Archiv für die Kategorie Garten (und Natur allgemein)

Wahlmöglichkeiten und was daraus wird …

Ein Mensch der Großstadt hat – rein theoretisch – ständig die Möglichkeit, aus einem vielfältigen Angebot an kulturellen oder sportlichen Veranstaltungen sein Programm nach eigenem Gusto zu wählen und könnte somit ohne Unterlass unterwegs sein. Ständig etwas erleben und permanent von Termin zu Termin flitzen.
Hallo übrigens! Ich grüße Sie und wollte heute zumindest kurz hereinschauen. Ein kleines Lebenszeichen hier hinterlassen …
Sie wissen, ich bin in Hamburg daheim, demnach eindeutig Stadtbewohner mit immenser Angebotsauswahl und dennoch – mir liegt das Flitzen von Event zu Event nicht so. Was wird also aus den ganzen Wahlalternativen?
Je mehr Auswahl da ist, umso schwerer wird es, sich für etwas zu entscheiden und das Wissen, dass alle Nase lang wieder etwas präsentiert wird, verleitet unheimlich leicht dazu, Dinge immer wieder zu verschieben. Geht ja später auch noch. Gibt’s (fast) alles wieder …
Hinzu kommt, dass Sie bei solchen Veranstaltungen als Teilnehmer verhältnismäßig anonym bleiben. Es fällt also überhaupt nicht auf, wenn Sie schwänzen. Keiner vermisst Sie dort. Machen Sie das mal auf dem Dorf! Maifest. Wo ist denn schon wieder die Legrand? Kann ja wohl nicht sein, dass die zu Hause bleibt … Du, schau doch mal nach, ob die noch lebt. Und bring sie mit!  (Sie wissen, was ich meine.)

Rote Schafgarbe (Achillea)

Rote Schafgarbe (Achillea)

In ländlichen Gebieten gibt es weniger Programm, also ist man sich einer selteneren Chance sehr bewusst und lässt sie nicht aus. Man wartet auf eine Gelegenheit, die sich bietet, hält alte Traditionen in Ehren und Bräuche am Leben, denn sie liefern Gründe und Anlässe.
Vor allem kennt sich das Landvolk untereinander! Es werden keine bloßen Zusammenkünfte, es sind soziale Treffs. Fast alle erscheinen – ohne besondere Absprache vorab. Dort wird sich ausgetauscht. Nichts mit anonym. Wenn Sie hingegen hier in der Stadt ein Fest oder ein Konzert besuchen, erfahren Sie meist erst hinterher davon, dass jemand, den Sie kennen, auch dort war. Dass Sie sich begegnen ist eher unwahr-
scheinlich. Zu unübersichtlich, zu wühlig. Sie müssen sich definitiv vorher fest verabreden.
Dennoch passiert es mir komischerweise recht häufig, dass ich unvermutet – also ohne jeglichen Veranstaltungshintergrund – in einer Millionenstadt Bekannten über den Weg laufe. Jemanden in der U-Bahn treffe. Ihr oder ihm im größten Menschenauflauf oder aber in einer kleinen Nebenstraße begegne. Irgendwo. Einfach so. Es verblüfft mich immer wieder! Wie groß ist die Chance? 1:1,8 Millionen? Oder wahrscheinlicher? Keine Ahnung …

Löwenmäulchen (Antirrhinum majus) und Frauenmantel (Alchemilla mollis)

Löwenmäulchen (Antirrhinum majus) und Frauenmantel (Alchemilla mollis)

Wo waren wir? Wahlmöglichkeiten! Am Wochenende vor einer Woche stand hier eine schier endlose Liste von Vorschlägen für Unternehmungen zur Verfügung. An allem möglichen hätte ich auf Hamburger Stadtgebiet teilnehmen können. Glänzende Motorräder anschauen bei den Harley Days, eine Ausstellung in den Deichtorhallen besuchen, Sportler anfeuern beim Halbmarathon, nettes Zeugs für den Garten unter die Lupe nehmen bei der Ausstellung Home & Garden, gemütlich herumspazieren auf dem Gelände des Botanischen Sondergartens Wandsbek anlässlich des Tags der Offenen Tür, Musik hören bei einem abendlichen Konzert
Jetzt dürfen Sie einmal raten, was es letztendlich wurde. Falsch! Und noch einmal falsch.
Weder noch. Nichts von alledem.
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HeckenschnittEs lief (ich sage das klaglos und ohne Bedauern) auf eine umfangreiche Wochenend-Fensterputzaktion hinaus (Fenster gibt es reichlich) und zeitgleich auf eine Verhinderung des drohenden Dornröschendaseins à la eingewachsenes Heim und umrankter Körper. Vorrang hatte es, das allmähliche Verschwinden der Behausung durch Überwucherung sowie vor allem komplett eingewachsene Fenster zu verhindern. Wie? Die Briten würden es aktuell vielleicht einen Ivyexit nennen. Wobei hier nicht mein schier explodierender Efeu den Austritt beantragt, sondern ich ihm maßvoll den Garaus mache. Den Durchblick nach draußen wieder garantiere. Also eher ein Ivycutback. Ein Ivystillthere. Ivyacceptance. Partly.

Endlich fertig, zufrieden mit dem Schaffen (zumal Fensterputzen ziemlich weit hinten auf der Liste der beliebten Tätigkeiten liegt), kurz verpustet, und schon ging es weiter mit dem Heckenschnitt am Grundstücksrand. Ich sag’s Ihnen, ein Dschungel könnte sich nicht vitaler entwickeln. Ach was, der zeigte sicherlich einen vergleichsweise kümmerlichen Wuchs!
Die Hecken sind noch lange nicht alle fertig, doch so ein bisschen Licht und Luft kommen zumindest an zweieinhalb Grundstückseiten schon wieder durch.
Ich bin absolut nicht allein am schwingen der Machete. Schweißgebadet. Nein, mein Nachbarvolk ackert ebenfalls. Bis auf einen Kneifer.
Briten haben dafür glaube ich zurzeit den Ausdruck Boris Johnson. Diese Art von Kneifer meckert gegen die Zustände, fühlt sich aber nicht dazu berufen, draußen tatsächlich eigenhändig etwas in Angriff zu nehmen.

 

 

Alles wächst und sprießt ... (Cornus kousa in Blüte)

Alles wächst und sprießt …

Doch der Rest hier ist aktiv – und lustigerweise stöhnen sämtliche Nachbarn jeweils über ihren sagenhaften Dschungel, von dem jeder meint, seiner falle am heftigsten aus und man hätte die wachstumsmäßig übelsten Pflanzen zu bändigen. Mein einer Nachbar flucht über seine triebhafte Buchenhecke und himmelhoch wachsende serbische Fichten, der andere über die schnellwüchsigen Kirschlorbeersträucher.

Rotkehlchen in Nachbars Konifere ...

Rotkehlchen in Nachbars Konifere …

Schräg hinter mir der Gartenbesitzer kann keinen Rasen mehr sehen, weil er das Gefühl hat, er sei zwischen Regenschauern nur noch am mähen. Und ich selbst empfinde es ganz generell als erstaunlich, wie sich der Ausbreitungsdrang und gegenseitige Verdrängungswunsch der Büsche, Kletterrosen oder auch des Blauregens, Efeus und Weins so darstellt. Einfach nicht zu bremsen und stets motiviert, diese Natur …

Die Massen an Bioabfall sind eine weitere Herausforderung. Der Herr von der Müllabfuhr meinte am Freitag beim Anblick einer netten Ansammlung von zusätzlich zur Abfuhr bereitgestellten Müllsäcken grinsend: „Was treiben Sie eigentlich immer?“ (Ich war gerade dabei, ihm noch einen weiteren Sack anzuschleppen.) „Hatten wir nicht gerade letzte Woche erst so einen Schub mitgenommen …?“

Feuchtwarme Zeiten sind des Gärtners Schreck. Manchmal auch ein Gemisch aus Freud und Leid. Nur was wäre ein Garten ohne üppigen Bewuchs und ohne Getier, das sich dort wohlfühlt und einzieht …

Helfer beim Heckenschnitt ... (Jungvogel am Boden)

Helfer beim Heckenschnitt …

Vielleicht geben Sie mir recht, wenn ich sage, dass der Mensch Grün um sich braucht. Inklusive Hecken. Besonders in einer Stadt. Als kleine Abschottung nach außen gegen Unruhe. Nicht nur im Sinne von Lärm. Auch gegen Unruhe fürs Auge oder unerwünschtes Hereinstieren. Aus diesem Grund sind die grünen Raumteiler auch zum ein oder anderen Nachbarmenschen so segensreich. Wie sagen in dem Fall die Briten doch gleich so treffend:
A hedge between keeps friendship green. (Die Hecke dazwischen erhält die Freundschaft.)

Indianernessel (Monarda didyma)

Indianernessel (Monarda didyma)

Liebe Blogleser, es wäre natürlich famos, wenn auch wir uns weiterhin grün blieben. Selbst wenn mir gerade Zeit zu Entdeckungen anderenorts und Muße zu neuen Erkundungsgängen fehlt und damit letztendlich sehr spezieller Nachschublesestoff für Sie noch etwas ausbleibt. Nun ja … Immerhin pflanze ich keine Hecke zum Abschotten. ^^ Im Gegenteil, für Sie habe ich mich extra kurz aus meinen Lianen befreit und wünsche Ihnen nun sehr herzlich ein schönes und entspanntes Wochenende.

Drei Hummeln an einer einzigen Kugeldistel (Echinops bannaticus)

Drei Hummeln an einer einzigen Kugeldistel … (Echinops bannaticus)

 

Ich muss wieder hinaus. Weiter ein wenig die Wildnis bändigen …

Bis demnächst!

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© by Michèle Legrand, Juli 2016
Michèle Legrand - freie Autorin - ©Fotograf Andreas Grav

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„Der trainiert für den Gondelführerschein …“ Unterwegs in Hamburg – Kür und Pflicht / Kesselfallen, Menschen auf Brettern und Édouard Manet

Geht es Ihnen auch manchmal so, dass Sie es als ich will nicht behaupten sinnlos, aber als reichlich unbe-
friedigend empfinden, sich irgendwo hin zu begeben, nur mit der Aussicht, dort etwas zu erledigen, wozu
Sie keine Lust haben? Irgendein aufgehalstes Pflichtding, was sie aber auch nicht abbiegen oder ausfallen lassen können?
Einzig und allein für etwas gar nicht Erbauliches, Ungewolltes wird unter einigem Aufwand ein Ziel angepeilt, es fallen (Fahr-)Zeit plus Fahrtkosten an und letztendlich geht es lediglich darum, etwas hinter sich zu bringen?
Ein bisschen frustrierend ist das schon, oder? Nun, am Ende können Sie sich zwar lobend auf die Schulter klopfen und ein Sternchen dafür eintragen, wie brav und überhaupt nicht aufmüpfig Sie waren – aber es ist
und bleibt eine ziemlich lustlose Angelegenheit.
Ich sage mir immer, wenn man heimgekehrt ist und es einen selbst hinterher noch wurmt, dass man dazu los war und seine Zeit opfern musste und obendrein das Gefühl hochkommt, gleichzeitig käme jeglicher Ausgleich in Form von positiven Erlebnissen, jegliches Kontrastprogramm oder einfach die Entspannung zu kurz, dann wird es Zeit, sich Gedanken über eine praktischere, für die Stimmung förderliche Art der Abwicklung dieser Pflichtdinge zu machen.

Mir kam wieder unverhofft ein weiteres Pflichtding in die Quere. Die Betonung liegt auf dem Wörtchen wieder. Eine ganze Weile spult man sein Muss-Programm, selbst wenn es einseitig ist oder komprimiert anfällt, ja klaglos herunter, hofft auf bessere Stunden, doch in meinem Fall hatte ich kürzlich genau in dem Moment gelinde gesagt die Faxen dicke. Schon wieder! Und dann am Sonnabend! Und dafür extra los? Nur dafür?
Allerspätestens wenn dieser Punkt erreicht ist, wende ich gern einen Trick an.
Es handelt sich nicht um eine ultrageheime oder einzigartige Methode, andere werden es sicher auch so halten. Kindische Verweigerung bringt rein gar nichts, genauso wenig, wie etwas ständig weiter vor sich herzuschieben. Nein, ich kombiniere ganz gezielt Ungewolltes mit Erwünschtem. Das demotiviert nicht so. Es nimmt der Pflicht die Wucht und all das, was die Stimmung gern in den Keller befördert, was letztendlich mehr und mehr zu Frust, Tiefs und Leistungsabfall führt.
Bei einer Mischung und einer anderen Gewichtung hingegen verliert das Muss-Programm an Einfluss, die frei gewählte Ergänzung bringt den positiven Input. Und das Merkwürdige ist, selbst bei Zeitknappheit funktioniert dieses Prinzip.
Logisch schiene, je mehr ich einbaue in mein Programm, desto länger brauche ich insgesamt und desto länger habe ich wohl auch damit zu tun, ehe meine leidige Pflicht erledigt ist. Doch es läuft anders.
Eine gesunde Balance zu schaffen ist das beste Mittel, Energie nicht zu vergeuden, sondern zusätzliche zu sammeln und diese nicht für Frust zu verschießen oder vom Ärger und Stress fressen zu lassen. Stattdessen wird sie in die richtigen Bahnen gelenkt. Man ist insgesamt sehr viel besser drauf, was bewirkt, dass besonders die ungeliebten Programmpunkte schneller und leichtherziger ausgeführt sind.
Am freiwilligen Programm lässt sich notfalls etwas kürzen, wenn es ganz eng wird. Das ist immer noch besser, als gar nichts anderes einzuplanen und auf Ausgleich komplett zu verzichten. Für Skeptiker dieser Theorie möchte ich es so formulieren:
Sie würden nur dann kaum etwas auf die Reihe bekommen, wenn Sie auf einmal von einem Extrem ins andere verfielen. Es geht jedoch nicht von der Hektik ins Koma, Sie sollen nicht vom Duracell-Hasen zur menschge-wordenen Schlaftablette mutieren. Wir reden nicht von Pflichten ausklammern oder ewig vor sich herschieben. Es geht einzig und allein darum, statt nur Pflicht auch Kür zu haben. Frust und Lust. Was zu Beginn, mittendrin oder am Ende eingebaut wird, das mag jeder für sich entscheiden.

Wie es an dem bewussten Sonnabend kürzlich ablief?
Arbeitsauftragsmäßig hätte ich am Hauptbahnhof Halt einlegen müssen, bin stattdessen jedoch mit diebischem Vergnügen ein paar Stationen darüber hinausgefahren und so ausgestiegen, dass ich (leider, leider …) zurücklaufen musste und mich mein Gang dabei durch einen Teil der traumhaften Parkanlage Planten un Blomen führte. Bevor ich regulär vom Hauptbahnhof aus wieder heimfuhr –  natürlich erst, nachdem auch die leidige Sache erledigt war – , blieb mir tatsächlich noch etwas Zeit für einige andere kleine Erkundungen (die bereits seit vier Monaten viel zu kurz kommen).
Wunsch und angepeiltes Resultat:
Das Muss-Ding sollte sich quasi nebenher erledigen, und ich wollte  dafür sorgen, dass mir bei späteren Rückfragen nach der nennen wir es Qualität des Wochenendes, nicht dieser Pflichtrohrkrepierer als erstes einfiel und noch einmal sauer aufstieß.

