Archiv für die Kategorie Hamburgs Elbe (Entlang des Flusses/Hafenbereich)

Hamburg entdecken – Heute ein Blick in den Oberhafen und seine Umgebung

Moderne Glasbauten, Backstein, Brücken, alte Schlösschen und mehr  

Hätten Sie heute zufällig etwas übrig für schiefe Kaffeeklappen, eigenartige Drachenschwäne
und all die anderen Dinge, die ich gerade oben erwähnte? Elbwasser wäre auch dabei …
Überlegen Sie es sich, und bis Sie einen Entschluss gefasst haben, lesen Sie einfach weiter.

In der letzten Zeit hatte ich abends mehrmals in für mich relativ unbekannten Ecken der Hansestadt zu tun. Entweder war ich noch nie dort gewesen (Hamburg ist immerhin eine Großstadt) oder hatte mich ewig lang
nicht mehr in gerade diesen Bereichen aufgehalten.
War man bereits irgendwann einmal in dem Viertel, verleiht dieser Umstand eine trügerische Sicherheit im Hinblick auf den jetzigen Besuch. Das finde ich schon wieder, ist der erste Gedanke. Nur vergisst man dabei schnell, dass Veränderungen gerade in einer Stadt an der Tagesordnung sind. Im Laufe von fünf, zehn oder noch mehr Jahren, hat sich vieles erheblich gewandelt. Wo Sie sich einst fast schon auskannten, ist nun eine andere Straßenführung, es gibt auf einmal Tunnelbauten oder weitere Brücken, riesige Kreuzungsanlagen, es fanden diverse Abrisse statt, Neubauten gesellten sich dafür dazu, andere Fassaden blinzeln sie an. Es ist manchmal gar nicht so einfach, sich wieder zu orientieren.
Klar, wie jeder andere wahrscheinlich auch, suche ich mir gerade deshalb jeweils vorab die entsprechende Route heraus, doch, Hand aufs Herz, Karte gegenüber realer Ansicht – irgendwie wirkt das beim Näher- bzw. Ankommen oft komplett anders. Vor allem, wenn die markanten Punkte, die einem als Wegmarken dienen sollen, kaum zu sehen sind. Wegen Dunkelheit. Im Winterhalbjahr ist sie leider ein ständiger Begleiter.
Ich habe jedenfalls in letzter Zeit hin und wieder ganz schön verdutzt geschaut und herumsuchen müssen.
Umso schöner, hin und wieder einen Mitkommer und Mitsucher dabeizuhaben. Als ich neulich am Abend in Begleitung meiner Tochter unterwegs war, wurde dabei nur eines ziemlich deutlich: Man kann nicht gerade behaupten, dass ich – zumindest zu später Stunde – über so etwas wie Adleraugen verfügen würde.

Wir wollten zu einer Veranstaltung am Großmarkt. Früher strebten dorthin nur Produzenten und Händler von Lebensmitteln (frisches Gemüse und Früchte) und Blumen. Und bis heute herrscht dort speziell nachts und in den frühen Morgenstunden Hochbetrieb! Generell gibt es aber in den Großmarktmallen rund um die Uhr ein Riesenangebot für Kaufwillige. Es ist Norddeutschlands größtes Frischezentrum mit etwa 470 beteiligten Marktfirmen!
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Hamburg (Hammerbrook) - Der Großmarkt am Tag ... (Eingang zu den Großmarkthallen

Hamburg (Hammerbrook) – Der Großmarkt am Tag …

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Sind es sonst die Firmenvertreter und die Käufer des Einzel- und Großhandels, die sich in den Hallen begegnen, so treffen einmal im Jahr an einem Wochenende auf dem Großmarktgelände völlig andere Menschen und viel blitzender Chrom aufeinander. Dann sind Harley Days angesagt und auf dem Vorplatz stehen die Maschinen dicht an dicht.
Seit zwei Jahren streben nun regelmäßig Unmengen von abendlichen Besuchern mit einem wiederum völlig anderen Plan auf die Hallen mit den geschwungenen, wellenförmigen Dächern zu. Sie wollen ins Konzert!
Im Jahr 2015 hat das „Mehr! Theater am Großmarkt“ eröffnet,  das bis zu 3500 Besuchern Platz bietet und wohl das einzige Theater ist, das in einen bestehenden Lebensmittelgroßmarkt einfach integriert wurde.
Nicht direkt ins Gemüse, aber in eine der Hallen, in die mittlere.
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Hamburg - Großmarkthallen (Blick auf die wellenförmig geschwungenen Dächer)

Hamburg – Großmarkthallen

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Mit meiner Tochter spazierte ich vor dem Konzert vom Hauptbahnhof und den Deichtorhallen kommend die lange Banksstraße hinauf Richtung Mehr!Theater.  Kurz vor dem Ziel überquert man die „Erste Banks-Brücke“, und dort tauchte mitten aus der Dunkelheit auf der Außenseite des Geländers ein mittelgroßes Wesen auf. Ein unechtes, wie aufgrund der Starre schnell klar wurde. Aber was ..?  Ich versuchte, etwas zu erkennen.
„Was ist denn das? Ein Schwan?“, fragte ich meine Tochter.
Ein kurzer Blick hinüber genügte ihr. „Nein! Kein Schwan! Eher ein Drachen!“, entgegnete sie überzeugt.
Ein Drachen? Ich fixierte das Wesen genauer. Meine Augen sahen allmählich etwas mehr … Sie hatte sofort Details im Dunkeln erkannt, ich hingegen zunächst nur die reine Form, die Haltung. Das muss die berühmte Nachtblindheit sein, die unweigerlich zunimmt, sobald man in die Jahre kommt …
Wir mussten weiter. So nahm ich mir in dem Moment bereits fest vor, mir den sonderbaren Kollegen bei Gelegenheit noch einmal anzuschauen. Im Hellen!

Letzte Woche war es schließlich soweit. Der Wochenanfang hielt lang vermisste Sonnenscheintage und nicht mehr ganz so frostige Temperaturen parat. Somit geht es heute auch für Sie hinaus! Später zum Drachen, doch zunächst an die Elbe. Auf Hamburger Gebiet. Zur Abwechslung diesmal nicht elbabwärts Richtung Blankenese (und Nordsee), sondern ein Stückchen in die Gegenrichtung, elbaufwärts.
Wer von der Norderelbe abzweigt, kommt z. B. in die Speicherstadt, landet im Zollkanal, in den Fleeten oder in verschiedenen Hafenbecken. Eines davon trägt den Namen Oberhafen, und das – inkl. seiner Umgebung – schauen wir uns heute an.
An einem Ufer dieses Hafenbeckens schließt der Stadtteil Hammerbrook an, an der gegenüberliegenden Uferseite stoßen Sie auf den neuen Stadtteil HafenCity mit dem Lohsepark.
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Hamburg - Oberhafen - Der Fruchthof Hamburg am Stadtdeich

Hamburg – Oberhafen – Der Fruchthof Hamburg am Stadtdeich

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Eine recht interessante, kontrastreiche Ecke Hamburgs! Sie haben nämlich neben der schönen Wasserlage eine lebhafte Kombination von Altem und Neuem. Einerseits Bürogebäude mit futuristischen Design und hohem Glasanteil, andererseits die Ausläufer der alten Speicherstadt mit ihren roten Klinkern und dazu die zwischen 1911 und 1914 auf dem Areal des ehemaligen Berliner Bahnhofs in Hamburg als Markthallen errichteten Deichtorhallen.
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Hamburg - Deichtorhallen (zum Wasser und der Flutschutzanlage hin)

Hamburg – Deichtorhallen (zum Wasser und der Flutschutzanlage hin)

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Als Markthallen werden sie schon länger nicht mehr genutzt. Sie wurden restauriert, saniert, und heute sind
sie mit der Halle für aktuelle Kunst sowie dem Haus der Photographie (Südhalle) bekannter und beliebter Ausstellungsort für zeitgenössische Kunst. Noch bis zum 1. Mai heißt es „Elbphilharmonie revisited“. Kein er-
neuter, ellenlanger Aufwasch der Entstehungsgeschichte, die gerade vor der Eröffnung der Philharmonie im Januar extrem oft und ausführlich durch die Medien ging, sondern Werke von Künstlern, die sich durch die Elbphilharmonie inspirieren ließen. Ich war noch nicht in dieser Ausstellung, es hört sich aber spannend an.
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Hamburg - Deichtorhallen - Haus der Photographie (Halle Süd)

Hamburg – Deichtorhallen – Haus der Photographie (Halle Süd)

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Hamburg - Auf dem Gelände der Deichtorhallen das Palazzo Gourmet Theater im Spiegelpalast

Hamburg – Auf dem Gelände der Deichtorhallen das Palazzo Gourmet Theater im Spiegelpalast

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Der Kunstverein ist gleich gegenüber am Klosterwall ansässig und zeigt ebenfalls zeitgenössische Kunst.
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Hamburg - Der Kunstverein in Hamburg - Klosterwall/Deichtorplatz

Hamburg – Der Kunstverein in Hamburg – Klosterwall/Deichtorplatz

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Das ZDF-Landesstudio hat sich in einem sehr modernen Gebäude niedergelassen, dem 2002 fertiggestellten Deichtor-Center. Zehn Geschosse und u. a. war hier Herr Teherani einer der Architekten (Jens Bothe, Kai Richter und Hadi Teherani (BRT Architekten))
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Hamburg - Das Deichtor-Center mit dem Landesstudio des ZDF

Hamburg – Das Deichtor-Center mit dem Landesstudio des ZDF

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Mittendrin tost der Verkehr. Ein Verkehrsknotenpunkt, eine wichtige Verbindung auch von Stadt Ost nach Stadt West. Gewusel und Gedränge herrscht am Klosterwall stets zusätzlich durch die Bauarbeiten im Wallringtunnel. Die Sanierung des Tunnels begann bereits 2014, und ein Ende ist noch nicht in Sicht. Immerhin ist die Oströhre bald (geplant April) fertig.
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Hamburg - Klosterwall - Baustelle am Wallringtunnel

Hamburg – Klosterwall – Baustelle am Wallringtunnel

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Nach dem Blick auf die Gegebenheiten auf Landseite, werfen wir doch jetzt ein Auge auf das Wasser. Der Oberhafen grenzt unmittelbar an den Ericusgraben. Ein Begriff, der Ihnen vielleicht irgendwoher bekannt vorkommt. Ericus? Genau! Ericusspitze! DER SPIEGEL! Dort, mit Adresse Ericusspitze 1, residiert in einem modernen Gebäude mit sehr markantem Aussehen seit 2011 die SPIEGEL-Gruppe.
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Hamburg - Die Ericusspitze mit dem Verlagsgebäude des SPIEGELs

Hamburg – Die Ericusspitze mit dem Verlagsgebäude des SPIEGELs

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Hamburg - Ericusgraben - Die Deichtorhallen noch einmal vom Wasser aus gesehen ....

Hamburg – Ericusgraben – Die Deichtorhallen noch einmal vom Wasser aus gesehen …

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Woher weiß man überhaupt, wo der Oberhafen endet und der Ericusgraben beginnt? Das Elbwasser sieht doch nicht plötzlich anders aus … Es gibt eine Art optische Begrenzung zwischen Oberhafen und Ericusgraben. Die Oberhafenbrücke dient als guter Anhaltspunkt.  Dort wo sie das Wasser quert, denken Sie sich einfach eine Trennlinie. Die Brücke ist speziell. Sie ist eine kombinierte Bahn- und Straßenbrücke, bei der der Verkehr nicht nebeneinander, sondern übereinander verläuft!
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Hamburg - Oberhafenbrücke - Ein ICE auf der obersten Ebene

Hamburg – Oberhafenbrücke – Ein ICE auf der obersten Ebene

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Auf ihr fährt ganz oben auf insgesamt vier Gleisen der Fernzugverkehr Richtung Harburg (Süden) bzw. kommt hierüber in die Stadt hinein. Darunter, eine Ebene tiefer, ist es dem Autoverkehr möglich, das Wasser zu queren. Zu beiden Seiten der Fahrbahn verlaufen Wege für Fußgänger.
Es ist ein ulkiges Gefühl, dort als Passant zu laufen. Zwischen all den Stahlstreben, bei gefühlt recht geringer Brücken- bzw. Raumhöhe, dicht neben sich Autos … Besonders merkwürdig wird es, wenn über einem gerade ein Zug fährt. Oder gar Züge! Eigenartige Geräusche entstehen, und ein anhaltendes Vibrieren und leichtes Schwanken macht sich bemerkbar. Die Seitenverstrebungen engen seltsam ein, nehmen zudem viel Licht. Urplötzlich kommt es einem so vor, als sei man die Wurstscheibe in einem Sandwich. Von oben und unten etwas eingezwängt. Gleichzeitig meldet sich die Hoffnung, von der Lage drüber möge bitte nichts abbröseln und durchkleckern …

Von der Hammerbrook-Seite aus startend, stoßen Sie nach Überquerung der Brücke ganz am Ende auf etwas, was herrlich windschief daherkommt und eine recht lange, zeitweise unruhige Geschichte mit ungewissem Ausgang vorweisen kann: die Oberhafen-Kantine.
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Hamburg - Die Oberhafen-Kantine an der Oberhafenbrücke (Ansicht von vorne)

Hamburg – Die Oberhafen-Kantine an der Oberhafenbrücke

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Ursprünglich war in dem kleinen 1925 erbauten Gebäude eine Kaffeeklappe. So nannte man in der Bevöl-
kerung eine Einrichtung, die es ungefähr seit Mitte des 19. Jahrhunderts zunächst in England gab und die eigentlich korrekt Volkskaffeehalle hieß. Das Hauptmerkmal einer Kaffeeklappe war, dass es dort einfache Speisen für Arbeiter und keinerlei alkoholische Getränke gab.
Arbeitgeber waren damals schwer hinter der Sache her und unterstützten die Klappen, um dem Alkoholkonsum von vornherein wirksam entgegenzutreten. Man bot das Essen äußerst preisgünstig an und schenkte zusätzlich reichlich Kaffee aus, der die Arbeitsleistung noch steigern sollte.

Bei der Oberhafen-Kantine, die für die Werft- und Hafenarbeiter errichtet wurde, spricht man von expressio-
nistischer Gebrauchsarchitektur
. Toller Begriff, oder? Es klingt beeindruckend. Sollten Sie vorhaben, gegrillte Würstchen an den Mann zu bringen und eigens zu diesem Zweck ein Häuschen mit ordentlicher Raumhöhe
und einigen Spitzbögen bauen, dann könnten Sie Ihren Imbiss mit stolz geschwellter Brust als gotische Gebrauchsarchitektur bezeichnen.
Doch zurück zur Oberhafen-Kantine. In dem speziellen Fall und angesichts der Umgebung, in der sie sich befindet, spricht man von norddeutschem Klinker- bzw. Backsteinexpressionismus. Der ist nun nicht auto-
matisch windschief und krumm. Warum also steht das Häuschen dermaßen schräg?
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Hamburg - Oberhafen-Kantine an der Oberhafenbrücke - Abgesackt ... (Gebäude neigt sich nach vorn)

Hamburg – Oberhafen-Kantine an der Oberhafenbrücke – Abgesackt …

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Sie können sich vorstellen, dass das kleine Gebäude an dieser Position direkt an der Kaikante des Oberhafens nicht immer trockene Füße behalten hat. Der Fluss ist mächtig – und tideabhängig! Das Mauerwerk wurde unterspült, sowohl bei den normalen Gezeiten, aber vor allem bei Sturmfluten. Das komplette Haus ist dadurch abgesackt.

Es ist erstaunlich, dass es überlebt hat und bis heute immer wieder neu betrieben wird! Nachdem der Bauherr es vor über 90 Jahren als eine Art Familienbetrieb etablierte, kümmerte sich dessen Tochter bis ins hohe Alter um die Verpflegung und blieb der Kantine treu. Erst vor 20 Jahren, nach ihrem Tod 1997, musste man sich überlegen, wie es weitergehen könnte.
Es hieß damals, das Gebäude sei einsturzgefährdet, jedoch viel zu schade zum Abriss. Nach einigem Hin und Her wurde es zunächst unter Denkmalschutz gestellt, dann kaufte es derselbe Herr, der auch die Rote Flora in der Sternschanze besaß, Klausmartin Kretschmer. 2005 pachtete es – frisch renoviert – Tim Mälzer, dessen Mama  wiederum ab 2006 mit Frikadellen, Kartoffelsalat und ähnlichen Speisen für das leibliche Wohl der Kantinenbesucher sorgte.
Leider richtete danach ein Orkan schwere Schäden an, also musste erneut saniert werden. Herr Mälzer fand den Zustand nicht so verlockend, seine Mutter mit Sicherheit auch nicht, also wechselten seit 2008 mehrfach die Gastronomen. Schon 2014 schlug abermals ein Orkan mit entsprechendem Hochwasser zu, und noch einmal musste gerettet werden, was noch zu retten war. Während der notwendigen Sanierungen und Schadens-
behebungen blieb als Ausweg immer nur die zeitweilige komplette Schließung der Klappe oder das befristete Auslagern des Betriebs.

Aber sie lebt immer noch! Sie ist einfach nicht unterzukriegen.

Man kann sein Pausenbrot natürlich ebenso gut von daheim mitbringen und mittags hinaus in die Sonne gehen. Die Möwen warten hoffend …
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Hamburg - Oberhafen/Ericusgraben - Pause mit Blick aufs Wasser ...

Hamburg – Oberhafen/Ericusgraben – Pause mit Blick aufs Wasser …

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Interessant auch, was bei Niedrigwasser im Schlick so alles zum Vorschein kommt …
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Ericusgraben an der Oberhafenbrücke - Fundstücke bei Ebbe

Hamburg – Ericusgraben an der Oberhafenbrücke – Fundstücke bei Ebbe

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Wenn Sie von Westen, also von der Stadt her kommend, auf die Oberhafenbrücke sehen, entdecken Sie an ihr einige Wörter, die in großen, weißen Neonlettern geschrieben sind. Es sind Begriffe wie Kanäle, Eisenbahn-
brücke, Lagerhäuser, Schiff, Wolken, Himmel, Wind
 und Hafenkräne. Begriffe, die für Hamburg und gerade diesen Bereich der Stadt am Rande des ehemaligen Freihafens sehr typisch sind. Und wer hat …?
Das ist ein Kunstprojekt! Diese Beschriftung wurde bereits für die Vorgängerbrücke (Drehbrücke von 1902) im Zuge einer Ausstellung des Schweizers Rémy Zaugg (Deichtorhallen, 1992) angefertigt, und nach abgeschlos-
sener Neuerrichtung der Oberhafenbrücke (2007) später an dieser wieder montiert.
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Hamburg - Oberhafenbrücke - Kunstprojekt (1992) - Hafenbegriffe von Rémy Zaugg

Hamburg – Oberhafenbrücke – Kunstprojekt (1992) – Hafenbegriffe von Rémy Zaugg

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Auf der Hammerbrook-Uferseite, auf der Sie auf einem Foto weiter oben den Fruchthof gesehen haben, liegt
die Straße Stadtdeich. Auf dieser Seite der Brücke gibt es ein Schiebetor zur Flutsicherung. Man kann also die Brückenfahrbahn schließen.
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Hamburg - An der Oberhafenbrücke - Schiebetor als Flutschutz

Hamburg – An der Oberhafenbrücke – Schiebetor als Flutschutz

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Hamburg - Oberhafenbrücke - Ein weiterer Begriff aus dem Kunstprojekt von Rémy Zaugg ...(Das Wort KANÄLE ist an der Brücke montiert)

Hamburg – Oberhafenbrücke – Auf der Schiebetorseite – Ein weiterer Begriff aus dem Kunstprojekt von Rémy Zaugg …

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Bevor es abschließend zu einem wirklich schönen Bauwerk in traumhafter Lage an einem Fleet in der Speicherstadt geht, möchte ich mit Ihnen noch den Schlenker zum „Drachenschwan“ in der Banksstraße (Hammerbrook) einlegen.
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Hamburg - Banksstraße/Hammerbrook - Einer der beiden Brückendrachen ...

