Archiv für die Kategorie Hamburg!

Hamburg entdecken – Heute ein Blick in den Oberhafen und seine Umgebung

Moderne Glasbauten, Backstein, Brücken, alte Schlösschen und mehr  

Hätten Sie heute zufällig etwas übrig für schiefe Kaffeeklappen, eigenartige Drachenschwäne
und all die anderen Dinge, die ich gerade oben erwähnte? Elbwasser wäre auch dabei …
Überlegen Sie es sich, und bis Sie einen Entschluss gefasst haben, lesen Sie einfach weiter.

In der letzten Zeit hatte ich abends mehrmals in für mich relativ unbekannten Ecken der Hansestadt zu tun. Entweder war ich noch nie dort gewesen (Hamburg ist immerhin eine Großstadt) oder hatte mich ewig lang
nicht mehr in gerade diesen Bereichen aufgehalten.
War man bereits irgendwann einmal in dem Viertel, verleiht dieser Umstand eine trügerische Sicherheit im Hinblick auf den jetzigen Besuch. Das finde ich schon wieder, ist der erste Gedanke. Nur vergisst man dabei schnell, dass Veränderungen gerade in einer Stadt an der Tagesordnung sind. Im Laufe von fünf, zehn oder noch mehr Jahren, hat sich vieles erheblich gewandelt. Wo Sie sich einst fast schon auskannten, ist nun eine andere Straßenführung, es gibt auf einmal Tunnelbauten oder weitere Brücken, riesige Kreuzungsanlagen, es fanden diverse Abrisse statt, Neubauten gesellten sich dafür dazu, andere Fassaden blinzeln sie an. Es ist manchmal gar nicht so einfach, sich wieder zu orientieren.
Klar, wie jeder andere wahrscheinlich auch, suche ich mir gerade deshalb jeweils vorab die entsprechende Route heraus, doch, Hand aufs Herz, Karte gegenüber realer Ansicht – irgendwie wirkt das beim Näher- bzw. Ankommen oft komplett anders. Vor allem, wenn die markanten Punkte, die einem als Wegmarken dienen sollen, kaum zu sehen sind. Wegen Dunkelheit. Im Winterhalbjahr ist sie leider ein ständiger Begleiter.
Ich habe jedenfalls in letzter Zeit hin und wieder ganz schön verdutzt geschaut und herumsuchen müssen.
Umso schöner, hin und wieder einen Mitkommer und Mitsucher dabeizuhaben. Als ich neulich am Abend in Begleitung meiner Tochter unterwegs war, wurde dabei nur eines ziemlich deutlich: Man kann nicht gerade behaupten, dass ich – zumindest zu später Stunde – über so etwas wie Adleraugen verfügen würde.

Wir wollten zu einer Veranstaltung am Großmarkt. Früher strebten dorthin nur Produzenten und Händler von Lebensmitteln (frisches Gemüse und Früchte) und Blumen. Und bis heute herrscht dort speziell nachts und in den frühen Morgenstunden Hochbetrieb! Generell gibt es aber in den Großmarktmallen rund um die Uhr ein Riesenangebot für Kaufwillige. Es ist Norddeutschlands größtes Frischezentrum mit etwa 470 beteiligten Marktfirmen!
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Hamburg (Hammerbrook) - Der Großmarkt am Tag ... (Eingang zu den Großmarkthallen

Hamburg (Hammerbrook) – Der Großmarkt am Tag …

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Sind es sonst die Firmenvertreter und die Käufer des Einzel- und Großhandels, die sich in den Hallen begegnen, so treffen einmal im Jahr an einem Wochenende auf dem Großmarktgelände völlig andere Menschen und viel blitzender Chrom aufeinander. Dann sind Harley Days angesagt und auf dem Vorplatz stehen die Maschinen dicht an dicht.
Seit zwei Jahren streben nun regelmäßig Unmengen von abendlichen Besuchern mit einem wiederum völlig anderen Plan auf die Hallen mit den geschwungenen, wellenförmigen Dächern zu. Sie wollen ins Konzert!
Im Jahr 2015 hat das „Mehr! Theater am Großmarkt“ eröffnet,  das bis zu 3500 Besuchern Platz bietet und wohl das einzige Theater ist, das in einen bestehenden Lebensmittelgroßmarkt einfach integriert wurde.
Nicht direkt ins Gemüse, aber in eine der Hallen, in die mittlere.
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Hamburg - Großmarkthallen (Blick auf die wellenförmig geschwungenen Dächer)

Hamburg – Großmarkthallen

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Mit meiner Tochter spazierte ich vor dem Konzert vom Hauptbahnhof und den Deichtorhallen kommend die lange Banksstraße hinauf Richtung Mehr!Theater.  Kurz vor dem Ziel überquert man die „Erste Banks-Brücke“, und dort tauchte mitten aus der Dunkelheit auf der Außenseite des Geländers ein mittelgroßes Wesen auf. Ein unechtes, wie aufgrund der Starre schnell klar wurde. Aber was ..?  Ich versuchte, etwas zu erkennen.
„Was ist denn das? Ein Schwan?“, fragte ich meine Tochter.
Ein kurzer Blick hinüber genügte ihr. „Nein! Kein Schwan! Eher ein Drachen!“, entgegnete sie überzeugt.
Ein Drachen? Ich fixierte das Wesen genauer. Meine Augen sahen allmählich etwas mehr … Sie hatte sofort Details im Dunkeln erkannt, ich hingegen zunächst nur die reine Form, die Haltung. Das muss die berühmte Nachtblindheit sein, die unweigerlich zunimmt, sobald man in die Jahre kommt …
Wir mussten weiter. So nahm ich mir in dem Moment bereits fest vor, mir den sonderbaren Kollegen bei Gelegenheit noch einmal anzuschauen. Im Hellen!

Letzte Woche war es schließlich soweit. Der Wochenanfang hielt lang vermisste Sonnenscheintage und nicht mehr ganz so frostige Temperaturen parat. Somit geht es heute auch für Sie hinaus! Später zum Drachen, doch zunächst an die Elbe. Auf Hamburger Gebiet. Zur Abwechslung diesmal nicht elbabwärts Richtung Blankenese (und Nordsee), sondern ein Stückchen in die Gegenrichtung, elbaufwärts.
Wer von der Norderelbe abzweigt, kommt z. B. in die Speicherstadt, landet im Zollkanal, in den Fleeten oder in verschiedenen Hafenbecken. Eines davon trägt den Namen Oberhafen, und das – inkl. seiner Umgebung – schauen wir uns heute an.
An einem Ufer dieses Hafenbeckens schließt der Stadtteil Hammerbrook an, an der gegenüberliegenden Uferseite stoßen Sie auf den neuen Stadtteil HafenCity mit dem Lohsepark.
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Hamburg - Oberhafen - Der Fruchthof Hamburg am Stadtdeich

Hamburg – Oberhafen – Der Fruchthof Hamburg am Stadtdeich

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Eine recht interessante, kontrastreiche Ecke Hamburgs! Sie haben nämlich neben der schönen Wasserlage eine lebhafte Kombination von Altem und Neuem. Einerseits Bürogebäude mit futuristischen Design und hohem Glasanteil, andererseits die Ausläufer der alten Speicherstadt mit ihren roten Klinkern und dazu die zwischen 1911 und 1914 auf dem Areal des ehemaligen Berliner Bahnhofs in Hamburg als Markthallen errichteten Deichtorhallen.
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Hamburg - Deichtorhallen (zum Wasser und der Flutschutzanlage hin)

Hamburg – Deichtorhallen (zum Wasser und der Flutschutzanlage hin)

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Als Markthallen werden sie schon länger nicht mehr genutzt. Sie wurden restauriert, saniert, und heute sind
sie mit der Halle für aktuelle Kunst sowie dem Haus der Photographie (Südhalle) bekannter und beliebter Ausstellungsort für zeitgenössische Kunst. Noch bis zum 1. Mai heißt es „Elbphilharmonie revisited“. Kein er-
neuter, ellenlanger Aufwasch der Entstehungsgeschichte, die gerade vor der Eröffnung der Philharmonie im Januar extrem oft und ausführlich durch die Medien ging, sondern Werke von Künstlern, die sich durch die Elbphilharmonie inspirieren ließen. Ich war noch nicht in dieser Ausstellung, es hört sich aber spannend an.
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Hamburg - Deichtorhallen - Haus der Photographie (Halle Süd)

Hamburg – Deichtorhallen – Haus der Photographie (Halle Süd)

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Hamburg - Auf dem Gelände der Deichtorhallen das Palazzo Gourmet Theater im Spiegelpalast

Hamburg – Auf dem Gelände der Deichtorhallen das Palazzo Gourmet Theater im Spiegelpalast

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Der Kunstverein ist gleich gegenüber am Klosterwall ansässig und zeigt ebenfalls zeitgenössische Kunst.
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Hamburg - Der Kunstverein in Hamburg - Klosterwall/Deichtorplatz

Hamburg – Der Kunstverein in Hamburg – Klosterwall/Deichtorplatz

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Das ZDF-Landesstudio hat sich in einem sehr modernen Gebäude niedergelassen, dem 2002 fertiggestellten Deichtor-Center. Zehn Geschosse und u. a. war hier Herr Teherani einer der Architekten (Jens Bothe, Kai Richter und Hadi Teherani (BRT Architekten))
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Hamburg - Das Deichtor-Center mit dem Landesstudio des ZDF

Hamburg – Das Deichtor-Center mit dem Landesstudio des ZDF

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Mittendrin tost der Verkehr. Ein Verkehrsknotenpunkt, eine wichtige Verbindung auch von Stadt Ost nach Stadt West. Gewusel und Gedränge herrscht am Klosterwall stets zusätzlich durch die Bauarbeiten im Wallringtunnel. Die Sanierung des Tunnels begann bereits 2014, und ein Ende ist noch nicht in Sicht. Immerhin ist die Oströhre bald (geplant April) fertig.
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Hamburg - Klosterwall - Baustelle am Wallringtunnel

Hamburg – Klosterwall – Baustelle am Wallringtunnel

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Nach dem Blick auf die Gegebenheiten auf Landseite, werfen wir doch jetzt ein Auge auf das Wasser. Der Oberhafen grenzt unmittelbar an den Ericusgraben. Ein Begriff, der Ihnen vielleicht irgendwoher bekannt vorkommt. Ericus? Genau! Ericusspitze! DER SPIEGEL! Dort, mit Adresse Ericusspitze 1, residiert in einem modernen Gebäude mit sehr markantem Aussehen seit 2011 die SPIEGEL-Gruppe.
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Hamburg - Die Ericusspitze mit dem Verlagsgebäude des SPIEGELs

Hamburg – Die Ericusspitze mit dem Verlagsgebäude des SPIEGELs

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Hamburg - Ericusgraben - Die Deichtorhallen noch einmal vom Wasser aus gesehen ....

Hamburg – Ericusgraben – Die Deichtorhallen noch einmal vom Wasser aus gesehen …

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Woher weiß man überhaupt, wo der Oberhafen endet und der Ericusgraben beginnt? Das Elbwasser sieht doch nicht plötzlich anders aus … Es gibt eine Art optische Begrenzung zwischen Oberhafen und Ericusgraben. Die Oberhafenbrücke dient als guter Anhaltspunkt.  Dort wo sie das Wasser quert, denken Sie sich einfach eine Trennlinie. Die Brücke ist speziell. Sie ist eine kombinierte Bahn- und Straßenbrücke, bei der der Verkehr nicht nebeneinander, sondern übereinander verläuft!
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Hamburg - Oberhafenbrücke - Ein ICE auf der obersten Ebene

Hamburg – Oberhafenbrücke – Ein ICE auf der obersten Ebene

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Auf ihr fährt ganz oben auf insgesamt vier Gleisen der Fernzugverkehr Richtung Harburg (Süden) bzw. kommt hierüber in die Stadt hinein. Darunter, eine Ebene tiefer, ist es dem Autoverkehr möglich, das Wasser zu queren. Zu beiden Seiten der Fahrbahn verlaufen Wege für Fußgänger.
Es ist ein ulkiges Gefühl, dort als Passant zu laufen. Zwischen all den Stahlstreben, bei gefühlt recht geringer Brücken- bzw. Raumhöhe, dicht neben sich Autos … Besonders merkwürdig wird es, wenn über einem gerade ein Zug fährt. Oder gar Züge! Eigenartige Geräusche entstehen, und ein anhaltendes Vibrieren und leichtes Schwanken macht sich bemerkbar. Die Seitenverstrebungen engen seltsam ein, nehmen zudem viel Licht. Urplötzlich kommt es einem so vor, als sei man die Wurstscheibe in einem Sandwich. Von oben und unten etwas eingezwängt. Gleichzeitig meldet sich die Hoffnung, von der Lage drüber möge bitte nichts abbröseln und durchkleckern …

Von der Hammerbrook-Seite aus startend, stoßen Sie nach Überquerung der Brücke ganz am Ende auf etwas, was herrlich windschief daherkommt und eine recht lange, zeitweise unruhige Geschichte mit ungewissem Ausgang vorweisen kann: die Oberhafen-Kantine.
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Hamburg - Die Oberhafen-Kantine an der Oberhafenbrücke (Ansicht von vorne)

Hamburg – Die Oberhafen-Kantine an der Oberhafenbrücke

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Ursprünglich war in dem kleinen 1925 erbauten Gebäude eine Kaffeeklappe. So nannte man in der Bevöl-
kerung eine Einrichtung, die es ungefähr seit Mitte des 19. Jahrhunderts zunächst in England gab und die eigentlich korrekt Volkskaffeehalle hieß. Das Hauptmerkmal einer Kaffeeklappe war, dass es dort einfache Speisen für Arbeiter und keinerlei alkoholische Getränke gab.
Arbeitgeber waren damals schwer hinter der Sache her und unterstützten die Klappen, um dem Alkoholkonsum von vornherein wirksam entgegenzutreten. Man bot das Essen äußerst preisgünstig an und schenkte zusätzlich reichlich Kaffee aus, der die Arbeitsleistung noch steigern sollte.

Bei der Oberhafen-Kantine, die für die Werft- und Hafenarbeiter errichtet wurde, spricht man von expressio-
nistischer Gebrauchsarchitektur
. Toller Begriff, oder? Es klingt beeindruckend. Sollten Sie vorhaben, gegrillte Würstchen an den Mann zu bringen und eigens zu diesem Zweck ein Häuschen mit ordentlicher Raumhöhe
und einigen Spitzbögen bauen, dann könnten Sie Ihren Imbiss mit stolz geschwellter Brust als gotische Gebrauchsarchitektur bezeichnen.
Doch zurück zur Oberhafen-Kantine. In dem speziellen Fall und angesichts der Umgebung, in der sie sich befindet, spricht man von norddeutschem Klinker- bzw. Backsteinexpressionismus. Der ist nun nicht auto-
matisch windschief und krumm. Warum also steht das Häuschen dermaßen schräg?
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Hamburg - Oberhafen-Kantine an der Oberhafenbrücke - Abgesackt ... (Gebäude neigt sich nach vorn)

Hamburg – Oberhafen-Kantine an der Oberhafenbrücke – Abgesackt …

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Sie können sich vorstellen, dass das kleine Gebäude an dieser Position direkt an der Kaikante des Oberhafens nicht immer trockene Füße behalten hat. Der Fluss ist mächtig – und tideabhängig! Das Mauerwerk wurde unterspült, sowohl bei den normalen Gezeiten, aber vor allem bei Sturmfluten. Das komplette Haus ist dadurch abgesackt.

Es ist erstaunlich, dass es überlebt hat und bis heute immer wieder neu betrieben wird! Nachdem der Bauherr es vor über 90 Jahren als eine Art Familienbetrieb etablierte, kümmerte sich dessen Tochter bis ins hohe Alter um die Verpflegung und blieb der Kantine treu. Erst vor 20 Jahren, nach ihrem Tod 1997, musste man sich überlegen, wie es weitergehen könnte.
Es hieß damals, das Gebäude sei einsturzgefährdet, jedoch viel zu schade zum Abriss. Nach einigem Hin und Her wurde es zunächst unter Denkmalschutz gestellt, dann kaufte es derselbe Herr, der auch die Rote Flora in der Sternschanze besaß, Klausmartin Kretschmer. 2005 pachtete es – frisch renoviert – Tim Mälzer, dessen Mama  wiederum ab 2006 mit Frikadellen, Kartoffelsalat und ähnlichen Speisen für das leibliche Wohl der Kantinenbesucher sorgte.
Leider richtete danach ein Orkan schwere Schäden an, also musste erneut saniert werden. Herr Mälzer fand den Zustand nicht so verlockend, seine Mutter mit Sicherheit auch nicht, also wechselten seit 2008 mehrfach die Gastronomen. Schon 2014 schlug abermals ein Orkan mit entsprechendem Hochwasser zu, und noch einmal musste gerettet werden, was noch zu retten war. Während der notwendigen Sanierungen und Schadens-
behebungen blieb als Ausweg immer nur die zeitweilige komplette Schließung der Klappe oder das befristete Auslagern des Betriebs.

Aber sie lebt immer noch! Sie ist einfach nicht unterzukriegen.

Man kann sein Pausenbrot natürlich ebenso gut von daheim mitbringen und mittags hinaus in die Sonne gehen. Die Möwen warten hoffend …
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Hamburg - Oberhafen/Ericusgraben - Pause mit Blick aufs Wasser ...

Hamburg – Oberhafen/Ericusgraben – Pause mit Blick aufs Wasser …

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Interessant auch, was bei Niedrigwasser im Schlick so alles zum Vorschein kommt …
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Ericusgraben an der Oberhafenbrücke - Fundstücke bei Ebbe

Hamburg – Ericusgraben an der Oberhafenbrücke – Fundstücke bei Ebbe

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Wenn Sie von Westen, also von der Stadt her kommend, auf die Oberhafenbrücke sehen, entdecken Sie an ihr einige Wörter, die in großen, weißen Neonlettern geschrieben sind. Es sind Begriffe wie Kanäle, Eisenbahn-
brücke, Lagerhäuser, Schiff, Wolken, Himmel, Wind
 und Hafenkräne. Begriffe, die für Hamburg und gerade diesen Bereich der Stadt am Rande des ehemaligen Freihafens sehr typisch sind. Und wer hat …?
Das ist ein Kunstprojekt! Diese Beschriftung wurde bereits für die Vorgängerbrücke (Drehbrücke von 1902) im Zuge einer Ausstellung des Schweizers Rémy Zaugg (Deichtorhallen, 1992) angefertigt, und nach abgeschlos-
sener Neuerrichtung der Oberhafenbrücke (2007) später an dieser wieder montiert.
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Hamburg - Oberhafenbrücke - Kunstprojekt (1992) - Hafenbegriffe von Rémy Zaugg

Hamburg – Oberhafenbrücke – Kunstprojekt (1992) – Hafenbegriffe von Rémy Zaugg

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Auf der Hammerbrook-Uferseite, auf der Sie auf einem Foto weiter oben den Fruchthof gesehen haben, liegt
die Straße Stadtdeich. Auf dieser Seite der Brücke gibt es ein Schiebetor zur Flutsicherung. Man kann also die Brückenfahrbahn schließen.
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Hamburg - An der Oberhafenbrücke - Schiebetor als Flutschutz

Hamburg – An der Oberhafenbrücke – Schiebetor als Flutschutz

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Hamburg - Oberhafenbrücke - Ein weiterer Begriff aus dem Kunstprojekt von Rémy Zaugg ...(Das Wort KANÄLE ist an der Brücke montiert)

Hamburg – Oberhafenbrücke – Auf der Schiebetorseite – Ein weiterer Begriff aus dem Kunstprojekt von Rémy Zaugg …

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Bevor es abschließend zu einem wirklich schönen Bauwerk in traumhafter Lage an einem Fleet in der Speicherstadt geht, möchte ich mit Ihnen noch den Schlenker zum „Drachenschwan“ in der Banksstraße (Hammerbrook) einlegen.
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Hamburg - Banksstraße/Hammerbrook - Einer der beiden Brückendrachen ...

