Archiv für die Kategorie Hamburgs Binnen- und Außenalster

Hamburg im Herbst / Vogelversammlung an der Kleinen Alster

Am Montagnachmittag war ich kurz in der City und erwischte dabei erfreulicherweise einen der sonnigsten Tage seit Langem. Samt unverschämt blauen Himmel und milden Temperaturen so um die 20 °C.
Scharen von Menschen waren unterwegs. Hamburger, die Gäste aus dem Umland, Touristen. Viele Besucher der Innenstadt zieht es bei Sonne automatisch ans Wasser. Wenigstens zwischendurch. An ein Fleet oder an die Binnenalster, die strategisch günstig liegt. Sie ist von allen Seiten im Nu erreichbar. Dann wird sie schlen-
dernd umrundet, oder man sitzt in Ufernähe und beobachtet das Treiben auf dem Wasser. Eisschleckend. Es entspannen sich die Gesichtszüge und gelegentlich umspielt unbeabsichtigt ein Lächeln die Lippen. Das macht der Sonnenschein. Er verbessert die Laune schlagartig.
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Hamburg - Binnenalster im Herbst - Der alte Dampfer St.Georg ... (Blick Richtung Neuer Jungfernstieg. Im Hintergrund der Fernsehturm.)

Hamburg – Binnenalster im Herbst – Der alte Dampfer St.Georg …

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Hamburg - Herbst an der Binnenalster - Der Anleger Jungfernstieg (mit einigen Ausflugsschiffen. Der Dampfer St. Georg legt gerade ab.)

Hamburg – Herbst an der Binnenalster – Der Anleger Jungfernstieg

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Es wäre auch schade, eine solche Gelegenheit im Oktober nicht zu nutzen. Man muss goldene Herbsttage feiern, wie sie fallen. Die Nase in die Sonne halten. Besonders, da bereits feststand, dass mit Auswirkungen
des Orkans (anfangs Hurrikans) „Ophelia“ noch fest zu rechnen war. Staub aus der nordafrikanischen Sahara bzw. Rußpartikel, entstanden bei portugiesischen Waldbränden, drangen bereits in den Norden und Nordwesten vor. Am nächsten Tag war dann tatsächlich zunächst nichts mehr mit blauem Himmel. Stattdessen blieb es über Stunden verhangen wie durch eine leichte, graue Gardine. Hinter diesem Vorhang zeigte sich allerdings am frühen Dienstagvormittag für ein Weilchen eine ungewöhnliche Lichtscheibe. Eine, die keine ganz klaren Ab-
grenzungen zu besitzen schien und die ein eher diffuses Licht abgab. Die Sonne, die einen erstaunlichen und äußerst seltenen Morgenfarbton, ein extravagantes Orangerot, präsentierte. Es sah faszinierend aus, wirkte zugleich aber fast irreal.
Mein einer Nachbar, dem ich beim Laubfegen begegnete, dachte daher auch zuerst an eines dieser als „Blutmonde“ bezeichneten Phänomene. Die Sonne kam für ihn gar nicht in Betracht.

Sie haben es sicher aus den Medien mitbekommen, es sind alles Auswirkungen der ungewöhnlichen Bestand-
teile in der Luft und der Atmosphäre gewesen. Diese Partikel (Saharasand, Ruß etc.) sorgten dafür, dass die Teile des Sonnenlichts, die kurzwellig und bläulich sind, gestreut wurden und das, was dann vermehrt fürs Auge erkennbar war, waren langwellige Lichtteile, die rötlich erscheinen.
Warum das Schauspiel gerade am Vormittag auftrat?
Je flacher die Sonne steht, desto ausgeprägter der Effekt, denn in dem Fall muss das Licht eine längere Strecke durch die Atmosphäre hinter sich bringen. Gegen Abend verhält es sich logischerweise ähnlich, nur Abendsonnen, die den Himmel in ein Orange oder Rot tauchen und selbst wie ein Feuerball scheinen, sind für uns ja nicht ganz so ungewöhnlich.
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Hamburg - Laubfärbung an der Binnenalster

Hamburg – Laubfärbung an der Binnenalster

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Der Herbst zeigt sich auch in der Innenstadt. Nur scheint in diesem Jahr ein Großteil des Laubs herabzurieseln, bevor die Herbstfärbung überhaupt richtig in die Gänge kommt. „Xavier“ riss wohl vorzeitig viel herunter, und offenbar waren die Nächte noch nicht kalt genug. Es ist, als bräuchten die Gehölze einen derartigen Impuls. Danach schienen bei mir im Garten die Ahornarten oder auch der Ginkgo biloba stets besonders Farbe zu entwickeln. Der Indian Summer fällt also – zumindest bei mir im Norden – etwas sparsamer aus als sonst.
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Hamburg - Binnenalster im Oktober - Noch fahren die Ausflugsschiffe ... (Einer der Fleetenkieker auf dem Weg zur Außenalster.)

Hamburg – Binnenalster im Oktober – Noch fahren die Ausflugsschiffe …

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Hamburg - Lombardsbrücke - Laubfärbung an der Binnenalster

Hamburg – Lombardsbrücke – Laubfärbung an der Binnenalster

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Das Nahrungsangebot in der freien Natur wird für die Wasservögel, die sich an Binnen- und Außenalster niedergelassen haben, allmählich knapper. Da die meisten von ihnen eingefleischte Hamburger sind und im Winter nicht in den Süden ziehen, sind sie jetzt besonders wild hinter den Futtergaben der Spaziergänger her. Erlaubt sind Fütterungen nicht, doch es gibt immer genügend Leute, die sich nicht daran halten. Wenn irgendwo einer mit der Tüte am Ufer knistert, ist das der Startschuss für Massenandrang in Ufernähe und Riesenversammlungen auf dem Wasser.

Das ist auf der Ballindammseite an der Binnenalster ….
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Hamburg - Binnenalster (Seite Ballindamm) - Schwäne und andere Wasservögel
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… genauso der Fall wie auf der Kleinen Alster, dem Wasserbereich direkt vor den Alsterarkaden, zwischen Reesendammbrücke und der Rathausschleuse.
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Hamburg - Kleine Alster - Gänse, Schwäne und Möwen

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Mit mir betrachteten zwei Touristen das Treiben, ein Ehepaar aus Graz, wie sich bald herausstellte.
„Oh, ist hier was los! So viele Schwäne!“, hatte sie gerufen und ihren Mann wild angestupst, weil er bisher hauptsächlich die Alsterarkaden im Blick hatte. „Hast du schon mal so viele auf einmal gesehen?“ Und in
meine Richtung schauend, fragte sie: „Sind Sie von hier? Ist das immer so?“
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Hamburg - Kleine Alster - Schwanentreffen ...

Hamburg – Kleine Alster – Schwanentreffen …

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„Ja, ich bin von hier“, beantwortete ich den ersten Teil ihrer Frage und verriet ihr, dass sich vor ihr längst noch nicht alle Schwäne versammelt hatten, die es an der Alster gibt.
„Es gibt NOCH mehr davon?“ Sie schaute ungläubig. „Und sind die ständig da?“

Offenbar hatte sie von unseren berühmten Alsterschwänen bisher noch gar nicht gehört. Bis nach Graz schien es sich nicht herumgesprochen zu haben, dass sie schon seit ewigen Zeiten Hamburgs lebende Wahrzeichen sind.
Ich klärte sie daraufhin ein wenig auf und da beide, auch ihr Mann, höchst interessiert reagierten und mehr erfahren wollten, gerieten wir ins Plaudern.

„Im letzten Jahr, d. h. in 2016, gab es ungefähr 120 Schwäne auf der Alster. Das weiß man relativ genau, weil unser Schwanenvater ein Auge auf sie und ihre Nester hat und sie außerdem jedes Jahr vor dem Winter mit seinem Team hier auf der Kleinen Alster zusammentreibt und einsammelt, um sie dann in offenen Booten zum Mühlenteich in Eppendorf zu verfrachten. Dort ist ihr Winterquartier. Ein Teil der Teichfläche wird eisfrei ge-
halten und dass sie nicht verhungern, ist auch sichergestellt. Wir müssen schließlich gut für sie sorgen, denn kennen Sie die Legende, die sich um unsere Alsterschwäne rankt?“
Ratloses Kopfschütteln.
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Hamburg - Kleine Alster - Versammlung von Schwänen, Gänsen, Möwen, Rallen und Enten
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„Es heißt, dass nur „solange stolze Schwäne auf der Alster ihre Runden ziehen“, Hamburg eine freie und wirtschaftlich erfolgreiche Hansestadt bleibt. Wer wollte riskieren, dass sich an diesem Zustand etwas ändert, nicht wahr. Daher wurden die weißen Höckerschwäne rund um die Alster schon vor Jahrhunderten zunächst vom Hamburger Rat unter besonderen Schutz gestellt und später im 17. Jahrhundert durch den Senat gesetzlich geschützt.“
Ich versuchte, eine halbwegs strenge Miene aufzusetzen.
„Sie dürfen sie also weder beleidigen, noch hetzen, verletzen oder gar abmurksen. Darauf steht Strafe!“

Das Touristenpaar, das nicht so wirkte, als würde es je eine Bedrohung für irgendeinen Wasservögel darstellen, schaute dennoch beeindruckt. Strafe. Oha.
„Dann sind die im Winter also überhaupt nicht hier? Da haben wir ja noch einmal Glück gehabt, Johann“, stellte die Dame fest. „Und ab wann sind sie fort?“
„Meist verlassen sie die Alster in der zweiten Novemberhälfte und kommen Anfang März zurück. Nur im letzten Jahr herrschte in vielen Regionen und Ländern die Vogelgrippe bzw. die Geflügelpest. Es wurde auch für die Schwäne extrem riskant. Man hat sie daher ausnahmsweise bereits Anfang November eingesammelt, und sie leider dann im Frühjahr auch noch drei Wochen länger als üblich in einem extra mit Zeltplanen geschützten Bereich des Winterquartiers lassen müssen, weil weiterhin immer neue Fälle von Vogelgrippe auftauchten.“

„Ist das denn sehr schlimm für die gewesen, dass sie nicht rauskonnten?“ Der Österreicher klang besorgt.
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Hamburg - Kleine Alster - Wasservögel
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„Denen gefällt es ganz grundsätzlich sicher auf der weiträumigen Alster viel besser als auf beengtem Raum, aber was hinzukommt, ist, dass im März die Brutzeit startet und auch das Verhalten der Schwanenmänner sich ändert. Es wird aggressiver.
Eine Befürchtung oder Komplikation war, dass durch das verzögerte Freilassen erst sehr verspätet der Nestbau rund um die Alster beginnen konnte. Dieser Umstand wirkt sich leicht negativ auf die Gesamtzahl der dann noch entstehenden Nester, die Zahl der Gelege oder aber die Anzahl der Eier pro Gelege aus.“
„Hat man das mal geprüft? Sind es denn tatsächlich weniger junge Schwäne in diesem Jahr?“
„Ja. Wobei man nicht beschwören kann, dass es allein daran lag. Es spielen noch andere Gründe mit hinein. Ungünstige Witterung zum Beispiel. Nur während es sonst im Schnitt 30-35 Jungschwäne gewesen sind, schlüpften in diesem Frühjahr nur etwa 20 Küken.“

Wir beobachteten noch ein Weilchen, was sich dort vor der Ufermauer alles versammelte und um Futter bettelte. Die Möwen veranstalteten immer ein Mordsgeschrei und absolvierten wildeste Flugmanöver, um an Nachschub zu gelangen. Enten waren an diesem Tag erstaunlich zurückhaltend. Die Wildgänse watschelten
mit Vorliebe am Ufer auf und ab und pickten dort Heruntergefallenes auf. Die wendigen dunklen Rallen um-
kurvten rasant die Schwäne und versuchten, sie mit diesem Slalom auszutricksen. Es schien ein einstudiertes und bereits erfolgreich erprobtes Szenario.
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Hamburg - Kleine Alster - Kollege wollte schnell noch mit aufs Bild ... (Möwe im Vordergrund, Richtung Kamera fliegend)

Hamburg – Kleine Alster – Kollege wollte schnell noch mit aufs Bild …

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Das gefiederte Volk war gierig und fraß beachtliche Mengen! Diesen Eindruck hatte auch das Ehepaar aus Graz gewonnen.
„Ich habe kürzlich gelesen, dass Kondore manchmal so viel essen, dass sie danach nicht mehr abheben können. Zu schwer … Ob das den Schwänen oder Gänsen wohl auch passiert?“, überlegte ich. Mein Einwurf löste folgende Reaktion aus:
„Wissen’s, was mir da grad in den Sinn kommt?“, sprudelte es aus dem Munde des Grazers nur so heraus. Dann allerdings legte er eine kleine Kunstpause ein, bevor er sein Geheimnis lüftete. „Bernhard und Bianca!“
Nun war es an mir, kurz verdutzt dreinzuschauen.
„Dieser Trickfilm! Mit den Mäusedetektiven! Die wollten auf einem Albatros abheben, und der hatte auch ganz kolossale Startschwierigkeiten!“
Dunkel erinnerte ich mich an eine solche Szene und musste grinsen. Er hatte recht, der etwas korpulente Vogel hatte enorm zu kämpfen gehabt.

Von den großen Wasservögeln hier schien keiner Abflugpläne zu hegen, und so konnten sie sich alle unbesorgt weiter den Magen vollschlagen und eine kleine Winterspeckreserve anlegen.

Ich wäre gern noch länger geblieben, aber die Zeit war an dem Tag sehr knapp bemessen. So wie sie es auch jetzt wieder ist. Für heute verabschiede ich mich und wünsche Ihnen ein schönes Wochenende.
Bis zum nächsten Mal!

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PS:
Falls sie Gegend und/oder Thema reizen, möchte ich Sie noch auf zwei Blogposts aus früheren Jahren hinweisen, die sie über nachstehende Links erreichen können:
Bootsfahrt im November (2011)
Gefiederte Hamburger und Quiddjes / Die Scherben an der Rathausschleuse (Winter an der Alster, 2012)

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PPS
PSpPS

© by Michèle Legrand, Oktober 2017
Michèle Legrand

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Zwischendurch hereingeschaut …

Die Zeit geht rasant ins Land. Ich muss mich einfach einmal zwischendurch bei Ihnen melden.

Sie haben es ja selbst gemerkt, die Vögel haben ihren Rucksack umgeschnallt und ziehen in Scharen in den Süden, man wird beim Spazieren ungeniert mit Kastanien beworfen, ALDI hat Laubsauger im Angebot der Woche (hoffentlich kaufen nicht so viele diese Lärmkisten), Frühnebel hängt zwischen den Bäumen … Herbst! Und meine Armbanduhr zeigt an, dass seit dem letzten Post hier mehr als zwei Wochen vergangen sind. Jaha, die kann das! Die hangelt sich von Beitrag zu Beitrag und zählt penibel mit. P+18 steht dort. P für Post, +18 für die verstrichenen Tage.
(Jetzt glauben Sie doch nicht alles! ^^)

Dieses Jahr verläuft bei mir einfach anders. Andere Umstände ziehen andere Abläufe und ein anderes Verhalten nach sich. Wollte ich warten, bis ich Ihnen durch Touren und Erkundungen wieder umfassend Neues präsentieren kann, würde der Stift zwischenzeitlich eintrocknen und Sie begännen mit den Füßen zu scharren. In den Fingern juckt es mich trotzdem, die Frage ist nur, wie schaut in einem solchen Fall der Alternativpost für Sie aus?
Bloggerkollegin Donna vom Blog Garden Walk Garden Talk sprach gerade in ihrem sehr interessanten Beitrag Why so trivial?  über das Phänomen, dass einem beim Bloggen – ganz speziell bei einem eng eingegrenzten Themenbereich und sich dadurch unweigerlich wiederholenden Anlässen und Fotomotiven – mitunter manches Selbstgeschriebene auf einmal so trivial erscheint.
Zu trivial, um es zu posten?
Meine Ansprüche an Beiträge sind prinzipiell auch anders, liegen höher, über der Trivialstufe. Diese Vorstellung vom fertigen Artikel wiederum katapultiert Ansammlungen von Trivialem automatisch hinaus in die Wüste.
Trotz oder gerade im Fall umfangreicher Texte, versucht ein Schreiber, nichts doppelt und dreifach und nur
in anderen Worten wiederzukäuen. Es liegt einem sehr daran, Unwichtiges zu eliminieren und „gefühlte“ Belanglosigkeiten sehr kritisch zu betrachten.
Ist es tatsächlich belanglos oder trägt es doch zum Verständnis bei?
Für wen erscheint es überhaupt trivial? Für den, der schreibt? Oder für den Leser?
Was ich selbst als trivialen Einwurf empfinde, weil mir die Details bereits bestens bekannt sind, muss am anderen Ende noch lange nicht als ein solcher Inhalt empfunden werden. Ich wage fast zu behaupten, dass mitunter ein bewusst platzierter trivialer (im Sinne von anspruchsloser) Einschub innerhalb einer die ganze Aufmerksamkeit erfordernden Abhandlung fast so etwas wie eine kurze Erholungsphase für den Geist darstellt, bevor er erneut ernsthaft bei der Sache ist und weiter aufnimmt. Ziel ist es, für den Leser so zu schreiben, dass er zwischendurch Entlastung hat. So, wie beim Sporttraining Lockerungsübungen für die Muskeln eingeplant sind. Dann läuft es unangestrengt und hinterlässt keinen abschreckenden Muskelkater.
Ich denke mir folglich, so unterschiedlich, wie die Themen hier stets sind, so verschieden darf auch die Form sein. Vielleicht dient ein Beitrag wie der heutige insgeheim eher meiner eigenen Entspannung, wer weiß das schon – nur Sie werden vermutlich nicht gleich zusammenbrechen, wenn es für Sie alternativ um völlig unspektakuläre Dinge geht.
Sie kennen außerdem die Taste und wissen um die Freiheit, einfach etwas wegzuklicken …

Es fiel das Wort Entspannung. Mir ist schon allein deshalb danach, weil die Stadt sich gerade sehr laut präsentiert. Geht es Ihnen auch so, dass Dauerlärm Sie mürbe macht? Manche können es gut ab, aber ich werde davon fix und foxi. Baustellen in der Nähe, meine Straße nebenan als Umleitungsstrecke mit ewig langem Rückstau und laufenden Motoren vor geschlossener Bahnschranke, eine Halbmarathon-Veranstaltung am vergangenen Wochenende fast vor der Tür, das Oktoberfest, das bis Anfang Oktober jeden Abend bis in die Puppen zu hören ist, der Verkehr auf der Bahnstrecke sowie für zwei Wochen zusätzlich Fluglärm, weil eine Start- bzw. Landebahn am Flughafen überholt wird und sämtliche  Flugzeuge nun meinen Stadtteil überfliegen.

Großveranstaltungen mit entsprechend weiträumigen Sperrungen sind auch im Innenstadtbereich Hamburgs mehr geworden. Bei meiner Hausbank wird das dazugehörige Parkdeck saniert, das Betongefräse tönt seit einer gefühlten Ewigkeit. Ebenso wird eine komplette Parkebene im Einkaufszentrum saniert. Fehlen die Abstellmöglichkeiten dort, wirkt sich das sofort auf die eh schon kritische Parksituation im Umfeld aus. Was ich zu Fuß oder mit dem Rad erledigen kann, mache ich daher lieber auf die Art, nur neulich ließ sich etwas nicht ohne Auto bewerkstelligen.
Es hatte sich endlich eine Parkmöglichkeit ergeben, als eine Frau in ein am Straßenrand abgestelltes Auto
stieg und Anstalten machte wegzufahren. Also Blinker an und dahinter gewartet. Nur leider setzte sich so ein dazukommender Oberrüpel dazwischen und klaute mir den Platz. Tat zunächst so, als hätte er mich nicht gesehen, hielt es aber selbst danach nicht für nötig, die Lücke wieder zu räumen oder sich zu entschuldigen.
Es nützt ja nichts sich anzulegen, denn es ändert meist nichts am Fakt des besetzten Platzes. Ich revanchiere mich eher in anderer Form, fahre gern das Seitenfenster herunter, warte bis derjenige aussteigt, schaue ihn sehr ernst und besorgt an und sage:
„Sie wissen schon, dass so etwas Pech bringt … Unglück anzieht?“
Ich versichere Ihnen, es hängt alles davon ab, wie überzeugend Sie dabei wirken. Man muss Ihnen abnehmen, dass Sie quasi der Abkömmling eines Voodoo-Meisters sind.
Wenn so etwas wie „Pffft!“ oder „Haha!“ zurückkommt, sollten Sie nachlegen.
„Es ist natürlich Ihre Sache, ob Sie heute vorsichtig sind oder nicht. Mein früherer Nachbar ist damals ein paar Stunden später von der Leiter gefallen. Komplizierter Bruch. Langwierige Sache. Der hatte übrigens auch MIR den Platz geklaut …“

Selbst wenn Ihr Gegenüber sehr cool und überlegen tut, Sie können sicher sein, dass ihn das den ganzen
Tag beschäftigen und leicht verunsichern wird. Wenn er sich abends am Herd die Finger verbrennt, schiebt
er das auf den Parkplatzklau, der Pechgedanke nistet sich ein und das nächste Mal lässt er es sein.
Ich kann so stets sehr gut mit dem Verlust der Lücke und meinem ersten Ärger fertig werden.