Hamburg – Banksstraße/Hammerbrook – Einer der beiden Brückendrachen …

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Ich habe die Brücke und ihn bei Sonnenschein wiedergefunden und dabei entdeckt, dass nicht nur ein Drache existiert, sondern auf der anderen Straßenseite, ebenfalls außen am Geländer, sein Zwilling Wache schiebt. Allerdings ist auf dessen Schild sogar die Bezeichnung „Erste Banks-Brücke“ zu lesen.
Mich interessiert sehr, welchen Bezug Drachen gerade zu dieser Brücke oder überhaupt zu einem Standort wie diesem in der Banksstraße haben. Ich vermute stark, es ist ein Zeichen dafür, dass dieser Teil der Stadt ursprünglich einmal zum Stadtteil St. Georg gehörte. Sie kennen doch die Sage um den heiligen Ritter Georg, den Drachentöter …
Aber vielleicht sollen sie auch nur den Mittelkanal und die Einwohner von Hammerbrook vor unliebsamen Gästen schützen, die sich via Oberhafen und durch die Hammerbrookschleuse einzuschmuggeln versuchen. Wer weiß …
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Hamburg-Hammerbrook - Banksstraße - Der Drache auf der anderen Seite verrät sogar, wie die Brücke heißt ... (Sein Schild zeigt _Erste Banks-Brücke_)

Hamburg-Hammerbrook – Banksstraße – Der Drache auf der anderen Seite verrät sogar, wie die Brücke heißt …

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Es gibt noch etwas Interessantes an dieser Stelle, was offenbar wesentlich älter ist als die eigentliche Straßenbrücke. Es ist eine separate Rohrbrücke aus dem Jahr 1894, die parallel zu ihr über den Mittelkanal führt.
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Hamburg-Hammerbrook - Banksstraße - Rohrbrücke von 1894 über den Mittelkanal

Hamburg-Hammerbrook – Banksstraße – Rohrbrücke von 1894 über den Mittelkanal

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Auf dem nächsten Kanalfoto können Sie im Hintergrund die Hammerbrookschleuse gut erkennen. Sie ist schon mächtig alt, wurde zwischen 1844 und 1847 erbaut! Das muss man sich einmal vorstellen. Die Schleuse wurde in dem Jahr fertiggestellt, als Thomas Alva Edison, Paul von Hindenburg oder auch Revolverheld Jesse James gerade erst geboren wurden!
Die Hammerbrookschleuse steht unter Denkmalschutz. Dennoch hat man natürlich inzwischen nachgebessert (2008/2009) und saniert, damit sie technisch gut funktionsfähig bleibt sowie von der Höhe her ausreichend Schutz bietet. Sie regelt nämlich als Stauwehr die Tide zwischen der Norderelbe und dem vom Oberhafen hier abzweigenden Mittelkanal.
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Hamburg - Hammerbrookschleuse (Mittelkanal)

Hamburg – Hammerbrookschleuse (Mittelkanal)

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Aber jetzt! Nun geht es noch einmal zum Ericusgraben, über die Oberbaumbrücke am SPIEGEL-Gebäude entlang und kurz danach rechts in eine kleine Seitengasse, die zur Poggenmühlenbrücke über dem Wandrahmsfleet führt. Die Brückenmitte sollten Sie sich als Platz merken! Von da aus haben Sie nämlich
eine hervorragende Sicht auf das kleine Wasserschloss, das abends zusätzlich wunderbar illuminiert wird.
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Hamburg - Speicherstadt - Wasserschloss

Hamburg – Speicherstadt – Wasserschloss

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Sieht schön aus in seiner Umgebung, nicht wahr? Es ist eines der beliebtesten Fotomotive hier in Hamburg. Insbesondere als Nachtaufnahme, wenn es angestrahlt ist!
Es wurde vor etwa 110 Jahren erbaut, als auch die Speicherstadt entstand. Und hier haben wir ihn wieder:
den Backstein-Expressionismus. Zusätzlich zum Backstein wurde zur Gliederung noch Granit verwendet. Den Schlosscharakter erhält das kleine viergeschossige Schmuckstück durch seinen Turm, die runden Erker und durch die hohen Bogenfenster. Auch sein Kupferdach macht sich gut.

In früheren Zeiten wurde das Schlösschen von Windenwächtern genutzt. Als Unterkunft, aber auch als Werkstatt. Windenwächter (oder –wärter) waren die Hafenarbeiter, die für die Wartung und die Reparatur von Speicherwinden zuständig waren. Von diesen hydraulischen Vorrichtungen gab es in der Speicherstadt unzählige, denn wie anders als durch Hochhieven sollte man Waren aus den Booten vom Fleet hinauf zu den Lagerböden der Speicherhäuser bekommen. Obwohl sonst in der Speicherstadt damals keiner wohnen durfte – für die Wächter und anderes technisches Personal wurde eine Ausnahme gemacht. Es war vorteilhafter, sie direkt vor Ort zu wissen.

Heute wacht im Wasserschloss keiner mehr über Winden, aber über Tee oder über Sie. Das „Wasserschloss Speicherstadt“ besteht aus einer Gastronomie mit gleich angeschlossenem Fachgeschäft, in dem sich alles um
Tee dreht. Sie können also zunächst einkehren, später im Teekontor Sorten schnuppern und neue Ge-
schmacksrichtungen für daheim erstehen.

Haben Sie Kinder? Es könnte sein, dass Ihrem Nachwuchs das Wasserschloss schon ein Begriff ist. Es ist sehr bekannt, seit es in der beliebten Fernsehserie „Die Pfefferkörner“ vorkam.
Mir fällt gerade ein, was Sie in dem Schlösschen am Wasser auch tun könnten! Stilvoll heiraten! Sie müssten sich in dem Fall zwecks Terminabsprache mit dem Standesamt Hamburg-Mitte in Verbindung setzen.

Natürlich dürfen Sie sich auch das noch gut überlegen und müssen hier und jetzt keine übereilten Entschlüsse fassen. Während Sie in sich gehen, verabschiede ich mich für dieses Mal.
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Bis demnächst – vielleicht bei einer neuen Entdeckungstour.

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©by Michèle Legrand, Februar 2017
Michèle Legrand

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„Büschen Wind“

Haben Sie das Weihnachtsfest gut verlebt? Ich hoffe, Sie hatten schöne Feiertage, solche entspannter Natur, so dass Ihnen Stress oder andere Unannehmlichkeiten weitestgehend erspart blieben.

Nachdem der Trubel vorbei und das Essen etwas gesackt ist, spräche doch nichts dagegen, sich hier erneut zusammenzufinden. Ich hätte Sie nach der vermehrten Sitzerei natürlich gern wieder zu einem Spaziergang abgeholt, doch glauben Sie mir, das Hamburger Wetter war bisher alles andere als empfehlenswert für einen Aufenthalt im Freien. Sturm, Regen und Hochwasser wurden uns um Weihnachten herum kredenzt.
Obwohl Hamburger – mit ihrem leichten Faible fürs Understatement – eher von einem büschen (bisschen) Wind und erhöhter Feuchtigkeit sprechen. Ich sage, es hat ordentlich gebrist, dazu gab es ausgiebig Sprühregen, am zweiten Feiertag abends örtlich obendrein Hagel, der Blitzeis auslöste. Nicht so fein. Genauso wenig wie umge-
stürzte Bäume und herumfliegende Gegenstände. Und dann die Elbe!
Dazu fällt mir gerade etwas ein …

Ein ehemaliger Kollege war Leiter der Speditionsabteilung meiner damaligen Firma. Er war einer dieser wetterfesten Althamburger. Jobbedingt musste er recht häufig vom Büro an der Außenalster hinüber in den Hafen zu Speditionen und anderen Betrieben, zu Lagerhallen und Schuppen oder, wenn wir Ware erwarteten bzw. verluden, auch direkt bis an die Pier zu den Containerschiffen. Ein alter Fuchs wie er war natürlich mit den Gezeiten vertraut und wusste, was Sturm an der Elbe, einem mit der rauen Nordsee verbundenen Fluss, bedeutet. So einem war klar, dass man bei Hochwasser fix aufpassen musste, wo im Hafenareal noch ein Durchkommen war und vor allem, wo man bei angesetzten Terminen vor Ort zwischenzeitlich sein Auto ab-
stellen konnte und wo tunlichst nicht.
Wer nicht gerade ein Amphibienfahrzeug besitzt, hat nämlich sonst ganz schnell das Nachsehen.

Es ging auch alles gut bis zu dem Tag, an dem er nach einem Vertragsabschluss zum Feiern mit Geschäfts-
partnern am Hafenrand, unten in Altona an der Fischauktionshalle, unterwegs war und seinen ziemlich neuen BMW dort parkte. Völlig sorglos, da sich kaum ein Lüftchen regte, geschweige denn eine Sturmflutwarnung verbreitet worden wäre.
Man feierte bei einem Essen auf Partnerseite die zu erwartenden großen Ladungsmengen bzw. auf unserer Seite vorteilhafte Sonderkonditionen für alle Frachtraten, zog spätabends zu Fuß weiter, versackte in einer Kneipe auf St. Pauli und becherte ganz erheblich – wie das seinerzeit branchenüblich war. Der Morgen dämmerte bereits, als der Kollege sich von einem Taxi nach Hause chauffieren ließ. Vernünftig nach all dem Alkoholkonsum, und das eigene Auto lässt sich schließlich auch im Tagesverlauf noch einsammeln.

Nicht so reaktionsschnell wie sonst, fiel ihm im angeduselten Zustand überhaupt nicht auf, dass über Nacht ein frisches Windchen aufgekommen war. Eines, das der Sturmflutwarndienst des Bundesamts für Seeschifffahrt und Hydrographie so nicht auf dem Schirm gehabt hatte. Später hieß es, man hätte es schwächer und wesentlich weiter nordöstlich vorbeiziehend erwartet. Dieses „büschen Wind“ erreichte jedoch selbst in Stadtnähe in Böen Orkanstärke, was wiederum zur Folge hatte, dass das auflaufende Hochwasser mit Macht hereingedrückt wurde und in Altona an der Fischauktionshalle Land unter herrschte. Die Elbe trat im Schwall über die Kaimauer, noch bevor überhaupt der Höchststand der Flut erreicht worden war.

Es ist jedes Mal aufs Neue erstaunlich, wie sich Wasser seinen Weg sucht, wie schnell es sich durchfrisst, ausbreitet und dabei der Wasserspiegel innerhalb weniger Minuten massiv steigt …
Für die Fischauktionshalle selbst ist das Hochwasser kein Drama. Dort ist es bereits eingeplant. Man öffnet sogar die Tore, damit das Wasser gut wieder ablaufen kann. Aber für alles drum herum bedeutet es heute genauso wie früher: Was nicht niet- und nagelfest ist, wird getunkt, getränkt und mitgeschleift, und nicht rechtzeitig entfernte Autos in Kainähe gehen nach kurzer Zeit auf leichte Tauchstation. Heute wie damals.

Wie es mit dem Kollegen weiterging? Am nächsten Morgen vermissten die Mitarbeiter der Speditionsabteilung zunächst ihren Chef, nahmen angesichts des Vertragsabschlusses und des intensiven „Anstoßens“ jedoch an, er wäre verkatert und käme deshalb etwas später. Mittags hielt ein weißer R4 vor der Firma. Sein Sohn lieferte ihn am Büro ab.
Es stellte sich heraus, dass der Nachtschwärmer daheim im Halbschlaf das Heulen des Windes und das Rütteln an den Fenstern mitbekommen und kurz darauf im Radio von der Sturmflut bzw. der Situation im Hafen gehört hatte. In böser Vorahnung war er mit seinem Sohn als Chauffeur zur Fischauktionshalle geeilt. Wasser stand dort nicht. Nicht mehr. So schnell wie es aufläuft, läuft es häufig auch wieder ab. Allerdings stand dort auch kein Auto mehr. Kostenpflichtig abtransportiert, wie er kurz darauf von der Polizei erfuhr. Es hatte nachts eigenmächtig seine Position verändert und gefährdete den Verkehr. Die Spuren am Auto zeigten, dass das Wasser bis mindestens Oberkante Radkasten gestanden hatte und teilweise hineingelaufen war – an Stellen, die besser kein Wasser abbekommen hätten.
Inzwischen befand sich der BMW erneut auf einem Abschleppwagen und auf dem Weg zu einer Werkstatt. Die Laune seines Besitzers fiel eine ganze Weile entsprechend grottig aus. Die Stimmung besserte sich erst, als das Auto aus der Reparatur zurückkam, wieder einsatzfähig war und langsam Gras über die Sache wuchs.
Nur von Zeit zu Zeit, wenn der Abteilungschef wieder zu Terminen Richtung Hafen aufbrach, konnte es sich mancher nicht verkneifen, mit unschuldigem Blick und den Worten „Büschen windig, oder?“ alte Wunden wieder aufzureißen.

Sturmflut in Hamburg. Überflutete Bereiche im Hafengebiet. Verschwundene Straßen, einsam aus dem Wasser ragende Laternenpfähle oder die Oberkanten von Sitzbanklehnen als einzige noch herausragende Teile und sichtbare Beweise ihrer Existenz. Umgekippte Mülltonnen, herumfliegende Gegenstände, im Wasser treibende Teile. Sprühregen, den der Wind waagerecht heranpeitschen lässt. Sie haben vielleicht entsprechende Aufnahmen gesehen. Alles büschen feucht …

Im Moment wird gerade wieder diskutiert, ob zu spät vor dem Hochwasser am zweiten Feiertag gewarnt wurde, denn die Sturmflutwarnung kam erst in der Nacht, als die meisten bereits schliefen, also nichts mehr hätten in Sicherheit bringen oder eventuell zusätzlich hätten schützen können. Auf der anderen Seite kam es selbst für Spätheimkehrer nicht mehr rechtzeitig genug; sie wurden von der Heftigkeit der Sturmflut und den überfluteten Straßen größtenteils überrascht.
Zum Zeitpunkt der Nachricht und Warnung war der Höchststand jedenfalls schon fast erreicht, und der Fischmarkt optisch bereits ein Swimmingpool.

Es ist offenbar gar nicht so leicht, den richtigen Zeitpunkt für die Verbreitung einer Warnmeldung zu finden. Vor einiger Zeit wurde massiv und mit überreichlichem Vorlauf vor einer erwarteten, schweren Sturmflut gewarnt, nur trat sie später in dieser Form nicht ein. Die angekündigten Pegelstände wurden bei weitem nicht erreicht. Schon wurde gemeckert. Was die Aufregung und unnütze Panikmacherei solle.
Zu Weihnachten hingegen hatte man stürmische Winde an der Küste erwähnt und auf dadurch etwas höher ausfallendes Hochwasser hingewiesen. Nun entpuppte sich das „büschen Wind“ als mächtiger als vermutet. Sie werden es ahnen – nun wird gemosert, dass „nie“ jemand was sagt.
Und die Fachleute selbst äußern dazu, sie wollten vermeiden, zu oft und zu früh zu warnen, weil sie dadurch im Fall der Fälle keiner mehr ernst nehmen würde …
Stimmt alles, doch lieber einmal zu oft oder letztendlich unnötig gewarnt, als gar nicht und es passiert durch Unwissenheit ein Unglück. Oder wie sehen Sie die Sache?

Bei Sturm und Regen war mir nicht so sehr danach ins Hochwassergebiet zu marschieren, nur um Fotos mitzubringen. Ich habe in meinem Archiv gekramt und zeige Ihnen stattdessen, wie es an der Fischauktionshalle aussieht, wenn es trocken und sturmfrei ist. Die 120 Jahre alte Halle ist nämlich ein sehr schöner Bau, der nach der Restaurierung 1984 zu Recht unter Denkmalschutz gestellt wurde.
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Hamburg - Altona - Fischauktionshalle in der Abenddämmerung

Hamburg – Altona – Fischauktionshalle in der Abenddämmerung

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Haben Sie gesehen? Draußen vor der Halle macht gerade eine Gruppe von weißbemützten Köchen Pause, bevor die Verköstigung der Gäste drinnen weitergeht …
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Hamburg - Altona - Fischauktionshalle mit Stil an der Großen Elbstraße (Details Ziegelwand und Wandlampen)

Hamburg – Altona – Fischauktionshalle mit Stil an der Großen Elbstraße

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Hamburg - Altona - Fischauktionshalle (Detail Fenster Eingang)

Hamburg – Altona – Fischauktionshalle

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Hamburg - Altona - Fischauktionshalle - Auch von innen interessant anzusehen ...

Hamburg – Altona – Fischauktionshalle – Auch von innen interessant anzusehen …

Sie können auf den nächsten Aufnahmen erkennen, wo Autos üblicherweise geparkt werden. Hinter der Fischauktionshalle verläuft die Große Elbstraße …
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Hamburg - Altona - Große Elbstraße (Im Hintergrund die Fischauktionshalle)

Hamburg – Altona – Große Elbstraße (Im Hintergrund die Fischauktionshalle)

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… und etwas weiter rechts (Foto unten), von der Halle aus gesehen, findet am Sonntag in der Früh stets der traditionelle Altonaer Fischmarkt statt.
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Hamburg - Elbe - Anleger Altona (Fischmarkt) mit Fischauktionshalle

Hamburg – Elbe – Anleger Altona (Fischmarkt) mit Fischauktionshalle

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All diese Bereiche stehen bei Sturmflut komplett unter Wasser …

Der erwähnte Kollege hat natürlich nie wieder dort unten geparkt. Einmal Überflutung, nasser BMW und Reparaturkosten haben ihm gereicht. Geben auch Sie acht, wo Sie ihre Habseligkeiten abstellen, falls Sie einmal in Hamburg an der Elbe unterwegs sind und so ein büschen Wind weht. Auch am Elbstrand!
So wie die Flut an der Nordsee nach der Ebbe enorm schnell große und eben noch trockene Wattbereiche wieder für sich einnimmt, so macht sich hier der Fluss notfalls breit und erobert sich das Land dazu. Wasser
ist unberechenbar …

Ich schaue gerade aus dem Fenster … Ich möchte nicht euphorisch wirken, schon gar nicht zu früh, doch es scheint tatsächlich so, als würde sich das Wetter endlich bessern. Ein Spaziergang rückt somit in greifbare Nähe. Sie werden schon sehen, das wird hier alles penibel nachgeholt …

Haben Sie jedoch erst einmal eine schöne Zeit zwischen den Jahren und kommen Sie gut in das neue Jahr hinein. Wäre es nicht traumhaft, wenn 2017 positiver und friedlicher ausfallen würde als 2016?
Ach, kommen Sie, träumen und hoffen darf man doch …

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© by Michèle Legrand, Dezember 2016
Michèle Legrand ©Foto Andreas Grav (Ausschnitt)

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HafenCity / Hamburg: Wo ein Teppich kein Teppich und ein Pilz kein Pilz ist …

Falls Sie gerade Lust auf Elbluft verspüren und mitkommen möchten, würde ich Sie heute gern Richtung HafenCity Hamburg ziehen und Ihnen dort nebenbei etwas ganz speziell Herausgepicktes vorstellen.
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Hamburg - Hafen - Blick vom Baumwall Richtung Elbphilharmonie und Kehrwiederspitze

Hamburg – Hafen – Blick vom Baumwall Richtung Elbphilharmonie und Kehrwiederspitze

 

Lassen Sie sich nicht dazu verleiten, bei HafenCity allein an den sich neu entwickelnden Hamburger Stadtteil
zu denken, der an vielen Stellen nicht nur modern wirkt, sondern einen überaus futuristischen Charakter hat. Die alten Speichergebäude an den Fleeten zählen verwaltungstechnisch ebenfalls zur HafenCity! Vielleicht erinnern Sie sich noch an einen früheren Beitrag, in dem es um die Kontraste ging, die dort besonders zutage treten, wo die markanten roten Backsteinbauten Hamburgs denkmalgeschützter Speicherstadt direkt an die modernen Häuser der neuen HafenCity angrenzen. Auf der einen Seite die alten Bauten, die alte Zeit – gegenüber die gläserne, die neue Welt.