Hamburg – Banksstraße/Hammerbrook – Einer der beiden Brückendrachen …

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Ich habe die Brücke und ihn bei Sonnenschein wiedergefunden und dabei entdeckt, dass nicht nur ein Drache existiert, sondern auf der anderen Straßenseite, ebenfalls außen am Geländer, sein Zwilling Wache schiebt. Allerdings ist auf dessen Schild sogar die Bezeichnung „Erste Banks-Brücke“ zu lesen.
Mich interessiert sehr, welchen Bezug Drachen gerade zu dieser Brücke oder überhaupt zu einem Standort wie diesem in der Banksstraße haben. Ich vermute stark, es ist ein Zeichen dafür, dass dieser Teil der Stadt ursprünglich einmal zum Stadtteil St. Georg gehörte. Sie kennen doch die Sage um den heiligen Ritter Georg, den Drachentöter …
Aber vielleicht sollen sie auch nur den Mittelkanal und die Einwohner von Hammerbrook vor unliebsamen Gästen schützen, die sich via Oberhafen und durch die Hammerbrookschleuse einzuschmuggeln versuchen. Wer weiß …
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Hamburg-Hammerbrook - Banksstraße - Der Drache auf der anderen Seite verrät sogar, wie die Brücke heißt ... (Sein Schild zeigt _Erste Banks-Brücke_)

Hamburg-Hammerbrook – Banksstraße – Der Drache auf der anderen Seite verrät sogar, wie die Brücke heißt …

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Es gibt noch etwas Interessantes an dieser Stelle, was offenbar wesentlich älter ist als die eigentliche Straßenbrücke. Es ist eine separate Rohrbrücke aus dem Jahr 1894, die parallel zu ihr über den Mittelkanal führt.
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Hamburg-Hammerbrook - Banksstraße - Rohrbrücke von 1894 über den Mittelkanal

Hamburg-Hammerbrook – Banksstraße – Rohrbrücke von 1894 über den Mittelkanal

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Auf dem nächsten Kanalfoto können Sie im Hintergrund die Hammerbrookschleuse gut erkennen. Sie ist schon mächtig alt, wurde zwischen 1844 und 1847 erbaut! Das muss man sich einmal vorstellen. Die Schleuse wurde in dem Jahr fertiggestellt, als Thomas Alva Edison, Paul von Hindenburg oder auch Revolverheld Jesse James gerade erst geboren wurden!
Die Hammerbrookschleuse steht unter Denkmalschutz. Dennoch hat man natürlich inzwischen nachgebessert (2008/2009) und saniert, damit sie technisch gut funktionsfähig bleibt sowie von der Höhe her ausreichend Schutz bietet. Sie regelt nämlich als Stauwehr die Tide zwischen der Norderelbe und dem vom Oberhafen hier abzweigenden Mittelkanal.
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Hamburg - Hammerbrookschleuse (Mittelkanal)

Hamburg – Hammerbrookschleuse (Mittelkanal)

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Aber jetzt! Nun geht es noch einmal zum Ericusgraben, über die Oberbaumbrücke am SPIEGEL-Gebäude entlang und kurz danach rechts in eine kleine Seitengasse, die zur Poggenmühlenbrücke über dem Wandrahmsfleet führt. Die Brückenmitte sollten Sie sich als Platz merken! Von da aus haben Sie nämlich
eine hervorragende Sicht auf das kleine Wasserschloss, das abends zusätzlich wunderbar illuminiert wird.
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Hamburg - Speicherstadt - Wasserschloss

Hamburg – Speicherstadt – Wasserschloss

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Sieht schön aus in seiner Umgebung, nicht wahr? Es ist eines der beliebtesten Fotomotive hier in Hamburg. Insbesondere als Nachtaufnahme, wenn es angestrahlt ist!
Es wurde vor etwa 110 Jahren erbaut, als auch die Speicherstadt entstand. Und hier haben wir ihn wieder:
den Backstein-Expressionismus. Zusätzlich zum Backstein wurde zur Gliederung noch Granit verwendet. Den Schlosscharakter erhält das kleine viergeschossige Schmuckstück durch seinen Turm, die runden Erker und durch die hohen Bogenfenster. Auch sein Kupferdach macht sich gut.

In früheren Zeiten wurde das Schlösschen von Windenwächtern genutzt. Als Unterkunft, aber auch als Werkstatt. Windenwächter (oder –wärter) waren die Hafenarbeiter, die für die Wartung und die Reparatur von Speicherwinden zuständig waren. Von diesen hydraulischen Vorrichtungen gab es in der Speicherstadt unzählige, denn wie anders als durch Hochhieven sollte man Waren aus den Booten vom Fleet hinauf zu den Lagerböden der Speicherhäuser bekommen. Obwohl sonst in der Speicherstadt damals keiner wohnen durfte – für die Wächter und anderes technisches Personal wurde eine Ausnahme gemacht. Es war vorteilhafter, sie direkt vor Ort zu wissen.

Heute wacht im Wasserschloss keiner mehr über Winden, aber über Tee oder über Sie. Das „Wasserschloss Speicherstadt“ besteht aus einer Gastronomie mit gleich angeschlossenem Fachgeschäft, in dem sich alles um
Tee dreht. Sie können also zunächst einkehren, später im Teekontor Sorten schnuppern und neue Ge-
schmacksrichtungen für daheim erstehen.

Haben Sie Kinder? Es könnte sein, dass Ihrem Nachwuchs das Wasserschloss schon ein Begriff ist. Es ist sehr bekannt, seit es in der beliebten Fernsehserie „Die Pfefferkörner“ vorkam.
Mir fällt gerade ein, was Sie in dem Schlösschen am Wasser auch tun könnten! Stilvoll heiraten! Sie müssten sich in dem Fall zwecks Terminabsprache mit dem Standesamt Hamburg-Mitte in Verbindung setzen.

Natürlich dürfen Sie sich auch das noch gut überlegen und müssen hier und jetzt keine übereilten Entschlüsse fassen. Während Sie in sich gehen, verabschiede ich mich für dieses Mal.
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Bis demnächst – vielleicht bei einer neuen Entdeckungstour.

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©by Michèle Legrand, Februar 2017
Michèle Legrand

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„Das liegt an den Pferden …“

Kürzlich kullerten mir ein paar weiße Zuchtpilze vor die Füße. Sie und ein Verteilerkasten sind die Auslöser für den Beitrag, der heute auf Sie zukommt.
Verwundert? Nun, dieser Blog trägt nicht grundlos die Bezeichnung Gedankensprünge als Teil seines Namens. Die gibt es hier halt. Ein Erlebnis, die vor einem ablaufenden Bilder, ein auftauchendes Geräusch, ein Duft … So etwas ruft sehr häufig Assoziationen hervor und lenkt Gedanken im Nu um. In eine gänzlich neue Richtung. Bei mir ist es jedenfalls so. Sie führt ein solcher Gedankensprung heute in meine Wohngegend und nebenbei zeitlich zurück.

Wieso mir die Pilze überhaupt …? Das auslösende Moment gehört gar nicht zum Endthema, doch wenn Sie wollen, erzähle ich Ihnen gern davon gleich mit.
Ich fuhr eine Rolltreppe hinauf. Direkt vor mir stand eine Frau mit einem proppevollen Einkaufsbeutel. Oben angekommen, erfolgte der obligatorische Schritt auf festen Boden – und da blieb sie stehen. Mitten im Auslauf! Dort, wo es noch zu eng ist, um auszuweichen und seitlich an ihr vorbeizuhuschen. Hinter mir folgten weitere Leute, eine Rolltreppe stoppt prinzipiell nicht, und so stieß ich von hinten an sie an. Es ließ sich absolut nicht verhindern.

Sie reagierte entrüstet. Verblüfft hielt ich mich zunächst zurück, denn – wäre ich an ihrer Stelle gewesen – ich hätte mich wohl eher entschuldigt. Sie begann erstaunlicherweise, sich lautstark zu beschweren und erklärte, dass alle Auflaufenden (ich, aber auch die danach Kommenden) besser hätten aufpassen müssen. Das wäre
so wie beim Autofahren: der, der auffährt, hätte Schuld.

Dem Herrn, der auf der Treppe direkt hinter mir gestanden hatte und der genauso in die Bredouille geraten war (er klebte nun noch halb an mir), platzte fast der Kragen, als er das vernahm. „Wir hätten alle stürzen können!“, war noch das Mildeste, was er von sich gab. Danach wurde es inhaltlich etwas ausfallend, was natürlich in keiner Form zu einem gütlichen oder halbwegs einvernehmlichen Ende führte.
Ich stand dazwischen und kam nicht weg. Natürlich ärgerte es mich auch! Was hatte das mit Aufpassen zu tun! Es gab doch keinerlei Anzeichen für einen kommenden Blitzstopp! Und wohin hätte man ausweichen sollen?
Überhaupt dieser Vergleich mit dem Straßenverkehr … Was wäre denn eine in etwa vergleichbare Situation? Vielleicht ein in einem engen, einspurigen Tunnel unvermittelt bremsender Autofahrer, der den Motor von jetzt auf gleich abschaltet und sein Fahrzeug grundlos stehen lässt? Wobei sich dort wenigstens nicht noch die Fahrbahn hinter ihm wie ein Transportband weiterbewegen würde.
Ich wandte mich ihr zu:
„Darf ich Ihnen einen Vorschlag machen? Wir werden die Fahrt wiederholen. Es scheint, Sie können sich nicht vorstellen, dass Ihr Hintermann keine Chance hat, einen solchen Aufprall zu vermeiden. Also probieren wir es aus. Diesmal fahre ich vor Ihnen, Sie stellen sich hinter mich. Oben werde ich mich genauso verhalten wie Sie vorhin. Und Sie haben jetzt sogar noch den Riesenvorteil, dass Sie wissen, was kommt. Wir werden sehen, wie Sie die Lage meistern.“
Oooh! Das war gar nicht ihr Ding. Sie bezeichnete es als „bekloppte“ Idee und weigerte sich vehement. Vor lauter Empörung geriet der Einkaufsbeutel ins Schwanken, die obenauf liegende Papiertüte vom Gemüse-
händler fiel heraus, riss, und eine Ladung weißer Kullerpilze verteilte sich auf dem Boden. Vor meinen Füßen …

Ansonsten hat sich der kleine Menschenauflauf danach auseinanderdividiert. Es hatte keiner mehr Lust auf den Zirkus. Einsammeln musste sie ihre Pilze alleine.

Direkt nach diesem Theater stieß ich auf dem Heimweg auf besagten Verteilerkasten, der seit Kurzem über-
haupt nicht mehr grau und trostlos aussieht, sondern sehr positiv auffällt, nachdem er farblich gestaltet wurde. Es ist nicht der erste Stromkasten, der in meinem Bezirk (Wandsbek) durch das kunstvolle Bemalen und Aufsprühen von farbigen Motiven eine solche Schönheitskur erfährt – und wieder ist es ein Werk von Vincent Schulze!
Können Sie sich noch dunkel entsinnen? Bereits vor fünf Jahren (2012) habe ich den Hamburger Künstler
ein erstes Mal im Blog erwähnt. Inzwischen hat er in vielen Stadtteilen seine Spuren hinterlassen. Außer in Wandsbek wird man u. a. in Eimsbüttel, Curslack, Neugraben, Lohbrügge sowie Niendorf oder auch an der Alster fündig. Seine Werke entstehen jedoch nicht nur draußen, als Kunst im öffentlichen Raum (Fassaden, Verteilerkästen etc.) für alle sichtbar, sondern natürlich vermehrt auch als Innengestaltung in Wohn- und
Nutzräumen (z. B. Badgestaltung) oder nicht allgemein zugänglich als Wandmalerei auf Privatgrund (Innenhöfe). Auftraggeber sind sowohl Privatpersonen als auch Vereine sowie Firmen unterschiedlichster Branchen, die ihren Traum vom geschäftsbezogenen Motiv oder von Skylines, Dünenlandschaften, Tieren, Gebäuden etc. verwirklicht haben möchten.
Was mir – abgesehen von seiner Arbeit ganz generell – besonders gefällt, ist, dass die Außenmotive in der Mehrheit der Fälle einen unmittelbaren, meist geschichtlichen, Bezug zur Umgebung haben.

Der recht breite Verteilerkasten, um den es zunächst geht, steht auf dem Wandsbeker Marktplatz. Er besitzt auf Vorder- und Rückseite unterschiedliche Motive.
Die der Straße abgewandte Ansicht verschafft einen Eindruck davon, wie der Marktplatz im Jahre 1866 ausgesehen hat. Zu der Zeit gab es dort tatsächlich noch eine Art Wald.
Erkennen Sie die Freifläche rechts neben der Kirche? 22 Jahre später (1888) startete dort der Bau des Matthias-Claudius-Gymnasiums, das es heute noch gibt, wenngleich auch die Schäden am ursprünglichen Gebäude im Krieg enorm waren und es inzwischen einige Neu- und Erweiterungsbauten gibt.
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Hamburg - Wandsbeker Marktplatz - Verteilerkasten mit alter Ansicht (Blick stadtauswärts) - Gestaltung: Vincent Schulze,, HH

Hamburg – Wandsbeker Marktplatz – Verteilerkasten mit alter Ansicht (Blick stadtauswärts) – Gestaltung: Vincent Schulze,, HH

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Auf dem zur Straßenseite ausgerichteten Bild, ist als größter Bau das Karstadt-Haus zu erkennen und zwar um das Jahr 1900 herum. (Für Nichthamburger zur Information. Karstadt gibt es bis heute dort, eines der wenigen Gebäude, die sogar den Krieg überstanden haben.) Wer ein bisschen in diese Zeit zurückgeht, findet heraus, dass es zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht Rudolph Karstadt, dem bekannten Begründer der Dynastie, gehörte, sondern seinem Bruder Ernst, der es ihm jedoch nicht lange danach verkaufte.
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Hamburg - Wandsbeker Marktplatz - Alte Ansicht der Wandbeker Marktstraße mit Karstadt-Haus - Gestaltung: Vincent Schulze, HH

Hamburg – Wandsbeker Marktplatz – Alte Ansicht der Wandbeker Marktstraße mit Karstadt-Haus – Gestaltung: Vincent Schulze, HH

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Auf zwei weiteren, nebeneinander stehenden, kleineren Kästen, die ebenfalls durch Vincent Schulze ein neues Gesicht erhielten, sind Matthias Claudius, der hier in Wandsbek lebte, sowie seine Frau Rebecca (Rebekka) porträtiert (Ecke Claudiusstraße/Schloßstraße).
Und noch ein sehr schöner und vom selben Künstler enorm aufgewerteter Verteilerkasten mit Wandsbek-Bezug hat seinen Platz Ecke Neumann-Reichardt-Straße/Schädlerstraße. Auf ihm ist das ehemalige Wandsbeker Schloss zu sehen, das einst nah des Wandsbeker Marktes stand. Leider existiert es nicht mehr. Dabei würde es sich sehr gut machen …

An seinem Platz entstand zunächst die Wandesburg, eine Wasserburg, die Heinrich Rantzau ab 1564 er-
bauen ließ. Nach diversen Eigentümerwechseln gelangte 200 Jahre später Heinrich Carl von Schimmelmann in ihren Besitz. Wir Wandsbeker (und noch ein paar andere, z. B. die Altonaer) gehörten früher lange zum Königreich von Dänemark. So erklärt sich die zunächst erstaunlich klingende Aussage, dass der neue Eigen-
türmer 1764 gleichzeitig Finanzminister von Dänemark war. So wie übrigens auch schon zuvor Rantzau die Funktion eines dänischen Statthalters ausübte.
Von Schimmelmann ließ die Burg bald danach abreißen, um auf ihr sein Wandsbeker Schloss (1772 bis 1778) zu errichten – inklusive eines Barockparks und eines Landschaftsgartens. Und natürlich entstanden Gebäude für die Bediensteten sowie Stallungen. Große Teile des heutigen Stadtteils Marienthal zählten früher zum Gebiet des ausgedehnten Guts.
Ungünstig war nur, dass bereits die Nachfahren Schimmelmanns im 19. Jahrhundert Geldprobleme hatten und das Anwesen verkaufen mussten. Ein Herr von Carstenn (tatsächlich mit Doppel-n) übernahm es, teilte flink das Land in Parzellen auf, verkaufte diese und ließ das schöne Schloss 1861 abreißen.
Achtzig oder knapp neunzig Jahre sind in meinen Augen keine sonderlich lange „Lebenszeit“ für ein Barockschloss.
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Hamburg - Wandsbek - Verteilerkasten mit Wandsbeker Schloss (Vorderseite) - Gestaltung: Vincent Schulze

Hamburg – Wandsbek – Verteilerkasten mit Wandsbeker Schloss – Gestaltung: Vincent Schulze

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Vor zehn Jahren – bevor ein Neubauvorhaben mit umfangreichen Bodenbewegungen gestartet wurde – führte man vor Ort Ausgrabungen durch. Dabei wurden Ziegelmauerreste entdeckt, die auf Felssteinfundamenten errichtet waren. Außerdem kamen  hölzerne Zu- und Abwasserleitungen zum Vorschein.

Auf alten Ansichten ist zu erkennen, dass einst zwei steinerne Löwen links und rechts der Auffahrt zum Schloss Wache hielten. Die Originale gibt es noch, sie stehen heute im WBZ (Zentrum für Wirtschaftsförderung, Bauen und Umwelt, Schlossgarten 9), also fast an ihrem ursprünglichen Platz, nur drinnen, damit der Sandstein nicht der Witterung ausgesetzt sind. Es sind Abgüsse der beiden Skulpturen, die seit 2004 den Wandsbeker Marktplatz bewachen.
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Hamburg - Wandsbek - Einer der Löwen (Abguss) des ehemaligen Wandsbeker Schlosses

Hamburg – Wandsbek – Einer der Löwen (Abguss) des ehemaligen Wandsbeker Schlosses

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Und bis heute existieren zwei Exemplare der Sandsteinvasen, die ebenfalls die Außenanlage des Schlosses zierten …
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Hamburg - Wandsbek - Eine der existierenden Sandsteinvasen, die einst am alten Wandsbeker Schloss standen

Sandsteinvase, die einst am alten Wandsbeker Schloss stand …

Dass mich die Malereien auf dem Verteilerkasten zu Vincent Schulze und dessen Wandsbek-Motive wiederum zum Thema Schloss führten, können Sie leicht nachvollziehen. Doch warum auch die Pilze?

Als ich vor recht langer Zeit hierher in eine Parallelstraße zum „Schloßgarten“, eben jener Straße zog, in der sich in früheren Zeiten das Schloss befand, hatte ich nur eine sehr vage Idee davon gehabt. Und die eher vom Bauwerk als von den Ausmaßen der Ländereien!
Während ich südwestlich vom ehemaligen Standort des Schlosses lebe, zogen sich die angelegten Gärten
mehr in östlicher Richtung, dort, wo heute die Überreste des alten Baumbestandes das Gehölz bilden.
Gab es auch eine Ausdehnung in die andere Richtung, mehr zu meiner Seite hin?

Als ich in den Anfangsjahren einmal im Garten werkelte, spazierte eines Spätsommernachmittags eine betagte Dame vorbei, die in der Nachbarschaft, nur ein paar Häuser weiter, wohnte. Wir kamen ins Gespräch, und ich verriet ihr, dass ich erstaunt darüber sei, schon das dritte Jahr in Folge haufenweise Champignons auf meinem Rasen zu entdecken. Echte Wiesenchampignons!
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Wiesenchampignon im Garten ...

Wiesenchampignon im Garten …

Sie schaute verschwörerisch drein und verkündete mir dann:
„Das liegt an den Pferden.“
„Ich habe keine Pferde.“
„Nein, die von früher …“
Ich verstand immer noch nicht, worauf sie hinaus wollte. So erklärte sie die Umstände etwas genauer:
„Schauen Sie, ich spreche von dem alten Schloss. Hier waren früher Pferdekoppeln, die Weiden der herrschaftlichen Pferde. Die haben damals natürlich überall ihre Pferdeäppel abgelegt. Den Mist aus den Ställen verteilte man in den Nutzgartenbereichen. Beste Voraussetzung dafür, dass auf dem Boden Champignons gedeihen. Selbst heute hat das Erdreich immer noch etwas davon in sich. Von diesem Pferdedung, meine ich. Ich habe auch Champignons im Garten!“

Ich weiß bis heute nicht, ob ich dem Glauben schenken soll oder nicht … Was meinen Sie?
Als nach dem Abriss des Wandsbeker Schlosses die Grundstücke verkauft wurden, also auch die Weide- und Anbauflächen, errichtete man dort nach und nach Villen und zog neue Straßen durch das Gebiet. Später, im Krieg, war diese Gegend u.  a. während der Operation Gomorrha Ziel zahlreicher Bombenabwürfe. Ein ganz erheblicher Teil der Villen lag danach in Trümmern oder hatte den Feuersturm nicht überstanden.
Man ließ damals den Schutt an Ort und Stelle, verteilte ihn großflächig, planierte alles und baute so bald es ging direkt darauf neue Häuser. Aus eigener Erfahrung weiß ich, nur eine dünne Lage Erde bedeckt die Ziegelgeröllschicht von damals.
Schauen Sie einmal, was ich vor Jahren bei jedem Stück Garten, das ich neu anlegen und gestalten wollte, zuvor alles auszugraben hatte …
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Hamburg - Wandsbek/Marienthal - Schuttreste aus Kriegszeiten sind immer noch im Boden ...

Hamburg – Wandsbek/Marienthal – Schuttreste aus Kriegszeiten sind immer noch im Boden …

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Selbst wenn einige Stellen im Umkreis des Schlosses tatsächlich noch „original“ sein sollten, d. h. der Boden ohne Schuttschicht … Kann es sein, dass sich der damals reichlich ausgebrachte Pferdedung in Form von Weideäpfeln und Stallmist noch nach 100 bis 150 Jahren auf die Erdbeschaffenheit auswirkt? Sie eine champignontaugliche Zusammensetzung besitzt? Zumindest, wenn weitere Gegebenheiten ebenfalls passen, wie beispielsweise ein Stück vorhandene, natürliche Rasenfläche/Wiese, möglicherweise Gehölze als Anrainer, neutraler bis leicht basischer Untergrund, keine mineralischen Dünger, überhaupt wenig Nährstoffe bei gleichzeitig genügend hohem Stickstoffanteil. Ideal dazu wäre eindeutig halb verrottetes, fermentiertes Material (wie eben Pferdemist).

Vielleicht ist das, was mir die alte Dame erzählte, lediglich ein schönes Märchen. Allerdings mag ich solche Geschichten!
Wann immer bei mir Champignons vorwitzig aus der Erde oder zwischen Gräsern des Rasens hervorlugen,
sich strecken und ihre erstaunlich großen Hüte ausbreiten, denke ich automatisch an die Rösser des Herrn Schimmelmann, die womöglich ausgerechnet in meinem Garten den Drang verspürten, Äppeldung mit Langzeitwirkung zu hinterlassen.
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Schluss machen für heute? Ja, es ist schon wieder dunkel draußen. Nur noch ein kleiner Schlenker und gedanklicher Sprung zurück zur Wandmalerei und Verteilerkastengestaltung.
Wenn Sie neugierig geworden sind und Lust auf weitere Motive bekommen haben, dann finden Sie auf der Website des Künstlers Vincent Schulze im Blogbereich vielfältige und wirklich sehenswerte Fotobeispiele.