Hamburg - Straßenfest am Mühlenkamp (Winterhude) - 11.09.2016 (Stände und Luftballons)

Hamburg – Straßenfest am Mühlenkamp (Winterhude) – 11.09.2016

 

Ansonsten war ich kürzlich mit meiner Stepptanztruppe für einen Auftritt beim Straßenfest im Mühlenkamp (Hamburg-Winterhude) eingeladen. Bei uns ist die kleine Herausforderung, dass wir nicht in einer festen Gruppe auftreten, sondern uns anlassbezogen oder nach Terminmöglichkeiten unterschiedlich zusammen-
mischen. Uns allen ist gemein, dass wir die gleiche Trainerin haben, jedoch die einzelnen Kurse an völlig unterschiedlichen Standorten üben. Die Choreographie kennen alle, nur je nachdem, wer und wie viele bei einem Auftritt teilnehmen, variiert die Aufstellung und die Verteilung der einzelnen Parts. So treffen wir uns etwas eher vor Ort, besprechen letzte Details und gehen möglichst einmal alles praktisch durch.
Bei der letzten Probe war der Fußboden wahnsinnig glatt, worauf ich überhaupt nicht vorbereitet war. Es war
ein gebohnerter Parketttanzboden, der für normale Tänze mit herkömmlichen Tanz- oder Turnschuhen taugt, aber nicht unbedingt gedacht ist für Schuhe mit Metallsohlen. Sie kommen sich vor, als liefen Sie mit Gleitschuhen auf einer vereisten Pfütze. Man muss sich sagenhaft konzentrieren, darf die Schritte nicht zu schwungvoll und ausladend machen, was einen im Ablauf natürlich irritiert. Es funktioniert nicht wie sonst …
Den anderen ging es nicht viel anders als mir. Wir trösteten uns damit, dass dafür der Bühnenboden bestimmt stumpf sein würde. Dort werden meist irgendwelche Platten zusammengesteckt, und dann ist mehr das Problem, dass gelegentlich zu breite Spalte gelassen werden.
Als wir hinkamen – Überraschung! Auch der Untergrund der Bühne entpuppte sich als spiegelglatt. Immerhin konnte es einen nicht mehr erschüttern. In dem Moment war ich ungemein froh, dass mich das kurze Training zuvor präpariert hatte. Dennoch gar nicht einfach, auf der Bühne nicht rückwärts in das dort stehende Schlagzeug zu flutschen.

Ich hätte Ihnen gern etwas von der Stepperei gezeigt, doch der USB-Stick mit einem Handyvideo, das ein Zu-
schauer aufnahm, kursiert noch in der Gruppe. (Und da wäre ebenfalls noch die Frage zu klären, ob alle ihre Zustimmung zur Veröffentlichung geben. Wir werden sehen …)

An dem Tag herrschte herrliches  Spätsommerwetter, so bin ich in der Wartezeit vor dem Auftritt ein wenig herumspaziert. Von einer Brücke am Beginn des Mühlenkamps kann man auf den Langen Zug schauen. Das ist keine Waggonansammlung auf einem Abstellgleis, sondern so nennt sich etwas, das wie ein schmaler Arm der Außenalster wirkt, der in Höhe Bellevue in östlicher Richtung abzweigt. In Wirklichkeit verbirgt sich dahinter jedoch die Osterbek, die zur Alster hinfließt und auf dem letzten Stück, bevor sie dort mündet, den Namen Langer Zug trägt. Wie dem auch sei, Sie werden vermutlich auch sagen, Wasser ist Wasser.

Hamburg - Blick vom Mühlenkamp (Brücke) auf den Langen Zug (Richtung Außenalster) mit Kanus

Hamburg – Blick vom Mühlenkamp (Brücke) auf den Langen Zug (Richtung Außenalster)

 

Hamburg - Blick von der Brücke im Mühlenkamp auf den Langen Zug (andere Seite)

Hamburg – Blick von der Brücke im Mühlenkamp auf den Langen Zug (andere Seite)

 

An warmen Tagen ist hier viel los, Spaziergänger biegen auf ihrem Weg um die Außenalster hier spontan ein, mit dem Alsterdampfer kommen Gäste zum gemütlichen Kaffeetrinken mit Blick aufs Wasser …

Hamburg - Langer Zug mit Alsterausflugsboot und Tretboot in Schwanenform

Hamburg – Langer Zug mit Alsterausflugsboot

 

… es wird gepaddelt, gerudert, Tretboot gefahren und direkt an der Ecke Mühlenkamp/Körnerstraße lassen sich sogar Bretter für das Stehpaddeln ergattern. Ein SUP-(Stand Up Paddling)Verleih hat dort seinen Sitz.

Hamburg - Blick vom Mühlenkamp auf den Langen Zug. Die Stehpaddler sind unterwegs ...

Hamburg – Blick vom Mühlenkamp auf den Langen Zug. Die Stehpaddler sind unterwegs …

 

Schon schön, solche anziehenden Punkte und Freizeitmöglichkeiten mitten in einer großen Stadt vorzufinden. Diese Ecken mit viel Grün und Wasser entschädigen immer für steigenden Straßenlärm, Baustellen oder Beton-ansammlungen anderenorts.

Mit diesen optischen Eindrücken verabschiede ich mich zunächst und wünsche Ihnen einen entspannten Ausklang des Wochenendes!
Haben Sie eine schöne Zeit!

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© by Michèle Legrand, September 2016
Michèle Legrand

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„Der trainiert für den Gondelführerschein …“ Unterwegs in Hamburg – Kür und Pflicht / Kesselfallen, Menschen auf Brettern und Édouard Manet

Geht es Ihnen auch manchmal so, dass Sie es als ich will nicht behaupten sinnlos, aber als reichlich unbe-
friedigend empfinden, sich irgendwo hin zu begeben, nur mit der Aussicht, dort etwas zu erledigen, wozu
Sie keine Lust haben? Irgendein aufgehalstes Pflichtding, was sie aber auch nicht abbiegen oder ausfallen lassen können?
Einzig und allein für etwas gar nicht Erbauliches, Ungewolltes wird unter einigem Aufwand ein Ziel angepeilt, es fallen (Fahr-)Zeit plus Fahrtkosten an und letztendlich geht es lediglich darum, etwas hinter sich zu bringen?
Ein bisschen frustrierend ist das schon, oder? Nun, am Ende können Sie sich zwar lobend auf die Schulter klopfen und ein Sternchen dafür eintragen, wie brav und überhaupt nicht aufmüpfig Sie waren – aber es ist
und bleibt eine ziemlich lustlose Angelegenheit.
Ich sage mir immer, wenn man heimgekehrt ist und es einen selbst hinterher noch wurmt, dass man dazu los war und seine Zeit opfern musste und obendrein das Gefühl hochkommt, gleichzeitig käme jeglicher Ausgleich in Form von positiven Erlebnissen, jegliches Kontrastprogramm oder einfach die Entspannung zu kurz, dann wird es Zeit, sich Gedanken über eine praktischere, für die Stimmung förderliche Art der Abwicklung dieser Pflichtdinge zu machen.

Mir kam wieder unverhofft ein weiteres Pflichtding in die Quere. Die Betonung liegt auf dem Wörtchen wieder. Eine ganze Weile spult man sein Muss-Programm, selbst wenn es einseitig ist oder komprimiert anfällt, ja klaglos herunter, hofft auf bessere Stunden, doch in meinem Fall hatte ich kürzlich genau in dem Moment gelinde gesagt die Faxen dicke. Schon wieder! Und dann am Sonnabend! Und dafür extra los? Nur dafür?
Allerspätestens wenn dieser Punkt erreicht ist, wende ich gern einen Trick an.
Es handelt sich nicht um eine ultrageheime oder einzigartige Methode, andere werden es sicher auch so halten. Kindische Verweigerung bringt rein gar nichts, genauso wenig, wie etwas ständig weiter vor sich herzuschieben. Nein, ich kombiniere ganz gezielt Ungewolltes mit Erwünschtem. Das demotiviert nicht so. Es nimmt der Pflicht die Wucht und all das, was die Stimmung gern in den Keller befördert, was letztendlich mehr und mehr zu Frust, Tiefs und Leistungsabfall führt.
Bei einer Mischung und einer anderen Gewichtung hingegen verliert das Muss-Programm an Einfluss, die frei gewählte Ergänzung bringt den positiven Input. Und das Merkwürdige ist, selbst bei Zeitknappheit funktioniert dieses Prinzip.
Logisch schiene, je mehr ich einbaue in mein Programm, desto länger brauche ich insgesamt und desto länger habe ich wohl auch damit zu tun, ehe meine leidige Pflicht erledigt ist. Doch es läuft anders.
Eine gesunde Balance zu schaffen ist das beste Mittel, Energie nicht zu vergeuden, sondern zusätzliche zu sammeln und diese nicht für Frust zu verschießen oder vom Ärger und Stress fressen zu lassen. Stattdessen wird sie in die richtigen Bahnen gelenkt. Man ist insgesamt sehr viel besser drauf, was bewirkt, dass besonders die ungeliebten Programmpunkte schneller und leichtherziger ausgeführt sind.
Am freiwilligen Programm lässt sich notfalls etwas kürzen, wenn es ganz eng wird. Das ist immer noch besser, als gar nichts anderes einzuplanen und auf Ausgleich komplett zu verzichten. Für Skeptiker dieser Theorie möchte ich es so formulieren:
Sie würden nur dann kaum etwas auf die Reihe bekommen, wenn Sie auf einmal von einem Extrem ins andere verfielen. Es geht jedoch nicht von der Hektik ins Koma, Sie sollen nicht vom Duracell-Hasen zur menschge-wordenen Schlaftablette mutieren. Wir reden nicht von Pflichten ausklammern oder ewig vor sich herschieben. Es geht einzig und allein darum, statt nur Pflicht auch Kür zu haben. Frust und Lust. Was zu Beginn, mittendrin oder am Ende eingebaut wird, das mag jeder für sich entscheiden.

Wie es an dem bewussten Sonnabend kürzlich ablief?
Arbeitsauftragsmäßig hätte ich am Hauptbahnhof Halt einlegen müssen, bin stattdessen jedoch mit diebischem Vergnügen ein paar Stationen darüber hinausgefahren und so ausgestiegen, dass ich (leider, leider …) zurücklaufen musste und mich mein Gang dabei durch einen Teil der traumhaften Parkanlage Planten un Blomen führte. Bevor ich regulär vom Hauptbahnhof aus wieder heimfuhr –  natürlich erst, nachdem auch die leidige Sache erledigt war – , blieb mir tatsächlich noch etwas Zeit für einige andere kleine Erkundungen (die bereits seit vier Monaten viel zu kurz kommen).
Wunsch und angepeiltes Resultat:
Das Muss-Ding sollte sich quasi nebenher erledigen, und ich wollte  dafür sorgen, dass mir bei späteren Rückfragen nach der nennen wir es Qualität des Wochenendes, nicht dieser Pflichtrohrkrepierer als erstes einfiel und noch einmal sauer aufstieß.

So, Sie schnappe ich mir jetzt (falls Sie mögen)  und zeige Ihnen die Dinge, die nicht mit der Pflicht zu tun hatten.

Planten un Blomen Ende Mai/Anfang Juni …

Hamburg - Planten un Blomen - Ende Mai 2016

Hamburg – Planten un Blomen – Ende Mai 2016

Im Winter wurde diesmal im gesamten Park sehr viel und stark zurückgeschnitten, so dass es im zeitigen Frühjahr bei kühlem Wetter ein bisschen länger dauerte, bis alles neu austrieb. Doch bereits jetzt merkt man kaum noch etwas von der Auslichtungsaktion. Es ist wieder richtig schön dort!

Hamburg - Planten un Blomen - Ende Mai 2016

Hamburg – Planten un Blomen – Ende Mai 2016

Die vielen Stauden lösen gerade die Zwiebelblüher ab, und bei dem feuchtwarmen Wetter explodiert ihr Wachstum.

Hamburg - Planten un Blomen - Hohe Farne mit ausgeprägtem Stiel

Hamburg – Planten un Blomen – Hohe Farne mit ausgeprägtem Stiel

Bäume und Sträucher sind mittlerweile alle grün  bzw. blühen sogar. Der Taschentuchbaum zeigt seine weißen Zipfeltücher und Ende des vergangenen Monats produzierten besonders die Rhododendren, Azaleen und Ginster ein sehr intensives Farbenmeer.

Hamburg - Planten un Blomen - Zeit der Rhododendronblüte - Lauschige Plätzchen nahe der Mittelmeerterrassen

Hamburg – Planten un Blomen – Zeit der Rhododendronblüte – Lauschige Plätzchen nahe der Mittelmeerterrassen

 

Hamburg - Planten un Blomen - Ende Mai 2016 - Rhododendren und Ginster, im Hintergrund der helle Austrieb der Sumpfzypressen

Hamburg – Planten un Blomen – Ende Mai 2016 – Rhododendren und Ginster, im Hintergrund der helle Austrieb der Sumpfzypressen

Der Höhepunkt der Blüte ist jedoch schon überschritten, und die starken Regengüsse der letzten Woche haben danach ziemlich gewütet.

Hamburg - Planten un Blomen - Ende Mai 2016 - Rhododendren und Azaleen, Ginster gesellt sich dazu

Hamburg – Planten un Blomen – Ende Mai 2016 – Rhododendren und Azaleen, Ginster gesellt sich dazu

Der Uferbereich unterhalb der Mittelmeerterrassen wächst wieder ein. Bei schönem Wetter flanieren hier Hunderte entlang des alten Wallgrabens und unverschämtes Glück hat, wer bei solchem Andrang noch einen weißen Liegestuhl am Hang oder direkt beim Gewächshaus ergattert und von oben genüsslich auf das Wasser und die Blütenpracht herunterschauen kann. Es ist dort immer ein wenig wärmer als anderswo, denn das Schiefergestein der Mauern speichert viel Wärme und gibt sie langsam wieder ab. Auch ein Grund, warum sich dort so viele Pflanzen aus der Mittelmeerregion wohlfühlen.

Hamburg - Planten un Blomen - Am alten Wallgraben (Irisblüte)

Hamburg – Planten un Blomen – Am alten Wallgraben (Irisblüte)

Der Park und speziell auch die Wiese am großen See (mit Wasserspielen und Lichtorgel) sind bei warmem Wetter dicht bevölkert. Wenn Sie in den Park möchten und freie Zeitwahl haben, dann wählen Sie vorzugsweise einen Wochentag. Schön ist er zwar immer, aber wochentags ist es wesentlich entspannter.

Hamburg - Planten un Blomen - Am alten Wallgraben

Hamburg – Planten un Blomen – Am alten Wallgraben

Wer sich keine großen Sorgen um einen guten Platz machen muss oder sonst notfalls übereinander liegt, sind die im und am Wallgraben lebenden Wasserschildkröten …

Hamburg - Planten un Blomen - Am alten Wallgraben - Schildkröten an ihrem Lieblingsplatz in der Sonne

Hamburg – Planten un Blomen – Am alten Wallgraben – Schildkröten an ihrem Lieblingsplatz in der Sonne

Für Kinder stets die Attraktion schlechthin. Sie hören dann auch häufig Bemerkungen wie:
„Guck mal, das sind Doppeldecker!“, „Ich habe Stapeltiere gesehen!“ oder „Und wo haben die ihre Flossen?“

Hamburg - Planten un Blomen - Sonnenanbeter (Schildkröten im Wallgraben)

Hamburg – Planten un Blomen – Sonnenanbeter

Schon des Öfteren gab es aus gegebenem Anlass Neues aus Planten un Blomen (bei Interesse am Archiv werfen Sie bitte einen Blick auf die Kategorien auf der Startseite rechts). Einige unter Ihnen kennen daher das große Gewächshaus mit seinen unterschiedlichen Abteilungen. Das Schöne ist, dort gibt es immer wieder Neues zu entdecken. Irgendetwas blüht zum ersten Mal, eine Pflanze ist neu hinzugekommen, etwas fruchtet nach Jahren endlich …

Heute habe ich Ihnen aus dem Tropenteil zwei sehr unterschiedliche, baumhohe Pflanzen herausgepickt, die gerade in Blüte sind.
Schauen Sie einmal, dies hier ist ein Saraca asoca, auch Heiliger Ashok-Baum genannt, da er in Indien in der Nähe von Hindu-Heiligtümern anzutreffen ist. Ashoka ist ein Begriff aus dem Altindischen (Sanskrit), hat die Bedeutung „ohne Sorge“. Es gibt ihn auch in weiteren Ländern der Region, doch ist seine Art inzwischen auf der Roten Liste der gefährdeten Arten  als vulnerable (gefährdet) aufgeführt.

Hamburg - Planten un Blomen - Saraca asoca, der heilige Ashok-Baum

Hamburg – Planten un Blomen – Saraca asoca, der heilige Ashok-Baum

Hier steht er nun im Gewächshaus. Ein immergrüner Baum, der im Freien etwa zehn Meter hoch wird, hier im Laufe der Zeit immerhin bis zum Glasdach gewachsen ist und dort in dieser Höhe im Moment eine dekorative, leuchtend orangefarbene Blütenpracht präsentiert. Der Ashok-Baum trägt große Dolden bzw. schirmrispige Blütenstände mit unzähligen Einzelblüten, die unheimlich lange Staubfäden haben. Die farbintensiven Kelchblätter verändern ihre Farbe. Die Blüte startet in Gelb, wird orange und zum Ende der Blütezeit schließlich fast scharlachrot. Und wie das duftet! Am stärksten in der Nacht, auf diese Art lockt der Baum seine Bestäuber an. Natürlich gewöhnlich draußen, aber die Blüte ändert ja nicht auf einmal ihr Verhalten, nur weil sie das Leben einer Gewächshauspflanze führt. Das Duften deshalb abstellen? Nein, auf die Idee kommt sie nicht.
Wer morgens bereits das Tropenhaus besucht und durch die Glastür tritt, registriert, der Duft der Nacht schwebt noch im ganzen Raum!
In der Natur entwickeln sich nach der Blüte 15 bis 25 cm lange Hülsenfrüchte. Bei Reife platzen sie auf und geben vier bis acht Samen ab. Wie gesagt im Freien, mit entsprechenden Bestäubern im Umfeld des Baumes.
Wissen Sie daher, was eigenartig ist und auch für die Fachleute vor Ort momentan noch ein kleines Rätsel darstellt?
In Stammnähe sind einige Sämlinge zu sehen, was heißt, dass die Pflanze Samen angesetzt hatte. Nur wer hier drinnen im Gewächshaus den Pollentransport vornimmt, das weiß keiner …

Hamburg - Planten un Blomen - Die Doldenblüten der Saraca asoca (Heiliger Ashok-Baum)

Hamburg – Planten un Blomen – Die Doldenblüten der Saraca asoca (Heiliger Ashok-Baum)

Dies hier nun, ist die eigenwillige Blüte eines Baumes, der sich Aristolochia arborea nennt.

Hamburg - Planten un Blomen - Blüten der Aristolochia arborea

Hamburg – Planten un Blomen – Blüten der Aristolochia arborea


Die Blüten der Aristolochia arborea
sind Kesselfallen und was die Gestaltung angeht sehr speziell. Optisch besonders auffällig! Wenn Sie einmal genau hinschauen, erkennen Sie, dass sich in der Mitte der sogenannten Perianthröhre etwas befindet, was auf den ersten Blick wie ein kleiner Hutpilz aussieht.   
Man geht davon aus, dass diese Blüte von der Pilzmücke bestäubt wird. Ein Insekt, das sich – wie sein Name sagt – auf Pilze konzentriert und selbst seine Eier dort ablegt. Die Pilzmücke fällt tatsächlich auf diese Attrappe herein, zumal die Blüten oft sehr weit unten in Bodennähe am Stamm auftauchen, an einem Platz, an dem Pilzwuchs durchaus realistisch erscheint.

Hamburg - Planten un Blomen - Im Innern einem Hutpilz täuschend ... Aristolochia arborea

Hamburg – Planten un Blomen – Im Innern einem Hutpilz täuschend … Aristolochia arborea

Die Pilzmücke forscht nun, ob sich das Gebilde für ihre Eiablage eignet und untersucht dafür angelegentlich die Hutpilzkopie. Sie bemerkt dabei nicht, dass eine kleine Öffnung für sie zur Gefahr werden könnte, fällt prompt hindurch und sitzt in der Kesselfalle.
Weil aber oben durchscheinende Zellen fast wie ein Fenster wirken, meint sie, dort einen Ausgang zu entdecken, Versucht sie daraufhin, dadurch zu entkommen, berührt sie die klebrigen Narben und überträgt dabei Pollen, den sie selbst mitgebracht hat. Raus kommt die Pilzmücke auf diese Art nicht, aber sie überlebt es trotzdem, denn schon am nächsten Tag öffnen sich die Antheren (Staubbeutel), und nun werden wiederum die Pilzmücken mit Pollen eingestäubt.
Die Blüte der Aristolochia arborea welkt, was die Zwangsinhaftierung der Pilzmücke beendet und ihr erlaubt, der Falle zu entkommen.

Über die kühlere Subtropen-Abteilung geht es Richtung Farnhaus  …

Hamburg - Planten un Blomen - Tropenschauhaus (Farnbereich)

Hamburg – Planten un Blomen – Tropenschauhaus (Farnbereich)

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… zum Sukkulentenhaus. Dort leuchten schon von weitem die großen Blüten einer Kaktuspflanze, die den Namen Cactaceae Echinocereus salm-dyckianus trägt.

Hamburg - Planten un Blomen - Sukkulentenhaus - Cactaceae Echinocereus salm-dyckianus

Hamburg – Planten un Blomen – Sukkulentenhaus – Cactaceae Echinocereus salm-dyckianus

Ich müsste ganz allmählich irgendwie wieder Richtung Hauptbahnhof kommen. Sie wissen, die Pflicht …


Erkenntnisse an der Binnenalster

Von Planten un Blomen, Ausgang Stephansplatz, geht es daher weiter Richtung Esplanade. Diese Straße führt zur Lombardsbrücke, und die überquert gemeinsam mit der parallel zu ihr verlaufenden Kennedybrücke die Alster. Die beiden Brücken trennen Binnen- und Außenalster optisch voneinander ab.  Wenden wir uns heute der Binnenalster zu.