So, Sie schnappe ich mir jetzt (falls Sie mögen)  und zeige Ihnen die Dinge, die nicht mit der Pflicht zu tun hatten.

Planten un Blomen Ende Mai/Anfang Juni …

Hamburg - Planten un Blomen - Ende Mai 2016

Hamburg – Planten un Blomen – Ende Mai 2016

Im Winter wurde diesmal im gesamten Park sehr viel und stark zurückgeschnitten, so dass es im zeitigen Frühjahr bei kühlem Wetter ein bisschen länger dauerte, bis alles neu austrieb. Doch bereits jetzt merkt man kaum noch etwas von der Auslichtungsaktion. Es ist wieder richtig schön dort!

Hamburg - Planten un Blomen - Ende Mai 2016

Hamburg – Planten un Blomen – Ende Mai 2016

Die vielen Stauden lösen gerade die Zwiebelblüher ab, und bei dem feuchtwarmen Wetter explodiert ihr Wachstum.

Hamburg - Planten un Blomen - Hohe Farne mit ausgeprägtem Stiel

Hamburg – Planten un Blomen – Hohe Farne mit ausgeprägtem Stiel

Bäume und Sträucher sind mittlerweile alle grün  bzw. blühen sogar. Der Taschentuchbaum zeigt seine weißen Zipfeltücher und Ende des vergangenen Monats produzierten besonders die Rhododendren, Azaleen und Ginster ein sehr intensives Farbenmeer.

Hamburg - Planten un Blomen - Zeit der Rhododendronblüte - Lauschige Plätzchen nahe der Mittelmeerterrassen

Hamburg – Planten un Blomen – Zeit der Rhododendronblüte – Lauschige Plätzchen nahe der Mittelmeerterrassen

 

Hamburg - Planten un Blomen - Ende Mai 2016 - Rhododendren und Ginster, im Hintergrund der helle Austrieb der Sumpfzypressen

Hamburg – Planten un Blomen – Ende Mai 2016 – Rhododendren und Ginster, im Hintergrund der helle Austrieb der Sumpfzypressen

Der Höhepunkt der Blüte ist jedoch schon überschritten, und die starken Regengüsse der letzten Woche haben danach ziemlich gewütet.

Hamburg - Planten un Blomen - Ende Mai 2016 - Rhododendren und Azaleen, Ginster gesellt sich dazu

Hamburg – Planten un Blomen – Ende Mai 2016 – Rhododendren und Azaleen, Ginster gesellt sich dazu

Der Uferbereich unterhalb der Mittelmeerterrassen wächst wieder ein. Bei schönem Wetter flanieren hier Hunderte entlang des alten Wallgrabens und unverschämtes Glück hat, wer bei solchem Andrang noch einen weißen Liegestuhl am Hang oder direkt beim Gewächshaus ergattert und von oben genüsslich auf das Wasser und die Blütenpracht herunterschauen kann. Es ist dort immer ein wenig wärmer als anderswo, denn das Schiefergestein der Mauern speichert viel Wärme und gibt sie langsam wieder ab. Auch ein Grund, warum sich dort so viele Pflanzen aus der Mittelmeerregion wohlfühlen.

Hamburg - Planten un Blomen - Am alten Wallgraben (Irisblüte)

Hamburg – Planten un Blomen – Am alten Wallgraben (Irisblüte)

Der Park und speziell auch die Wiese am großen See (mit Wasserspielen und Lichtorgel) sind bei warmem Wetter dicht bevölkert. Wenn Sie in den Park möchten und freie Zeitwahl haben, dann wählen Sie vorzugsweise einen Wochentag. Schön ist er zwar immer, aber wochentags ist es wesentlich entspannter.

Hamburg - Planten un Blomen - Am alten Wallgraben

Hamburg – Planten un Blomen – Am alten Wallgraben

Wer sich keine großen Sorgen um einen guten Platz machen muss oder sonst notfalls übereinander liegt, sind die im und am Wallgraben lebenden Wasserschildkröten …

Hamburg - Planten un Blomen - Am alten Wallgraben - Schildkröten an ihrem Lieblingsplatz in der Sonne

Hamburg – Planten un Blomen – Am alten Wallgraben – Schildkröten an ihrem Lieblingsplatz in der Sonne

Für Kinder stets die Attraktion schlechthin. Sie hören dann auch häufig Bemerkungen wie:
„Guck mal, das sind Doppeldecker!“, „Ich habe Stapeltiere gesehen!“ oder „Und wo haben die ihre Flossen?“

Hamburg - Planten un Blomen - Sonnenanbeter (Schildkröten im Wallgraben)

Hamburg – Planten un Blomen – Sonnenanbeter

Schon des Öfteren gab es aus gegebenem Anlass Neues aus Planten un Blomen (bei Interesse am Archiv werfen Sie bitte einen Blick auf die Kategorien auf der Startseite rechts). Einige unter Ihnen kennen daher das große Gewächshaus mit seinen unterschiedlichen Abteilungen. Das Schöne ist, dort gibt es immer wieder Neues zu entdecken. Irgendetwas blüht zum ersten Mal, eine Pflanze ist neu hinzugekommen, etwas fruchtet nach Jahren endlich …

Heute habe ich Ihnen aus dem Tropenteil zwei sehr unterschiedliche, baumhohe Pflanzen herausgepickt, die gerade in Blüte sind.
Schauen Sie einmal, dies hier ist ein Saraca asoca, auch Heiliger Ashok-Baum genannt, da er in Indien in der Nähe von Hindu-Heiligtümern anzutreffen ist. Ashoka ist ein Begriff aus dem Altindischen (Sanskrit), hat die Bedeutung „ohne Sorge“. Es gibt ihn auch in weiteren Ländern der Region, doch ist seine Art inzwischen auf der Roten Liste der gefährdeten Arten  als vulnerable (gefährdet) aufgeführt.

Hamburg - Planten un Blomen - Saraca asoca, der heilige Ashok-Baum

Hamburg – Planten un Blomen – Saraca asoca, der heilige Ashok-Baum

Hier steht er nun im Gewächshaus. Ein immergrüner Baum, der im Freien etwa zehn Meter hoch wird, hier im Laufe der Zeit immerhin bis zum Glasdach gewachsen ist und dort in dieser Höhe im Moment eine dekorative, leuchtend orangefarbene Blütenpracht präsentiert. Der Ashok-Baum trägt große Dolden bzw. schirmrispige Blütenstände mit unzähligen Einzelblüten, die unheimlich lange Staubfäden haben. Die farbintensiven Kelchblätter verändern ihre Farbe. Die Blüte startet in Gelb, wird orange und zum Ende der Blütezeit schließlich fast scharlachrot. Und wie das duftet! Am stärksten in der Nacht, auf diese Art lockt der Baum seine Bestäuber an. Natürlich gewöhnlich draußen, aber die Blüte ändert ja nicht auf einmal ihr Verhalten, nur weil sie das Leben einer Gewächshauspflanze führt. Das Duften deshalb abstellen? Nein, auf die Idee kommt sie nicht.
Wer morgens bereits das Tropenhaus besucht und durch die Glastür tritt, registriert, der Duft der Nacht schwebt noch im ganzen Raum!
In der Natur entwickeln sich nach der Blüte 15 bis 25 cm lange Hülsenfrüchte. Bei Reife platzen sie auf und geben vier bis acht Samen ab. Wie gesagt im Freien, mit entsprechenden Bestäubern im Umfeld des Baumes.
Wissen Sie daher, was eigenartig ist und auch für die Fachleute vor Ort momentan noch ein kleines Rätsel darstellt?
In Stammnähe sind einige Sämlinge zu sehen, was heißt, dass die Pflanze Samen angesetzt hatte. Nur wer hier drinnen im Gewächshaus den Pollentransport vornimmt, das weiß keiner …

Hamburg - Planten un Blomen - Die Doldenblüten der Saraca asoca (Heiliger Ashok-Baum)

Hamburg – Planten un Blomen – Die Doldenblüten der Saraca asoca (Heiliger Ashok-Baum)

Dies hier nun, ist die eigenwillige Blüte eines Baumes, der sich Aristolochia arborea nennt.

Hamburg - Planten un Blomen - Blüten der Aristolochia arborea

Hamburg – Planten un Blomen – Blüten der Aristolochia arborea


Die Blüten der Aristolochia arborea
sind Kesselfallen und was die Gestaltung angeht sehr speziell. Optisch besonders auffällig! Wenn Sie einmal genau hinschauen, erkennen Sie, dass sich in der Mitte der sogenannten Perianthröhre etwas befindet, was auf den ersten Blick wie ein kleiner Hutpilz aussieht.   
Man geht davon aus, dass diese Blüte von der Pilzmücke bestäubt wird. Ein Insekt, das sich – wie sein Name sagt – auf Pilze konzentriert und selbst seine Eier dort ablegt. Die Pilzmücke fällt tatsächlich auf diese Attrappe herein, zumal die Blüten oft sehr weit unten in Bodennähe am Stamm auftauchen, an einem Platz, an dem Pilzwuchs durchaus realistisch erscheint.

Hamburg - Planten un Blomen - Im Innern einem Hutpilz täuschend ... Aristolochia arborea

Hamburg – Planten un Blomen – Im Innern einem Hutpilz täuschend … Aristolochia arborea

Die Pilzmücke forscht nun, ob sich das Gebilde für ihre Eiablage eignet und untersucht dafür angelegentlich die Hutpilzkopie. Sie bemerkt dabei nicht, dass eine kleine Öffnung für sie zur Gefahr werden könnte, fällt prompt hindurch und sitzt in der Kesselfalle.
Weil aber oben durchscheinende Zellen fast wie ein Fenster wirken, meint sie, dort einen Ausgang zu entdecken, Versucht sie daraufhin, dadurch zu entkommen, berührt sie die klebrigen Narben und überträgt dabei Pollen, den sie selbst mitgebracht hat. Raus kommt die Pilzmücke auf diese Art nicht, aber sie überlebt es trotzdem, denn schon am nächsten Tag öffnen sich die Antheren (Staubbeutel), und nun werden wiederum die Pilzmücken mit Pollen eingestäubt.
Die Blüte der Aristolochia arborea welkt, was die Zwangsinhaftierung der Pilzmücke beendet und ihr erlaubt, der Falle zu entkommen.

Über die kühlere Subtropen-Abteilung geht es Richtung Farnhaus  …

Hamburg - Planten un Blomen - Tropenschauhaus (Farnbereich)

Hamburg – Planten un Blomen – Tropenschauhaus (Farnbereich)

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… zum Sukkulentenhaus. Dort leuchten schon von weitem die großen Blüten einer Kaktuspflanze, die den Namen Cactaceae Echinocereus salm-dyckianus trägt.

Hamburg - Planten un Blomen - Sukkulentenhaus - Cactaceae Echinocereus salm-dyckianus

Hamburg – Planten un Blomen – Sukkulentenhaus – Cactaceae Echinocereus salm-dyckianus

Ich müsste ganz allmählich irgendwie wieder Richtung Hauptbahnhof kommen. Sie wissen, die Pflicht …


Erkenntnisse an der Binnenalster

Von Planten un Blomen, Ausgang Stephansplatz, geht es daher weiter Richtung Esplanade. Diese Straße führt zur Lombardsbrücke, und die überquert gemeinsam mit der parallel zu ihr verlaufenden Kennedybrücke die Alster. Die beiden Brücken trennen Binnen- und Außenalster optisch voneinander ab.  Wenden wir uns heute der Binnenalster zu.

 

Hamburg - Binnenalster - Chillen ...

Hamburg – Binnenalster – Chillen …

 

Dort fahren nicht nur die Boote der Alstertouristik oder der schon betagte Alsterdampfer St. Georg, der wirklich Dampf ablässt, hier sind auch Ruderer unterwegs oder Tretbootfahrer.

Hamburg - Binnenalster - Alsterdampfer St. Georg unterquert die Lombardsbrücke Richtung Außenalster

Hamburg – Binnenalster – Alsterdampfer St. Georg unterquert die Lombardsbrücke Richtung Außenalster

 

Und wie Sie unschwer erkennen, ebenfalls einige auf Brettern stehende Menschen mit langen Stechpaddeln …

Hamburg - Binnenalster - Die Stehpaddler sind unterwegs ....

Hamburg – Binnenalster – Die Stehpaddler sind unterwegs …

 

Ein älterer Herr schaute sich das Szenario an. Als seine Frau einen der Paddler geraume Zeit mit den Augen verfolgt hatte, fragte sie ihren Gemahl, was das dort denn bloß sei, das hätte sie ja noch nie gesehen!
„Der trainiert für den Gondelführerschein“, antwortete er bierernst.
„Du spinnst“, lautete ihre Reaktion, woraufhin er nur seelenruhig erwiderte:
„Dann sag du mir doch, was das sonst sein soll!“

Auch wenn sich das Stand Up Paddling oder Stehpaddeln als Freizeitsport enorm verbreitet, es ist bisher nicht überall und jedem bekannt. Wo die Möglichkeiten nicht gegeben sind, weil Wasserflächen fehlen, kommt eben keiner damit in Berührung. Das wiederum schafft Platz für kühne Phantasievorstellungen …
Warum sollte jeder beim Anblick sofort eine Verbindung zu den polynesischen Fischern und ihren Kanus, die sie im Stehen paddelnd vorwärts bewegten, sehen. Und folglich darin den Ursprung dieser Disziplin erkennen. Warum eine schnelle Art der Fortbewegung auch über weite Strecken oder reines Sportvergnügen daraus ableiten, wenn man gerade komplett andere Assoziationen hat.
Diese Idee des Herrn bezüglich des Gondelführtrainings ist nicht völlig abwegig!
Man hat hier in Hamburg, das gern als das Venedig des Nordens (aufgrund seiner vielen Brücken und Fleete) bezeichnet wird, tatsächlich schon überlegt, sich bei den Venezianern die Sache mit den Gondeln abzugucken. Hauptsächlich für die Touristen. Wo allerdings Gondeln eingeführt werden, wären natürlich auch Gondolieri dringend gebraucht. In Venedig sieht man das als sehr anspruchsvollen Job. Das darf erstens nicht jeder Hans und Franz, und zweitens muss der zukünftige Gondoliere eine recht schwere Prüfung ablegen. Wieso sollte das Prozedere in Hamburg anders sein …
Wenn es nach der Vorstellung unseres geschätzten Kommentators ginge, erfolgte das Training also auf dem Surfbrett, die Erlangung des Führerscheins und eine Gondola wären danach vermutlich nur noch eine Frage der Zeit.
Auf der Alster für sein segelloses Surfbrett ein langes Stechpaddel dabeizuhaben, ist auf jeden Fall nicht verkehrt. Denn Sie werden hier recht lange auf tosende Brandung und hohen Wellengang warten müssen, um auf diese Weise, wild über die exorbitanten Wellenkämme reitend, vorwärtszukommen …

Hamburger Kunsthalle – Sonderausstellung Édouard Manet

Ist die Lombardsbrücke überquert, sehen Sie bereits auf der linken Seite die Hamburger Kunsthalle. Beide auf dem Foto auftauchenden Gebäude gehören dazu! Insgesamt sind es mit einer Erweiterung zur anderen Seite sogar drei Bauten. Links der weiße Kubus mit fünf Stockwerken ist die Galerie der Gegenwart, dazwischen befindet sich das Plateau (auf dem z. B. schon die Riesenspinne „Maman“ von Louise Bourgeois ausgestellt wurde), das was Sie rechts als Backsteingebäude erkennen, ist der Gründungsbau von 1869.