Hamburg - HafenCity - Wilhelminenbrücke und Kehrwiederspitze

Hamburg – HafenCity – Wilhelminenbrücke und Kehrwiederspitze

 

Könnten Sie sich etwas vorstellen, was – diese besondere Situation berücksichtigend – einen Anknüpfungs-
punkt darstellen würde? Was einen Übergang oder ein optisches Bindeglied bildete, eine Art Brücke von Alt zu Neu? Bedenken Sie dabei, dass Hamburg ein überaus bedeutender Handelsumschlagsplatz für Orientteppiche ist. Nun?
Eine Brücke bilden … Teppichbrücke? Läufer? Etwas Begehbares? Ein begehbares Bindeglied?
Aus einer solchen Grundidee entstand ein Kunstwerk im öffentlichen Raum. Die Körber-Stiftung, die ihren Sitz
in der Hafencity am Kehrwiederfleet hat, beauftragte den Steinmetz und Bildhauer Frank Raendchen, einen Orientteppich mehr oder weniger vor ihrer Haustür zu erstellen. Er schmückt seit 2005 auf der einen Seite der Wilhelminenbrücke deren Fußgängerweg, und passenderweise verbindet genau diese Brücke das Alte (City) mit dem Neuen (HafenCity).
Wenn Ihr Läufer zu Hause aus Wolle geknüpft ist und respektable zwei oder gar drei Meter Länge vorweisen kann, so ist das Grundmaterial des Brückenteppichs Stein, und er besitzt „unwesentlich“ größere Ausmaße: Diese Brücke misst 27,5 m in der Länge, ist 2,45 m breit und ca. 5 cm hoch.

Hamburg - HafenCity - Steinerner Orientteppich auf der Wilhelminenbrücke

Hamburg – HafenCity – Steinerner Orientteppich auf der Wilhelminenbrücke

Seine typisch orientalischen Ornamente wurden mit Hilfe eines farbigen Natursteingranulats (Quarz, Granit
und Marmor) geformt, das von Frank Raendchen und zwölf Helfern in wochenlanger Arbeit „krümelgenau“ ausgebracht und zum Schluss mit einem Kunstharz versiegelt wurde. Selbst Teppichfransen wurden nicht vergessen!

Hamburg - HafenCity - ... auch Fransen besitzt der Steinerne Orientteppich

Hamburg – HafenCity – … auch Fransen besitzt der Steinerne Orientteppich

Diese besondere Herstellungsweise sollte Langlebigkeit und Resistenz gegen die üblichen Einflüsse von außen garantieren. Hitze, Kälte, raue Sohlen, spitze Absätze … Nur stand dem Teppich gleich nach dem „Auslegen“ eine besonders harte Belastungsprobe bevor, als während der Umzugsarbeiten des Hanseatic Trade Centres (2005/2006) reichlich Betrieb und Rangiererei auch auf der Brücke herrschte und dort sogar mit Genehmigung eine Entladezone eingerichtet wurde.
Infolgedessen bröselte es bereits ein halbes Jahr nach Fertigstellung und Teile des Teppichs platzten ab. Die ersten Notausbesserungen standen an. So blieb es, und die Jahre vergingen. Wenn Sie daheim ihren Teppich nie ausklopfen, säubern oder auf sonstige Art pflegen, wissen Sie, wie er nach einigen Jahren aussieht. Der Flor ist platt, ein paar Fransen hat es erwischt, die Farben verblassen.
Dem steinernen Teppich erging es nicht anders. Man nahm ihn dadurch zuletzt relativ spät wahr, nämlich erst, wenn man unmittelbar vor der Brücke und somit direkt vor seinem Anfang oder Ende stand. Ich hatte seine Existenz dadurch fast vergessen, zumal bei Besuchsanlässen wie z. B. dem Hafengeburtstag, exakt dort häufig Buden und Stände aufgebaut wurden, die die Sicht auf ihn versperrten.
Im letzten August (2016), also zehn Jahre nach den Ausbesserungen, wurde er komplett restauriert. Nun sieht er wieder sehr präsentabel aus, und das Muster tritt kräftig hervor.
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Steinerner Orientteppich nach der Restaurierung

Hamburg – HafenCity – Steinerner Orientteppich nach der Restaurierung

 

Wenn Sie bitte einmal Ihren Blick auf das folgende Foto richten, so bemerken Sie ein Gebäude aus dem Jahre 1910. Neoromanischer Stil. Ein wenig burgähnlich, oder?
Das ist die historische Polizeiwache, in der heute das Revier 22 der Wasserschutzpolizei seinen Sitz hat und in dem auch die Mannschaft des Feuerlöschboots „Brandmeister Repsold“ anzutreffen ist. Wenn Ihnen selbst als Auswärtiger das Gebäude irgendwie bekannt vorkommt, dann vielleicht durch eine Vorabendserie im Fernsehen. Für den „Notruf Hafenkante“ und sein Filmpolizeikommissariat 21 werden die Außenaufnahmen hier gedreht.
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Hamburg - HafenCity - Kehrwiederspitze mit der Historischen Polizeiwache ...

Hamburg – HafenCity – Kehrwiederspitze mit der Historischen Polizeiwache

 

Seitdem der westliche Teil der neuen HafenCity fertiggestellt ist, dort keine Baukräne mehr stehen, Bauzäune verschwanden, etwas Grün aufblitzt und vor allem Leben eingezogen ist, macht es Vergnügen, am Dalmannkai direkt entlang des Grasbrookhafens
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Hamburg - HafenCity - Dalmannkai am Grasbrookhafen, im Hintergrund das Unilever-Haus

Hamburg – HafenCity – Dalmannkai am Grasbrookhafen, im Hintergrund das Unilever-Haus

 

… vorbei am Vasco-da-Gama-Platz  Richtung Marco-Polo-Terrassen am Unilever-Haus und weiter zum Überseequartier oder zum Kreuzfahrtterminal zu spazieren.
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Hamburg - HafenCity - Vasco-da-Gama-Platz

Hamburg – HafenCity – Vasco-da-Gama-Platz

 

Inzwischen gibt es viele Möglichkeiten, direkt am Wasser einzukehren und dabei draußen zu sitzen oder aber, man lässt sich am Unilever Haus einfach auf den flach auslaufenden Marco-Polo-Terrassen neben einer Sumpfzypresse nieder und schaut über das Wasser.
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Hamburg - HafenCity - Blick von den Marco-Polo-Terrassen am Unilever-Haus zurück Richtung Elbphilharmonie

Hamburg – HafenCity – Blick von den Marco-Polo-Terrassen am Unilever-Haus zurück Richtung Elbphilharmonie

 

Hamburg - HafenCity - Gesundes Elbwasser? Auf jeden Fall treibt hier frisches Grün aus ....

Hamburg – HafenCity – Gesundes Elbwasser? Auf jeden Fall treibt hier frisches Grün aus ….

 

Hamburg - HafenCity - Zentrum "Überseeboulevard"

Hamburg – HafenCity – Zentrum „Überseeboulevard“

 

Dringen Sie östlicher vor, landen Sie unweigerlich irgendwann im Baustellenbereich. Für sich gesehen durchaus interessant, allerdings nicht unbedingt als hübsch zu bezeichnen. Ich habe jedoch etwas durch einen Metallgitterzaun hindurch in der Entfernung an der Spitze des Baakenhöfts erspäht, und das möchte ich Ihnen nicht vorenthalten.
Sehen Sie das weiße, pilzähnliche Bauwerk etwas von der Mitte aus rechts?
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Hamburg - HafenCity - Das östliche Gebiet ist Baustellenbereich - Rechts zu erkennen der Wohnleuchtturm "Lighthouse Zero"

Hamburg – HafenCity – Das östliche Gebiet ist Baustellenbereich – Rechts zu erkennen der Wohnleuchtturm „Lighthouse Zero“

 

Das ist der Prototyp eines Wohnleuchtturms. Bauherr Arne Weber (vom Bauunternehmen HC HAGEMANN) entwickelte in Zusammenarbeit mit dem Architekturbüro BIWERMAU Architekten BDA sein „Lighthouse Zero“. Mitte letzten Jahres erfolgte der Baubeginn, für Dezember 2015 war die Einweihung avisiert.
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Hamburg - HafenCity - Baakenhöft - "Lighthouse Zero"

Hamburg – HafenCity – Baakenhöft – „Lighthouse Zero“

Was aus der Distanz etwas niedriger und eher verhalten imposant wirkt, ist in Wirklichkeit ein 20 m hoher Betonschaft, auf dem sich eine Plattform mit beachtlichen 230 qm Wohnfläche sowie darüber ein 150 qm
großer Dachgarten befinden.

Seit der Fertigstellung können Interessenten diesen ungewöhnlichen Wohnturm nun real begutachten, das Wohngefühl testen, und was die Suche nach geeigneten weiteren Standorten angeht, so kümmert man sich bereits von Unternehmerseite aus darum. Falls Sie sich fragen, wie Sie hinauf in Ihre Wohnung gelangen, so gibt es entweder die Möglichkeit, dass ein gläserner Aufzug Sie hochfährt oder – eher für den Typ sport-
licher Hausbesitzer, der auch keine ultraschweren Möbellieferungen oder Konzertflügel erwartet – die Treppenvariante, die sich dann in der Spannbetonröhre befindet.

Der Vorteil des Ganzen:
Sie benötigen extrem wenig Grundfläche, können Ihren robusten Pilzstiel unterpflanzen, haben oben ungestörten Ausblick in alle Himmelsrichtungen und ein lichtdurchflutetes Zuhause.
Der Nachteil:
Es wird teuer. Der Focus sprach in einem Artikel seinerzeit davon, dass die Errichtung eines Lighthouses
etwa zwei Millionen Euro kostet …

Sie können es sich ja noch ein bisschen überlegen. Sie sollten nur ein paar Euro Reserve einplanen, denn
a) ist das Grundstück wahrscheinlich noch nicht mit dabei und
b) wissen Sie, weißer Beton bleibt nicht weiß.
Der Witterung ausgesetzt, wirkt er bald schmuddelig – was dem Ganzen etwas Trostloses verleiht. Ich würde
mir also ebenfalls darüber Gedanken machen, wie Sie ihr neues Heim, speziell die Betonröhre, von außen persönlich gestalten und diesen „Used-Look“ vermeiden. Gönnen Sie Ihrem Leuchtturm doch die typischen, lebhaften rot-weißen Ringe, im Sockelbereich ergänzt durch einige Felsbrockenmotive und Wellengangszenen.

Was halten Sie denn von der Idee, die Sache mit dem optischen Bindeglied von vorhin auch hier aufzugreifen? Da Ihr zukünftiges Heim so überaus futuristisch daherkommt und massiv an Raumfahrt und Weltall erinnert, gäbe es einerseits die Möglichkeit, die Betonröhre vollkommen schwarz zu streichen. Schalteten Sie in diesem Fall abends oben rundherum in all den Räumen mit ihren Glasfronten großzügig Licht an, hätten Sie optisch anstelle einer Plattform plötzlich ein schwebendes Ufo. Das tragende Element schiene verschwunden …

Alternativ könnte der Schaft im ersten Drittel eine Startrampenillusion für Ihre fliegende Untertasse erhalten, während es nach oben hin überginge in eine Art Milchstraße. Sterne und leichte Andromedanebel auf dunklem Grund …
Als Trompelœil ließen sich natürlich genauso unechte Fenster und angebliche Durchblicke realisieren …
Oder etwas komplett anderes!
Eine aufgemalte Strickleiter! Ein sich öffnender Reißverschluss, ein Kettenkarussell! Wenn Sie sich spendabel zeigen, ließe sich sicher die Plattform gleich von vornherein als Drehbühne anlegen …

Wir sind ein wenig vom Thema HafenCity abgekommen, oder?  Der Part der Blogbezeichnung, der von Gedanken(sprüngen) handelt, macht seinem Namen heute wieder alle Ehre. Ein Gedankengehopse, als
wären Sprungfedern unter den Füßen … Lassen Sie uns zurückgehen. Es soll für heute auch reichen.

Ich verabschiede mich von Ihnen diesmal an der U-Bahn-Station Baumwall und lasse Sie mit Ihren ureigensten Assoziationen zu Steinteppichen, pilzähnlichen Leuchttürmen o. a. allein. Hecken Sie ruhig aus, wonach Ihnen der Sinn steht, und für gute Vorschläge habe ich natürlich ein weit geöffnetes Ohr!

Hamburg - U-Bahn-Station Baumwall am Hafen

Hamburg – U-Bahn-Station Baumwall am Hafen

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Machen Sie es gut und bis demnächst!

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© by Michèle Legrand, Oktober 2016
Michèle Legrand

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Hamburgs Hafengelände: Gut für kleine Überraschungen …

Im letzten Beitrag ging es um das Hafenmuseum Hamburg. Heute würde ich gern noch etwas zum Thema Hafengelände hinzufügen. Insgesamt gesehen, nicht nur auf den Bereich bezogen, der zum Museum gehört.
Das Hafengelände birgt nämlich Potenzial für kleine Überraschungen!

Es geht nicht nur Ihnen als auswärtigem Leser so, dass Sie die Struktur des Hamburger Hafens, seine räumliche Aufteilung, die Anordnung der diversen Hafenbecken oder lediglich seine Ausdehnung bestenfalls vage beschreiben könnten. Trotzdem haben Sie wahrscheinlich einen im Vergleich dazu klareren, persönlichen Eindruck, der durch Filme und Dokumentationen oder Zeitungsberichte entstand. Irgendeine Wirkung wird es auf Sie gehabt haben, auf ihre Vorstellung vom Terrain.
Was generell jedem mit Sicherheit auf Anhieb dazu in den Sinn kommt: Der Hafen ist beachtlich groß, und täglich steuern ihn viele Schiffe an. Und vielleicht fällt dazu noch ein, dass es einmal diese Planungen für gewisse Olympische Spiele gab …

Machen Sie sich aber bitte gleichzeitig klar, dass Sie mit Ihrer sonstigen Hafenahnungslosigkeit nicht alleine dastehen und dass selbst für so manchen Hamburger die Stadt irgendwie stets am Elbufer aufhört. Und zwar am nördlichen. Auf dieser Seite des Flusses ist für ihn Hamburg, und auf die andere Seite der Elbe … nun, da kommt man nicht so oft hin.
In die Wohngebiete oder Einkaufszentren (z. B. in Harburg) schon, das ist klar! Durchaus auch noch ein Stückchen weiter hinaus ins Grüne, aber doch nicht irgendwo in den Hafen an irgendeinen zugigen Kai!
Nein, die andere Elbseite – und dort ganz speziell das Hafengebiet – bleibt häufig zeitlebens ein reichlich verschwommener Fleck auf der Landkarte. Wird so ein Hamburger mit dieser „Grenzflusseinstellung“ einmal am anderen Ufer mitten im Hafen ausgesetzt, braucht er Jahre, um sich zu orientieren und wieder herauszufinden.

Immerhin ist spätestens seitdem im Jahr 2013 sowohl die Internationale Gartenausstellung als auch die Internationale Bauausstellung auf der Elbinsel Wilhelmsburg stattfanden, vielen dieses Areal mehr als ein bloßer Begriff. Die seinerzeit entstandenen Bauten und der Wilhelmsburger Inselpark, jenes mittlerweile umgestaltete ehemalige Gartenschaugelände, ziehen weiter an. Man weiß jetzt, wo das ist.
Weiterhin kennt jeder all das, was sich am südlichen Flussufer direkt gegenüber von Landungsbrücken, Baumwall oder auch der HafenCity und somit in Sichtweite befindet. Man weiß, in welcher Richtung die Werft liegt  (Blohm + Voss Shipyards, Blohm + Voss Repair, TKMS und nach Umstrukturierung und Verkauf einzelner Geschäftsbereiche weitere Nachfolgefirmen) und hat genauso eine Vorstellung vom Standort der Musicaltheater. Die hat man schließlich vor Augen …
Nur wenn es darum geht zu verraten, wie der Landstrich dort heißt und was sich daneben oder weiter landeinwärts anschließt und präsentiert, werden die Auskünfte schnell dünn. Im Zweifelsfall lautet die Ortsbezeichnung schlicht und einfach „drüben“. Auf der anderen Elbseite eben.

Sie merken, wer hier nicht gerade im Hafen arbeitet oder sich aus anderem Grund regelmäßig dort hinbegibt, für den ist der gesamte Hafenbereich absolutes Neuland, fast schon Terra incognita. Wo welcher Kai ist oder bestimmte Schuppen zu finden sind – ein Rätsel. Welche Hafenzufahrten und Übergänge es gibt, wo sich die einstigen Zollstellen im früheren Freihafengebiet befanden – nicht geläufig.
Ortsangaben wie Kleiner und Großer Grasbrook oder Steinwerder genauso wie Namen von Hafenbecken geben nur einen groben Anhaltspunkt, bestenfalls eine Idee, ob vielleicht eher flussabwärts oder flussaufwärts gemeint sein könnte.
Es ist wie mit den reinen Gewerbegebieten am Stadtrand. Die kennen auch nur die ansässigen Firmen und die Spediteure. Dort wohnt keiner, folglich fährt man aus privatem Anlass nie hin. Und wer einen Ausflug plant, der wählt nicht gerade dieses Ziel. Es ist einfach keine wirklich reizvolle Spaziergegend. Daran ändern auch phantasie- und klangvolle Namen nichts.
Um wieder zum Hafen zurückzukommen: Wer sich für die großen Pötte interessiert und Shipspotting machen möchte, postiert sich viel eher entlang der Elbe und beobachtet dort das Ein- oder Auslaufen. Oder geht für die Cruise Liner direkt zum Kreuzfahrtterminal nach Altona bzw. zum Cruise Center HafenCity, beide nördlich der Elbe. Das allerneueste Terminal direkt im Hafengebiet (auf Steinwerder) wird etwas ignoriert. Das Hinkommen ist umständlich, fast eine Weltreise.

Was aktuell wo und wie im Hafen genutzt wird, wie der Hafen von heute aussieht  – das entzieht sich einfach der Kenntnis. Glauben Sie mir, das stört einige Hamburger selbst gewaltig! Und so haben nicht wenige Einheimische inzwischen wie Touristen eine der Barkassenfahrten durch Hamburgs Hafen unternommen und nun endlich zumindest eine grobe Idee von den Ausmaßen oder der Lage der einzelnen (Halb-)Inseln und bestimmter Kais.

Welche Eindrücke entstehen, ist abhängig davon, mit welcher Ecke des Hafens jemand in Berührung kommt. Aus dem Anblick eines sehr begrenzten Geländes, der im Grunde genommen nur für einen „Zipfeleindruck“ sorgt, ergibt sich allerdings meist die Vorstellung, dies sei der Charakter und Zustand des gesamten Hafens.

Hafen Hamburg mit alten Fahrzeugen und Anlagen

Hafen Hamburg mit alten Fahrzeugen und Anlagen

Die eine Überzeugung ist dann die, dass es überall rostig ist. Ausnahmslos. Wo Eisen und besonders Eisen und viel Feuchtigkeit aufeinandertreffen, ist tatsächlich der Rost nicht weit.  Traditionsreiche Werftunternehmen, seit fast 140 Jahren auf ihrem Gelände, alteingesessene Zulieferfirmen und Hafenbetriebe, der Schwerpunkt Metallbranche, die Kräne und überhaupt all die Anlagen im Freien, dazu Hallen, Nutzfahrzeuge, Stahlteile und -konstruktionen, Schiffsrümpfe, die nicht alle vorgestern einen neuen Anstrich erhalten haben, die Schienen der Hafenbahn … Rost, Rost, Rost …

Hamburg - Hafen - Rostige Teile an alten Bahnschwellen
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Hafen Hamburg - Am Hafenmuseum (Blick von der Straße auf Außenanlagen mit Van Carrier und Kran)

Hafen Hamburg – Am Hafenmuseum

Nur der Eindruck, dass es überall so sei, täuscht gewaltig. Es kommt entschieden darauf an, wo man ist!