Hier geht’s zur Homepage, hier direkt zum Blog.
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Und nun ist endgültig Feierabend!  Denn, um es mit den Worten von Matthias Claudius zu sagen, „Der Mond ist aufgegangen“.

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Hamburg - Wandsbek/Christuskirche - Zur Erinnerung an Matthias Claudius die Bronze "Der Mond ist aufgegangen" von Waldemar Otto.

Hamburg – Wandsbek/Christuskirche – Zur Erinnerung an Matthias Claudius die Bronze „Der Mond ist aufgegangen“ von Waldemar Otto.

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Vielleicht schauen Sie gelegentlich wieder vorbei, es würde mich freuen.  Bis demnächst!

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© by Michèle Legrand, Januar 2017
Michèle Legrand

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30 Kommentare

„Büschen Wind“

Haben Sie das Weihnachtsfest gut verlebt? Ich hoffe, Sie hatten schöne Feiertage, solche entspannter Natur, so dass Ihnen Stress oder andere Unannehmlichkeiten weitestgehend erspart blieben.

Nachdem der Trubel vorbei und das Essen etwas gesackt ist, spräche doch nichts dagegen, sich hier erneut zusammenzufinden. Ich hätte Sie nach der vermehrten Sitzerei natürlich gern wieder zu einem Spaziergang abgeholt, doch glauben Sie mir, das Hamburger Wetter war bisher alles andere als empfehlenswert für einen Aufenthalt im Freien. Sturm, Regen und Hochwasser wurden uns um Weihnachten herum kredenzt.
Obwohl Hamburger – mit ihrem leichten Faible fürs Understatement – eher von einem büschen (bisschen) Wind und erhöhter Feuchtigkeit sprechen. Ich sage, es hat ordentlich gebrist, dazu gab es ausgiebig Sprühregen, am zweiten Feiertag abends örtlich obendrein Hagel, der Blitzeis auslöste. Nicht so fein. Genauso wenig wie umge-
stürzte Bäume und herumfliegende Gegenstände. Und dann die Elbe!
Dazu fällt mir gerade etwas ein …

Ein ehemaliger Kollege war Leiter der Speditionsabteilung meiner damaligen Firma. Er war einer dieser wetterfesten Althamburger. Jobbedingt musste er recht häufig vom Büro an der Außenalster hinüber in den Hafen zu Speditionen und anderen Betrieben, zu Lagerhallen und Schuppen oder, wenn wir Ware erwarteten bzw. verluden, auch direkt bis an die Pier zu den Containerschiffen. Ein alter Fuchs wie er war natürlich mit den Gezeiten vertraut und wusste, was Sturm an der Elbe, einem mit der rauen Nordsee verbundenen Fluss, bedeutet. So einem war klar, dass man bei Hochwasser fix aufpassen musste, wo im Hafenareal noch ein Durchkommen war und vor allem, wo man bei angesetzten Terminen vor Ort zwischenzeitlich sein Auto ab-
stellen konnte und wo tunlichst nicht.
Wer nicht gerade ein Amphibienfahrzeug besitzt, hat nämlich sonst ganz schnell das Nachsehen.

Es ging auch alles gut bis zu dem Tag, an dem er nach einem Vertragsabschluss zum Feiern mit Geschäfts-
partnern am Hafenrand, unten in Altona an der Fischauktionshalle, unterwegs war und seinen ziemlich neuen BMW dort parkte. Völlig sorglos, da sich kaum ein Lüftchen regte, geschweige denn eine Sturmflutwarnung verbreitet worden wäre.
Man feierte bei einem Essen auf Partnerseite die zu erwartenden großen Ladungsmengen bzw. auf unserer Seite vorteilhafte Sonderkonditionen für alle Frachtraten, zog spätabends zu Fuß weiter, versackte in einer Kneipe auf St. Pauli und becherte ganz erheblich – wie das seinerzeit branchenüblich war. Der Morgen dämmerte bereits, als der Kollege sich von einem Taxi nach Hause chauffieren ließ. Vernünftig nach all dem Alkoholkonsum, und das eigene Auto lässt sich schließlich auch im Tagesverlauf noch einsammeln.

Nicht so reaktionsschnell wie sonst, fiel ihm im angeduselten Zustand überhaupt nicht auf, dass über Nacht ein frisches Windchen aufgekommen war. Eines, das der Sturmflutwarndienst des Bundesamts für Seeschifffahrt und Hydrographie so nicht auf dem Schirm gehabt hatte. Später hieß es, man hätte es schwächer und wesentlich weiter nordöstlich vorbeiziehend erwartet. Dieses „büschen Wind“ erreichte jedoch selbst in Stadtnähe in Böen Orkanstärke, was wiederum zur Folge hatte, dass das auflaufende Hochwasser mit Macht hereingedrückt wurde und in Altona an der Fischauktionshalle Land unter herrschte. Die Elbe trat im Schwall über die Kaimauer, noch bevor überhaupt der Höchststand der Flut erreicht worden war.

Es ist jedes Mal aufs Neue erstaunlich, wie sich Wasser seinen Weg sucht, wie schnell es sich durchfrisst, ausbreitet und dabei der Wasserspiegel innerhalb weniger Minuten massiv steigt …
Für die Fischauktionshalle selbst ist das Hochwasser kein Drama. Dort ist es bereits eingeplant. Man öffnet sogar die Tore, damit das Wasser gut wieder ablaufen kann. Aber für alles drum herum bedeutet es heute genauso wie früher: Was nicht niet- und nagelfest ist, wird getunkt, getränkt und mitgeschleift, und nicht rechtzeitig entfernte Autos in Kainähe gehen nach kurzer Zeit auf leichte Tauchstation. Heute wie damals.

Wie es mit dem Kollegen weiterging? Am nächsten Morgen vermissten die Mitarbeiter der Speditionsabteilung zunächst ihren Chef, nahmen angesichts des Vertragsabschlusses und des intensiven „Anstoßens“ jedoch an, er wäre verkatert und käme deshalb etwas später. Mittags hielt ein weißer R4 vor der Firma. Sein Sohn lieferte ihn am Büro ab.
Es stellte sich heraus, dass der Nachtschwärmer daheim im Halbschlaf das Heulen des Windes und das Rütteln an den Fenstern mitbekommen und kurz darauf im Radio von der Sturmflut bzw. der Situation im Hafen gehört hatte. In böser Vorahnung war er mit seinem Sohn als Chauffeur zur Fischauktionshalle geeilt. Wasser stand dort nicht. Nicht mehr. So schnell wie es aufläuft, läuft es häufig auch wieder ab. Allerdings stand dort auch kein Auto mehr. Kostenpflichtig abtransportiert, wie er kurz darauf von der Polizei erfuhr. Es hatte nachts eigenmächtig seine Position verändert und gefährdete den Verkehr. Die Spuren am Auto zeigten, dass das Wasser bis mindestens Oberkante Radkasten gestanden hatte und teilweise hineingelaufen war – an Stellen, die besser kein Wasser abbekommen hätten.
Inzwischen befand sich der BMW erneut auf einem Abschleppwagen und auf dem Weg zu einer Werkstatt. Die Laune seines Besitzers fiel eine ganze Weile entsprechend grottig aus. Die Stimmung besserte sich erst, als das Auto aus der Reparatur zurückkam, wieder einsatzfähig war und langsam Gras über die Sache wuchs.
Nur von Zeit zu Zeit, wenn der Abteilungschef wieder zu Terminen Richtung Hafen aufbrach, konnte es sich mancher nicht verkneifen, mit unschuldigem Blick und den Worten „Büschen windig, oder?“ alte Wunden wieder aufzureißen.

Sturmflut in Hamburg. Überflutete Bereiche im Hafengebiet. Verschwundene Straßen, einsam aus dem Wasser ragende Laternenpfähle oder die Oberkanten von Sitzbanklehnen als einzige noch herausragende Teile und sichtbare Beweise ihrer Existenz. Umgekippte Mülltonnen, herumfliegende Gegenstände, im Wasser treibende Teile. Sprühregen, den der Wind waagerecht heranpeitschen lässt. Sie haben vielleicht entsprechende Aufnahmen gesehen. Alles büschen feucht …

Im Moment wird gerade wieder diskutiert, ob zu spät vor dem Hochwasser am zweiten Feiertag gewarnt wurde, denn die Sturmflutwarnung kam erst in der Nacht, als die meisten bereits schliefen, also nichts mehr hätten in Sicherheit bringen oder eventuell zusätzlich hätten schützen können. Auf der anderen Seite kam es selbst für Spätheimkehrer nicht mehr rechtzeitig genug; sie wurden von der Heftigkeit der Sturmflut und den überfluteten Straßen größtenteils überrascht.
Zum Zeitpunkt der Nachricht und Warnung war der Höchststand jedenfalls schon fast erreicht, und der Fischmarkt optisch bereits ein Swimmingpool.

Es ist offenbar gar nicht so leicht, den richtigen Zeitpunkt für die Verbreitung einer Warnmeldung zu finden. Vor einiger Zeit wurde massiv und mit überreichlichem Vorlauf vor einer erwarteten, schweren Sturmflut gewarnt, nur trat sie später in dieser Form nicht ein. Die angekündigten Pegelstände wurden bei weitem nicht erreicht. Schon wurde gemeckert. Was die Aufregung und unnütze Panikmacherei solle.
Zu Weihnachten hingegen hatte man stürmische Winde an der Küste erwähnt und auf dadurch etwas höher ausfallendes Hochwasser hingewiesen. Nun entpuppte sich das „büschen Wind“ als mächtiger als vermutet. Sie werden es ahnen – nun wird gemosert, dass „nie“ jemand was sagt.
Und die Fachleute selbst äußern dazu, sie wollten vermeiden, zu oft und zu früh zu warnen, weil sie dadurch im Fall der Fälle keiner mehr ernst nehmen würde …
Stimmt alles, doch lieber einmal zu oft oder letztendlich unnötig gewarnt, als gar nicht und es passiert durch Unwissenheit ein Unglück. Oder wie sehen Sie die Sache?

Bei Sturm und Regen war mir nicht so sehr danach ins Hochwassergebiet zu marschieren, nur um Fotos mitzubringen. Ich habe in meinem Archiv gekramt und zeige Ihnen stattdessen, wie es an der Fischauktionshalle aussieht, wenn es trocken und sturmfrei ist. Die 120 Jahre alte Halle ist nämlich ein sehr schöner Bau, der nach der Restaurierung 1984 zu Recht unter Denkmalschutz gestellt wurde.
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Hamburg - Altona - Fischauktionshalle in der Abenddämmerung

Hamburg – Altona – Fischauktionshalle in der Abenddämmerung

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Haben Sie gesehen? Draußen vor der Halle macht gerade eine Gruppe von weißbemützten Köchen Pause, bevor die Verköstigung der Gäste drinnen weitergeht …
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Hamburg - Altona - Fischauktionshalle mit Stil an der Großen Elbstraße (Details Ziegelwand und Wandlampen)

Hamburg – Altona – Fischauktionshalle mit Stil an der Großen Elbstraße

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Hamburg - Altona - Fischauktionshalle (Detail Fenster Eingang)

Hamburg – Altona – Fischauktionshalle

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Hamburg - Altona - Fischauktionshalle - Auch von innen interessant anzusehen ...

Hamburg – Altona – Fischauktionshalle – Auch von innen interessant anzusehen …

Sie können auf den nächsten Aufnahmen erkennen, wo Autos üblicherweise geparkt werden. Hinter der Fischauktionshalle verläuft die Große Elbstraße …
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Hamburg - Altona - Große Elbstraße (Im Hintergrund die Fischauktionshalle)

Hamburg – Altona – Große Elbstraße (Im Hintergrund die Fischauktionshalle)

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… und etwas weiter rechts (Foto unten), von der Halle aus gesehen, findet am Sonntag in der Früh stets der traditionelle Altonaer Fischmarkt statt.
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Hamburg - Elbe - Anleger Altona (Fischmarkt) mit Fischauktionshalle

Hamburg – Elbe – Anleger Altona (Fischmarkt) mit Fischauktionshalle

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All diese Bereiche stehen bei Sturmflut komplett unter Wasser …

Der erwähnte Kollege hat natürlich nie wieder dort unten geparkt. Einmal Überflutung, nasser BMW und Reparaturkosten haben ihm gereicht. Geben auch Sie acht, wo Sie ihre Habseligkeiten abstellen, falls Sie einmal in Hamburg an der Elbe unterwegs sind und so ein büschen Wind weht. Auch am Elbstrand!
So wie die Flut an der Nordsee nach der Ebbe enorm schnell große und eben noch trockene Wattbereiche wieder für sich einnimmt, so macht sich hier der Fluss notfalls breit und erobert sich das Land dazu. Wasser
ist unberechenbar …

Ich schaue gerade aus dem Fenster … Ich möchte nicht euphorisch wirken, schon gar nicht zu früh, doch es scheint tatsächlich so, als würde sich das Wetter endlich bessern. Ein Spaziergang rückt somit in greifbare Nähe. Sie werden schon sehen, das wird hier alles penibel nachgeholt …

Haben Sie jedoch erst einmal eine schöne Zeit zwischen den Jahren und kommen Sie gut in das neue Jahr hinein. Wäre es nicht traumhaft, wenn 2017 positiver und friedlicher ausfallen würde als 2016?
Ach, kommen Sie, träumen und hoffen darf man doch …

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© by Michèle Legrand, Dezember 2016
Michèle Legrand ©Foto Andreas Grav (Ausschnitt)

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39 Kommentare

Dicke Wände, Schleimspuren und anderes …

Mögen Sie ein Stück mitspazieren? Es geht um nichts … Spektakuläres. Frische Luft, ein bisschen schauen, dazu ein kleiner Plausch, der unterwegs das graue Wetter hier im Norden ignorieren hilft. Und ich bin gerade ziemlich froh, dass es mit dem Spazieren wieder funktioniert, denn neulich habe ich doch glatt getestet, ob
mein Knie oder die Straße härter ist, ob gedehnte Bänder im Fuß Schmerzen verursachen und ob eine Asphaltoberfläche Platz- und Schürfwunden über der Augenbraue verursacht. (Ja, tut sie.) Nun ist alles wie-
der picobello, also könnten wir von mir aus starten.

Der OSZE-Gipfel ist mittlerweile geschafft, insofern sind keine Streckenbehinderungen zu erwarten. Ich wohne
in Hamburg sowieso in einem anderen Bezirk, einem, der letzte Woche zumindest von Sperrungen nicht direkt betroffen war, doch die Helikopter hörte man auch hier ständig. Die kreisten pausenlos über der ganzen Stadt.

Am Mittwoch, bevor der Gipfel startete und die Politiker bereits eintrafen, näherte sich nachmittags eine Passagiermaschine auf einem völlig anderen Kurs als üblich, vollzog über unserem Haus in Schräglage
eine Kurve und flog in extremem Schneckentempo weiter Richtung Flughafen. Ich munkele gern herum,
dass Außenminister John Kerry gerade einflog und ihm auf diese Weise noch ein wenig Sightseeing von
oben beschert wurde.
„Yes, Mr. Kerry, bird’s eye view of the awesome city of Hamburg. Sir, wenn Sie jetzt nach unten schauen,
you can see the Eisbahn of the Wandsbeker Winterzauber. Yes, Winterzauber. No, keine Zauberei! It’s
a Christmas Market. And look here, more on the left, standing in front of the house! Die Frau an der Tür,
sie schaut gerade hoch! …This is Michèle, you know?“
„Oh, really? I see …Wait, the one blogging about the Olivenholz?“

Das ist ein Ding mit ’nem Pfiff, oder? Ich schreibe über Hamburger Weihnachtsmärkte und erwähne gewisse Olivenholzschalen etwas näher. Was macht Mr. Kerry? Rennt vom Hotel als erstes hinüber zum Jungfernstieg und kauft sich eine! Ich habe ja beim Blog einen Abonnenten mit dem Namen John … Wahrscheinlich liest
der Gipfelgast aus den USA mit.
Oh, warten Sie, dabei fällt mir gerade etwas anderes ein!

Passiert es Ihnen auch manchmal, dass etwas Sie abrupt an schon ewig aus den Augen verlorene Menschen aus Ihrem Bekannten- oder einstigem Kollegenkreis erinnert? Ich erlebe das hin und wieder.
Irgendjemand vor mir hat einen vertrauten Gang, nimmt eine Haltung ein, die mir bekannt vorkommt. Manch-
mal erklingt eine Stimme, die mich aufhorchen lässt. Ein Singsang, ein Dialekt … Oder ein Verhalten weckt Erinnerungen!
Mir fiel daher eben spontan ein ehemaliger Kollege ein, der immer wunderbar ernst bleiben konnte, selbst wenn er anderen den größten Blödsinn erzählte. Ihm bereitete es diebische Freude, sein Gegenüber auf die Schippe zu nehmen. Doch jedes Mal, bevor es wirklich brenzlig wurde, wurde fix ein entwaffnendes „Späßle g’macht“ hinterhergeschoben. Dabei blickte er dermaßen zerknirscht drein (so echt, wie er vorher ernst geschaut hatte), dass man ihm unmöglich lange böse sein konnte.
Sie wissen, an welcher Stelle die Erinnerung an ihn bei mir aufblitzte? Genau. Außenminister Kerry hat mit ziemlich großer Wahrscheinlichkeit nicht vorher bei mir im Blog gestöbert. Späßle g’macht.

Und sie blitzte ein weiteres Mal auf, als ich gestern einen Vater mit seiner noch kleinen Tochter im Eiscafé sah. Der war vom gleichen Schlag wie Gernot Küppers* damals. Die beiden, Vater und Tochter, haben Espresso für ihn und ein Kindereis für die Lütte bestellt. Schneckeneis. Das kennen Sie, oder? Auf einem Teller kriecht eine freundlich wirkende Schnecke entlang. Der Leib wird aus einer Kugel Erdbeereis geformt, Hals und Kopf sind aus Vanilleeis und dementsprechend hell. Die Augen entstehen durch Schokostückchen, die Fühler sind in den Eiskopf versenkte Kekssticks, das Haus wird durch eine runde, flache Waffel, die zusammen mit einer Fruchtgummischnecke (wie Lakritzschnecke, nur rot) hochkant im Erdbeereis klemmt, nachgebildet. Sieht verdammt schick aus.
Die Schnecke wird gebracht.
„Papa, was ist das da auf dem Teller?“
„Eine Schnecke, Häschen.“
„Nein, das andere.“
Die Schnecke kriecht durch Vanillesoße.
„Das ist Schneckenschleim.“
„Iiiiehh!“
Ein weiterer Fall von „Späßle g’macht“. Ebenfalls bierernst, bestenfalls in den Augen funkelte es etwas verdächtig. Es dauerte übrigens einige Zeit, die kleine Dame wieder vom Gegenteil zu überzeugen und
zum Essen zu bewegen.

Wir kommen völlig vom Thema ab, doch auch das erinnert mich in gewisser Weise an den Kollegen Küppers. Der steckte gelegentlich den Kopf durch die Tür in mein Büro und fragte vorsichtig: „Kleines Schwätzchen?“
Sie können sicher sein, dass er selten beim ursprünglichen Thema blieb und dass es „viele kleine Schwätzchen“ wurden, falls man ihn nicht diplomatisch wieder hinausbugsierte.

Schwätzchen? Sie … und ich? Ich frag nur … Ich möchte Ihnen doch noch von den dicken Wänden erzählen.

In Hamburg gibt es auch heutzutage noch viele Bunkerbauten aus Zeiten des Krieges. So um die 700 sollen es sein, heißt es, wobei einige mittlerweile  komplett abgerissen bzw. abgetragen wurden und sich diese Gesamt-
zahl verteilt auf Hochbunker, Rundtürme, Flaktürme, Sonderbauten und einen großen Teil an unterirdischen Anlagen.
Rundtürme finden Sie z. B. noch am Baumwall oder Bahnhof Hasselbrook, an der Sternschanze oder auch dem Wiesendamm. Was am meisten, oft auch störend, ins Auge fällt, sind natürlich die großen, kantigen, grauen Stahlklötze, die Hochbunker.
Noch bis in die Zeit des Kalten Krieges hat man immer gedacht, man bräuchte sie vielleicht noch einmal als sichere Unterbringungsmöglichkeiten, als Schutzraum, für die Bevölkerung. Man hat sie erhalten, sich aber nicht sonderlich um sie gekümmert. Dann herrschte für ein Weilchen – politisch gesehen – Tauwetter, so dass sich aufgrund (vermeintlich) friedlicher Zukunftsaussichten Gedanken um eine anderweitige Nutzung gemacht wurde.

Sie haben überregional sicher verfolgen können, dass der große Bunker am Heiligengeistfeld (dort wo der Hamburger Dom stattfindet, Public Viewing während Fußball-WMs veranstaltet wird und sich ganz nah das Millerntorstadion (FC St. Pauli) befindet), umgestaltet werden soll. Auf ihm könnte ein großer Dachgarten entstehen (zugestimmt ist dem bereits), doch wie die Bunkerbegrünung  etc. im Detail aussehen soll und am Ende realisiert wird, ist immer noch nicht abschließend geklärt. Ob es wirklich fünf zusätzliche Stockwerke sind, die genehmigt werden und wie so eine Baumanpflanzung in luftiger Höhe funktioniert und auf Dauer auch überlebt … Warten wir es einfach ab.
Dieser ehemalige Bunker (Flakturm) an der U-Bahn Feldstraße ist heute als Medienbunker bekannt, mit vielen Firmen, die sich mit Film, Musik oder Unterhaltung beschäftigen. Auch der Club Uebel & Gefährlich ist dort. Die Nutzung hier also: medienlastig.
Werden andere Bunker in heutiger Zeit ohne größere vorherige Umbauten genutzt, geschieht das ebenfalls häufig durch gewerbliche Mieter, und es wird durchaus von lärmintensiven Gewerbezweigen geschätzt, denn
der Schallschutz ist schließlich hervorragend.