Hamburg - Kunsthalle (links und rechts)

Hamburg – Kunsthalle (links und rechts)

 

Die Hamburger Kunsthalle kann ich Ihnen empfehlen! Generell und besonders jetzt!
Sie haben sicher aus der Presse vernommen, dass nach langer und millionenteurer Umgestaltungs-
und Renovierphase zum Mai Wiedereröffnung war und Gebäude, Außengelände und vor allem die Ausstellungsräume und damit die Präsentation der Werke jetzt viel schöner als vorher sind.
Der Eingangsbereich wurde nach fast 100 Jahren von der Seite, die Richtung Hauptbahnhof zeigt, wieder zurück in das alte Backsteingebäude und dort Richtung Plateau verlegt. Schauen Sie sich das Ergebnis an,
es ist recht gelungen!
Viel einladender und imposanter allein schon bei der Ankunft durch die interessante Fassade mit ihren Säulen, Verzierungen und Figuren. Freundliche, warme Farben nun auch innen, dazu großzügige Marmortreppen, Stuck (goldverziert), ein Terrazzoboden mit geometrischem Muster, gute Aufteilung, ansprechende Beleuchtung.
Sie merken, ich habe es mir nicht verkneifen können, auch dort einen Halt einzulegen. Ein weiterer Kürpunkt und direkter Anlass war für mich allerdings nicht allein die Wiedereröffnung, sondern die gerade gestartete und noch bis zum 4. September 2016 laufende Sonderausstellung mit einer Vielzahl von Werken des Malers Édouard Manet.
Da der gesamte erste Monat nach Umbau für alle Besucher der Kunsthalle eintrittsfrei war, habe ich mir gedacht, selbst wenn ich nur kurz für diese Ausstellung bleiben kann, so ist es nicht tragisch. Anders, als hätte ich 12 bzw. 14 €  (wochentags bzw. am Wochenende und feiertags) Eintritt zu bezahlen und müsste dann bereits nach einer knappen Stunde wieder gehen.

Hamburg - Hamburger Kunsthalle - Die Seite, an dem sich jetzt wieder der Eingang befindet ...

Hamburg – Hamburger Kunsthalle – Die Seite, an dem sich jetzt wieder der Eingang befindet …

Die Manet-Ausstellung ist vielseitig! Zeigt wirklich Exponate aus unterschiedlichen Phasen seines Schaffens, ebenfalls Gemälde einer Schülerin. Es lohnt sich!
Sie finden die Werke im Untergeschoss des Gründungsbaus, und ich denke, dass es jetzt im Juni und mit regulärem Eintritt nicht mehr diesen Andrang gibt, den ich Ende Mai erlebte. Aus diesem Grund gab es spezielle Zeitfenster-Tickets, die man sich aushändigen lassen musste. Ohne sie kam man nicht hinein, und theoretisch wurde daraufhin immer im Abstand von 15 min. eine Besuchergruppe durchgeschleust. Theoretisch deshalb, weil in der Praxis keiner herausgezerrt wurde, der mit dieser Zeit nicht auskam. Wer länger brauchte, durfte in Ruhe zu Ende schauen, während das Gros der Besucher wechselte. So entstand kein Gewühl und die Bilder ließen sich wirklich aus der Nähe betrachten.
Warum seine?
Ich kann gar nicht sagen, dass Manet mit der Wahl mancher Motive, egal ob es sich um lyrische, weltliche oder gar sakrale Szenen handelt, dass er damit und mit seinem Stil und seiner Umsetzung unbedingt zu meinen absoluten Lieblingsmalern gehören würde, aber ich finde Einzelwerke, ihn und seine Entwicklung interessant.

Da sehe ich einen talentierten Mann, der sich als Künstler trotzdem zunächst wie andere auch an die eigene und später ganz typische Art von Darstellung herantastete, sich und Techniken ausprobierte, manches wieder verwarf. Ich entdecke einen, der anfangs Vorbilder suchte und den ganz offensichtlich die spanische Malerei anzog. Beim etwas genauerem Betrachten entdeckt man bei einigen Gemälden, dass ein Tizian, ein Veláquez Einfluss ausübten oder auch ein de Goya y Lucientes und ein Tintoretto für ihn und sein neu geschaffenes Werk Pate standen.
Sie finden keine 1:1 Kopien! Er hat eigene Motive, jedoch ähnliche Szenen und Anordnungen. Hin und wieder gibt es durch seine Maltechnik und besonders durch eine fast identische Platzierung oder die Körperhaltung seiner Hauptfigur ein kleines Déjà-vu-Erlebnis. Man sucht im Gedächtnis, an was es einen erinnert … bis eben Tizian oder ein anderer ausgeworfen wird.
Im Fall jener Gemälde, auf oder besser gesagt aus denen seine Figuren einen ungewöhnlich direkt anblicken, kommt mir z. B. spontan sein Malerkollege und Vorbild Goya  mit seinem Werk  „Die nackte Maja“ in den Sinn. Auch sie schaut sehr offen (für damalige Zeiten), bei Manets Versionen erscheinen die Blicke fast noch etwas selbstbewusster, beinahe ein wenig herausfordernd.
Er hat sich definitiv bei anderen Malern Inspiration geholt, wie es wiederum später Eva Gonzalès als seine Schülerin auch bei ihm tat. Der Meister hatte so viel Einfluss auf ihre Darstellungsart, dass das Hamburger Abendblatt dadurch kürzlich sogar versehentlich den Urheber eines in dieser Zeitung verwendeten Gemäldeabdrucks, der für Manet selbst und die Ausstellung werben sollte, verwechselte. Das Werk war nicht von ihm, sondern von Eva Gonzalès.

Ich sehe im Falle von Manet außerdem einen fast schon Einzelgänger, der mal eben kurz die Regeln der Moral in den Wind schoss und zeitweilig mit Bildnissen von nackten („Olympia“, „Frühstück im Grünen“)  oder auch nur für damalige Verhältnisse unzüchtig bekleideten Frauen („Nana“) für Skandale sorgte. Die „Olympia“ ist es übrigens, die sofort an die Venus von Urbino von Tizian erinnert!
Vor seinen Werken stehend fällt mir ebenfalls auf, dass dieser Mann nicht rein akademisch malte, er sich nicht immer um absolute Korrektheit scherte. Nicht immer passen die Proportionen optimal, nicht überall ist alles akribisch ausgemalt, klar dargestellt und bis in die letzte Ecke deutlich. Verwischt, vertupft … Es sind Kleinigkeiten, die das eigene Empfinden zwiegespalten registriert. Der Ordnungssinn moniert das „Schludern“, der kreative Part findet es klasse und betrachtet es eher als besonderen Anziehungspunkt.

Sehr stark finde ich bei Manet auch, welche Wirkung er auf seinen Gemälden mit der Farbe Schwarz erzielt, einer Farbe, die ja eigentlich als Nichtfarbe zählt. Er verwendet sie in vielen Abstufungen. Schwarz ist nicht gleich schwarz – Sie wissen selbst wie das ist, sobald sie verschiedene schwarze Kleidungsstücke zusammen anziehen wollen. Die Hose wirkt auf einmal grau-schwarz, das Oberteil kommt in tiefmitternachts- oder kohlengrubenschwarz daher. Und dazwischen liegen mindestens zehn bis 15 Abstufungen …
Das nutzt er und zwar durchaus großflächig. Trotzdem wirken die Bilder nicht grundsätzlich düster. Gerade mit dem Einsatz von Schwarz schafft er Kontraste und für mich insofern ein etwas anderes visuelles Erlebnis, da alle anderen Farben dadurch eine besondere Leuchtkraft zu bekommen scheinen („Frühstück im Atelier“).  Schon toll!

So langsam muss ich allerdings …

So viel entdeckt … Bewegung, Frischluft, neue Anregungen. Die Kürelemente … Mensch, war das schön!
Wie bitte? Die Pflichtsache?
Eine kurze Angelegenheit, die kurzfristig dazugekommen war, hatte ich nebenher auf dem Weg schon erledigt, davon haben Sie gar nichts mitbekommen. Die eigentliche Muss-Sache verlief am Ende erstaunlicherweise viel besser und schneller als gedacht! Ich vermute stark, es lag daran, dass die Pflicht nach allem anderen keine Chance mehr hatte, ihren elend hohen Nervfaktor auszuspielen.

Konfuzius meinte ja weise, der Weg sei das Ziel. Und ich ergänze pseudoweise:
Erscheint das Ziel als eher aufgedrücktes Muss-Ziel und wenig attraktiv, dann spicke wenigstens den Weg dorthin mit erfreulichen Zwischenstopps.

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© by Michèle Legrand, Juni 2016
Michèle Legrand - Freie Autorin

 

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Und die Zeit, und die Zeit, und die Zeit …

Garten im Mai mit Glyzinie, Clematis, Spanischem Hasenglöckchen etc.

Ganz kurz heute nur! Ein kleines Lebenszeichen mit einem Gruß aus dem Garten!

Dazu die Ankündigung, dass es vermutlich morgen bereits einen neuen, umfangreicheren Blogbeitrag gibt,
für den Sie dann wieder etwas mehr Zeit und ein wenig Muße gebrauchen könnten.
Es wird etwas zum in Ruhe Schmökern, zum Anschauen, zum nebenher Gedanken spielen lassen.

Dabei wird es um Kesselfallen, um Stapeltiere, um Menschen auf Brettern, um Pflicht und Kür und um den
alten Manet in der Hamburger Kunsthalle gehen.
Vielleicht haben Sie Lust, wieder mit von der Partie zu sein.
Bis bald!

Ich bin leider noch eingespannt und muss wieder ran. Wie Monsieur Bécaud bereits sang:
Und die Zeit, und die Zeit, und die Zeit …

Ihnen ein schönes Wochenende!

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© by Michèle Legrand, Juni 2016
Michèle Legrand ©Foto Andreas Grav (Ausschnitt)

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Nun endlich auch draußen: Wärme und anderes tanken …

Kaum sind wir offiziell am sommerzeiten, frühlingt es mit Macht. Unter uns, ich würde darauf wetten, wir hätten diesen netten Zwischenwärmeschub auch ohne vorherige Umstellung der Uhren abbekommen. Glauben Sie mir, Petrus hat das nicht erfunden, und er läuft da oben äußerst selten mit einer Rolex am Handgelenk von Wolke zu Wolke! Die braucht er höchstens alle Jubeljahre zum Protzen. Nein, Jahreszeiten hat er im Gefühl, das Wetter bastelt er nach Stimmung. Und weil er eben auch nur ein Petrus ist, kommt er mit allem gelegentlich ein wenig durcheinander, stellt die Schalter nicht um oder befindet sich im MPM, im missglückten Probiermodus.

Die Sonnentage sind ihm allerdings prima gelungen, finden Sie nicht auch? Wie ist es schön, endlich einmal die Winterjacke unbekümmert in die Ecke pfeffern zu können! Selbst wenn es lediglich für wenige Tage ist. Ein strahlend blauer Himmel motiviert. Zu allem möglichen! Alles sprießt, steckt voll Energie, zeigt Leben.

Bei mir im Garten komme ich bei den frühlingshaften Temperaturen endlich flott und guter Dinge voran! Ohne Frostfüße, die einen zum Abbrechen der Arbeit zwingen – und sogar mit einem herrlich angewärmten Rücken, da die Sonnenstrahlen beim Buddeln und Ordnung schaffen genau dort hinzielen. Eine Kraft haben die mittlerweile!
Es vermittelt so ein kleines Gefühl von Infrarotlicht-Bestrahlung im Grünen.

Quittenblüte (Chaenomeles japonica), lachsfarben mit gelben Forsythienblüten im Hintergrund

Quittenblüte (Chaenomeles japonica)

Hat es Sie auch hinausgelockt? Zum Spaziergang, zum Sonne genießen, Rad fahren, im Garten werkeln?
Man braucht wieder eine Sonnenbrille! Ich dachte schon, die käme in meiner Gegend gar nicht mehr zum Einsatz.
Untersuchungen haben ergeben, dass bei den meisten Menschen – speziell nach diesem grauen Winter – der Vitamin-D-Speicher gähnende Leere aufweist. Der Körper konnte lange Monate mangels Licht und Sonne kaum Nachschub produzieren. Nun frage ich mich gerade, wie viel Vitamin D (ich nehme gern gleich richtige Kilos als vernünftige persönliche Vorstellungs- und Recheneinheit) ein Mensch wohl im Laufe der vielen Schönwetter-stunden zwischen Freitag und Montag neu getankt hat. Nach meiner Rechnung 47,3 kg. Mindestens. (Sagen Sie es aber besser so nicht weiter, es wirkt auf andere verwirrend.) Wie auch immer – der  Speicher dürfte sich auf jeden Fall gefreut haben, und der aktuelle Wert sollte schon ein wenig gesitteter aussehen.

Hornveilchen, blau-violett blühend

Hornveilchen

Man konnte in den letzten Tagen einen mächtigen Entwicklungsschub in der Natur feststellen und förmlich dabei zuschauen, wie Blattknospen an Sträuchern und Hecken innerhalb von Stunden geradezu dramatisch an Umfang zulegten und sich einige vorwitzige Blättchen oder sogar Blüten bereits verschämt zu entkrumpeln begannen.
Sieht es nicht immer phantastisch aus, wenn eine gar nicht mal sonderlich große Knospe aufreißt, ein leuchtender Farbtupfer erscheint und etwas in der Form noch Undefinierbares Stück für Stück hervorquillt, sich entfaltet und am Ende ein unerwartet großes, bildschönes und überhaupt nicht mehr zerknicktes Blatt ergibt? Oder eine sagenhafte Blüte?

Marienkäfer auf gerade ausgetriebenen roten Haselnussblättern

Er mag die gerade ausgetriebenen roten Haselnussblätter als Sonnenplatz …

Ich bin immer völlig begeistert, wenn im Mai die großen Türkenmohnblüten (später auch Island- und Klatschmohn) diesen Prozess durchmachen und ihren kugeligen Knospen entfleuchen. Die riesigen roten Blütenblätter sind darin winzig klein zusammengefaltet … Sagenhaft. Das ist hohe Kunst!
Ich möchte schon gern wissen, wer die so genial eingepackt bekommt …

Scilla in Blüte (Blausternchen)

Scilla in Blüte (Blausternchen)

Himmel blau, Sonne anwesend, Temperatur frühsommerlich, was lösen diese Umstände gern aus?
Richtig, es fördert die Entstehung einigen Lärms. Menschenlärms, weil jeder plötzlich draußen lebt, über drei Zäune hinweg lautstark mit umliegenden Anwohnern palavert, motorbetriebene Geräte anwirft oder seine Harley reaktiviert und tierischen Lärms, dessen Ausdrucksform auf mich stets um einiges natürlicher wirkt. Doch die Viecher sind ja allesamt auch kleiner als der Mensch und kommen ohne technische Effektverstärkung aus.