Die völlig andere Wahrnehmung ist deshalb auch die von einem sehr modernen Hafen mit riesigen (und rostfreien) technischen Anlagen für die Containerabfertigung (Containerterminal Altenwerder u. a.), mit großen, oftmals frisch in Dienst gestellten Frachtern, die an den Kais mit Hilfe von Hightech entladen oder für die nächste Reise beladen werden.

Zwei sehr unterschiedliche Hafeneindrücke also von den Bereichen direkt am Wasser.

Hafen Hamburg - Containerverladung ... (Frachter von Maersk)

Hafen Hamburg – Containerverladung …

Speziell am Abend mit Beleuchtung wirken hoch aufragende Anlagen besonders futuristisch.

Hamburg - Hafen - Containerterminal Altenwerder (Krananlagen im Abendlicht)

Hamburg – Hafen – Containerterminal Altenwerder

 

Die dritte Wahrnehmung betrifft die Wirkung, die der Landanteil auf einen Betrachter hat. Das große Gebiet mit langen Gleisstrecken, vor allem aber mit seinen sowohl zahl- als auch verkehrsreichen Straßen, die sämtliche Teile des Hamburger Hafens durchziehen, alle Anlagen und Kais zugänglich machen und miteinander verbinden.
Kein inspirierender Anblick. Bis auf kleine Ausnahmen trostlos, öde, hervorgerufen auch durch schnurgeraden Straßenverlauf (Veddeler Damm) und verstärkt durch den Anblick unzähliger LKW. Stets Staus, Lärm und schlechte Luft an den neuralgischen Punkten. Ständig wechselnde Baustellen. Immer wieder Sperrungen, Umleitungen. Oft über lange Strecken ein sehr eintöniges Bild zur Linken und zur Rechten.
Hier wächst ja kaum irgendwo ein Baum! Weder zur optischen Abwechslung noch zur Luftverbesserung. Eine Gegend, in die es einen nicht unbedingt zieht. Es fehlen Grün, sichtbare Menschen und Farbe.
Hafen ist fast ein wenig wie Reeperbahn. Das gleiche Phänomen, meine ich. Beides wirkt erst bei Dunkelheit mit Beleuchtung richtig schön.

Und bisher nahm ich angesichts dieser Eintönigkeit beispielsweise konsequent an, mit der Natur (Fauna und Flora) im Hafen könnte es nicht soweit her sein. Ich wurde eines Besseren belehrt!
Ich hatte zuletzt einige Zeit im Hafen zu tun und war dabei jedes Mal auch draußen unterwegs. In Bereichen, in denen ehemals der Stückgutumschlag stattfand – solange, bis mit dem Aufkommen der Containerverladung an anderer Stelle im Hafen die neuen Terminals entstanden.
Ich stieß auf Gelände, das nicht mehr ständig betreten oder aktiv genutzt wird. Heute sind das aus der Distanz völlig unscheinbar wirkende Hafenfleckchen, in denen nun im Laufe der Zeit und räumlich begrenzt brachlie-
gende Flächen entstehen. Boden, der so auf einmal für bestimmte Pflanzen und einige Tierarten als Lebensraum interessant wird.

Wo mehr Licht hinfällt, wachsen die Pflanzen auch höher ... (zwischen gestapelten Schwellen und Gleisen)

Eroberung des freien Raums. Wo mehr Licht hinfällt, geht es in die Höhe …

 

Überall dort, wo eine gewisse Ruhe eingekehrt ist und obendrein Gegenstände abgestellt bzw. Materialien deponiert sind, die Schutz vor Wind und Kälte bieten, stattdessen womöglich sogar Wärme speichern, entsteht ein neues Kleinklima. Zusätzlich erholt sich der Boden, und schon siedelt sich etwas an.

An den ablegten, alten Bahnschwellen siedeln sich Pflanzen an ....

An den ablegten, alten Bahnschwellen siedeln sich Pflanzen an ….

 

Platz zum Ansiedeln gefunden ... (Keimling in den Ritzen alter Bahnschwellen)

Platz zum Ansiedeln gefunden …

Überall dort, wo nicht ständig aufgeräumt wird oder permanent Betrieb durch Mensch und Maschine herrscht, wird zudem Abgestelltes und Ungenutztes von Vertretern der Tierwelt umfunktioniert und als Nistplatz oder Unterschlupf verwendet.

Im Aufbau eines außer Betrieb genommenen Krans haben in luftiger Höhe Schwalben ihr Nest gebaut. Und dann begegnete mir noch etwas, was ich überhaupt nicht zu sehen erwartet hatte: Bachstelzen!  Natürlich ist mit der Elbe ein Gewässer in der Nähe, doch rein gefühlsmäßig hört sich allein das Wort Bachstelze doch mehr danach an, dass sich der betreffende Vogel statt auf einer relativ kargen Grasfläche viel eher in einer mehr idyllischen und etwas fruchtbareren Umgebung und wahrscheinlich nahe eines leise glucksenden Rinnsals bewegt.
Stattdessen ist diese Bachstelze nun Anwohner eines großen Stroms und kommt offensichtlich mit ziemlich wenig Baum- und Grünangebot in ihrem Umfeld aus.

Bachstelze auf Hamburger Hafengebiet

Bachstelze auf Hamburger Hafengebiet

Es wird verständlicher, wenn Sie einmal einen genaueren Blick auf die Umgebung werfen. Diese Vögel nisten gern in Steinhaufen oder Holzstapeln, was beides hier in Form von abgelegten Bahnschwellen oder angehäuftem Granitgestein vorhanden ist. Nester polstern sie mit Vorliebe mit Moos aus. Auch das ist zu finden. Würmer und Spinnen gibt es mit Sicherheit ebenso. Und die Wasserqualität der Elbe hat sich gebessert! Sehr viel mehr Vogelarten als früher nutzen inzwischen den Hafen auch als Durchzugsgebiet. Legen hier Zwischenstopps ein.

Hamburg - Hafen - Bahnschwellen gestapelt

Hafen Hamburg – Bahnschwellen gestapelt – Oder platzsparende Gleisverlegung ..?

Silbermöwen gibt es reichlich. An der Elbe nicht weiter verwunderlich, nur was mich verblüfft, ist, dass sie hier im Hafenbereich auf den Dächern der Gebäude brüten. Sie sind wirklich schlau; reagieren mit Anpassung auf die veränderten Umstände und Gefahren in der Stadt. So weit oben ist ihr Gelege sicher vor Feinden, deren Zahl rasant zugenommen hat. Füchse, Ratten etc. kommen dort nicht heran …

Wissen Sie, was unvorteilhaft ist?
Wenn Sie im Hafengebiet als Handyklingelton für eingehende Anrufe – so wie ich –  Möwengeschrei ausgewählt haben! Ursprünglich hatte ich mir diese Variante ausgesucht, weil ich auf Musiktitel schwer reagiere, es nicht als Telefonalarm interpretiere. Bei Möwengeschrei und Wellenrauschen wusste ich bisher immer sofort, ich muss ran.
Im Hafen hatte ich nun alle zwei Minuten das Problem herauszufinden, wer diesmal das Geschrei fabrizierte. Meist war es O-Ton Möwe, die direkt über mir Flugmanöver ausführte. Zweimal bedeute der Lärm allerdings auch tatsächlich eingehende Anrufe. Ich bin ja mittlerweile überzeugt, nicht nur mich hat das alles irritiert. Auch die Möwen wirkten verdutzt über dieses Konkurrenzgebrüll aus meiner Tasche.

Sollten Sie einmal im Hafen landen und dort auf besagtes ruhigeres Gelände treffen, gehen Sie ab und zu in die Hocke und betrachten Sie so die Landschaft. Vieles sieht aus dieser Perspektive gleich ganz anders aus! Ihr Blick geht dann nicht in die mäßig attraktive Ferne, sondern richtet sich auf die Nähe. In dieser tiefen Position wirken Größen anders und Sie nehmen so viel besser die zarten Gewächse wahr, die etwas scheu aus dem Boden hervorschauen.

Pflanzenvielfalt auf Brachflächen im Hamburger Hafen - In Bodennähe ...

Pflanzenvielfalt auf Brachflächen im Hamburger Hafen – In Bodennähe …

 

Hamburg - Hafengelände - Das Holz alter Bahnschwellen wächst langsam ein ...

Hamburg – Hafengelände – Das Holz alter Bahnschwellen wächst langsam ein …

Im Hafengebiet lebt übrigens eindeutig eine nicht unerhebliche Anzahl von Kaninchen! In der Dämmerung finden wahrscheinlich große Treffen und Partys statt, jedenfalls nach der Anzahl der vorhandenen Ködel zu urteilen. Ich würde sagen, eine Quote von 40-50 Stück pro Quadratmeter. Ködel, nicht Kaninchen.
Schauen Sie vorsorglich ein bisschen genauer, wenn Sie nicht nur in die Hocke gehen, sondern im Begriff sind, ganz auf dem Boden Platz zu nehmen.

Sie sehen, es gibt Überraschendes im Hafen. Natürlich auch viel Geschichtliches! Besondere Gebäude, Abstraktes, was eher zufällig entstand und so blieb. Technik! Aber dazu muss man halt einmal hin, um es zu entdecken.
Sollten Sie auf Entdeckung gehen, erzählen Sie doch bitte hinterher, worüber Sie gestolpert sind.
Es interessiert mich sehr!

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© by Michèle Legrand, April 2016
Michèle Legrand ©Foto Andreas Grav (Ausschnitt)

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Hafenmuseum Hamburg: Saisonstart 2016 und Lange Nacht der Museen

Kennen Sie schon das Hafenmuseum Hamburg? Bitte im ersten Moment nicht mit dem Maritimen Museum (Schifffahrtsmuseum, International Maritime Museum) in der HafenCity verwechseln!
Ich spreche von dem Museum, welches sich im ehemaligen Freihafen befindet und bei dem nicht nur das eigentliche Gebäude und die dort untergebrachten Exponate sehr speziell sind, sondern auch das Areal, auf dem es sich nebst seinen Außenattraktionen befindet. Es spielt eine ganz entscheidende Rolle.

Hamburg - Kaianlagen am Hafenmuseum

Hamburg – Kaianlagen am Hafenmuseum

Das Hafenmuseum Hamburg ist in einem über 100 Jahre alten Kaischuppen untergebracht, dem Schuppen 50A, der wiederum Teil einer historischen Strecke ist, zu denen ursprünglich die Schuppen 50 bis 53 gehörten.
Wo das ist? Sie haben gerade gar keine Vorstellung vom Hafen und seiner Aufteilung? Der Lage der Schuppen?
Sehen Sie die Elbe vor sich? Denken Sie sich von den Landungsbrücken flussaufwärts. Sie kommen an der Elphilharmonie vorbei und ungefähr in Höhe der neuen HafenCity hat die Norderelbe gegenüber einen Abzweiger. Genau an der Insel, die sich Kleiner Grasbrook nennt. Folgen Sie gedanklich diesem abzweigenden Elbteil ein Stück.

Hamburg - Hansahafen - Richtung Norderelbe und HafenCity mit Elbphilharmonie gesehen (2015)

Hamburg – Hansahafen – Richtung Norderelbe und HafenCity mit Elbphilharmonie gesehen (2015)

Stellen Sie sich nun eine Landzunge mit Kais zu beiden Seiten vor. Der Elbarm umschließt besagte Landzunge und bildet auf der einen Seite den Hansahafen mit dem Bremerkai. Dort wurden die Schuppen 50 und 51 erbaut. Etwa zur selben Zeit (zwischen 1908 und 1912) entstanden auf der anderen Seite, am zum Indiahafen hin gelegenen Australiakai, die Schuppen 52 und 53.
Den Schuppen 53 hat man im Frühjahr 2002 abgerissen, Nr. 50-52 sowie ein Wohnhaus für Kaibeamte an der Stirnseite hingegen stehen seit dieser Zeit unter Denkmalschutz  – und ansonsten betrachten Sie diese Anlage als das letzte geschlossene Kaiensemble aus der Kaiserzeit.

Hamburg - Elbe - Hansahafen mit Kaispeicher 52A

Hamburg – Elbe – Hansahafen mit Kaispeicher 52A

Wenn exakt in dieser geschichtsträchtigen Umgebung, direkt am Kai und umgeben von vielen früher genutzten (schwimmenden) Fahrzeugen und Gerätschaften, ein Hafenmuseum seinen Sitz hat, dann hat das Flair. Manchmal ein etwas rostiges, doch die Atmosphäre trägt entschieden dazu bei, dass man als Besucher und Betrachter Geschichte und Entwicklung des Hafens, des Seegüterumschlags und des Schiffbaus sehr lebendig erlebt und leicht nachvollziehen kann.

Hamburg - Am Hafenmuseum - VanCarrier/Portalhubwagen - (7/2015)

Hamburg – Am Hafenmuseum – VanCarrier/Portalhubwagen – (7/2015)

Draußen finden Sie VanCarrier oder Portalhubwagen, wie sie im Deutschen heißen. Weiterhin Fahrzeuge, die in der Anfangszeit des Containerumschlags für den Betrieb des Terminals eingesetzt wurden. Am Ponton liegt u. a. die Kastenschute H 11327 und es gibt z. B. auch den fast 100 Jahre alten Schwimmkran Saatsee sowie den ebenso alten Schutendampfsauger Sauger IV.

Hamburg - Der alte Schutendampfsauger (Sauger IV) im Hansahafen ...

Hamburg – Der alte Schutendampfsauger (Sauger IV) im Hansahafen …

Da jetzt am Sonnabend (9. April 2016) in Hamburg die Lange Nacht der Museen stattfindet, an der sich auch das Hafenmuseum beteiligt, haben Sie die Gelegenheit, die betagten, aber nichtsdestotrotz einsatzfähigen Fahrzeuge, einmal direkt in Aktion erleben. Die eindrucksvollen Dampfanlagen werden dafür extra in Betrieb genommen!
Und es wird Tauchgänge in die Elbe mit dem Kupferhelmtauchgerät geben!

All die Gegenstände, die nicht ans Wasser gebunden oder generell besser drinnen aufgehoben sind, sind auf insgesamt 2.500 qm in Schuppen 50A untergebracht. Dort hat das Hafenmuseum seinen Sitz.
Eigner der gesamten 50er Strecke ist die Stiftung Hamburg Maritim, die sich auch darum kümmert, dass alles an den Gebäuden denkmalkonform restauriert und der am Bremerkai liegende Frachter MS Bleichen instand gesetzt wird. Man sorgt sich um die historische Hafenbahn genauso wie um die dort befindlichen Kräne.

Hamburg - Kaianlagen am Hafenmuseum - Kräne gucken ....

Hamburg – Kaianlagen am Hafenmuseum – Kräne gucken ….

Das Hafenmuseum ist übrigens eine Außenstelle des Museums für Arbeit (Hamburg-Barmbek).
Auch eine recht interessante Entwicklung! Bereits seit 1986 hat man dort die maritimen Sammlungsstücke aus den letzten 100 Jahren zusammengetragen, begann ab 1999 alles Zusammengestellte aus Güterumschlag, Schiffbau und Schifffahrt sowie Meerestechnik am zukünftigen Museumsstandort im Hafen zu konzentrieren, und offizielle Geburtsstunde für das heutige Hafenmuseum Hamburg war schließlich der 1. Januar 2008.

Hamburg - Hansahafen - Die alte MS "Bleichen" liegt nach Verschönerung auch wieder am Bremerkai ...

Hamburg – Hansahafen – Die alte MS „Bleichen“ liegt nach Verschönerung auch wieder am Bremerkai …

Die neunte Saison wurde gerade am vergangenen Sonntag (3. April) eröffnet. Mit dem Shanty-Chor der HHLA, mit frischem Kuchen aus der Kaffeeklappe, mit Ansprachen, Sekt, einer Fahrt auf dem alten Feuerlöschboot Repsold im Hansahafen u. v. m.  Saisoneröffnung deshalb, weil das Museum jeweils in den Wintermonaten von Anfang November bis Ende März schließt. Der Kaischuppen ist ein Gebäude, das in leichter Holzbauweise errichtet wurde und unbeheizt ist. Daher sind die Räumlichkeiten im Winter einfach zu kalt für Publikumsverkehr und längeren Aufenthalt.

Dennoch wird weitergearbeitet. Von der fest angestellten Belegschaft, die im Kopfgebäude (gemauert und beheizt) weiter aus den Büros agiert, und von den zahlreichen Ehrenamtlichen, die sich auch von Kälte nicht unbedingt abhalten lassen.
Sie glauben gar nicht, wie viele sich dort engagieren und langfristig mitmischen, auf diese Art den Betrieb des Museums überhaupt erst möglich machen! Beim Räumen, Archivieren, Führen der Besucher, beim Übernehmen der Aufsicht, beim Instandsetzen, Pflegen, Herrichten, Auftreiben, Reparieren … Es werden beispielsweise viele Exponate zunächst restauriert und dadurch erst ausstellungsreif gemacht!
Ein anderes Langzeitprojekt ist der Bau einer Jolle nach alten (kaiserlichen) Plänen. Sie entsteht in Spantenbauweise als Gemeinschaftsarbeit von Schülern einer Klasse der Stadtteilschule Wilhelmsburg und ihren Mentoren des Hafenmuseums bzw. ihrem Lehrer.

Hamburg - Hansahafen - Kranparade mit Rost ....

Hamburg – Hansahafen – Kranparade mit Rost ….

Ein Großteil der freiwilligen Mitarbeiter hat eine besondere Verbindung zum Hafen. Diese Menschen haben ursprünglich dort gearbeitet (die sogenannten Hafensenioren) oder sind immer noch im Hafen tätig. Viele sind also Teil der Geschichte und Entwicklung, kennen Techniken und Fertigkeiten, die es heute so gar nicht mehr gibt, weil sie überholt sind. Sie haben zahlreiche Veränderungen hautnah miterlebt und können daher einiges aus früheren Zeiten erzählen.
Das werden sie übrigens auch anlässlich der Langen Nacht der Museen! Sollten Sie keine Gelegenheit haben an diesem Abend, treffen Sie sie sonst beim regulären Besuch des Museums und haben die Möglichkeit, ihnen Ihre bereits unter den Fingernägeln brennenden Fragen zu stellen. Wenn es Sie packt, können Sie sogar eine komplette Führung buchen!

Hamburg - Hansahafen - Am Bremerkai / Ponton (alte Boote)

Hamburg – Hansahafen – Am Bremerkai / Ponton

Was momentan alle dort beschäftigt, ist die Frage, wie die Zukunft des Museums aussehen wird. Es ist nicht von Schließung bedroht, es geht um etwas anderes.
Vielleicht haben Sie dazu im letzten November eine Nachricht aus den Medien vernommen. Seinerzeit hat der Bund in Berlin den Hamburgern erhebliche finanzielle Mittel zugesagt. Es erfolgte die Zusicherung eines Betrags von insgesamt 120 Mio. Euro, der einerseits für die Schaffung eines großen Deutschen Hafenmuseums gedacht ist und gleichzeitig die Überführung (Rückführung aus New York) und Restaurierung der „Peking“ sowie die Einrichtung eines Liegeplatzes für den historischen Viermaster mit einschließt. Der Flying-P-Liner soll anschließend als Ausstellungsstück Teil des Museums werden.

Hamburg - Hansahafen mit alten Kränen - Kabelrolle ...

Hamburg – Kaianlagen am Hafenmuseum

Nun stellt sich natürlich die Frage, ob für ein großes Deutsches Hafenmuseum der alte Standort beibehalten und der zur Verfügung stehende Raum in irgendeiner Form erweitert wird (angrenzender Schuppen?) oder ob an ganz anderer Stelle ein Neubau entsteht.
Anderer Standort? Womöglich gar nicht an der Elbe?
Wäre ein Hafenmuseum ohne Hafen und ohne Kaianlagen ein richtiges, ein echtes Hafenmuseum? Was wäre mit  den schwimmenden Objekten, die doch dazugehören und alles erst komplett machen?