 

Hamburg - Binnenalster - Chillen ...

Hamburg – Binnenalster – Chillen …

 

Dort fahren nicht nur die Boote der Alstertouristik oder der schon betagte Alsterdampfer St. Georg, der wirklich Dampf ablässt, hier sind auch Ruderer unterwegs oder Tretbootfahrer.

Hamburg - Binnenalster - Alsterdampfer St. Georg unterquert die Lombardsbrücke Richtung Außenalster

Hamburg – Binnenalster – Alsterdampfer St. Georg unterquert die Lombardsbrücke Richtung Außenalster

 

Und wie Sie unschwer erkennen, ebenfalls einige auf Brettern stehende Menschen mit langen Stechpaddeln …

Hamburg - Binnenalster - Die Stehpaddler sind unterwegs ....

Hamburg – Binnenalster – Die Stehpaddler sind unterwegs …

 

Ein älterer Herr schaute sich das Szenario an. Als seine Frau einen der Paddler geraume Zeit mit den Augen verfolgt hatte, fragte sie ihren Gemahl, was das dort denn bloß sei, das hätte sie ja noch nie gesehen!
„Der trainiert für den Gondelführerschein“, antwortete er bierernst.
„Du spinnst“, lautete ihre Reaktion, woraufhin er nur seelenruhig erwiderte:
„Dann sag du mir doch, was das sonst sein soll!“

Auch wenn sich das Stand Up Paddling oder Stehpaddeln als Freizeitsport enorm verbreitet, es ist bisher nicht überall und jedem bekannt. Wo die Möglichkeiten nicht gegeben sind, weil Wasserflächen fehlen, kommt eben keiner damit in Berührung. Das wiederum schafft Platz für kühne Phantasievorstellungen …
Warum sollte jeder beim Anblick sofort eine Verbindung zu den polynesischen Fischern und ihren Kanus, die sie im Stehen paddelnd vorwärts bewegten, sehen. Und folglich darin den Ursprung dieser Disziplin erkennen. Warum eine schnelle Art der Fortbewegung auch über weite Strecken oder reines Sportvergnügen daraus ableiten, wenn man gerade komplett andere Assoziationen hat.
Diese Idee des Herrn bezüglich des Gondelführtrainings ist nicht völlig abwegig!
Man hat hier in Hamburg, das gern als das Venedig des Nordens (aufgrund seiner vielen Brücken und Fleete) bezeichnet wird, tatsächlich schon überlegt, sich bei den Venezianern die Sache mit den Gondeln abzugucken. Hauptsächlich für die Touristen. Wo allerdings Gondeln eingeführt werden, wären natürlich auch Gondolieri dringend gebraucht. In Venedig sieht man das als sehr anspruchsvollen Job. Das darf erstens nicht jeder Hans und Franz, und zweitens muss der zukünftige Gondoliere eine recht schwere Prüfung ablegen. Wieso sollte das Prozedere in Hamburg anders sein …
Wenn es nach der Vorstellung unseres geschätzten Kommentators ginge, erfolgte das Training also auf dem Surfbrett, die Erlangung des Führerscheins und eine Gondola wären danach vermutlich nur noch eine Frage der Zeit.
Auf der Alster für sein segelloses Surfbrett ein langes Stechpaddel dabeizuhaben, ist auf jeden Fall nicht verkehrt. Denn Sie werden hier recht lange auf tosende Brandung und hohen Wellengang warten müssen, um auf diese Weise, wild über die exorbitanten Wellenkämme reitend, vorwärtszukommen …

Hamburger Kunsthalle – Sonderausstellung Édouard Manet

Ist die Lombardsbrücke überquert, sehen Sie bereits auf der linken Seite die Hamburger Kunsthalle. Beide auf dem Foto auftauchenden Gebäude gehören dazu! Insgesamt sind es mit einer Erweiterung zur anderen Seite sogar drei Bauten. Links der weiße Kubus mit fünf Stockwerken ist die Galerie der Gegenwart, dazwischen befindet sich das Plateau (auf dem z. B. schon die Riesenspinne „Maman“ von Louise Bourgeois ausgestellt wurde), das was Sie rechts als Backsteingebäude erkennen, ist der Gründungsbau von 1869.

Hamburg - Kunsthalle (links und rechts)

Hamburg – Kunsthalle (links und rechts)

 

Die Hamburger Kunsthalle kann ich Ihnen empfehlen! Generell und besonders jetzt!
Sie haben sicher aus der Presse vernommen, dass nach langer und millionenteurer Umgestaltungs-
und Renovierphase zum Mai Wiedereröffnung war und Gebäude, Außengelände und vor allem die Ausstellungsräume und damit die Präsentation der Werke jetzt viel schöner als vorher sind.
Der Eingangsbereich wurde nach fast 100 Jahren von der Seite, die Richtung Hauptbahnhof zeigt, wieder zurück in das alte Backsteingebäude und dort Richtung Plateau verlegt. Schauen Sie sich das Ergebnis an,
es ist recht gelungen!
Viel einladender und imposanter allein schon bei der Ankunft durch die interessante Fassade mit ihren Säulen, Verzierungen und Figuren. Freundliche, warme Farben nun auch innen, dazu großzügige Marmortreppen, Stuck (goldverziert), ein Terrazzoboden mit geometrischem Muster, gute Aufteilung, ansprechende Beleuchtung.
Sie merken, ich habe es mir nicht verkneifen können, auch dort einen Halt einzulegen. Ein weiterer Kürpunkt und direkter Anlass war für mich allerdings nicht allein die Wiedereröffnung, sondern die gerade gestartete und noch bis zum 4. September 2016 laufende Sonderausstellung mit einer Vielzahl von Werken des Malers Édouard Manet.
Da der gesamte erste Monat nach Umbau für alle Besucher der Kunsthalle eintrittsfrei war, habe ich mir gedacht, selbst wenn ich nur kurz für diese Ausstellung bleiben kann, so ist es nicht tragisch. Anders, als hätte ich 12 bzw. 14 €  (wochentags bzw. am Wochenende und feiertags) Eintritt zu bezahlen und müsste dann bereits nach einer knappen Stunde wieder gehen.

Hamburg - Hamburger Kunsthalle - Die Seite, an dem sich jetzt wieder der Eingang befindet ...

Hamburg – Hamburger Kunsthalle – Die Seite, an dem sich jetzt wieder der Eingang befindet …

Die Manet-Ausstellung ist vielseitig! Zeigt wirklich Exponate aus unterschiedlichen Phasen seines Schaffens, ebenfalls Gemälde einer Schülerin. Es lohnt sich!
Sie finden die Werke im Untergeschoss des Gründungsbaus, und ich denke, dass es jetzt im Juni und mit regulärem Eintritt nicht mehr diesen Andrang gibt, den ich Ende Mai erlebte. Aus diesem Grund gab es spezielle Zeitfenster-Tickets, die man sich aushändigen lassen musste. Ohne sie kam man nicht hinein, und theoretisch wurde daraufhin immer im Abstand von 15 min. eine Besuchergruppe durchgeschleust. Theoretisch deshalb, weil in der Praxis keiner herausgezerrt wurde, der mit dieser Zeit nicht auskam. Wer länger brauchte, durfte in Ruhe zu Ende schauen, während das Gros der Besucher wechselte. So entstand kein Gewühl und die Bilder ließen sich wirklich aus der Nähe betrachten.
Warum seine?
Ich kann gar nicht sagen, dass Manet mit der Wahl mancher Motive, egal ob es sich um lyrische, weltliche oder gar sakrale Szenen handelt, dass er damit und mit seinem Stil und seiner Umsetzung unbedingt zu meinen absoluten Lieblingsmalern gehören würde, aber ich finde Einzelwerke, ihn und seine Entwicklung interessant.

Da sehe ich einen talentierten Mann, der sich als Künstler trotzdem zunächst wie andere auch an die eigene und später ganz typische Art von Darstellung herantastete, sich und Techniken ausprobierte, manches wieder verwarf. Ich entdecke einen, der anfangs Vorbilder suchte und den ganz offensichtlich die spanische Malerei anzog. Beim etwas genauerem Betrachten entdeckt man bei einigen Gemälden, dass ein Tizian, ein Veláquez Einfluss ausübten oder auch ein de Goya y Lucientes und ein Tintoretto für ihn und sein neu geschaffenes Werk Pate standen.
Sie finden keine 1:1 Kopien! Er hat eigene Motive, jedoch ähnliche Szenen und Anordnungen. Hin und wieder gibt es durch seine Maltechnik und besonders durch eine fast identische Platzierung oder die Körperhaltung seiner Hauptfigur ein kleines Déjà-vu-Erlebnis. Man sucht im Gedächtnis, an was es einen erinnert … bis eben Tizian oder ein anderer ausgeworfen wird.
Im Fall jener Gemälde, auf oder besser gesagt aus denen seine Figuren einen ungewöhnlich direkt anblicken, kommt mir z. B. spontan sein Malerkollege und Vorbild Goya  mit seinem Werk  „Die nackte Maja“ in den Sinn. Auch sie schaut sehr offen (für damalige Zeiten), bei Manets Versionen erscheinen die Blicke fast noch etwas selbstbewusster, beinahe ein wenig herausfordernd.
Er hat sich definitiv bei anderen Malern Inspiration geholt, wie es wiederum später Eva Gonzalès als seine Schülerin auch bei ihm tat. Der Meister hatte so viel Einfluss auf ihre Darstellungsart, dass das Hamburger Abendblatt dadurch kürzlich sogar versehentlich den Urheber eines in dieser Zeitung verwendeten Gemäldeabdrucks, der für Manet selbst und die Ausstellung werben sollte, verwechselte. Das Werk war nicht von ihm, sondern von Eva Gonzalès.

Ich sehe im Falle von Manet außerdem einen fast schon Einzelgänger, der mal eben kurz die Regeln der Moral in den Wind schoss und zeitweilig mit Bildnissen von nackten („Olympia“, „Frühstück im Grünen“)  oder auch nur für damalige Verhältnisse unzüchtig bekleideten Frauen („Nana“) für Skandale sorgte. Die „Olympia“ ist es übrigens, die sofort an die Venus von Urbino von Tizian erinnert!
Vor seinen Werken stehend fällt mir ebenfalls auf, dass dieser Mann nicht rein akademisch malte, er sich nicht immer um absolute Korrektheit scherte. Nicht immer passen die Proportionen optimal, nicht überall ist alles akribisch ausgemalt, klar dargestellt und bis in die letzte Ecke deutlich. Verwischt, vertupft … Es sind Kleinigkeiten, die das eigene Empfinden zwiegespalten registriert. Der Ordnungssinn moniert das „Schludern“, der kreative Part findet es klasse und betrachtet es eher als besonderen Anziehungspunkt.

Sehr stark finde ich bei Manet auch, welche Wirkung er auf seinen Gemälden mit der Farbe Schwarz erzielt, einer Farbe, die ja eigentlich als Nichtfarbe zählt. Er verwendet sie in vielen Abstufungen. Schwarz ist nicht gleich schwarz – Sie wissen selbst wie das ist, sobald sie verschiedene schwarze Kleidungsstücke zusammen anziehen wollen. Die Hose wirkt auf einmal grau-schwarz, das Oberteil kommt in tiefmitternachts- oder kohlengrubenschwarz daher. Und dazwischen liegen mindestens zehn bis 15 Abstufungen …
Das nutzt er und zwar durchaus großflächig. Trotzdem wirken die Bilder nicht grundsätzlich düster. Gerade mit dem Einsatz von Schwarz schafft er Kontraste und für mich insofern ein etwas anderes visuelles Erlebnis, da alle anderen Farben dadurch eine besondere Leuchtkraft zu bekommen scheinen („Frühstück im Atelier“).  Schon toll!

So langsam muss ich allerdings …

So viel entdeckt … Bewegung, Frischluft, neue Anregungen. Die Kürelemente … Mensch, war das schön!
Wie bitte? Die Pflichtsache?
Eine kurze Angelegenheit, die kurzfristig dazugekommen war, hatte ich nebenher auf dem Weg schon erledigt, davon haben Sie gar nichts mitbekommen. Die eigentliche Muss-Sache verlief am Ende erstaunlicherweise viel besser und schneller als gedacht! Ich vermute stark, es lag daran, dass die Pflicht nach allem anderen keine Chance mehr hatte, ihren elend hohen Nervfaktor auszuspielen.

Konfuzius meinte ja weise, der Weg sei das Ziel. Und ich ergänze pseudoweise:
Erscheint das Ziel als eher aufgedrücktes Muss-Ziel und wenig attraktiv, dann spicke wenigstens den Weg dorthin mit erfreulichen Zwischenstopps.

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© by Michèle Legrand, Juni 2016
Michèle Legrand - Freie Autorin

 

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Unterwegs in Hamburg: „Was finden Sie denn an dem Parkhaus so toll?“

Willkommen zurück! Ein gutes 2016 für Sie!
Die Zeit, sie fliegt bereits wieder, und das neue Jahr ist schon gar nicht mehr so extrem jung.

War bei Ihnen in der letzten Zeit auch wettertechnisch Obertrübnis angesagt? Ein ewig grauer Himmel?
Soweit ich mich entsinne, schien in Hamburg vor dem gestrigen 9. Januar zuletzt am ersten Weihnachtsfeiertag richtig die Sonne. Ich erinnere mich deshalb, da ich nämlich just an diesem Tag in der Küche am brutzeln des großen Familienweihnachtsmahls war und dabei etwas sehnsüchtig nach draußen blickte.
Frühlingshaft, blauer Himmel … Man kommt an solch einem Tag leider erst nicht weg vom Herd und bleibt später mit seinen Gästen in der Regel drinnen. Im Nu wird es auch dunkel. Sonne verpasst …
Vertagen klappte genauso wenig, denn danach zog mit der Kälte besagtes „Grauen“ ein und hielt sich hartnäckig. Mir ging das nach zwei Wochen richtig aufs Gemüt! Lichtmangel, Vitamin-D-Defizit, irgendetwas in der Art wird der Auslöser gewesen sein.
Gestern nun traute sich endlich wieder die Sonne hervor! Schon war ich eingemummt und zog Richtung Stadt.

Startete an der Binnenalster

Hamburg - Binnenalster - Anleger Jungfernstieg mit den Alsterbooten Bredenbek, Goldbek und Eilbek

Hamburg – Binnenalster – Anleger Jungfernstieg

 

Hamburg - Binnenalster - Möwenpickeis ... (Eisschollen auf der Alster, auf ihnen Möwen)

Hamburg – Binnenalster – Möwenpickeis …

 

Hamburg - Binnenalster - ... und es fahren doch Boote, trotz Eis.

Hamburg – Binnenalster – … und es fahren doch Boote, trotz Eis.

 

Hamburg - Binnenalster mit Lombardsbrücke im Winter mit Eisschollen

Hamburg – Binnenalster mit Lombardsbrücke

 

Zog weiter Richtung Planten und Blomen

Hamburg - Planten un Blomen - Winterlich an einigen Ecken ... (Blütenstände von Stauden im Schnee)

Hamburg – Planten un Blomen – Winterlich an einigen Ecken …

 

Hamburg - Planten un Blomen - ... an geschützter Stelle blüht die Zaubernuss (Hamamelis). Hamamelisblüte in orange/rot

Hamburg – Planten un Blomen – … an geschützter Stelle blüht die Zaubernuss (Hamamelis).

 

Ging zu Fuß zurück Richtung Hauptbahnhof – und da fiel mir wieder ein, was ich schon länger vorhatte:
Ich würde Ihnen gern wieder einmal etwas aus meiner Heimatstadt Hamburg zeigen bzw. verraten!
Natürlich hatten Sie auch schon die Fotos gerade eben, aber es gibt obendrein Spezielles, das selbst die Hamburger nicht automatisch kennen oder wenn sie es im Vorbeilaufen gesehen haben, nicht unbedingt ahnen, welche Bewandtnis es damit hat.

Wenn Sie mit der U-Bahn zur Steinstraße (U1) fahren und sich dort dem nördlichen Bahnhofsausgang zuwenden, mit der Rolltreppe oben auf Straßenniveau ankommen, so stoßen Sie direkt auf ein buntes Wandmosaik. Wissen Sie, was es darstellt? Ist es einfach nur nett anzusehen oder steckt mehr dahinter?

Stopp! Warten Sie! Ich erzähle doch „von hinten“. Es passt gerade besser. Dann muss ich nichts doppelt auf Sie loslassen.

Ich habe gestern ein Mosaikbild dort für Sie gesichert und brauchte als Ergänzung die Aufnahme eines bestimmten Parkhauses. Um das Gebäude wirklich ganz aufs Foto zu bekommen, war Abstand zum Objekt vonnöten. Ich überquerte daher die Kreuzung an der Steinstraße. Als günstigster Punkt entpuppte sich der Platz an einer Fußgängerampel schräg gegenüber. So stand ich plötzlich inmitten einiger Wartender und fotografierte über die Straße hinweg.

Hamburg - Das Saturn-Parkhaus nahe des Hauptbahnhofs

Hamburg – Das Saturn-Parkhaus nahe des Hauptbahnhofs

 

„Also da gibt’s doch wirklich schönere Sachen zu knipsen!“, meinte eine Frau zu ihrem Begleiter.
Sie sprach laut und deutlich, so dass ich es beim besten Willen nicht überhören konnte. Ihm war das etwas peinlich und da ich auch noch ungeniert zu ihnen hinschaute, fragte er mit etwas schiefen Lächeln:
„Was finden Sie denn an dem Parkhaus so toll?“
„Ich finde es überhaupt nicht toll.“
„Ja, aber wieso …?“
Die Fußgängerampel sprang auf Grün. Sie warteten weiter. Höflichkeit?
„Möchten Sie weitergehen, solange Grün ist, oder hätten Sie gern die Antwort?“, fragte ich.
Beide blieben stehen …

„Genau dort stand früher die „Wasch- und Badeanstalt Schweinemarkt“. Die war genauso rund
angelegt wie dieses Parkhaus von Saturn.
„Eine Badeanstalt? Dort? Haben wir noch nie gehört!“, meinten sie einstimmig. Obwohl sie hier leben würden.
Das ist nicht verwunderlich. Einerseits sind sie jünger als ich, und selbst ich habe es erst irgendwann durch einen Artikel erfahren, nicht durch Erinnerung an frühere Zeiten. Zu lang ist das alles schon her. Den Bericht dazu hatte ich mir allerdings gerade kurz vor meiner gestrigen Tour wieder einmal geschnappt.
Sie wirkten weiterhin interessiert. Also fuhr ich fort:

„Die Badeanstalt wurde 1855 eröffnet. Sie ist noch unter einem weiteren Namen bekannt; es fällt in diesem Zusammenhang häufig der Begriff „Tempel der Reinlichkeit“.
In den Jahren zwischen 1838 und 1860 arbeitete hier in der Stadt ein englischer Ingenieur namens William Lindley, der ganz erheblich an der Modernisierung Hamburgs beteiligt war. Ein Hauptaugenmerk lag dabei seinerzeit auf der Wasserversorgung und dabei ebenfalls darauf, gerade für die ärmere Bevölkerung durch öffentliche Badehäuser die Bedingungen zu verbessern. Man konnte in diesen Häusern nicht nur baden, sondern auch an über 30 Wäscheständen seine Wäsche waschen und alles verrichten, was in diesem Zusammenhang mit anfiel. Plätten, mangeln …“
„Nicht schlecht …“
„Nein, nicht wahr? Sie müssen sich das mit dem Bad ziemlich gut durchdacht vorstellen. Praktisch angeordnet. Ein eingeschossiger Bau, also längst nicht so hoch wie das Parkhaus heute. Ein runder Grundriss, in der Mitte ein Schornstein, der allerdings hoch und weit sichtbar aufragte. Er maß immerhin 40 Meter!
Ein Innenrund, darum ein Rundgang, von dem durch Holzwände abgetrennte Kabinen abgingen. Massenhaft Badenwannen! Die Angaben über die genaue Zahl sind nicht so ganz einheitlich. Sie schwanken zwischen 50 und 65 Stück, jeweils in Einzelkabinen aufgestellt. Selbstverständlich wurden Frauen und Männer getrennt! Sogar die Eingänge lagen an verschiedenen Straßen! Für die Damen hier an der Steinstraße, für die Herren am Steintor. Die Männer hatten zusätzlich zu den Wannen noch ein „Regenbad“. So nannte man die Duschen damals.
„Regenbad?“ Die Frau grinste amüsiert. „Wie lange gab es denn das Bad überhaupt?
„Bis Anfang 1963 immerhin. Es hatte im Krieg schon arg gelitten, wurde jedoch wieder aufgebaut. Irgendwann Anfang der 50er Jahre verschwand der Schornstein. Der wurde nicht mehr gebraucht. Und schließlich plante man Neues. Die Verkehrsplanung gewann an Gewicht, ein neues Kaufhaus sollte her. Erinnern Sie sich vielleicht noch an Horten? Bevor Saturn hier um die Jahrtausendwende einzog? So fiel letztendlich der Beschluss für die Aufgabe des Bades. Man wollte diese Fläche anders nutzen.“
„Man gibt ja generell in Hamburg gern Bäder auf …“, merkte der Herr an.
Womit er gar nicht so Unrecht hat.

„Waren Sie denn schon unten am Mosaik?“, fragte ich, „beim Abgang zur U-Bahn Steinstraße?“
„Nein, wir kommen direkt vom Hauptbahnhof. Was ist denn dort zu sehen?“
Ich zeigte Ihnen das von der Kamera gespeicherte Foto, das ich gerade zuvor aufgenommen hatte.

