Ende stand. Ich hatte seine Existenz dadurch fast vergessen, zumal bei Besuchsanlässen wie z. B. dem Hafengeburtstag, exakt dort häufig Buden und Stände aufgebaut wurden, die die Sicht auf ihn versperrten.
Im letzten August (2016), also zehn Jahre nach den Ausbesserungen, wurde er komplett restauriert. Nun sieht er wieder sehr präsentabel aus, und das Muster tritt kräftig hervor.
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Steinerner Orientteppich nach der Restaurierung

Hamburg – HafenCity – Steinerner Orientteppich nach der Restaurierung

 

Wenn Sie bitte einmal Ihren Blick auf das folgende Foto richten, so bemerken Sie ein Gebäude aus dem Jahre 1910. Neoromanischer Stil. Ein wenig burgähnlich, oder?
Das ist die historische Polizeiwache, in der heute das Revier 22 der Wasserschutzpolizei seinen Sitz hat und in dem auch die Mannschaft des Feuerlöschboots „Brandmeister Repsold“ anzutreffen ist. Wenn Ihnen selbst als Auswärtiger das Gebäude irgendwie bekannt vorkommt, dann vielleicht durch eine Vorabendserie im Fernsehen. Für den „Notruf Hafenkante“ und sein Filmpolizeikommissariat 21 werden die Außenaufnahmen hier gedreht.
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Hamburg - HafenCity - Kehrwiederspitze mit der Historischen Polizeiwache ...

Hamburg – HafenCity – Kehrwiederspitze mit der Historischen Polizeiwache

 

Seitdem der westliche Teil der neuen HafenCity fertiggestellt ist, dort keine Baukräne mehr stehen, Bauzäune verschwanden, etwas Grün aufblitzt und vor allem Leben eingezogen ist, macht es Vergnügen, am Dalmannkai direkt entlang des Grasbrookhafens
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Hamburg - HafenCity - Dalmannkai am Grasbrookhafen, im Hintergrund das Unilever-Haus

Hamburg – HafenCity – Dalmannkai am Grasbrookhafen, im Hintergrund das Unilever-Haus

 

… vorbei am Vasco-da-Gama-Platz  Richtung Marco-Polo-Terrassen am Unilever-Haus und weiter zum Überseequartier oder zum Kreuzfahrtterminal zu spazieren.
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Hamburg - HafenCity - Vasco-da-Gama-Platz

Hamburg – HafenCity – Vasco-da-Gama-Platz

 

Inzwischen gibt es viele Möglichkeiten, direkt am Wasser einzukehren und dabei draußen zu sitzen oder aber, man lässt sich am Unilever Haus einfach auf den flach auslaufenden Marco-Polo-Terrassen neben einer Sumpfzypresse nieder und schaut über das Wasser.
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Hamburg - HafenCity - Blick von den Marco-Polo-Terrassen am Unilever-Haus zurück Richtung Elbphilharmonie

Hamburg – HafenCity – Blick von den Marco-Polo-Terrassen am Unilever-Haus zurück Richtung Elbphilharmonie

 

Hamburg - HafenCity - Gesundes Elbwasser? Auf jeden Fall treibt hier frisches Grün aus ....

Hamburg – HafenCity – Gesundes Elbwasser? Auf jeden Fall treibt hier frisches Grün aus ….

 

Hamburg - HafenCity - Zentrum "Überseeboulevard"

Hamburg – HafenCity – Zentrum „Überseeboulevard“

 

Dringen Sie östlicher vor, landen Sie unweigerlich irgendwann im Baustellenbereich. Für sich gesehen durchaus interessant, allerdings nicht unbedingt als hübsch zu bezeichnen. Ich habe jedoch etwas durch einen Metallgitterzaun hindurch in der Entfernung an der Spitze des Baakenhöfts erspäht, und das möchte ich Ihnen nicht vorenthalten.
Sehen Sie das weiße, pilzähnliche Bauwerk etwas von der Mitte aus rechts?
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Hamburg - HafenCity - Das östliche Gebiet ist Baustellenbereich - Rechts zu erkennen der Wohnleuchtturm "Lighthouse Zero"

Hamburg – HafenCity – Das östliche Gebiet ist Baustellenbereich – Rechts zu erkennen der Wohnleuchtturm „Lighthouse Zero“

 

Das ist der Prototyp eines Wohnleuchtturms. Bauherr Arne Weber (vom Bauunternehmen HC HAGEMANN) entwickelte in Zusammenarbeit mit dem Architekturbüro BIWERMAU Architekten BDA sein „Lighthouse Zero“. Mitte letzten Jahres erfolgte der Baubeginn, für Dezember 2015 war die Einweihung avisiert.
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Hamburg - HafenCity - Baakenhöft - "Lighthouse Zero"

Hamburg – HafenCity – Baakenhöft – „Lighthouse Zero“

Was aus der Distanz etwas niedriger und eher verhalten imposant wirkt, ist in Wirklichkeit ein 20 m hoher Betonschaft, auf dem sich eine Plattform mit beachtlichen 230 qm Wohnfläche sowie darüber ein 150 qm
großer Dachgarten befinden.

Seit der Fertigstellung können Interessenten diesen ungewöhnlichen Wohnturm nun real begutachten, das Wohngefühl testen, und was die Suche nach geeigneten weiteren Standorten angeht, so kümmert man sich bereits von Unternehmerseite aus darum. Falls Sie sich fragen, wie Sie hinauf in Ihre Wohnung gelangen, so gibt es entweder die Möglichkeit, dass ein gläserner Aufzug Sie hochfährt oder – eher für den Typ sport-
licher Hausbesitzer, der auch keine ultraschweren Möbellieferungen oder Konzertflügel erwartet – die Treppenvariante, die sich dann in der Spannbetonröhre befindet.

Der Vorteil des Ganzen:
Sie benötigen extrem wenig Grundfläche, können Ihren robusten Pilzstiel unterpflanzen, haben oben ungestörten Ausblick in alle Himmelsrichtungen und ein lichtdurchflutetes Zuhause.
Der Nachteil:
Es wird teuer. Der Focus sprach in einem Artikel seinerzeit davon, dass die Errichtung eines Lighthouses
etwa zwei Millionen Euro kostet …

Sie können es sich ja noch ein bisschen überlegen. Sie sollten nur ein paar Euro Reserve einplanen, denn
a) ist das Grundstück wahrscheinlich noch nicht mit dabei und
b) wissen Sie, weißer Beton bleibt nicht weiß.
Der Witterung ausgesetzt, wirkt er bald schmuddelig – was dem Ganzen etwas Trostloses verleiht. Ich würde
mir also ebenfalls darüber Gedanken machen, wie Sie ihr neues Heim, speziell die Betonröhre, von außen persönlich gestalten und diesen „Used-Look“ vermeiden. Gönnen Sie Ihrem Leuchtturm doch die typischen, lebhaften rot-weißen Ringe, im Sockelbereich ergänzt durch einige Felsbrockenmotive und Wellengangszenen.

Was halten Sie denn von der Idee, die Sache mit dem optischen Bindeglied von vorhin auch hier aufzugreifen? Da Ihr zukünftiges Heim so überaus futuristisch daherkommt und massiv an Raumfahrt und Weltall erinnert, gäbe es einerseits die Möglichkeit, die Betonröhre vollkommen schwarz zu streichen. Schalteten Sie in diesem Fall abends oben rundherum in all den Räumen mit ihren Glasfronten großzügig Licht an, hätten Sie optisch anstelle einer Plattform plötzlich ein schwebendes Ufo. Das tragende Element schiene verschwunden …

Alternativ könnte der Schaft im ersten Drittel eine Startrampenillusion für Ihre fliegende Untertasse erhalten, während es nach oben hin überginge in eine Art Milchstraße. Sterne und leichte Andromedanebel auf dunklem Grund …
Als Trompelœil ließen sich natürlich genauso unechte Fenster und angebliche Durchblicke realisieren …
Oder etwas komplett anderes!
Eine aufgemalte Strickleiter! Ein sich öffnender Reißverschluss, ein Kettenkarussell! Wenn Sie sich spendabel zeigen, ließe sich sicher die Plattform gleich von vornherein als Drehbühne anlegen …

Wir sind ein wenig vom Thema HafenCity abgekommen, oder?  Der Part der Blogbezeichnung, der von Gedanken(sprüngen) handelt, macht seinem Namen heute wieder alle Ehre. Ein Gedankengehopse, als
wären Sprungfedern unter den Füßen … Lassen Sie uns zurückgehen. Es soll für heute auch reichen.

Ich verabschiede mich von Ihnen diesmal an der U-Bahn-Station Baumwall und lasse Sie mit Ihren ureigensten Assoziationen zu Steinteppichen, pilzähnlichen Leuchttürmen o. a. allein. Hecken Sie ruhig aus, wonach Ihnen der Sinn steht, und für gute Vorschläge habe ich natürlich ein weit geöffnetes Ohr!

Hamburg - U-Bahn-Station Baumwall am Hafen

Hamburg – U-Bahn-Station Baumwall am Hafen

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Machen Sie es gut und bis demnächst!

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© by Michèle Legrand, Oktober 2016
Michèle Legrand

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Hamburgs Hafengelände: Gut für kleine Überraschungen …

Im letzten Beitrag ging es um das Hafenmuseum Hamburg. Heute würde ich gern noch etwas zum Thema Hafengelände hinzufügen. Insgesamt gesehen, nicht nur auf den Bereich bezogen, der zum Museum gehört.
Das Hafengelände birgt nämlich Potenzial für kleine Überraschungen!

Es geht nicht nur Ihnen als auswärtigem Leser so, dass Sie die Struktur des Hamburger Hafens, seine räumliche Aufteilung, die Anordnung der diversen Hafenbecken oder lediglich seine Ausdehnung bestenfalls vage beschreiben könnten. Trotzdem haben Sie wahrscheinlich einen im Vergleich dazu klareren, persönlichen Eindruck, der durch Filme und Dokumentationen oder Zeitungsberichte entstand. Irgendeine Wirkung wird es auf Sie gehabt haben, auf ihre Vorstellung vom Terrain.
Was generell jedem mit Sicherheit auf Anhieb dazu in den Sinn kommt: Der Hafen ist beachtlich groß, und täglich steuern ihn viele Schiffe an. Und vielleicht fällt dazu noch ein, dass es einmal diese Planungen für gewisse Olympische Spiele gab …

Machen Sie sich aber bitte gleichzeitig klar, dass Sie mit Ihrer sonstigen Hafenahnungslosigkeit nicht alleine dastehen und dass selbst für so manchen Hamburger die Stadt irgendwie stets am Elbufer aufhört. Und zwar am nördlichen. Auf dieser Seite des Flusses ist für ihn Hamburg, und auf die andere Seite der Elbe … nun, da kommt man nicht so oft hin.
In die Wohngebiete oder Einkaufszentren (z. B. in Harburg) schon, das ist klar! Durchaus auch noch ein Stückchen weiter hinaus ins Grüne, aber doch nicht irgendwo in den Hafen an irgendeinen zugigen Kai!
Nein, die andere Elbseite – und dort ganz speziell das Hafengebiet – bleibt häufig zeitlebens ein reichlich verschwommener Fleck auf der Landkarte. Wird so ein Hamburger mit dieser „Grenzflusseinstellung“ einmal am anderen Ufer mitten im Hafen ausgesetzt, braucht er Jahre, um sich zu orientieren und wieder herauszufinden.