Und was sicher auch gut im Auge behalten werden muss, ist die Tatsache, dass die „Peking“, die kurz vor der Verschrottung stand, sich in einem mehr als desolaten Zustand befindet. Ihre Restaurierung ist folglich umfangreich. Ein Umstand, der schnell dazu führen könnte, dass sich da das berühmte Fass ohne Boden entwickelt. Nicht unvorstellbar, dass sie klammheimlich einen Großteil des genehmigten Geldes schluckt und am Ende nur noch ein Bruchteil des Ursprungsbudgets für das dann immer noch zu schaffende Deutsche Hafenmuseum zur Verfügung steht.
Im November 2015 war kurzzeitig einmal von einer Aufsplittung der Gesamtsumme die Rede. 94 Mio. Euro für das Museum, 26 Mio. Euro für die „Peking“. Ob es dabei bleibt? Zwei separate Geldtöpfe von Anfang an scheinen ratsam …

Auf jeden Fall wäre es dem Hafenmuseum Hamburg und seinem engagierten Team sehr zu wünschen, dass sie für ihre Sammlung weiteren Platz und für ihre Arbeit zusätzliche Mittel erhalten. So viel wurde und wird bisher durch die Stiftung, durch nicht unbeträchtliche private Spenden und den enormen und unermüdlichen Arbeitseinsatz Freiwilliger realisiert. Was diese Arbeitszeit allein umgerechnet schon für einen Riesenbetrag darstellt!
Dies wird auch weiterhin notwendig sein, denn die angekündigten Berlin-Mittel gelten nicht für hinterher, für die laufenden Betriebskosten nach Eröffnung. Deren Finanzierung wäre ein Fall für den Hamburger Kulturetat – oder mit anderen Worten: Man ist weiter auf Unterstützung von privater Seite und durch die Stiftung angewiesen.

Hamburg - Hafenmuseum - Am Kai (Sauger IV und Kräne im Hintergrund)

Hamburg – Hafenmuseum – Am Kai – Dampfschutensauger „Sauger IV“

Ein Deutsches Hafenmuseum. Das klingt nicht schlecht. Eine Stadt wie Hamburg, mit dem größten deutschen Hafen und der Wichtigkeit, die dieser für sie hat, sie sollte doch idealer Standort für ein zukünftig zusätzlich überregional aktives und mehr als nur Hamburgs Hafengeschichte präsentierendes Hafenmuseum sein. Obendrein ein Museum, welches nationale und weltweite Bezüge und „Verstrickungen“ verdeutlicht.

Die Planung ist gestartet. Eine Fertigstellung ist für das Jahr 2021 anvisiert. Bis dahin ist noch ein wenig Zeit. Doch bis es soweit ist, gibt es auf jeden Fall das bestehende Hafenmuseum Hamburg mit seinen vielen Aktivitäten und vielseitigem Programm.
Schnuppern Sie ruhig anlässlich der Langen Nacht der Museen einmal herein.

Wie Sie zum Museum hinkommen, zusätzliche Programmdetails etc. finden Sie hier.

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© by Michèle Legrand, April 2016
Michèle Legrand - freie Autorin - ©Fotograf Andreas Grav

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Uwe und Polstjernan – Unterwegs am Strand von Blankenese!

Sie haben es bestimmt über die Medien verfolgt, als in den letzten Wochen zwei Schiffe massive Probleme während ihrer Fahrt auf der Elbe bekamen. Im ersten Fall betraf es etwa 30 km von Hamburg flussabwärts auf niedersächsischem Gebiet einen der weltweit größten Frachter, die „CSCL Indian Ocean“. Das Schiff lief nach einem Problem mit der Ruderanlage bei Lühe (nahe Wedel) auf Grund, kurz danach blieb als zweites die im Vergleich dazu relativ kleine „Sandnes“ im Schlick im Bereich des Mühlenberger Lochs vor Blankenese, also auf Hamburger Terrain, stecken.

Mittlerweile sind beide wieder frei, sie werden hier also nicht als Schiffsleichen am Elbufer vor sich hinrosten und nächsten Generationen in Form von Wracks präsentiert.
Sie wundern sich möglicherweise, doch grundsätzlich ist dies nicht abwegig oder auszuschließen! Was Sie vielleicht noch nicht wissen (zumal wenn Sie nicht an der Elbe leben oder von dort stammen) ist, dass entlang des Ufers bis etwa zur Elbmündung bei Cuxhaven schätzungsweise 30-40 Wracks zu finden sind. Nicht immer gut sichtbar, bei Ausgrabungen stieß man allerdings an einigen Stellen auf Überreste der Rümpfe oder fand andere Teile der Schiffsausrüstung.
Es sind jedoch auch Wracks vorhanden, die als solche deutlich erkennbar sind – zumindest bei Ebbe!

Heute würde ich Ihnen gern solche Überreste zeigen und dazu geht es nach Blankenese.
Wenn Sie vom Fähranleger, der Ponton hat den Namen „Op’n Bullen“, am Strand elbabwärts gehen, erreichen Sie die Stelle nach etwa einem halben Kilometer.

Hamburg - Fähranleger Blankenese (Ponton Op'n Bulln) - gegenüber Airbus (Finkenwerder)

Hamburg – Fähranleger Blankenese (Ponton Op’n Bulln) – gegenüber Airbus (Finkenwerder)

Auf dem Weg dorthin passieren Sie das Blankeneser Leuchtfeuer

Hamburg - Trübes Wetter an der Elbe bei Blankenese ... (Blick auf den Leuchtturm)

Hamburg – Trübes Wetter an der Elbe bei Blankenese …

Wenn Sie sich vorstellen sollten, was Schiffen – speziell den heutigen Wracks, zu denen wir gleich kommen – einst zustieß, was geht Ihnen dazu als erstes durch den Kopf? Was vermuten Sie, wodurch Havarien entstanden? Was sehen Sie als die Ursachen für ein Auflaufen auf Sandbänke, welchen Grund könnte es für ein Verlassen der gekennzeichneten Fahrrinne geben? Überhaupt – gehen Sie automatisch davon aus, dass der Fundort eines Wracks auch identisch mit dem Ort des Schiffsunglücks ist? Dort gekentert, gesunken und geblieben?
Vielleicht fallen Ihnen technische Defekte ein. Falsche Anzeigen, Maschinenausfälle etc. Oder ungünstige Wetterbedingungen. Schlechte Sicht!
Bei den erst unlängst im Elbschlick feststeckenden Schiffen lag es nicht an mangelnder Sicht. Auch herrschten weder Sturm noch schwerer Wellengang.
Für das Binnenschiff „Uwe“ allerdings, dessen Heck seit 1975 am Falkensteiner Ufer aus dem Sand herausragt, war hingegen tatsächlich Nebel der Auslöser einer recht verwickelten und folgenschweren Kollision.

Hamburg - Wracks am Falkensteiner Ufer bei Blankenese - Heck der "Uwe"

Hamburg – Wracks am Falkensteiner Ufer bei Blankenese – Heck der „Uwe“

19. Dezember 1975. Die Sicht ist extrem schlecht. Dichter Nebel hängt in der Luft wie eine undurchdringliche Wand. Wenig Chancen, dass es aufreißt, die dichte Masse hält sich sehr hartnäckig über dem Wasser.
Wie die „Uwe“ ist an diesem Tag Frachter „Wiedau“ bei einer Sicht von unter 50 m ebenfalls auf der Elbe unterwegs und hat die Absicht, die langsamere „Uwe“ zu überholen. Der Kapitän sieht auf dem Bildschirm des Radargeräts erwartungsgemäß das Signal des Binnenschiffs. So weit ist alles unter Kontrolle. Doch dann ändert sich schlagartig die Situation, denn völlig unerwartet ertönt ein weiteres Signal! Die „Mieczyslaw Kalinowski“ aus Polen taucht wie aus dem Nichts aus der Gegenrichtung auf, und bevor der Kapitän der „Wiedau“ noch irgendwie reagieren kann, kollidiert der polnische Frachter mit seinem Vorschiff. Die Wucht des Stoßes drückt es nach Steuerbord. Die „Wiedau“ dreht sich daraufhin und gerät genau in den Kurs des Binnenschiffs „Uwe“. Es wird durchtrennt!
Der Schiffsführer der „Uwe“ kann sich im letzten Moment aus seinem Ruderhaus befreien und ins ziemlich kalte Wasser entkommen. Er gelangt von dort aus an Bord der „Wiedau“, die jedoch kurz darauf ebenfalls kentert …
Innerhalb kürzester Zeit entsteht eine höchst dramatische Lage!

Wie es ausging? Als klar war, dass auch die „Wiedau“ untergeht, sprangen 16 Mann in die Fluten. Zum Glück hatte es sie alle nicht draußen auf hoher See erwischt. Das rettende Ufer war in erreichbarer Nähe – dennoch überlebten zwei Besatzungsmitglieder diese folgenreiche Kollision nicht. Die restlichen Verunglückten schafften es zum Anleger Wittenbergen und wurden von Anwohnern, die natürlich den Krach der Kollisionen mitbekommen hatten und hinausgeeilt waren, versorgt.

Hamburg - Ebbe an der Elbe - Das Heck der "Uwe" am Falkensteiner Ufer ragt aus dem Schlick

Hamburg – Ebbe an der Elbe – Das Heck der „Uwe“ am Falkensteiner Ufer ragt aus dem Schlick

Wie kompliziert es war, die „Uwe“ danach aus dem Elbschlick zu heben, können Sie hier lesen.
Der Bug der „Uwe“ ließ sich hinterher noch zerlegen, aber das Heck war zu schwer und blieb am Falkensteiner Ufer.

Der für die „Uwe“ verwendete Hebeponton der Firma sank übrigens kurz darauf während einer Überführung. Die Stadt Hamburg wollte keine weiteren Bergebetriebe an der Elbe. Man fand es nicht so förderlich für den Ruf des „schnellen Hafens“, wenn zum Schutz am Ufer liegender und sehr empfindlicher Bergungsschiffe stets alle vorbeiziehenden Seeschiffe ihre Fahrt drosseln mussten. Man kaufte also das Firmengelände auf, vorhandene Wracks blieben, wo sie waren.

Wie verhält es sich aber mit dem anderen Wrack? War es auch so ein Fall von „ dichter Suppe“ und einem zu späten Wahrnehmen der Gefahr? War dieses Schiff auch in eine Kollision verwickelt? Hier vor Ort?
Der Fall liegt diesmal komplett anders!
Dieses Wrack war einmal ein finnischer Dreimastschoner (andere behaupten, es sei eine Viermastbark gewesen) mit dem schönen Namen „Polstjernan“. Die Reste liegen schon wesentlich länger hier ein kleines Stückchen weiter flussabwärts, in Sichtweite der „Uwe“.

Hamburg - Der Rumpf der "Polstjernan" im Watt vor Blankenese (Falkensteiner Ufer)

Hamburg – Der Rumpf der „Polstjernan“ im Watt vor Blankenese (Falkensteiner Ufer)

Wir gehen 90 Jahre zurück …
Es ist Herbst 1926. Die „Polstjernan“ befindet sich auf dem Weg von Finnland nach England, um dort eine Ladung Holz zu löschen. Sie nutzt dafür den Weg durch den Nord-Ostsee-Kanal. Während der Kanalpassage herrscht an einem Oktobertag plötzlich höchste Alarmstufe, denn – ausgelöst durch den Motor – gerät das Holz in Brand! Die Ladung brennt wie Zunder!
Was tun? Ist das Schiff zu retten? Aber nein, wir stehen ja heute vor dem Wrack. Nur das liegt doch am Hamburger Elbstrand … Rätselhaft.

Die Geschichte entwickelte sich folgendermaßen weiter:
Der Kanal durfte durch ein brennendes Schiff nicht in seiner Funktion als rege frequentierte Wasserstraße beeinträchtigt werden, also musste das Hindernis aus dem Weg. Schlepper brachten die „Polstjernan“ zum Kanalausgang nach Brunsbüttel. Mit Tauhilfe ging es durch die Schleusen. Damit war die Aufgabe vorerst erledigt, und der arg mitgenommene Schoner wurde drüben bei Grimmershörn (Höhe Cuxhaven) auf Sand gesetzt. Kommt Zeit, kommt Rat …

Etwas später beauftragte die Versicherung einen Hamburger Schlepper mit der Bergung.
Den Auftrag erhielt eine Firma, die ihr Gelände am Falkensteiner Ufer hatte, der Taucherbetrieb von Friedrich Matthias Harmstorf. Die Firmenbezeichnungen variieren ein wenig, was dadurch bedingt ist, dass es sich um eine ganze „Unterwasser-Dynastie“ handelt und der Betrieb im Laufe von Jahrzehnten immer wieder an Familienangehörige weitergegeben wurde oder sich weitere Betriebe gründeten, wodurch sich die Firmierung änderte bzw. mehrere existierten.
Schon vor dem Ersten Weltkrieg wurden Schiffswracks zu Harmstorf holt. Die Bergung war damals so etwas wie eine Attraktion für alle, etwas, das fast schon zur Unterhaltungsshow wurde. Es gab einen Landesteg, ein Ausflugslokal, ein Hotel, Tauchervorführungen, sogar einen Unterwassermalkünstler!
Dieses bunte Treiben beendete der Erste Weltkrieg. Nach 1918 konzentrierte man sich auf das Bergen und Tauchen. 1926 holte Harmstorf also die „Polstjernan“ (wie auch Jahrzehnte später die „Uwe“) an den Elbstrand, wo man allerdings feststellte, dass nichts mehr zu retten war.
Der Rumpf wurde daraufhin mit Steinen verfüllt und blieb als Wellenbrecher dort liegen.

Natürlich fordern Wetter, heftige Stürme und harte Winter ihren Tribut. Jede Flut nagt an ihm! Wer weiß, wie viele Jahre ihm noch bleiben, bevor er komplett auseinanderfällt.

Hamburg - Blankenese - Wrack der "Polstjernan", das langsam zerfällt ...

Hamburg – Blankenese – Wrack der „Polstjernan“, das langsam zerfällt …

Warten Sie also nicht zu lang, wenn Sie vorhaben, es sich selbst anzuschauen und achten Sie auch darauf, dass Sie nicht gerade bei Flut eintreffen. Dann ist nichts von allem zu sehen.

Auch bei Ebbe ist es übrigens sehr schön am Elbufer!

Hamburg - Ebbe an der Elbe an einem grauen Wintertag

Hamburg – Blankenese – Ebbe an der Elbe

 

Hamburg - Blankenese - Immer noch ablaufend Wasser ...

Hamburg – Blankenese – Ebbe und immer noch ablaufend Wasser …

Ach ja, und passen Sie auf, wenn in der Zeit Eule am Strand ist. Eule ist ein halbhoher, lebhafter hellbrauner Hund. Rasse unbekannt. Sein Frauchen warf für ihn Stöckchen ganz in meine Nähe, als ich im Watt stand und die Wracks betrachtete.
Eule hatte konsequent die Flugbahn des Stocks verfolgt, beim Vorpreschen also Richtung Himmel geschaut. Der Sausewind raste direkt auf mich zu, bemerkte mich allerdings erst im allerletzten Moment als im Weg stehend und bremste daher abrupt und scharf. Unmittelbar vor meinen Füßen. Eule, sehr sportlich, stellte sich dabei quer, wie Skifahrer es nach der Abfahrt mit ihren Skibrettern zu pflegen tun. Der feuchte Sand spritzte gehörig auf und – zack! – schon hatte ich eine graugelbliche Besprenkelung bis hinauf zur Taille. Frauchen entschuldigte sich postwendend. Gleich mehrfach wurde mir ein entsetztes „Oh, Verzeihung! Das tut mir leid!“ zugerufen.
Und der Hund zu meinen Füßen? Der ließ die Ohren hängen und schaute, als wäre er dabei erwischt worden, als er Steaks vom Teller klaute.
Ich erinnerte Eule an das Stöckchen, klopfte mich ab und stellte fest: Angekommen war ich sauberer!

Hamburg - Leuchtfeuer Blankenese - Die "Ruth" schippert Richtung Hafen ...

Hamburg – Leuchtfeuer Blankenese – Die „Ruth“ schippert Richtung Hafen …

Konnte man so noch durch das feine Blankenese spazieren? Ich beschloss: man kann!
Wenn Sie sich jetzt nicht an Sandresten stören, kommen Sie gern noch ein Stückchen mit.

Zum Beispiel ins Treppenviertel, das sich am Elbhang ausbreitet. Über zahllose, teilweise recht enge und steile Treppen sind kreuz und quer die Gründstücke bzw. Häuser miteinander verbunden. Und man kommt auf diese Art natürlich vom Berg hinunter an den Strand. Wer derart steil am Hang wohnt, überlegt sich häufig Hilfsmittel, die den Transport von Gegenständen vom Haus zur Straße und umgekehrt erlauben.
Zum Beispiel Schienen für Transportkörbe …

Hamburg - Blankenese - Treppenviertel - Transporterleichterung in höhere Lagen ...

Hamburg – Blankenese – Treppenviertel – Transporterleichterung in höhere Lagen …

Norddeutschland, alles flach … unendliche Weiten …. Denken ja viele. Auch Sie vermuten wahrscheinlich gar nicht, wie gewaltig es hier hoch und runter geht. Es ist so ausgeprägt, dass an den Straßen Schilder die Auto- und Radfahrer vor dem Gefälle warnen! 15 % sind schließlich eine ganze Menge.
Wir sind am Wasberg. Der ist auch vielen Auswärtigen namentlich ein Begriff, denn sobald die Cyclassics stattfinden wird er überregional erwähnt und taucht im Zusammenhang mit strampelnden Rennradfahrern dann im Fernsehen auf.
Auf dem Bild können Sie die Höhenunterschiede ein wenig erahnen; die Straßenanstiege und -abhänge sind entsprechend …

Hamburg - Blankenese - Ordentliches Gefälle am Wasberg ...

Hamburg – Blankenese – Ordentliches Gefälle am Wasberg …

Es ließe sich auch gut wohnen oben am Berg. Sprächen halt nicht die horrenden Grundstückpreise und Miethöhen dagegen. Ansonsten schön, oder?
Wenn sie dort oben säßen, könnten Sie von Ihrem Wohnzimmer aus auf die Elbe herunterschauen.

Hamburg - Blankenese - Es ließe sich auch gut wohnen dort (Blickrichtung Elbe)

Hamburg – Blankenese – Es ließe sich auch gut wohnen dort (Blickrichtung Elbe)

Das folgende Foto zeige ich Ihnen zunächst ohne Kommentar. Was fällt Ihnen als Besonderheit auf?

Hamburg - Blankenese - Goßlers Park (mit Rodelhang und Strohballenauffangvorrichtung)

Hamburg – Blankenese – Goßlers Park

Nichts? Haben Sie auf den unteren Bereich geachtet? … Richtig Strohballen vor dem Zaun!
Und warum? … Stellen Sie sich den Hang einmal mit Schnee vor …
Genau! Im Winter wird der Hang in Goßlers Park zum Rodeln genutzt, und damit keiner in den Zaun rauscht oder womöglich noch weiter auf die viel befahrene Blankeneser Landstraße davor, sind die Ballen als Schutz befestigt worden. Was der Formel 1 ihr Reifenstapel, ist dem Blankeneser sein Strohwall.
Nun fehlt nur der Schnee …

Wir sind wieder im Ort gelandet! Das war’s!
Wir haben gleich den Bahnhof erreicht, und für heute verlasse ich Sie. Wer weiß, vielleicht begegnen wir uns irgendwann bei „Uwe“ und „Polstjernan“ unten am Strand?

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Quellen und fortführende Informationen:

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© by Michèle Legrand, März 2016
Michèle Legrand ©Foto Andreas Grav (Ausschnitt)

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An Bord der Cap San Diego bei Blue Port und Hamburg Cruise Days!