Hamburg - U-Bahnhof Steinstraße (U1) - Motiv "Wasch- und Badeanstalt Schweinemarkt" bzw. "Tempel der Reinlichkeit" (Mosaik von Walter Siebelist, 1904-1978)

Hamburg – U-Bahnhof Steinstraße (U1) – Motiv „Wasch- und Badeanstalt Schweinemarkt“ bzw. „Tempel der Reinlichkeit“ (Mosaik von Walter Siebelist, 1904-1978)

„Hier, können Sie etwas erkennen auf dem kleinen Display? So sah das Bad damals in etwa aus. Das Mosaik dazu stammt von dem Künstler Walter Siebelist. Es soll auch heute noch an den Tempel der Reinlichkeit erinnern.“
„Oh, das ist aber echt wesentlich hübscher als das dunkle Parkhaus“, fand sie. „Lass uns doch noch mal eben runter gehen, das ist ja nur ein paar Meter entfernt“, fügte sie, ihrem Begleiter zugewandt, hinzu. „Ich möchte das gern mal groß sehen.“
Wir verabschiedeten uns.
„Viel Spaß!“, wünschte ich den beiden. „Das Saturn-Parkhaus am Steintorwall hat man übrigens extra deshalb rund angelegt. Wegen des ehemaligen, ebenfalls runden Bades. Mein Parkhaus-Fotowunsch diente quasi der Komplettierung meiner Fotoaktion. Nur um noch Ihre Frage von vorhin ganz zu beantworten …“

Und so marschierten die beiden Richtung Mosaik, ich hatte mein Foto des hässlichen Parkhauses, ebenso das des Wandbilds und sogar noch eine Unterhaltung, die Ihnen gleich alles mit erklärt. Zwei bis fünf Fliegen mit einer Klappe erwischt, würde ich das nennen.

Für heute verabschiede ich mich. Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Sonntag!
Vielleicht ist zufällig bei Ihnen Badetag. Dann gedenken Sie kurz früherer Zeiten, erfreuen sich dann an Ihrem modernen Regenbad oder der komfortablen Wanne und daran, dass Sie selbst den Hahn auf- und zudrehen dürfen. Das war im Bad nämlich alleinige Sache der Angestellten!
Bei Ihnen daheim gibt es sicherlich auch keine Klassengesellschaft. Damals im Tempel der Reinlichkeit existierte hingegen eine Erste und eine Zweite Klasse! Mit entsprechenden Wannenunterschieden! Die bessere war aus Stein mit schöner, weißer Innenlasur. Badehandtücher, Bürste und Kamm inklusive. Die einfachere Version hieß Zinkwanne. Dazu nur ein Tuch. Etwas härter …

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Quelle:
Ich habe einen alten Artikel von Dierk Strothmann aus dem Jahr 2007 aus dem Abendblatt-Journal zurate gezogen. Einige Details sind seinem Bericht entnommen. Weitere Informationen entdeckte ich in folgendem Buch, das ich Ihnen empfehle, wenn Sie die Stadt und seine Geschichte generell interessiert: Es trägt den Titel „Hamburger Geheimnisse“ und wurde vor nicht allzu langer Zeit vom Hamburger Abendblatt herausgebracht. Man ist darin insgesamt 50 Besonderheiten auf der Spur.

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© by Michèle Legrand, Januar 2016
Michèle Legrand - freie Autorin - ©Fotograf Andreas Grav

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Stippvisite an der Außenalster: Technik, Bullaugen und ohne Jacke auf dem Wasser

Bullaugen, aber nicht an einem Schiff. Ein französischer Apparat am Wegesrand. Und jemand, der hemdsärmelig im Wasser steht. Einer, dem selbst kühles Wetter und Dunkelheit nichts ausmachen. Darum geht es heute. Allerdings hätte ich Ihnen beinahe nach dem unlängst bereits dazwischen geschobenen Gummistiefelweitwurf erneut etwas anderes untergejubelt, obwohl die Alster angesagt war.

Ich saß bereits an einem neuen Blogpost, der mit Wasser rein gar nichts zu tun hat. Er hätte eine nützliche Warnung enthalten. Für Sie. Ein ernster Hinweis nach eigener leidvoller Erfahrung. (Nun ja, so ernst Sie es halt bei mir erwarten können. Fügen Sie ein Räuspern vor dem leidvoll hinzu.)
Der Beitrag kommt auch noch!
Nur befand ich mich zu diesem Zeitpunkt mit meinem Laptop auf der Terrasse, und mittendrin fiel mein Blick auf die lange Ameisenkolonne, die neben mir auf einmal über die hellen Granitbodenplatten marschierte. Fein hintereinander, gelegentlich auch als Grüppchen.
Herrschaften! Wo kommt ihr denn her?
Noch ein Schwung. Das scheint ja gar nicht mehr aufzuhören!
Dreiunddreißig, vierunddreißig, fünf-sechs-sieben-achtunddreißig, neununddrei-vierz-zweidreiundvierz-vierfünfsechsundvierzig, siebenneunfünfzig (die letzten kamen extrem schnell hintereinander). Ich kam mit dem Zählen kaum nach!
Man bräuchte ein Zählgerät …
In dem Moment fiel es mir wie Schuppen von den Augen, dass etwas Angekündigtes weiterhin aussteht! Schande aber auch! Die Alster hatte ich mittlerweile komplett vergessen!

Doch nun!
Erinnern Sie sich an das Reißverschlusshaus in der Barcastraße? An die Lange Reihe?
Dort endete kürzlich unweit des Hauptbahnhofs ein Entdeckungsgang, und von dort ist es wirklich nur ein Katzensprung bis zur schönen Außenalster.
Eine der Verbindungsstraßen Richtung Alster ist der Holzdamm. Aus Richtung Hauptbahnhof kommend stößt er auf die Straße „An der Alster“. An dieser Ecke steht mit Blick auf das Wasser das große Hotel Atlantic. Hier im Holzdamm befinden sich u. a. die Eingänge zu den Festsälen des Nobelhotels. Sie treffen davor nicht selten auf Limousinen gehobener Preisklasse und auf die recht imposant wirkenden Wagenmeister des Hotels. Eindrucksvoll durch die traditionelle Uniform, die sie tragen. Schwere Stoffe, glänzende Knöpfe. Zylinder und ein weiter Umhang gehören zur Ausstattung. Der Stil der Kleidung geht zurück auf das Viktorianische Zeitalter. Darin fallen sie auf und werden praktischerweise sofort und schon von Weitem als Bedienstete des Hotels erkannt.

Hamburg - Außenalster - Blick auf das Hotel Atlantic

Hamburg – Außenalster – Blick auf das Hotel Atlantic

Ein paar Schritte über die Straße sind es nur zum Wasser. Zur Linken befindet sich nicht weit entfernt die Kennedybrücke. Sie ist quasi das untere Ende der Außenalster. Unter ihr und der daneben liegenden Lombardsbrücke hindurch geht es zur Binnenalster.
Der größere See, die Außenalster, hat wirklich beachtliche Ausmaße. Vielleicht dient als Hilfe für die eigene Größenvorstellung aber eine Zahl zum  „Umfang“ wesentlich besser als Flächenangaben. Die Länge z. B. der Laufstrecke entlang des Ufers beläuft sich bei einer Umrundung auf ca. 7,4 km.
Einige Uferabschnitte sind besonders idyllisch und ruhig, so am Westufer, wenn Alsterpark und Vorland mit Wiesen vorhanden sind und die viel befahrenen Straßen weit zurückliegen.
Am Ostufer ist es unterschiedlich.
Wir nehmen uns heute genau den Teil vor, der im Grunde der lauteste Abschnitt ist. Den Bereich zwischen dem Hotel Atlantic und Schwanenwik (der Schwanenbucht) ein Stückchen weiter nördlich.
Das Verblüffende an diesem Teilstück ist, dass Sie es trotzdem richtig genießen können! Sie müssen nur lernen, sich eine Weile konsequent nicht nach rechts zu drehen, da der Spazierweg teilweise unmittelbar an der mehrspurigen Straße „An der Alster“ vorbeiführt, auf der Tag und Nacht der Verkehr braust. Sie müssen es ausblenden und stur nur die linke, die Wasserseite, beachten. Die ist wunderschön!

Hamburg - Außenalster - Blick vom südlichen Ostufer

Hamburg – Außenalster – Blick vom südlichen Ostufer

Nach kurzer Zeit verbreitert sich auch der Uferbereich, so dass Sie dem Straßenlärm sowie Abgasen entkommen.

Ich sprach von West– und Ostufer. Das dürfen Sie so verstehen, als betrachteten Sie die Außenalster auf einer Karte. Wenn Ihnen im Zusammenhang mit einem Schachturnier jedoch jemand etwas vom Spiel des linken gegen das rechte Alsterufer erzählt, müssen Sie aufpassen! Wenn dabei links gegen rechts antritt, ist links nicht wie üblich westlich und rechts keineswegs östlich des Alstersees. In dem Fall schaut man nämlich von der Quelle der Alster, und die befindet sich nördlich von Hamburg! Zack-di-wupp! – schon ist links östlich.

Was es einem sehr leicht macht, sich nur in die eine Richtung – nämlich zum Wasser hin – zu orientieren, ist der Ausblick. Es ist die Weite, es sind markante Punkte in der Ferne, das Grün an den Ufern, die Ruhe, die von der großen Wasserfläche ausgeht. Es ist die Tatsache, dass es in diesem Bereich einen Anleger für Boote der Alsterschifffahrt gibt. Es ist in diesem Uferabschnitt das Vorhandensein von einigen Segelschulen und Ruderclubs, die alle Holzstege hinaus auf die Alster und über dem Wasser sogar flache Gebäude haben. Zum weitaus größten Teil gibt es dort ein Gastronomieangebot und die Möglichkeit zur Einkehr.

Hamburg - Außenalster - Ostufer - Segelschule Kpt. Pieper mit Gastronomie

Hamburg – Außenalster – Ostufer – Segelschule Kpt. Pieper mit Gastronomie

Es ist angenehm, sich so nah am oder über dem Wasser bei einem Kaffee niederzulassen, geschützt von oft erstaunlich dicht gewachsener Uferbepflanzung, die nun im Rücken zum unruhigen Verkehr hin abschottet. Um sich herum kleine Boote, ein paar vorwitzige Wasservögel und gelegentlich ein Schiff der Alsterflotte, das geradewegs auf einen zusteuert und erst im letzten Moment abdreht, um längsseits am Steg anzulegen.

Hamburg - Außenalster - Und die Sielbek steuert direkt auf einen zu ...

Hamburg – Außenalster – Und die Sielbek steuert direkt auf einen zu …

Hamburg - Außenalster - ... dreht dann aber noch rechtzeitig ab zum Anlegen (Sielbek auf der Alster)

Hamburg – Außenalster – … dreht dann aber noch rechtzeitig ab zum Anlegen.

 

Hamburg - Außenalster - Üppige Ufervegetation

Hamburg – Außenalster – Üppige Ufervegetation

 

Hamburg - Außenalster - Haubentaucher mit Nachwuchs ...

Hamburg – Außenalster – Haubentaucher mit Nachwuchs …

Wenn Sie danach weiterziehen, entdecken Sie mancherorts ein bisschen versteckte Kunst

Hamburg - Außenalster - Das Stumpfgesicht

Hamburg – Außenalster – Das Stumpfgesicht

Oder auch dies …

Hamburg - Außenalster - Ausguck - oder falls Hochwasser kommt ... (Leiter am Ufer aufgestellt)

Hamburg – Außenalster / Ausguck – oder falls Hochwasser kommt …

 

Hamburg - Außenalster - Blick hinüber zum Fernsehturm (Heinricht-Hertz-Turm) und dem Radisson Blu Hotel am Dammtor

Hamburg – Außenalster – Blick hinüber zum Fernsehturm (Heinricht-Hertz-Turm) und dem Radisson Blu Hotel am Dammtor

Nach einer Weile treffen Sie auf den Herrn, der ohne Jacke auskommt. Mitten in der Alster steht er. Es ist einer der Bojenmänner von Stephan Balkenhol. Stammleser haben ihn schon während der Alsterrundfahrt von der Wasserseite aus näher kennengelernt.

Hamburg - Außenalster - Höhe Schwanenwik - Einer der Bojenmänner von Stephan Balkenhol

Hamburg – Außenalster – Höhe Schwanenwik – Einer der Bojenmänner von Stephan Balkenhol

Er kommt nur im Winter an Land, ansonsten ist er Tag und Nacht dort anzutreffen. Manchmal, wenn ich ihn in dieser Haltung stehen sehe, wirkt es auch mich, als hätte er Feierabend und wartete nur darauf, dass ihn jemand an Land übersetzte.

Hamburg - Außenalster - Der Bojenmann (Stephan Balkenhol) - Wartet er auf Abholung?

Hamburg – Außenalster – Der Bojenmann (v. Stephan Balkenhol) – Wartet er auf Abholung?

Gelegentlich kommt sogar ein kleines Boot! Besucht ihn, will ihn mitnehmen … aber letztendlich scheitert das Unternehmen jedes Mal.

Hamburg - Außenalster - Das Boot kommt ...

Hamburg – Außenalster – Endlich, das Boot kommt …

In Höhe Schwanenwik leiten Treppen zu einer Überführung: Oben ist ein Geländer, Sie sehen es auf dem folgenden Foto. Blicken Sie einmal hindurch Richtung Wasser und schauen genau auf die Lücke zwischen den Wörtern ZUR und BUCHT: Ganz hinten, da steht er, der Bojenmann. Jetzt ganz klein geschrumpft …

Hamburg - Außenalster - Geländer an der Schwanenbucht (Schwanenwik) ...

Hamburg – Außenalster – Geländer an der Schwanenbucht (Schwanenwik) …

Sie hat den besten Ausguck …

Hamburg - Außenalster - Ausblick ... (Möwe auf Straßenlaterne)

Hamburg – Außenalster – Ausguck …

Sie mag’s gemütlich und weiter unten …

Hamburg - Außenalster - Schwanenwik - Jule bei den Seerosen (Möwe auf einer Mauer) ...

Hamburg – Außenalster – Schwanenwik – Jule bei den Seerosen …

Sie dürfen ab jetzt gern auch wieder in alle Richtungen blicken. Wir gehen dieselbe Strecke zurück, da ich Ihnen auf dem Rückweg entlang der Straße etwas zeigen möchte.
„An der Alster 1“ (Ecke Sechslingspforte) steht das Bullaugenhaus. Ein Bürogebäude nach dem Entwurf des Berliner Architekten Jürgen Mayer H., welches 2007 fertiggestellt wurde. Es heißt, die horizontal verlaufenden Bullaugen in der weißen Fassade sollen die Nähe zur Alster symbolisieren. Nun, das Weiß nimmt die Farbe der Alsterflotte auf und maritim wirkt es durchaus …

Hamburg - Außenalster - Das Bullaugenhaus

Hamburg – Außenalster – Das Bullaugenhaus

Ein Stückchen weiter stadteinwärts erkundigt man sich sehr mitfühlend nach Ihrem Befinden …

Hamburg - Außenalster - (Beschriftung des Fensters) Wie geht's DIR?

Hamburg – Außenalster – Wie geht’s DIR?

Sie fragen sich vielleicht immer noch, warum die vielen Ameisen auf meiner Terrasse meine Gedanken zum noch fehlenden Beitrag über die Alster lenkten.
Mit den Ameisen ist es wie mit den Fahrradfahrern, die täglich den Alsterradweg benutzen. Ganze Kolonnen sind es! Ein stetes und emsiges Treiben in die und aus der Stadt.
Irgendwen interessierte es sehr (vermutlich u. a. den Bezirk Hamburg-Mitte), wie viele Radler pro Tag bzw. in einem ganzen Jahr diese Strecke tatsächlich benutzen. Nun setzt sich aber keiner monatelang daneben und zählt persönlich, wie ich es kurzzeitig bei den Ameisen tat.
Stattdessen gibt es seit einiger Zeit in Höhe der Gurlittinsel (wir sind in diesem Bereich), eine sogenannte Fahrradzählsäule. Die elektronische Apparatur aus Frankreich erfasst sämtliche Radfahrer, zeigt den Tageswert der Passierenden in Zahlen an (an dem Tag gegen Mittag bereits über 4000), aber auch – optisch ähnlich der steigenden Quecksilbersäule eines Thermometers – die Gesamtzahl der Radwegbenutzer eines Jahres.
Obendrein leuchten das aktuelle Tagesdatum und die gerade vorherrschende Temperatur auf.

Praktisch  – doch mich interessierte, was so etwas kostet. Falls ich einmal die kleine Variante, den Ameisenzähler, brauchen sollte …
Ich fiel über eine Anfrage, die der Bund der Steuerzahler an das Bezirksamt gestellt hat. Die Auskunft dazu veröffentlichte das Hamburger Abendblatt am 04. August dieses Jahres und listete in seiner Printausgabe die Gesamtkosten auf.
Möchten Sie vorab einmal schätzen? Was kosten Anschaffung und Installation dieses Geräts?
Kleiner Tipp: Die Höhe der Kosten hat Kritik hervorgerufen, und ich würde die Apparatur inzwischen als Edelzählsäule einstufen …

Hamburg - Außenalster - Fahrradzählsäule in Höhe der Gurlittinsel

Hamburg – Außenalster – Fahrradzählsäule in Höhe der Gurlittinsel

Haben Sie sich für eine Summe entschieden? Dann verrate ich Ihnen jetzt den korrekten Betrag: Es sind alles in allem 31.384,00 Euro!
Davon kostet das Gerät selbst „nur“ 16.580,00 Euro. Hinzu kommen die Kosten für den Stromanschluss, die 4.557,28 Euro betragen. Aufwendungen in Höhe von weiteren 4846,29 Euro fielen für das Fundament und die Verlegung von Kontaktschleifen sowie für das Einlassen notwendiger Leerrohre und den Einbau eines Schachts für die Steuertechnik an.

Bei dem Preis müsste die Säule eigentlich noch ein bisschen mehr leisten, oder nicht? Günstig wäre es natürlich, wenn sie etwas könnte, was einen Teil der Investitionskosten wieder hereinbringen und die laufenden Stromkosten decken würde.
Sie könnte Geschwindigkeitsmessungen vornehmen, das Tempo den Vorbeifahrenden anzeigen und ehrgeizigen Fahrern, die einen Beleg darüber möchten, das Ergebnis auf Wunsch gegen eine kleine Gebühr ausdrucken.
Sie könnte auch Aufnahmen machen (vergessen wir kurz den Datenschutz) und so – als Foto mit einem netten Hamburg-Wappen in der oberen rechten Ecke – gegen ein Entgelt als beliebtes Souvenir besonders bei Touristen durchgehen. Die ganze Selfie-Arie und das dabei vom Rad kippen, fiele automatisch weg.
Wie wäre es mit der Vergabe von Haltungsnoten? Die Säule könnte den Kalorienverbrauch einblenden, bei jedem 100. Vorbeifahrenden einen Tusch erklingen lassen, Radler grüßen und dabei freundliche Tipps parat haben:
„Dein Reifendruck hinten ist zu gering.“ (Neben der Säule steht sogar eine Luftstation zur Verfügung. Ob die im Preis mit drin war?)
Sie könnte sich sorgen:
„Hallo! Du wirkst erschöpft. Lass es heute langsam angehen!“
Alternativ aber auch dezent anspornen:
„Wenn du etwas schneller trittst, kommst du heute schon an!“

Wer regelmäßig vorbeifährt und sich registriert, würde namentlich begrüßt. Bei dem Preis hat die Säule die nötige Erkennungssoftware vermutlich schon aufgespielt. Wahrscheinlich läuft es so ab: Apparat erfasst einen sich nähernden Radler. Ratterratterratter. Identitätsabgleich. Zählsäule erkennt, es ist Helmut.
„Hey, Helmut! Schönen Tag! Edith ist schon durch …“
Der nächste naht.
„Hallo, René! Lass bitte den 90jährigen Fahrer hinter dir endlich vorbei.“

Es wäre ausbaufähig. Denken Sie nicht auch? Ein ausbaufähiger … Horror.

Wirklich interessant zu wissen wäre, ob die am Jahresende zusammengetragenen Daten auf irgendetwas Einfluss  haben (Fahrradwegplanung und –ausbau) oder welchen sonstigen Nutzen die Zählsäule tatsächlich bringt.

Beenden wir für heute die kleine Erkundungstour am Wasser.
In fünf Minuten fährt unten am Anleger (Atlantic Hotel) wieder ein Alsterboot ab. Falls Sie es noch erwischen wollen …?

Einen schönen Sonntag Ihnen allen und bis demnächst!

© by Michèle Legrand, August 2015
Michèle Legrand ©Foto Andreas Grav (Ausschnitt)

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Die Alster im Garten, dazu einen Brunnen wie diesen …

Die heutigen Themen? Sagen wir, es geht diesmal einerseits um gerettete Fotografierrechte und andererseits um so etwas wie Wunschdenken bei Hitze. Das alles eingebettet in eine kleine, neue Hamburg-Erkundungstour.

Mittlerweile ist es nach kurzer Unterbrechung erneut ziemlich warm geworden. Daher habe ich diesmal Hamburgs Binnenalster und einen speziellen Brunnen dazu auserkoren, für Abkühlung zu sorgen, denn es heißt, das Gehirn lässt sich überlisten.
Wer jetzt über Sahara, Dürre und sengende Hitze liest oder Bilder von schwitzenden Saunagängern und fackelnden Kaminöfen anschaut, hat sozusagen selbst Schuld. Wer hingegen Wasser – in welcher Erscheinungsform auch immer – betrachtet, leidet gefühlt weniger unter Temperaturen von über 30 °C. Auch eine entsprechende Fotobeschau erfüllt angeblich schon diesen Zweck …
Glücklicherweise darf man ja weiterhin Fotos zeigen!