Immerhin ist spätestens seitdem im Jahr 2013 sowohl die Internationale Gartenausstellung als auch die Internationale Bauausstellung auf der Elbinsel Wilhelmsburg stattfanden, vielen dieses Areal mehr als ein bloßer Begriff. Die seinerzeit entstandenen Bauten und der Wilhelmsburger Inselpark, jenes mittlerweile umgestaltete ehemalige Gartenschaugelände, ziehen weiter an. Man weiß jetzt, wo das ist.
Weiterhin kennt jeder all das, was sich am südlichen Flussufer direkt gegenüber von Landungsbrücken, Baumwall oder auch der HafenCity und somit in Sichtweite befindet. Man weiß, in welcher Richtung die Werft liegt  (Blohm + Voss Shipyards, Blohm + Voss Repair, TKMS und nach Umstrukturierung und Verkauf einzelner Geschäftsbereiche weitere Nachfolgefirmen) und hat genauso eine Vorstellung vom Standort der Musicaltheater. Die hat man schließlich vor Augen …
Nur wenn es darum geht zu verraten, wie der Landstrich dort heißt und was sich daneben oder weiter landeinwärts anschließt und präsentiert, werden die Auskünfte schnell dünn. Im Zweifelsfall lautet die Ortsbezeichnung schlicht und einfach „drüben“. Auf der anderen Elbseite eben.

Sie merken, wer hier nicht gerade im Hafen arbeitet oder sich aus anderem Grund regelmäßig dort hinbegibt, für den ist der gesamte Hafenbereich absolutes Neuland, fast schon Terra incognita. Wo welcher Kai ist oder bestimmte Schuppen zu finden sind – ein Rätsel. Welche Hafenzufahrten und Übergänge es gibt, wo sich die einstigen Zollstellen im früheren Freihafengebiet befanden – nicht geläufig.
Ortsangaben wie Kleiner und Großer Grasbrook oder Steinwerder genauso wie Namen von Hafenbecken geben nur einen groben Anhaltspunkt, bestenfalls eine Idee, ob vielleicht eher flussabwärts oder flussaufwärts gemeint sein könnte.
Es ist wie mit den reinen Gewerbegebieten am Stadtrand. Die kennen auch nur die ansässigen Firmen und die Spediteure. Dort wohnt keiner, folglich fährt man aus privatem Anlass nie hin. Und wer einen Ausflug plant, der wählt nicht gerade dieses Ziel. Es ist einfach keine wirklich reizvolle Spaziergegend. Daran ändern auch phantasie- und klangvolle Namen nichts.
Um wieder zum Hafen zurückzukommen: Wer sich für die großen Pötte interessiert und Shipspotting machen möchte, postiert sich viel eher entlang der Elbe und beobachtet dort das Ein- oder Auslaufen. Oder geht für die Cruise Liner direkt zum Kreuzfahrtterminal nach Altona bzw. zum Cruise Center HafenCity, beide nördlich der Elbe. Das allerneueste Terminal direkt im Hafengebiet (auf Steinwerder) wird etwas ignoriert. Das Hinkommen ist umständlich, fast eine Weltreise.

Was aktuell wo und wie im Hafen genutzt wird, wie der Hafen von heute aussieht  – das entzieht sich einfach der Kenntnis. Glauben Sie mir, das stört einige Hamburger selbst gewaltig! Und so haben nicht wenige Einheimische inzwischen wie Touristen eine der Barkassenfahrten durch Hamburgs Hafen unternommen und nun endlich zumindest eine grobe Idee von den Ausmaßen oder der Lage der einzelnen (Halb-)Inseln und bestimmter Kais.

Welche Eindrücke entstehen, ist abhängig davon, mit welcher Ecke des Hafens jemand in Berührung kommt. Aus dem Anblick eines sehr begrenzten Geländes, der im Grunde genommen nur für einen „Zipfeleindruck“ sorgt, ergibt sich allerdings meist die Vorstellung, dies sei der Charakter und Zustand des gesamten Hafens.

Hafen Hamburg mit alten Fahrzeugen und Anlagen

Hafen Hamburg mit alten Fahrzeugen und Anlagen

Die eine Überzeugung ist dann die, dass es überall rostig ist. Ausnahmslos. Wo Eisen und besonders Eisen und viel Feuchtigkeit aufeinandertreffen, ist tatsächlich der Rost nicht weit.  Traditionsreiche Werftunternehmen, seit fast 140 Jahren auf ihrem Gelände, alteingesessene Zulieferfirmen und Hafenbetriebe, der Schwerpunkt Metallbranche, die Kräne und überhaupt all die Anlagen im Freien, dazu Hallen, Nutzfahrzeuge, Stahlteile und -konstruktionen, Schiffsrümpfe, die nicht alle vorgestern einen neuen Anstrich erhalten haben, die Schienen der Hafenbahn … Rost, Rost, Rost …

Hamburg - Hafen - Rostige Teile an alten Bahnschwellen
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Hafen Hamburg - Am Hafenmuseum (Blick von der Straße auf Außenanlagen mit Van Carrier und Kran)

Hafen Hamburg – Am Hafenmuseum

Nur der Eindruck, dass es überall so sei, täuscht gewaltig. Es kommt entschieden darauf an, wo man ist!

Die völlig andere Wahrnehmung ist deshalb auch die von einem sehr modernen Hafen mit riesigen (und rostfreien) technischen Anlagen für die Containerabfertigung (Containerterminal Altenwerder u. a.), mit großen, oftmals frisch in Dienst gestellten Frachtern, die an den Kais mit Hilfe von Hightech entladen oder für die nächste Reise beladen werden.

Zwei sehr unterschiedliche Hafeneindrücke also von den Bereichen direkt am Wasser.

Hafen Hamburg - Containerverladung ... (Frachter von Maersk)

Hafen Hamburg – Containerverladung …

Speziell am Abend mit Beleuchtung wirken hoch aufragende Anlagen besonders futuristisch.

Hamburg - Hafen - Containerterminal Altenwerder (Krananlagen im Abendlicht)

Hamburg – Hafen – Containerterminal Altenwerder

 

Die dritte Wahrnehmung betrifft die Wirkung, die der Landanteil auf einen Betrachter hat. Das große Gebiet mit langen Gleisstrecken, vor allem aber mit seinen sowohl zahl- als auch verkehrsreichen Straßen, die sämtliche Teile des Hamburger Hafens durchziehen, alle Anlagen und Kais zugänglich machen und miteinander verbinden.
Kein inspirierender Anblick. Bis auf kleine Ausnahmen trostlos, öde, hervorgerufen auch durch schnurgeraden Straßenverlauf (Veddeler Damm) und verstärkt durch den Anblick unzähliger LKW. Stets Staus, Lärm und schlechte Luft an den neuralgischen Punkten. Ständig wechselnde Baustellen. Immer wieder Sperrungen, Umleitungen. Oft über lange Strecken ein sehr eintöniges Bild zur Linken und zur Rechten.
Hier wächst ja kaum irgendwo ein Baum! Weder zur optischen Abwechslung noch zur Luftverbesserung. Eine Gegend, in die es einen nicht unbedingt zieht. Es fehlen Grün, sichtbare Menschen und Farbe.
Hafen ist fast ein wenig wie Reeperbahn. Das gleiche Phänomen, meine ich. Beides wirkt erst bei Dunkelheit mit Beleuchtung richtig schön.

Und bisher nahm ich angesichts dieser Eintönigkeit beispielsweise konsequent an, mit der Natur (Fauna und Flora) im Hafen könnte es nicht soweit her sein. Ich wurde eines Besseren belehrt!
Ich hatte zuletzt einige Zeit im Hafen zu tun und war dabei jedes Mal auch draußen unterwegs. In Bereichen, in denen ehemals der Stückgutumschlag stattfand – solange, bis mit dem Aufkommen der Containerverladung an anderer Stelle im Hafen die neuen Terminals entstanden.
Ich stieß auf Gelände, das nicht mehr ständig betreten oder aktiv genutzt wird. Heute sind das aus der Distanz völlig unscheinbar wirkende Hafenfleckchen, in denen nun im Laufe der Zeit und räumlich begrenzt brachlie-
gende Flächen entstehen. Boden, der so auf einmal für bestimmte Pflanzen und einige Tierarten als Lebensraum interessant wird.

Wo mehr Licht hinfällt, wachsen die Pflanzen auch höher ... (zwischen gestapelten Schwellen und Gleisen)

Eroberung des freien Raums. Wo mehr Licht hinfällt, geht es in die Höhe …

 

Überall dort, wo eine gewisse Ruhe eingekehrt ist und obendrein Gegenstände abgestellt bzw. Materialien deponiert sind, die Schutz vor Wind und Kälte bieten, stattdessen womöglich sogar Wärme speichern, entsteht ein neues Kleinklima. Zusätzlich erholt sich der Boden, und schon siedelt sich etwas an.

An den ablegten, alten Bahnschwellen siedeln sich Pflanzen an ....

An den ablegten, alten Bahnschwellen siedeln sich Pflanzen an ….

 

Platz zum Ansiedeln gefunden ... (Keimling in den Ritzen alter Bahnschwellen)

Platz zum Ansiedeln gefunden …

Überall dort, wo nicht ständig aufgeräumt wird oder permanent Betrieb durch Mensch und Maschine herrscht, wird zudem Abgestelltes und Ungenutztes von Vertretern der Tierwelt umfunktioniert und als Nistplatz oder Unterschlupf verwendet.

Im Aufbau eines außer Betrieb genommenen Krans haben in luftiger Höhe Schwalben ihr Nest gebaut. Und dann begegnete mir noch etwas, was ich überhaupt nicht zu sehen erwartet hatte: Bachstelzen!  Natürlich ist mit der Elbe ein Gewässer in der Nähe, doch rein gefühlsmäßig hört sich allein das Wort Bachstelze doch mehr danach an, dass sich der betreffende Vogel statt auf einer relativ kargen Grasfläche viel eher in einer mehr idyllischen und etwas fruchtbareren Umgebung und wahrscheinlich nahe eines leise glucksenden Rinnsals bewegt.
Stattdessen ist diese Bachstelze nun Anwohner eines großen Stroms und kommt offensichtlich mit ziemlich wenig Baum- und Grünangebot in ihrem Umfeld aus.