Der Hafen in Blau. Dazu Kreuzfahrttage in Hamburg! Eine Elbfahrt!
Am Freitag ging ich nämlich selbst aufs Wasser. Allerdings nicht an Bord eines Cruise Liners, sondern an Bord eines schönen, alten Frachters. Die Cap San Diego, das große, weiße Museumsschiff, sonst an der Überseebrücke im Hamburger Hafen zu finden, lud zu einer Ausfahrt ein. Eine eingeschränkte Fahrerlaubnis besitzt es nämlich auch heute noch.

Es war eine Miniseereise, wenn Sie so wollen. Ein Stück auf der Elbe Richtung Nordsee, die Wende in Höhe von Blankenese und anschließend bei einsetzender Dunkelheit zurück mit einem Schlenker zur Köhlbrandbrücke und dem Containerterminal Altenwerder. Das alles, um im weiteren Verlauf des Abends einen magisch blau leuchtenden Hafen nicht nur von einem Punkt oder nur von Land, sondern einmal von der Wasserseite aus zu betrachten.
Sie können hier heute mitschauen, wenn Sie möchten.
Wenig Text Bevorzugende wissen jetzt, worum es geht – können sich grundsätzlich also auf die Bilder weiter unten konzentrieren (Einmal scrollen, bitte.) Wer mehr erfahren möchte und zu den gierigen Texteinsaugern (wie ich) zählt, der findet nachstehend einige Einzelheiten.

Hamburg Cruise Days / Kreuzfahrttage

Man sagt, die Kreuzfahrttage sind mehr durch Zufall entstanden.
Vom Prinzip her müssen Sie es sich so vorstellen, als wenn einige grauhaarige Kumpels regelmäßig im gleichen Lokal auftauchen und der geschäftstüchtige Wirt die Zusammenkunft fortan vollmundig unter der Bezeichnung Silver Convention vermarktet. Er schlägt Kapital daraus, sieht Entwicklungspotenzial, und langsam entwickelt sich daraus eine generelle Zusammenkunft beachtlichen Ausmaßes für die reifere Generation.
So ähnlich war es offenbar mit den Kreuzfahrttagen. Als vor einigen Jahren an einem Wochenende zufällig mehrere Kreuzfahrtschiffe gleichzeitig in Hamburg einliefen, kamen schlaue Köpfe auf die Idee, solche Zusammentreffen nicht mehr ganz dem Zufall zu überlassen und die Anwesenheit völlig ungenutzt verstreichen zu lassen, sondern daraus einen klangvollen, zugkräftigen Event zu machen: die Hamburg Cruise Days.
(Kreuzfahrttage dürfen in heutigen Zeiten natürlich nicht mehr Kreuzfahrttage heißen. Das klingt zu bieder, nicht weltmännisch und international genug …)
Gut möglich, dass auch der Abstand von einem zum nächsten Hafengeburtstag zu lang erschien. Ein ganzes Jahr! Mon Dieu! Da könnte man doch …
Nun gibt es sowohl im Mai also auch im September eine große, maritime Veranstaltung, die sich von der HafenCity bis zum Holzhafen und weiter bis nach Altona erstreckt und massenhaft Besucher (Touristen) beschert.

Hamburg - Cruise Days 2015 - Blick auf Elbphilharmonie und Kehrwiederspitze

Hamburg – Cruise Days 2015 – Blick auf Elbphilharmonie und Kehrwiederspitze

Die Hamburg Cruise Days sind seit 2008 im Zweijahresrhythmus abgehalten worden. Bisher in den Jahren mit gerader Jahreszahl, so auch schon 2014, doch man hat sich jetzt entschieden, die Kreuzfahrttage fortan zeitgleich mit der ebenfalls alle zwei Jahre geplanten Leitmesse der Kreuzfahrtindustrie, der Seatrade Europe, zu organisieren. Sie fand gerade auf dem Hamburger Messegelände mit 250 Ausstellern aus über 50 Nationen statt. Auf diese Weise gab es einmal Cruise Days extra, und von nun an werden beide Veranstaltungen in den „ungeraden“ Jahren weitergeführt.

Hamburg - Cruise Days 2015 - Kreuzfahrtgesellschaften präsentieren sich ...

Hamburg – Cruise Days 2015 – Kreuzfahrtgesellschaften und Reedereien präsentieren sich …

Wenn man vernimmt, wie sich dieser Zweig der Reisebranche entwickelt und wie hoch der Zuwachs ausfällt, sind Cruise Days in Hamburg wohl tatsächlich ein Muss!
6,4 Millionen Europäer (plus 30.000 gegenüber dem Vorjahr) unternahmen eine Kreuzfahrt! Die Deutschen sind dabei Europameister mit einem Marktanteil von 28 Prozent (knapp 1,8 Millionen Passagiere)! Auf dem zweiten Platz folgen die Briten. Die Nachfrage ist groß, die Branche freut’s – und natürlich auch die Werften.

Hamburg - Cruise Days 2015 - Feuerboot im Hafen ...

Hamburg – Cruise Days 2015 – Feuerboot im Hafen …

Hier im Hamburger Hafen gibt es pro Jahr ungefähr 180 Cruise Liner, die von den drei Terminals an- und abfahren. Tendenz steigend. (Sie merken, theoretisch könnten mehrmals im Jahr Cruise Days stattfinden, Schiffe wären genügend vor Ort.) Und mit den diversen Kreuzfahrern vor der Nase, steigt das Interesse an Informationen, an Reisen, an Details zu den Schiffen. Bei den Cruise Days präsentieren sich daher während der dreitägigen Veranstaltung die Reedereien und Kreuzfahrtveranstalter. Damit es dabei unterhaltsam zugeht, es auch genügend zu schauen und zu entdecken gibt, findet ein großes Rahmenprogramm statt mit maritimen Märkten, Sport, viel Musik, Aktionen für die Kinder, mit Feuerwerk und mit einer großen Schiffsparade am Sonnabend.

Sieben Kreuzfahrtschiffe kamen in diesem Jahr, schön gerecht verteilt auf alle Tage, sodass Freitag (11.9.)
die Costa neoRomantica und die Amadea vor Ort waren und am Sonnabend (12.9.) Mein Schiff 4, die Europa und die AIDAbella näher inspiziert werden konnten. Den Sonntag verschönten zum Ausklang die
Queen Mary 2 und MSC Splendida.

Hamburg - Cruise Days 2015 - Die Amadea, die gerade betankt wird (am HCC Altona).

Hamburg – Cruise Days 2015 – Die Amadea, die gerade betankt wird (am HCC Altona).

Alle drei Terminals (die sog. Hamburg Cruise Centers, kurz HCC) – in der HafenCity, in Altona und auch der Kronprinzkai auf Steinwerder – wurden genutzt. Wie Sie vielleicht kürzlich vernommen haben, kann die Queen Mary 2 momentan nicht wie sonst in der HafenCity festmachen, sondern muss nach Steinwerder ausweichen. Der vorhandene Schlick in der Elbe hat der riesigen Lady am üblichen Platz nicht mehr ausreichend Tiefgang gewährt.

Abgesehen von den Kreuzfahrtschiffen steuern natürlich noch sehr viele andere Schiffe und Boote in dieser Zeit Hamburg an. Museumsschiffe jeglicher Art beteiligen sich am Geschehen und fahren mit Besuchern auf die Elbe hinaus. Am Tag und in der Dunkelheit – damit alle blau sehen können.

Hamburg - Cruise Days 2015 - Auch Segler sind unterwegs - Im Hintergrund die Fischauktionshalle ...

Hamburg – Cruise Days 2015 – Auch Segler sind unterwegs – Im Hintergrund die Fischauktionshalle …

Blue Port

Die Cruise Days werden bisher nämlich gern mit einer weiteren Veranstaltung kombiniert, die sich in den letzten Jahren in Hamburg etablierte: mit dem Blue Port.
Speziell Hamburger entsinnen sich wahrscheinlich noch an die Blue Goals, diese blau illuminierten Tore des Lichtkünstlers Michael Batz, die in Hamburg vielerorts während der Fußballweltmeisterschaft 2006 installiert waren. Auch wenn hinter beidem (Hafen und Fußball-WM)) eine unterschiedliche Motivation und Aussage steckt, kann man die auffälligen Tore vielleicht als Vorboten, als weiter entwickelte Idee oder sogar als kleine Generalprobe für den Blue Port bezeichnen, den an zahlreichen Stellen blau erstrahlenden Hafen, der sich zuerst 2008 und nun bereits zum fünften Mal auf diese Art präsentiert.

Während das Kunstwerk von Michael Batz schon seit dem 4. September die Nächte und den Hafen attraktiv blau erscheinen ließ, gesellten sich die Cruise Days erst zum Ende des zehntägigen Spektakels hinzu (vom 11. bis zum 13. September 2015). Es geht leider das Gerücht um, dass es Unstimmigkeiten gibt und es eventuell der letzte Blue Port gewesen sein könnte, der in dieser Form bzw. in Verbindung mit den Cruise Days stattgefunden hat …

Wenn derartige Attraktionen in den Hafen locken, wäre es schade, sie zu verpassen – und wenn obendrein sogar die Möglichkeit besteht, dem sehr großen Menschenandrang an den Landungsbrücken – speziell am Abend – zu entgehen und stattdessen etwas Elbluft zu schnuppern, einen Sonnenuntergang auf dem Wasser zu genießen bzw. sich gleichzeitig einen Logenplatz fürs Betrachten des Blue Ports und des Feuerwerks zu sichern, dann sollte man beherzt zugreifen.
Das habe ich getan und war zu diesem Zweck am Freitag vom späten Nachmittag bis in die Nacht an Bord der Cap San Diego.

Cap San Diego

Eine Ausfahrt mit dem weltweit größten, noch fahrtüchtigen Museumsfrachtschiff zu machen, ist schon eine besondere Angelegenheit. Der ehemalige Stückgutfrachter zählt mittlerweile 54 Lenze, ist jedoch exzellent wieder hergerichtet, stets gepflegt und auslaufbereit. Schlank und elegant wirkt er durch seine Linien von jeher.

Hamburg - Cruise Days 2015 - Die Cap San Diego an ihrem Liegeplatz nahe der Überseebrücke (im Hintergrund, weiß) ...

Hamburg – Cruise Days 2015 – Die Cap San Diego an ihrem Liegeplatz nahe der Überseebrücke (im Hintergrund, weiß) …

Sein Platz an der Überseebrücke liegt zwischen der Kaimauer an den Landungsbrücken und dem Ponton. Dort ist er sicher festgemacht. Nicht nur einfach vertäut, nein, hier gibt es schwere Stahlriegel, die stabile Säulen umschließen.

Hamburg - Cruise Days 2015 - Nicht nur vertäut! Cap San Diego sicher befestigt ...

Hamburg – Cruise Days 2015 – Nicht nur vertäut! Cap San Diego sicher befestigt …

 

Hamburg - Cruise Days 2015 - Cap San Diego - Sie wird freigelassen ...

Hamburg – Cruise Days 2015 – Cap San Diego – Sie wird freigelassen …

Damals zu seiner Einsatzzeit waren Querstrahlsteueranlagen mit Bug– und Heckstrahlrudern, die dem Schiff heutzutage ein eigenständiges Manövrieren erlauben, noch gar nicht erfunden. So ist hier immer der Einsatz der Schlepper gefragt …

Hamburg - Cruise Days 2015 - Cap San Diego - Mit Schlepperhilfe hinaus auf den Strom ...

Hamburg – Cruise Days 2015 – Cap San Diego – Mit Schlepperhilfe hinaus auf den Strom …

Er ist der letzte von sechs Frachtern, die 1961/1962 für die Reederei Hamburg Süd gebaut wurden und der Liniendienstfahrten an die Ostküste von Südamerika ausführte. Diese Fahrten wurden als Rundfahrten organisiert. In der Zeit ab Indienststellung bis in die 80er Jahre hinein kamen davon 120 Reisen von jeweils ca. 60 Tagen zusammen. Interessant, dass bei 60 Tagen von der Gesamtzeit 62 % auf die Fahrt entfielen, 33 % auf Liegezeiten und 5 % auf auftretende Verzögerungen. Wenn man überlegt, wie gering die Liegezeiten heute ausfallen ..
In den 80er Jahren nahm dann der Anteil der Containerfrachter rapide zu – und die Zeit der Stückgutfrachter ging allmählich ihrem Ende entgegen.

Hamburg - Cruise Days 2015 - Mit der Cap San Diego vom Liegeplatz an den Landungsbrücken vorbei hinaus auf die Elbe

Hamburg – Cruise Days 2015 – Mit der Cap San Diego vom Liegeplatz an den Landungsbrücken vorbei hinaus auf die Elbe

 

Hamburg - Cruise Days 2015 - Hafen Hamburg, Landungsbrücken, Eingang alter Elbtunnel ...

Hamburg – Cruise Days 2015 – Hafen Hamburg, Landungsbrücken, Eingang alter Elbtunnel …

 

So topgepflegt wie sich die Cap San Diego heute präsentiert, hält man es kaum für möglich, dass es dieses letzte der ursprünglich sechs Schiffe fast auch nicht mehr geben würde. Nachdem es im Frühjahr 1986 nach Monrovia verkauft worden war, stand es nämlich bald darauf vor der Verschrottung. Noch im August des gleichen Jahres schlug Hamburg zu und kaufte den Todeskandidaten, bevor er in seine Einzelteile zerlegt wurde.
Warum Hamburg?
Nun, die Cap San Diego wurde hier bei der Deutschen Werft AG gebaut. Die gibt es – wie so viele andere Werften – nicht mehr. In den späten 60er Jahren fusionierte sie noch mit den Hamburger und den Kieler Howaldtswerken. Doch das Ende kam bereits 1973. Den ehemaligen Standort sehen Sie auf dem folgenden Foto. Dieser Tage befindet sich an der Stelle kurz vor der Einbiegung zum Steendiekkanal und dem Elbabzweig nach Finkenwerder u. a. das Hotel The Rilano.

Hamburg - Elbe - Der Standort der ehemaligen Deutsche Werft AG (heute u. a. Stadort des Hotels The Rilano, rechts im Bild)

Hamburg – Elbe – Der Standort der ehemaligen Deutsche Werft AG (heute u. a. Standort des Hotels „The Rilano“, rechts im Bild)

In seiner Funktion als Museumsschiff lässt sich die Cap San Diego in Ruhe komplett durchstöbern. Man kann sich Maschinenraum und Kommandobrücke des Frachters ansehen, das Peildeck und die Rudermaschine, die Kranvorrichtungen, mit denen das Stückgut in die Luken verladen wurde und die Decksflächen. Interessant anzuschauen, wenn sich moderne Navigationsgeräte heute direkt neben alten Instrumenten finden und hochinteressant, dass ein Frachter damals auch ein „Mischmaschschiff“ sein konnte! Eine Art Mehrzweckschiff.

Erinnern wir uns, dass Flugreisen in den Anfangsjahren der Dienstzeit dieses Frachters eher unüblich waren und somit viele Reisende eine Möglichkeit suchten, irgendwie und möglichst bezahlbar Richtung Südamerika zu gelangen. Frachtschiffe nahmen gelegentlich einige zahlende Passagiere mit, so auch die Cap San Diego. Acht Kabinen gibt es an Bord, bis zu zwölf Menschen konnten mitreisen. (Diese Kabinen sind heute als Hotelzimmer mietbar!). Damit sich die zahlenden Gäste während der Überfahrt wohlfühlten, existierte ein eigener Bereich für sie. Ein Salon, in dem auch das Essen serviert wurde, ein Aufenthaltsbereich auf dem Oberdeck mit kleinem Pool u. a.

Hamburg - An Bord der Cap San Diego - Erinnert irgendwie an die Tigerente, oder ...?

Hamburg – An Bord der Cap San Diego – Erinnert irgendwie an die Tigerente, oder …?

Wenn Sie in unserer Zeit auf kurzen Museumsfahrten der Cap San Diego mit teilweise bis zu 500 Menschen unterwegs sind, wird Ihnen sehr schnell bewusst, dass Sie – Cruise Days hin oder her – eben nicht auf einem Kreuzfahrtschiff sind. Wird dort versucht, sich an Hotels und den dortigen Standards zu orientieren, gibt es hier an Bord hingegen nicht einmal eine Sitzplatzgarantie! Dafür ist das Schiff einfach nicht ausgerichtet.
Was brauchte man denn früher wirklich während der Überfahrt und der jeweiligen Rundreise zu diversen Ziel- und Ladehäfen? Fracht. Laderaum. Mobiliar und Räumlichkeiten nur für die Besatzung sowie die maximal zwölf zusätzlich Mitfahrenden. Ende.
Sie als einer der Kurzzeitpassagiere von heute wollen aufs Wasser schauen? Geschützt von drinnen? Kein guter Plan. Die wenigen Plätze im Salon sind so angelegt, dass Sie zum Hinaussehen schon aufstehen sollten, sonst wird das nichts …
Rundumverglasung und Außenbalkons werden Sie auf einem Frachtschiff natürlich auch vergeblich suchen, also bleibt keine andere Möglichkeit: Liegt Ihnen irgendetwas an der Umgebung, möchten Sie das Treiben draußen mitbekommen, dann müssen Sie an Deck. Was Sie folglich dringend benötigen, ist warme, wetterfeste Kleidung sowie ein gutes Stehvermögen. Nicht, weil es so wahnsinnig schwanken würde! Stehvermögen im Sinne von Ausdauer, Durchhaltefähigkeit. Einige Stunden im Stehmodus kommen schnell zusammen, dazu kühlt es abends empfindlich ab, windstill ist es auch eher selten …
Doch belohnt und entschädigt werden Sie dafür natürlich – abgesehen von der Erkundung der Technik – durch viele andere Dinge: Durch das selbst auf einem Frachtschiff spontan kurzzeitig auftretende Kreuzfahrtfeeling, viel Frischluft, eine grandiose Aussicht, fabelhaften Panoramablick und sehr stimmungsvolle Sonnenuntergänge …!

Hamburg - Elbe - Springende Fische und ein seltsamer Vogel ...?

Hamburg – Elbe – Springende Fische und ein seltsamer Vogel …?

Doch eher motorisierte Flitzer und am Himmel etwas gar nicht Tierisches, das vermutlich drüben bei Airbus startete …

Hamburg - Cruise Days 2015 - Augustinum (rechts) und Museumshafen Oevelgönne

Hamburg – Cruise Days 2015 – Augustinum (rechts) und Museumshafen Oevelgönne

 

Hamburg - Cruise Days 2015 - Die Amadea am HCC Altona ...

Hamburg – Cruise Days 2015 – Die Amadea am HCC Altona …

 

Hamburg - Der Schlepper gesellt sich wieder dazu, um bei der Wende in Höhe von Blankenese Hilfe zu leisten ....

Hamburg – Der Schlepper gesellt sich wieder dazu, um bei der Wende in Höhe von Blankenese Hilfe zu leisten …

 

Hamburg - Blick auf Blankenese im Abendlicht ...

Hamburg – Blick auf Blankenese im Abendlicht …

 

Hamburg - Mit der Cap San Diego auf der Elbe - Schlepper voraus ...

Hamburg – Mit der Cap San Diego auf der Elbe – Schlepper voraus …

 

Hamburg - Elbe - Das Airbus-Gelände bei sinkender Sonne ...

Hamburg – Elbe – Das Airbus-Gelände bei sinkender Sonne

Wissen Sie, was etwas zu schaffen macht? Das unerwartete Ertönen des mächtigen Schiffshorns! Auf einer Barkasse im Hafen werden Sie alle Nase lang gewarnt, sich die Ohren zuzuhalten, weil es gleich „etwas laut werden könnte“. Sie tun es – und dann kommt lediglich so ein kümmerliches, heiseres Quäken! Hier jedoch,
wo wirklich die Lauscher wegfliegen und sämtliche Knochen vibrieren, hier warnt einen rein gar nichts!
Stichwort Lärm! Der Maschinenraum der Cap San Diego! Je tiefer sie hinabsteigen, desto mehr dröhnt und rumst, desto heißer und stickiger ist es. Sie können es einerseits so sehen, dass Sie sich dort natürlich hervorragend wieder aufwärmen können – Sie können andererseits aber auch leicht lärmgeschädigt aus der Tiefe auftauchen und danach mehrere Tage das Gefühl haben, dass es unablässig weiter in Ihnen wummert …

Hamburg - Elbe - Der Abendhimmel zaubert schöne Farben hervor ...