Sie haben sicherlich kürzlich in den Medien die Berichterstattung über die gefährdete Beibehaltung der „Panoramafreiheit“ verfolgt. Uns drohte plötzlich die Möglichkeit einer Anpassung an weitaus strengere Regeln anderer Länder der EU, was zur Folge gehabt hätte, dass diverse Aufnahmen nicht mehr hätten gezeigt werden können!
Schluss mit alles ist gestattet, solange sich das fotografisch festgehaltene Objekt nur im öffentlichen Raum befindet bzw. von öffentlichen Verkehrswegen aus fotografiert werden kann. (Personen ausgenommen).
Keinesfalls allein die Aufnahmen mit reinem Architekturmotiv, sondern auch im Außenraum entstandene persönliche Fotos mit zufälligen Gebäudebruchteilen im Hintergrund, der Zehe einer Skulptur, die von links ins Bild ragt … und, und, und. All das wäre auf einmal tabu gewesen. Plötzlich ein Ding der Unmöglichkeit – oder zumindest eines, das Anlass zu vermutlich ausufernden gerichtlichen Auseinandersetzungen gegeben hätte.
Und zwar nicht nur für diejenigen (so wiegelten einige Stimmen lässig ab), die Gewinn aus der Verwendung erzielen! Nein, auch als Privatperson mit nicht kommerziellen Absichten wären Sie unter Umständen in die Bredouille geraten – allein das Posten in Sozialen Netzwerken (Rechte werden dabei abgetreten, Einwilligungen gegeben) oder schon das Präsentieren via Blog (öffentlich mit erheblicher Verbreitung, Anzeigenschaltung zwar nicht durch Sie, jedoch durch Ihren Anbieter, Host, die Plattform oder was auch immer) hätte unklare Situationen geschaffen. Abmahnungen hätten Ihrerseits zumindest mühsam abgewehrt werden müssen.
Man stelle sich das einmal vor:
Sie hätten etwas auf Ihrem Foto gehabt, was Sie vielleicht sogar im Hintergrund gestört hätte, aber – wie Häuser es so an sich haben – sie lassen sich nicht wegschieben. Die Zehe der Skulptur haben Sie nicht einmal wahrgenommen! Sie wären meilenweit davon entfernt gewesen, irgendwie Reibach mit ihrem Schnappschuss machen zu wollen, geschweige denn tatsächlich zu machen, doch Sie hätten Kosten und Stress mit Ihren eigenen Fotografien gehabt, weil Sie hätten belegen müssen, dass Sie nichts daran verdienen!

Urheberrecht zu respektieren ist Ehrensache (und Gesetz), ist wichtig, unstrittig, muss eingehalten werden – aber nach einer derartigen Neuregelung hätte man sich nicht nur (die oft überflüssigen) Selfies verkneifen müssen. Das hätte die Welt verschmerzt. Schlimmer wäre gewesen, man hätte überhaupt nichts mehr fotografisch festhalten und bei öffentlichen Texten/Berichten zur Verdeutlichung anfügen können … Und vieles Vorhandene (und Informative) im Netz hätte gelöscht werde müssen.

Nun sind Thema und Entwurf gottlob seit dem 9. Juli 2015 (vorerst) vom Tisch. Und somit darf ich heute nahezu hemmungslos Gebäudeansichten und anderes vor Ihnen ausbreiten.

Hamburg - Binnenalster - Jungfernstieg - Schön bei Hitze: Der Anblick von Wasser und Booten ...

Hamburg – Binnenalster – Jungfernstieg – Schön bei Hitze: Der Anblick von Wasser und Booten …

Sie haben es mittlerweile erkannt, ich war in der City. Dort tobt zurzeit wieder enorm das Leben! Die Schulferien starteten bereits in einigen Bundesländern; Hamburg selbst ist am Donnerstag hinzugestoßen. Sommerzeit, Sonne und blauer Himmel sind grundsätzlich ein beliebter Anlass für Touristen, gleich in großen Scharen die Hansestadt zu erkunden.

Hamburg - City - Anleger Jungfernstieg - Am Wasser lässt es sich gut aushalten ...

Hamburg – City – Anleger Jungfernstieg – Am Wasser lässt es sich gut aushalten …

Wenn es zu anstrengend wird bei der Fülle, lässt es sich in den Nebenstraßen der Altstadt (Bereich zwischen Mönckebergstraße und Ballindamm) besser aushalten. Es ist nicht nur ein empfehlenswerter Ausweichplatz mit wesentlich mehr Beinfreiheit, es gibt dort außerdem eine große Auswahl an Coffeeshops (mit Draußenplätzen), welche Sie direkt in der Mönckebergstraße wenig finden.
Wenn Sie den Hauptbahnhof Richtung Glockengießerwall verlassen, halten Sie sich gleich rechts Richtung Kunsthalle und streifen dann parallel zu den Haupteinkaufsstraßen (Mönckebergstraße und Spitaler Straße) oder entlang der Binnenalster am Ballindamm Richtung Rathaus, Jungfernstieg und Alsterbootanleger.

Hamburg - High Noon am Hauptbahnhof  ...

Hamburg – High Noon am Hauptbahnhof …

Hamburg - Altstadt - Durch ruhigere Nebenstraßen ...

Hamburg – Altstadt – Durch ruhigere Nebenstraßen …

Hamburg - Ampel verhüllt. Darauf der Hinweis: Ampel außer Betrieb!  Soso ...

Hamburg – Ampel verhüllt. Darauf der Hinweis: Ampel außer Betrieb! Soso …

Am Anleger Jungfernstieg entstehen Selbstportraits im Sekundentakt. Coole Location für ein Selfie-Shooting – wie es neudeutsch heißt. Neben einem ansprechend-intelligenten Grinsen ist ein schöner Hintergrund dafür das A und O! Es geht beim Verbreiten dieser Eigenaufnahmen zwar vorrangig um den Wunsch nach Anerkennung, doch die entsteht nicht allein übers Gesicht. Fast genauso wichtig ist, dass jeder Bildempfänger beim Betrachten sofort (neidvoll) erkennt, wo der Absender war. Je präsentabler das Ambiente, je bekannter und beliebter der Ort, umso mehr Aufmerksamkeit und umso höher der Neidfaktor.
Gelegentlich dient es natürlich zur Auffrischung des eigenen Gedächtnisses. Später beim Fotos durchschauen fällt es einem wieder ein: Mensch, guck mal! Hamburg! Da war ich damals … Bloß – ganz ehrlich – die Erinnerung setzt mit Sicherheit auch ein, wenn auf dem Foto nur die Alster (ohne Gesicht) zu sehen ist.

Hamburg - City - Am Anleger Jungfernstieg

Hamburg – City – Am Anleger Jungfernstieg

Schon interessant, oder? Tausende Selbstbildnisse fürs Netz, und das alles hätten sich die Leute jetzt abschminken können. Alsterhaus im Hintergrund? Abmahnung. Den ehemaligen Alsterpavillon mit erwischt? Abmahnung. Die Hausfassaden am Jungfernstieg? Bloß nicht! Am Ballindamm das Gebäude von Hapag Llyod, am Neuen Jungfernstieg das Hotel Vierjahreszeiten? Lieber nicht. Könnte Urheberrechte eines Architekten betreffen. Außerdem stehen auch noch einige Skulpturen in der Gegend …
Die Alsterarkaden? Die sind vielleicht alt genug, dass es risikolos ginge! Moment! Wie ist es nach Umbauten, Veränderungen? Sind die Lampen davor später hinzugekommen? Gelten Sie als Kunstobjekt? Was ist mit dem Denkmal nahe der Schleuse? Und die Schleuse selbst? Die ist neuer als der Rest …

Hamburg - Binnenalster - Von Schwänen eskortiert und Gänsen beobachtet ...

Hamburg – Binnenalster – Von Schwänen eskortiert und Gänsen beobachtet …

Hamburg - Binnenalster - Anleger Jungfernstieg - Blick zum Ballindamm mit Hapag Llyod Gebäude

Hamburg – Binnenalster – Anleger Jungfernstieg – Blick zum Ballindamm mit Hapag Llyod Gebäude

Hamburg - Blick über die Binnenalster Richtung Neuer Jungfernstieg und Hotel Vierjahreszeiten ...

Hamburg – Blick über die Binnenalster Richtung Neuer Jungfernstieg und Hotel Vierjahreszeiten …

Irgendwie schon schön, dass es keine weiteren Einschränkungen beim Fotografieren gibt. So kann ich eines der Häuser sogar heranholen, um Ihnen zu zeigen, dass sein Dach in fester Hand der Möwen ist. An heißen Tagen sitzen sie dort oben und lassen den Wind durchs Gefieder streifen, an kühleren Tagen hocken sie dicht an dicht auf den Flachdächern der Alsterdampfer, die sich bereits bei leichter Sonne angenehm erwärmen. Fußbodenheizung für das fliegende Volk.

Hamburg - Jungfernstieg - Das Dach des Eckhauses an den Alsterarkaden ist Lieblingsplatz der Möwen ...

Hamburg – Jungfernstieg – Das Dach des Eckhauses an den Alsterarkaden ist Lieblingsplatz der Möwen …

In Ermangelung ausreichender Flugkünste bleibt Ihnen und mir so ein Dachfirst zum Herunterkühlen verwehrt. Daher empfehle ich Ihnen alternativ einen Brunnen. Zur direkten Erfrischung – und weil er eine weitere Besonderheit aufweist!
Lassen Sie uns den kurzen Weg an der Kleinen Alster entlang zum Rathaus hinübergehen. Dort im Innenhof befindet sich das gute Stück …

Hier erkennen Sie gleich einen weiteren Grund für den großen Andrang in der Stadt. Den liefert der anstehende Triathlon, der jetzt am Wochenende erneut ausgetragen wird. Wer momentan als Tourist das Rathaus mit seinem Vorplatz fotografieren will, bekommt es nur gemeinsam mit dem Tribünenaufbau, weißen Zelten und Müllboxen vor die Linse …

Hamburg - Rathausplatz - Der Triathlon wirft seine Schatten voraus ... (Tribünen- und Zeltaufbau)

Hamburg – Rathausplatz – Der Triathlon wirft seine Schatten voraus …

Wissen Sie, wo sich dieser schöne öffentliche Briefkasten befindet? Das ist nicht so ein quietschgelber, wie ihn die Deutsche Post üblicherweise aufstellt oder –hängt. Zwei dieser polierten und edel wirkenden Exemplare befinden sich direkt im Eingangsbereich des Rathauses

Edler öffentlicher Briefkasten im Rathaus Hamburg

Im Innenhof ist von den Triathlon-Vorbereitungen hingegen nichts zu ahnen. Hier steht der Hygieia-Brunnen, ein sehr schönes, schon 120 Jahre altes Kunstwerk.
Hygieia. Ein Name, der nicht ganz so leicht hängenbleibt. Der Name Merkur bzw. Merkur-Brunnen wäre eingängiger und fast wäre es auch so gekommen, denn ursprünglich sollte der Handelsgott gleichen Namens die zentrale Figur des Brunnens darstellen. Als Symbol für Hamburg als Hafenstadt mit seinem Seehandel. Börse und Handelskammer gleich nebenan – das hätte gepasst.
Nur gab es 1892 in Hamburg eine fürchterliche Choleraepidemie, und so schwenkte man beim Brunnenbau 1895 kurzerhand um. Man änderte die Hauptfigur in der Mitte und schuf eine Erinnerung an das dramatische Ereignis und an die 8000 Hamburger, die anlässlich der Tragödie ihr Leben ließen. Die Zentralfigur, die Sie sehen, ist nun Hygieia, die griechische Göttin der Gesundheit (und Namensgeberin der Hygiene). Erkennen Sie das Wesen zu ihren Füßen? Den Drachen, den sie tritt? Er steht symbolisch für die besiegte Cholera …

Hamburg - Der Hygieia-Brunnen im Innenhof des Rathauses ...

Hamburg – Der Hygieia-Brunnen im Innenhof des Rathauses …

Die anderen sechs Bronzefiguren, die sich rundherum verteilt am Beckenrand befinden, sagen etwas über die Verwendung und den Nutzen des Wasser aus. Sie erkennen auch, dass das Wasser über mehrere Etagen in Bewegung ist. Aus der Schale, die Hygieia hält, läuft es herab, aus der Brunnenschale wiederum ins Auffangbecken – und es gibt Speier! Das Brunnenwasser ist somit ständig in Bewegung.

Hamburg - Innenhof des Rathauses - Hygieia-Brunnen - Kühles Nass ...

Hamburg – Innenhof des Rathauses – Hygieia-Brunnen (Bildhauer Joseph von Kramer) – Kühles Nass …

Und jetzt kommt das Spezielle! Sehen Sie im Sockel die Öffnungen? Diese Stellen, die mit Ziergittern versehen sind und bogenförmige Abschlüsse haben?
Hier wird ständig die durch das Brunnenwasser heruntergekühlte Luft angesaugt und für die Klimatisierung der Räume im Rathaus genutzt!

Hamburg - Hygieia-Brunnen im Innenhof des Rathauses - Die Öffnungen im Sockel sind gut zu erkennen.

Hamburg – Hygieia-Brunnen im Innenhof des Rathauses – Die Öffnungen im Sockel sind gut zu erkennen.

Vielleicht fragen Sie sich genauso wie ich, inwieweit das möglich ist. Auf der einen Seite ist dort das große Rathaus mit einer respektablen Grundfläche, mehreren Geschossen und einer doch erheblichen Anzahl von Innenräumen, auf der anderen Seite dieser in seinen Abmessungen recht überschaubare Brunnen mit seinen sechs Bogenöffnungen.
Wie soll das funktionieren? Es kommt doch nicht genügend Frischluft für jeden Quadratmeter und Winkel des Hauses! Wie soll ein aufgeheiztes Riesengebäude hinreichend gekühlt werden?
Vielleicht ist ein Wärmetauscher im Einsatz? Möglicherweise reicht es, wenn ständig irgendein Part einer weiteren Anlage durch diesen Brunnen auf niedriger Temperatur gehalten wird – und die angeschlossene Anlage erst klimatisiert den „Rest“ des Hauses?
Wer mir hier als Techniker, Klima-/Brunnenfachmann oder sonstiger Wissender mehr erzählen kann – herzlich gerne! Ich wäre sehr dankbar und erfreut über jede Information!

Nun muss ich allerdings erst einmal meine eigenen Räume daheim herunterkühlen. Wenn man … Im Grunde … Wenn es es richtig bedenke … Ach, wissen Sie was?
Eigentlich hätte ich liebend gern die Alster im Garten und einen ebenso genialen Brunnen zur Kühlung meines Schlafgemachs!

Womit wir wieder beim Ausgangspunkt des heutigen Blogbeitrags angekommen wären:
Hitze und Wunschdenken.

© by Michèle Legrand, Juli 2015
Michèle Legrand - freie Autorin -

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Hamburg: Treff an der Lombardsbrücke …

Brücke, Boot, Binnenalster, Badeanstalt, Baustelle, beschlagene Brille …
Haben Sie eine Idee, was all diese Dinge gemeinsam haben? Außer dem B am Wortanfang?
Sie hängen allesamt mit Hamburg zusammen, und sie kommen heute alle vor.
Lediglich die Hauptsache, um die es in dieser Woche geht, die lässt sich nur etwas widerwillig, mit einem eher konstruierten Begriff, in dieses B-Schema einfügen. Nennen wir es „Brückensondereinbau“. Sie werden ziemlich schnell mitbekommen, um was es sich dabei genau handelt.

Wenn es Ihnen nichts ausmacht, stupse ich Sie heute mitten in der Stadt an der Binnenalster an und schiebe Sie während eines Spaziergangs am Wasser vom Jungfernstieg entlang des Ballindamms zur Lombardsbrücke. Das ist nicht weit. Falls Ihnen der Weg dennoch so vorkommt, können wir auf diesem Stückchen etwas plaudern.

Hamburg - Blick vom Ballindamm über die Binnenalster zur Lombardsbrücke

Hamburg – Blick vom Ballindamm über die Binnenalster zur Lombardsbrücke

Heute, am 26.04.2015, ist Extremlauftag in Hamburg. Der mittlerweile 30. HASPA Marathon findet statt. Ich war vor ein paar Tagen bereits hier und sah schon überall die Hinweisschilder für die Autofahrer. Angekündigte Sperrungen, Umleitungen, Parkverbote etc.
Wenn Sie vorhaben, Hamburgs Innenstadt zu besuchen, sollten Sie momentan auf das Auto verzichten. Sie brauchen nicht nur wegen des Marathons, sondern hauptsächlich aufgrund der zahlreichen – auch längerfristig und großflächig eingerichteten – Baustellen enorm Geduld und viel Zeit, um innerhalb der Stadt von A nach B zu gelangen.
Auch die Lombardsbrücke, die – zusammen mit der daneben befindlichen Kennedybrücke – als Überquerungsmöglichkeit für die relativ schmale Wasserverbindung zwischen Binnen- und Außenalster dient, ist davon betroffen. Dahinter in Richtung Hauptbahnhof sind Fahrbahn bzw. Kreuzungsbereiche aufgerissen, überall stehen weiße Absperrzäune, Notampeln regeln, was zu regeln möglich ist. Der Verkehr wird teilweise nur noch einspurig geleitet, und das wirkt angesichts des Verkehrsaufkommens so, als quetschten sich Kamele durchs Nadelöhr. Eine Karawane höchstwahrscheinlich naserümpfender Kamele. Denn hier herrschen zurzeit ständig Auspuffmuffluft, Lärm und Dauerstau.
Inmitten der Baustelle, inmitten dieses Tohuwabohus, befindet sich an einem Pfahl ein Hinweis, dass hier während der Sportveranstaltung das Parken strikt verboten ist.
Als würde irgendjemand mit seinem Fahrzeug diese Stelle überhaupt erreichen! So löchrig, wie die Straße ist und so umzingelt von Gittern!
Aber sicher ist sicher, gell? Möglicherweise wird ja alles komplett umgestellt für die Läufer. Wer weiß das schon? Anstatt irgendwelche Extraabsperrbügel neu heranzutragen, verschiebt man diesmal wahrscheinlich lediglich die Baustellenzäune. Wo sie schon mal da sind. Oder sämtliche Baustelleneinfriedungen werden für die paar Stunden komplett abgeräumt!
Bitte? Es wird gefährlich?
Ach was, da fällt schon kein Läufer ins Loch! Mit Crosslauf-Marathon kommen die klar.
Angenommen also, die Zäune werden weggezogen. Na? Was dann?
Dann erscheinen prompt die bösen Autofahrer und parken dort. Die, die sich vorher schon durch all die anderen weiträumig abgesperrten Zonen und Polizeibarrieren durchgemogelt haben.
Sie sehen, die sind einfach ungemein vorausschauend mit ihrem Hinweisschild …

Baustellen sind nicht hübsch. Kehren wir dieser hier den Rücken und genießen stattdessen direkt von der Lombardsbrücke aus den Ausblick über die Binnenalster Richtung Anleger Jungfernstieg. Das ist wesentlich netter!

Hamburg - Binnenalster - Noch ist Durchblick Richtung Rathaus u. Jungfernstieg

Hamburg – Binnenalster – Noch ist Durchblick Richtung Rathaus u. Jungfernstieg

Ganz dahinten, fast am Jungfernstieg, gab es Ende des 18. Jahrhunderts eine Bootsbadeanstalt. Dort lag seinerzeit allein zu diesem Zweck tatsächlich ein vom Ufer ein Stück entfernt ankerndes Boot.
Heute badet hier tagtäglich nur eine Vielzahl von Wasservögeln. Lediglich wenn in Hamburg der Triathlon stattfindet, dann springen auch menschliche Wesen vorwiegend in Neoprenanzügen ins Nass, um auf einem abgesteckten Kurs in der Binnenalster ihre Schwimmstrecke zu absolvieren.
Boote kann man sich mieten! Die zwei Tretboote, die hier geradewegs auf die Lombardsbrücke zusteuern, liefern sich ein Wettrennen. Da wird ganz schön gestrampelt!

Hamburg - Blick über die Binnenalster Richtung Anleger Jungfernstieg und Rathaus. Links der Ballindamm mit dem Hapag-Lloyd Gebäude

Hamburg – Blick über die Binnenalster Richtung Anleger Jungfernstieg und Rathaus. Links der Ballindamm mit dem Hapag-Lloyd Gebäude

Unten direkt am Wasser und auf den Rasenflächen entlang des Spazierwegs, hat es bei dem schönen Frühlingswetter viele Sonnenanbeter angelockt. Die Alsterschiffe ziehen dann und wann vorbei und verschwinden unter den Brückenbögen hindurch Richtung Außenalster.

Hamburg - Binnenalster - Die Eilbek steuert  Lombards- und Kennedybrücke an, um unter ihnen durch zur Außenalster zu gelangen ...

Hamburg – Binnenalster – Die Eilbek steuert Lombards- und Kennedybrücke an, um unter ihnen durch zur Außenalster zu gelangen …

Dass die Menschen hier immer schon Boote genutzt haben, ist klar. Sie sind gerudert, gesegelt, aber erst in späterer Zeit entstand auf dem kleinen und dem großen Alstergewässer ein regulärer Linienbetrieb mit Fährschiffen. Im Juni 1859 kam die „Alina“ und mit ihr das erste Alsterdampfschiff zum Einsatz. Heute wird noch bei der „St. Georg“ der Kessel angeworfen. Das ist ein sehr schön restaurierter, alter Dampfer, der regelmäßig Ausflugsfahrten unternimmt.