Bachstelze auf Hamburger Hafengebiet

Bachstelze auf Hamburger Hafengebiet

Es wird verständlicher, wenn Sie einmal einen genaueren Blick auf die Umgebung werfen. Diese Vögel nisten gern in Steinhaufen oder Holzstapeln, was beides hier in Form von abgelegten Bahnschwellen oder angehäuftem Granitgestein vorhanden ist. Nester polstern sie mit Vorliebe mit Moos aus. Auch das ist zu finden. Würmer und Spinnen gibt es mit Sicherheit ebenso. Und die Wasserqualität der Elbe hat sich gebessert! Sehr viel mehr Vogelarten als früher nutzen inzwischen den Hafen auch als Durchzugsgebiet. Legen hier Zwischenstopps ein.

Hamburg - Hafen - Bahnschwellen gestapelt

Hafen Hamburg – Bahnschwellen gestapelt – Oder platzsparende Gleisverlegung ..?

Silbermöwen gibt es reichlich. An der Elbe nicht weiter verwunderlich, nur was mich verblüfft, ist, dass sie hier im Hafenbereich auf den Dächern der Gebäude brüten. Sie sind wirklich schlau; reagieren mit Anpassung auf die veränderten Umstände und Gefahren in der Stadt. So weit oben ist ihr Gelege sicher vor Feinden, deren Zahl rasant zugenommen hat. Füchse, Ratten etc. kommen dort nicht heran …

Wissen Sie, was unvorteilhaft ist?
Wenn Sie im Hafengebiet als Handyklingelton für eingehende Anrufe – so wie ich –  Möwengeschrei ausgewählt haben! Ursprünglich hatte ich mir diese Variante ausgesucht, weil ich auf Musiktitel schwer reagiere, es nicht als Telefonalarm interpretiere. Bei Möwengeschrei und Wellenrauschen wusste ich bisher immer sofort, ich muss ran.
Im Hafen hatte ich nun alle zwei Minuten das Problem herauszufinden, wer diesmal das Geschrei fabrizierte. Meist war es O-Ton Möwe, die direkt über mir Flugmanöver ausführte. Zweimal bedeute der Lärm allerdings auch tatsächlich eingehende Anrufe. Ich bin ja mittlerweile überzeugt, nicht nur mich hat das alles irritiert. Auch die Möwen wirkten verdutzt über dieses Konkurrenzgebrüll aus meiner Tasche.

Sollten Sie einmal im Hafen landen und dort auf besagtes ruhigeres Gelände treffen, gehen Sie ab und zu in die Hocke und betrachten Sie so die Landschaft. Vieles sieht aus dieser Perspektive gleich ganz anders aus! Ihr Blick geht dann nicht in die mäßig attraktive Ferne, sondern richtet sich auf die Nähe. In dieser tiefen Position wirken Größen anders und Sie nehmen so viel besser die zarten Gewächse wahr, die etwas scheu aus dem Boden hervorschauen.

Pflanzenvielfalt auf Brachflächen im Hamburger Hafen - In Bodennähe ...

Pflanzenvielfalt auf Brachflächen im Hamburger Hafen – In Bodennähe …

 

Hamburg - Hafengelände - Das Holz alter Bahnschwellen wächst langsam ein ...

Hamburg – Hafengelände – Das Holz alter Bahnschwellen wächst langsam ein …

Im Hafengebiet lebt übrigens eindeutig eine nicht unerhebliche Anzahl von Kaninchen! In der Dämmerung finden wahrscheinlich große Treffen und Partys statt, jedenfalls nach der Anzahl der vorhandenen Ködel zu urteilen. Ich würde sagen, eine Quote von 40-50 Stück pro Quadratmeter. Ködel, nicht Kaninchen.
Schauen Sie vorsorglich ein bisschen genauer, wenn Sie nicht nur in die Hocke gehen, sondern im Begriff sind, ganz auf dem Boden Platz zu nehmen.

Sie sehen, es gibt Überraschendes im Hafen. Natürlich auch viel Geschichtliches! Besondere Gebäude, Abstraktes, was eher zufällig entstand und so blieb. Technik! Aber dazu muss man halt einmal hin, um es zu entdecken.
Sollten Sie auf Entdeckung gehen, erzählen Sie doch bitte hinterher, worüber Sie gestolpert sind.
Es interessiert mich sehr!

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© by Michèle Legrand, April 2016
Michèle Legrand ©Foto Andreas Grav (Ausschnitt)

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Hafenmuseum Hamburg: Saisonstart 2016 und Lange Nacht der Museen

Kennen Sie schon das Hafenmuseum Hamburg? Bitte im ersten Moment nicht mit dem Maritimen Museum (Schifffahrtsmuseum, International Maritime Museum) in der HafenCity verwechseln!
Ich spreche von dem Museum, welches sich im ehemaligen Freihafen befindet und bei dem nicht nur das eigentliche Gebäude und die dort untergebrachten Exponate sehr speziell sind, sondern auch das Areal, auf dem es sich nebst seinen Außenattraktionen befindet. Es spielt eine ganz entscheidende Rolle.

Hamburg - Kaianlagen am Hafenmuseum

Hamburg – Kaianlagen am Hafenmuseum

Das Hafenmuseum Hamburg ist in einem über 100 Jahre alten Kaischuppen untergebracht, dem Schuppen 50A, der wiederum Teil einer historischen Strecke ist, zu denen ursprünglich die Schuppen 50 bis 53 gehörten.
Wo das ist? Sie haben gerade gar keine Vorstellung vom Hafen und seiner Aufteilung? Der Lage der Schuppen?
Sehen Sie die Elbe vor sich? Denken Sie sich von den Landungsbrücken flussaufwärts. Sie kommen an der Elphilharmonie vorbei und ungefähr in Höhe der neuen HafenCity hat die Norderelbe gegenüber einen Abzweiger. Genau an der Insel, die sich Kleiner Grasbrook nennt. Folgen Sie gedanklich diesem abzweigenden Elbteil ein Stück.

Hamburg - Hansahafen - Richtung Norderelbe und HafenCity mit Elbphilharmonie gesehen (2015)

Hamburg – Hansahafen – Richtung Norderelbe und HafenCity mit Elbphilharmonie gesehen (2015)

Stellen Sie sich nun eine Landzunge mit Kais zu beiden Seiten vor. Der Elbarm umschließt besagte Landzunge und bildet auf der einen Seite den Hansahafen mit dem Bremerkai. Dort wurden die Schuppen 50 und 51 erbaut. Etwa zur selben Zeit (zwischen 1908 und 1912) entstanden auf der anderen Seite, am zum Indiahafen hin gelegenen Australiakai, die Schuppen 52 und 53.
Den Schuppen 53 hat man im Frühjahr 2002 abgerissen, Nr. 50-52 sowie ein Wohnhaus für Kaibeamte an der Stirnseite hingegen stehen seit dieser Zeit unter Denkmalschutz  – und ansonsten betrachten Sie diese Anlage als das letzte geschlossene Kaiensemble aus der Kaiserzeit.

Hamburg - Elbe - Hansahafen mit Kaispeicher 52A

Hamburg – Elbe – Hansahafen mit Kaispeicher 52A

Wenn exakt in dieser geschichtsträchtigen Umgebung, direkt am Kai und umgeben von vielen früher genutzten (schwimmenden) Fahrzeugen und Gerätschaften, ein Hafenmuseum seinen Sitz hat, dann hat das Flair. Manchmal ein etwas rostiges, doch die Atmosphäre trägt entschieden dazu bei, dass man als Besucher und Betrachter Geschichte und Entwicklung des Hafens, des Seegüterumschlags und des Schiffbaus sehr lebendig erlebt und leicht nachvollziehen kann.

Hamburg - Am Hafenmuseum - VanCarrier/Portalhubwagen - (7/2015)

Hamburg – Am Hafenmuseum – VanCarrier/Portalhubwagen – (7/2015)

Draußen finden Sie VanCarrier oder Portalhubwagen, wie sie im Deutschen heißen. Weiterhin Fahrzeuge, die in der Anfangszeit des Containerumschlags für den Betrieb des Terminals eingesetzt wurden. Am Ponton liegt u. a. die Kastenschute H 11327 und es gibt z. B. auch den fast 100 Jahre alten Schwimmkran Saatsee sowie den ebenso alten Schutendampfsauger Sauger IV.

Hamburg - Der alte Schutendampfsauger (Sauger IV) im Hansahafen ...

Hamburg – Der alte Schutendampfsauger (Sauger IV) im Hansahafen …

Da jetzt am Sonnabend (9. April 2016) in Hamburg die Lange Nacht der Museen stattfindet, an der sich auch das Hafenmuseum beteiligt, haben Sie die Gelegenheit, die betagten, aber nichtsdestotrotz einsatzfähigen Fahrzeuge, einmal direkt in Aktion erleben. Die eindrucksvollen Dampfanlagen werden dafür extra in Betrieb genommen!
Und es wird Tauchgänge in die Elbe mit dem Kupferhelmtauchgerät geben!

All die Gegenstände, die nicht ans Wasser gebunden oder generell besser drinnen aufgehoben sind, sind auf insgesamt 2.500 qm in Schuppen 50A untergebracht. Dort hat das Hafenmuseum seinen Sitz.
Eigner der gesamten 50er Strecke ist die Stiftung Hamburg Maritim, die sich auch darum kümmert, dass alles an den Gebäuden denkmalkonform restauriert und der am Bremerkai liegende Frachter MS Bleichen instand gesetzt wird. Man sorgt sich um die historische Hafenbahn genauso wie um die dort befindlichen Kräne.

Hamburg - Kaianlagen am Hafenmuseum - Kräne gucken ....

Hamburg – Kaianlagen am Hafenmuseum – Kräne gucken ….

Das Hafenmuseum ist übrigens eine Außenstelle des Museums für Arbeit (Hamburg-Barmbek).
Auch eine recht interessante Entwicklung! Bereits seit 1986 hat man dort die maritimen Sammlungsstücke aus den letzten 100 Jahren zusammengetragen, begann ab 1999 alles Zusammengestellte aus Güterumschlag, Schiffbau und Schifffahrt sowie Meerestechnik am zukünftigen Museumsstandort im Hafen zu konzentrieren, und offizielle Geburtsstunde für das heutige Hafenmuseum Hamburg war schließlich der 1. Januar 2008.