Bei Frühlingstemperaturen erklingt mit einem Mal in der Luft das Sirren von Insekten, meist noch bevor man sie zwischen Zweigen überhaupt optisch wahrnimmt. Sie vernehmen kaum zu stoppendes Gezwitscher aus der Vogelwelt und Rabatz vom Eichhörnchen. Ein Taubenpaar hier bei mir gurrt dermaßen, dass es anstrengt. Mich mit! Ich spreche nicht so sehr von der Lautstärke, es ist mehr die Art, wie die Gurrer diese Töne fabrizieren! Es hört sich so ungesund kurzatmig, asthmatisch an.
Mir geht die Puste bereits nach kurzer Zeit aus Solidarität mit aus!

Bergprimel, Blüte pink-rosa mit gelber Mitte - (Primula pruhoniciana)

Bergprimel (Primula pruhoniciana)

Was ich vom Empfinden und der Dezibelzahl her fast mit der Lautstärke eines Rasenmähers vergleichen würde – zumindest, wenn es direkt neben einem stattfindet – ist Hummelgebrummel!
Ich sage nur: Resonanzkörper und Flugtechnik! Ein beachtlich tiefer Ton, der durch die niedrige Frequenz bei Hummels Flügelschlaggeschwindigkeit (nur 80 Hertz!) zustande kommt.
Weil diese kleinen Schwergewichte grundsätzlich nicht aggressiv sind und auch vom weichen, rundlichen Aussehen her sympathisch wirken, haben ihre Anwesenheit und selbst dieses gleichmäßige, intensive Motorengeräusch zunächst eher einen beruhigenden als alarmierenden oder störenden Einfluss.
Das Empfinden ändert sich, wenn die Hummel beschließt, als Langzeitgartenhelfer direkt neben Ihnen zu bleiben. Mir geht ihr ruppeliger Brummton nicht nur ins Ohr, sondern irgendwann so durch und durch, dass es mir vorkommt, als würden zusätzlich Schwingungen entstehen und alles zusammen meine Knochen zum Vibrieren und Mitsummen bringen.
In so einem Fall verziehe mich für eine Weile aus der bevorzugten Hummelregion. Die war vor kurzem noch im Krokusbereich, doch da es nahezu während der gesamten Blütezeit zu kalt für Insektenausflüge blieb, haben die Hummeln davon nicht ganz so viel mitbekommen. Momentan zieht es sie in die Ecke, wo sogar jetzt im April noch meine Schneeheide (Erica carnea) blüht. Sie ist sehr beliebt bei den pelzigen Riesenbrummern und ebenfalls bei jahreszeitlich besonders früh aktiven Bienen. Ebenso bei Marienkäfern!

Hummel auf der weiß blühenden Schneeheide (Erica carnea)

Hummel auf der Schneeheide (Erica carnea)

Bei den Vögeln ist eine neue Phase zu beobachten. Vor einigen Wochen waren das Suchen nach und Werben um den Partner dran, es folgte die aufwendige und äußerst kritische Nistplatzsuche mit anschließender Platzverteidigung, daran an schloss sich die Nestbauphase. Wenn während solcher Wochen ausgeflogen wird, geschieht es vergleichsweise lässig. Wirkt nicht gescheucht. Überall ist Zeit für eine Pause samt akustischem Intermezzo. Zur Reviermarkierung, zum Werben. Die Melodien für das Anlocken der Herzensdame sind besonders melodiös und variantenreich, sie sollen schließlich überzeugen.
Haben Sie schon einmal darauf geachtet, wie intensiv sich bei einigen Vogelarten dabei hin und her geantwortet wird? Man bleibt dazu selbstverständlich nicht immer auf demselben Zweig hocken! Das wäre ein sehr langweiliger Flirt. Nein, er fliegt unternehmungslustig weiter zu einem anderen Busch, ruft und antichambriert von dort erneut. Sie missachtet ihn kurzzeitig, das ist aber alles Kalkül und Taktik. Zappeln lassen oder so etwas in der Art. Sie hält es nur nicht durch, sondern macht sein Spiel einen Moment später doch mit. Madame zieht nun ebenfalls um – jedoch zur Tanne, nicht zu ihm – und trillert verführerisch zurück. Was ihn wiederum fast vom Ast fegt. So geht das weiter, bis man sich einig geworden ist.

In der Nestbauphase ab etwa Mitte März wurde es plötzlich extrem leise. Aber zwitschern Sie mal, wenn Sie ständig den Schnabel voller Moos und Halme haben …
Jetzt bei den warmen Temperaturen reagieren die gefiederten Gesellen prinzipiell euphorisch und trällern ihre Lebensfreude lautstark heraus, allerdings muss bei einigen Pärchen mittlerweile schon die Brut geschlüpft sein. Dort ist keine Zeit für ewige Ständchen, während man sich entspannt auf dem höchsten Zweig der Weide, der im Wind leicht hin- und herschwingt und seinen musikalischen Gast dabei sanft schaukelt, sonnt.
Bei manchen muss die Kraft gut eingeteilt werden. Freizeit ist bei all denen ein Fremdwort, die Sie momentan nur noch noch atemlos hin- und herzischen sehen. Ununterbrochen! Ein sicheres Zeichen dafür, dass sie bereits Elternpflichten nachkommen müssen und irgendwo der nimmersatte Mininachwuchs mit den aufgerissenen Riesenschnäbeln permanent um Nahrung bettelt.

Vinca minor (Kleines Immergrün) in Blüte ... (blau-violett)

Vinca minor (Kleines Immergrün) in Blüte …

Haben Sie in dieser Saison schon Sommervögel entdeckt?
Lassen Sie sich jetzt nicht durch den Begriff ins Bockshorn jagen. Wer nicht gerade Schweizer oder Däne ist oder den Blog von mannigfaltiges  liest (sein Sommervogel heißt Manni), überlegt vielleicht, welche besondere Vogelart sich dahinter verbirgt. Lebt da eine etwa nur im Sommer? Und wenn … gibt es womöglich auch den Wintervogel? Moment! Wintervögel, klar, schon gehört …!
Stopp! Grübeln Sie nicht weiter. Sie driften ab. Sommervögel zwitschern nicht, sie flattern still. Sommervögel sind nichts anderes als Schmetterlinge. Mein sommerfugl (wie es im Dänischen tatsächlich für Schmetterling heißt) am Sonntag im Garten war ein Zitronenfalter, der durch seine gelb leuchtenden Flügel sofort auffiel. Bunt und farbintensiv war ja monatelang eine Seltenheit draußen. Sein Flugstil wirkte übermütig, die Richtungswechsel kamen unvermittelt und ohne wiederkehrendes Muster, was es unmöglich machte, ihn zu fotografieren. Wahrscheinlich war auch er schwer begeistert vom Wetter und dem lauen Lüftchen.

Es geht also los. Der Frühling hat es geschafft! Und selbst wenn noch einmal die Kälte zurückkommt (was sie gerade wieder versucht), man weiß jetzt, unser Freund Lenz kann noch immer den Winter austreiben, Sonne anschleppen und Thermometer pushen.
Sehr beruhigend …

Vergissmeinnicht (Myosotis) in Blüte

Vergissmeinnicht (Myosotis)

Ich müsste nun langsam wieder hinaus in den Garten … Obwohl, eines noch!

Man soll sich auf seiner Seite oder seinem Blog gemäß ernstgemeinten Empfehlungen von Oberbloggurus und Social-Dingsda-Leuten stets nur versiert, intelligent und fähig präsentieren. Unbesiegbar, unfehlbar, unüber-trefflich, allwissend, so, dass Bewunderung gewiss ist und im Idealfall jeden zumindest im Ansatz der Neid packt. Auf diese schillernde Persönlichkeit, diese Unfehlbarkeit und Kompetenz in allen Lebenslagen (will auch!). Mit anderen Worten, man soll zum Sein noch eine ordentliche Portion Schein drauftürmen und ordentlich auf die Kacke hauen.
Ich behaupte nun allerdings seit Anbeginn hartnäckig, es verursacht eine sehr unschöne Blase, die irgendwann platzt. Und im heutigen Falle wäre es sehr schade, würde ich mich an diese Regeln halten, denn dann dürfte ich Ihnen das, was gleich zum Abschluss kommt, überhaupt nicht erzählen!
Nichts gegen Kompetenz, Intelligenz und Brillanz, doch man ist nun einmal ein störanfälliger, reflexbehafteter,  gefühlsbetonter, oft eben unlogisch und etwas unberechenbar agierender Mensch. Keine Maschine, kein Roboter. Es wird einem nicht das Genick brechen, wenn man erwähnt oder zugibt, dass eine Reaktion nicht die allerhellste war oder eine Handlung ziemlich stümperhaft ausfiel. Ich weiß nicht, wie es Ihnen ergeht, nur ich habe wesenlich lieber eine authentische Person als eine Kunstfigur.
Imageschaden erleidet ja nur der, der ein künstliches Bild aufbaut, das nicht mit ihm und der Realität konform ist.

Wie kam ich gleich darauf? Richtig, es ging zuletzt um Gartenarbeiten, die ich flugs nach dem Blogpost fortsetzen wollte. Ich muss mich sputen. Drücken Sie mir also ruhig die Daumen, dass ich nicht wieder solchen Blödsinn verzapfe wie am vergangenen Sonnabend …

An diesem Tag habe ich zunächst Massen von Maulwurfshaufen abgetragen und die verwertbare feuchte Erde, von Steinen befreit, in einer Schubkarre zwischengelagert. Man kann sie nämlich nicht lange irgendwo auf dem Boden deponieren, dann wächst Grünzeugs von unten in den Erdhaufen hinein und durchwuchert ihn langsam aber sicher. Kriechendes Unkraut, Efeuranken etc. kennen in dieser Hinsicht kein Vertun.
Nachdem die Maulwurfshinterlassenschaften vom Rasen entfernt waren, stand Rasen mähen an – was vorher aufgrund der gut 40 Erdhaufen zu einem Slalomlauf mutiert und insgesamt gesehen auch nichts gebracht hätte.
Während des Mähens blockierte mir irgendwann die Schubkarre den Weg. Proppevoll und schwer wie Blei. Anheben funktionierte gerade noch so, doch der Versuch, sie zu verschieben, ging in die Hose. Da der Rasen großflächig untergraben wurde und einer Buckelpiste gleicht, blieb das Rad in der nächsten leichten Kuhle hängen. Die Karre geriet ins Schwanken und bekam prompt Schlagseite. Ich versuchte, das Ding zu halten, doch es war aussichtslos. Das Gefährt kippte, ein Großteil der Erde aus der Wanne landete mit Schwung im Beet. Zarte Blumen verschwanden darunter. Ich hatte ein Hügelgrab für sie geschaffen.
Ich kippte übrigens ebenfalls, weil ich die Griffe der Schubkarre natürlich nicht losließ! Der Mensch kann ganz schön hartnäckig sein. Als ob es noch etwas helfen oder retten würde!
Also landete auch ich im Beet – und meine Schulter im rabiaten Feuerdorn. Sie wissen, das Ding heißt nicht ohne Grund so! Die Dornen sind extrem angriffslustig und stabil. Der Pflanzensaft, der in Hautkratzer und -verletzungen hineingerät, ist obermies! Brennt lang, hinterlässt rote Striemen und recht ausgedehnt entzündete Areale. Ehe die Haut danach wieder richtig hell aussieht bzw.  einheitlich gefärbt scheint, vergehen Wochen.
Mein Feuerdorn steht nach unserem intimen Zusammentreffen natürlich wie eine Eins, meine Schulter hingegen … Die Blessur könnte locker als Kampfwunde durchgehen.

Was mich nicht davon abhält, weiter in der Erde zu wühlen. Sie kennen ja das Problem: Von nichts kommt nichts. Und kompetent wühlen kann ich immerhin. ^^

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© by Michèle Legrand, April 2016
Michèle Legrand ©Foto Andreas Grav (Ausschnitt)

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30 Kommentare

Neue Herbst-Bauernregeln …

Glauben Sie an Bauernregeln? An diese Wetter- und Klimaweisheiten der Landwirte?
Ja? Nein? Doch, schon – aber … Weiß nicht …
Ich habe festgestellt, dass schon einiges zutrifft. Zumindest teilweise. Naturbeobachtungen sind jedenfalls wertvoll, sinnvoll! Sie lassen durchaus Rückschlüsse auf zukünftig Eintretendes zu. Es gibt bestimmte Auslöser, Abläufe, Zyklen, Wiederkehrendes, Wahrscheinlichkeiten …
Genauso gibt es jedoch Aussagen, die ich persönlich eher fragwürdig finde. Wenn zum Beispiel im Herbst aus der Fülle der Beeren an einem Strauch geschlossen wird, dass der folgende Winter ein harter sein wird. Begründung: Der Strauch wüsste das! Der hätte es sozusagen im Geäst, und genau deshalb würde er so viel produzieren. Damit Vögel und anderes Getier in der kalten Zeit Nahrung fänden. Das klingt gut.
Doch mindestens genauso logisch erscheint die Erklärung, dass der Fruchtansatz deshalb so enorm ausfällt, weil der vorangegangene Sommer von der Witterung und der Sonnenscheindauer her so bombastisch war, dass er zuerst eine Blütenfülle und daraufhin den Fruchtrekord hervorrief.
Was stimmt denn nun? Letztendlich vermutlich die dritte Variante.
Es kommt wahrscheinlich irgendwer um die Ecke und gesteht, dass er diesmal extra gut gedüngt hat.

Düngst du eine Handvoll mehr, kommt die Ernte reich daher.
Gibst du Wasser obendrein, wird die Scheune bald zu klein.

Mir ist beim Spazieren und später bei der Gartenarbeit noch einiges aufgefallen, was dazu taugt, einige solcher  Herbst-Bauernregeln aufzustellen. Möchten Sie mal schauen?

Für die kurzfristige Wetterprognose …

Gelbe Ginkgoblätter im Herbst am Boden mit blühendem Klee dazwischen

Blüht Klee auch unter Ginkgo weiter,
so bleibt der Herbst noch länger heiter.

 

Feuerwanzen im Herbst an absterbenden Stielen von Buschmalve und Edeldistel
Erklimmen Wanzen weiter Stängel und Stiel,

dann wird es mit der Kälte vorerst nicht viel.

 

Für die langfristige Wettervorhersage …

Drei verschiedene Pilzarten auf einem abgestorbenem Baumstumpf (große Mengen)

Gibt’s Pilze in recht großer Menge,
zieht sich der Winter in die Länge.