Oder es sind Lagerräume eingerichtet. Hier im Stadtteil Eilbek in der Schellingstraße wird er im unteren Bereich so genutzt, oben wird gewohnt.
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Hamburg - Hochbunker - Eilbek, Schellingstraße

Hamburg – Hochbunker – Eilbek, Schellingstraße

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Werden sie richtig verändert, sind natürlich der Nutzung, der inneren und sogar der äußeren Gestaltung keine Grenzen gesetzt. In Altona gehört ein Bunkergebäude zum Krankenhaus, die Außenhaut mit schönen Motiven verziert, auf dem Allendeplatz steht ein umgebauter Hochbunker, in dem ein Bereich der Universität eingezogen ist. Dem Gebäude sieht man seinen Ursprung gar nicht mehr an. Weiße Fassade, viele Fenster, gerundeter Eingangstorbogen.

In meinem Bezirk gibt es recht viele Hochbunker, die bis vor ein paar Jahren noch in einem ziemlich desolaten Zustand waren. Manchmal kaschiert die Natur ein wenig hässliche, beschädigte Betonfassaden. Hier in diesem Bunker in der Von-Hein-Straße, wurden (werden wahrscheinlich immer noch) Probenräume für Musiker/Bands vermietet. Von der Von-Hein-Straße aus wurden (werden) die insgesamt sieben Hamburger Musikbunker verwaltet.
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Hamburg - Hochbunker in Wandsbek - Der Musikbunker in der Von-Hein-Straße

Hamburg – Hochbunker in Wandsbek – Der Musikbunker in der Von-Hein-Straße

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In Zeiten des erhöhten Wohnraumbedarfs bis hin zum akuten Wohnungsmangel, wird jedoch mehr und mehr der Komplettumbau der noch vorhandenen Hochbunker ins Auge gefasst, und so entsteht vielerorts neuer Wohnraum. Das ist jedes Mal ein sehr umfangreiches, mühevolles Projekt, denn das alte Bauwerk zeigt sich widerspenstig und steht zudem stets inmitten bewohnter Häuser.

Ein Umbau zieht sich locker über drei Jahre und mehr hin und ist in dieser Zeit auch nur dann erledigt, wenn wirklich den ganzen Tag über gearbeitet werden kann und darf. Denken Sie nur an den damit verbundenen Lärm! Pressluft-/Stemmhämmer kann man nicht oder kaum einsetzen, Sprengungen sind im Grunde ausge-
schlossen. Bevor die Nachbarschaft ausnahmslos reif fürs Krankenhaus oder die Insel ist, ist folglich gute Vorplanung der Arbeiten zwingend notwendig und die Lärmreduzierung oberstes Ziel.
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Hamburg - Hochbunker - Üblicherweise inmitten anderer Wohngebäude .... Hier: Von-Hein-Straße

Hamburg – Hochbunker – Üblicherweise inmitten anderer Wohngebäude …

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Wenn Sie den nachfolgenden ehemaligen Bunker in der Wielandstraße betrachten, ahnen Sie vermutlich gar nicht, welche Wände sich z. B. vor Umbaubeginn hier befunden haben. Man sah von außen nur einen zum Teil beschädigten, recht schäbig wirkenden, monströsen Block, der aus 30.000 Tonnen Stahlbeton bestand. Maße: 42 m lang, 17,5 m tief und 22 m hoch.
Haben Sie eine Vorstellung im Hinblick auf die Stärke von Bunkerwänden? Die Mauern dieses Gebäudes hatten ursprünglich eine Dicke von zweieinhalb Metern! Da hätte man Sie mit hochgestreckten Armen quer einmauern können. Selbst wenn in diese Wände großzügig verteilt Fenster eingebaut würden, käme das Licht von außen trotzdem kaum bis in den Wohnraum; es müsste ja zunächst durch eine Art lange Schachtöffnung dringen. Ein Großteil des Lichts würde dabei geschluckt …
Können unter solchen Umständen daraus jemals helle Wohnungen werden?

Wenn zudem keine leistungsstarken Hämmer eingesetzt werden und keine Explosionen zugemutet werden können, wie bekommt man dennoch einen Bunker – salopp gesagt – zerlegt und Betonmassen reduziert?
Man nimmt einen großen Bagger, setzt ihn mit einem Kran erst auf das, später ins Gebäude hinein und ar-
beitet sich Stockwerk für Stockwerk durch das Innere.
Hier, im Falle des Bunkers in der Wielandstraße, wurden auf diese Art fast zwei Drittel des Stahlbetons ab-
getragen. Nur noch 11.500 t sind übrig geblieben und dort, wo bereits zu Kriegszeiten durch einen Bomben-
einschlag Schäden entstanden waren, wird am Ende Fehlendes – zur vorhandenen Optik passend – wieder ergänzt.
Die Wandstärke hat sich jetzt enorm reduziert. Die Mauertiefe beträgt nur noch 1,10 m, und das hat im posi-
tiven Sinn zur Folge, dass nicht nur die verfügbare Innenraumfläche zunimmt, sondern nun endlich auch der zukünftige Lichteinfall stimmt. Ein einstiger Hochbunker wird auf diese Art zum Wohnhaus mit sieben Etagen und 32 neuen Wohnungen unterschiedlicher Größe und Raumanzahl. So langsam ist das Haus bezugsfertig (2017) – nach ungefähr drei Jahren des Umbaus.

In Erinnerung an den geschätzten Kollegen Küppers das folgende Foto mit dieser Bildbeschreibung:
„Nach Umbau inklusive einer hauseigenen Landebahn … “
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Hamburg - Hochbunker in Eilbek - Umbau in der Wielandstraße/Ecke Schellingstraße

Hamburg – Hochbunker in Eilbek – Umbau in der Wielandstraße/Ecke Schellingstraße

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Ein anderes Projekt entsteht ebenfalls in Eilbek in der Börnestraße. Dort finden von einem ehemaligen Hochbunker außer der Sohlplatte lediglich die beiden Seitenwände weitere Verwendung. Hier werden es zukünftig 14 Wohnungen in sechs Etagen sein, und ganz oben entsteht ein Penthouse als Staffelgeschoss
mit Ausblick in alle Himmelsrichtungen.
Die ehemaligen Bunkerseitenwände werden nach Fertigstellung weiterhin nach Bunker aussehen. Sie sollen
nur gereinigt werden. Auch hier vergehen immerhin knapp zwei Jahre (plus fünf Monate für Abbrucharbeiten
im Vorfeld), bis aus dem ehemaligen Hochbunker ein Wohngebäude entstanden sein wird.
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Hamburg - Hochbunker in Eilbek - Umbau in der Börnestraße

Hamburg – Hochbunker in Eilbek – Umbau in der Börnestraße

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So, Herrschaften. Feierabend? Feierabend. Heute haben Sie und ich uns passend zum grauen Wetter graue Bauten angesehen und wissen nun, wo es dickwandige Gebäude gibt. Für alle Fälle. Man weiß ja nie …

Sie wissen, wie Sie heimkommen? Fein. Dann lasse ich Sie nun alleine und verabschiede mich bis zum nächsten Mal. Ich denke, Mr. Kerry müsste mit seiner Olivenholzschüssel inzwischen auch wieder zurück sein.
Haben Sie weiterhin eine schöne Adventszeit! Eventuell lesen wir uns noch einmal vor Weihnachten.

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(*Name geändert)

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© by Michèle Legrand, Dezember 2016
Michèle Legrand

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51 Kommentare

Durch Hamburgs City im Advent / Ein Streifzug über die Weihnachtsmärkte 2016

Vergangenen Montag (21. 11.) wurde vielerorts die Weihnachtsmarktsaison für eröffnet erklärt. Vor der eigentlichen Adventszeit, jedoch nach den Trauer- und Gedenktagen des Novembers. Schwupps, es weihnachtet über Nacht. Ich hoffe, Sie sind nun auch ordnungsgemäß und prompt adventlich gestimmt.
Falls nicht, sollten Sie gleich mit mir eine kleine Erkundungstour durch das vorweihnachtlich geschmückte Hamburg unternehmen und sich ein bisschen in Stimmung versetzen lassen. Falls Sie selbst bereits vor-
gearbeitet haben und nun sowieso schon ständig Weihnachtslieder singen, können Sie dennoch mitkom-
men und sozusagen im passenden Ambiente trällern.

Weihnachtsmärkte 2016

Ich war am Mittwoch in Hamburgs Innenstadt. Wie Sie richtig vermuten, gibt es dort nicht nur einen, sondern diverse Weihnachtsmärkte, die alle nicht weit entfernt voneinander liegen. Wer nicht nur an einem einzigen Glühweinstand anwachsen und seinen Promillegehalt hochtreiben möchte, kann sich eine kleine Rundtour zusammenstellen und auf diese Weise außer der Stimmung und Dekoration auf den Märkten zugleich die Adventsatmosphäre in den Straßen erleben.
Nach vielen Jahren des Bloggens überlege ich – speziell bei wiederkehrenden Ereignissen – natürlich mittlerweile häufiger, ob ich ein Thema überhaupt noch einmal im Blog aufnehme. Wiederholt sich alles nur? Optisch gesehen verändert sich zumindest nicht sehr viel von einem Jahr zum anderen … So habe ich es diesmal auf mich zukommen lassen, die Entscheidung auf hinterher vertagt. Nur unterwegs stellte ich fest,
jeder neue Streifzug ist doch immer noch gut für kleine Überraschungen. Es geht heute daher mehr um Feinheiten am Rande.
Außerdem bin ich diesmal bereits vor der Dunkelheit unterwegs gewesen; das Hauptaugenmerk liegt somit
nicht auf der Illumination. Wenn Sie gerade die jedoch gern sehen möchten, dann huschen Sie einfach hin-
über zu einem der Vorjahresposts, die Ihnen ganz unten angezeigt werden („Ähnliche Beiträge“).

Weihnachtsmarkt Spitaler Straße

Startpunkt ist in der Spitaler Straße auf der zum Hauptbahnhof gewandten Seite. Während beim Historischen Weihnachtsmarkt auf dem Rathausplatz oft jahrelang dieselben Händler an meist gleicher Stelle aufzufinden sind, wechseln Angebot und Platz im Fall des Weihnachtsmarkts in der Spitaler Straße häufiger. Stände zur Verköstigung sind immer genügend vorhanden, dazu (Silber-)Schmuck, Gebrauchsgegenstände, Wöllernes, Nippes zum Hinstellen, die obligatorischen Sterne, die von innen beleuchtet werden können. Hier, wie auch auf weiteren Märkten, sind wie bereits im letzten Jahr Produkte aus Olivenholz angesagt. Schüsseln, Brettchen, Untersetzer, Löffel … Speziell die Schalen sind sehr schön gemacht!
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Hamburg - Weihnachtsmärkte 2016 - Spitaler Straße - Artikel aus Olivenholz

Hamburg – Weihnachtsmärkte 2016 – Spitaler Straße – Artikel aus Olivenholz

Am anderen Ende der Spitaler Straße, am Mönckebergbrunnen, befindet sich die altbekannte Weihnachts-
krippe, die Fassade des Barkhofs ist geschmückt. Doch hier herrscht immer noch Großbaustellenatmosphäre,
denn die ehemalige Landesbank-Galerie befindet sich weiterhin im Umbau und ist nur teilweise zugänglich.

Wussten Sie, dass es direkt am Mönckebergbrunnen etwas „Elbphiharmonisches“ gibt?  In dem Gebäude mit den tempelartigen Säulen (von Fritz Schumacher), in dem früher Burger King sein Domizil hatte und Whooper verkaufte, wurde 2009 das Elbphilharmonie Kulturcafé eröffnet.
Eine zugegebenermaßen zunächst gewöhnungsbedürftige Kooperation zwischen Starbucks als Cafébetreiber im Erdgeschoss (als hätten wir überhaupt keine hanseatischen Kaffeeröstereien, die es betreiben könnten) und einem Kulturbereich im Obergeschoss, der als Theaterkasse und Information fungiert und in dessen Räumen auch immer wieder (kostenlos) Konzerte, Vorträge oder Lesungen von Kulturschaffenden stattfinden. Ursprünglich war im Zuge der Entstehung des Cafés sogar die Rede davon, eine zentral gelegene, richtig große Touristeninformation zu integrieren, doch es ist nichts Offizielles daraus geworden. Der Rathausplatz ist dafür als Standort ebenfalls im Gespräch und aufgrund seiner zentralen Lage prädestiniert, doch auch dort gibt es diverse Probleme, es zu realisieren.
Elbphilharmonie … Ob ein Sponsor aus dem Bereich der klassischen Musik seinerzeit für die Namensvergabe verantwortlich war? Oder ob man im Jahr 2009 bereits geahnt hat, dass es mit der Fertigstellung der echten Elbphilharmonie noch ein geraumes Weilchen dauern wird (2007-2016) und dieses Café vorsichtshalber stellvertretend den Namen erhielt? Man weiß es nicht …
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Hamburg - Am Mönckebergbrunnen - Elbphilharmonie Kulturcafé

Hamburg – Am Mönckebergbrunnen – Elbphilharmonie Kulturcafé

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Weihnachtsmarkt am Gerhart-Hauptmann-Platz

Ein kleines Stück weiter am Gerhart-Hauptmann-Platz ist der nächste Weihnachtsmarkt. Kunsthand-
werkliches sowie Hunger und Durst Stillendes hat hier Priorität.

Es gibt „Hamburg-Armbänder“. Die sind aus fein gedrehten Kordeln (einreihig, doppelreihig, erhältlich in verschiedenen Farben) und haben am Ende jeweils einen kleinen Anker. Das Motto lautet: Ich wünsche dir
stets einen Anker, der dich hält.

Eine Steinschleiferei präsentiert u. a. Halbedelsteine. Aufgebrochen, so dass man nicht nur die unscheinbare graue Ummantelung sieht. Es erinnert mich an Amethystdrusen zum Hinstellen, die funkeln und glitzern. Die Stücke hier sind kleiner und präsentieren sich eher wie ein liegender Stein oder eine Schale. Ein kleines Mädchen bestaunte alles und fragte den Standbetreiber:
„Sind die selbst gezüchtet?“
„Nein, selbst aufgelesen“, lautete seine Antwort, und ich habe mich gewundert. Zum einen über so eine spezielle Frage eines höchstens sieben Jahre alten Kindes und ebenso über die Antwort. Die Steine liegen doch nicht so lose herum … Oder gibt es das etwa auch?

Hamburg - Weihnachtsmärkte 2016 - Gerhart-Hauptmann-Platz - Vor Einsetzen der Dunkelheit: Warten auf Kundschaft ... (beleuchtete Holzbuden)

Hamburg – Weihnachtsmärkte 2016 – Gerhart-Hauptmann-Platz – Vor Einsetzen der Dunkelheit: Warten auf Kundschaft …

Was Sie dort außerdem erstehen können, sind Vogelvillen. Extrem bunte Holzhäuser, zudem beschriftet und mit  bewusst schiefen, geschwungenen Formen erstellt. Während der Begriff für die eigenwilligen Kreationen im Deutschen einfach „Vogelvilla“ und im Französischen entsprechend  „Villa des oiseaux“ ist, lautet die englische Bezeichnung „Crazy bird house“. Das trifft es offen gestanden wesentlich besser. Egal, ob gemeint ist, dass das Vogelhaus selbst verrückt ist oder ob es um einen verrückten Vogel ginge. Wahrscheinlich fliegt so einer am ehesten darauf … Neonschockfarben, gewagt kombiniert, dazu lose Sprüche.  Die eine Futtervilla nennt sich „Katzenkino“, die andere „Für deine Meise“ oder  „Schnatterstube“. Meine erste Reaktion ist durchaus amüsiert ausgefallen, doch wenn das bunte Etwas als Dauerbehausung im eigenen Garten hängt … So ein Witz hält nicht ewig vor …
Wem muss es eigentlich hauptsächlich gefallen? Dem Menschen, der es kauft oder dem Vogel, der es nutzt? Der wiederum kann den Spruch nicht lesen. Gut oder schlecht? Unter uns: Wäre ich ein Vogel, ich würde bei den Hausfarben vermutlich schon pikiert den Blick abwenden und im Busch sitzen bleiben.
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Weihnachtsmarkt rund um St. Petri

Schräg gegenüber beim Weihnachtsmarkt an der Petrikirche sind zusätzlich zu den diversen Buden für Kinder in Glasvitrinen Märchenszenen nachgestellt.

Hamburg - Weihnachtsmärkte 2016 - Petrikirche

Hamburg – Weihnachtsmärkte 2016 – Petrikirche

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Hamburg - Weihnachtsmärkte 2016 - Märchenszenen für Kinder an der Petrikirche

Hamburg – Weihnachtsmärkte 2016 – Märchenszenen für Kinder an der Petrikirche

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Hamburg - Weihnachtsmärkte 2016 - Märchenszenen für Kinder an der Petrikirche

Hamburg – Weihnachtsmärkte 2016 – Märchenszenen für Kinder an der Petrikirche

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Wenn Sie auf etwas anderes als Glühwein zum Durchwärmen Appetit haben, gibt es an der Petrikirche einen guten Suppenstand. Den „Suppenheini“. Das Angebot wechselt, doch Kartoffelsuppe, Karotten-Mango-Suppe, Linsensuppe oder aus Käsecremesuppe mit Pfifferlingen sind häufig zu bekommen.
Wer Schaumküsse (politisch inkorrekt: Negerküsse) mag, kann auf diesem Weihnachtsmarkt ebenfalls schamlos zuschlagen. Eine unglaubliche Vielfalt wird angeboten. Verschiedene Schokoladenüberzüge von hell bis dunkel, mit und ohne Flocken oder Streusel  und zahlreiche Geschmacksrichtungen der Füllung wie z. B. Honig-Mandel, Rocher, Glühwein, Kokos Bounty, Whisky, Marzipan, Stracciatella etc.  stehen zur Auswahl.

Historischer Weihnachtsmarkt am Rathaus

Vom Markt an der Petrikirche aus ist die nächste Station der Historische Weihnachtsmarkt am Rathaus. Einer der schönsten aufgrund der Lage (Kulisse), seiner Gestaltung und der Vielfalt des Kunsthandwerks. Leider auch einer der immer übervollen Märkte. Vor Einsetzen der Dunkelheit haben Sie dort die besten Chancen in Ruhe zu schauen oder etwas zu erstehen, ohne ewig anstehen zu müssen. Die thematisch ge-
gliederten Gassen helfen bei der Suche nach bestimmten Ständen und Artikeln.
(In vorangegangenen Beiträgen finden Sie dazu mehr.)
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Hamburg - Weihnachtsmärkte 2016 - Historischer Weihnachtsmarkt am Rathaus - Der Andrang nimmt bei Dunkelheit schnell zu ...

Hamburg – Weihnachtsmärkte 2016 – Historischer Weihnachtsmarkt am Rathaus – Der Andrang nimmt bei Dunkelheit schnell zu …

Bei den Spielzeugen treffen Sie in diesem Jahr auf Geduldsspiele, Holzartikel, Plüschtiere (ich hätte fast ein junges Wildschwein, einen zauberhaften Frischling, erstanden) und auf etwas, was ich noch gar nicht gehört hatte: auf Perlsacktiere. Der Begriff hört sich für meine Ohren im ersten Moment merkwürdig an, doch die Bezeichnung ist durchaus treffend. Es sind Wesen, deren textile Körper offenbar mit einer Art Granulat gefüllt sind. Perlen im Sack eben …
Doch mit den Tieren hat es wesentlich mehr auf sich. Sie werden vom Menschen „adoptiert“ und in der Folgezeit überall hin mitgeschleppt.  Erwachsene nehmen ihre Perlsackwesen mit auf Reisen und posten von unterwegs Fotos in den diversen sozialen Netzwerken. Es ranken sich Geschichten um sie und sie haben Namen wie z. B. Herbert Hasenbommel. Ich hatte ja keine Ahnung, und offen gestanden, so ganz schlau bin ich aus der Entstehung des Kults um die Perlsacktiere und hinsichtlich all der Zusammenhänge immer noch nicht geworden.
Wenn einer von Ihnen Ahnung oder Erfahrung damit hat – bitte immer her mit weiteren Informationen!

Die elektrische Eisenbahn schuffelt auch wieder über die Gleise und dreht über den Köpfen der Besucher ihre Runden …

Hamburg - Weihnachtsmärkte 2016 - Am Rathaus - Die elektrische Eisenbahn über den Köpfen der Besucher ...

Hamburg – Weihnachtsmärkte 2016 – Am Rathaus – Die elektrische Eisenbahn über den Köpfen der Besucher …

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Hamburg - Weihnachtsmärkte 2016 - Rathausmarkt mit elektr. Eisenbahn ....

Hamburg – Weihnachtsmärkte 2016 – Rathausmarkt mit elektr. Eisenbahn …

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Blicken Sie durch das „Tor zur Welt“,  sehen Sie in diesem Jahr dahinter auf dem „Platz der Nationen“ Stände chinesischer Partner. Seit 30 Jahren besteht die Städtepartnerschaft zwischen Shanghai und Hamburg, und so können Sie 2016 auf dem Historischen Weihnachtsmarkt z. B. eine chinesische Massage genießen oder Peking-Ente speisen.
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Hamburg - Weihnachtsmärkte 2016 - Rathausmarkt - Das "Tor zur Welt" mit dem Chinabereich dahinter ....