Hamburg - Hansahafen - Die alte MS "Bleichen" liegt nach Verschönerung auch wieder am Bremerkai ...

Hamburg – Hansahafen – Die alte MS „Bleichen“ liegt nach Verschönerung auch wieder am Bremerkai …

Die neunte Saison wurde gerade am vergangenen Sonntag (3. April) eröffnet. Mit dem Shanty-Chor der HHLA, mit frischem Kuchen aus der Kaffeeklappe, mit Ansprachen, Sekt, einer Fahrt auf dem alten Feuerlöschboot Repsold im Hansahafen u. v. m.  Saisoneröffnung deshalb, weil das Museum jeweils in den Wintermonaten von Anfang November bis Ende März schließt. Der Kaischuppen ist ein Gebäude, das in leichter Holzbauweise errichtet wurde und unbeheizt ist. Daher sind die Räumlichkeiten im Winter einfach zu kalt für Publikumsverkehr und längeren Aufenthalt.

Dennoch wird weitergearbeitet. Von der fest angestellten Belegschaft, die im Kopfgebäude (gemauert und beheizt) weiter aus den Büros agiert, und von den zahlreichen Ehrenamtlichen, die sich auch von Kälte nicht unbedingt abhalten lassen.
Sie glauben gar nicht, wie viele sich dort engagieren und langfristig mitmischen, auf diese Art den Betrieb des Museums überhaupt erst möglich machen! Beim Räumen, Archivieren, Führen der Besucher, beim Übernehmen der Aufsicht, beim Instandsetzen, Pflegen, Herrichten, Auftreiben, Reparieren … Es werden beispielsweise viele Exponate zunächst restauriert und dadurch erst ausstellungsreif gemacht!
Ein anderes Langzeitprojekt ist der Bau einer Jolle nach alten (kaiserlichen) Plänen. Sie entsteht in Spantenbauweise als Gemeinschaftsarbeit von Schülern einer Klasse der Stadtteilschule Wilhelmsburg und ihren Mentoren des Hafenmuseums bzw. ihrem Lehrer.

Hamburg - Hansahafen - Kranparade mit Rost ....

Hamburg – Hansahafen – Kranparade mit Rost ….

Ein Großteil der freiwilligen Mitarbeiter hat eine besondere Verbindung zum Hafen. Diese Menschen haben ursprünglich dort gearbeitet (die sogenannten Hafensenioren) oder sind immer noch im Hafen tätig. Viele sind also Teil der Geschichte und Entwicklung, kennen Techniken und Fertigkeiten, die es heute so gar nicht mehr gibt, weil sie überholt sind. Sie haben zahlreiche Veränderungen hautnah miterlebt und können daher einiges aus früheren Zeiten erzählen.
Das werden sie übrigens auch anlässlich der Langen Nacht der Museen! Sollten Sie keine Gelegenheit haben an diesem Abend, treffen Sie sie sonst beim regulären Besuch des Museums und haben die Möglichkeit, ihnen Ihre bereits unter den Fingernägeln brennenden Fragen zu stellen. Wenn es Sie packt, können Sie sogar eine komplette Führung buchen!

Hamburg - Hansahafen - Am Bremerkai / Ponton (alte Boote)

Hamburg – Hansahafen – Am Bremerkai / Ponton

Was momentan alle dort beschäftigt, ist die Frage, wie die Zukunft des Museums aussehen wird. Es ist nicht von Schließung bedroht, es geht um etwas anderes.
Vielleicht haben Sie dazu im letzten November eine Nachricht aus den Medien vernommen. Seinerzeit hat der Bund in Berlin den Hamburgern erhebliche finanzielle Mittel zugesagt. Es erfolgte die Zusicherung eines Betrags von insgesamt 120 Mio. Euro, der einerseits für die Schaffung eines großen Deutschen Hafenmuseums gedacht ist und gleichzeitig die Überführung (Rückführung aus New York) und Restaurierung der „Peking“ sowie die Einrichtung eines Liegeplatzes für den historischen Viermaster mit einschließt. Der Flying-P-Liner soll anschließend als Ausstellungsstück Teil des Museums werden.

Hamburg - Hansahafen mit alten Kränen - Kabelrolle ...

Hamburg – Kaianlagen am Hafenmuseum

Nun stellt sich natürlich die Frage, ob für ein großes Deutsches Hafenmuseum der alte Standort beibehalten und der zur Verfügung stehende Raum in irgendeiner Form erweitert wird (angrenzender Schuppen?) oder ob an ganz anderer Stelle ein Neubau entsteht.
Anderer Standort? Womöglich gar nicht an der Elbe?
Wäre ein Hafenmuseum ohne Hafen und ohne Kaianlagen ein richtiges, ein echtes Hafenmuseum? Was wäre mit  den schwimmenden Objekten, die doch dazugehören und alles erst komplett machen?

Und was sicher auch gut im Auge behalten werden muss, ist die Tatsache, dass die „Peking“, die kurz vor der Verschrottung stand, sich in einem mehr als desolaten Zustand befindet. Ihre Restaurierung ist folglich umfangreich. Ein Umstand, der schnell dazu führen könnte, dass sich da das berühmte Fass ohne Boden entwickelt. Nicht unvorstellbar, dass sie klammheimlich einen Großteil des genehmigten Geldes schluckt und am Ende nur noch ein Bruchteil des Ursprungsbudgets für das dann immer noch zu schaffende Deutsche Hafenmuseum zur Verfügung steht.
Im November 2015 war kurzzeitig einmal von einer Aufsplittung der Gesamtsumme die Rede. 94 Mio. Euro für das Museum, 26 Mio. Euro für die „Peking“. Ob es dabei bleibt? Zwei separate Geldtöpfe von Anfang an scheinen ratsam …

Auf jeden Fall wäre es dem Hafenmuseum Hamburg und seinem engagierten Team sehr zu wünschen, dass sie für ihre Sammlung weiteren Platz und für ihre Arbeit zusätzliche Mittel erhalten. So viel wurde und wird bisher durch die Stiftung, durch nicht unbeträchtliche private Spenden und den enormen und unermüdlichen Arbeitseinsatz Freiwilliger realisiert. Was diese Arbeitszeit allein umgerechnet schon für einen Riesenbetrag darstellt!
Dies wird auch weiterhin notwendig sein, denn die angekündigten Berlin-Mittel gelten nicht für hinterher, für die laufenden Betriebskosten nach Eröffnung. Deren Finanzierung wäre ein Fall für den Hamburger Kulturetat – oder mit anderen Worten: Man ist weiter auf Unterstützung von privater Seite und durch die Stiftung angewiesen.

Hamburg - Hafenmuseum - Am Kai (Sauger IV und Kräne im Hintergrund)

Hamburg – Hafenmuseum – Am Kai – Dampfschutensauger „Sauger IV“

Ein Deutsches Hafenmuseum. Das klingt nicht schlecht. Eine Stadt wie Hamburg, mit dem größten deutschen Hafen und der Wichtigkeit, die dieser für sie hat, sie sollte doch idealer Standort für ein zukünftig zusätzlich überregional aktives und mehr als nur Hamburgs Hafengeschichte präsentierendes Hafenmuseum sein. Obendrein ein Museum, welches nationale und weltweite Bezüge und „Verstrickungen“ verdeutlicht.

Die Planung ist gestartet. Eine Fertigstellung ist für das Jahr 2021 anvisiert. Bis dahin ist noch ein wenig Zeit. Doch bis es soweit ist, gibt es auf jeden Fall das bestehende Hafenmuseum Hamburg mit seinen vielen Aktivitäten und vielseitigem Programm.
Schnuppern Sie ruhig anlässlich der Langen Nacht der Museen einmal herein.

Wie Sie zum Museum hinkommen, zusätzliche Programmdetails etc. finden Sie hier.

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© by Michèle Legrand, April 2016
Michèle Legrand - freie Autorin - ©Fotograf Andreas Grav

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Uwe und Polstjernan – Unterwegs am Strand von Blankenese!

Sie haben es bestimmt über die Medien verfolgt, als in den letzten Wochen zwei Schiffe massive Probleme während ihrer Fahrt auf der Elbe bekamen. Im ersten Fall betraf es etwa 30 km von Hamburg flussabwärts auf niedersächsischem Gebiet einen der weltweit größten Frachter, die „CSCL Indian Ocean“. Das Schiff lief nach einem Problem mit der Ruderanlage bei Lühe (nahe Wedel) auf Grund, kurz danach blieb als zweites die im Vergleich dazu relativ kleine „Sandnes“ im Schlick im Bereich des Mühlenberger Lochs vor Blankenese, also auf Hamburger Terrain, stecken.

Mittlerweile sind beide wieder frei, sie werden hier also nicht als Schiffsleichen am Elbufer vor sich hinrosten und nächsten Generationen in Form von Wracks präsentiert.
Sie wundern sich möglicherweise, doch grundsätzlich ist dies nicht abwegig oder auszuschließen! Was Sie vielleicht noch nicht wissen (zumal wenn Sie nicht an der Elbe leben oder von dort stammen) ist, dass entlang des Ufers bis etwa zur Elbmündung bei Cuxhaven schätzungsweise 30-40 Wracks zu finden sind. Nicht immer gut sichtbar, bei Ausgrabungen stieß man allerdings an einigen Stellen auf Überreste der Rümpfe oder fand andere Teile der Schiffsausrüstung.
Es sind jedoch auch Wracks vorhanden, die als solche deutlich erkennbar sind – zumindest bei Ebbe!

Heute würde ich Ihnen gern solche Überreste zeigen und dazu geht es nach Blankenese.
Wenn Sie vom Fähranleger, der Ponton hat den Namen „Op’n Bullen“, am Strand elbabwärts gehen, erreichen Sie die Stelle nach etwa einem halben Kilometer.

Hamburg - Fähranleger Blankenese (Ponton Op'n Bulln) - gegenüber Airbus (Finkenwerder)

Hamburg – Fähranleger Blankenese (Ponton Op’n Bulln) – gegenüber Airbus (Finkenwerder)

Auf dem Weg dorthin passieren Sie das Blankeneser Leuchtfeuer

Hamburg - Trübes Wetter an der Elbe bei Blankenese ... (Blick auf den Leuchtturm)

Hamburg – Trübes Wetter an der Elbe bei Blankenese …

Wenn Sie sich vorstellen sollten, was Schiffen – speziell den heutigen Wracks, zu denen wir gleich kommen – einst zustieß, was geht Ihnen dazu als erstes durch den Kopf? Was vermuten Sie, wodurch Havarien entstanden? Was sehen Sie als die Ursachen für ein Auflaufen auf Sandbänke, welchen Grund könnte es für ein Verlassen der gekennzeichneten Fahrrinne geben? Überhaupt – gehen Sie automatisch davon aus, dass der Fundort eines Wracks auch identisch mit dem Ort des Schiffsunglücks ist? Dort gekentert, gesunken und geblieben?
Vielleicht fallen Ihnen technische Defekte ein. Falsche Anzeigen, Maschinenausfälle etc. Oder ungünstige Wetterbedingungen. Schlechte Sicht!
Bei den erst unlängst im Elbschlick feststeckenden Schiffen lag es nicht an mangelnder Sicht. Auch herrschten weder Sturm noch schwerer Wellengang.
Für das Binnenschiff „Uwe“ allerdings, dessen Heck seit 1975 am Falkensteiner Ufer aus dem Sand herausragt, war hingegen tatsächlich Nebel der Auslöser einer recht verwickelten und folgenschweren Kollision.