 

Hier drohen womöglich Kälte- und Frostgefahr

Laubfall der roten Blätter eines japanischen Ahorns

Fällt nach Verfärbung schnell das Laub,
werden dir bald die Finger taub.

 

Oder doch eher Wärmerückkehr und Aussicht auf Sonne …?

Erdbeerpflanze mit Blüten und Früchten Ende Oktober
Sind an der Erdbeer’ noch Früchte und Blüten,

so musst du dich ernsthaft vor Sonnenbrand hüten.

 

Auch Laubfärbung und -abwurf  liefern Erkenntnisse!

Rotfärbung der Jap. Ahorn (Acer aconitifolium)
Strahlen Wein- und Ahornblatt intensiv rot –
dann sind sie meist drei Tage später schon tot!

 

Große Mengen gelber Ahornblätter auf Straßenpflaster

Fällt Ahornlaub sehr früh aufs Pflaster,
ist es das erste unterm Laster …

Eichhörnchen Scotty zog vorhin vorbei. Ich sah ihn leider nur durchs Fenster auf Entfernung. Er war auf Beutezug und schleppte Nüsse ab. Ein Zeichen für einen baldigen Winterbeginn?
Oder war es gar keine Nuss, die eben die Ausbeulung in der Wange produzierte …? Pfiff er nur? Merke:

Scotty - (Eichhörnchen auf Aralie) - Nur durchs Fenster und entfernt erblickt ....

Zeigt’s Eichhörnchen sich mit dicker Backe,
ist es womöglich nur eine Macke …

Sie sehen, nichts ist sicher bezüglich des Wetters. Taugen derartige Regeln? Oder ist alles Humbug? Andererseits – die offizielle Wettervorhersage der Meteorologen stimmt auch nicht immer.
Wer hat denn – speziell bei Langzeitprognosen und Angaben zum Ablauf der Jahreszeiten – die höhere Trefferquote? Der Bauer? Der Meteorologe?

Sie werden sicher selbst einige Auffälligkeiten entdecken, wenn Sie sich draußen umschauen.
Notieren Sie markante Sachen! Formulieren Sie einfach Ihre eigenen Bauernregeln!
Wir könnten es später gern zusammen kontrollieren.
Genau! Wir werden festhalten, was sich bewahrheitet hat und bestimmen selbstverständlich ebenfalls die
Regel, die sich als der absolute Flop erweist …
Ich zähle auf Sie!

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© by Michèle Legrand, Oktober 2015
Michèle Legrand - freie Autorin - Michèle. Gedanken(sprünge) @wordpress.com

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Boberger Dünen – Schafe, Segelflieger, Sonnenanbeter …

Wie wäre es, möchten Sie eventuell einen Tipp abgeben, in welcher Region ich mich beim Fotografieren aufgehalten habe? Sie müssen jetzt überhaupt keine superakkurate Ortsbestimmung vornehmen, ich hatte mehr eine allgemeine Aussage à la in den Bergen, in der Stadt, am Meer oder so im Sinn.
Nun? Das Wasser spürt man doch förmlich hinter den Bäumen!
Oder etwa nicht?
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Boberg - Dünenlandschaft

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Klar, Dünenlandschaft. Steht doch auch im Titel! Was will sie eigentlich …?
Muss die Nordseeküste sein, womöglich eine Insel! Wahrscheinlich Amrum oder Sylt.
Oder irgendwo an der mecklenburg-vorpommerschen Ostseeküste …

Waren das Ihre Gedanken?
Also in Deutschland muss es sein, denn schließlich habe ich Boberg irgendwo schon einmal gehört …
Ja? Oder doch nicht?
Doch, doch – nur in welchem Zusammenhang war es noch gleich gewesen?
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Boberg - Dünenlandschaft ....

Tja. Keine Insel, kein Küstenort. Das Meer können Sie lange suchen. Selbst die Elbe lässt sich nicht erspähen, obwohl sie immerhin weiter südlich vorbeifließt. Allerdings beträgt die Distanz zum Fluss Luftlinie gerechnet ca. 13 km.
Das Nicht-Seebad Boberg ist vielmehr ein Ortsteil des Hamburger Stadtteils Lohbrügge, im Südosten der Stadt gelegen, und aus zwei bis drei Gründen könnte Ihnen dieses Boberg etwas sagen:
Zum einen gibt es hier ein sehr bekanntes Unfallkrankenhaus, das oft auch überregional in den Nachrichten erwähnt wird, wenn Verkehrsunfallopfer in die Boberger Chirurgie geflogen werden, wenn es um die Behandlung Querschnittgelähmter geht oder wenn schwerste Verbrennungen versorgt werden müssen.
Zum anderen fällt der Name im Zusammenhang mit dem Segelflugsport, und möglicherweise ist Ihnen auch das Naturschutzgebiet Boberger Niederung ein Begriff. Das ist nämlich sehr speziell in seiner Art!

Genau in dem war ich, weil ich nach einer recht regnerischen Herbstwoche am ersten trockneren Tag ein wenig Sehnsucht nach Strandgefühl, aber auch nach Heidelandschaft hatte und die ganz typischen Ziele dafür in der Kürze der Zeit nicht in Frage kamen.
Strandfeeling entsteht jedoch wirklich auch in Boberg, denn hier befindet sich eine große Wanderdüne! Sand en masse!
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Boberger Dünen - Dazu Heidelandschaft und Birken ....

Boberger Dünen – Dazu Heidelandschaft und Birken ….

Es sind im Grunde die Reste einer früher viel größeren Dünenlandschaft, die einst vom Zentrum (Berliner Tor) bis nach Bergedorf (im Osten Hamburgs) reichte. Sie war vor Urzeiten entstanden, als sich – simpel ausgedrückt – Sand durch stetige Winde am Nordufer des Elburstromtals absetzte. Genau im Übergangsbereich von Marsch zu Geest.
Im Verlauf langer Jahrhunderte wurde das Gebiet unterschiedlich genutzt. Einst wurde beackert, später Sand abgetragen. Anfang des 20. Jahrhunderts füllte man mit diesem Sand z. B. die Marschflächen in Billwerder und Hammerbrook künstlich auf. Auch für Bauzwecke hielt der Sand aus den Dünen her und genauso profitierte der Ausbau des Eisenbahnnetzes von eben diesem Sandvorkommen.
Heute kann man von Glück sagen, dass man sich 1927 über den Sandpreis nicht einig wurde und das Abtragen einstellte. Sonst wäre jetzt gar nichts mehr von der einst ungefähr 16 km langen (Berliner Tor bis Bergedorf) Pracht übrig!

Boberg - Dünenlandschaft ...

Boberg – Dünenlandschaft …

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Bevor möglicherweise noch mehr verloren geht, wollte ich Sie einmal dorthin entführen. Es ist ein eigenartiges, nichtsdestotrotz ein großartiges Gefühl, innerhalb einer Großstadt auf Sanddünen und Strandhafer zu stoßen! Genauso merkwürdig und doch höchst erbaulich ist es, wenn der Eindruck entsteht, man sei auf seinem Wanderweg eben kurz in die Lüneburger Heide abgedriftet.
Das Gebiet der Boberger Niederung ist heute Naherholungs- und Naturschutzgebiet in einem. Es gibt sogar einen Badesee (Baggersee)!
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Boberger Dünen (NSG Boberger Niederung)

Boberger Dünen (NSG Boberger Niederung)

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Sie dürfen direkt auf die Dünen, müssen sich aber ansonsten drumherum auf den gekennzeichneten Wegen und erlaubten Pfaden bewegen, um bodenbrütende Vögel oder beispielsweise Eidechsen nicht zu gefährden und um ganz generell das Rückzugsgebiet für zahlreiche Insekten, Vögel (z. B. Wachtelkönig, Heide- und Feldlerche), Kleintiere (u. a. Kreuzkröten) und Pflanzen (neben vielen anderen fünf Orchideenarten) nicht zu zerstören.
Reguläre Fahrradwege führen ebenfalls hindurch, sogar Reitern sind Teilbereiche erlaubt.
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Boberger Niederung (Boberger Dünen) - Zu Fuß, per Rad oder mit dem Pferd - alles ist möglich.

Boberger Niederung (Boberger Dünen) – Zu Fuß, per Rad oder mit dem Pferd – alles ist möglich.

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Herbsttag in den Boberger Dünen ... (Wanderweg im NSG zwischen Birken)

Herbsttag in den Boberger Dünen …

Die Segelflieger zweier Vereine (Hamburger Verein für Luftfahrt (HVL) und Hamburger Aero Club (HAC) Boberg) sind hier aktiv! In der Boberger Niederung liegt ein Segelflugplatz, dessen Flugfeld mit seiner 1,3 km langen Grasbahn größtenteils von Schafen kurzgehalten wird.
Sie sind im gesamten Naturschutzgebiet mit ihrem Schäfer von April bis Oktober unterwegs und kümmern sich vorrangig um die Heidelandschaft. Dazu erzähle ich Ihnen gleich etwas, nur ich möchte vorher noch etwas zu den Seglern loswerden.

Falls Sie Boberg wegen der Segelflieger anstreben, wählen Sie möglichst das Wochenende, denn dort herrscht bei entsprechendem Wetter reger Betrieb. Ich war an einem Freitagnachmittag mit geringerer Aktivität dort und hielt ich mich immer wieder einmal entlang des Flugfelds auf, um Segler zu sehen.
Natürlich immer im falschen Moment!
Zunächst bemerkte ich vom regulären Hauptweg aus relativ spät ein landendes Flugzeug. Ehe ich den Abzweig zum Flugfeld hatte, hatte man die Maschine schon in ein Gebäude weggeschoben. Ich blieb also weiterhin in Flugplatznähe. Kam ein Flugzeug? Nein. Startete ein Flugzeug. Nein.
Doch als ich schließlich wieder woanders spazierte, was wurde von mir gerade noch aus dem Augenwinkel an einer lichten Stelle wahrgenommen? Eine abhebende Maschine!
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Boberger Niederung (Boberger Dünen) - Ein Segelflugzeug über den Köpfen der Schafe ...

Boberger Niederung (Boberger Dünen) – Eine Maschine startet über die Köpfe der Schafe hinweg …

Ich denke mir also, die wird einen Rundflug machen und ist in einer halben bis vollen Stunde wieder zurück. Diese Landung bekommst du mit! Und? Natürlich kommt sie nicht!
Doch als ich zu meinem Auto zurückkehre, was fliegt über meinen Kopf? Der Segelflieger!
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Boberger Niederung (Boberger Dünen) - ... leise angekommen und plötzlich über einem! (Segelflugzeug)

Boberger Niederung (Boberger Dünen) – … leise angekommen und plötzlich über einem!

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Ich fühlte mich doch ein klein wenig veräppelt. Also, wählen Sie einen Wochenendtag mit mehr Flugaktivität und haben Sie Geduld. Dann wird das auch was.
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Boberger Niederung (Boberger Dünen) - Heidelandschaft

Boberger Niederung (Boberger Dünen) – Heidelandschaft

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Die Heidelandschaft, die ebenfalls Part der Niederung ist, wird hier einerseits kontinuierlich durch die Schafe, aber zusätzlich auch durch menschliche Helfer gepflegt.
Kennen Sie Kusseln, bzw. das Entkusseln? Nie gehört?
Wollen Sie wieder tippen? Kusseln – vielleicht ein neugeschaffener Begriff entstanden aus Kuscheln und Küssen? Entkusseln demzufolge das Auseinanderwirren nach Zärtlichkeiten?
Aber was hätte das mit Besenheide …?
Genau! Geben Sie lieber auf! ^^
Als Kusseln bezeichnet man Bäume, Sträucher und Gräser, die versuchen, zwischen der Heide hochzukommen und die diese langsam aber sicher überwachsen und verdrängen würden. Entkusseln ist dementsprechend das Entfernen und somit auch Freihalten der Heidefläche. Hier in Boberg sind es vor allem Birken und Zitterpappeln, die sich ohne Hackeneinsatz massiv ausbreiten würden. Im Laufe der Zeit gäbe es nur noch einen Laubwald.
Gelegentlich wird die Heide auch abgeschlägelt, d. h. sie wird ganz tief abgemäht. Es passiert dann, wenn die Vergreisung der Altpflanzen einsetzt (nach 20-30 Jahren) und Luft, Platz und Licht für die aufkeimenden neuen Heidepflanzen benötigt wird.
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Boberger Dünen (Boberger Niederung) - Besenheide mit einer Restblüte ...

Boberger Dünen (Boberger Niederung) – Besenheide mit einer Restblüte …

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Die Schafherde habe ich an diesem Tag direkt auf dem Flugfeld angetroffen.
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Boberger Dünen (Boberger Niederung) - Segelflugplatz (mit Schafen und Hinweisschild)

Boberger Dünen (Boberger Niederung) – Segelflugplatz

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Wissen Sie, Schafe sind ulkige Wesen, d. h. ihr Verhalten ist es – und es ist dem Verhalten von Menschen in größeren Ansammlungen von Artgenossen nicht unähnlich. Haben Sie schon einmal darauf geachtet, was sich bei den Wesen im Wollgewand – nennen wir es gesprächsmäßig – innerhalb einer Herde tut?
Es herrscht eine Weile Ruhe. Bis ein Schaf blökt. „Mäh!“ Prompt ertönt ein „Mäh!“ aus einer anderen Ecke zurück. Gut. Die zwei sind vielleicht Freunde … Doch es geht weiter. Auf das zweite „Mäh!“ folgen mindestens drei neue, drei gleichzeitige Blöklaute unterschiedlicher Herdenmitglieder und spätestens nach diesen Synchronmähs gibt es kein Halten mehr. Der Schneeballeffekt. Nach 20 Sekunden blökt also die ganze Herde. Es rauschen die Mähs durch die Luft wie beim Abgang einer Lawine. Doch es ebbt auf diese Art auch allmählich wieder ab, bis schließlich das letzte Schaf ein einzelnes Endmäh ausgestoßen hat, Ruhe einkehrt und alle friedlich grasen. Stille.
Aber wehe, jemand startet wieder!

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Boberger Niederung - Schafe auf dem Flugfeld des Segelflughafens ...

Boberger Niederung – Schafe auf dem Flugfeld des Segelflughafens …

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Boberger Niederung (Boberger Dünen) - Auch ein paar Ziegen gehören zur Herde - wie diese "gemusterte" ... (schwarze Ziegel mit regelmäßigen, hellen Flecken)

Boberger Niederung (Boberger Dünen) – Auch ein paar Ziegen gehören zur Herde – wie diese „gemusterte“ …

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Ich erwähnte, dass Sie auf den Wegen bleiben sollten. Wegen der Rückzugsgebiete. Sie erinnern sich?
Ich bin ein einziges Mal ein kleines Stück vom Hauptweg abgewichen und habe einen deutlich erkennbaren Trampelpfad hinauf auf einen Hügel benutzt, weil ich so gern von dort über die Landschaft schauen wollte.
Tun Sie das nie! Hören Sie! Niemals!
Ich bin dabei prompt in das Rückzugsgebiet eines Wesens geraten! Ich will nicht sagen, dass es akut gefährdet war, sein Leben durch mich massiv bedroht. Es ist eher so, dass es fast sehr peinlich geworden wäre. Es war ein menschliches Wesen, welches sämtliche Kleidung von sich geworfen hatte und sich mit seinem Astralkörper dort oben von der Septembersonne bescheinen ließ. (Nein, davon gibt es kein Foto!)
Zum Glück hatte es den Kopf von mir weggedreht, und so konnte ich noch rechtzeitig einen sehr flotten Rückzug antreten …
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Boberg - Dünenlandschaft - Auf dem Rückweg: Die Sonne wirft schon lange Schatten ...