Hamburg – Elbe – Der Abendhimmel zaubert schöne Farben hervor …

Die Cap San Diego kehrte nicht auf direktem Wege an die Landungsbrücken zurück, sondern absolvierte auf der Rückfahrt einen kleinen Abstecher zur Köhlbrandbrücke, zum Containerterminal Altenwerder und wendete dort erneut mit Schlepperhilfe. Schlepper und Schiff kamen sich dabei ein bisschen zu nahe, standen ungünstig zueinander, so dass sich Aufbauten am Schlepper mit Vorstehendem an der Bordwand verhakten. Schaden am Schlepper, doch für die Weiterfahrt hatte es keine Auswirkungen.

Hamburg - Blue Port und Cruise Days 2015 - Containerterminal Altenwerder

Hamburg – Blue Port und Cruise Days 2015 – Containerterminal Altenwerder

Mit einsetzender Dunkelheit erstrahlt stets das Blau im Hafen. Markante Bauwerke und Sehenswürdigkeiten wie der Michel, die Elbphilharmonie, die Köhlbrandbrücke, Schiffe wie auch die Cap San Diego, die Fähren und Barkassen oder auch drüben, auf der anderen Elbseite, die Werft Blohm + Voss sind für die Illuminationen ausgewählt.
In diesem Jahr ganz neu hinzugekommen sind das Chilehaus sowie einige Brücken der Speicherstadt – nachdem die UNESCO sie und das Kontorhausviertel vor einigen Monaten zum Weltkulturerbe erklärt hat.
Im gesamten Hafen leuchten natürlich viele Einzelobjekte. Lichter an den Anlegern und Pontons, an Kranen, an den unterschiedlichsten Wasserfahrzeugen, entlang der Kais, Terminals oder an Türmen.

Hamburg - Blue Port und Cruise Days 2015 - Die Dunkelheit bricht herein - An Bord wird es bereits blau ...

Hamburg – Blue Port und Cruise Days 2015 – Die Dunkelheit bricht herein – An Bord wird es bereits blau …

 

Hamburg - Blue Port und Cruise Days 2015 - Blick auf die Köhlbrandbrücke

Hamburg – Blue Port und Cruise Days 2015 – Blick auf die Köhlbrandbrücke

 

Hamburg - Blue Port und Cruise Days 2015 - Man sieht, dass speziell auch Krane als Einzelobjekte illuminert wurden ...

Hamburg – Blue Port und Cruise Days 2015 – Man sieht, dass speziell auch Krane als Einzelobjekte illuminert wurden …

Nach erfolgter Rückkehr ins Fahrwasser der Elbe geht es vorbei an Altona, dem Holzhafen, der Fischauktionshalle in Richtung Landungsbrücken und Elbphilharmonie

Hamburg - Blue Port und Cruise Days 2015 - Blaue Eier ...

Hamburg – Blue Port und Cruise Days 2015 – Blaue Eier …

 

Hamburg - Blue Port und Cruise Days 2015 - Kreuzfahrtschiff Amadea am HCC Altona (links das sechsgeschossige Dockland-Gebäude)

Hamburg – Blue Port und Cruise Days 2015 – Kreuzfahrtschiff Amadea am HCC Altona (links das sechsgeschossige Dockland-Gebäude)

 

Hamburg - Blue Port und Cruise Days 2015 - Die Docks bei Blohm + Voss ...

Hamburg – Blue Port und Cruise Days 2015 – Die Docks bei Blohm + Voss …

 

Hamburg - Blue Port und Cruise Days 2015 - Links die Rickmer Rickmers an den Landungsbrücken, hinten rechts Elbphilharmonie, davor links die beleuchtete Überseebrücke

Hamburg – Blue Port und Cruise Days 2015 – Links die Rickmer Rickmers an den Landungsbrücken, hinten rechts Elbphilharmonie, davor links die beleuchtete Überseebrücke

 

Hamburg - Blue Port und Cruise Days 2015 - Norderelbe gegenüber der HafenCity

Hamburg – Blue Port und Cruise Days 2015 – Norderelbe gegenüber der HafenCity

Seitdem die Elbphilharmonie ohne die Begleitung von Baukranen auskommt, betont die Illumination dieses Gebäude besonders schön.

Hamburg - Blue Port und Cruise Days 2015 - Elbphilharmonie, dahinter HafenCity

Hamburg – Blue Port und Cruise Days 2015 – Elbphilharmonie, dahinter HafenCity

Weiter Richtung Osten und HafenCity geblickt, befindet sich die diesmal ebenfalls blau beleuchtete Großmarkthalle.

Die Cap San Diego stoppte danach im Fluss und wartete – von Schleppern gehalten – darauf, dass die am HCC HafenCity liegende Costa neoRomantica ablegte (ca. 22.00-22.30 Uhr) und das für anschließend angekündigte Feuerwerk gegenüber auf der anderen Elbseite gezündet wurde. Und wie wir, warteten ebenfalls tausende Besucher von Blue Port und Cruise Days geduldig am Ufer.

Hamburg - Blue Port und Cruise Days 2015 - Costa neoRomantica hat abgelegt, das Feuerwerk kann starten ...

Hamburg – Blue Port und Cruise Days 2015 – Costa neoRomantica hat abgelegt, das Feuerwerk kann starten …

 

 Hamburg - Blue Port und Cruise Days 2015 - Feuerwerk

Hamburg – Blue Port und Cruise Days 2015 – Feuerwerk

 

Hamburg - Blue Port und Cruise Days 2015 - Feuerwerk

Hamburg – Blue Port und Cruise Days 2015 – Feuerwerk

 

Hamburg - Blue Port und Cruise Days 2015 - Feuerwerk

Hamburg – Blue Port und Cruise Days 2015 – Feuerwerk

Vorbei …
Die Cap San Diego musste nur noch an ihren Stammplatz zurückbugsiert werden. An blau leuchtenden Ausflugsdampfern und Barkassen vorbei glitt sie über den Standort der Überseebrücke noch ein Stückchen hinaus, um rückwärts in ihre Bucht „einzuparken“.

Hamburg - Blue Port und Cruise Days 2015 - Extrem blau ... die Barkassen.

Hamburg – Blue Port und Cruise Days 2015 – Extrem blau … die Barkassen.

Bei Dunkelheit wirkte das Hafenbecken noch etwas kleiner und enger als bei Tageslicht … Manöver geglückt, die Riegel schlossen sich wieder um die Säulen, die Gangway wurde kurz danach ausgelegt. Fast Mitternacht! Feierabend!

Hamburg - Blue Port und Cruise Days 2015 - Vom Baumwall aus betrachtet ...

Hamburg – Blue Port und Cruise Days 2015 – Vom Baumwall aus betrachtet …

Ein letzter Blick zurück aus den Höhen des U-Bahnsteigs Baumwall hinab auf die weißen Zelte der Hamburg Cruise Days, auf die Elbe, die blauen Lichter im Hafen, die Cap San Diego

Auf Wiedersehen im übernächsten Jahr!
(Vielleicht ist der Blue Port ja doch wieder mit dabei …)

PS:
Ich hoffe, Sie haben ein kleines, warmes Gefühl für Kreuzfahrttage, Elbe und den blauen Hafen bei Nacht, den Blue Port, entwickeln können. Wie Sie allerdings bei den Nachtbildern unschwer erkannt haben werden, hatte ich kein Stativ dabei. Ich wollte Ihnen die Aufnahmen trotz allem nicht vorenthalten, weil sie die Atmosphäre ungeachtet  dessen dennoch gut wiederzugeben vermögen.
Wenn Sie jedoch Lust auf gestochen scharfe Fotos des Blue Ports haben, dann könnten Sie bei meinem fotografierenden Bloggerkollegen HaIn vorbeischauen. Der war auch unterwegs und das finden Sie hier:
https://hamburgergeschichten.wordpress.com/2015/09/12/blue-port-hamburg-2015/

 

© by Michèle Legrand, September 2015
Michèle Legrand ©Foto Andreas Grav (Ausschnitt)

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Hamburg: Kontraste! Wo Speicherstadt und Hafencity sich treffen …

Hätten Sie Lust auf einen Spaziergang im Hafenbereich? Mehr privates Herumstreifen mit persönlichen Eindrücken als einen strammen Gang der Stadtführer-hat’s-vorgeschlagen-wird-daher-jetzt-pflichtgemäß-besucht-abgehakt-und-eingetrichtert-Sorte.
Es geht um die historische Speicherstadt sowie die Hafencity und dort um das Gebiet, in dem alt und neu direkt aufeinandertreffen.
Mir war die zunächst geplante und sich später (bis heute) entwickelnde Hafencity in Hamburg lange Zeit nicht ganz geheuer. Vielleicht, weil ich immer ein bisschen in Sorge war, dass man Bestehendes nicht würdigen und die schöne, alte Speicherstadt dabei verhunzen würde.
Vielleicht schauen Sie heute selbst einmal, was Sie von der Entwicklung halten. Alt und neu. Seite an Seite.
Daumen hoch? Daumen runter? Unschlüssig?
Ich möchte Ihnen gar nicht seitenlang lexikaähnlich Details herunterbeten. Sie wissen selbst, wo Sie Informationen dieser Sorte finden können. Nur damit alle – und speziell die Nicht-Hamburger – etwas informiert sind, erzähle ich Ihnen während des Ansehens ein paar Stichworte zu beidem.

Auf der einen Seite existiert im Hamburger Hafen die altehrwürdige Speicherstadt
Besticht durch rote Backsteingotik aus der Gründerzeit, große und schön anzusehende Lagerhausbauten mit zahlreichen Türmchen sowie teilweise ungewöhnlich anmutenden Giebeln. Seltsam, jedoch dabei enorm reizvoll! Und sie besticht auch in ihren Ausmaßen, ihrem Aufbau, der Harmonie.

Hamburg - Speicherstadt - An den Giebeln oben jeweils deutlich zu erkennen die Vorrichtung, um Lasten an den Haken zu nehmen. Nur ist der Haken heute nicht mehr überall vorhanden.

Hamburg – Speicherstadt – An den Giebeln oben jeweils deutlich zu erkennen die Vorrichtung, um Lasten an den Haken zu nehmen. Nur ist der Haken heute nicht mehr überall vorhanden.

Hamburg - Speicherstadt -  Vielfalt  und Fantasie bei Giebeln, Türmchen und Fassade.

Hamburg – Speicherstadt – Vielfalt und Fantasie bei Giebeln, Türmchen und Fassade.

Der Bau startete 1883, noch bevor das Gebiet, in dem sie entstand, zum Freihafen erklärt wurde (1888).
Der ganze Komplex ist zwischen Deichtorhallen und Baumwall gelegen, die Häuser befinden sich direkt an den Fleeten, die das Gebiet durchziehen und welche – je nach Gezeitenstand (Flutung) – auch heute noch mit Barkassen befahren werden können. In diesen Zeiten werden jedoch fast ausschließlich Touristen befördert, früher hingegen wurden Waren hauptsächlich auf dem Wasserweg in einer Schute bis direkt an die betreffenden Speicher gebracht. Die Speicher waren (und sind) jedoch auf der anderen Hausseite ebenfalls über die Straße zu erreichen. Praktischerweise besaß das Lagerhaus daher nicht nur Luken zum Fleet hin, sondern auch zur rückwärtigen Straßenseite. So konnte ebenfalls per Fuhrwerk angeliefert werden.
Zu den höher gelegenen Lagerböden gelangten die Lieferungen mittels einer hydraulischen Windenmaschine (heute, wenn sie noch existiert, elektrisch betrieben), die die Waren außen am Speicher emporhievte.

Hamburg - Speicherstadt - Hier lässt sich noch der Haken erkennen, mit dem Waren zu den höher gelegenen Lagerböden gezogen wurden (mittels hydraulischer Windenmaschine)

Hamburg – Speicherstadt – Hier lässt sich noch der Haken erkennen, mit dem Waren zu den höher gelegenen Lagerböden gezogen wurden (mittels hydraulischer Windenmaschine)

Seit nunmehr 23 Jahren stehen die Gebäude der Speicherstadt unter Denkmalschutz. Sie werden auch in unseren Tagen als Lagerstätten und Firmensitze genutzt. Wie in Zeiten des Freihafens, der zum 01. Januar 2013 aufgelöst wurde, ist die Speicherstadt weiterhin einer der größten Handelsplätze für Teppiche. Gastronomie und Kreative fühlen sich ebenfalls wohl in diesem Areal. Manche jetzt ansässigen Kaufleute unterschiedlichster Branchen nehmen in ihrer Firmenbezeichnung das Wort „Speicher“ mit auf. Selbst das kleine Fleetschlösschen am Holländischbrookfleet, das u. a. Kaffeegetränke anbietet, bezeichnet sich auf einem Schild folgerichtig als „Koffeinspeicher“.

Hamburg - Speicherstadt - Am Sankt Annenfleet. Zwischen den Häusern im Hintergrund der Turm der Hauptkirche St. Katharinen

Hamburg – Speicherstadt – Am Sankt Annenfleet. Zwischen den Häusern im Hintergrund der Turm der Hauptkirche St. Katharinen

 Die Speicherstadt strahlt Ruhe aus, und ruhig und glatt ist auch meist die Wasseroberfläche der Fleete. So entstehen bei günstigen Lichtverhältnissen immer wieder sehr schöne Spiegelungen. Am Abend kommt die stimmungsvolle Beleuchtung von unzähligen Scheinwerfern hinzu, die die Fassaden der alten Speichergebäude illuminieren. Oder auch die Stahlbrücken mit ihren Verstrebungen!
Es verführt immer, eine der kleinen Fleetbrücken zu betreten und mit den Augen dem Verlauf des Kanals zu folgen. Die Symmetrie zu verfolgen, markante Gebäude in der Ferne auszumachen, kleinste Wellenbewegungen zu registrieren, Wasservögel zu entdecken.

Hamburg - Speicherstadt - Ein Blick von der Wandbereiter-Brücke in den Wandrahmsfleet ...

Hamburg – Speicherstadt – Ein Blick von der Wandbereiter-Brücke in den Wandrahmsfleet …

Hamburg - Speicherstadt - Ständige Besucher der Speicherstadt und der Fleete ... die Möwen.

Hamburg – Speicherstadt – Ständige Besucher der Speicherstadt und der Fleete … die Möwen.

Auswärtige Besucher – genauso wie die Hamburger selbst – steuern zudem sehr gern das Miniaturwunderland, das Hamburg Dungeon, das Spicy’s Gewürzmuseum, das Speicherstadt– und das Deutsche Zollmuseum oder aber auch Dialog im Dunkeln an, die alle ihren Sitz in diesem Viertel haben.
Wenn ich das Zollmuseum erspähe, sehe ich sofort meinen alten, leider vor zwei Jahren verstorbenen und von mir vermissten Stepptanzkollegen Edgar Bessen vor mir. In den 80er und 90er Jahren wurde in Hamburg für die ARD eine Serie produziert, die sich Schwarz Rot Gold nannte. Es ging um Wirtschaftskriminalität und spannende Fälle, die die Hamburger Zollfahndung löste. Edgar Bessen spielte darin den Teamkollegen Globig, der unter Chefzollfahnder Zaluskowski (Uwe Friedrichsen) arbeitete. Gedreht wurde im Zollamt Kornhausbrücke, in dem sich seit 1992 das Deutsche Zollmuseum, was Sie auf dem Foto erkennen können, befindet.

Hamburg - Speicherstadt - Das Deutsche Zollmuseum

Hamburg – Speicherstadt – Das Deutsche Zollmuseum

Heute, nachdem der Freihafen als zollfreies Gebiet innerhalb Hamburgs nicht mehr existiert, finden keine Kontrollen an den diversen Übergängen mehr statt, doch damals saßen hier Posten und beobachteten das Kommen und Gehen.

Hamburg - Speicherstadt - Eines des ehemaligen Zollposten-Häuschen an der Straße St. Annen.  Heute nur noch mit Puppen besetzt ...

Hamburg – Speicherstadt – Eines des ehemaligen Zollposten-Häuschen an der Straße St. Annen. Heute nur noch mit Puppen besetzt …

Hamburg - Speicherstadt - Blick in den Zollkanal Richtung Ericusspitze  und Deichtorhallen (rechts das neue Verlagsgebäude des SPIEGELS)

Hamburg – Speicherstadt – Blick in den Zollkanal Richtung Ericusspitze und Deichtorhallen (rechts das neue Verlagsgebäude des SPIEGELS)

Hamburg - Speicherstadt - Die Brooktorkai-Brücke und der Blick Richtung Osten ...

Hamburg – Speicherstadt – Die Brooktorkai-Brücke und der Blick Richtung Osten …

Und dann gibt es da noch die neue Hafencity
Sie ist seit Anfang dieses Jahrtausends (Spatenstich 2001) in der Entstehung. Von West nach Ost und von Nord nach Süd nahm und nimmt sie Gestalt an. Was Ihnen ohne weitere Hinweise aus dem Internet – einfach so als Spaziergänger – auffällt: Das Cruise Center (Kreuzfahrtterminal) steht. Schiffsliebhaber oder Kreuzfahrtinteressierte schauen hier gern vorbei. Das Unilever-Haus mit futuristisch anmutender Fassade ist ein Hingucker, unübersehbar auch der hohe Marco-Polo-Tower mit seinen Terrassen zu Füßen. Man hat eine U-Bahn-Linie (U4) als direkte Anbindung von der Innenstadt in die neue Hafencity bzw. umgekehrt geschaffen. Wichtig für Anwohner, Geschäftsleute, die neue Hafencity-Universität, die Hotels, die dort für Gäste aus aller Welt eröffnet haben, wichtig für die Entwicklung ganz allgemein!
Es gibt das Internationale Maritime Museum, für Besucher bereits seit 2008 zugänglich. Neu als Museum, jedoch eindeutig nicht in einem modernen Gebäude, sondern untergebracht im speziell für diesen Nutzungszweck umgestalteten ehemaligen Kaispeicher B. Vor Kurzem wurde endlich der Vorplatz fertig.

Hamburg - Hafencity - Das Internationale Maritime Museum am Brooktorhafen

Hamburg – Hafencity – Das Internationale Maritime Museum am Brooktorhafen

Und es entstanden in unterschiedlichen Bereichen (Quartieren) bereits unzählige sonstige Neubauten. Mehr als die Hälfte der geplanten Projekte in der Hafencity ist bereits fertiggestellt, doch überall sind weiterhin Baustellen und Baukräne zu sehen. Das Überseequartier wartet auf seine Vollendung, und die bekannteste Dauerbaustelle im Bereich der Hafencity dürfte die Elbphilharmonie sein.
Der Wohnungsbau nahm und nimmt weiterhin Formen an, die ersten Mieter zogen schon im Jahr 2006 ein. Die Nachfrage war rege, obwohl die Infrastruktur noch sehr zu wünschen übrig ließ. Auch heutzutage ist die Hafencity gefragt, die finanziellen Aufwendungen für Eigentum oder Mieten sind daher unverändert als auf der hohen Seite angesiedelt zu bezeichnen – wenn auch jetzt gerade festgestellt wurde, dass sich in dieser Hinsicht im Vergleich zum Vorjahr etwas getan hat. Erwerbswillige können sich über einen Rückgang freuen. Der Quadratmeterpreis sank um 12,2 % („nur“ noch € 6.465,–/m², Quelle: Hamburger Abendblatt).

Hamburg - Hafencity - Häuserfront am Sandtorkai. In der Lücke sehen Sie auf die Straße (Grenze) und erkennen direkt dahinter ein Gebäude der Speicherstadt ....