Es ist ja nicht so, dass von Beginn an diese steinerne Brücke gestanden hätte. Die Lombardsbrücke war anfangs hölzern. Die letzte dieser Holzversionen entstand 1827-1828 nach Entwürfen von Carl Ludwig Wimmel.
Damals enthielt die Konstruktion noch viele Zwischenstützen und obendrein war die Durchlasshöhe geringer als heute. Es gab dadurch natürlich Schwierigkeiten, als sich die insgesamt größer dimensionierten Dampfschiffe durchsetzten. Ihnen blieb der Weg zur Außenalster versperrt, weil sie entweder Probleme mit der Durchlassbreite, besonders jedoch mit der Brückenhöhe hatten. Mit ihren hohen Schornsteinen passten sie gar nicht hindurch!

Wenn Sie sich die Lage vorstellen, dann blieben eigentlich nur folgende Möglichkeiten: Entweder man beendete bzw. unterbrach die Fahrt auf der Binnenalster an der Lombardsbrücke, benutzte den Tunnelgang auf der Westseite, der unter den Brücken entlang zur anderen Seite führte, stieg dort an einer Haltestelle in ein Boot, das ausschließlich auf der Außenalster verkehrte und setzte so seine Reise fort. (Das gleiche Spiel logischerweise beim Rückweg.)
Ansonsten blieben als Lösung nur eine irgendwie geartete niedrigere Bauweise der Boote oder eine Brücke mit mehr Durchlass.

Die Herrschaften damals allerdings versuchten es daraufhin zunächst mit dem Umklappen des Schornsteins, so wie es heute noch auf Flüssen ähnlich mit den Brückenaufbauten von Schiffen gemacht wird, damit diese selbst bei Hochwasser oder niedriger Durchfahrtshöhe passieren können. Schließlich sind nicht alle niedrigen Brücken hochklappbar.
Das Herunterkippen des Schornsteins damals war allerdings nicht das Gelbe vom Ei. Es war immer etwas risikobehaftet, denn dabei stieg automatisch die Brandgefahr.
Eine neue Brücke musste her. Sicherer, stabiler, gleich größer ausgelegt. Da nicht nur die Entwicklung in der Schifffahrt voranging, sondern auch die der Eisenbahn und 1865 eine neue Verbindungsbahn von Hamburg nach Altona im Bau war, deren Gleise (und schwere Züge!) die Brücke queren sollten, errichtete man die heute noch existierende steinerne Lombardsbrücke (Entwurf: Johann Hermann Maack). Sie wurde 1868 fertig, misst 69 m und besitzt drei Bögen. Auf ihr stehen wir gerade.
Hier gibt es etwas Besonderes. Im Brückenpfeiler!
Kennen Sie noch die Ausdrücke Wartehalle und Wartesaal? Zum Beispiel beim Bahnhof? (Manchmal auch lediglich ein Warteraum, wenn es sich um diese kleine, meist gläserne Extraeinrichtung irgendwo draußen auf dem Bahnsteig handelte. Die, in der sich der Geruch kalten Zigarettenrauchs ewig hielt.)
Oder das Wartehäuschen? An der Bushaltestelle, dem Haltepunkt der Straßenbahn? Wenn es ziemlich klein ausfiel, erhielt es ganz schnell den Namen Wartekabuff.
Heute gibt es nur noch zwei Varianten. Entweder es geht um eine einfache Haltestelle an der Straße, dann ist dort – wenn überhaupt – ein kleiner, sehr offener und zugiger Unterstand, der auch nur deshalb überhaupt noch irgendwo eine Wand hat, damit das Dach nicht herunterfällt und der Platz für Werbeplakate gesichert ist.
Oder es geht um etwas wie die Wartezone in einem Flughafen, einem Bahnhof oder an einem Kreuzfahrtanleger. Diese – zumindest Teile von ihr – wird dort neudeutsch gern als Wartelounge bezeichnet. Hört sich unter Umständen besser an, als es im Endeffekt aussieht.

Was ich Ihnen heute präsentieren möchte, ist hingegen etwas kleiner, uriger, seltener, spezieller. Es ist das einzige noch erhaltene Dampfboot-Wartezimmer!

Hamburg - Binnenalster - Das Dampfboot-Wartezimmer an der Lombardsbrücke (Ostpfeiler)

Hamburg – Binnenalster – Das Dampfboot-Wartezimmer an der Lombardsbrücke (Ostpfeiler)

Beim Bau der steinernen Brücke wurde direkt in den östlichen Brückenpfeiler ein kleiner Aufenthaltsraum integriert. Dort standen die wartenden Fahrgäste sicher vor Regen und waren windgeschützt. Am Wasser und besonders unter den Brücken kann es nämlich anständig ziehen …
Wartezimmer. Klingt in Verbindung mit dem Dampfboot heimelig. Doch irgendwie erinnert es im ersten Moment zugleich ein ganz klein wenig an Praxis und Doktor …

Hamburg - Binnenalster - Eingang zum Dampfboot-Wartezimmer an der Lombardsbrücke

Hamburg – Binnenalster – Eingang zum Dampfboot-Wartezimmer an der Lombardsbrücke

Das Zimmer ist heute bedauerlicherweise verriegelt. Der Versuch, im Inneren etwas zu erkennen, ist leider auch nicht von großem Erfolg gekrönt. Mittlerweile ließ sich jedoch herausfinden, dass es sich um einen kleinen, hohen Säulenraum handelt. Die blanken Mauersteine sind zu sehen und ein Tunnel führt zur Kanalisation. Während der Zeit der Nutzung sind sicher auch Sitzgelegenheiten vorhanden gewesen. Vielleicht gab es auch einen Bediensteten, der Fahrkarten verkaufte.

Ich las von einem kleinen Konzert, das dort vor zwei Jahren stattfand. Wie der Klang wohl war? 40 Zuhörer passten hinein, als eine Nachwuchssängerin auftrat. So haben Sie vielleicht hinsichtlich der Raumgröße eine ungefähre Vorstellung. Und es muss enorm feuchte Luft geherrscht haben, denn die Brillen beschlugen.

Das Dampfboot-Wartezimmer wurde nur noch bis 1881 genutzt. Schon damals ging man über zur Variante Wartehäuschen. Der Anleger an der Lombardsbrücke existierte hingegen noch für weitere 58 Jahre. Er wurde erst zum Beginn des Zweiten Weltkriegs stillgelegt. Jetzt kann man rätseln, warum ein Wartehäuschen dem weiteren Betrieb des Dampfboot-Wartezimmers vorgezogen wurde.
Waren die Kosten für den Unterhalt zu hoch, die Luft zu klamm? War es in manchen Monaten zu kalt, gab es Ratten? Musste immer jemand anwesend sein? Herrschte Personalabbau?
Man weiß es nicht. Doch noch heute können Sie davorstehen, sich Ihre eigenen Gedanken machen, und ein bisschen in die Vergangenheit abschweifen. Irgendwie wirkt es schon wie ein Relikt aus einer anderen Zeit,
oder …?

Liebe Lombardsbrücken-Blogbesucher, es wird jetzt Zeit, dass wir hier verschwinden, bevor uns am Ende noch die Marathonläufer umrennen.
Sollten speziell die männlichen Wesen unter Ihnen auf dem Rückweg ein dringendes Bedürfnis verspüren, möchte ich Sie zum Abschluss noch auf eine  – sagen wir maritim angehauchte – Einrichtung direkt am Hauptbahnhof hinweisen. Sprechen wir es ruhig direkt aus: Einen Ort zum Schiffen. Ein himmelblaues Pissoir für alle, die auf Hafen, Seefahrt und Meer stehen.

Hamburg - Hauptbahnhof_Kirchenallee -  Zum Schiffen - Das Pissoir einer Hafenstadt ... (Im Hintergrund das Haus mit der Kuppel und den Fahnen  ist übrigens das Schauspielhaus)

Hamburg – Hauptbahnhof/Kirchenallee – Zum Schiffen – Das Pissoir einer Hafenstadt … (Im Hintergrund das Deutsche Schauspielhaus mit der Kuppel und den Fahnen)

Ich wünsche Ihnen einen schönen Sonntag! Vielleicht lesen wir uns bald wieder.

© by Michèle Legrand, April 2015
Michèle Legrand - freie Autorin - ©Fotograf Andreas Grav

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Unterwegs entdeckt: Alle machen’s! Marienkäfer, Bulldoggen, Polizisten, Angler …

Hamburg - St. Gertrud Kirche (Uhlenhorst-Hohenfelde), rechts die Mundsburg-Hochhäuser

Hamburg – St. Gertrud Kirche (Uhlenhorst-Hohenfelde), rechts die Mundsburg-Hochhäuser

Trauen Sie ihr noch? So wirklich? (Ich spreche von der Wettervorhersage) Und überhaupt, eigentlich ist es doch gar nicht vorstellbar! Es ist Ende Oktober!
Da können die noch so viel erzählen von Tief Zenith, das über dem Atlantik Kreise zieht, irgendeinem Hoch Nastassja im Osten und der warmen Mittelmeerluft bzw. einem extravaganten, lauen Nordafrikalüftchen, welches sich an der Ostflanke des Tiefs Richtung Norden vorbeischummelt. Ich habe ihnen die prophezeiten Temperaturen nicht geglaubt, den Wetterfachleuten!
Ja doch! Am Dienstagmorgen wirkte es tatsächlich recht nett draußen und von kürzlich morgendlichen 7° C war das Thermometer auf immerhin 13° C gestiegen. Im Schatten!
Nur trauen Sie dem Frieden?
Zu oft erlebten Sie doch schon die Bauchlandung, sind mit einem Flatterjäckchen losgezogen und hatten hinterher die Bescherung bzw. den Erkältungsinfekt. Weil es eben doch nicht so warm war wie angekündigt, weil es eben doch nicht trocken blieb, weil kein Mensch etwas von Hagel erwähnt hatte!

Ich wollte etwas erledigen und beabsichtigte, es bei dem passablen Wetter mit dem Fahrrad zu tun. Es ging zwar um eine längere Strecke, doch Licht, frische Luft und Radfahren tun bekanntlich gut. Ich dachte mir:
Kleide dich nur vernünftig, d. h. rechne mit allem.
Allem im Sinne von Wolkenbruch, Frost, Orkan, Gewitter.
Nur falls es (eher unwahrscheinlich) besser als angenommen werden sollte? Wie sähe es dann aus?
Ach, kleide dich – zumindest oben herum – nach dem Zwiebelprinzip: eine Schicht über die andere.
T-Shirt, Strickjacke, Halstuch, Lederjacke. Ansonsten Jeanshose und das Übliche, was der Mensch braucht, um sich draußen unbeanstandet aufzuhalten.

Es gibt eine wirklich empfehlenswerte Route, um mit dem Rad aus dem Hamburger Osten Richtung Stadt und Außenalster zu kommen. Sie müssen nicht entlang vielbefahrener, mehrspuriger Hauptverkehrsadern radeln und bleihaltige Luft inhalieren!
Es gibt stattdessen einen schön gelegenen Radweg, teilweise auch eine erst seit 2012 in dieser Form existierende eigene Fahrradstraße! Beides schlängelt sich anfangs entlang der Wandse, später (ab Mühlenteich) läuft der Weg zunächst parallel zur Eilbek, im weiteren Verlauf (ab Maxstraße) entlang des Eilbekkanals. Die Fahrradstraße (nur Anwohner dürfen sie mit ihren Wagen befahren) führt durch die Ufer- und Lortzingstraße und ist Teil der offiziellen Veloroute 6. Die Wege leiten einen direkt an die Außenalster zur Schwanenwik-Bucht. Der Ausdruck ist jetzt doppelt gemoppelt. Denn „Wik“ bedeutet schon Bucht.

Hamburg - Herbst - Am Mühlenteich

Hamburg – Herbst – Am Mühlenteich

An einem Tag gegen Ende Oktober, an dem unvermutet mit Macht die Sonne durchbricht, heiße Luft aus Afrika (oder woher auch immer, jedenfalls aus dem Süden) die Gradzahl bis zum Mittag auf 20° C im Schatten (!) steigert, das Herbstlaub immer noch an vielen Stellen einladend leuchtet – an solch einem Tag sind sie auf einmal alle draußen.
Die Hamburger, jung und alt, die Quiddjes (Dazugezogene) und die Gäste der Stadt, die Touristen. Manche erkunden auf den roten, zu mietenden „Stadträdern“ die Gegend. Fahrradausleihstationen gibt es hier in dieser Region mittlerweile mehrere seit der Einrichtung der Fahrradstraße. Es flanieren Spaziergänger, die Hundehalter führen ihre tierischen Freunde aus (manchmal auch umgekehrt), die Bankentdecker und -besetzer blinzeln abwechselnd in die Sonne und auf das glitzernde Wasser, die Jogger sind in besonders großer Anzahl unterwegs. Auf dem Eilbekkanal wird auch gerudert.

Hamburg - Herbst - Ruderer auf der Eilbek

Hamburg – Herbst – Ruderer auf der Eilbek

Hamburg - Ein sonniger und warmer Oktobertag  - An der Eilbek

Hamburg – Ein sonniger und warmer Oktobertag – An der Eilbek

Eine im Gras dösende, sonnenanbetende Bulldogge habe ich lieber nicht fotografiert, die sah so aus, als wenn sie das – überhaupt jegliche Art von Störung – nicht duldet, aber diesen (nächstes Foto) Hund mit Herrchen. Ich fand die Fähigkeit des Tiers bewundernswert.

Hamburg - An der Eilbek - Der dreibeinige Hund ...

Hamburg – An der Eilbek – Der dreibeinige Hund …

Sie können es auf dem Foto wahrscheinlich gar nicht erkennen, aber der braune Hund hat nur drei Beine, wobei ihm der linke Vorderlauf fehlt. Sie wissen vermutlich, dass Tiere das Fehlen von Gliedmaßen häufig sehr gut ausgleichen können, doch bei einem Hund lasten 60 % seines Gewichts auf den Vorderbeinen. Es ist wesentlich leichter, das Fehlen eines Hinterbeins zu kompensieren! Dieser hier muss schon die Kraft auf seiner Laufstrecke einteilen und wiederholt Pausen einlegen. Was sein Herrchen auch mit ihm tat!

Hamburg - An der Eilbek - ... Pause mit Hund

Hamburg – An der Eilbek – … Pause mit Hund

Hamburg - Fahrradweg entlang des Eilbekkanals ... traumhaft auch im Herbst!

Hamburg – Fahrradweg entlang des Eilbekkanals … traumhaft auch im Herbst!

Seit 2009 gibt es zehn Liegeplätze für Hausboote in einem speziellen Bereich des Eilbekkanals, die im Zuge des Pilotprojekts Wohnen auf dem Wasser eingerichtet wurden. Sie befinden sich zwischen Wagnerstraße und dem Lerchenfeld. Die Boote dort haben richtige Anschlüsse an die Kanalisation, verfügen über Strom und auch der Müll wird per Müllabfuhr entsorgt! Wenn Sie durch die Straßen wandern, sehen Sie, dass diese Hausboote oben an der Straße sogar eine eigene Hausnummer bekommen haben. Einige dieser Boote werden als Wohnung, andere als Büro genutzt und wie es heißt, lebt oder arbeitet der Bootsherr dort auf jeweils 130 bis 160 qm Wohn-/Bürofläche.

Hamburg - Eilbekkanal mit Hausbooten

Hamburg – Eilbekkanal mit Hausbooten

Hamburg - Die Richard-Wagner-Brücke in Pink. Rechts eines der Hausboote, das als Büro genutzt wird.

Hamburg – Die Richard-Wagner-Brücke in Pink. (Wagner und pink??)  Rechts eines der Hausboote, das als Büro genutzt wird.

Nachdem dieser Bereich mit den Liegeplätzen hinter Ihnen ist, durchfließt der Kanal den Kuhmühlenteich und nennt sich fortan Mundsburger Kanal. An ihm steht überaus fotogen die evang.-lutherische St. Gertrud Kirche (1881-1885). Und wenn Sie sich zwischen Kirchturm und Kuhmühlenteich einen Flecken vorstellen, dann haben Sie den geographischen Mittelpunkt von Hamburg.

Hamburg - Die Einmündung des Eilbekkanals in den Kuhmühlenteich. Rechts die St. Gertrud Kirche.

Hamburg – Die Einmündung des Eilbekkanals in den Kuhmühlenteich. Rechts die St. Gertrud Kirche.

Angler versuchen hier häufig ihr Glück. In dem Gewässer, das max. zwei Meter Tiefe und einen schlammigen Grund hat, fühlen sich Karpfen, Rotaugen und Brassen recht wohl. Einer der Herren erzählte mir, dass er Richtung Schwanenwik (dahin kommen wir gleich) auch schon einmal einen Zander gefischt hätte.

Hamburg - Herbst - Vom Kuhmühlenteich ein Blick zurück in den Eilbekkanal ...

Hamburg – Herbst – Vom Kuhmühlenteich ein Blick zurück in den Eilbekkanal …

Hamburg - Kuhmühlenteich mit St.-Gertrud Kirche - Die Brücke links dient der U-Bahn Überquerungsmöglichkeit. Im Hintergrund ist der Heinrich-Hertz-Turm (Fernsehturm) zu sehen.

Hamburg – Kuhmühlenteich mit St. Gertrud Kirche – Blick Richtung Mundsburger Kanal. Die Brücke links dient der U-Bahn als Überquerungsmöglichkeit. Ganz im Hintergrund ist der Heinrich-Hertz-Turm (Fernsehturm) zu sehen.

Direkt am Ausfluss des Teichs befand sich die Kuhmühle. Dass wir uns richtig verstehen: Es war eine Pulver- und Walkmühle! Sie hat jetzt keine Kühe zerkleinert!
Damals existierte dort allerdings Weideland, und zum Queren des Wassers trieb man seine Kühe über die – ganz klar! – Kuhbrücke. Später wurde ein Damm gebaut und der Stausee, der auf diese Art für den Betrieb einer Mühle entstand, war der Mühlenteich, bzw. eben wegen der vielen Kuhnachbarn – genau! – der Kuhmühlenteich. Die Mühle – immer noch dieser Logik folgend – also die Kuhmühle. Objwohl sie mit Kühen selbst herzlich wenig zu tun hatte.
Kommen Sie noch mit?
Heute ist rein gar nichts mehr davon zu sehen, doch früher standen sogar insgesamt acht Wassermühlen auf der Strecke entlang der Wandse bis zur Stadt! Sie dienten beispielsweise als Lack-, Pulver- oder Ölmühle. Der Kuhmühlenteich, diese Ausbuchtung der Eilbek, war – wie gerade gelernt – extra zum Betrieb der Kuhmühle angelegt worden, nur als man Ende des 19. Jahrhunderts den Eilbekkanal ausbaute und dabei den Wasserstand nivellierte, war das für das Betreiben einer Mühle absolut kontraproduktiv. Sie wurde abgebrochen.

Das hier ist noch einmal aus der Nähe gesehen die Überquerung für die U-Bahn, die via Uhlandstraße in Richtung Mundsburg und Hamburger Straße sowie in Gegenrichtung fährt.

Hamburg - Hochbahnbrücke am Ausfluss des Kuhmühlenteiches in den Mundsburger Kanal - Auch der Brückenpfeiler der gegenüber liegenden Seite zeigt symbolhafte Darstellungen ...

Hamburg – Hochbahnbrücke am Ausfluss des Kuhmühlenteiches in den Mundsburger Kanal – Der Brückenpfeiler zeigt symbolhafte Darstellungen …

Es lohnt sich durchaus, einen genaueren Blick auf die Granitpfeiler zu werfen. Es sind nämlich vier Bildfelder eingearbeitet, die – so heißt es – die Beherrschung der vier Elemente Luft, Erde, Feuer und Wasser darstellen. Teilweise in Szenen mit menschlichen Wesen (auf dem Foto oben raucht hinter den Personen ein Vulkan, was auf Feuer hinweist), aber auch mit vier verschiedenen Tierdarstellungen, die sich wie eine Banderole ein Stück um den Pfeiler wickeln (auf dem Foto weiter unten Vögel, die das Element Luft symbolisieren – es gibt auch noch Pflanzen, Fische, Schlangen und Feuersalamander)

Hamburg - Hochbahnbrücke (Strecke Uhlandstraße Richtung Mundsburg)

Hamburg – Hochbahnbrücke (Strecke Uhlandstraße Richtung Mundsburg)

Hamburg - Hochbahnbrücke am Ausfluss des Kuhmühlenteiches in den Mundsburger Kanal - Die Brückenpfeiler aus Granit haben symbolhafte Bilder ...

Hamburg – Hochbahnbrücke am Ausfluss des Kuhmühlenteiches in den Mundsburger Kanal – Die Brückenpfeiler aus Granit haben symbolhafte Bilder … Hier: Vögel als Symbol für Luft (s. auch Text)

Beim Weiterfahren mit dem Fahrrad fällt ab und zu etwas ins Auge, was dort nicht häufig auftaucht …

Hamburg - Am Mundsburger Kanal/Höhe HAW - Webversuche am Zaun: Guerilla Weaving statt Knitting ...?

Hamburg – Am Mundsburger Kanal/Höhe HAW – Webversuche am Zaun: Guerilla Weaving statt Knitting …?

Hamburg - Alster voraus - Blick vom Mundsburger Kanal Richtung Schwanenwik-Brücke und Außenalster

Hamburg – Alster voraus – Blick vom Mundsburger Kanal Richtung Schwanenwik-Brücke und Außenalster

Langsam kommt die Außenalster in Sicht. Die Schwanenwikbrücke befindet sich als letzte Straßenquerung noch vor Ihnen. An dieser Brücke werden gern Liebesschlösser befestigt und natürlich haufenweise Fotos aufgenommen. Mal mit Menschen, mal ohne Lebewesen im Bild, aber immer das Innenstadtpanorama inklusive der Kirchtürme im Hintergrund.