Boberg – Dünenlandschaft – Auf dem Rückweg: Die Sonne wirft schon lange Schatten …

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Boberg - Dünenlandschaft ...

Boberg – Dünenlandschaft …

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Sie sehen, die Boberger Dünen sind abenteuerlich. Vielleicht werden sie einmal Ihr Ziel? Dann erzählen Sie mir doch bei Gelegenheit, was Sie dort so erlebt und getrieben haben. So ein Blog lebt ja schließlich auch vom Austausch, nicht wahr? ^^
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Boberger Dünen - Meer! Strandnähe! Zumindest gefühlt ...

Boberger Dünen – Meer! Strandnähe! Zumindest gefühlt …

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Ich wünsche weiterhin eine angenehme Woche! Bis zum nächsten Mal!
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© by Michèle Legrand, September 2015
Michèle Legrand - freie Autorin - ©Fotograf Andreas Grav

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43 Kommentare

… und schon ist’s eine ABM uexA!

Heute möchte ich Sie warnen. Passen Sie bloß auf, worauf Sie sich einlassen!
Schon im Fall von Kompromissen, die geschlossen werden, ist gesunde Vorsicht angebracht, doch bei denen
teilen Sie im Normalfall wenigstens gerecht damit eventuell verbundenen Aufwand, Ärger, entstehende
Kosten etc.
Nein, ich warne heute eindringlich vor den Folgen, die bei einseitigen Sachen, den Zugeständnissen, auf einmal über Sie hereinbrechen!
Geben Sie acht, wenn jemand penetrant quengelt! Bezüglich der Durchsetzung höchst eigener Vorstellungen anhaltend nervtötend insistiert. Sie finden dieses Verhalten und derart geäußerte Wünsche und Forderungen zwar völlig unangemessen, nur irgendwann steht es Ihnen bis Unterkante Oberlippe. Trotz anderer Auffassung knicken Sie ein und geben nach. Weil Sie die Dauerstreitfrage aufregt, weil Sie friedliebend sind.
Ein ganz kurzer Moment, ein unbedachter Entschluss, der mit einem laut geäußerten Satz aus nur acht Wörtern öffentlich wird. Der Sie festnagelt! Das war’s; von da an sind Sie plötzlich Wochen beschäftigt!

Eine Kettenreaktion startet, die Ihnen ungefragt eine ABM uexA beschert. Ich spreche aus Erfahrung!
Der Gemahl und ich hatten sie selbst gerade am Wickel. Gerade? Seit Wochen! Nein, Monaten!
Nur für den Fall, dass Sie mit der Entschlüsselung des Kürzels kurz hadern:
Bei der ABM uexA handelt es sich um eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme ungeahnt extremen Ausmaßes!

Die Chronik der Ereignisse

Zur Sache

Erinnern Sie sich noch an die Erwähnung des heiklen Themas „Efeu an der Grenze“? Nun, das war der Anfang, der Auslöser. Heute zeige ich Ihnen, wie daraus eine intensive und auch nicht ganz billige ABM wird. Diese oder eine UBT (unerwünschte Beschäftigungstherapie) der übelsten Sorte.

Die Ausgangslage

Der hintere Grundstücksbereich schließt zum Nachbarn mit einem hohen Holzsichtschutzzaun ab. Die Elemente sind teils blickdicht mit eng gesetzten Diagonallatten, teils sind es zur optischen Auflockerung offene, schmalere Rankgitter mit Sprossen.
Der Zaun steht ca. 20 Jahre, ist seit einigen Jahren komplett mit Efeu bedeckt, der regelmäßig gestutzt wird. Eine grüne Wand, die wir lieben. Die Tiere vergöttern sie auch. Der Nachbar liebt sie in dieser Form nicht. Leider schummelt sich der Efeu auch auf seine Seite, Richtung Licht.

Efeutapete an der Sichtschutzwand ... (efeuberankte Holzwand)

Efeutapete an der Sichtschutzwand …

Nachbars und unsere Vorstellungen von Natur und Garten weichen grundsätzlich ein wenig voneinander ab. Bei ihm lautet die Devise generell: Alles, was höher als 30 cm wächst, kommt raus bzw. wird abgeholzt.

Die Entwicklung

Der Efeu ist inzwischen zum mehr als leidigen Thema geworden. Können Sie nachempfinden, dass man irgendwann der Diskussion dermaßen überdrüssig ist? Soll das ständig wiedergekäut werden?

Der entscheidende Moment

Ende März. Der Nachbar fühlt wieder einmal auf den Zahn, nörgelt. Er hat bei mir einen schwachen Tag erwischt. Ich bin es leid. Es fällt der verhängnisvolle Seufzersatz:
„In Ordnung, ich werde den Efeu komplett entfernen.“

Die auf dem eigenen Grundstück unmittelbar vor der Holzwand gesetzten Büsche sind glücklicherweise mittlerweile so hoch, dass die optische Auswirkung durch ein Entfernen des Efeus nicht ganz so fürchterlich ausfallen wird. Die anschließende Kahlheit der Wand wird durch die Sträucher weitgehend verdeckt.

Als der Zaun im Hintergrund noch efeubewachsen und grün war ...

Als der Zaun im Hintergrund noch unauffällig, efeubewachsen und grün war …

Das Roden unterschätzt!

Amseln nisten noch im Efeu, der Beginn der Aktion verschiebt sich in den April. Es ist ungemütlich draußen, und es ist eine Mordsarbeit. Das Kappen geht zunächst, die Abfallmengen sind allerdings schon dabei enorm. Zusätzliche gebührenpflichtige Müllsäcke (damit die Müllabfuhr sie abfährt) fallen in großer Stückzahl an.

Efeu wächst überall hindurch ...

Efeu wächst überall hindurch …

Die Stunden vergehen. Jetzt tritt zu Tage, dass der Efeu im Laufe der Jahre richtige Stämme ausgebildet hat, die nicht allein an der Wand haften, sondern sich klammheimlich durch Ritzen der Wand geschlängelt haben. Anfangs zart und dünn, mit zunehmendem Alter und größerem Durchmesser haben sie die Latten förmlich gesprengt.

Solange der Efeu dort wuchs, alles hielt und bedeckte, herrschte beste Ordnung. Er schützte das Holz sogar vor Nässe und vor Fäunis. Nun kommen mir beim Zurückschneiden jedoch die Latten einzeln entgegen, denn das ganze Holzelement ist verzogen, der Rahmen auseinandergedrückt, die Diagonallatten auf einmal zu kurz und losgelöst.

Ich versuche, möglichst von meiner Seite aus alle Pflanzenreste zu entfernen. Auf der Leiter stehend und weit über die Holzwand nach drüben gebeugt, erwische ich die Enden, die zum Nachbarn herüberhwachsen und kann sie vor dem Abschneiden zu mir heranziehen. So fällt nichts auf seine Pflanzen … und ich muss nicht hinüber. Das würde ich ihm vorerst gern ersparen – und mir auch!

Sichtschutzzaun - Der Efeu hat sich seinen Weg gebahnt ...(Efeu durchwächst Sichtschutzzaun)

Sichtschutzzaun – Der Efeu hat sich seinen Weg gebahnt …

Schadensaufnahme

Das Wetter spielt nicht immer mit. Mal hindern pralle Sonne und Schattentemperaturen, die bereits bei 35 °C liegen, mal komplett verregnete Tage am Vorankommen, und ab und zu verlangt – zumindest nach langen Stunden draußen – auch der Rücken eine Unterbrechung. Doch irgendwann, nach insgesamt mehrtägigen Aktionen, sind die Pflanzenreste entfernt. Jedenfalls fast. Einiges ist in den Dichtzaun-Elementen dermaßen verwachsen, dass es nicht zu lösen ist. Diese Zaunteile sind wahrscheinlich gar nicht zu retten.
Die offenen Rankgitter haben offenbar nicht so gelitten, sie können weiter verwendet werden. Oder?

Begutachtung

Der Gemahl betritt nun ebenfalls die Szene und begutachtet mit fachkundigem Auge.

Der Entschluss

Wir entscheiden uns, neue breite, blickdichte Elemente gleicher Größe und Machart zu erstehen, die zu dem Rest – den Rankgittern, die nicht ersetzt werden sollen – passen.

Sichtschutzzaun - Nicht zu fassen, mit welcher Kraft Efeu unterwegs ist und Latten sprengt ...

Sichtschutzzaun – Nicht zu fassen, mit welcher Kraft Efeu unterwegs ist und Latten sprengt …

Sisyphusarbeit

Es ist mühsam und dauert, ehe eine Quelle aufgetan ist, die sämtliche Voraussetzungen erfüllt. Es soll lang haltbares, gutes Holz sein, nicht Fichte, Kiefer etc. Es soll außerdem mit den restlichen offenen Teilen harmonieren. Das vorherige Holz ist auch ein qualitativ gutes gewesen.
In dem Zusammenhang wird bald klar, dass es nur in diesen Holzqualitäten überhaupt ein Modell ähnlichen Stils (diagonal verarbeitete Latten) und vor allem derselben Maße gibt. Das ist wichtig, damit die vorhandenen, einfundamentierten Pfosten weiter genutzt werden können und nicht auch noch versetzt werden müssen.

Der gefundene Hersteller sitzt in Niedersachsen, dessen Vertragshändler im Norden Hamburgs.
Telefonisch bestellen lässt sich das Gewünschte dort nicht. Wir müssen selbst hinfahren.
Kurz danach ist auch das erledigt. Die Bestellung läuft, die Lieferzeit beträgt leider sechs Wochen. Wieder eine längere Unterbrechung. Die Frist verlängert sich später sogar auf acht Wochen. Doch immerhin werden die neuen Teile bereits in einem passenden Farbton vorlasiert. Eine Arbeitserleichterung. Wirklich?
Es wäre zu schön, denn die Aktion entpuppt sich mittlerweile bereits als ein recht arbeitsintensives und auch nicht ganz billiges Vergnügen.
Der Rechnungswert liegt jedoch praktischerweise knapp über dem Betrag, ab dem die Anlieferkosten entfallen. Und es gibt Skonto bei früher Zahlung! Wenigstens etwas.

Nebenerscheinungen

Während der Arbeiten am Efeu bin ich von einer Zecke erwischt worden. Vorsichtshalber zeige ich die Stelle dem Arzt. Ich habe bisher keine eigene Erfahrung mit diesen Viechern, und der Biss sieht nicht gerade harmlos aus. Nach einer Borreliose steht mir nicht der Sinn.
Ich habe außerdem wieder einmal Kratzer und Schrammen wie nach dem Kampf mit einer Wildkatze, da mich die am Zaun wachsenden Büsche attackieren. Auch der Feuerdorn, der nicht umsonst so heißt! Seine Dornen und die Absonderungen aus frischen Schnittstellen sind sehr aggressiv, Hautverletzungen heilen nur langsam.
Als Krönung folgt eine allergische Reaktion auf irgendeine Substanz, die eine dicke Beule, eine 2-Euro-Stück-große, brandblasenähnliche Reaktion am Arm hervorruft. Doch in den Wochen bis zur Lieferung hat ja alles genügend Zeit abzuklingen …

Feuerdorn (Pyracantha coccinea)

Feuerdorn (Pyracantha coccinea)

Diesmal stutze ich kurz bevor die Wartezeit vergangen ist vor dem Restzaun zusätzlich einen breiten Arbeitsbereich zur besseren Montage der neuen Teile. Immerhin sind wir dann mindestens zu zweit dort auf engem Raum tätig.
Wieder bedeutet es Stunden im Garten zu verbringen, wieder türmen sich Abfallberge und der Kauf einer Unmenge weiterer Müllsäcke der Stadtreinigung steht an. Dazu gesellen sich neue Striemen und andere Verwundungen. Sie lassen sich auch durch lange Ärmel und Handschuhe nicht verhindern.
Hat man irgendwo eingekürzt und insgesamt zurückgenommen, sieht der Anschlussbusch von der Größe her völlig unpassend aus und muss angeglichen werden. Eine unendliche Geschichte …

Vögel, Eichhörnchen und Co.

Die Fauna ist beleidigt. Zu viel Unruhe im Garten, zu viel Geliebtes, was plötzlich nicht mehr da ist. Einige bleiben vorerst demonstrativ weg …

Die Rechnung

Obwohl die Ware schon bezahlt ist, trifft kurz vor dem Liefertermin eine Rechnung mit einem höheren Endbetrag ein. Eine Differenz ist demnach noch offen. Wie das? Der Clou: Dadurch, dass Skonto abgezogen wurde, sinkt die Endsumme unter den Betrag, der für das Entfallen einer Liefergebühr relevant ist.
Das kann doch nicht wahr sein!
Man überredet uns erst zu vorzeitiger Zahlung mit dem Lockmittel Skonto, und danach kommt als Belohnung eine Liefergebühr, so dass wir mehr bezahlen als ohne Skontoabzug?
Nachfrage per Telefon. Es löst sich alles in Wohlgefallen auf. Man ist „kulant“.

Überraschungen

Die neuen Zaunelemente treffen ein und sorgen für einige Überraschungen.

Überraschung 1
Sie wiegen doppelt so viel wie die alten. Wir brauchen einen zusätzlichen Helfer bei der Montage. Der Sohn (kräftig) lässt sich zum Glück freiwillig rekrutieren.

Die neuen Sichtschutzzaunelemente - sehr kompakt, sehr schwer ...

Die neuen Sichtschutzzaunelemente – kompakt, aber massiv und sehr schwer …

Überraschung 2
Wir dürfen netterweise auf das Grundstück des Nachbarn, um auch von dort arbeiten zu können. Jetzt stellt sich heraus, dass der Zaun von dieser Seite leider viel miserabler aussieht als von unserer! Besonders im unteren Bereich. Bei den Rankgittern ist von Nachbars Seite aus unten Erde in die U-förmigen (offenen) Rahmen geraten. Das Holz ist in diesem Bereich gemodert und bricht weg.

Überraschung 3
Die Farbe der alten und der neuen Elemente passt schlechter zusammen, als angenommen. Das Farbmuster aus dem Bestellkatalog des Zaunherstellers trifft nicht wirklich zu.