Hamburg – Weihnachtsmärkte 2016 – Rathausmarkt – Das „Tor zur Welt“ mit dem Chinabereich dahinter ….

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Vom Rathausmarkt aus geht es über die Schleusenbrücke
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amburg - Weihnachtsmärkte 2016 - Dammerung an der Schleusenbrücke - Seifenblasen treiben in der Abendsonne ...

Hamburg – Weihnachtsmärkte 2016 – Dammerung an der Schleusenbrücke – Seifenblasen treiben in der Abendsonne …

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Hamburg - Rathausschleuse - Blick von der Schleusenbrücke Richtung Adolphsbrücke

Hamburg – Rathausschleuse – Blick von der Schleusenbrücke Richtung Adolphsbrücke

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Hinter der Brücke nach rechts, entlang der Alsterarkaden mit Blick auf die Kleine Alster  …
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Hamburg im Advent - An der Kleinen Alster - Gedanken an Vogelgrippe? (Möwen)

Hamburg im Advent – An der Kleinen Alster – Gedanken an Vogelgrippe?

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… direkt zum
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Weihnachtsmarkt am Jungfernstieg (Weißer Zauber)

Der Jungfernstieg sorgt wieder umfassend für unterschiedlichstes kulinarisches Angebot (auch heiße Maronen!), hält Accessoires (feine Schals, Hüte, Tücher, textile Gamaschen) bereit und zeigt reichlich Kunsthandwerk (Lichterketten aus Pflanzen, Gefilztes, Dekorationsgegenstände, Lederwaren etc.).
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Hamburg - Weihnachtsmärkte 2016 - Weißer Zauber am Jungfernstieg - Sterne und andere Lichter ...

Hamburg – Weihnachtsmärkte 2016 – Weißer Zauber am Jungfernstieg – Sterne und andere Lichter …

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Für Kinder finden sich freundlich aussehende, kuschlige Wärmtiere, die allerdings nicht mehr wie die Wärmflaschen früher mit Wasser befüllt werden, sondern in Backofen oder Mikrowelle vorzuwärmen sind.

Was sich am Mittwoch am Anleger Jungfernstieg noch getan hat, sehen Sie hier. Die große Weihnachts-
tanne
, die alljährlich in der Vorweihnachtszeit mitten auf der Binnenalster erstrahlt, traf in der Nacht zuvor in Hamburg ein, wurde bereits auf dem Ponton montiert und zu dem Zeitpunkt am Mittwochnachmittag gerade geschmückt.

Hamburg - Anleger Jungfernstieg - 23.11.2016 - Die Alstertanne 2016 wird geschmückt ...

Hamburg – Anleger Jungfernstieg – 23.11.2016 – Die Alstertanne 2016 wird geschmückt …

Es gehörte ein bisschen Glück und Improvisation dazu, ehe es dazu kam, denn kurzzeitig standen wir komplett ohne Tanne da. Die Alstertanne wird jedes Jahr gespendet. Meist von Privatbürgern, die einen zu groß gewordenen Nadelbaum im eigenen Garten stehen haben und sich mehr oder weniger schweren Herzens davon trennen möchten. Sie stiften den Baum, die Stadt organisiert das Fällen und den Abtransport. Die Genehmigung zum Fällen muss der Eigentümer natürlich vorher einholen. An der fehlenden Erteilung dieser Fällerlaubnis scheiterte in diesem Jahr die erwartete Spende aus Harburg. Die alle überraschende Absage traf erst vor drei Tagen ein. Es wurde fieberhaft herumgefragt und nach Ersatz gesucht. Mit Erfolg. Nun kommt die diesjährige Tanne aus Schleswig-Holstein, genauer gesagt aus Alt-Erfrade im Kreis Segeberg. Inzwischen ist sie präpariert, der Ponton wurde auf den See hinausgezogen, verankert, und seit Donnerstag strahlen ihre 1000 Lichter weithin sichtbar. Wenn die Weihnachtszeit vorbei ist, wird aus ihrem Holz etwas Nützliches geschreinert. Gut möglich, dass das Ergebnis am Ende die Kinder einer KITA erfreut.

Vom Jungfernstieg aus geht es weiter Richtung Gänsemarkt.
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Weihnachtsmarkt am Gänsemarkt
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Hamburg - Weihnachtsmärkte 2016 - Gänsemarkt - Teils noch Schotterfläche ....

Hamburg – Weihnachtsmärkte 2016 – Gänsemarkt – Teils noch Schotterfläche ….

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Dieser Markt ist relativ klein, dennoch als Treff recht beliebt. Ob er dieses Jahr überhaupt an diesem Ort stattfinden kann, geriet gerade in den letzten Wochen noch einmal in die Diskussion.
Der Gänsemarkt wird bereits seit über fünf Monaten umgestaltet, und die Arbeiten, die bis Weihnachten bzw. zum Jahresende abgeschlossen sein sollten, konnten nicht rechtzeitig beendet werden. Es tauchten plötzlich unerwartete Schwierigkeiten auf. Zum einen kamen unter dem bis dato verlegten Pflaster an einigen Stellen ungeahnt dicke Betonschichten hervor, die mühevoll und zeitaufwändig abgetragen werden mussten, bevor überhaupt umgestaltet und neu verlegt werden konnte. Zum anderen entstand ein Hin und Her bei der Auswahl der Steine. Man benötigte Pflaster in Dunkelgelb und in Hellgelb, nur die hellgelbe Sorte traf nicht ein. Alternativ sollte hellgraues Material aus Portugal angeliefert werden, doch diese Farbkombination ist optisch weitaus weniger ansprechend.
Nun verzögert sich alles bis Mitte Februar. Für den Weihnachtsmarkt bedeutet es, dass er teilweise auf neuer Pflasterung und teilweise auf Schotter oder Holzschnitzeln stattfindet. An den zu erkennenden unfertigen Stellen sind Sitzbänke geplant, dort fehlen die Baumanpflanzungen und erst im Zuge dieser Arbeiten wird die restliche Pflasterung fertiggestellt.
Immerhin ist das Lessing-Denkmal, das während der Umbauzeit entfernt wurde, schon wieder an seinen Platz zurückgekehrt.
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Hamburg - Weihnachtsmärkte 2016 - Gänsemarkt - Die Pflasterung ist noch nicht komplett, aber Lessing ist zurück ...

Hamburg – Weihnachtsmärkte 2016 – Gänsemarkt – Die Pflasterung ist noch nicht komplett, aber Lessing ist zurück …

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Vom Gänsemarkt können Sie durch Gerhof- und Poststraße, vorbei an der Einkaufspassage „Hanseviertel“
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Hamburg City - Das Hanseviertel in der Adventszeit

Hamburg City – Das Hanseviertel in der Adventszeit

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… zurück zum Rathausmarkt spazieren, den Weihnachtsmarkt noch einmal bei Dunkelheit überqueren …
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Hamburg - Weihnachtsmärkte 2016 - Rathausmarkt - Und jeder macht ein Foto vom Eingangsportal ...

Hamburg – Weihnachtsmärkte 2016 – Rathausmarkt – Und jeder macht ein Foto vom Eingangsportal …

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… und über die Mönckebergstraße hinauf zum Hauptbahnhof  gelangen.
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Hamburg - Weihnachtsmärkte 2016 - Gerhart-Hauptmann-Platz - Auch der Mann mit dem Klavier ist wieder mit von der Partie ....

Hamburg – Weihnachtsmärkte 2016 – Gerhart-Hauptmann-Platz – Auch der Mann mit dem Klavier ist wieder mit von der Partie …

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Die mit Lichterketten durchzogenen kahlen Laubbäume der Mönckebergstraße sehen hauptsächlich in der Dunkelheit attraktiv aus. Bei Tageslicht präsentiert sich eher ein heilloses Kettenwirrwarr.
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Hamburg City - Barkhof an der Mönckebergstraße im Advent - dahinter der Beginn der Spitaler Straße (mit Krippe)

Hamburg City – Barkhof an der Mönckebergstraße im Advent – dahinter der Beginn der Spitaler Straße (mit Krippe)

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Auf dem Weg Richtung Bahnhof stoppen Sie noch einmal kurz am Levantehaus mit seiner Einkaufspassage, die in der Weihnachtszeit immer besonders schön geschmückt ist. Mit Girlanden, einem großen Tannenbaum und Sternen am Glashimmel.
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Hamburg - City im Advent - Mönckebergstraße - Eingang zur Passage im Levantehaus ...

Hamburg – City im Advent – Mönckebergstraße – Eingang zur Passage im Levantehaus …

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Hamburg - City im Advent - Mönckebergstraße - Weihnachtlich geschmücktes Levantehaus

Hamburg – City im Advent – Mönckebergstraße – Weihnachtlich geschmücktes Levantehaus

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Hamburg - City im Advent - Mönckebergstraße - Levantehaus mit Sternenhimmel

Hamburg – City im Advent – Mönckebergstraße – Levantehaus mit Sternenhimmel

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Im Levantehaus (mit Eingang ebenfalls zur Mönckebergstraße hin) hat im November vergangenen Jahres das Roncalli Grand Café eröffnet. Auf zwei Ebenen. Ganz in Rot. Es wirkt sehr ansprechend, man bietet leckere hauseigene Torten an … Nur wenn Sie dort nicht einen Platz vorbestellt haben, ist die Lage schwierig bis aussichtslos. Ich habe es jedenfalls bisher noch nicht geschafft, spontan auf einen Kaffee einzukehren. Es ist sind immer alle Plätze besetzt.

Für Liebhaber weihnachtlicher Dekoration, Geschenkartikelsucher oder Tee- und Kakaofans, lohnt sich ein Blick hinein in die „Compagnie Coloniale“
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Hamburgs City im Advent - Compagnie Coloniale in der Mönckebergstraße - Ein Blick durch die geöffnete Tür ...

Hamburgs City im Advent – Compagnie Coloniale in der Mönckebergstraße – Ein Blick durch die geöffnete Tür …

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Apropos Tee. Mir wäre jetzt nach einer Teepause. Es sind immerhin schon über 12.000 Schritte zusammen-
gekommen, während Sie sich hier mit mir Hamburg angesehen haben. Lassen Sie uns Feierabend machen.
Feierabend mit einem Blick auf Peek & Cloppenburg in Hauptbahnhofnähe. Auch hier leuchtet es mächtig aus dekorierten Fenstern …
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Hamburg im Advent - Peek & Cloppenburg - Mönckebergstraße

Hamburg im Advent – Peek & Cloppenburg – Mönckebergstraße

 

Hamburg - City im Advent - An Peek & Cloppenburg scheint gerade ein Eilzug vorbeizurasen ....

Hamburg – City im Advent – An Peek & Cloppenburg scheint gerade ein Eilzug vorbeizurasen …

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Bevor ich Richtung U-Bahn verschwinde, weise ich noch schnell auf meinen (Heimat-)Weihnachtsmarkt in Wandsbek hin. Den Winterzauber im Winterdorf mit Feuerwerk am Abend des Nikolaustages, Kinderkarussell und einer künstlichen Schlittschuhbahn
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Hamburg - Weihnachtsmärkte 2016 - Winterzauber im Wandsbeker Winterdorf ...

Hamburg – Weihnachtsmärkte 2016 – Winterzauber im Wandsbeker Winterdorf …

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Hamburg - Weihnachtsmärkte 2016 - Winterzauber in Wandsbek - Künstliche Eisbahn ...

Hamburg – Weihnachtsmärkte 2016 – Winterzauber in Wandsbek – Künstliche Eisbahn …

 

Wenn Sie noch mehr Weihnachtsmärkte suchen, finden Sie in der City zusätzlich den Markt auf der Fleetinsel beim Steigenberger Hotel, weiterhin den Weihnachtsmarkt in der HafenCity am Überseeboulevard,, ebenfalls mit Eislaufbahn und den Santa Pauli auf St. Pauli. Er hält eine unkonventionelle Mischung aus klassischem Weihnachtsmarkt und Erotik parat.

Sollte Ihnen Hamburg im Advent jetzt zusagen, kommen Sie doch selbst einmal zum Weihnachtsmarktbummel in die City. Abends, wenn die Lichter strahlen oder am Nachmittag, wenn jeweils an den vier Sonnabenden vor Heiligabend die Weihnachtsparaden durch die gesamte Mönckebergstraße stattfinden!

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Ich wünsche Ihnen einen schönen ersten Advent und eine stimmungsvolle und entspannte Vorweihnachtszeit!

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© by Michèle Legrand, November 2016
Michèle Legrand

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55 Kommentare

Verblüffend! So entsteht Hamburgs Laubfärbung – Wahr oder unwahr?

Es gibt neue Erkenntnisse darüber, was grüne Blätter wirklich in dieses prächtig bunte Herbstlaub verwandelt. Wir gehen heute einer erstaunlichen These am konkreten Beispiel Herbst in Planten un Blomen nach.
Es gibt inzwischen Zeugenberichte und aufschlussreiche Fotos, die uns nicht länger zweifelnd mit bis dahin bloßen Annahmen stehen lassen, sondern endlich Fakten schaffen.
Nur … Stimmt das Folgende, oder werden Sie furchtbar hinters Licht geführt?
Urteilen Sie selbst.

Blenden Sie einen Moment die letzten beiden Tage mit all den eintrudelnden Schneefotos aus. Davor wurden Sie bestimmt zwei Wochen oder länger von sämtlichen Medien und speziell durch das Internet großzügig mit Fotos zur aktuellen Laubfärbung versorgt und fragten sich vielleicht angesichts der fantastischen Farben-
pracht, wie es angehen kann, dass mancherorts das Herbstlaub der Bäume so unverschämt gelb leuchtet
oder einige Baumarten fulminant zu Fackeln mutieren.
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Hamburg - Planten un Blomen im Herbst - Laubfärbung (gelb)

Hamburg – Planten un Blomen im Herbst

Beim Anblick dermaßen intensiver Farben kommt automatisch der Gedanke, ob das alles natürlich und echt
ist. Wenn der Fotograf jedoch schwört, er hätte nichts bearbeitet oder wenn Sie die Pracht sogar mit eigenen Augen gesehen haben, stellt sich doch unweigerlich die Frage: Natur pur?

Kommen Sie, glauben Sie wirklich, das alles funktioniert allein deshalb, weil der Tag kürzer wird, die Tempera-
turen sinken und Proteine abgebaut werden? Sind Sie tatsächlich überzeugt, dass der bloße Chorophyllumbau und  -abbau ausreicht? Sicher, es wird dadurch der Blick auf die gelblich-roten Carotinoide frei. Und klar, für das Rot hält sich der Farbstoff Anthocyan parat. Das ist das ganze Geheimnis? So etwas sorgt in Deutschland für einen vielerorts derart grandiosen Indian Summer?
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Hamburg - Planten und Blomen im Herbst - Rote Laubfärbung

Hamburg – Planten un Blomen im Herbst

Die Antwort lautet nein. Was kaum einem zu Ohren kommt und woran folglich niemand einen Gedanken verschwendet, ist die Tatsache, dass in allen Bundesländern unerkannt Laubdesigner am Werke sind.
Hier in Hamburg ist es die Aufgabe von Außerirdischen und ganz speziell in Planten un Blomen sind es
32 Beauftragte vom Asteroiden B611, die für die Laubfärbung sorgen. Publik wurde dies in Hamburg rein
zufällig im Herbst dieses Jahres.
Zuvor hatten es die eine maximale Körperhöhe von 96 cm erreichenden, drahtig-schlanken Wesen mit der auberginefarbenen Haut, dem zitronengelben Kopf und den recht großen Händen immer unbemerkt in die Hansestadt geschafft und konnten sogar ihr bemanntes Flugobjekt nachts ungesichtet in Planten un Blomen landen.

In diesem Jahr vernahm man auf B611 jedoch frühzeitig die Botschaft, dass aufgrund eines bevorstehenden Gipfeltreffens von Politikern in den angrenzenden Messehallen ein Teil der Parkanlage zur Sicherheitszone ernannt werden würde. Streng kontrolliert und mit eingeschränktem Zugang. Ungünstigerweise gerade der, in dem sich der übliche Landeplatz für das Raumschiff befindet. Sie verlegten ihr Kommen daraufhin verschreckt terminlich vor und riskierten wegen der Uneinschätzbarkeit der Lage vor Ort und zwecks besserer Sicht sogar eine Taglandung.
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Hamburg - Planten un Blomen im Herbst. Im Hintergrund der Fernsehtum, Unterteil unsichtbar.

Hamburg – Planten un Blomen – Ufo im Anflug …

 

Normalerweise ist der Bereich, den Sie auf dem nächsten Foto sehen, der Ufo-Ankunftsplatz. Die außer-
irdischen Besucher peilen beim Anflug zunächst den weithin gut sichtbaren Fernsehturm an, um anschließend Richtung Parksee beizudrehen. Sie lassen einen Großteil des Seewassers ab und nutzen gern die dort neben den Wasserdüsen vorhandenen zahllosen Lichtstrahler zur Ausleuchtung des Flugfelds.
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Hamburg - Herbst in Planten un Blomen - Das Wasser des Sees ist teilweise abgelassen, Düsen und Strahler der Wasserspiele zu sehen

Hamburg – Herbst in Planten un Blomen – Der Ufo-Landeplatz

Mit der Furcht vor Beeinträchtigungen ihres Flugverkehrs zur Laubeinsatzzeit auf dem gewohnten Terrain, fiel der Entschluss zu handeln. Anders als sonst wurde diesmal ein Trupp vorweg geschickt, dessen Aufgabe darin bestand, außerhalb der Sicherheitszone am Tropenschauhaus eine Alternativfläche für Start- und Landezwecke zu roden.
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Hamburg - Planten un Blomen im Herbst - Umgestaltungen kündigen sich am Tropenschauhaus an - Rodung

Hamburg – Planten un Blomen im Herbst – Anlegen des neuen Landeplatzes …

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Die Wesen vom fernen Asteroiden besitzen bei Aufenthalt in der Erdatmosphäre zeitlich begrenzt (max. neun Stunden hintereinander) die Fähigkeit, sich auf ein Hundertstel ihrer eigentlichen Größe zu schrumpfen.
Die für die Vorbereitung der neuen Landefläche auserkorene Vierergruppe wurde am 21. Oktober mit dem Raumschiff am noch zugänglichen herkömmlichen Platz abgesetzt. Die Tage verlebten die Gesandten unbeachtet auf dem Gelände von Planten un Blomen – als Miniaturen in einem eigens dafür mitgebrachten Haus. Dessen Bauweise orientierte sich bewusst am menschlichen Vorbild. Am Abend jedoch, mit Wieder-
erlangung ihrer Originalgröße, arbeiteten sie nach Schließung des Parks in der Dunkelheit intensiv an der Fertigstellung der Ersatzfläche …
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Hamburg - Planten und Blomen - Ein kleines Modellhäuschen auf einem Felsen deponiert

Hamburg – Planten un Blomen – Haus für die geschrumpften Bewohner von Asteroid B611 in exponierter Lage …

Großflächige Erdarbeiten strengen an und machen durstig. Abhilfe schaffte in diesem Fall das Leertrinken der in Planten un Blomen angelegten Bäche bzw. das Abschlürfen allen restlichen Wassers von den vorhandenen Steintreppen …
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Hamburg - Planten un Blomen im Herbst - Ende Oktober fließt kein Wasser mehr die Treppe hinab

Hamburg – Planten un Blomen im Herbst – Die Treppe ist leergetrunken …

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Lediglich das Wasser des Wallgrabens haben sie nicht angerührt, weil die resoluten Möwen dort lautstark ihr Terrain verteidigen. Was den Größenunterschied angeht zwischen einem Außerirdischen von B611 und einer ortsansässigen Möwe, so müssen Sie sich den in etwa so vorstellen, als käme Ihnen eine Deutsche Dogge entgegen. Obendrein knurrend.
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Hamburg - Planten un Blomen im Herbst - Der Wallgraben mit Johan-van-Valckenburgh-Brücke

Hamburg – Planten un Blomen im Herbst – Der Wallgraben wurde verteidigt …

 

Die mitgebrachte pulverisierte Trockennahrung in Kapseln ist relativ vitaminarm und eintönig. Für das bloße Laubfärben reicht diese Art der Verpflegung aus, der erhöhte Kraftaufwand in diesem Jahr erforderte hingegen die zusätzliche Aufnahme von Hagebutten
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Hamburg - Planten und Blomen im Herbst - Hagebutten an den Mittelmeerterrassen

Hamburg – Planten un Blomen im Herbst – Vitaminreiche Hagebutten …

Früchten
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Hamburg - Planten un Blomen im Herbst - Über und über mit gelben Früchten behangener Baum

Hamburg – Planten un Blomen im Herbst – … Früchte!