Hamburg  - Außenalster - Liebesschlösser an der Schwanenwik-Brücke

Hamburg – Außenalster – Liebesschlösser an der Schwanenwik-Brücke

Es ist herrlich dort, besonders, wenn Sie direkt hinunter ans Ufer wandern (oder wie ich Ihr Rad schieben bzw. abstellen). Die Wasservögel machen es sich hier gern bequem, die Menschen genießen die Atmosphäre und legen eine Pause ein. Gelegentlich dreht eines der Alsterfährschiffe seine Runde, von Zeit zu Zeit tuckert sogar der Rauch ausstoßende Dampfer, die St. Georg, vorbei. Erinnern Sie sich an unsere große Alsterrundfahrt mit einem der offenen Boote hier im Blog? Dort hatte ich Ihnen vieles von der Wasserseite aus gezeigt und erzählt. Von James Bond, dem anderen Mann, der im Wasser steht, dem Seehund, der Moschee etc. Falls Sie es nachlesen möchten, finden SIe nachstehend den Link zum Blogpost:
https://michelelegrand.wordpress.com/2012/07/03/sommer-sonne-alster-und-wie-ist-es-mit-ihnen/

Hamburg - Außenalster - Dampfer St. Georg ist auch unterwegs, begleitet von Teichrallen.

Hamburg – Außenalster – Dampfer St. Georg ist auch unterwegs, begleitet von Teichrallen.

Die Vögel relaxen allerdings nur so lange, bis wieder ein Nichtwissender (es ist gar nicht gestattet!) kommt und sie füttert. Dann werden sie unberechenbar! Ein über- und unter- und durcheinander Geflattere, ein Radau, man glaubt es nicht! Und ich schwöre Ihnen, es muss jede Möwe schreien! Jede! Ohne Ausnahme.

Hamburg - Außenalster - Schwanenwik - Ruhe und einträchtiges Beisammensein. Alles ist gut, bis jemand kommt, der füttert ...

Hamburg – Außenalster – Schwanenwik – Ruhe und einträchtiges Beisammensein. Alles ist gut, bis jemand kommt, der füttert …

Hamburg - Außenalster - Schwanenwik - Man verträgt sich, man döst, man steht auf einem Bein, man putzt sich ...

Hamburg – Außenalster – Schwanenwik – Man verträgt sich, man döst, man steht auf einem Bein, man putzt sich … Noch!

Hamburg - Außenalster - Schwanenwik - Dirigentengänse ...

Hamburg – Außenalster – Schwanenwik – Dirigentengänse … Oder haben Sie etwa gerade etwas entdeckt?

Hamburg - Außenalster - Schwanenwik - Fasts noch zivilisiert. Nur mal gucken ...

Hamburg – Außenalster – Schwanenwik – Fast noch zivilisiert. Wasservögel und Nicht-Wasservögel. Nur mal gucken …

Hamburg - Außenalster - Schwanenwik - .... und Action!

Hamburg – Außenalster – Schwanenwik – …. und Action!

Hamburg - Außenalster - Schwanenwik - Versammlung! Und JEDE Möwe schreit!

Hamburg – Außenalster – Schwanenwik – Versammlung! Und JEDE Möwe schreit!

Auch hier – wie am Eilbekkanal – entspannen die Menschen auf Bänken und sonnen sich. Darum ging es übrigens auch in der Überschrift! Sie glauben gar nicht, wer es noch alles tat – dieses sich dem Sonnenbad hingeben, dieses Blinzeln, sich Räkeln und Vitamin D tanken.

Hamburg - Außenalster - Schwanenwik - Entspannung am Wasser ... (Mitte: Drei Ruderer von E. Scharff)

Hamburg – Außenalster – Schwanenwik – Entspannung am Wasser … (Mitte: Drei Ruderer von E. Scharff)

Die Bulldogge erwähnte ich schon. Ein Streifenpolizist stand ans Fahrzeug gelehnt, hatte den Kopf in den Nacken gelegt, die Mütze noch ein Stück nach hinten geschoben und genoss die Sonnenstrahlen, während er wohl auf seinen Kollegen wartete, der offensichtlich länger ein Protokoll aufnahm. Die Angler am Kuhmühlenteich vorhin waren Sonnenanbeter, und an vielen Stellen saßen sie gehäuft und drängelten sich fast: Marienkäfer! So viele habe ich so spät im Jahr noch nie gesehen!

Und ich? Ich habe die Sonne auch genossen! Nur mir wurde sehr warm! Wer ahnt denn, dass es sich so entwickelt! Und dazu das Radeln! Die Jacke flog als erstes davon, dann die Strickjacke, das Halstuch … Mehr war nicht möglich. Sie wissen ja, Polizei in der Nähe, Anstand und so …

Hamburg - An der Schwanenwik-Brücke - Gondoliere ohne Gondel ... gewissermaßen.

Hamburg – An der Schwanenwik-Brücke – Gondoliere ohne Gondel … gewissermaßen.

Und irgendwann geht es erhitzt wieder heim. Noch ein letzter Blick über die Alster

Hamburg - Blick über die Außenalster Richtung Innenstadt

Hamburg – Blick über die Außenalster Richtung Innenstadt

Auf der Rückfahrt wurde ich überrascht. Ich wusste nämlich bisher nicht, dass ich offenbar auf einem Berg wohne! Einem unsichtbaren Berg, wie ich vermute. Sehr mysteriös! Ich dachte immer, in Hamburg gäbe es nördlich der Elbe nur in Blankenese nennenswerte Steigungen, dann die Hügel der Boberger Dünen, vielleicht noch den kleinen Rodelberg im Stadtpark und einen leichten Anstieg bei einer Straße in der Nähe, die bereits das verräterische, aber völlig unangebrachte Wort Berg in ihrem Namen trägt.
Doch eine Art schweißtreibende Passstraße zwischen Alster und meinem Wohnsitz in Hamburgs Osten …?
Mir fiel es bisher nie auf, nur Tatsache ist, dass ich auf dem Hinweg ohne großen Krafteinsatz dahinglitt, zurück aber die ganze Zeit rechtschaffen strampeln und mich anstrengen musste. Obwohl es nicht windig war!
Ist das jetzt Einbildung?
Tun Sie mir einen Gefallen und probieren Sie es bei Gelegenheit selbst aus. Ich muss das jetzt wissen! Ich will auch nicht drängeln, aber vielleicht kommen Sie noch in diesem Herbst dazu, wenn das Wetter weiterhin so schöne Tage bereithält. Falls wir wieder einen solch grauen und langen Winter wie 2012/2013 bekommen sollten, sollten Sie sich ohnehin vorher noch reichlich mit Sonne und blauem Himmel eindecken.
Es hat einen weiteren Riesenvorteil, sich der Sonne zuzuwenden und sie anzublinzeln. Walt Whitman formulierte es recht treffend: „Richte dein Gesicht immer zur Sonne, und die Schatten werden hinter dich fallen.“

©Oktober 2013 by Michèle Legrand
Michèle Legrand - Michèle. Gedanken(sprünge) @wordpress.com

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Sommer, Sonne, Alster … und wie ist es mit Ihnen?

Alsterrundfahrt - Hamburg - Blogtitel  zu Sommer, Sonne, Alster ... und wie ist es mit Ihnen?

Hamburg – Jungfernstieg (Binnenalster)

Das vergangene Wochenende (30.06./01.07.) brachte sonniges Wetter und überaus angenehme, sommerliche Temperaturen nach Norddeutschland. Haben Sie Lust, dies auszunutzen und mit ans Wasser zu kommen?
Oben ohne?
Ich hätte heute hier im Blog für Sie Folgendes im Angebot:
Eine Rundfahrt mit dem Alster-Cabrio über die Hamburger Binnen- und Außenalster.
Sie überlegen noch?
Nur das Boot ist offen, oben ohne – Sie dürfen weiterhin geschlossen, sprich bekleidet bleiben.
Es wird eine kleine, kurzweilige Fahrt, einige wissenswerte oder unterhaltsame Dinge werden locker und unauffällig hineingestreut. Wir plaudern ein wenig, Sie können Fotos ansehen, entspannen sich ein bisschen und in gut zehn Minuten steigen Sie wieder aus. Trocken und ohne dass Empfindsamen unter Ihnen vom Seegang schlecht geworden wäre.
Letzte Chance! ;)
Es geht los …

1_Alsterrundfahrt Hamburg - Ablegen am Jungfernstieg mit dem Alster-Cabrio - Am Anleger befinden sich noch "Alsterwasser", "St. Georg" und  "Eilbek" (siehe auch Text)

Ablegen am Jungfernstieg mit dem Alster-Cabrio – Am Anleger befinden sich noch die Boote „Alsterwasser“, „St. Georg“ und „Eilbek“ (siehe auch Text)

Wir starten am Anleger Jungfernstieg direkt in Hamburgs Innenstadt nahe dem Rathaus. Hier legen viele Schiffe der Alsterschifffahrt zu ihren Rund-, Kanal-. Fleetfahrten, zu Dämmertörns oder sonstigen (gecharterten) Sonderfahrten ab. Es gibt ebenfalls gesondert einen festen Linienfahrplan, der Ein- und Aussteigen an insgesamt neun Anlegern ermöglicht.

Die Boote der weißen Alsterflotte sind unterschiedlicher Bauart. Es gibt die traditionellen Alsterdampfer mit voneinander leicht abweichenden Bautypen. Sie tragen Namen wie Goldbek, Eilbek, Susebek etc. Des Weiteren die Flachschiffe („MS Fleetenkieker“ u. a.), eine restaurierte Motorbarkasse („Aue“), einen Solarkatamaran („Alstersonne“), den erwähnten offenen Schiffstyp  („Alster-Cabrio I und II“) sowie ein ZEMship („Alsterwasser“). ZEMship steht für „zero emission ship“, d. h. ein Fahrgastschiff, welches sehr fortschrittlich mit Brennstoffzellen – emissionsfrei und geräuscharm – angetrieben wird.
Von Zeit zu Zeit begegnet Ihnen auf der Alster sogar ein altes Dampfschiff. Wenn ein weißes Boot an Ihnen vorbeituckert, aus dessen Schornstein grauer Rauch quillt, dann ist es sehr wahrscheinlich die „St. Georg“. Sie gehört dem Verein Alsterdampfschifffahrt e. V.

2_Alsterrundfahrt - Hamburg - Zu sehen das solarbetriebene Alsterboot "Alstersonne"

Hamburg – Anleger Jungfernstieg – Zu sehen ist das solarbetriebene Alsterboot „Alstersonne“

Sie haben an diesem warmen Tag wirklich Glück, denn für uns steht das offene Boot abfahrbereit. Keine trübe Fensterscheibe, die die Sicht behindert, Sonne pur auf Ihrer Haut und ein bisschen frischen Wind um die Nase.

Sitzen Sie gut?
Bitte? Schwimmwesten?
Nein, die gibt es hier nicht. Sollten Sie hinausfallen, ist die Chance jedoch ziemlich groß, dass jemand hinterherspringt und sie rettet. Nicht nur das Alster-Cabrio, auch andere Boote würden sofort stoppen, beidrehen und sie wieder an Bord ziehen. Die Binnenalster ist zudem gar nicht so tief. Wenn Sie noch ein bisschen wachsen, können Sie fast darin stehen (2,50 m).

Die Binnen- und die Außenalster gibt es seit dem 13. Jahrhundert, als die Alster (der Fluss, dessen Quelle nördlich von Hamburg bei Henstedt-Ulzburg zu finden ist) zu Mühlenteichen aufgestaut wurde. Die Fläche der kleineren Binnenalster beträgt 18 ha, die der großen Außenalster 160 ha. Den großen See dürfen Sie sich etwa so groß wie das Fürstentum Monaco vorstellen. Hier beträgt die Wassertiefe ungefähr 3,50 m.

2a_Alsterrundfahrt - Hamburg - unter der  Lombards- und Kennedybrücke (dahinter) hindurch Richtung Außenalster

Unter der Lombards- und Kennedybrücke (dahinter) hindurch Richtung Außenalster …

Wir erreichen gleich die  Lombards- und die Kennedybrücke, die die beiden Seen voneinander trennen. Wenn man unter diesen steinernen Bauwerken durchfährt, hallt die Stimme plötzlich wie im Gebirge! Was gerade über uns hinwegrauscht, ist ein Fernzug. Einer von sehr vielen. Die Lombardsbrücke ist die Querung der Alster für Fern- und Güterzüge und mit 900 Zügen, die pro Tag über ihre Gleise fahren, die meistbefahrene Eisenbahnbrücke Europas!
Der Autoverkehr nutzt die Kennedybrücke dahinter, die zusätzlich gebaut wurde, als das Verkehrsaufkommen immer größer wurde. Sie hatte anfangs den sehr logischen Namen Neue Lombardsbrücke und wurde erst nach der Ermordung John F. Kennedys 1963 ihm zum Gedenken in Kennedybrücke umbenannt.

3_Alsterrundfahrt - Hamburg - Nachwuchs bei den Schwänen ...

Außenalster – Nachwuchs bei den Schwänen …

Die Brücken liegen hinter uns, wir befinden uns nun auf der Außenalster. Rechts taucht das bekannte Hotel Atlantic auf. Sehen Sie doch einmal hoch zum Dach! Es sind Menschen oben! Wird dort gearbeitet, oder spielen sich vielleicht Dramen in dieser Höhe ab?

4_Alsterrundfahrt - Hamburg - Hotel Atlantic - rechts auf dem Dach die Weltkugel mit den beiden Karyatiden  (-> James Bond Szene, siehe Text)

Hotel Atlantic – rechts auf dem Dach die Weltkugel mit den beiden Karyatiden (-> James Bond Szene, siehe Text)

Es gab dort oben tatsächlich schon einmal eine dramatische Begebenheit. 1997 wurden hier Szenen für den James Bond Film „Der Morgen stirbt nie“ mit Pierce Brosnan gedreht, der (oder sein Stuntman-Double) vor einem Killer über den Balkon an der Hausfassade hinauf auf das Dach flüchtete, bis hin zur Weltkugel rechts mit den beiden Karyatiden.
Was meinten Sie bitte?
Nein, es ist nicht schlimm! Machen Sie sich keine Gedanken!
Sie dürfen ruhig weiter James Bond Musik vor sich her summen …
Sollte sie noch der Begriff Karyatiden im Zusammenhang mit der Weltkugel beschäftigen –  so werden  in der Architektur Skulpturen von weiblichen Figuren, die eine tragende Funktion haben, genannt.

Ein Stückchen weiter, nahe der Gurlitt- Insel, treffen wir auf einen Herrn, der mitten im Wasser steht. In Hamburg gibt es an verschiedenen Orten insgesamt vier dieser auf Bojen befestigten Figuren von Stefan Balkenhol. Sie sind aus Eichenstämmen gefertigt, fast identisch, und die Kollegen befinden sich seit 1993 auf der Süderelbe in Harburg, im Serrahn in Bergedorf sowie auf der Elbe beim Museumshafen Övelgönne. Im Winter werden sie eingeholt.

5_Alsterrundfahrt - Hamburg - Einer von "4 Männern auf Bojen"  von Stephan Balkenhol

Außenalster – Einer von „4 Männern auf Bojen“ von Stephan Balkenhol

6_Alsterrundfahrt - Hamburg ...der Herr von hinten betrachtet. Besuch durch einen Wasservogel ...

… der Herr (Größe: 2,40 m) von hinten betrachtet. Besuch durch einen Wasservogel.

Unser Boot nähert sich dem Schwanenwik. Schwanenwik bedeutet so viel wie Bucht der Schwäne. Hier sehen Sie rechts die 1952/53 entworfene Bronze „Drei Männer im Boot“ von Edwin Scharff. Bevor Sie allerdings fertig gegossen und aufgestellt war, starb der Künstler 1955. Er selbst hatte sich die Herren mit den hoch aufgerichteten Ruderstangen eigentlich an den (von ihm – so dachte er) umgestalteten Jungfernstieg gewünscht – nun steht die Bronze hier, die Figuren zum Wasser ausgerichtet.

7_Alsterrundfahrt - Hamburg - Bronze "Drei Männer im Boot" von Edwin Scharff am Schwanenwik

Bronze „Drei Männer im Boot“ von Edwin Scharff am Schwanenwik

Genau hier, in der Bucht der Schwäne, befindet sich die breiteste Stelle der Außenalster. Die Entfernung vom Ostufer zum Westufer hinüber beträgt ca. 1.200 m. Die Straße, die jetzt auf unserer Uferseite entlangführt, nennt sich Schöne Aussicht. Häuser mit dieser Adresse sind begehrt, rar und in ihrer Anschaffung äußerst kostspielig.  Die Straße hat ihren Namen nicht ohne Grund, denn wer von hier aus über die Alster schaut, dem bietet sich ein großartiges Panorama! Der Blick erfasst die Silhouette der Stadt, zeigt all die markanten Kirchturmspitzen und eine Menge Himmel und Wasser drumherum!
Höher als alle Kirchtürme ist übrigens der Fernsehturm  oder Heinrich-Hertz-Turm, wie er  korrekt heißt. Er misst 279 m, ragt dementsprechend hoch in den Himmel. Ist riesig! Doch wer im Hamburger Hafen oder auch anderswo schon einmal die Queen Mary II gesehen hat, dem sei gesagt, würde man dieses Schiff hochkant an den Turm stellen, dann ragte es noch 66 m über die Spitze hinaus …

8_Alsterrundfahrt - Hamburg - Blick von der Schönen Aussicht hinüber zur Innenstadt

Blick von der „Schönen Aussicht“ hinüber zur Innenstadt

Es geht weiter am Gästehaus des Hamburger Senats vorbei. Es wird heute nicht mehr so viel genutzt wie z. B. zu jener Zeit, als Helmut Schmidt Bundeskanzler war. Er lud gern zu Gesprächen in seine Heimatstadt ein und quartierte seine Gäste an der Alster ein. Der Senat empfängt schon seit 1965 in dieser Villa und seither stiegen viele prominente Persönlichkeiten hier ab. Queen Elizabeth II hat sich als erste eingetragen. Kissinger war da, Yassir Arafat, Breschnew, der Dalai Lama, Giscard d’Estaing u. v. m. Auch der König von Tonga, für den das Bett verstärkt werden musste – er wog viereinhalb Zentner!

8a_Alsterrundfahrt - Hamburg - Gästehaus des Hamburger Senats (sehr versteckt, der Garten mit Bootsanleger liegt Richtung Feenteich)

Gästehaus des Hamburger Senats (sehr versteckt, der Garten mit Bootsanleger liegt Richtung Feenteich)

Wir passieren jetzt die Feenteichbrücke, die den Eingang zum Feenteich bildet.

9_Alsterrundfahrt - Hamburg - Feenteichbrücke

Außenalster/Ostufer – Feenteichbrücke

Nur eine von sehr vielen Brücken in dieser Stadt. Es gibt in Hamburg offiziell 2.376 Brücken (inoffiziell 2.500). Damit ist Hamburg die brückenreichste Stadt Europas und hat mehr Brücken als Amsterdam, London und Venedig zusammen! (Mit Brücken sind wirklich alle, nicht nur die über Wasserwege gemeint)

Ein Stückchen hinter der Feenteichbrücke und hinter dem Anleger  Uhlenhorster Fährhaus (Uhlenhorst = Eulennest) befindet sich die Imam-Ali Moschee. Sie ist die viertälteste Moschee in Deutschland (Grundsteinlegung 1961, Einweihung 1963 und 1965).

10_Alsterrundfahrt - Hamburg - Anleger "Uhlenhorster Fährhaus" - Im Hintergrund die Imam-Ali Moschee, das Islamische Zentrum Norddeutschlands

Anleger „Uhlenhorster Fährhaus“ – Im Hintergrund die Imam-Ali Moschee, das Islamische Zentrum Norddeutschlands

10a_Alsterrundfahrt - Hamburg -  ... gegenüber zu erkennen:der Anleger "Fährdamm" mit dem Café Cliff

… gegenüber am Westufer zu erkennen: der Anleger „Fährdamm“ mit dem Café Cliff

Lassen Sie uns von der Außenalster einen kleinen Abstecher in den Langen Zug machen. Hier gibt es auch etwas, das Sie vielleicht sehen möchten. Beim Einbiegen passieren wir das Haus des Rudervereins der Hamburger Schulbehörde. Er wirkt momentan ein bisschen verwaist, was sicher daran liegt, dass die Schulferien schon begonnen haben. Aufgenommen wird hier nicht jeder, der eine Hamburger Schule besucht, sondern nur, wer als Schüler u. a. mindestens einen Notendurchschnitt von 1,2 vorweisen kann.
Über dem Club befindet sich die Wohnung des Hausmeisters. Er ist bereits ein älterer Herr, der – laut einem Gerücht – nicht in Rente gehen möchte, weil es für ihn bedeuten würde, dass er von diesem doch sehr schön gelegenen Plätzchen fortziehen müsste …

11_Alsterrundfahrt - Hamburg - Einbiegen in den Langen Zug. Rechts der Ruderverein der Hamburger Schulbehörde

Einbiegen in den Langen Zug. Rechts der Ruderverein der Hamburger Schulbehörde.

Ein kleines Stück weiter auf der rechten Seite taucht ein recht interessantes, eigenwilliges Haus auf. Der Hamburger Architekt Hadj Teherani hat es nach seinen Entwürfen bauen lassen.

12_Alsterrundfahrt - Hamburg - Teherani Entwurf - Kreuzfahrtschiff von hinten ...