Hamburg - Wracks am Falkensteiner Ufer bei Blankenese - Heck der "Uwe"

Hamburg – Wracks am Falkensteiner Ufer bei Blankenese – Heck der „Uwe“

19. Dezember 1975. Die Sicht ist extrem schlecht. Dichter Nebel hängt in der Luft wie eine undurchdringliche Wand. Wenig Chancen, dass es aufreißt, die dichte Masse hält sich sehr hartnäckig über dem Wasser.
Wie die „Uwe“ ist an diesem Tag Frachter „Wiedau“ bei einer Sicht von unter 50 m ebenfalls auf der Elbe unterwegs und hat die Absicht, die langsamere „Uwe“ zu überholen. Der Kapitän sieht auf dem Bildschirm des Radargeräts erwartungsgemäß das Signal des Binnenschiffs. So weit ist alles unter Kontrolle. Doch dann ändert sich schlagartig die Situation, denn völlig unerwartet ertönt ein weiteres Signal! Die „Mieczyslaw Kalinowski“ aus Polen taucht wie aus dem Nichts aus der Gegenrichtung auf, und bevor der Kapitän der „Wiedau“ noch irgendwie reagieren kann, kollidiert der polnische Frachter mit seinem Vorschiff. Die Wucht des Stoßes drückt es nach Steuerbord. Die „Wiedau“ dreht sich daraufhin und gerät genau in den Kurs des Binnenschiffs „Uwe“. Es wird durchtrennt!
Der Schiffsführer der „Uwe“ kann sich im letzten Moment aus seinem Ruderhaus befreien und ins ziemlich kalte Wasser entkommen. Er gelangt von dort aus an Bord der „Wiedau“, die jedoch kurz darauf ebenfalls kentert …
Innerhalb kürzester Zeit entsteht eine höchst dramatische Lage!

Wie es ausging? Als klar war, dass auch die „Wiedau“ untergeht, sprangen 16 Mann in die Fluten. Zum Glück hatte es sie alle nicht draußen auf hoher See erwischt. Das rettende Ufer war in erreichbarer Nähe – dennoch überlebten zwei Besatzungsmitglieder diese folgenreiche Kollision nicht. Die restlichen Verunglückten schafften es zum Anleger Wittenbergen und wurden von Anwohnern, die natürlich den Krach der Kollisionen mitbekommen hatten und hinausgeeilt waren, versorgt.

Hamburg - Ebbe an der Elbe - Das Heck der "Uwe" am Falkensteiner Ufer ragt aus dem Schlick

Hamburg – Ebbe an der Elbe – Das Heck der „Uwe“ am Falkensteiner Ufer ragt aus dem Schlick

Wie kompliziert es war, die „Uwe“ danach aus dem Elbschlick zu heben, können Sie hier lesen.
Der Bug der „Uwe“ ließ sich hinterher noch zerlegen, aber das Heck war zu schwer und blieb am Falkensteiner Ufer.

Der für die „Uwe“ verwendete Hebeponton der Firma sank übrigens kurz darauf während einer Überführung. Die Stadt Hamburg wollte keine weiteren Bergebetriebe an der Elbe. Man fand es nicht so förderlich für den Ruf des „schnellen Hafens“, wenn zum Schutz am Ufer liegender und sehr empfindlicher Bergungsschiffe stets alle vorbeiziehenden Seeschiffe ihre Fahrt drosseln mussten. Man kaufte also das Firmengelände auf, vorhandene Wracks blieben, wo sie waren.

Wie verhält es sich aber mit dem anderen Wrack? War es auch so ein Fall von „ dichter Suppe“ und einem zu späten Wahrnehmen der Gefahr? War dieses Schiff auch in eine Kollision verwickelt? Hier vor Ort?
Der Fall liegt diesmal komplett anders!
Dieses Wrack war einmal ein finnischer Dreimastschoner (andere behaupten, es sei eine Viermastbark gewesen) mit dem schönen Namen „Polstjernan“. Die Reste liegen schon wesentlich länger hier ein kleines Stückchen weiter flussabwärts, in Sichtweite der „Uwe“.

Hamburg - Der Rumpf der "Polstjernan" im Watt vor Blankenese (Falkensteiner Ufer)

Hamburg – Der Rumpf der „Polstjernan“ im Watt vor Blankenese (Falkensteiner Ufer)

Wir gehen 90 Jahre zurück …
Es ist Herbst 1926. Die „Polstjernan“ befindet sich auf dem Weg von Finnland nach England, um dort eine Ladung Holz zu löschen. Sie nutzt dafür den Weg durch den Nord-Ostsee-Kanal. Während der Kanalpassage herrscht an einem Oktobertag plötzlich höchste Alarmstufe, denn – ausgelöst durch den Motor – gerät das Holz in Brand! Die Ladung brennt wie Zunder!
Was tun? Ist das Schiff zu retten? Aber nein, wir stehen ja heute vor dem Wrack. Nur das liegt doch am Hamburger Elbstrand … Rätselhaft.

Die Geschichte entwickelte sich folgendermaßen weiter:
Der Kanal durfte durch ein brennendes Schiff nicht in seiner Funktion als rege frequentierte Wasserstraße beeinträchtigt werden, also musste das Hindernis aus dem Weg. Schlepper brachten die „Polstjernan“ zum Kanalausgang nach Brunsbüttel. Mit Tauhilfe ging es durch die Schleusen. Damit war die Aufgabe vorerst erledigt, und der arg mitgenommene Schoner wurde drüben bei Grimmershörn (Höhe Cuxhaven) auf Sand gesetzt. Kommt Zeit, kommt Rat …

Etwas später beauftragte die Versicherung einen Hamburger Schlepper mit der Bergung.
Den Auftrag erhielt eine Firma, die ihr Gelände am Falkensteiner Ufer hatte, der Taucherbetrieb von Friedrich Matthias Harmstorf. Die Firmenbezeichnungen variieren ein wenig, was dadurch bedingt ist, dass es sich um eine ganze „Unterwasser-Dynastie“ handelt und der Betrieb im Laufe von Jahrzehnten immer wieder an Familienangehörige weitergegeben wurde oder sich weitere Betriebe gründeten, wodurch sich die Firmierung änderte bzw. mehrere existierten.
Schon vor dem Ersten Weltkrieg wurden Schiffswracks zu Harmstorf holt. Die Bergung war damals so etwas wie eine Attraktion für alle, etwas, das fast schon zur Unterhaltungsshow wurde. Es gab einen Landesteg, ein Ausflugslokal, ein Hotel, Tauchervorführungen, sogar einen Unterwassermalkünstler!
Dieses bunte Treiben beendete der Erste Weltkrieg. Nach 1918 konzentrierte man sich auf das Bergen und Tauchen. 1926 holte Harmstorf also die „Polstjernan“ (wie auch Jahrzehnte später die „Uwe“) an den Elbstrand, wo man allerdings feststellte, dass nichts mehr zu retten war.
Der Rumpf wurde daraufhin mit Steinen verfüllt und blieb als Wellenbrecher dort liegen.

Natürlich fordern Wetter, heftige Stürme und harte Winter ihren Tribut. Jede Flut nagt an ihm! Wer weiß, wie viele Jahre ihm noch bleiben, bevor er komplett auseinanderfällt.

Hamburg - Blankenese - Wrack der "Polstjernan", das langsam zerfällt ...

Hamburg – Blankenese – Wrack der „Polstjernan“, das langsam zerfällt …

Warten Sie also nicht zu lang, wenn Sie vorhaben, es sich selbst anzuschauen und achten Sie auch darauf, dass Sie nicht gerade bei Flut eintreffen. Dann ist nichts von allem zu sehen.

Auch bei Ebbe ist es übrigens sehr schön am Elbufer!

Hamburg - Ebbe an der Elbe an einem grauen Wintertag

Hamburg – Blankenese – Ebbe an der Elbe

 

Hamburg - Blankenese - Immer noch ablaufend Wasser ...

Hamburg – Blankenese – Ebbe und immer noch ablaufend Wasser …

Ach ja, und passen Sie auf, wenn in der Zeit Eule am Strand ist. Eule ist ein halbhoher, lebhafter hellbrauner Hund. Rasse unbekannt. Sein Frauchen warf für ihn Stöckchen ganz in meine Nähe, als ich im Watt stand und die Wracks betrachtete.
Eule hatte konsequent die Flugbahn des Stocks verfolgt, beim Vorpreschen also Richtung Himmel geschaut. Der Sausewind raste direkt auf mich zu, bemerkte mich allerdings erst im allerletzten Moment als im Weg stehend und bremste daher abrupt und scharf. Unmittelbar vor meinen Füßen. Eule, sehr sportlich, stellte sich dabei quer, wie Skifahrer es nach der Abfahrt mit ihren Skibrettern zu pflegen tun. Der feuchte Sand spritzte gehörig auf und – zack! – schon hatte ich eine graugelbliche Besprenkelung bis hinauf zur Taille. Frauchen entschuldigte sich postwendend. Gleich mehrfach wurde mir ein entsetztes „Oh, Verzeihung! Das tut mir leid!“ zugerufen.
Und der Hund zu meinen Füßen? Der ließ die Ohren hängen und schaute, als wäre er dabei erwischt worden, als er Steaks vom Teller klaute.
Ich erinnerte Eule an das Stöckchen, klopfte mich ab und stellte fest: Angekommen war ich sauberer!

Hamburg - Leuchtfeuer Blankenese - Die "Ruth" schippert Richtung Hafen ...

Hamburg – Leuchtfeuer Blankenese – Die „Ruth“ schippert Richtung Hafen …

Konnte man so noch durch das feine Blankenese spazieren? Ich beschloss: man kann!
Wenn Sie sich jetzt nicht an Sandresten stören, kommen Sie gern noch ein Stückchen mit.