 

… sowie den Verzehr von zarten Asternblütenblättern
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Hamburg - Planten un Blomen im Herbst - u. a. lila Astern

Hamburg – Planten un Blomen im Herbst

 

… und Blüten des Oktobersteinbrechs
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Hamburg - Planten un Blomen im Herbst - Schöner Anblick spät im Jahr_Der weiße Oktobersteinbrech

Hamburg – Planten un Blomen im Herbst – Oktobersteinbrech

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Der AUA (Alternative Ufo-Ankunftsbereich) wurde Ende Oktober fertig, woraufhin das komplette 32-köpfige Team der Laubfärber folgte und sich in der Parkanlage verteilte. Grundsätzlich wird mit den gelb zu färbenden Bäumen begonnen. Die zitronengelben Köpfe der Fremden sind in der Lage, einen farblich entsprechenden, intensiven Farbstoff abzugeben. Anstelle von Haaren sprießen auf den Häuptern der Asteroid-Bewohner stecknadelgroße, extrem feine Düsen, mit deren Hilfe sich der Farbstoff fein versprühen lässt.
Sie werden sagen: Ja, aber, die sind doch alle recht klein, wie kommen die denn so bis in die Baumkrone?
Um die Arbeit zu erleichtern, aber auch um den größtmöglichen Effekt zu erzielen, wird das Ufo nachts direkt über den betreffenden Baum dirigiert, die große, kreisrunde Bodenplatte öffnet sich hydraulisch, und die Außerirdischen hängen sich kopfüber aus der Luke heraus …
(Hiervon existiert leider kein Foto, es war zu dunkel.)
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Hamburg - Planten un Blomen im Herbst - Gelbe Laubfärbung direkt am Wallgraben

Hamburg – Planten un Blomen im Herbst – Gelb versprüht …

 

Hamburg - Planten un Blomen im Herbst - Gelbe Laubfärbung täuscht Sonnenschein vor

Hamburg – Planten un Blomen im Herbst – Nach Gelbeinsatz …

 

Das Vorgehen beim Rotfärben von Gehölzen unterscheidet sich ein wenig. Das notwendige Mittel wird produziert, indem sich die Wesen extrem anspannen, hoch konzentrieren und dabei den in der auberginefarbenen Haut befindlichen, sich kontinuierlich nachbildenden Farbstoff, in Richtung ihrer schaufelartigen, großformatigen Hände dirigieren. (Wer genau hinsieht, erkennt zudem zwischen den
Fingern feine Schwimmhäute.)
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Hamburg - Herbst in Planten un Blomen - Ausgetrocknetes Bachbett und wunderbar rotes Laub der Ahorngehölze

Hamburg – Herbst in Planten un Blomen – Rotfärbung wurde vorgenommen, das Bachbett auch hier leergetrunken

 

Dieser Prozess des Farbabzugs aus Hautpartien aller Körperteile hin zu den Händen, hat eine leichte chemische Reaktion zur Folge. So schwächt sich der Blauanteil in der Farbe ab, und das vormals dunkle Lila wandelt sich nach und nach zu einem warmen Burgunderton.
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Hamburg - Planten un Blomen im Herbst - Rotfärbung des Laubs bei den Gehölzen am See

Hamburg – Planten un Blomen im Herbst – Einsatz bei den Gehölzen am See ….

 

Sobald sich genügend Farbpartikel auf den Handflächen gesammelt haben, wird dicht neben einem Busch in die Hände geklatscht, alternativ die Farbe weit nach oben bzw. in die Strauchmitte oder in Gehölzgruppen geschleudert. Um einen Orangeton zu erzielen, werden das Zitronengelb und der Burgunderton kurzerhand gemischt.
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Hamburg - Planten un Blomen im Herbst - rote Laubverfärbung

Hamburg – Planten un Blomen im Herbst – Bis zu dieser Strauchhöhe reicht das in die Hände klatschen und Wegschleudern aus ….

 

 

Hamburg - Herbst in Planten un Blomen - Orange- und Brauntöne ...

Hamburg – Herbst in Planten un Blomen – Orange- und Brauntöne …

 

So läuft es laut den jetzt vorliegenden Aussagen der Außerirdischen bereits seit 319 Jahren. Nie hat ein Mensch etwas bemerkt. Wäre nicht diese unerfreuliche Sicherheitszone angekündigt worden, hätte obendrein der Bau des neuen Landeplatzes nicht die Aufmerksamkeit eines Gärtners erregt, und hätten nicht drei Jogger bei ihrer Runde das Ufo im Anflug gesehen, es wäre wohl weitere 319 Jahre ein Geheimnis geblieben.

Wie weiter zu vernehmen war, entschieden die ertappten Besucher aus dem All nach kurzem Zögern, dass
sie trotz des nicht beabsichtigten Bekanntwerdens ihrer Existenz und ihres Wirkens weiterhin ihre Arbeit im herbstlichen Planten un Blomen verrichten werden. Bei dieser Entscheidung dürfte auch das freundliche Verhalten eines Mitarbeiters des Gewächshauses eine Rolle gespielt haben, der beim Wintereinbruch vor
zwei Tagen kurzerhand beschloss, die durchgefrorenen Gäste zum Aufwärmen in die Tropenabteilung des Hauses einzuladen.

Ungeachtet dessen bittet die Laubdelegation des Asteroiden B611 allerdings darum, dass politische Treffen zukünftig nicht zu Sperrungen ihres gewohnten Landeplatzes führen oder den Aktionsradius einschränken. Sonst könnten sie für nichts garantieren.
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Hamburg - Herbst in Planten un Blomen - Der Ginkgo wird strahlendgelb ...

Hamburg – Herbst in Planten un Blomen – Der Ginkgo wurde gelb ….

 

Hamburg - Planten un Blomen im Herbst - Ein lauschiges Plätzchen neben rotem Laub ... (Holzbank beim Ahorn)

Hamburg – Planten un Blomen im Herbst – Ein lauschiges Plätzchen neben rotem Laub …

 

Nun sind Sie an der Reihe. Hand auf Herz: Funktioniert so die Laubfärbung? Die Beweise wirken doch recht eindeutig: Aufnahmen des Ufos, des Tagesrückzugshauses, dazu der Landeplatz, die Neufläche …
Sie wissen außerdem selbst, dass gerade am Morgen die Feststellung gemacht wird: Mensch, was haben die Blätter über Nacht für eine Farbe bekommen! Über Nacht, wohlgemerkt!
Sagt das nicht alles?

Also: Wahr oder unwahr?

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© by Michèle Legrand, November 2016
Michèle Legrand - freie Autorin - ©Fotograf Andreas Grav

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45 Kommentare

James Rhodes in Hamburg!

Über den Pianisten James Rhodes und seinen Konzertabend auf Kampnagel am 25. Oktober 2016

 

James Rhodes in Hamburg

James Rhodes ist auf Konzerttour in Deutschland, Österreich und der Schweiz! Die Anhänger des Pianisten mussten einige Jahre warten, bevor endlich auch deutsche Städte auf dem Tourplan des Briten standen.
Am 25. Oktober 2016 lud er in Hamburg auf Kampnagel (K2) zu einem musikalischen Abend ein.

Reine Konzertkritik?

Anstelle einer reinen Konzertkritik in Kurzform, lade ich Sie heute zu einer sehr persönlichen Betrachtung ein, die Ihnen den Menschen James Rhodes zunächst näher bringt. Seine Art der Präsentation, seine Ausdrucks-
form als Künstler, beides wird ganz entscheidend von seinen persönlichen Erfahrungen, seinem Werdegang, seinem ganzen bisherigen Leben beeinflusst.
Würde ich Ihnen lediglich knapp berichten, welche Klavierstücke auf dem Kampnagel-Programm standen, welche Stimmung vorherrschte oder ob und wie meisterlich er spielte  – Sie würden nicht annähernd nach-
vollziehen können, was an Rhodes selbst und an seinem Klavierspiel so packend, so ergreifend ist.
Was einen Konzertabend mit dem Briten so besonders macht!

Warum darüber hinaus mich das Hamburg-Ereignis zusätzlich mit großer Vorfreude erfüllte und weshalb ich
dem Abend mit Spannung entgegensah, werde ich Ihnen dabei gern mit verraten. Sie vermuten schon ganz richtig, es existiert eine Vorgeschichte, und die begann für mich bereits vor sieben Jahren.

Eines gleich vorweg! Falls Sie jemals die Gelegenheit haben, ihn spielen zu hören oder ihn bei einem Auftritt
zu erleben, nutzen Sie die Chance!

Eine Annäherung

Sollten Sie sich – ganz spontan – ein Klavierkonzert und den dazugehörigen Pianisten vorstellen, hätten Sie vermutlich das Bild eines in Anzug oder sogar Frack gekleideten Herrn vor sich. Akkurater Haarschnitt, Fliege, glänzende Lederschuhe. Einen eher wortlosen Typ Künstler, denn ein Pianist kommuniziert im Allgemeinen
nicht mit dem Publikum.
Bei den Damen sähe dieses Bild nicht anders aus. Lange Abendrobe, die Haare luftig-frisch gestylt, ein ein-
nehmendes, das zwischen den vorgetragenen Werken ans Publikum verschenkt wird. Einnehmend, aber still.

Sicher gibt es einzelne Künstler, die in heutiger Zeit andere Wege einschlagen. Extrovertierte mit einem kleinen Faible für Schauspiel, Show und Entertainment und der Neigung zu einer gewissen Selbstdarstellung. Die Motivation entspringt dem Wunsch nach zusätzlicher Aufmerksamkeit, ein Vortrag erfolgt nicht allein um der Musik oder der Darbietung willen, sondern zur Pflege des Kults um die eigene Person. Hart gesagt, oder?
Es wäre vermessen, grundsätzlich zu unterstellen, dass Künstler dieser Art während des Spielens bewusst Selbstinszenierung betreiben, denn wer ist schon in der Lage inmitten einer hochkonzentrierten Darbietung eines schwierigen Werkes penibel darauf achten, eine bestimmte Pose zu halten, fotogen zu wirken oder Effekthascherei zu betreiben.
Dennoch, vielleicht fallen auch Ihnen auf Anhieb Namen von Künstlern ein, bei denen der schmerzverzerrte Blick, die sekundenlang elegant in der Luft verharrende Hand oder das Zurückwerfen der Haarpracht zumindest auf den Zuhörer und Zuschauer exakt so wirken: künstlich und inszeniert.

Einerlei, ob es sich um den konservativen, zurückhaltenden oder den modernen, mehr aus sich heraus-
kommenden und sich selbst in Rampenlicht stellenden Typ  handelt – solange der Pianist ein musikalisches Genie, ein Virtuose am Flügel und ein Interpretationskünstler ist, einer, der den Werken Leben einhaucht, so lange wird es ein wunderbares Hörerlebnis sein!
(Wenn es Ihnen so wie mir ergeht, dass Ihnen das Zuhören und Zuschauen bei bestimmten Menschen schier unmöglich ist, dann schließen Sie wie ich einfach die Augen.)

Eine andere Erscheinung …

Sie fragen sich, wozu ich dies alles erwähne?
Weil es anders läuft, sobald Sie der Einladung James Rhodes’ folgen. Der Brite, Jahrgang 1975, mag weder
die ihm widerstrebende Selbstverkostümierung, noch die Unnahbarkeit und das absolute Stillschweigen des vortragenden Pianisten.
Je nach vorherrschender Temperatur bzw. Jahreszeit erscheint er zum Konzert in T- oder Sweatshirt (gern mit BACH-Aufschrift) sowie Turn- oder Freizeitschuhen. Sein Friseur sieht ihn schon von Zeit zu Zeit, den Wuschelkopf komplett zu bändigen, ist aber nicht sein Hauptziel. Ein Drei-meist-aber-mehr-Tage-Bart gehört zu Rhodes ebenso dazu wie das Rachmaninow-Tattoo am Unterarm und seine große, dunkel gerahmte Brille. Eine Nerdbrille könnte man es nennen, so ein kantiges Kassengestell früherer Zeiten, eine Form, die schwer angesagt ist. Was jedoch reiner Zufall ist, denn er legt weder Wert auf angesagte Accessoires noch auf sonstige typische Attribute eines Konzertpianisten.
Gewohnte Äußerlichkeiten? Die Einhaltung des üblichen Ablaufs? Ein Auftritt ausschließlich an einem altehrwürdigen, Klassikkonzerten vorbehaltenen Veranstaltungsort?
Nein, meint Rhodes. Wozu auch. Kleider machen auch heute vielleicht noch Leute, sie erhöhen aber nicht die Virtuosität.
Um zu verstehen, dass hier nicht jemand einfach nur plietsch eine neue Schiene fährt, um so die meiste Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen und um zu begreifen, dass er der Musik trotz weniger förmlichen Auftritts und trotz Brechen bestehender (ungeschriebener) Regeln mit dem höchsten Respekt und sehr viel Liebe begegnet, müssen Sie ihn und seinen Werdegang kennenlernen. Ein Werdegang, der so anders ist als der weitaus meisten seiner Klassik-Kollegen. Sein Weg als Pianist war überhaupt nicht vorgezeichnet!

Die Geschichte des James Rhodes …

Rhodes stammt nicht wie viele andere aus einer Familie, in der schon seit Generationen musiziert wurde. Er hat nicht bereits im Kindesalter Klavierunterricht genossen, hat keine ersten Erfolge bei Jugendwettbewerben eingeheimst oder Bekanntheit durch sie erlangt.
Vor allem aber hat er eines nicht: Er hat keine ungetrübte Kindheit genossen. Und das ist die Untertreibung schlechthin! Was er durchgemacht hat, muss die Hölle gewesen sein und wird ihn ohne Zweifel bis an sein Lebensende nicht loslassen.
Der Brite wurde das Opfer von schlimmstem Kindesmissbrauch, einem Missbrauch der über Jahre anhielt, und wer seine Autobiographie liest, der erfährt sehr viel über das Danach. Die Operationen, die nötig sind. Das anfängliche Verdrängen, das wieder Hochkommen aller Pein, gerade als er selbst Vater eines kleinen Jungen wird. Erst im Alter von 30 Jahres redet er das erste Mal über den Kindesmissbrauch!
Sein Buch, 2015 unter dem Titel Instrumental in England erschienen und seit Februar 2016 in der deutschen Fassung unter dem Titel „Der Klang der Wut“ erhältlich, beschreibt auch diese Zeit, offenbart genau jene unbändige Wut, die in dem jungen James Rhodes steckt.
Er nutzt harte, deftige, drastische Worte, zu drastische ist häufig der Eindruck, doch für die Schilderung solch traumatischer Erlebnisse und für ein Aufrütteln gelten definitiv andere Regeln als für eine der üblichen Autographien. Schonungslos offen und dennoch lässt er einiges aus. Es reicht auch so, dem Außenstehenden das Ausmaß des Martyriums zu vermitteln. Es lässt förmlich erstarren.

Die Auswirkungen bei ihm sind Scham, Selbsthass, Selbstverstümmelung, Depressionen, Drogen, Selbstmord-
gedanken, Selbstmordversuche. Er wird mehrmals in die Psychiatrie gebracht. Nicht die Tatsache, dass er dort ist, dass er Medikamente oder Therapie erhält, rettet ihn, sondern etwas anderes führt ihn aus der tiefsten Krise heraus: die klassische Musik.
Zugang zu einem Klavier hatte er schon früher in der Schulzeit, das Spielen und der Klang waren ihm als wohltuend bekannt. Doch Unterricht? Er bringt sich das Spielen selbst bei. Sein Talent wird ersichtlich. Seine Eltern erlauben allerdings nach der Schule kein Musikstudium, woraufhin er die nächsten zehn Jahre keine Taste mehr anrührt. Daher wird ihm erst zu einem relativ späten Zeitpunkt bewusst, dass es die Musik ist, die seinen Schutzraum darstellt und dass das Hören bestimmter Werke etwas Positives in ihm in Gang setzt.
Licht in Dunkelheit hineinlässt. Ihm wird irgendwann klar, dass die klassische Musik, dass das Spielen dieser Werke für ihn die Rettung bedeutet.
Er, der kurz vorher noch zu den harten Worten, der drastischen, gelegentlich bis hin zur provokanten Ausdrucksweise greift, schreibt in „Klang der Wut“ über das Gefühl, dass ihn beim Anhören des Adagios von Bach-Marcello aus dem Oboenkonzert in D-Moll, BWV 974 überkommt (und über Bach generell) in einer gänzlich anderen Art und Weise:

Es versetzte mich an einen Ort solcher Herrlichkeit, solcher Ergebung, Hoffnung, Schönheit, unendlichen Weite, dass es so war, als berührte man das Angesicht Gottes.“
An anderer Stelle:
Wenn etwas so Starkes, so Schönes existieren kann, dann kann ja nicht alles schlecht sein. Da sagte ich mir: Okay, ich mach‘ noch ein bisschen weiter.“
Und weiter:
“Und jetzt war ich fest entschlossen. Ich wusste, dass dieser Ort nicht der richtige Ort für mich war. Hier konnte ich nicht gesund werden. Nicht mit so vielen Pillen, so viel Irrsinn, so viel Trash-TV und Langeweile. Ich musste auf die korrekte Weise raus, ein für alle Mal.“

James Rhodes hat in der folgenden Zeit Unterricht bei einem Lehrer in Verona, er übt Stunden um Stunden.
Tag für Tag. Monat um Monat.
Zwei, drei Jahre vergehen, und im November 2008 gibt er sein erstes öffentliches Konzert in der Steinway Hall
in London. Es folgen weitere Auftritte, im Mai 2009 findet im The Roundhouse in Camden sein Solokonzert statt.

Dies ist der Zeitpunkt, an dem ich das erste Mal von James Rhodes höre. Hier in Deutschland ist er ein absolut Unbekannter, doch Stephen Fry, der britische Autor, Schauspieler und Moderator erwähnt einen außer-
gewöhnlichen Pianisten und leitet den Link zu einem kurzen Video weiter.
Ich habe seit Teenagerzeiten der Klaviermusik unterschiedlichster Interpreten gelauscht, verschiedene Fassungen ein und desselben Werks kennengelernt, bemerke die Unterschiede und empfinde naturgemäß die Darbietung einzelner Tastenkünstler als unterschiedlich „attraktiv“, doch als ich Rhodes das erste Mal zuhöre, packt es mich. Zu dieser Zeit weiß ich nichts über das bisherige Leben des Mannes aus England. Ich stelle nur fest, wenn er spielt, ist etwas anders. Seine Musik wird auf eine andere Art und intensiver weitergeleitet, Klänge, aber auch Gefühle scheinen unmittelbar in einen überzugehen. Wenn ich es beschreiben sollte, dann so: Er ist der Vermittler eines Werks, der virtuose Gestalter, doch raubt er sich das Werk dabei nicht. Er macht sich nicht zur Hauptperson, während er spielt. Bei ihm ist es bereichernd und faszinierend, ihm nicht nur zuzuhören, sondern auch, ihm dabei zuzusehen … Seine Versunkenheit, seine Ruhe, seine Authentizität, die natürliche Hingabe – das alles sucht seinesgleichen …

Rhodes’  Bekanntheit im eigenen Land wächst mit jedem Auftritt. Der Engländer nimmt an diversen Festivals teil und steht für BBC4 für eine Dokumentation zum 200. Geburtstag von Frédéric Chopin, die 2010 ausgestrahlt wird, vor der Kamera.  Es folgen weitere Auftritte nun auch im Ausland. 2011 gastiert er in Australien, 2012 geht es in die USA, u. a. nach Chicago, Hongkong lernt ihn 2013 kennen. Das englische Fernsehen sendet es in der Zwischenzeit die siebenteilige Serie James Rhodes: Piano Man.

Er engagiert sich für Projekte, bei denen es um die Belange von Menschen mit psychischen Problemen geht. Ebenso unterstützt er eine Aktion, deren Ziel die Verbesserung des Musikunterrichts überall im Vereinigten Königreich ist. Bei dem Projekt Don’t Stop the Music kommen 2014 im Zuge einer großen Sammelaktion mehr als 7 000 Instrumente zusammen, die an 150 Grundschulen verteilt werden und von denen im Jahr 10 000 Schüler profitieren.

Mittlerweile hat er mehrere Alben veröffentlicht, schreibt hin und wieder für Zeitungen einen Gastbeitrag. Die Medien widmen sich natürlich nicht nur seinem künstlerischen Schaffen, sondern beschäftigen sich ebenfalls mit seinem Vorleben und haben Kenntnis vom Kindesmissbrauch. Rhodes geht inzwischen offen damit um. Es geht es auch deshalb offensiv an, weil er davor warnen möchte. Er will Menschen sensibilisieren, möchte verhindern, dass es weitere Opfer gibt, nur weil Unkenntnis herrscht und sich mangelhaft für den Schutz eingesetzt wird. Andererseits ermutigt er mit seinem Vorgehen andere Leidtragende, sich zu wehren, an die Öffentlichkeit zu gehen. Und er sagt auch an Mitwissende gewandt: Wer schweigt, macht sich mitschuldig.

Als Verlage an ihn herantreten und ihm die Autobiographie vorschlagen, willigt er ein.

Eine sicher insgesamt nicht einfache Entscheidung, doch was kann besser, sinnvoller und wirkungsvoller sein, als dass ein derart Betroffener selbst Fakten nennt, die Wahrheit aufschreibt und diese veröffentlicht, statt es den Medien indirekt freizustellen, sich mangels Information ihre Geschichten nach eigener Vorstellung und fern aller Realität zurechtzubasteln. Vielleicht befreit es auch und rückt einiges ins richtige Licht.

Sie sehen aus dieser Entwicklung jedoch, dass Rhodes’ Motivation zur Veröffentlichung eines solchen Buches nicht die ist, zunächst die Autobiographie auf den Markt zu bringen, um mit seiner dramatischen Vergangenheit seine Bekanntheit als Pianist zu steigern, sondern er schreibt zu einem Zeitpunkt, als seine bereits existierende Bekanntheit sich in seinen Augen für ein sinnvolles und ihm enorm wichtiges Ziel nutzen lässt.
Dass erst per Gerichtsbeschluss gestattet werden muss, dieses Buch überhaupt zu veröffentlichen, kann ihn nicht davon abhalten.