Außenalster/Am Langen Zug – Ein Teherani Entwurf : Kreuzfahrtschiff von hinten …

13_Alsterrundfahrt - Hamburg - ... man sieht, dass auch der Garten in Wellen angelegt ist, so dass der Eindruck entsteht, das "Schiff" sei im Wasser

… man sieht, dass auch der Garten in Wellen angelegt ist, so dass der Eindruck entsteht, das „Schiff“ gleite durchs Wasser

Es sieht aus wie ein Kreuzfahrtschiff von hinten, große Glasfronten bieten Ausblick und selbst der Garten wurde danach  gestaltet. Der Rasen verläuft wellig, die Anpflanzung unterschützt zusätzlich den Eindruck, dass sich das „Schiff“ im Wasser befindet. Herr Teherani wohnt dort, allerdings nur im Parterre auf „lumpigen“ 210 qm. Es gibt insgesamt sieben Parteien in diesem Haus, für einen allein waren die Kosten wohl doch zu gewaltig. Unter anderem soll Hugo Boss hier seine Ferienwohnung haben. Eine verglaste Außenkabine sozusagen …

Während Sie noch weitere Villen links und rechts anschauen, gedenke ich einen Moment einer  früheren Firma, bei der ich gern gearbeitet habe,  die sich hier ganz in der Nähe, etwa am Beginn der Straße Bellevue, befand. Fast acht Jahre konnte ich in jeder Mittagspause schnell an den Langen Zug und vor zum offenen See spazieren, Alsterluft schnuppern, den Blick über das Wasser gleiten lassen oder Wasservögel beobachten. Die Firma gibt es mittlerweile nicht mehr – aber wenigstens die Alster, nicht wahr?

14_Alsterrundfahrt - Hamburg - Richtung Krugkoppelbrücke, rechts "Bobby Reich"

Außenalster – Richtung Krugkoppelbrücke, rechts „Bobby Reich“

Die Sonne strahlt weiterhin, das Wasser glitzert, und die Fahrt führt Sie nun Richtung Krugkoppelbrücke. Am Ufer liegt die Straße Bellevue mit sehr noblen Häusern. Bellevue heißt im Grunde auch wieder Schöne Aussicht. Doch auf diese Art findet sich der Postbote leichter durch, als wenn das ganze Ostufer den gleichen Straßennamen hätte. ;)
Rechts von der Krugkoppelbrücke an der Straße Fernsicht, liegt das bekannte und gut besuchte Restaurant-Café „Bobby Reich“ mit Bootssteg, Bootslagerung und Bootsvermietung schon seit 1883.

Sie haben es natürlich bereits bemerkt: Auf der Alster fahren selbstverständlich nicht nur die Boote der Alstertouristik (Alsterschifffahrt). Hier sind auch viele Segler, Ruderer und Tretbootfahrer unterwegs. Es werden Regatten veranstaltet und Ruderrennen ausgetragen. Es gibt mehrere Ruderclubs an verschiedenen Stellen entlang des Ufers,  die Segelschule Käpt’n Prüsse unweit des Hotel Atlantics und einige Verleihstellen für Segel-, Tret- und Ruderboote rund um den See. Lediglich weitere motorisierte Fahrzeuge sind  nicht erlaubt, und es gilt zudem der Grundsatz: Vorfahrt haben immer die Alsterschiffe!

Unser Alster-Cabrio fährt noch unter der Krugkoppelbrücke hindurch, so dass Sie sehen können, wo der Alsterlauf hinführt. Schauen Sie bitte einmal nach rechts.

15_Alsterrundfahrt - Hamburg - Unter der Krugkoppelbrücke hindurch und wenden. Weiter geht es bei dieser Tour nicht.

Unter der Krugkoppelbrücke hindurch und wenden. Weiter geht es bei dieser Tour nicht.

Von hier aus bleiben gut 50 km Wasserstrecke bis zur Quelle. Befahrbar mit den Schiffen der Alstertouristik sind allerdings lediglich noch die nächsten sieben bis acht Kilometer (Richtung Winterhuder Fährhaus).
Wir drehen und wählen die Route entlang des Westufers zurück. Dort sind die Stadtteile Harvestehude und Rotherbaum, und das Alstervorland mit Alsterwiesen und  Alsterpark ragt bis an das Ufer.

Unser Kapitän hat jedoch eben bemerkt, dass die Zeit knapp wird, empfiehlt, die Hüte festzuhalten und gibt Gas. Es dröhnt, der Boden vibriert, und der Lärm verhindert vorerst weitere Erläuterungen.

Immer noch Sonnenschein. Aber selbst wenn hier – wie in den letzten Wochen – sehr viel Regen fällt, besteht nie die Gefahr, dass die Alster oder ihre Fleete überlaufen. Zwei elektronisch gesteuerte Schleusen (Rathausschleuse und Schaartorschleuse) regulieren den Wasserstand und sorgen für einen gleichmäßigen Pegel.
Auch ansonsten können Sie beruhigt sein, denn schauen Sie jetzt einmal nach links: die Polizei ist schon da und passt auf …

16_Alsterrundfahrt - Hamburg - ... die Polizei ist anwesend.

Außenalster – … die Polizei ist anwesend.

17a_Alsterrundfahrt - Hamburg - ... auf der Rücktour vorbei am Anleger "Alte Rabenstraße" mit Bodos Bootssteg

… auf der Rücktour vorbei am Anleger „Alte Rabenstraße“ mit Bodos Bootssteg

18_Alsterrundfahrt - Hamburg - .... die Zeit drängt. Noch einmal Gas geben, dass der Boden vibriert.

Alsterrundfahrt: …. die Zeit drängt. Noch einmal Gas geben, dass der Boden unter den Füßen vibriert.

Wir lassen die Außenalster gleich wieder hinter uns und steuern erneut auf die Kennedybrücke zu. Haben Sie es erkannt? Im Wasser schwimmt ein „Seehund“ …

19_Alsterrundfahrt - Hamburg - ... was hier in der Alster schwimmt, ist ein Seehund.

… was hier in der Alster schwimmt, ist ein Seehund ;)

19b_Alsterrundfahrt - Hamburg - ... der See-Hund

Außenalster mit See-Hund …

Geht es Ihnen gut?
Fühlen Sie sich noch wohl?
Ich hoffe, sie haben die leichte Schaukelei eben vertragen.
Ansonsten wird es jetzt wieder ruhiger, denn wir befinden uns nun wieder auf der Binnenalster. Was als leichter Sprühnebel auf sie niederkommt, ist die zart verpustete Gischt der großen Alsterfontäne.

19a_Alsterrundfahrt - Hamburg - Unter der Kennedybrücke, vorweg die Lombardsbrücke und die Binnenalster

Unter der Kennedybrücke. Vorweg die Lombardsbrücke sowie die Binnenalster.

20_Alsterrundfahrt - Hamburg - Zurück auf der Binnenalster mit Fontäne

Die Alsterfontäne in Aktion.

Das schöne Gebäude zur Rechten ist das Hotel Vier Jahreszeiten, von dem ich Ihnen kürzlich schon den Eingang auf einem Nachtfoto zeigte. (Lesen Sie hier bitte freundlicherweise korrekt! Es heißt nicht Nacktfoto!)  Das Vier Jahreszeiten ist immer noch eines der besten Hotels weltweit und dementsprechend sind  die Preise. Ein Zimmer (nach hinten heraus, kein Alsterblick!) bekommen Sie bereits für günstige 430,00 €, die Präsidentensuite, die Sie rechts oben (dort, wo die schmalen Fenster sind) erkennen, kostet 4.900,00 € pro Nacht.

21_Alsterrundfahrt - Hamburg - Hotel Vier Jahreszeiten - rechts oben (mit schmalen  Fenstern) die Präsidentensuite

Hotel Vier Jahreszeiten – rechts oben (mit schmalen Fenstern) die Präsidentensuite

22_Alsterrundfahrt - Hamburg - Das ALEX am Jungfernstieg, links der eigene Beach Club

Das ALEX (früher Alsterpavillon) am Jungfernstieg, links der eigene Beach Club (Georgia-Beachclub-Lounge)

23_Alsterrundfahrt - Hamburg - Geradezu der Eingang der Europapassage, im Hintergrund die Petrikirche

Anleger Jungfernstieg. Geradezu der Eingang der Europapassage, im Hintergrund die Petrikirche

Wir sind fast am Ende unserer Rundfahrt,  doch bleiben Sie zu Ihrer eigenen Sicherheit noch sitzen! Im Gegensatz zu früher, werden wir heute nicht an der Pier vertäut. Am Anleger Jungfernstieg befinden sich an einigen Stellen senkrecht Metallplatten montiert, an Bord der Alsterschiffe hingegen gibt es Magneten. Das Anlegen erfolgt  elektromagnetisch, und da es nicht reicht, einfach nur in die Nähe der Platten zu kommen und sich hoffnungsfroh anziehen zu lassen, muss unser Kapitän mit relativ viel Schwung dagegen halten.

23a_Alsterrundfahrt - Hamburg - Anlegen am Jungfernstieg - Metallplatten für die elektromagnetische "Andockung"

Anlegen am Jungfernstieg – Metallplatten für die elektromagnetische „Andockung“

Nun, Sie sind ja jetzt mental vorbereitet und halten sich am besten vorsichtshalber an der Sitzbank oder an  ihrem Nachbarn fest. Wenn Sie ihn bisher noch nicht kennen, kann das nun mit einer guten Begründung nachgeholt werden. Starten Sie die Kontaktaufnahme vielleicht zwanglos mit einem: „Sind Sie auch so furchtsam?“ oder „Ihre Hände wirken auf mich irgendwie beruhigend!“

24_Alsterrundfahrt - Hamburg - Ende. Schön war's ...

Ende der Alsterrundfahrt. Schön war’s. Der schlanke Herr in dunkler Hose und weißem, kurzärmeligen Hemd, der uns gerade den Rücken zuwendet – das war unser Kapitän.

Angedockt. Sie können ausatmen.
Hat es Ihnen ein bisschen gefallen?
Ich betone, es waren nicht immer oder ausschließlich die Erläuterungen, die der Kapitän von sich gab, doch ich fand, wir bräuchten zusätzlich noch ein bisschen Information.
Falls Ihre Beine sich erst wieder an Festland gewöhnen müssen, setzten Sie sich noch einen Moment hier auf die sonnenbeschienenen Sitzbänke und schauen dem Treiben zu.

25_Alsterrundfahrt - Hamburg - ... noch ein bisschen die Sonne genießen und gucken ...

Wieder festen Boden unter den Füßen. Noch ein bisschen die Sonne genießen und gucken …

Demnächst können Sie – wenn Sie denn wollen – auch einen Ausflug auf der Landseite mitmachen. Zu Fuß entlang der Außenalster.
Was halten Sie davon?

26_Alsterrundfahrt - Hamburg - ... und demnächst könnten Sie mit mir die Alster von der Landseite aus kennenlernen

… die Landseite ist nämlich auch sehr schön!

Ich sage rechtzeitig Bescheid …!

©Juli 2012 by Michèle Legrand

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Wieder auf Entdeckungstour: Teil 1: Hamburg – Wintersonne an der Binnenalster

Hamburg, Eis auf der Binnenalster, Jungfernstieg, Alsterschiffe am Anleger

Hamburg – Die Binnenalster am Jungfernstieg. Alsterschiffe im Resteis

Ich ließ es schon durchblicken: es ist Zeit, wieder auf Kennenlern- und Erkundungstour in Hamburg zu gehen! Wer schon Gast in meinem Blog war, weiß, dass ich in lockerer Folge über meine Heimatstadt berichte und gern Freiwillige auf einen Streifzug durch schöne und/oder interessante Ecken der Hansestadt mitnehme.
Im Dezember waren es – dem Wetter damals angemessen – Dinge, die drinnen zu finden sind. Am Mittwoch dieser Woche hingegen schien traumhaft die Sonne. Was war also naheliegender, als sich auf den Weg zur Alster zu machen. Vorgehabt hatte ich es bereits am letzten Wochenende. Die zugefrorene Außenalster war offiziell zum Betreten freigegeben, ein Ereignis, das nicht oft vorkommt. Nur leider kam mir zeitlich etwas dazwischen.
Ich wollte es am 15.02. nachholen, und ziemlich unbekümmert dachte ich mir: Nun kannst du das Eis wenigstens noch sehen, wenn auch nicht mehr überqueren. Die Behörden warnten und untersagten mittlerweile, dies zu tun.
Auf meinem Weg vom Hauptbahnhof zur Alster gab es schon viel zu entdecken, und so erwartet Sie jetzt ein Mehrteiler. Chronologisch geordnet wäre schön und sinnvoll gewesen, doch heute ist ein regnerischer, trüber Tag, und daher setze ich einfach die Sonnenfotos an den Anfang.

Teil 1: Hamburg – Rund um die (Binnen-)alster bei strahlend sonnigem Winterwetter
Teil 2: Gefiederte Hamburger und Quiddjes / Die Scherben an der Rathausschleuse
Teil 3: Entdeckt! Zwischen Hauptbahnhof und Binnenalster! Von Spinnen, Zyklopen und Nackten

Die Alster. Beginnen wir für Auswärtige mit der Information, dass es in Hamburgs City die Alster in Seeform gibt.
Superschön!
Die Quelle der Alster liegt in Schleswig-Holstein (Henstedt-Ulzburg), der breiter werdende Fluss nähert sich Hamburg von Norden und bildet hier schließlich die Außenalster (ca. 164 ha) sowie die Binnenalster (ca. 18 ha), bevor er später – durch Schleusen und Fleete geleitet –  in die Elbe mündet. Wem die Hektarangaben kein Bild von den Ausmaßen vor Augen produzieren, dem hilft eventuell dieser Vergleich:   Die Wasserfläche entspricht einer Größe von ca. 365 bzw. ca. 40 Fußballfeldern!
Die Trennung von Außen- und Binnenalster verläuft an der Lombardsbrücke bzw. der Kennedybrücke (die beiden Brücken liegen hintereinander).

Ich wollte gestern meinen Augen nicht trauen, als ich auf das Ufer der südlichen Außenalster stieß. Kaum zu glauben, aber das meiste Eis war schon wieder verschwunden! Sonntag eine 20cm dicke Eisschicht, die Hunderttausende trug, heute fröhlich vor sich hin plätscherndes Wasser in weiten Bereichen. Nun, ich habe glücklicherweise ein Foto von meiner Tochter bekommen, das am vorigen Freitag entstand. Ich bitte, den kleinen Unterschied zu beachten …

Hamburg, Außenalster am 10.02.2012, zugefroren, betretbar, im Hintergrund der "Fernsehturm"

Außenalster am 10.02.2012, zugefroren, betretbar, im Hintergrund der „Fernsehturm“

Hamburg: Außenalster am 15.02.2012 - Das Eis vom Wochenende ist fast verschwunden

Drei Tage nach dem Wochenende ist von dem Eis nicht mehr viel übrig …

Hamburg, Außenalster, Blick von der Kenndybrücke nach Norden, Resteis 15.02.2012

Blick auf die Außenalster (von der Kenndybrücke nach Norden)

Der Wind blies recht frisch um die Außenalster, so dass ich nach einer guten halben Stunde beschloss, mich mehr dem Bereich der Binnenalster zuzuwenden.

Hamburg, Hotel Atlantic, mit Granit-Skulptur von Max Bill im Vordergrund (Rhythmus im Raum)

Das bekannte Hotel Atlantic mit der Granit-Skulptur von Max Bill im Vordergrund

Auf dem Rückweg ein Blick auf das Hotel Atlantic. Im Vordergrund steht die Granit-Skulptur “Rhythmus im Raum“ von Max Bill. Über diesen Titel wurde oft diskutiert. Warum …? Wieso …? Oder auch: Nun, … irgendetwas wird er sich schon dabei gedacht haben …! Er hat (hauptsächlich) Formen entwickelt, die es so in der Natur nicht gibt.  Manche erinnert dieses Werk allerdings an einen Totenschädel.

Etwas später ein weiterer Blick von der Kennedybrücke in Richtung der Straße „Alsterufer“ und zum Ruderclub.

Hamburg, Blick von der Kennedybrücke Richtung Straße 'Alsterufer' mit Ruderclub

Blick von der Kennedybrücke auf die Außenalster. Richtung Straße „Alsterufer“ mit Ruderclub

Auch das gibt es. Auch in einer Stadt wie Hamburg ist es leider so, dass Obdachlose unter Brücken hausen müssen (Lombardsbrücke)

Hamburg, Obdachlose in ihren Zelten unter der Lombardsbrücke

Hamburg: Obdachlose in ihren Zelten unter der Lombardsbrücke …

Nimmt man den langen, schmalen Tunnel, der durch das Mauerwerk der Lombardsbrücke zur Binnenalsterseite führt, erwartet einen am Ende plötzlich ein sehr schönes Panorama.

Hamburg: Blick von der Lombardsbrücken-Seite über die Binnenalster Richtung Jungfernstieg

Blick von der Lombardsbrücken-Seite über die Binnenalster Richtung Jungfernstieg

Der Blick geht hinüber zum Jungfernstieg mit dem Anleger für die Boote der Alsterschifffahrt. Die Silhouette Hamburgs mit seinen markanten Kirchtürmen (St. Jacobi-Kirche, St. Petri, St. Katharinen (fast verdeckt), Rathaus, St. Nikolai-Turm) taucht auf, und die Sonne lässt alles blitzen und glänzen.

Hamburg. City. Binnenalster, Silhouette mit Kirchtürmen (St. Jacobi-Kirche, St. Petri, St. Katharinen (fast verdeckt), Rathaus, St. Nikolai-Turm)

Hamburg: Markante Kirchtürme der Hansestadt ->St. Jacobi-Kirche, St. Petri, St. Katharinen (fast verdeckt), Rathaus, St. Nikolai-Turm

Die Skulptur, die hier direkt am Ufer steht heißt Windsbraut und stammt von dem Hamburger Hans-Martin Ruwoldt, eigentlich bekannt als Tierbildhauer und Porträtist. Vielleicht braucht es deshalb hier einen zweiten und dritten Blick, um die Braut richtig zu erkennen und zu  würdigen. Als ich am Mittwoch dort war,  war es zufällig der Tag seines Geburtstags, der 15. Februar. Er wäre 121 Jahre geworden, starb allerdings schon 1969. Der Bildhauer lehrte zweitweilig an der Hochschule für bildende Künste Hamburg.

Hamburg Binnenalster Blick Richtung Jungfernstieg - Die Windsbraut von Hans-Martin Ruwoldt (1986)

Binnenalster: Blick Richtung Jungfernstieg – vorne die „Windsbraut“ von Hans-Martin Ruwoldt (1986)

Von ihm gibt es insgesamt ca. 10 Skulpturen (Tiere und Figuren) in Hamburg. Geparde und Panther sind ein bei ihm beliebtes Motiv, jedoch  auch Kraniche und weitere menschliche Figuren wie die Schreitende (bei den Grindel-Hochhäusern) und die Liegende (vor dem Bezirksamt Hamburg-Nord).

Bleibt man auf dieser Seite der Binnenalster, befindet man sich am „Neuen Jungfernstieg“, der Straße, in der auch das Hotel Vierjahreszeiten liegt. Am Ufer der Binnenalster dümpeln Einsschollen, doch so dünn, dass ich sie als ‚Scherben’ bezeichne.

Hamburg, Binnenalster. Neuer Jungfernstieg, Kaum Eisschollen, nur noch "Scherben" am 15.02.2012

Die Binnenalster am Neuen Jungfernstieg. Kaum Schollen, nur noch „Scherben“ am 15.02.2012

Auf einer wirklich noch etwas dickeren Scholle, die noch keine Sonne abbekommen hat, begegnen einem die übriggebliebenen Reste der letzten Tage  (wobei dieser Teil der Alster nie zum Betreten freigegeben war!).

Hamburg, Binnenalster am 15.02.2012, Die Überbleibsel auf dem Eis ...

Die Überbleibsel auf dem Eis …

Dort wo die Straße wieder auf den ‚richtigen’ Jungfernstieg trifft, stehen Menschen in der Mittagssonne und blinzeln auf das glitzernde Wasser. Die Mienen sind überaus freundlich. Es fehlt nur noch das Schnurren …

Hamburg, City, Jungfernstieg, Menschen genießen die Sonne

Am Jungfernstieg (Anleger) genießen die Menschen den Sonnenschein …

Natürlich ist es trotzdem noch kalt! Der frühere „Alsterpavillon“, der vor längerer Zeit umgebaut wurde und sich nun „Alex“ nennt, hat sämtliche Sommermöbel draußen – aber zusammengeschoben und die Schirme geschützt. Der hauseigene „Beachclub Georgia“ ist noch „closed“.

Hamburg, Jungfernstieg, das ALEX - Das Außenmobiliar ist noch eingepackt

Jungfernstieg und das ALEX – alles noch eingewickelt …

Hamburg, Jungfernstieg. Der hauseigene Beachclub des ALEX - "Georgia" ist noch geschlossen

Beachclub „Georgia“ beim ALEX – CLOSED wegen Winterfrische

Die Alsterdampfer nehmen sicher bald wieder die Fahrt auf. Hier liegen sie allerdings zwischen eiskalten „Scherben“. Im Hintergrund am Ballindamm ist das Gebäude von Hapag Llyod zu erkennen.

Hamburg, Jungfernstieg, Anleger der Alsterschiffe, Blick auf das Hapag LLoyd Haus

Alsterdampfer auf der Binnenalster am Jungfernstieg, rechts zu sehen das Gebäude von Hapag Lloyd (dunklere Flaggen)

Ich habe mich stundenlang in der sonnigen Kälte herumgetrieben. Dies war ein kleiner Eindruck rund ums Wasser. Im nächsten Teil  geht es Richtung Alsterarkaden und Schleuse. Eine Szene erinnerte mich an die Niagara-Fälle …, und wir widmen uns kurz dem Thema, was  hier in der City auf welche Art „gehäckselt“ wird ;).

-> Teil 2: Gefiederte Hamburger und Quiddjes / Die Scherben an der Rathausschleuse -> Folgt kurzfristig!

©Februar 2012 by Michèle Legrand

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