Zum Beispiel ins Treppenviertel, das sich am Elbhang ausbreitet. Über zahllose, teilweise recht enge und steile Treppen sind kreuz und quer die Gründstücke bzw. Häuser miteinander verbunden. Und man kommt auf diese Art natürlich vom Berg hinunter an den Strand. Wer derart steil am Hang wohnt, überlegt sich häufig Hilfsmittel, die den Transport von Gegenständen vom Haus zur Straße und umgekehrt erlauben.
Zum Beispiel Schienen für Transportkörbe …

Hamburg - Blankenese - Treppenviertel - Transporterleichterung in höhere Lagen ...

Hamburg – Blankenese – Treppenviertel – Transporterleichterung in höhere Lagen …

Norddeutschland, alles flach … unendliche Weiten …. Denken ja viele. Auch Sie vermuten wahrscheinlich gar nicht, wie gewaltig es hier hoch und runter geht. Es ist so ausgeprägt, dass an den Straßen Schilder die Auto- und Radfahrer vor dem Gefälle warnen! 15 % sind schließlich eine ganze Menge.
Wir sind am Wasberg. Der ist auch vielen Auswärtigen namentlich ein Begriff, denn sobald die Cyclassics stattfinden wird er überregional erwähnt und taucht im Zusammenhang mit strampelnden Rennradfahrern dann im Fernsehen auf.
Auf dem Bild können Sie die Höhenunterschiede ein wenig erahnen; die Straßenanstiege und -abhänge sind entsprechend …

Hamburg - Blankenese - Ordentliches Gefälle am Wasberg ...

Hamburg – Blankenese – Ordentliches Gefälle am Wasberg …

Es ließe sich auch gut wohnen oben am Berg. Sprächen halt nicht die horrenden Grundstückpreise und Miethöhen dagegen. Ansonsten schön, oder?
Wenn sie dort oben säßen, könnten Sie von Ihrem Wohnzimmer aus auf die Elbe herunterschauen.

Hamburg - Blankenese - Es ließe sich auch gut wohnen dort (Blickrichtung Elbe)

Hamburg – Blankenese – Es ließe sich auch gut wohnen dort (Blickrichtung Elbe)

Das folgende Foto zeige ich Ihnen zunächst ohne Kommentar. Was fällt Ihnen als Besonderheit auf?

Hamburg - Blankenese - Goßlers Park (mit Rodelhang und Strohballenauffangvorrichtung)

Hamburg – Blankenese – Goßlers Park

Nichts? Haben Sie auf den unteren Bereich geachtet? … Richtig Strohballen vor dem Zaun!
Und warum? … Stellen Sie sich den Hang einmal mit Schnee vor …
Genau! Im Winter wird der Hang in Goßlers Park zum Rodeln genutzt, und damit keiner in den Zaun rauscht oder womöglich noch weiter auf die viel befahrene Blankeneser Landstraße davor, sind die Ballen als Schutz befestigt worden. Was der Formel 1 ihr Reifenstapel, ist dem Blankeneser sein Strohwall.
Nun fehlt nur der Schnee …

Wir sind wieder im Ort gelandet! Das war’s!
Wir haben gleich den Bahnhof erreicht, und für heute verlasse ich Sie. Wer weiß, vielleicht begegnen wir uns irgendwann bei „Uwe“ und „Polstjernan“ unten am Strand?

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Quellen und fortführende Informationen:

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© by Michèle Legrand, März 2016
Michèle Legrand ©Foto Andreas Grav (Ausschnitt)

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An Bord der Cap San Diego bei Blue Port und Hamburg Cruise Days!

Der Hafen in Blau. Dazu Kreuzfahrttage in Hamburg! Eine Elbfahrt!
Am Freitag ging ich nämlich selbst aufs Wasser. Allerdings nicht an Bord eines Cruise Liners, sondern an Bord eines schönen, alten Frachters. Die Cap San Diego, das große, weiße Museumsschiff, sonst an der Überseebrücke im Hamburger Hafen zu finden, lud zu einer Ausfahrt ein. Eine eingeschränkte Fahrerlaubnis besitzt es nämlich auch heute noch.

Es war eine Miniseereise, wenn Sie so wollen. Ein Stück auf der Elbe Richtung Nordsee, die Wende in Höhe von Blankenese und anschließend bei einsetzender Dunkelheit zurück mit einem Schlenker zur Köhlbrandbrücke und dem Containerterminal Altenwerder. Das alles, um im weiteren Verlauf des Abends einen magisch blau leuchtenden Hafen nicht nur von einem Punkt oder nur von Land, sondern einmal von der Wasserseite aus zu betrachten.
Sie können hier heute mitschauen, wenn Sie möchten.
Wenig Text Bevorzugende wissen jetzt, worum es geht – können sich grundsätzlich also auf die Bilder weiter unten konzentrieren (Einmal scrollen, bitte.) Wer mehr erfahren möchte und zu den gierigen Texteinsaugern (wie ich) zählt, der findet nachstehend einige Einzelheiten.

Hamburg Cruise Days / Kreuzfahrttage

Man sagt, die Kreuzfahrttage sind mehr durch Zufall entstanden.
Vom Prinzip her müssen Sie es sich so vorstellen, als wenn einige grauhaarige Kumpels regelmäßig im gleichen Lokal auftauchen und der geschäftstüchtige Wirt die Zusammenkunft fortan vollmundig unter der Bezeichnung Silver Convention vermarktet. Er schlägt Kapital daraus, sieht Entwicklungspotenzial, und langsam entwickelt sich daraus eine generelle Zusammenkunft beachtlichen Ausmaßes für die reifere Generation.
So ähnlich war es offenbar mit den Kreuzfahrttagen. Als vor einigen Jahren an einem Wochenende zufällig mehrere Kreuzfahrtschiffe gleichzeitig in Hamburg einliefen, kamen schlaue Köpfe auf die Idee, solche Zusammentreffen nicht mehr ganz dem Zufall zu überlassen und die Anwesenheit völlig ungenutzt verstreichen zu lassen, sondern daraus einen klangvollen, zugkräftigen Event zu machen: die Hamburg Cruise Days.
(Kreuzfahrttage dürfen in heutigen Zeiten natürlich nicht mehr Kreuzfahrttage heißen. Das klingt zu bieder, nicht weltmännisch und international genug …)
Gut möglich, dass auch der Abstand von einem zum nächsten Hafengeburtstag zu lang erschien. Ein ganzes Jahr! Mon Dieu! Da könnte man doch …
Nun gibt es sowohl im Mai also auch im September eine große, maritime Veranstaltung, die sich von der HafenCity bis zum Holzhafen und weiter bis nach Altona erstreckt und massenhaft Besucher (Touristen) beschert.

Hamburg - Cruise Days 2015 - Blick auf Elbphilharmonie und Kehrwiederspitze

Hamburg – Cruise Days 2015 – Blick auf Elbphilharmonie und Kehrwiederspitze

Die Hamburg Cruise Days sind seit 2008 im Zweijahresrhythmus abgehalten worden. Bisher in den Jahren mit gerader Jahreszahl, so auch schon 2014, doch man hat sich jetzt entschieden, die Kreuzfahrttage fortan zeitgleich mit der ebenfalls alle zwei Jahre geplanten Leitmesse der Kreuzfahrtindustrie, der Seatrade Europe, zu organisieren. Sie fand gerade auf dem Hamburger Messegelände mit 250 Ausstellern aus über 50 Nationen statt. Auf diese Weise gab es einmal Cruise Days extra, und von nun an werden beide Veranstaltungen in den „ungeraden“ Jahren weitergeführt.

Hamburg - Cruise Days 2015 - Kreuzfahrtgesellschaften präsentieren sich ...

Hamburg – Cruise Days 2015 – Kreuzfahrtgesellschaften und Reedereien präsentieren sich …

Wenn man vernimmt, wie sich dieser Zweig der Reisebranche entwickelt und wie hoch der Zuwachs ausfällt, sind Cruise Days in Hamburg wohl tatsächlich ein Muss!
6,4 Millionen Europäer (plus 30.000 gegenüber dem Vorjahr) unternahmen eine Kreuzfahrt! Die Deutschen sind dabei Europameister mit einem Marktanteil von 28 Prozent (knapp 1,8 Millionen Passagiere)! Auf dem zweiten Platz folgen die Briten. Die Nachfrage ist groß, die Branche freut’s – und natürlich auch die Werften.

Hamburg - Cruise Days 2015 - Feuerboot im Hafen ...

Hamburg – Cruise Days 2015 – Feuerboot im Hafen …

Hier im Hamburger Hafen gibt es pro Jahr ungefähr 180 Cruise Liner, die von den drei Terminals an- und abfahren. Tendenz steigend. (Sie merken, theoretisch könnten mehrmals im Jahr Cruise Days stattfinden, Schiffe wären genügend vor Ort.) Und mit den diversen Kreuzfahrern vor der Nase, steigt das Interesse an Informationen, an Reisen, an Details zu den Schiffen. Bei den Cruise Days präsentieren sich daher während der dreitägigen Veranstaltung die Reedereien und Kreuzfahrtveranstalter. Damit es dabei unterhaltsam zugeht, es auch genügend zu schauen und zu entdecken gibt, findet ein großes Rahmenprogramm statt mit maritimen Märkten, Sport, viel Musik, Aktionen für die Kinder, mit Feuerwerk und mit einer großen Schiffsparade am Sonnabend.

Sieben Kreuzfahrtschiffe kamen in diesem Jahr, schön gerecht verteilt auf alle Tage, sodass Freitag (11.9.)
die Costa neoRomantica und die Amadea vor Ort waren und am Sonnabend (12.9.) Mein Schiff 4, die Europa und die AIDAbella näher inspiziert werden konnten. Den Sonntag verschönten zum Ausklang die
Queen Mary 2 und MSC Splendida.

Hamburg - Cruise Days 2015 - Die Amadea, die gerade betankt wird (am HCC Altona).

Hamburg – Cruise Days 2015 – Die Amadea, die gerade betankt wird (am HCC Altona).

Alle drei Terminals (die sog. Hamburg Cruise Centers, kurz HCC) – in der HafenCity, in Altona und auch der Kronprinzkai auf Steinwerder – wurden genutzt. Wie Sie vielleicht kürzlich vernommen haben, kann die Queen Mary 2 momentan nicht wie sonst in der HafenCity festmachen, sondern muss nach Steinwerder ausweichen. Der vorhandene Schlick in der Elbe hat der riesigen Lady am üblichen Platz nicht mehr ausreichend Tiefgang gewährt.

Abgesehen von den Kreuzfahrtschiffen steuern natürlich noch sehr viele andere Schiffe und Boote in dieser Zeit Hamburg an. Museumsschiffe jeglicher Art beteiligen sich am Geschehen und fahren mit Besuchern auf die Elbe hinaus. Am Tag und in der Dunkelheit – damit alle blau sehen können.