Als Publikum bei James Rhodes

Sie kennen James Rhodes nun bereits soweit, dass es Sie kaum mehr irritieren wird, dass ein Pianist es entgegen gängiger Praxis anders handhabt und sich zwischen seinen Werken direkt an seine Zuhörer wendet. Der Brite hält Kommunikation, gerade in heutigen Zeiten, für wichtig. Er hält es auch für wichtig, dass über das Stück, über den Komponisten und dessen Anliegen erzählt wird. Oder über dessen persönliche Verfassung, Umstände und Beweggründe, ein bestimmtes Werk in genau dieser Form zu Papier zu bringen.
Er setzt nicht voraus, dass jeder bereits alles im Vorfeld weiß oder vorab in Erfahrung bringt. Ein Austausch, bevor er sich an den Flügel setzt und startet, ist ihm viel lieber.
Nun werden Fachkritiker vermutlich gern anmerken, dass er ja gar nicht ernst, nicht lehrbuchhaft erklärt, nicht doziert. Muss er denn?
Was er betreibt, ist eine Situationsbeschreibung, er vermittelt eine Grundstimmung, ein Gefühl, und schon bevor er die Brille absetzt und sich zum Spielen niederlässt, haben Sie als Zuhörer Zugang. Eine Vorstellung. Bereits mit seinem ersten Ton holt er Sie genau dort ab.

Ihm liegt viel daran, dass nicht nur das herkömmliche Publikum „bedient“ wird, Menschen vom Fach, eine begrenzte Gruppe. Er möchte, dass Menschen herangeführt werden, die sich bisher an klassische Musik nicht herangetraut haben. Er will ihnen die Schönheit der Musik vermitteln. Die Energie dieser Musik und die Kraft, die von ihr ausgeht.

Aus diesem Grund geht er gern einmal an ungewöhnliche Orte. Nutzt öffentliche Plätze. Stellt seinen Flügel zwischen Hochhausbauten auf und beginnt dort sein Spiel. Es hat die Wirkung, die oft auch ein Flashmob auslöst: Überraschung, nach der ersten Verblüffung Ergriffenheit, dann Begeisterung. Es schürt letztendlich nicht selten Neugier, entfacht Lust und macht Mut, sich bis dahin völlig Unbekanntem endlich zu nähern.
Er zieht damit auch Jüngere an. Eine britische Zeitung nannte ihn vor Jahren einmal den „Beethoven der iPhone-Generation“ …

Das Konzert auf Kampnagel

Saal K2 auf Kampnagel. Die von dunklen Vorhängen eingerahmte Bühne mit dem Flügel ist ebenerdig, die Zuschauerplätze befinden sich auf einer ansteigenden Tribüne, die jedem gute Sicht verschafft. Freie Platzwahl heißt es auf den Tickets. Was nichts anderes bedeutet, als nur frühes Anstehen sichert einen guten Platz im vorderen Bereich. Was die lange Schlange vor dem Einlass vermuten lässt, bewahrheitet sich: es wird voll. James Rhodes scheint nicht mehr nur ein Geheimtipp zu sein …
Pünktlich wird er angekündigt, tritt aus einem Spalt der dunklen Seitenvorhänge hervor, schaut kurz freundlich Richtung Publikum, steuert jedoch mit seinem leicht wippend-federnden Gang direkt den Flügel an. Er legt die Brille ab – ein immer wieder kehrendes Ritual, bevor die Finger über die Tasten fliegen – und beginnt. Mit Bach. Seinem bevorzugten Komponisten. Mit ihm startet und endet später sein Hamburg-Programm.

Rhodes mag nicht nur Bach, den nur besonders. Seine Goldberg Variationen, die Chaconne in D-Moll … Er bewundert ebenso Beethoven, Chopin, Prokofjew, Moszkowski, Mozart, Gluck, Puccini u. a.  Es faszinieren ihn einige Pianisten besonders. Glenn Gould ist u. a. sein Vorbild, – was man seinem Spiel mitunter anmerkt. Den russischen Pianisten Grigory Sokolov, den verehrt er ebenfalls.

Für den Abend auf Kampnagel hat er sich die Fantasie in F-Moll Op. 49 von Chopin herausgesucht. Darauffolgend vom selben Komponisten die Polonaise-Fantasie, Op. 61, As-Dur.
Beides spielt er ohne Notenblatt und … bewegend. Mitreißend. Gerade Chopin hat es in sich, ein Komponist, der die verbundenen Töne sehr liebte und in dessen Werken oft eine Vielfalt von Gefühlen und Stimmungen zusammentrifft.
Zuvor holt Rhodes allerdings die Begrüßung nach und erzählt er in seiner natürlichen, unverkrampften Art über die gleich zu hörenden Werke. Fantasie. Sie soll auch das Thema des Abends sein. Fantasie sei wichtig, genauso wie Kreativität, die in unserer schnellen Zeit oft zu kurz zu kommen droht. In Gefahr ist. Er bringt eine Besonderheit der Kreativität in diesem kurzen Satz auf den Punkt: „Creativity is a form of meditation. Inside.“

Rhodes fährt fort mit der Klaviersonate 31, Opus 110, As-Dur von Beethoven. Ein Traum …
Konzertende? Offiziell schon und doch wieder nicht, denn danach reiht sich eine Zugabe an die nächste.
Er spielt aus Orpheus und Eurydike von Ch. W. Gluck. Die  nächste „encore“ entpuppt sich als das letzte Präludium von Rachmaninow in Des-Dur.
Immer noch ist nicht Schluss. Fast schüchtern kündigt er eine weitere Zugabe an, einen Titel, den er erst einmal zuvor öffentlich präsentiert hätte, brandneu sozusagen. Ein Stück aus einer Puccini-Oper, doch er verrät nicht, wie es heißt. Versichert allerdings, es würde einem nach spätestens 27 Sekunden bekannt vorkommen. Er sollte damit recht behalten. Es ist „O mio babbino caro“ aus der Oper Gianna Schicchi.

Jedes schöne Ereignis geht irgendwann einmal vorbei. Er lässt den Abend nach gut eineinhalb Stunden mit Bach ausklingen und hinterlässt ein stürmisch applaudierendes und wie es scheint allgemein begeistertes Publikum in Hamburg.
(Warum der Veranstalter dieses Konzert allerdings als eine „Musikalische Lesung“ ankündigte, bleibt rätselhaft.)

Für ihn ist an diesem Abend die Arbeit noch nicht getan. Seine Autobiographie liegt im Foyer in der englischen und deutschen Fassung aus und wird von ihm nach dem Konzert signiert.
Ich habe kein Buch mitgebracht, aber meine allererste CD von ihm aus dem Jahr 2009. Sie trägt nun seinen Unterschriftenkringel …

Nach dem ersten Gepacktsein vor sieben Jahren, nach der Beobachtung seiner weiteren Entwicklung und dem Verfolgen seines Schaffens über das Internet, durch Zeitungsartikel, durch Bücher etc., gab es an diesem Abend die Gelegenheit, den Pianisten James Rhodes live spielen zu hören und real zu erleben. Das Bild hat sich vervollständigt. Für mich. Für andere. Gut möglich, dass noch mehr Menschen eines Tages den Wunsch verspüren, von ihm zu hören. Von seinem Klavierspiel und von seiner ganz eigenen Art, die Kraft der Musik deutlich zu machen.

James Rhodes, der Mann, den die Musik auffing und rettete, er sagt, das Einzigartige an klassischer Musik sei, dass sie, selbst wenn es ein trauriges Stück ist, immer noch wunderschön sein.
 „Even the pain is beautiful in classical music.“
Vielleicht ist gerade das ihre Stärke, das Geheimnis ihrer Wirkungskraft.

Was für ein Abend! Wenn dieser unkonventionelle, unverstellte Brite, dieser so authentische Mann und grandiose Pianist wieder einmal in Deutschland sein sollte und Sie Verlangen nach Echtem haben, nach etwas, das Sie mitten ins Herz trifft, dann …
Rechtzeitig Karten sichern!

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Quellen:
James Rhodes: Der Klang der Wut: Wie die Musik mich am Leben hielt
(Verlag Nagel & Kimche AG – ISBN-13: 978-3312006540)
Informationen aus Interviews in diversen engl. Zeitschriften aus den Jahren 2009-2016
Eine mittlerweile seit sieben Jahren bestehende Twitterverbindung

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© by Michèle Legrand, Oktober 2016
Michèle Legrand

 

 

 

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Hoch oben über der Stadt: Vogelperspektive! – Ausblick von St. Petri …

Morgen werde ich vermutlich Muskelkater haben. Ordentlichen! In den Waden, Oberschenkeln und wer weiß,
wo sonst noch. Schon wenn ich nach dem Schreiben nachher den Versuch unternehme, wieder vom Stuhl hochzukommen, wird das wohl nur unter dezentem Stöhnen vonstatten gehen.

Eingebrockt habe ich mir das Ganze durch einen Spontanentschluss während zweier Erledigungen in der Innenstadt von Hamburg. Ich kam in der Mönckebergstraße an der Hauptkirche St. Petri vorbei und konnte einfach nicht anders:
Ich musste plötzlich unbedingt auf den Turm! Ein unbezwinglicher Drang …
544 Stufen hinauf, 544 Stufen wieder hinunter. 1088 Stufen. Anders gelangen Sie nicht zum Aussichtspunkt
in der Turmspitze. Nach 544 Stufen befinden Sie sich auf einer Höhe von ca. 123 Metern. Könnten Sie sich
wie ein Vogel oben auf das äußerste Ende der Turmspitze setzen, so kämen noch einmal neun Meter hinzu.
Vögel haben es schon gut, oder? Ich meine nicht wegen der läppischen paar Meter, die sie höher säßen, ich
spreche davon, dass die sich diese mühselige Steigerei ersparen können.

Falls Sie einmal dort hinaufklettern, teilen Sie sich bloß Ihre Kräfte gut ein! Nicht forsch lospreschen und nach dem ersten Viertel heftig japsen … Die Zahl der Stufen ist nicht nur von der Summe her höher als z. B. die Stufenanzahl beim Michel (Hauptkirche St. Michaelis), sondern das Ersteigen ist nach meinem Gefühl gene-
rell anstrengender. Mein kleiner Schrittzähler empfand es sicher ebenso – er hatte ordentlich zu tun.

Die ersten gut 100 Stufen sind aus Stein. Eine sich kontinuierlich, recht eng windende Treppe, bei der Sie allmählich einen kleinen Drehwurm züchten, doch rechtzeitig, bevor es kritisch wird, haben Sie das Ende erreicht. Danach folgen Holzstufen in großzügigeren Radien und Wendungen, es geht tatsächlich auch hin
und wieder geradeaus hinauf. Nur – die Abstände bis zu einem Absatz bzw. Zwischenboden zwecks Unter-
brechung sind recht groß!

Hamburg - Eine der Glocken von St. Petri ...

Hamburg – Eine der Glocken von St. Petri …

Drei Böden in verschiedenen Höhen der Turms bieten dann doch die Möglichkeit zu stoppen und so zu tun, als würden Sie interessiert eine Glocke, Wände und Dielen begutachten und lediglich deshalb anhalten. In Wahrheit pfeifen Sie natürlich zu dem Zeitpunkt unauffällig auf dem vorletzten Loch und brauchen diesen Halt zwingend zum Überleben.
Mit unergründlicher Miene setzen Sie Fuß vor Fuß und aufrecht und stolz erreichen Sie so auch noch die auf dieser Ebene eingesetzten Aussichtsbullaugen …

Vor dem Ausblick gibt es Treppen und Stufen .... (Turmaufstieg St. Petri, HH)

Vor dem Ausblick gibt es Treppen und Stufen ….

Wenn Puls und Atmung sich beruhigt haben, geht es weiter. Ab Stufe 424 bis zur letzten, der Nummer 544, wird es noch einmal hart. Keine weitere Unterbrechung ist möglich, die Beine sind abwechselnd bleischwer oder wie Pudding.

Aber dann! Fünfhundertvierundvierzig.
Geschafft!
Und Sie werden für alles entschädigt!
Selbst bei Bewölkung und keiner allzu großen Fernsicht.

Oben erwartet Sie ein kleines Turmzimmerchen und jeder Ankömmling sinkt zunächst erhitzt auf einen der drei dort aufgestellten Stühle. Sie können zwar nicht (wie beim Michel) direkt nach draußen – der Turm ist spitz und schmal in dieser Höhe, hat keine umlaufende Galerie. Die rundherum eingelassenen großen Bullaugenfenster bieten Ihnen dennoch einen traumhaften Überblick über die gesamte Stadt!
(Panorama im Uhrzeigersinn angeordnet)

Hamburg - Blick vom Turm der Hauptkirche St. Petri - Links St. Jakobi, rechts am Wasser das SPIEGEL-Verlagshaus

Hamburg – Blick vom Turm der Hauptkirche St. Petri – Links St. Jakobi, rechts am Wasser das SPIEGEL-Verlagshaus

 

Hamburg - Blick vom Turm der Hauptkirche St. Petri Richtung Hafen mit Speicherstadt und HafenCity dahinter

Hamburg – Blick vom Turm der Hauptkirche St. Petri Richtung Hafen mit Speicherstadt und HafenCity dahinter

 

Hamburg - Blick vom Turm der Hauptkirche St. Petri - Gut zu erkennen: das eingerüstete Mahnmal St. Nikolai

Hamburg – Blick vom Turm der Hauptkirche St. Petri – Gut zu erkennen: das eingerüstete Mahnmal St. Nikolai

 

Hamburg - Blick vom Turm der Hauptkirche St. Petri - Rathaus, im Hintergrund St. Michaelis (der Michel)

Hamburg – Blick vom Turm der Hauptkirche St. Petri – Rathaus, im Hintergrund St. Michaelis (der Michel)

Oben entwickelte sich noch ein sehr angeregtes Gespräch mit einem Touristenpaar, welches ebenfalls kurz nach mir hechelnd in der Luke auftauchte. Sie hatten schnell herausgefunden, dass ich aus Hamburg bin.
Wenn man schon eine Einheimische vor sich hat, muss man das zur Klärung einiger auf der Seele brennender Fragen nutzen …

Hamburg - Blick vom Turm der Hauptkirche St. Petri - Binnenalster, Jungfernstieg und Neuer Jungfernstieg. Links die Alsterarkaden, im Hintergrund der Heinrich-Hertz-Turm (Fernsehturm)

Hamburg – Blick vom Turm der Hauptkirche St. Petri – Binnenalster, Jungfernstieg und Neuer Jungfernstieg. Links die Alsterarkaden, im Hintergrund der Heinrich-Hertz-Turm (Fernsehturm)

 

Hamburg - Bllick vom Turm der Hauptkirche St. Petri - Binnenalster mit Fontäne, Lombards-/Kennedybrücke, dahinter Außenalster

Hamburg – Bllick vom Turm der Hauptkirche St. Petri – Binnenalster mit Fontäne, Lombards-/Kennedybrücke, dahinter Außenalster

 

Man kann sich irgendwie schwer trennen … Hamburg ist aus dieser Perspektive sehr reizvoll!

Der Abstieg stand noch aus. Anstrengend? Sie kennen es aus eigener Erfahrung; hinunter geht es immer wesentlich besser als hinauf. Ich hatte schon einiges geschafft, als mir auf der schmalen, steinernen Wendeltreppe zwei Personen entgegenkamen. Als ich die Schritte hörte, wich ich aus, indem ich mich in
eine Wandnische drückte.
Die beiden hatten mich ebenfalls zuvor schon akustisch wahrgenommen und registrierten erleichtert, dass
der Weg nun doch frei war.
„Ach, so geht das hier bei Gegenverkehr“, sagte die Dame, bereits schwer atmend, zu ihrer Begleitung.
„Ich habe mich schon gefragt, wie man bloß aneinander vorbeikommt!“
„Ich glaube, das ist die einzige Nische auf dem Weg hinauf“, erwiderte ich. „Ich habe keine andere wahrgenommen. Sie haben das gerade sehr gut abgepasst.“
„Die einzige …? Und sonst …? Na ja, ist ja nicht so schlimm, wir sind ja bald oben …“
Ich musste etwas schlucken, denn – kurz nachgerechnet – nach gerade im besten Fall 100 erklommenen
Stufen
folgen schon noch weitere 444 bis zum Ziel!
Nur was soll man die Leute verrückt machen, nicht wahr? Nachher wird gleich mutlos aufgegeben und umgedreht. Das will man ja auch nicht … ^^

Wieder am Fuß des Turmes angelangt, war ich zwar diesmal nach 544 Stufen entschieden fitter als zuvor
bei meiner Ankunft oben, aber mich quälte ein Mordsdurst! Die Schleimhäute fühlten sich an wie ein lang herumliegendes Fensterleder. Knochentrocken und knitterig. Derart ausgedörrt fragte ich im Kirchenshop,
der ein kleines Café betreibt, nach Wasser. Wollte es kaufen. Nur siehe da, Wasser gibt es gratis!
Die wissen offenbar ziemlich genau, wie St.-Petri-Turmbesteiger sich hinterher fühlen …

Soviel für heute. Ich hoffe, Sie haben einen kleinen Eindruck Hamburgs von oben erhalten.

Jetzt werde ich versuchen, mich zu erheben. Das wird vermutlich dauern. Deshalb verabschiede ich mich
lieber vorher und wünsche Ihnen noch eine schöne Woche!

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© by Michèle Legrand, Oktober 2016
Michèle Legrand ©Foto Andreas Grav (Ausschnitt)

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HafenCity / Hamburg: Wo ein Teppich kein Teppich und ein Pilz kein Pilz ist …

Falls Sie gerade Lust auf Elbluft verspüren und mitkommen möchten, würde ich Sie heute gern Richtung HafenCity Hamburg ziehen und Ihnen dort nebenbei etwas ganz speziell Herausgepicktes vorstellen.
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Hamburg - Hafen - Blick vom Baumwall Richtung Elbphilharmonie und Kehrwiederspitze

Hamburg – Hafen – Blick vom Baumwall Richtung Elbphilharmonie und Kehrwiederspitze

 

Lassen Sie sich nicht dazu verleiten, bei HafenCity allein an den sich neu entwickelnden Hamburger Stadtteil
zu denken, der an vielen Stellen nicht nur modern wirkt, sondern einen überaus futuristischen Charakter hat. Die alten Speichergebäude an den Fleeten zählen verwaltungstechnisch ebenfalls zur HafenCity! Vielleicht erinnern Sie sich noch an einen früheren Beitrag, in dem es um die Kontraste ging, die dort besonders zutage treten, wo die markanten roten Backsteinbauten Hamburgs denkmalgeschützter Speicherstadt direkt an die modernen Häuser der neuen HafenCity angrenzen. Auf der einen Seite die alten Bauten, die alte Zeit – gegenüber die gläserne, die neue Welt.

Hamburg - HafenCity - Wilhelminenbrücke und Kehrwiederspitze

Hamburg – HafenCity – Wilhelminenbrücke und Kehrwiederspitze

 

Könnten Sie sich etwas vorstellen, was – diese besondere Situation berücksichtigend – einen Anknüpfungs-
punkt darstellen würde? Was einen Übergang oder ein optisches Bindeglied bildete, eine Art Brücke von Alt zu Neu? Bedenken Sie dabei, dass Hamburg ein überaus bedeutender Handelsumschlagsplatz für Orientteppiche ist. Nun?
Eine Brücke bilden … Teppichbrücke? Läufer? Etwas Begehbares? Ein begehbares Bindeglied?
Aus einer solchen Grundidee entstand ein Kunstwerk im öffentlichen Raum. Die Körber-Stiftung, die ihren Sitz
in der Hafencity am Kehrwiederfleet hat, beauftragte den Steinmetz und Bildhauer Frank Raendchen, einen Orientteppich mehr oder weniger vor ihrer Haustür zu erstellen. Er schmückt seit 2005 auf der einen Seite der Wilhelminenbrücke deren Fußgängerweg, und passenderweise verbindet genau diese Brücke das Alte (City) mit dem Neuen (HafenCity).
Wenn Ihr Läufer zu Hause aus Wolle geknüpft ist und respektable zwei oder gar drei Meter Länge vorweisen kann, so ist das Grundmaterial des Brückenteppichs Stein, und er besitzt „unwesentlich“ größere Ausmaße: Diese Brücke misst 27,5 m in der Länge, ist 2,45 m breit und ca. 5 cm hoch.

Hamburg - HafenCity - Steinerner Orientteppich auf der Wilhelminenbrücke

Hamburg – HafenCity – Steinerner Orientteppich auf der Wilhelminenbrücke

Seine typisch orientalischen Ornamente wurden mit Hilfe eines farbigen Natursteingranulats (Quarz, Granit
und Marmor) geformt, das von Frank Raendchen und zwölf Helfern in wochenlanger Arbeit „krümelgenau“ ausgebracht und zum Schluss mit einem Kunstharz versiegelt wurde. Selbst Teppichfransen wurden nicht vergessen!