Ein neuer Plan …

Angesichts der neuen Lage werden wir in den sauren Apfel beißen und jetzt nachträglich Rankgitter aus derselben Zaunserie bestellen. Ebenfalls vorlasiert, dann ist die Farbe identisch.
Der Plan ist gut, die Durchführung nicht möglich. Das Werk stellt generell überhaupt keine Rankgitter in den gesuchten Abmessungen her. Wir können aufgrund der gesetzten Pfosten jedoch keine andere Größe verwenden.
Die Idee ist, auf einen anderen Fabrikanten auszuweichen. Eine akribische Suche liefert das Ergebnis, dass dieses Maß mittlerweile in ganz Deutschland und bei sämtlichen Herstellern unüblich ist. Früher einmal, ja …
Ein einziger Produzent bietet ein passendes, aber wesentlich engmaschigeres Gitter an. Was uns nicht gefällt, weil es dadurch eher wie ein geschlossenes Element wirkt und die gewünschte Auflockerung nicht gegeben ist.

… und seine Abänderung

Der Gemahl inspiziert erneut die demontierten, maroden Rankgitter. Er untersucht ebenfalls die für den Sperrmüll gedachten ausrangierten und jetzt ersetzten Dichtzaunelemente. Die Entscheidung fällt mit einem vernehmlichen Seufzer: Es geht an die Rekonstruktion und Restaurierung der alten Rankgitter. Dazu demontiert er Teilrahmenstücke der ausrangierten Teile, um damit die unteren verrotteten Rahmenteile der zu erhaltenden Rankgitter zu ersetzen. Die Rahmenbreite ist immerhin identisch.
Er passt an, verbindet, schraubt, bohrt, leimt …

Auf zum Nachbarn

Der Nachbar hat sich während der Aktion Zaunabbau und Teilneuaufstellung bisher angenehm zurückhaltend gezeigt, was wir schon ganz anders kennen und daher zu schätzen wissen. Dafür, sowie für die Erlaubnis, sein Grundstück zu betreten, besuche ich ihn mit einem Dankeschön-Blumenstrauß und erkläre bei der Gelegenheit, warum weiterhin Lücken sind und sein werden. Man scheidet in Frieden und Harmonie.
Weiter geht es am Zaun. Was jetzt noch fehlt, ist eine Behandlung mit Tiefengrund und Lasur.

Lasur – aber welche?

Die Vorbehandlung der Holzsprossen ist abgeschlossen, der Tiefengrund aufgetragen. Aber welche Lasur passt? Eine kleine Herausforderung.
Die Lasur, die für die neuen Zaunteile werkseitig verwendet wird, hat die Farbbezeichnung „mahagony“. Unter Mahagoni stellt man sich farblich eigentlich etwas anderes vor. Einen dunkleren, brauneren Ton. Richtung Kastanie. Die neuen Zaunteile sind hingegen relativ hell mit rötlichem Stich.
Ein Test mit einer entsprechenden Lasur zeigt, dass der herbeigeschaffte Mahagoni-Farbton aus dem Baumarkt überhaupt nicht hinkommt.

Ich rufe hoffnungsfroh beim Zaunfabrikanten an. Frage, Lasur welcher Firma sie selbst verwenden. Erkundige mich, ob ich diese direkt beziehen kann.
Mir wird das Fabrikat genannt. Ja, man hat es im sogar Programm. Die kleinste Einheit ist eine Dose mit 2,5 Litern Inhalt, der Preis dafür liegt bei knapp 70,00 Euro! Beziehen kann man es bei ihnen allerdings nicht direkt, sondern lediglich über den Vertragshändler, bei dem wir bereits die Zaunteile orderten.
Ein Anruf in diesem Baumarkt ergibt, dass die Lasur nicht Teil des Standardprogramms ist. Man kann sie natürlich beim Zaunhersteller bestellen – aber nur als Sammelbestellung. Und das dauert dann ein paar Wochen, ehe genug dafür zusammengekommen ist …
Der Produzent der Lasur, der wiederum in Mannheim seinen Sitz hat, verkauft nur an die Industrie und das Handwerk, nicht an Privatkunden. Tja.

Ein erneuter Besuch in den Farbabteilungen umliegender Baumärkte steht an. Laut Prospekt sieht „Rotzeder“ als Farbton recht vernünftig aus. (Bitte lesen Sie jetzt nichts mit Rotz daraus!) Das Farbmuster auf der Blechbüchse ist allerdings wieder komplett anders als beispielsweise die Farbansicht im Prospekt. Danach scheint „Palisander“ eher zu harmonieren. Wenn das nicht rotstichig genug sein sollte, haben wir ja theoretisch noch den Mahagoni-Fehlkauf zum Mischen. Versuchen wir es.

Sperrmüllabfuhr

Unterdessen möchten wir die alten, großen Holzelemente endlich aus dem Garten loswerden. Ich rufe bei der Stadtreinigung wegen eines Sperrmülltermins an. Es lohnt sich, es sind nämlich noch einige weitere Sachen da, die gleich mit abgeholt werden können. Die anderen Sachen sind nicht das Ding – doch Holz aus dem Außenbereich wird nicht akzeptiert. Das ist vorbelastetes Holz. „Das können wir nicht mitnehmen.“ Und nun? „Sie können es hier im Recyclinghof direkt abgeben.“
Es passt aber nicht ins Auto!
Stichsäge heraus, Elemente vierteilen. Ich staue es in meinen Kleinwagen (Ein Wunderauto, was den Platz angeht, sobald die Rücksitze umgeklappt sind) und fahre zur Abgabestelle. Dort finde ich bereits auf der Straße einen Riesenstau vor. Andere Leute in ihren Fahrzeugen, die ebenfalls warten. Die Sonne scheint unbarmherzig und macht die Blechkisten zur Sauna. Es geht nicht weiter. Es tut sich absolut gar nichts, denn auf dem Recyclinghof werden Container und Pressen geleert bzw. gewechselt.
Anderthalb Stunden später befinde ich mich auf dem Rückweg. Das Holz bin ich los.

Geständnis
So langsam schwindet die Lust. Am liebsten hätte ich auch mein Efeu zurück. Und wäre nicht immer so ein dösiges Tamtam, könnte man sich das hier alles ersparen …

Anstrich

Allmählich ist das Ende in Sicht. Die restaurierten Gitter sehen beinahe besser aus als die fertigen Teile, die vorher geliefert wurden. Der Anstrich macht’s. Man arbeitet mit der Lasur irgendwie sorgfältiger und akkurater. Ganz zusammen passen Alt und Neu immer noch nicht, doch da die Rankgitter eine andere Struktur als flache Diagonallatten haben, wirkt es nicht übel. Lasur aufgetragen auf verwittertem Holz fällt dazu nun einmal anders aus als auf unbehandeltem, frischem Holz.

Endmontage

Es regnet. Das Anbringen der letzten Rankgitter muss noch etwas warten. Am 2. September ist es soweit. Endmontage. Obendrein gibt es neue Abdeckhauben für die Pfosten. Die Wand ist endlich wieder komplett!

Es muss sich noch alles wieder etwas zurechtwachsen, aber der Zaun steht ...

Es muss sich noch alles wieder etwas zurechtwachsen, aber der Zaun steht …

Die Lehre

Zugeständnisse sind (Entschuldigung) sauriskant! Man selbst rotiert, das Gegenüber hat den Nutzen. Und vor allem: Man ahnt vorab nie so recht, was für ein Rattenschwanz dranhängt!
Hätte ich damals im zeitigen Frühjahr schon gewusst, was durch mein Okay alles ins Rollen kommt, wie viele Arbeitsstunden, Kosten und Mühen es mit sich bringt, hätte ich mir diesen Satz verkniffen. Definitiv!

Der Alltag kehrt zurück

Sie erinnern sich an Scotty, das Eichhörnchen? Seine heißgeliebte Rennstrecke oben auf dem meterlangen Abschlussrand des Sichtschutzzauns war einige Wochen unterbrochen. Prompt blieb er weg. Er schmollte ernstlich, als auch sein Napf auf der Terrasse umstellt war von gerade lasierten Rankgittern, die dort unter dem Balkonüberstand vor Nässe geschützt waren. So mutig er bei Irma, der renitenten Taube, gewesen war – diesmal traute er sich nicht nah heran. Der Sturkopf wollte seinen Napf aber auch nicht an einem völlig anderen Platz. So blieben ihm die Nüsse verwehrt.
Sie glauben gar nicht, wie happy er ist, seitdem der Zaun wieder durchgängig ist und er freien Zugang zum Napf hat! Momentan erscheint er gleich mehrmals täglich, flitzt auf der Zaunoberkante, vertilgt auf der Terrasse schmatzend eine Unmenge an Nüssen und scheint Versäumtes so nachholen zu wollen.
Die Vögel zeigen sich ebenfalls wieder in größerer Zahl. Offenbar normalisiert sich die Lage. Efeu gibt es weiterhin wenigstens noch an der Hauswand. Vielleicht sucht sich das fliegende Volk für künftige Nistvorhaben dort ein Ausweichquartier.

Stresszeit vorbei ... Der Napf steht wieder am alten Platz und Scotty (Eichhörnchen) schwelgt in Nüssen.

Stresszeit vorbei … Der Napf steht wieder am alten Platz und Scotty schwelgt in Nüssen.

Und nun?

Entspannte Lage. Trotz allem – neue Zugeständnisse?
Erwähnen Sie bitte dieses Wort eine Weile nicht in meiner Gegenwart. Ich bin vorerst kuriert! Oh, es werden mit Sicherheit neue „Wünsche“ auftauchen, doch ich werde mich taub stellen.
Zumindest die nächsten drei bis fünf Jahre …

Und Sie passen bitte ebenfalls auf, ja? Für Ihre Mitmenschen, die ungern Kompromisse eingehen, lieber ohne Gegenleistung fordern und deren Erwartungen demzufolge möglichst große Zugeständnisse Ihrerseits sind, für solche Kontrahenten wird genau dieses freundliche Entgegenkommen sehr leicht zur willkommenen Normalität und zum gefühlten Gewohnheitsrecht.
Obacht also! Bleiben Sie dennoch gelassen und bedenken Sie:

Wer weiß, wie der Hase läuft, kann ebenfalls Haken schlagen …

 

© by Michèle Legrand, September 2015
Michèle Legrand - freie Autorin - Michèle. Gedanken(sprünge) @wordpress.com

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Scotty und Irma

Irma hat eine innere Uhr und pünktlich Hunger. Sie können darauf vertrauen, dass sie um halb fünf am Nachmittag langsamen Schrittes den Hang zur Terrasse hinaufschaukelt und die gedeckte Tafel direkt anpeilt. Hin und wieder kommt sie auch in einer großzügigen Kurve um die Hausecke geseilt. Wahrscheinlich immer dann, wenn die Zeit drängt. Schon eine Minute vor halb … Großer Gott!
Da Variante zwei folglich recht flott ausfällt, reagiert sie zum Schluss stets leicht panisch. Sie muss nämlich höllisch aufpassen, dass nach der Kurve das Abbremsen rechtzeitig klappt!
Irma ist eine graue Lady. Mit einem leichten Blaustich, wie manche Damen das so haben. Sie wirkt behäbig. Sie ist nicht dick, aber sie bringt im Vergleich zu allen anderen ein recht stattliches Gewicht auf die Waage. Eines, das ihr nicht nur Temponachteile beschert, sondern durchaus auch Vorteile verschafft. Sie besitzt dadurch ein gewisses Verdrängungspotential. Größer als die meisten ist sie natürlich auch.
Eingeladen habe ich sie nicht, nur wenn sie sich nähert, bringe ich es nicht übers Herz, sie gleich abzuweisen.

Scotty, der schon wesentlich länger Stammgast ist und mit Essensabsichten dasselbe Ziel wie neuerdings Irma anstrebt, hat perplex feststellen müssen, dass die für ihn vorteilhafte Reihenfolge des Speisens – bisher begann er – keinesfalls gesichert ist. Begriffe wie Vorrecht durch bereits mehrmonatiges Erscheinen, Altkundenstatus, Treuebonusanspruch, Gewohnheitsrecht etc., sind mögliche Rangfolgekriterien, über die Irma jedoch höchstens lacht. Wenn sie ihr überhaupt bewusst sind!
Verdutzt nahm er also wahr, dass er, seit sie hier auftaucht, unverschämterweise weniger abbekommt und zu seinem Verdruss jedes Mal obendrein ewig warten muss, bis die Dame endlich zu Ende gespeist hat und ihm gnädig Platz macht!

Irma kann den Hals tatsächlich nicht voll kriegen. Es heißt, die Irmas dieser Welt können nicht sonderlich gut riechen, daher hat bei ihnen die Optik des Essens einen höheren Stellenwert. Das sehen Sie bei „Irma hier“ bestätigt. Sie zieht helle Sachen den dunklen vor und startet zudem gern mit den größeren Dingen. Sie vertilgt liebend gern zuallererst Scottys Erdnüsse. Erst danach reizen die Hanfkörner, Sonnenblumenkerne und was sonst noch vor ihr liegt.

Nach ihrem ersten Auftauchen hat sich Scotty dieses unmögliche Verhalten genau vier Tage angeschaut. Dann hatte er die Faxen dicke.
Man kann es ihm irgendwie nicht verdenken. Wer schon einmal eine Taube beim Picken beobachtet hat, weiß, dass jegliches Futter im Rekordtempo verschwindet. Körner werden quasi inhaliert! Der Kopf ist ständig in Bewegung und neigt sich weitaus schneller als im Sekundentakt zum Napf herunter.
Diese vier Tage vor dem Einsetzen seiner Gegenmaßnahmen zur Napfverteidigung brauchte er allerdings, um den gehörigen Respekt vor ungefähr 350 g Lebendprotestgewicht, hektischem Flügelschlagen und einem angriffslustigen Schnabel zu überwinden. So gemütlich Irma wirkt, sie kann biestig werden!
Scotty ist ein sehr leichtgewichtiges und wohl auch noch junges Eichhörnchen, das, wenn es hoch kommt, 250 g wiegt. Sein graziles Körperchen zählt somit eindeutig als schlagkräftiges Argument für die Gewährung einer größeren Portion Erdnüsse, wohingegen Irma fettreiche Nüsse definitiv nicht mehr nötig hätte.
Seine niedrige Gewichtsklasse erfordert ihr gegenüber jedoch ein besonderes Auftreten, eines, das die fehlende Masse wettmacht.

Mann, hat die wieder zugeschlagen ... (Enttäuschtes Eichhörnchen am Napf)

Oh, schon wieder leer? Hat sie wieder so zugeschlagen …?

Scotty musterte Irma daher sehr genau. Und während er das tat, beobachteten ihn dabei abwechselnd die restlichen Körnernascher. Kohl- und Blaumeisen, Amseln, Gimpel, der Grünfink, die Rotkehlchen, einige Spatzen sowie der Zaunkönig. Die gierige Taube ist ihnen allen ein Dorn im Auge, mehr als Konkurrent Scotty, der wenigstens genug übriglässt. Speziell sämtliche Meisen sind nämlich genauso närrisch nach Nüssen wie er. Sie sehen es nur alles etwas gelassener, da sie zusätzlich noch einen kleinen Nussproviant im Vogelhäuschen wissen, an einem Platz, der aufgrund seiner geringen Ausmaße einer Taube kaum zugänglich ist. Und eigentlich auch für Eichhörnchen nicht geeignet ist …

Eichhörnchen - Raum ist in der kleinsten Hütte (und auch eine Nuss)

Eichhörnchen – Raum ist in der kleinsten Hütte (und auch eine Nuss)

Scotty ist für sie alle hier der Herr im Haus. Er ist größer, agiler und resoluter als sie, und so lassen ihm sämtliche Vogelwesen den Vortritt. Alle bis auf den Eichelhäher! Er wirkt einschüchternd. Das Eichhörnchen meidet ganz offensichtlich ein Zusammentreffen mit ihm.