Hamburg - Cruise Days 2015 - Auch Segler sind unterwegs - Im Hintergrund die Fischauktionshalle ...

Hamburg – Cruise Days 2015 – Auch Segler sind unterwegs – Im Hintergrund die Fischauktionshalle …

Blue Port

Die Cruise Days werden bisher nämlich gern mit einer weiteren Veranstaltung kombiniert, die sich in den letzten Jahren in Hamburg etablierte: mit dem Blue Port.
Speziell Hamburger entsinnen sich wahrscheinlich noch an die Blue Goals, diese blau illuminierten Tore des Lichtkünstlers Michael Batz, die in Hamburg vielerorts während der Fußballweltmeisterschaft 2006 installiert waren. Auch wenn hinter beidem (Hafen und Fußball-WM)) eine unterschiedliche Motivation und Aussage steckt, kann man die auffälligen Tore vielleicht als Vorboten, als weiter entwickelte Idee oder sogar als kleine Generalprobe für den Blue Port bezeichnen, den an zahlreichen Stellen blau erstrahlenden Hafen, der sich zuerst 2008 und nun bereits zum fünften Mal auf diese Art präsentiert.

Während das Kunstwerk von Michael Batz schon seit dem 4. September die Nächte und den Hafen attraktiv blau erscheinen ließ, gesellten sich die Cruise Days erst zum Ende des zehntägigen Spektakels hinzu (vom 11. bis zum 13. September 2015). Es geht leider das Gerücht um, dass es Unstimmigkeiten gibt und es eventuell der letzte Blue Port gewesen sein könnte, der in dieser Form bzw. in Verbindung mit den Cruise Days stattgefunden hat …

Wenn derartige Attraktionen in den Hafen locken, wäre es schade, sie zu verpassen – und wenn obendrein sogar die Möglichkeit besteht, dem sehr großen Menschenandrang an den Landungsbrücken – speziell am Abend – zu entgehen und stattdessen etwas Elbluft zu schnuppern, einen Sonnenuntergang auf dem Wasser zu genießen bzw. sich gleichzeitig einen Logenplatz fürs Betrachten des Blue Ports und des Feuerwerks zu sichern, dann sollte man beherzt zugreifen.
Das habe ich getan und war zu diesem Zweck am Freitag vom späten Nachmittag bis in die Nacht an Bord der Cap San Diego.

Cap San Diego

Eine Ausfahrt mit dem weltweit größten, noch fahrtüchtigen Museumsfrachtschiff zu machen, ist schon eine besondere Angelegenheit. Der ehemalige Stückgutfrachter zählt mittlerweile 54 Lenze, ist jedoch exzellent wieder hergerichtet, stets gepflegt und auslaufbereit. Schlank und elegant wirkt er durch seine Linien von jeher.

Hamburg - Cruise Days 2015 - Die Cap San Diego an ihrem Liegeplatz nahe der Überseebrücke (im Hintergrund, weiß) ...

Hamburg – Cruise Days 2015 – Die Cap San Diego an ihrem Liegeplatz nahe der Überseebrücke (im Hintergrund, weiß) …

Sein Platz an der Überseebrücke liegt zwischen der Kaimauer an den Landungsbrücken und dem Ponton. Dort ist er sicher festgemacht. Nicht nur einfach vertäut, nein, hier gibt es schwere Stahlriegel, die stabile Säulen umschließen.

Hamburg - Cruise Days 2015 - Nicht nur vertäut! Cap San Diego sicher befestigt ...

Hamburg – Cruise Days 2015 – Nicht nur vertäut! Cap San Diego sicher befestigt …

 

Hamburg - Cruise Days 2015 - Cap San Diego - Sie wird freigelassen ...

Hamburg – Cruise Days 2015 – Cap San Diego – Sie wird freigelassen …

Damals zu seiner Einsatzzeit waren Querstrahlsteueranlagen mit Bug– und Heckstrahlrudern, die dem Schiff heutzutage ein eigenständiges Manövrieren erlauben, noch gar nicht erfunden. So ist hier immer der Einsatz der Schlepper gefragt …

Hamburg - Cruise Days 2015 - Cap San Diego - Mit Schlepperhilfe hinaus auf den Strom ...

Hamburg – Cruise Days 2015 – Cap San Diego – Mit Schlepperhilfe hinaus auf den Strom …

Er ist der letzte von sechs Frachtern, die 1961/1962 für die Reederei Hamburg Süd gebaut wurden und der Liniendienstfahrten an die Ostküste von Südamerika ausführte. Diese Fahrten wurden als Rundfahrten organisiert. In der Zeit ab Indienststellung bis in die 80er Jahre hinein kamen davon 120 Reisen von jeweils ca. 60 Tagen zusammen. Interessant, dass bei 60 Tagen von der Gesamtzeit 62 % auf die Fahrt entfielen, 33 % auf Liegezeiten und 5 % auf auftretende Verzögerungen. Wenn man überlegt, wie gering die Liegezeiten heute ausfallen ..
In den 80er Jahren nahm dann der Anteil der Containerfrachter rapide zu – und die Zeit der Stückgutfrachter ging allmählich ihrem Ende entgegen.

Hamburg - Cruise Days 2015 - Mit der Cap San Diego vom Liegeplatz an den Landungsbrücken vorbei hinaus auf die Elbe

Hamburg – Cruise Days 2015 – Mit der Cap San Diego vom Liegeplatz an den Landungsbrücken vorbei hinaus auf die Elbe

 

Hamburg - Cruise Days 2015 - Hafen Hamburg, Landungsbrücken, Eingang alter Elbtunnel ...

Hamburg – Cruise Days 2015 – Hafen Hamburg, Landungsbrücken, Eingang alter Elbtunnel …

 

So topgepflegt wie sich die Cap San Diego heute präsentiert, hält man es kaum für möglich, dass es dieses letzte der ursprünglich sechs Schiffe fast auch nicht mehr geben würde. Nachdem es im Frühjahr 1986 nach Monrovia verkauft worden war, stand es nämlich bald darauf vor der Verschrottung. Noch im August des gleichen Jahres schlug Hamburg zu und kaufte den Todeskandidaten, bevor er in seine Einzelteile zerlegt wurde.
Warum Hamburg?
Nun, die Cap San Diego wurde hier bei der Deutschen Werft AG gebaut. Die gibt es – wie so viele andere Werften – nicht mehr. In den späten 60er Jahren fusionierte sie noch mit den Hamburger und den Kieler Howaldtswerken. Doch das Ende kam bereits 1973. Den ehemaligen Standort sehen Sie auf dem folgenden Foto. Dieser Tage befindet sich an der Stelle kurz vor der Einbiegung zum Steendiekkanal und dem Elbabzweig nach Finkenwerder u. a. das Hotel The Rilano.

Hamburg - Elbe - Der Standort der ehemaligen Deutsche Werft AG (heute u. a. Stadort des Hotels The Rilano, rechts im Bild)

Hamburg – Elbe – Der Standort der ehemaligen Deutsche Werft AG (heute u. a. Standort des Hotels „The Rilano“, rechts im Bild)

In seiner Funktion als Museumsschiff lässt sich die Cap San Diego in Ruhe komplett durchstöbern. Man kann sich Maschinenraum und Kommandobrücke des Frachters ansehen, das Peildeck und die Rudermaschine, die Kranvorrichtungen, mit denen das Stückgut in die Luken verladen wurde und die Decksflächen. Interessant anzuschauen, wenn sich moderne Navigationsgeräte heute direkt neben alten Instrumenten finden und hochinteressant, dass ein Frachter damals auch ein „Mischmaschschiff“ sein konnte! Eine Art Mehrzweckschiff.

Erinnern wir uns, dass Flugreisen in den Anfangsjahren der Dienstzeit dieses Frachters eher unüblich waren und somit viele Reisende eine Möglichkeit suchten, irgendwie und möglichst bezahlbar Richtung Südamerika zu gelangen. Frachtschiffe nahmen gelegentlich einige zahlende Passagiere mit, so auch die Cap San Diego. Acht Kabinen gibt es an Bord, bis zu zwölf Menschen konnten mitreisen. (Diese Kabinen sind heute als Hotelzimmer mietbar!). Damit sich die zahlenden Gäste während der Überfahrt wohlfühlten, existierte ein eigener Bereich für sie. Ein Salon, in dem auch das Essen serviert wurde, ein Aufenthaltsbereich auf dem Oberdeck mit kleinem Pool u. a.

Hamburg - An Bord der Cap San Diego - Erinnert irgendwie an die Tigerente, oder ...?

Hamburg – An Bord der Cap San Diego – Erinnert irgendwie an die Tigerente, oder …?

Wenn Sie in unserer Zeit auf kurzen Museumsfahrten der Cap San Diego mit teilweise bis zu 500 Menschen unterwegs sind, wird Ihnen sehr schnell bewusst, dass Sie – Cruise Days hin oder her – eben nicht auf einem Kreuzfahrtschiff sind. Wird dort versucht, sich an Hotels und den dortigen Standards zu orientieren, gibt es hier an Bord hingegen nicht einmal eine Sitzplatzgarantie! Dafür ist das Schiff einfach nicht ausgerichtet.
Was brauchte man denn früher wirklich während der Überfahrt und der jeweiligen Rundreise zu diversen Ziel- und Ladehäfen? Fracht. Laderaum. Mobiliar und Räumlichkeiten nur für die Besatzung sowie die maximal zwölf zusätzlich Mitfahrenden. Ende.
Sie als einer der Kurzzeitpassagiere von heute wollen aufs Wasser schauen? Geschützt von drinnen? Kein guter Plan. Die wenigen Plätze im Salon sind so angelegt, dass Sie zum Hinaussehen schon aufstehen sollten, sonst wird das nichts …
Rundumverglasung und Außenbalkons werden Sie auf einem Frachtschiff natürlich auch vergeblich suchen, also bleibt keine andere Möglichkeit: Liegt Ihnen irgendetwas an der Umgebung, möchten Sie das Treiben draußen mitbekommen, dann müssen Sie an Deck. Was Sie folglich dringend benötigen, ist warme, wetterfeste Kleidung sowie ein gutes Stehvermögen. Nicht, weil es so wahnsinnig schwanken würde! Stehvermögen im Sinne von Ausdauer, Durchhaltefähigkeit. Einige Stunden im Stehmodus kommen schnell zusammen, dazu kühlt es abends empfindlich ab, windstill ist es auch eher selten …
Doch belohnt und entschädigt werden Sie dafür natürlich – abgesehen von der Erkundung der Technik – durch viele andere Dinge: Durch das selbst auf einem Frachtschiff spontan kurzzeitig auftretende Kreuzfahrtfeeling, viel Frischluft, eine grandiose Aussicht, fabelhaften Panoramablick und sehr stimmungsvolle Sonnenuntergänge …!