Hamburg - HafenCity - ... auch Fransen besitzt der Steinerne Orientteppich

Hamburg – HafenCity – … auch Fransen besitzt der Steinerne Orientteppich

Diese besondere Herstellungsweise sollte Langlebigkeit und Resistenz gegen die üblichen Einflüsse von außen garantieren. Hitze, Kälte, raue Sohlen, spitze Absätze … Nur stand dem Teppich gleich nach dem „Auslegen“ eine besonders harte Belastungsprobe bevor, als während der Umzugsarbeiten des Hanseatic Trade Centres (2005/2006) reichlich Betrieb und Rangiererei auch auf der Brücke herrschte und dort sogar mit Genehmigung eine Entladezone eingerichtet wurde.
Infolgedessen bröselte es bereits ein halbes Jahr nach Fertigstellung und Teile des Teppichs platzten ab. Die ersten Notausbesserungen standen an. So blieb es, und die Jahre vergingen. Wenn Sie daheim ihren Teppich nie ausklopfen, säubern oder auf sonstige Art pflegen, wissen Sie, wie er nach einigen Jahren aussieht. Der Flor ist platt, ein paar Fransen hat es erwischt, die Farben verblassen.
Dem steinernen Teppich erging es nicht anders. Man nahm ihn dadurch zuletzt relativ spät wahr, nämlich erst, wenn man unmittelbar vor der Brücke und somit direkt vor seinem Anfang oder Ende stand. Ich hatte seine Existenz dadurch fast vergessen, zumal bei Besuchsanlässen wie z. B. dem Hafengeburtstag, exakt dort häufig Buden und Stände aufgebaut wurden, die die Sicht auf ihn versperrten.
Im letzten August (2016), also zehn Jahre nach den Ausbesserungen, wurde er komplett restauriert. Nun sieht er wieder sehr präsentabel aus, und das Muster tritt kräftig hervor.
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Steinerner Orientteppich nach der Restaurierung

Hamburg – HafenCity – Steinerner Orientteppich nach der Restaurierung

 

Wenn Sie bitte einmal Ihren Blick auf das folgende Foto richten, so bemerken Sie ein Gebäude aus dem Jahre 1910. Neoromanischer Stil. Ein wenig burgähnlich, oder?
Das ist die historische Polizeiwache, in der heute das Revier 22 der Wasserschutzpolizei seinen Sitz hat und in dem auch die Mannschaft des Feuerlöschboots „Brandmeister Repsold“ anzutreffen ist. Wenn Ihnen selbst als Auswärtiger das Gebäude irgendwie bekannt vorkommt, dann vielleicht durch eine Vorabendserie im Fernsehen. Für den „Notruf Hafenkante“ und sein Filmpolizeikommissariat 21 werden die Außenaufnahmen hier gedreht.
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Hamburg - HafenCity - Kehrwiederspitze mit der Historischen Polizeiwache ...

Hamburg – HafenCity – Kehrwiederspitze mit der Historischen Polizeiwache

 

Seitdem der westliche Teil der neuen HafenCity fertiggestellt ist, dort keine Baukräne mehr stehen, Bauzäune verschwanden, etwas Grün aufblitzt und vor allem Leben eingezogen ist, macht es Vergnügen, am Dalmannkai direkt entlang des Grasbrookhafens
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Hamburg - HafenCity - Dalmannkai am Grasbrookhafen, im Hintergrund das Unilever-Haus

Hamburg – HafenCity – Dalmannkai am Grasbrookhafen, im Hintergrund das Unilever-Haus

 

… vorbei am Vasco-da-Gama-Platz  Richtung Marco-Polo-Terrassen am Unilever-Haus und weiter zum Überseequartier oder zum Kreuzfahrtterminal zu spazieren.
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Hamburg - HafenCity - Vasco-da-Gama-Platz

Hamburg – HafenCity – Vasco-da-Gama-Platz

 

Inzwischen gibt es viele Möglichkeiten, direkt am Wasser einzukehren und dabei draußen zu sitzen oder aber, man lässt sich am Unilever Haus einfach auf den flach auslaufenden Marco-Polo-Terrassen neben einer Sumpfzypresse nieder und schaut über das Wasser.
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Hamburg - HafenCity - Blick von den Marco-Polo-Terrassen am Unilever-Haus zurück Richtung Elbphilharmonie

Hamburg – HafenCity – Blick von den Marco-Polo-Terrassen am Unilever-Haus zurück Richtung Elbphilharmonie

 

Hamburg - HafenCity - Gesundes Elbwasser? Auf jeden Fall treibt hier frisches Grün aus ....

Hamburg – HafenCity – Gesundes Elbwasser? Auf jeden Fall treibt hier frisches Grün aus ….

 

Hamburg - HafenCity - Zentrum "Überseeboulevard"

Hamburg – HafenCity – Zentrum „Überseeboulevard“

 

Dringen Sie östlicher vor, landen Sie unweigerlich irgendwann im Baustellenbereich. Für sich gesehen durchaus interessant, allerdings nicht unbedingt als hübsch zu bezeichnen. Ich habe jedoch etwas durch einen Metallgitterzaun hindurch in der Entfernung an der Spitze des Baakenhöfts erspäht, und das möchte ich Ihnen nicht vorenthalten.
Sehen Sie das weiße, pilzähnliche Bauwerk etwas von der Mitte aus rechts?
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Hamburg - HafenCity - Das östliche Gebiet ist Baustellenbereich - Rechts zu erkennen der Wohnleuchtturm "Lighthouse Zero"

Hamburg – HafenCity – Das östliche Gebiet ist Baustellenbereich – Rechts zu erkennen der Wohnleuchtturm „Lighthouse Zero“

 

Das ist der Prototyp eines Wohnleuchtturms. Bauherr Arne Weber (vom Bauunternehmen HC HAGEMANN) entwickelte in Zusammenarbeit mit dem Architekturbüro BIWERMAU Architekten BDA sein „Lighthouse Zero“. Mitte letzten Jahres erfolgte der Baubeginn, für Dezember 2015 war die Einweihung avisiert.
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Hamburg - HafenCity - Baakenhöft - "Lighthouse Zero"

Hamburg – HafenCity – Baakenhöft – „Lighthouse Zero“

Was aus der Distanz etwas niedriger und eher verhalten imposant wirkt, ist in Wirklichkeit ein 20 m hoher Betonschaft, auf dem sich eine Plattform mit beachtlichen 230 qm Wohnfläche sowie darüber ein 150 qm
großer Dachgarten befinden.

Seit der Fertigstellung können Interessenten diesen ungewöhnlichen Wohnturm nun real begutachten, das Wohngefühl testen, und was die Suche nach geeigneten weiteren Standorten angeht, so kümmert man sich bereits von Unternehmerseite aus darum. Falls Sie sich fragen, wie Sie hinauf in Ihre Wohnung gelangen, so gibt es entweder die Möglichkeit, dass ein gläserner Aufzug Sie hochfährt oder – eher für den Typ sport-
licher Hausbesitzer, der auch keine ultraschweren Möbellieferungen oder Konzertflügel erwartet – die Treppenvariante, die sich dann in der Spannbetonröhre befindet.

Der Vorteil des Ganzen:
Sie benötigen extrem wenig Grundfläche, können Ihren robusten Pilzstiel unterpflanzen, haben oben ungestörten Ausblick in alle Himmelsrichtungen und ein lichtdurchflutetes Zuhause.
Der Nachteil:
Es wird teuer. Der Focus sprach in einem Artikel seinerzeit davon, dass die Errichtung eines Lighthouses
etwa zwei Millionen Euro kostet …

Sie können es sich ja noch ein bisschen überlegen. Sie sollten nur ein paar Euro Reserve einplanen, denn
a) ist das Grundstück wahrscheinlich noch nicht mit dabei und
b) wissen Sie, weißer Beton bleibt nicht weiß.
Der Witterung ausgesetzt, wirkt er bald schmuddelig – was dem Ganzen etwas Trostloses verleiht. Ich würde
mir also ebenfalls darüber Gedanken machen, wie Sie ihr neues Heim, speziell die Betonröhre, von außen persönlich gestalten und diesen „Used-Look“ vermeiden. Gönnen Sie Ihrem Leuchtturm doch die typischen, lebhaften rot-weißen Ringe, im Sockelbereich ergänzt durch einige Felsbrockenmotive und Wellengangszenen.

Was halten Sie denn von der Idee, die Sache mit dem optischen Bindeglied von vorhin auch hier aufzugreifen? Da Ihr zukünftiges Heim so überaus futuristisch daherkommt und massiv an Raumfahrt und Weltall erinnert, gäbe es einerseits die Möglichkeit, die Betonröhre vollkommen schwarz zu streichen. Schalteten Sie in diesem Fall abends oben rundherum in all den Räumen mit ihren Glasfronten großzügig Licht an, hätten Sie optisch anstelle einer Plattform plötzlich ein schwebendes Ufo. Das tragende Element schiene verschwunden …

Alternativ könnte der Schaft im ersten Drittel eine Startrampenillusion für Ihre fliegende Untertasse erhalten, während es nach oben hin überginge in eine Art Milchstraße. Sterne und leichte Andromedanebel auf dunklem Grund …
Als Trompelœil ließen sich natürlich genauso unechte Fenster und angebliche Durchblicke realisieren …
Oder etwas komplett anderes!
Eine aufgemalte Strickleiter! Ein sich öffnender Reißverschluss, ein Kettenkarussell! Wenn Sie sich spendabel zeigen, ließe sich sicher die Plattform gleich von vornherein als Drehbühne anlegen …

Wir sind ein wenig vom Thema HafenCity abgekommen, oder?  Der Part der Blogbezeichnung, der von Gedanken(sprüngen) handelt, macht seinem Namen heute wieder alle Ehre. Ein Gedankengehopse, als
wären Sprungfedern unter den Füßen … Lassen Sie uns zurückgehen. Es soll für heute auch reichen.

Ich verabschiede mich von Ihnen diesmal an der U-Bahn-Station Baumwall und lasse Sie mit Ihren ureigensten Assoziationen zu Steinteppichen, pilzähnlichen Leuchttürmen o. a. allein. Hecken Sie ruhig aus, wonach Ihnen der Sinn steht, und für gute Vorschläge habe ich natürlich ein weit geöffnetes Ohr!

Hamburg - U-Bahn-Station Baumwall am Hafen

Hamburg – U-Bahn-Station Baumwall am Hafen

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Machen Sie es gut und bis demnächst!

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© by Michèle Legrand, Oktober 2016
Michèle Legrand

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Zwischendurch hereingeschaut …

Die Zeit geht rasant ins Land. Ich muss mich einfach einmal zwischendurch bei Ihnen melden.

Sie haben es ja selbst gemerkt, die Vögel haben ihren Rucksack umgeschnallt und ziehen in Scharen in den Süden, man wird beim Spazieren ungeniert mit Kastanien beworfen, ALDI hat Laubsauger im Angebot der Woche (hoffentlich kaufen nicht so viele diese Lärmkisten), Frühnebel hängt zwischen den Bäumen … Herbst! Und meine Armbanduhr zeigt an, dass seit dem letzten Post hier mehr als zwei Wochen vergangen sind. Jaha, die kann das! Die hangelt sich von Beitrag zu Beitrag und zählt penibel mit. P+18 steht dort. P für Post, +18 für die verstrichenen Tage.
(Jetzt glauben Sie doch nicht alles! ^^)

Dieses Jahr verläuft bei mir einfach anders. Andere Umstände ziehen andere Abläufe und ein anderes Verhalten nach sich. Wollte ich warten, bis ich Ihnen durch Touren und Erkundungen wieder umfassend Neues präsentieren kann, würde der Stift zwischenzeitlich eintrocknen und Sie begännen mit den Füßen zu scharren. In den Fingern juckt es mich trotzdem, die Frage ist nur, wie schaut in einem solchen Fall der Alternativpost für Sie aus?
Bloggerkollegin Donna vom Blog Garden Walk Garden Talk sprach gerade in ihrem sehr interessanten Beitrag Why so trivial?  über das Phänomen, dass einem beim Bloggen – ganz speziell bei einem eng eingegrenzten Themenbereich und sich dadurch unweigerlich wiederholenden Anlässen und Fotomotiven – mitunter manches Selbstgeschriebene auf einmal so trivial erscheint.
Zu trivial, um es zu posten?
Meine Ansprüche an Beiträge sind prinzipiell auch anders, liegen höher, über der Trivialstufe. Diese Vorstellung vom fertigen Artikel wiederum katapultiert Ansammlungen von Trivialem automatisch hinaus in die Wüste.
Trotz oder gerade im Fall umfangreicher Texte, versucht ein Schreiber, nichts doppelt und dreifach und nur
in anderen Worten wiederzukäuen. Es liegt einem sehr daran, Unwichtiges zu eliminieren und „gefühlte“ Belanglosigkeiten sehr kritisch zu betrachten.
Ist es tatsächlich belanglos oder trägt es doch zum Verständnis bei?
Für wen erscheint es überhaupt trivial? Für den, der schreibt? Oder für den Leser?
Was ich selbst als trivialen Einwurf empfinde, weil mir die Details bereits bestens bekannt sind, muss am anderen Ende noch lange nicht als ein solcher Inhalt empfunden werden. Ich wage fast zu behaupten, dass mitunter ein bewusst platzierter trivialer (im Sinne von anspruchsloser) Einschub innerhalb einer die ganze Aufmerksamkeit erfordernden Abhandlung fast so etwas wie eine kurze Erholungsphase für den Geist darstellt, bevor er erneut ernsthaft bei der Sache ist und weiter aufnimmt. Ziel ist es, für den Leser so zu schreiben, dass er zwischendurch Entlastung hat. So, wie beim Sporttraining Lockerungsübungen für die Muskeln eingeplant sind. Dann läuft es unangestrengt und hinterlässt keinen abschreckenden Muskelkater.
Ich denke mir folglich, so unterschiedlich, wie die Themen hier stets sind, so verschieden darf auch die Form sein. Vielleicht dient ein Beitrag wie der heutige insgeheim eher meiner eigenen Entspannung, wer weiß das schon – nur Sie werden vermutlich nicht gleich zusammenbrechen, wenn es für Sie alternativ um völlig unspektakuläre Dinge geht.
Sie kennen außerdem die Taste und wissen um die Freiheit, einfach etwas wegzuklicken …

Es fiel das Wort Entspannung. Mir ist schon allein deshalb danach, weil die Stadt sich gerade sehr laut präsentiert. Geht es Ihnen auch so, dass Dauerlärm Sie mürbe macht? Manche können es gut ab, aber ich werde davon fix und foxi. Baustellen in der Nähe, meine Straße nebenan als Umleitungsstrecke mit ewig langem Rückstau und laufenden Motoren vor geschlossener Bahnschranke, eine Halbmarathon-Veranstaltung am vergangenen Wochenende fast vor der Tür, das Oktoberfest, das bis Anfang Oktober jeden Abend bis in die Puppen zu hören ist, der Verkehr auf der Bahnstrecke sowie für zwei Wochen zusätzlich Fluglärm, weil eine Start- bzw. Landebahn am Flughafen überholt wird und sämtliche  Flugzeuge nun meinen Stadtteil überfliegen.

Großveranstaltungen mit entsprechend weiträumigen Sperrungen sind auch im Innenstadtbereich Hamburgs mehr geworden. Bei meiner Hausbank wird das dazugehörige Parkdeck saniert, das Betongefräse tönt seit einer gefühlten Ewigkeit. Ebenso wird eine komplette Parkebene im Einkaufszentrum saniert. Fehlen die Abstellmöglichkeiten dort, wirkt sich das sofort auf die eh schon kritische Parksituation im Umfeld aus. Was ich zu Fuß oder mit dem Rad erledigen kann, mache ich daher lieber auf die Art, nur neulich ließ sich etwas nicht ohne Auto bewerkstelligen.
Es hatte sich endlich eine Parkmöglichkeit ergeben, als eine Frau in ein am Straßenrand abgestelltes Auto
stieg und Anstalten machte wegzufahren. Also Blinker an und dahinter gewartet. Nur leider setzte sich so ein dazukommender Oberrüpel dazwischen und klaute mir den Platz. Tat zunächst so, als hätte er mich nicht gesehen, hielt es aber selbst danach nicht für nötig, die Lücke wieder zu räumen oder sich zu entschuldigen.
Es nützt ja nichts sich anzulegen, denn es ändert meist nichts am Fakt des besetzten Platzes. Ich revanchiere mich eher in anderer Form, fahre gern das Seitenfenster herunter, warte bis derjenige aussteigt, schaue ihn sehr ernst und besorgt an und sage:
„Sie wissen schon, dass so etwas Pech bringt … Unglück anzieht?“
Ich versichere Ihnen, es hängt alles davon ab, wie überzeugend Sie dabei wirken. Man muss Ihnen abnehmen, dass Sie quasi der Abkömmling eines Voodoo-Meisters sind.
Wenn so etwas wie „Pffft!“ oder „Haha!“ zurückkommt, sollten Sie nachlegen.
„Es ist natürlich Ihre Sache, ob Sie heute vorsichtig sind oder nicht. Mein früherer Nachbar ist damals ein paar Stunden später von der Leiter gefallen. Komplizierter Bruch. Langwierige Sache. Der hatte übrigens auch MIR den Platz geklaut …“

Selbst wenn Ihr Gegenüber sehr cool und überlegen tut, Sie können sicher sein, dass ihn das den ganzen
Tag beschäftigen und leicht verunsichern wird. Wenn er sich abends am Herd die Finger verbrennt, schiebt
er das auf den Parkplatzklau, der Pechgedanke nistet sich ein und das nächste Mal lässt er es sein.
Ich kann so stets sehr gut mit dem Verlust der Lücke und meinem ersten Ärger fertig werden.

Hamburg - Straßenfest am Mühlenkamp (Winterhude) - 11.09.2016 (Stände und Luftballons)

Hamburg – Straßenfest am Mühlenkamp (Winterhude) – 11.09.2016

 

Ansonsten war ich kürzlich mit meiner Stepptanztruppe für einen Auftritt beim Straßenfest im Mühlenkamp (Hamburg-Winterhude) eingeladen. Bei uns ist die kleine Herausforderung, dass wir nicht in einer festen Gruppe auftreten, sondern uns anlassbezogen oder nach Terminmöglichkeiten unterschiedlich zusammen-
mischen. Uns allen ist gemein, dass wir die gleiche Trainerin haben, jedoch die einzelnen Kurse an völlig unterschiedlichen Standorten üben. Die Choreographie kennen alle, nur je nachdem, wer und wie viele bei einem Auftritt teilnehmen, variiert die Aufstellung und die Verteilung der einzelnen Parts. So treffen wir uns etwas eher vor Ort, besprechen letzte Details und gehen möglichst einmal alles praktisch durch.
Bei der letzten Probe war der Fußboden wahnsinnig glatt, worauf ich überhaupt nicht vorbereitet war. Es war
ein gebohnerter Parketttanzboden, der für normale Tänze mit herkömmlichen Tanz- oder Turnschuhen taugt, aber nicht unbedingt gedacht ist für Schuhe mit Metallsohlen. Sie kommen sich vor, als liefen Sie mit Gleitschuhen auf einer vereisten Pfütze. Man muss sich sagenhaft konzentrieren, darf die Schritte nicht zu schwungvoll und ausladend machen, was einen im Ablauf natürlich irritiert. Es funktioniert nicht wie sonst …
Den anderen ging es nicht viel anders als mir. Wir trösteten uns damit, dass dafür der Bühnenboden bestimmt stumpf sein würde. Dort werden meist irgendwelche Platten zusammengesteckt, und dann ist mehr das Problem, dass gelegentlich zu breite Spalte gelassen werden.
Als wir hinkamen – Überraschung! Auch der Untergrund der Bühne entpuppte sich als spiegelglatt. Immerhin konnte es einen nicht mehr erschüttern. In dem Moment war ich ungemein froh, dass mich das kurze Training zuvor präpariert hatte. Dennoch gar nicht einfach, auf der Bühne nicht rückwärts in das dort stehende Schlagzeug zu flutschen.

Ich hätte Ihnen gern etwas von der Stepperei gezeigt, doch der USB-Stick mit einem Handyvideo, das ein Zu-
schauer aufnahm, kursiert noch in der Gruppe. (Und da wäre ebenfalls noch die Frage zu klären, ob alle ihre Zustimmung zur Veröffentlichung geben. Wir werden sehen …)

An dem Tag herrschte herrliches  Spätsommerwetter, so bin ich in der Wartezeit vor dem Auftritt ein wenig herumspaziert. Von einer Brücke am Beginn des Mühlenkamps kann man auf den Langen Zug schauen. Das ist keine Waggonansammlung auf einem Abstellgleis, sondern so nennt sich etwas, das wie ein schmaler Arm der Außenalster wirkt, der in Höhe Bellevue in östlicher Richtung abzweigt. In Wirklichkeit verbirgt sich dahinter jedoch die Osterbek, die zur Alster hinfließt und auf dem letzten Stück, bevor sie dort mündet, den Namen Langer Zug trägt. Wie dem auch sei, Sie werden vermutlich auch sagen, Wasser ist Wasser.

Hamburg - Blick vom Mühlenkamp (Brücke) auf den Langen Zug (Richtung Außenalster) mit Kanus

Hamburg – Blick vom Mühlenkamp (Brücke) auf den Langen Zug (Richtung Außenalster)

 

Hamburg - Blick von der Brücke im Mühlenkamp auf den Langen Zug (andere Seite)

Hamburg – Blick von der Brücke im Mühlenkamp auf den Langen Zug (andere Seite)

 

An warmen Tagen ist hier viel los, Spaziergänger biegen auf ihrem Weg um die Außenalster hier spontan ein, mit dem Alsterdampfer kommen Gäste zum gemütlichen Kaffeetrinken mit Blick aufs Wasser …

Hamburg - Langer Zug mit Alsterausflugsboot und Tretboot in Schwanenform

Hamburg – Langer Zug mit Alsterausflugsboot

 

… es wird gepaddelt, gerudert, Tretboot gefahren und direkt an der Ecke Mühlenkamp/Körnerstraße lassen sich sogar Bretter für das Stehpaddeln ergattern. Ein SUP-(Stand Up Paddling)Verleih hat dort seinen Sitz.

Hamburg - Blick vom Mühlenkamp auf den Langen Zug. Die Stehpaddler sind unterwegs ...

Hamburg – Blick vom Mühlenkamp auf den Langen Zug. Die Stehpaddler sind unterwegs …

 

Schon schön, solche anziehenden Punkte und Freizeitmöglichkeiten mitten in einer großen Stadt vorzufinden. Diese Ecken mit viel Grün und Wasser entschädigen immer für steigenden Straßenlärm, Baustellen oder Beton-ansammlungen anderenorts.

Mit diesen optischen Eindrücken verabschiede ich mich zunächst und wünsche Ihnen einen entspannten Ausklang des Wochenendes!
Haben Sie eine schöne Zeit!

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© by Michèle Legrand, September 2016
Michèle Legrand

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