Hamburg – Hafencity – Häuserfront am Sandtorkai. In der Lücke sehen Sie hindurch zur Straße („Grenze“) und erkennen direkt dahinter ein Gebäude der Speicherstadt ….

Hamburg - Hafencity - Man merkt schon, dass die Bewohner einen Bezug zum Wasser und der Schifffahrt haben. Ein Segelboot im Fenster ...

Hamburg – Hafencity – Man merkt schon, dass die Bewohner einen Bezug zum Wasser und der Schifffahrt haben. Ein Segelboot im Fenster …

Hier fallen viele Solitärformen auf, doch herrscht generell das Kantige vor, teilweise auch aneinandergereiht die Würfelform, in dem Fall jedoch in zahlreichen Material- und Ausgestaltungsvarianten, mit aufgebrochenen Fassaden oder leicht versetzten Geschossen. Am Wasser wird gern auf Stelzen gebaut, sodass Gebäudeteile auch frei weit Richtung Wasser hinausragen können.
Sie werden vergeblich nach rotem Backstein suchen, an seine Stelle tritt viel Glas, Metall, Beton und Stein, teilweise sehr gekonnt kombiniert. Dazwischen heben sich immer wieder einzelne Bauwerke von der üblichen, sie umgebenden Bauform ab. Größenmäßig und hinsichtlich ihres Stils. In der Hafencity unterwegs, helfen diese markanten Gebäude einem Besucher als Orientierungspunkte sehr.

Hamburg - Hafencity - Am Sandtorpark (Großer Grasbrook) gegenüber den Magellan-Terrassen ...

Hamburg – Hafencity – Am Sandtorpark (Großer Grasbrook) gegenüber den Magellan-Terrassen …

Hamburg - Hafencity in der Nähe des Überseeboulevards. Am Sandtorpark/Ecke Tokiostraße entsteht ein neues Gebäude (Sumatrakontor). Auch die Stadtrundfahrt führt bereits durch die Hafencity ...

Hamburg – Hafencity in der Nähe des Überseeboulevards. Am Sandtorpark/Ecke Tokiostraße entsteht ein neues Gebäude (Sumatrakontor). Auch die Stadtrundfahrt führt bereits durch die Hafencity …

Hamburg - Hafencity - An den Magellan-Terrassen.  In der Mitte der Elbphilharmonie-Pavillon mit Informationen zum Bau  derselben ...

Hamburg – Hafencity – An den Magellan-Terrassen. In der Mitte der Elbphilharmonie-Pavillon mit Informationen zum Bau derselben …

In der Hafencity erleben Sie allerdings – von der Speicherstadt eintreffend – eine komplett andere Atmosphäre. Sie ist geschäftiger, aber auch kühler. Die gewählten Farben, die riesigen Glasverkleidungen, die Wucht eines Würfels – all das verursacht ein Gefühl von Distanziertheit. Coole Architektur, aber cool im doppelten Sinn. Faszinierend und doch nicht immer automatisch anziehend. Gelegentlich verlockend von Weitem, doch aus der Nähe beinahe erschlagend.
Was jedoch positiv auffällt, ist eine gewisse Großzügigkeit und Weitläufigkeit in der Gesamtanlage. Große Steinterrassen zum Verweilen, schöne Sichtachsen, breit angelegte, geschwungene Holzstege als Anleger direkt im Sandtorhafen, wo sich gleichzeitig der Traditionsschiffhafen befindet.
Der Ausblick aus den vielen Fenstern rechts und links direkt auf den Fleet und hinüber zur Elbe muss wirklich schön sein …

Hamburg - Hafencity - Sandtorhafen (Tradionsschiffhafen) - links Kaiserkai, rechts Sandtorkai

Hamburg – Hafencity – Sandtorhafen (Tradionsschiffhafen) – links Kaiserkai, rechts Sandtorkai

Als man die ersten Pläne für den Bau einer Hafencity machte, hinüberschielte nach London, wo die Docklands inspirierten und ein Vorbild lieferten, war neben der Euphorie auch viel Skepsis zu spüren. Wie sollte das zusammenpassen mit der alten Speicherstadt? Würde man dort gar irgendetwas verändern, abreißen oder Hypermodernes zwischen Altes setzen?
So etwas war zum Glück gar nicht möglich. Sie erinnern sich? Der Denkmalschutz

Was mich bei Spaziergängen in dieser Gegend, diesem neuen Stadtteil,  heute fasziniert, ist der Kontrast, der entstand.
An den Straßen Am Sandtorkai und Brooktorkai ist dies besonders stark spürbar. Dort verläuft die unsichtbare Grenze zwischen der alten Speicherstadt und dem neuen Hafencity-Areal. Auf der einen Seite das Altehrwürdige vom Ende des 19. bzw. Anfang des 20. Jahrhunderts. Direkt gegenüber nun die Neukonstruktionen des 21. Jahrhunderts. Nur eine Straßenbreite zwischen ihnen und doch scheint sie Welten zu trennen.
Ich stelle mir manchmal vor, wie es wäre, sich mitten auf die Straße zu stellen, die Arme auszubreiten und sich mit der einen Körperhälfte inkl. seiner Sinnesorgane im Früher und mit der anderen im Heute zu befinden. Ein Ohr hörte die Geräusche aus alten Zeiten, das andere die aktuellen. Das eine Auge blickte um 100 bis 130 Jahre zurück, das andere schaute in die Moderne …
Hier (auf der alten Seite) Pferdefuhrwerke, Äpfel auf der Straße, die knarrenden Laute eines Leiterwagens, der um die Ecke biegt – dort das Surren eines modernen SUV, ein parkender Sprinter, ein Lastwagen mit Hebebühne.
Die Straße! Hier altes Pflaster – dort moderner Asphalt.
Hier jemand, der hinter einer kleinen, leicht milchigen Scheibe auf einem Holzstuhl sitzt und angestrengt auf die Tastatur einer der gerade wenige Jahre zuvor erst erfundenen Schreibmaschinen einhämmert – dort in dem Würfelbau hinter einer großen Glasfront ein Neuzeitler, der mit dem Finger über das Display seines Smartphones wischt und Mails verschickt …
Hier Lodenstoff bei schlechtem Wetter, der Herr mit steifem Kragen, der Buchhalter mit Ärmelschonern, die Farben der Kleidung stets zurückhaltend. Die Dame mit Hut, ihr langes Kleid rüschenbesetzt, das Korsett ist immer noch angesagt. Im neuen Teil erspäht das Auge die Menschen bunt gekleidet, keinem bestimmten Stil folgend, statt Loden hält ein Hightech-Stoff die Haut trocken, die Materialien sind weich, der Kragen ist oben offen, kaum einer trägt noch Krawatte. Die Damen bevorzugen lange Hosen. Nur ihre Blusen haben auch heute wieder Rüschen …
Der für die hydraulische Windenmaschine zuständige Lagerhausmitarbeiter wickelt seine Stulle aus dem Pergamentpapier, der Controller der heutigen Generation öffnet die Plastikschachtel mit seinem Sushi to go.
Die Kontraste könnten nicht größer sein.

Hamburg -  Mehr aus Richtung Baumwall aus gesehen, nämlich von der Wilhelminenbrücke am Kehrwiederfleet ein Blick zur Kehrwiederspitze mit Hanseatic Trade Centre, dahinter die Elbphilharmonie.

Hamburg – Mehr aus Richtung Baumwall aus gesehen, nämlich von der Wilhelminenbrücke am Kehrwiederfleet ein Blick zur Kehrwiederspitze mit Hanseatic Trade Centre, dahinter die Elbphilharmonie.

Was sagen Sie?
Speicherstadt und Hafencity. Passt beides zusammen? Oder einzeln betrachtet: Was reizt mehr? Was ist „schöner“?
Schwer zu sagen, oder?

Ich weiß nur, dass mir eines in der Hafencity gewaltig fehlt. Bis zum heutigen Zeitpunkt jedenfalls. Mir fehlt das Grün. Bäume, Grünanlagen, Natürliches ganz generell.
Sie werden anmerken wollen: Aber das gab und gibt es doch in der alten Speicherstadt auch nicht! Stimmt, doch dort wohnten die Menschen auch nicht mit ihren Familien. Es war ein Arbeitsbereich, der nicht unbedingt gleichzeitig Erholungs- und Entspannungswert haben musste. Und doch hatte er es in gewisser Weise, denn der Baustil selbst strahlte eine gewisse Ruhe aus. Die warmen Farben des Mauerwerks, die Wiederholung der Formen, Sprossenfenster, farbig abgesetzte Türen und Luken an vielen Gebäuden etc. unterstützten diesen Effekt.

Es gibt in der Hafencity innerhalb bestimmter Wohnquartiere mittlerweile als „Parks“ bezeichnete Grünflächen (bisher zwei, soviel ich weiß), doch das sind keine Parks in meinen Augen. Wenn ich es ein wenig böse formulieren dürfte, dann würde ich sagen, das ist ein bisschen Pseudogrün, damit man auch diesen Punkt von der Liste abhaken kann.

Hamburg - Hafencity mit Blick Richtung Sandtorhafen und Magellan-Terrassen. Hinten links die Elbphilharmonie, vorne rechts einer der sog.  "Parks".  Und ein Stadtrundfahrtbus nach dem anderen ...

Hamburg – Hafencity mit Blick Richtung Sandtorhafen und Magellan-Terrassen. Hinten links die Elbphilharmonie, vorne rechts einer der sog. „Parks“. Und ein Stadtrundfahrtbus nach dem anderen …

Doch weiter.
Die Hafencity ist hell, was ihr steht und daher positiv auffällt. Sie ist gestylt und genau dadurch wirkt sie an einigen Stellen hochinteressant, zieht den Blick auf sich, erscheint jedoch eigenartigerweise im allernächsten Moment ganz plötzlich künstlich. Unpersönlich. Das Wasser wiederum macht vieles wett, mildert allzu loderndes Baufieber und verhindert ein wenig das Untergehgefühl, das einen auf einmal beschleicht.
Wie bei vielen anderen Dingen, empfindet es jeder unterschiedlich. Für mich ist Arbeiten und Flanieren in der Hafencity sehr gut vorstellbar, Wohnen nicht.
Allerdings ist sie noch nicht fertig! Der Gesamteindruck ist nicht gegeben.
Wenn überall die Bindeglieder fehlen, Baulücken das Bild zerreißen, Bäume noch wachsen müssen, noch gar nicht alles bezogen und belebt ist, lässt sich kein wirkliches Urteil bilden.

Wissen Sie was?
Wenn es heute nicht möglich ist zu entscheiden, was schöner ist und ob alt und neu zueinander passen und überhaupt …, dann kommen wir halt in ein paar Monaten oder Jahren wieder hierher und schauen uns gemeinsam die Fortschritte an. Beurteilen dann!
Spätestens, wenn dieses enorme Stadtentwicklungsprojekt abgewickelt ist und alle zehn Quartiere des neuen Stadtteils stehen.
Halten Sie sich das bitte gleich in ihrem Terminkalender fest! Nicht, dass Sie später keine Zeit haben. Ich habe es rechtzeitig angekündigt!

Für heute entlasse ich Sie und wünsche Ihnen auch diesmal wieder ein recht entspanntes Wochenende.

©April 2014 by Michèle Legrand
Michèle Legrand - ©Andreas Grav

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Auf ein Wort … an der Elbe bei Blankenese

Hamburg - Blankenese (Richtung Falkensteiner Ufer) - Elbe mit Segelschiff Mare Frisium

Hamburg – Blankenese (Richtung Falkensteiner Ufer) – Elbe mit Segelschiff „Mare Frisium“

August ist da.
Denken Sie eigentlich dabei grundsätzlich sofort an den Monat?
Oder kennen Sie persönlich einen August, der sie gerade mit seiner Anwesenheit beehrt (da ist)?
August löst bei mir immer mehrere Assoziationen aus. Ein weißhaariger Onkel meiner Mutter hatte diesen Namen, der Hamster eines Nachbarkindes aus eigenen Kindertagen hieß ebenso.
Es taucht auch sogleich Augustus „Gussie“ Fink-Nottle vor meinem inneren Auge auf. Dieser August ist eine Figur, die in den Jeeves (and Berti Wooster) Romanen von P. G. Wodehouse vorkommt. Ein bebrillter, etwas verhuschter, eher zurückgezogener und gern in (Liebes-)Dramen verwickelter junger Mann aus der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts mit einer immensen Vorliebe für Wassermolche. Ein leicht weltfremder, kolossaler „newt nerd“. Und da ich gerade – ebenfalls etwas weltfremd – an der Elbe in der Augustsonne sitze und ein dunkler Schatten durch das Wasser flitzt, kam August, der Molchfreak, mir automatisch mit in den Sinn.
Sie merken sicherlich, heute ist lockeres, entspanntes Gespräch angesagt. Geplänkel. Dies und das steht auf dem Programm.
Ich hätte Ihnen ja auch gern eher gesagt, dass ich an die Elbe gehe – falls Sie vorgehabt hätten mitzukommen – doch seit die Olympischen Spiele im Gange sind, habe ich den Eindruck, die Mehrzahl der Menschen ist momentan damit hinreichend beschäftigt und ausgelastet. Was ich völlig in Ordnung finde!
Sollten Sie zwischen Turmspringen, Fechten, Rudern, Reiten etc. kurz Zeit haben, setzen Sie sich zu mir, lassen sie die Füße in die Elbe baumeln und plaudern einfach mit.

Dies ist Blankenese, ein recht feiner Stadtteil im Westen Hamburgs, direkt am Fluss gelegen. Besonders und markant für Blankenese ist, dass es Berge hat.
Oder Hügel.
Wir wollen ja nicht übertreiben.

Hamburg, Blankenese, Blick auf den Süllberg - 01082012

Blankenese – Blick auf den Süllberg

Süllberg, Waseberg, Kiekeberg und Baurs Berg. Am höchsten ist der letzte, jedoch knackt keiner von ihnen die 100 m Marke. Möglicherweise haben die Sportfans unter Ihnen den Waseberg schon einmal im Fernsehen gesehen. Bei den Vattenfall Cyclassics müssen die Radsport-Athleten diesen Berg erklimmen. Die ersten 400 m sind noch erträglich, die letzten 300 m weisen jedoch eine Steigung von 16 % auf.
Also doch ein Berg …
Ansonsten gibt es viel Grün. In früheren Zeiten befanden sich hier ausgedehnte Wälder, in denen sich „heidnisches Raubgesindel“ herumtrieb. So schrieb man im 11. Jahrhundert. Später waren es eher Waldgeister, Trolle, Feen u. a., die Blankenese heimsuchten.
Ich habe bisher weder das eine noch das andere entdeckt.
Heute sind die Hänge dicht besiedelt und Trolle finden sich hier höchstens in Form von Gartenzwergen.

Wie ich hinunter zum Fluss gekommen bin bei all den Steigungen bzw. Abhängen?
Blankenese hat ein Treppenviertel. Von der Elbchaussee führen an vielen Stellen kreuz und quer über den Hang verteilt recht steile Treppen zu den einzelnen Häusern und letztendlich ganz hinunter zum Wasser. Es gibt einige schmale, kurvenreiche Straßen, auf denen zum Teil  sogar ein Bus verkehrt. Allerdings ein spezieller Bus, ein kürzeres und schmaleres Modell als das, was in Hamburg üblicherweise auf den Straßen anzutreffen ist. Die Linie 48  des HVV verkehrt zwischen dem oben gelegenen Blankeneser S-Bahnhof und dem Strandweg am Elbufer. Bergziege heißt passenderweise dieser Kletterkurzbus, und sein Fahrer braucht wirklich Nerven aus Stahl, um hier heil um die Kurven zu kommen, bzw. die Steigungen zu nehmen. Ein Falschparker und schon geht nichts mehr! Glätte im Winter? Albtraum!

Hamburg, Blankenese ... steil hinauf (oder herab) über eine der zahlreichen Treppen ..

Blankenese … steil hinauf (oder herab) über eine der zahlreichen Treppen.

Hamburg, Blankenese - Treppenviertel - 01082012

Blankenese – Treppenviertel

Hamburg, Blankenese - Treppauf, treppab ...

Blankenese – Treppauf, treppab …

Hamburg -  Blankenese - Das "Strandhotel" am Strandweg ...

Blankenese – Das „Strandhotel“ am Strandweg …

Hamburg -  Blankenese -  ... schön angelegt im Bauergarten-Stil

Blankenese – Am Strandweg … schön angelegt im Bauergarten-Stil

Wir haben aber keinen Winter. Im Gegenteil. Es ist wieder warm, die Sonne hat es am Nachmittag geschafft, sich gegen die Wolken durchzusetzen, und so glitzert das Wasser der Elbe verlockend. Einzelne Menschen und vor allem mehrere schwer begeisterte Hunde, haben sich in die Fluten gestürzt, Boote tuckern auf dem Strom, Containerfrachter erreichen und verlassen die Hansestadt.
Die Restaurants und Cafés am Ufer sind – obwohl es kein Wochenende ist – gut besucht, zahlreiche Spaziergänger und Radfahrer unterwegs. Es ist erholsam am Wasser, und so sitze ich nun hier und erzähle Ihnen davon.

Hamburg - Blankenese - Einlaufender Containerfrachter  ... und irgendwie schaut's aus, als hätte er oben ein Schiff quer geladen (Brücke)

Blankenese – Einlaufender Containerfrachter … und irgendwie schaut’s aus, als hätte er oben ein Schiff quer geladen (Brücke)

Hamburg - Blankenese - ... der Containerfrachter brachte übrigens die Anlieferung für das Baumhaus..

Blankenese – … der Containerfrachter brachte übrigens die Anlieferung für das Baumhaus (Vorhaben „Luxurious Elbtree Residence“)

Hamburg - Blankenese - Ab ins Wasser  ...

Blankenese (Richtung Falkensteiner Ufer) – Ab ins Wasser …

Hamburg -  Elbe - Falkensteiner Ufer - Sonne und glitzerndes Wasser am 1. August 2012

Falkensteiner Ufer – Sonne und glitzerndes Wasser am 1. August 2012

Dies und das.
Das war dies.
Das ist, dass ich Ihnen eine kleine Blog-Vorausschau liefern möchte. In nächster Zeit plane ich u. a. Posts zu folgenden Themen:

1)
Es gibt in Hamburg sogenannte Kontorhäuser, gebaut in  der Zeit von ca. 1890 bis vor den ersten Weltkrieg. Damals eindrucksvoll, oftmals während des zweiten Weltkriegs stark beschädigt, aber in den letzten Jahrzehnten saniert und restauriert. Viele von ihnen haben wunderschöne Treppenhäuser! Darüber werde ich künftig berichten. Da ich immer wieder welche entdecke, schwebt mir eine lockere Serie vor, die von Zeit zu Zeit ein neues Haus vorstellt.
Nicht wie ein Lexikon!
Ich habe einige schöne Aufnahmen und werde dazu und zu Besonderheiten einige Anmerkungen machen.
2)
Ich würde Ihnen gern ein bisschen Hagenbecks Tierpark schmackhaft machen.
3)
Bei den verbliebenen Teilnehmern des Model Contests QUARREE GESICHTER 2013 geht es in die nächste Runde. Die neuen Workshops starten an diesem ersten August-Wochenende, ein Event (die Models als lebende Schaufensterpuppen) findet Ende des Monats statt, und danach arbeiten die Finalisten darauf hin, im Oktober bei den finalen Modenschauen als Sieger hervorzugehen! Es gibt somit einiges zu berichten.

Zwischendurch werden höchstwahrscheinlich immer wieder Dinge einfach ungeplant „passieren“. Sie werden – wie bisher auch – kurzerhand eingeschoben.

So, langsam kriege ich kalte Füße hier am Wasser, und bei Ihnen geht sehr wahrscheinlich die Olympiade weiter. Nicht dass Sie die Entscheidung verpassen …

Es war nett, mit Ihnen zu plaudern. Bis demnächst!

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6 Kommentare

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