Hamburg - Elbe - Springende Fische und ein seltsamer Vogel ...?

Hamburg – Elbe – Springende Fische und ein seltsamer Vogel …?

Doch eher motorisierte Flitzer und am Himmel etwas gar nicht Tierisches, das vermutlich drüben bei Airbus startete …

Hamburg - Cruise Days 2015 - Augustinum (rechts) und Museumshafen Oevelgönne

Hamburg – Cruise Days 2015 – Augustinum (rechts) und Museumshafen Oevelgönne

 

Hamburg - Cruise Days 2015 - Die Amadea am HCC Altona ...

Hamburg – Cruise Days 2015 – Die Amadea am HCC Altona …

 

Hamburg - Der Schlepper gesellt sich wieder dazu, um bei der Wende in Höhe von Blankenese Hilfe zu leisten ....

Hamburg – Der Schlepper gesellt sich wieder dazu, um bei der Wende in Höhe von Blankenese Hilfe zu leisten …

 

Hamburg - Blick auf Blankenese im Abendlicht ...

Hamburg – Blick auf Blankenese im Abendlicht …

 

Hamburg - Mit der Cap San Diego auf der Elbe - Schlepper voraus ...

Hamburg – Mit der Cap San Diego auf der Elbe – Schlepper voraus …

 

Hamburg - Elbe - Das Airbus-Gelände bei sinkender Sonne ...

Hamburg – Elbe – Das Airbus-Gelände bei sinkender Sonne

Wissen Sie, was etwas zu schaffen macht? Das unerwartete Ertönen des mächtigen Schiffshorns! Auf einer Barkasse im Hafen werden Sie alle Nase lang gewarnt, sich die Ohren zuzuhalten, weil es gleich „etwas laut werden könnte“. Sie tun es – und dann kommt lediglich so ein kümmerliches, heiseres Quäken! Hier jedoch,
wo wirklich die Lauscher wegfliegen und sämtliche Knochen vibrieren, hier warnt einen rein gar nichts!
Stichwort Lärm! Der Maschinenraum der Cap San Diego! Je tiefer sie hinabsteigen, desto mehr dröhnt und rumst, desto heißer und stickiger ist es. Sie können es einerseits so sehen, dass Sie sich dort natürlich hervorragend wieder aufwärmen können – Sie können andererseits aber auch leicht lärmgeschädigt aus der Tiefe auftauchen und danach mehrere Tage das Gefühl haben, dass es unablässig weiter in Ihnen wummert …

Hamburg - Elbe - Der Abendhimmel zaubert schöne Farben hervor ...

Hamburg – Elbe – Der Abendhimmel zaubert schöne Farben hervor …

Die Cap San Diego kehrte nicht auf direktem Wege an die Landungsbrücken zurück, sondern absolvierte auf der Rückfahrt einen kleinen Abstecher zur Köhlbrandbrücke, zum Containerterminal Altenwerder und wendete dort erneut mit Schlepperhilfe. Schlepper und Schiff kamen sich dabei ein bisschen zu nahe, standen ungünstig zueinander, so dass sich Aufbauten am Schlepper mit Vorstehendem an der Bordwand verhakten. Schaden am Schlepper, doch für die Weiterfahrt hatte es keine Auswirkungen.

Hamburg - Blue Port und Cruise Days 2015 - Containerterminal Altenwerder

Hamburg – Blue Port und Cruise Days 2015 – Containerterminal Altenwerder

Mit einsetzender Dunkelheit erstrahlt stets das Blau im Hafen. Markante Bauwerke und Sehenswürdigkeiten wie der Michel, die Elbphilharmonie, die Köhlbrandbrücke, Schiffe wie auch die Cap San Diego, die Fähren und Barkassen oder auch drüben, auf der anderen Elbseite, die Werft Blohm + Voss sind für die Illuminationen ausgewählt.
In diesem Jahr ganz neu hinzugekommen sind das Chilehaus sowie einige Brücken der Speicherstadt – nachdem die UNESCO sie und das Kontorhausviertel vor einigen Monaten zum Weltkulturerbe erklärt hat.
Im gesamten Hafen leuchten natürlich viele Einzelobjekte. Lichter an den Anlegern und Pontons, an Kranen, an den unterschiedlichsten Wasserfahrzeugen, entlang der Kais, Terminals oder an Türmen.

Hamburg - Blue Port und Cruise Days 2015 - Die Dunkelheit bricht herein - An Bord wird es bereits blau ...

Hamburg – Blue Port und Cruise Days 2015 – Die Dunkelheit bricht herein – An Bord wird es bereits blau …

 

Hamburg - Blue Port und Cruise Days 2015 - Blick auf die Köhlbrandbrücke

Hamburg – Blue Port und Cruise Days 2015 – Blick auf die Köhlbrandbrücke

 

Hamburg - Blue Port und Cruise Days 2015 - Man sieht, dass speziell auch Krane als Einzelobjekte illuminert wurden ...

Hamburg – Blue Port und Cruise Days 2015 – Man sieht, dass speziell auch Krane als Einzelobjekte illuminert wurden …

Nach erfolgter Rückkehr ins Fahrwasser der Elbe geht es vorbei an Altona, dem Holzhafen, der Fischauktionshalle in Richtung Landungsbrücken und Elbphilharmonie

Hamburg - Blue Port und Cruise Days 2015 - Blaue Eier ...

Hamburg – Blue Port und Cruise Days 2015 – Blaue Eier …

 

Hamburg - Blue Port und Cruise Days 2015 - Kreuzfahrtschiff Amadea am HCC Altona (links das sechsgeschossige Dockland-Gebäude)

Hamburg – Blue Port und Cruise Days 2015 – Kreuzfahrtschiff Amadea am HCC Altona (links das sechsgeschossige Dockland-Gebäude)

 

Hamburg - Blue Port und Cruise Days 2015 - Die Docks bei Blohm + Voss ...

Hamburg – Blue Port und Cruise Days 2015 – Die Docks bei Blohm + Voss …

 

Hamburg - Blue Port und Cruise Days 2015 - Links die Rickmer Rickmers an den Landungsbrücken, hinten rechts Elbphilharmonie, davor links die beleuchtete Überseebrücke

Hamburg – Blue Port und Cruise Days 2015 – Links die Rickmer Rickmers an den Landungsbrücken, hinten rechts Elbphilharmonie, davor links die beleuchtete Überseebrücke

 

Hamburg - Blue Port und Cruise Days 2015 - Norderelbe gegenüber der HafenCity

Hamburg – Blue Port und Cruise Days 2015 – Norderelbe gegenüber der HafenCity

Seitdem die Elbphilharmonie ohne die Begleitung von Baukranen auskommt, betont die Illumination dieses Gebäude besonders schön.

Hamburg - Blue Port und Cruise Days 2015 - Elbphilharmonie, dahinter HafenCity

Hamburg – Blue Port und Cruise Days 2015 – Elbphilharmonie, dahinter HafenCity

Weiter Richtung Osten und HafenCity geblickt, befindet sich die diesmal ebenfalls blau beleuchtete Großmarkthalle.

Die Cap San Diego stoppte danach im Fluss und wartete – von Schleppern gehalten – darauf, dass die am HCC HafenCity liegende Costa neoRomantica ablegte (ca. 22.00-22.30 Uhr) und das für anschließend angekündigte Feuerwerk gegenüber auf der anderen Elbseite gezündet wurde. Und wie wir, warteten ebenfalls tausende Besucher von Blue Port und Cruise Days geduldig am Ufer.

Hamburg - Blue Port und Cruise Days 2015 - Costa neoRomantica hat abgelegt, das Feuerwerk kann starten ...

Hamburg – Blue Port und Cruise Days 2015 – Costa neoRomantica hat abgelegt, das Feuerwerk kann starten …

 

 Hamburg - Blue Port und Cruise Days 2015 - Feuerwerk

Hamburg – Blue Port und Cruise Days 2015 – Feuerwerk

 

Hamburg - Blue Port und Cruise Days 2015 - Feuerwerk

Hamburg – Blue Port und Cruise Days 2015 – Feuerwerk

 

Hamburg - Blue Port und Cruise Days 2015 - Feuerwerk

Hamburg – Blue Port und Cruise Days 2015 – Feuerwerk

Vorbei …
Die Cap San Diego musste nur noch an ihren Stammplatz zurückbugsiert werden. An blau leuchtenden Ausflugsdampfern und Barkassen vorbei glitt sie über den Standort der Überseebrücke noch ein Stückchen hinaus, um rückwärts in ihre Bucht „einzuparken“.

Hamburg - Blue Port und Cruise Days 2015 - Extrem blau ... die Barkassen.

Hamburg – Blue Port und Cruise Days 2015 – Extrem blau … die Barkassen.

Bei Dunkelheit wirkte das Hafenbecken noch etwas kleiner und enger als bei Tageslicht … Manöver geglückt, die Riegel schlossen sich wieder um die Säulen, die Gangway wurde kurz danach ausgelegt. Fast Mitternacht! Feierabend!

Hamburg - Blue Port und Cruise Days 2015 - Vom Baumwall aus betrachtet ...

Hamburg – Blue Port und Cruise Days 2015 – Vom Baumwall aus betrachtet …

Ein letzter Blick zurück aus den Höhen des U-Bahnsteigs Baumwall hinab auf die weißen Zelte der Hamburg Cruise Days, auf die Elbe, die blauen Lichter im Hafen, die Cap San Diego

Auf Wiedersehen im übernächsten Jahr!
(Vielleicht ist der Blue Port ja doch wieder mit dabei …)

PS:
Ich hoffe, Sie haben ein kleines, warmes Gefühl für Kreuzfahrttage, Elbe und den blauen Hafen bei Nacht, den Blue Port, entwickeln können. Wie Sie allerdings bei den Nachtbildern unschwer erkannt haben werden, hatte ich kein Stativ dabei. Ich wollte Ihnen die Aufnahmen trotz allem nicht vorenthalten, weil sie die Atmosphäre ungeachtet  dessen dennoch gut wiederzugeben vermögen.
Wenn Sie jedoch Lust auf gestochen scharfe Fotos des Blue Ports haben, dann könnten Sie bei meinem fotografierenden Bloggerkollegen HaIn vorbeischauen. Der war auch unterwegs und das finden Sie hier:
https://hamburgergeschichten.wordpress.com/2015/09/12/blue-port-hamburg-2015/

 

© by Michèle Legrand, September 2015
Michèle Legrand ©Foto Andreas Grav (Ausschnitt)

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