Erwischt - Auch er ist hinter den Nüssen her ...(Eichelhäher mit Erdnuss)

Ertappt! – Auch der Eichelhäher ist hinter den Nüssen her …

Nur kann der Häher seinen Triumph über Scotty nicht recht auskosten, da er in folgendem Dilemma steckt: Er macht zwar einen auf dicken Larry gegenüber dem Eichhörnchen, zeigt aber gehörig Scheu vor Menschen. Sieht er mich nur als Schatten hinter der Fensterscheibe, ist er schon weg.
Was Scotty freut, denn den stört meine Anwesenheit überhaupt nicht.
Ergo ist praktisch Scotty draußen der Chef. Hat das Sagen. Hatte. Hätte!
Wäre da nicht die leidige Angelegenheit mit Irma

Eichhörnchen hält Ansprache

„Verehrte Vogelfreunde! Ich bin der Chef. Ich esse schnell einen Happen, dann könnt ihr an den Napf …“

Jetzt kommt die schon wieder ... (Eichhörnchen am Futternapf)

Jetzt kommt die schon wieder …! (Irma ist im Anmarsch)

Scotty versuchte es am Tag fünf mit der Masche, sich von vorne – sichtbar für Irma – langsam Stück für Stück näher an die Taube heranzutrauen. Ich weiß nicht, ob er sich vorstellte, sie würde ein Stück rutschen und ihn mit an den Napf heranlassen. Oder ob er hoffte, sie würde höflich verschwinden.
Hatte er noch etwa einen Meter Abstand, begann sie, sich fürchterlich aufzuregen. Sie stieß aufgebrachte Laute aus und trat unruhig auf der Stelle. Stellen Sie sich ihre Missmutsäußerungen als extrem stakkatoartiges Gurren vor. Hielt ihn das nicht ab und verringerte er den Abstand weiter, begann Irma, aus heiterem Himmel wild mit den Flügeln zu schlagen.
Mit dem Gefuchtel hatte sie Erfolg, zumal es sie optisch enorm vergrößerte. Scotty reagierte total verschreckt, flüchtete und tauchte erst wieder auf, als sie längst abgezogen war.
Beim nächsten Mal lief die Annäherung ähnlich ab, doch meckerte Scotty nun ebenfalls lautstark und ließ sich nicht mehr sofort vertreiben. Sein Auftreten wirkte forscher. Er traute sich dichter heran. Irma geriet merklich unter Druck. Doch letztendlich war es wieder ihr dramatisches Flügelschlagen, diesmal direkt vor seiner Nase, welches Scotty zum erneuten Rückzug bewog.
Dass Eichhörnchen sehr lernfähig sind, bestätigte sich beim dritten Versuch einige Tage später. Die Taube dinierte wieder einmal endlos und war dabei so vertieft in ihre Tätigkeit, dass sie den sich diesmal von hinten nähernden Schatten nicht bemerkte. Scotty pirschte sich geräuschlos durch die Büsche an. Erst im letzten Moment, als keine Deckung mehr vorhanden war, begann er enormen Krawall zu verzapfen und sprang gleichzeitig schwungvoll mit einem Riesensatz auf den Tisch direkt auf Irma zu! Die fiel vor Schreck fast von der Tischplatte herunter, hob völlig entgeistert ab und konnte nur mit Mühe im Flug Richtung und Höhe halten.
Scotty wirkte sehr zufrieden, nahm seinen Platz am Napf ein und fraß in aller Seelenruhe.

Scotty zu Besuch ... (Eichhörnchen am Futternapf)

Scotty hat’s geschafft! Jetzt wird in Ruhe gespeist.

Eichhörnchen (am Wasserteller)

Rudi am Wasserteller …

Rike und Rudi, Scottys Eichhörnchen-Kumpel, die hier auch ab und zu vorbeischauen, haben es ihm zu verdanken, dass auch sie wieder eine Chance haben, Nüsse zu ergattern. Die Taube findet diesen Ort nach dem Überfall eines Wilden mittlerweile derart stressig und frustrierend, dass sie zumindest die regelmäßigen Besuche seit letzter Woche eingestellt hat. Wenn sie tatsächlich kommt, während der Eichkater da ist, bleibt Scotty hartnäckig am Napf und verteidigt seine Erdnüsse.

Mein Platz. Warte, bis ich fertig bin ... (Eichhörnchen verdrängt Taube)

Mein Platz. Warte, bis ich fertig bin …!

Neben Scotty sind  Rike und Rudi auf den heutigen Fotos zu sehen. Das sind die beiden sehr ähnlichen, etwas größeren Tiere, die die langen Puschel an den Ohren haben, welche Scotty (noch) fehlen. Vielleicht sind die zwei sogar Scottys Eltern … Auf jeden Fall ein sehr lustiger und  einfallsreicher Verein!

Eichhörnchen greift nach seinem Schatten .

Schatten jagen … Rike macht es Spaß.

Fragen Sie sich auch gelegentlich, ob Tiere ein menschenähnliches Verhalten zeigen oder ob Menschen sich Reaktionen von Tieren abgeschaut haben? Oder ob womöglich einfach alle Lebewesen – egal ob Mensch oder Tier – ähnliche Verhaltensweisen aufweisen?
Dieses sich Aufplustern kennt man aus dem Alltag, auch den Streit um alte Rechte und die Sicherung von Vorteilen. Eine gewisse Gier ist ebenso häufig auszumachen.
Und bei den Reaktionen, den Lösungsversuchen?
Auch da geht es dann um List, Beobachtung, längeren Atem, gute Ideen, Frechheit, Kompromisse …

Ich hatte einmal einen Kollegen, der in der Firma mittags fast schon süchtig nach dem Grießbrei mit Kirschen war. Er aß ihn am liebsten täglich. Die Kantine hatte von dem Nachtisch allerdings nie viel da.
Er war schon lange im Betrieb, und die anderen kannten seine Vorliebe. Nun, er war einer der Netten, sehr Beliebten. Also überließ man ihm gern seinen Brei. Verzichtete freiwillig oder nahm nur, wenn er schon hatte. Irgendwann stieß ein neuer Mitarbeiter hinzu. Und aß den Grießbrei! Auch nachdem er die Lage kannte. Es hätte keiner verlangt, dass er komplett verzichtet, aber vielleicht, dass er sich arrangiert, teilt.
Nichts da!
Nun, die Lage war … unschön. Mein langjähriger Kollege scheute die offene Auseinandersetzung mit dem Neuen. Er war kein Scotty. Er hielt es allerdings wie die Meisen. Die nämlich passen einfach besser auf, wann genau aufgetischt wird! Früheres Kommen stellt sicher, dass noch etwas von den Nüssen da ist.

Für seinen Grießbrei ging der Kollege von da an unauffällig zehn Minuten eher zu Tisch. Was der andere Breiliebhaber irgendwann spitz bekam. Doch man munkelte, dass anderen Kollegen den Neuen mit unschuldigem Blick noch ein bisschen im Büro aufhielten, da „etwas sehr Dringendes“ anlag …

Scotty würde diese Taktik sicher als „Irma verwirren“ bezeichnen.

© by Michèle Legrand, Juli 2015
Michèle Legrand - freie Autorin - ©Fotograf Andreas Grav

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Klappt sie nun zu oder nicht …?

Stehen Sie gelegentlich mitten in der Nacht auf, um kurz nach draußen zu gehen? Um spontan nachzuschauen, wie die Lage um 2 Uhr im Dunkeln so ist …?
Nicht?
Ja, sehen Sie, ich auch nicht. Und daher sorgt es doch immer wieder für Verblüffung, wenn man sich irgendwann rein zufällig doch spät im Freien aufhält, vielleicht sogar ein längeres Stück Weg zu Fuß vor sich hat und sich plötzlich etwas offenbart, womit man nicht gerechnet hat. Etwas, was man grundsätzlich zwar kennt und weiß, was einem allerdings ein Weilchen komplett entfallen war. Sie wissen, wovon ich spreche?
Bitte?
Der Anblick des Vollmonds? Nein! Das meine ich nicht. Sich prügelnde Kater? Ein schmusendes Liebespärchen? Igel unterwegs? Das Zirpen der Grillen? Alles nicht schlecht, nicht verkehrt und gut möglich, aber heute und hier daneben getippt.
Ich rede von diesen absolut genialen Blüten!
Insgesamt! Keine spezielle oder extrem seltene. Ich spreche einfach von einer gewissen Technik, von den Genen, vom Verhalten, was so simpel wie grandios ist! Und wenn Sie jetzt meinen Enthusiasmus nicht nachvollziehen können, dann denken Sie doch bitte einmal an die, die zuklappen, die, die geöffnet bleiben, jene, die nur kurzzeitig aufgehen und diejenigen, die sowieso erst nachts blühen!
Und zwar nur nachts!

Wenn einem nicht lange Schlechtwetterphasen mit viel Regen, dunklem Wolkenhimmel und kühlem Wetter den Genuss des Anblicks einer üppigen Blütenfülle grundsätzlich vereiteln, ist der Mensch es am Tag prinzipiell gewohnt, dass ihn weit geöffnete Blüten anlachen. Schnell folgt die Ansicht, Blüten seien eben wie der Mensch selbst: tagsüber wach und nachts schlafend. Natürlich alle. Denkste!
Dieser Eindruck entsteht:
a) weil Sie in Ihrem Umfeld immer nur eine relativ begrenzte Anzahl verschiedener Pflanzen zu sehen bekommen, von denen ein Großteil sich tatsächlich als Hauptblühzeit den Tag  oder einen Großteil desselben wählt und einem diese Allgemeingültigkeit des Verhaltens vorgaukelt und
b) weil Sie an milden Sommertagen mit lang anhaltender Helligkeit nie mitbekommen, ob eine offene Blüte vorhat, sich später im Dunkeln zu schließen oder nicht. Sie selbst sind nämlich schon vorher müde und gehen eher hinein. Sollten Sie obendrein ein Mückenmagnet sein, müssen Sie zudem in den Abendstunden in die Innenräume flüchten. Tür zu, Rollladen herunter.
Doch blüht nun noch etwas weiter oder nicht? Wann schließt sich der Blütenkelch? Tut er es überhaupt? Blüht vielleicht erst jetzt etwas auf …? Ganz klammheimlich? Was geht draußen vor sich?

Stellen Sie sich eine Löwenzahnwiese im Frühjahr vor. Was passiert, wenn Sie vormittags vorbeikommen? Sie sehen ein gelbes Blütenmeer. Mitten am Nachmittag ändert sich bereits das Bild. Und nachts? Nachts ist es dort dunkel. Auch am Boden! Alle Blüten sind geschlossen. Komplett. Kompletter geht’s nicht. Da leuchtet rein gar nichts mehr!
Hier können Sie es alternativ am Habichtskraut beobachten:

Orangerotes Habichtskraut (Hiracium aurantiacum) - Am Tag strahlend bei geöffneter Blüte ...

Orangerotes Habichtskraut (Hiracium aurantiacum) – Am Tag strahlend bei geöffneter Blüte …

Orangerotes Habichtskraut (Hiracium aurantiacum) - Am Abend mit geschlossenene Blüten ...

Orangerotes Habichtskraut (Hiracium aurantiacum) – Am Abend mit geschlossenene Blüten …

Gänseblümchen gehen auch „richtig“ schlafen. Sobald sie das zierliche, strahlende Blütenrad zuklappen, ist es so, als würde das Notlicht im Hotel ausgeknipst. Dieses Stolpern-Sie-nicht-an-der-Treppe-Licht. Der Boden ist mit einem Mal duster.

Gänseblümchen - Zeit: 16 Uhr - Heller Tag, noch geöffnet ...

Gänseblümchen – Zeit: 16 Uhr – Heller Tag, noch geöffnet … (Später komplett geschlossen.)

Verlassen Sie morgens das Haus und spazieren an einer Delosperma vorbei, ist deren Blüte auch zu. Noch! Kehren Sie um elf zurück, ist sie aufgewacht. Zeigt massenhaft Blüten. Leuchtet! Vorher nicht. Sie heißt auch Mittagsblume, weil sie um diese Tageszeit blüht. Nicht zu verwechseln mit der Gazanie, die im Volksmund ebenfalls Mittagsblume genannt wird. Bei ihr zeigt sich jedoch – man kann es sich durch den verräterischen Beinamen bereits denken – ein ähnliches Verhalten. Spät am Vormittag geht es los, im Laufe des Nachmittags ist bereits Feierabend. Die Blüten schließen sich.
Und Oenothera? Kommen Sie ihr nicht mit dem Tag! Sie möchte erst um 20 Uhr aktiv werden. Sie ist nach nächtlicher Aktivität um 6 Uhr in der Früh müde und klappt die Blüte zu. Eine Nachtkerze halt.
Eigenartig. Oder vielleicht doch nicht?

Sie ahnen, dass es da insgesamt einen Zusammenhang gibt zwischen den Blütenpflanzen, der Zeit ihrer Blütenöffnung und den tierischen Bestäubern.
Man kann sich vorstellen, dass es nicht sonderlich gut klappt, wenn sämtliche Blüten der Welt alle nur zwischen 10 und 17 Uhr öffneten und in diesen wenigen Stunden auf Besuch der Insekten oder Vögel warteten. Was für eine Konkurrenz! Viel zu viele Pflanzen, die auf dann viel zu wenige Besucher warteten. Nektar und Pollen derart konzentriert vorrätig zu halten wäre das nächste Problem. Beispielsweise beim Energiestoffwechsel sowie der Reproduktion!
Unterschiedliche Bedürfnisse, unterschiedliche Eigenschaften, andere Blütenformen u. v. m. erfordern ebenso unterschiedliche Bestäuber.
Was nützt es nun aber einer Blume oder anderen Blühpflanze, wenn ihre Blüte tags strahlt, sie sich komplett hergibt, die Anstrengung nur völlig sinnlos ist, da sie im Grunde auf Bestäuber wie Nachtfalter, Schwärmer, Motten oder den Besuch einer Fledermaus wartet.
Sie konnten einander nicht finden, …
Es gehen halt nicht alle tierischen Bestäuber zur gleichen Zeit auf Futtersuche und ihre Aktivität ist nicht auf den hellichten Tag beschränkt. Pflanzen müssen sich folglich anpassen bzw. die Bestäuber selbst sind ihnen mit ihrem eigenen Verhalten bei der Nahrungssuche im Laufe der Evolution mit Sicherheit ebenfalls ein Stück entgegengekommen. Koevolutionen entstehen auf diese Weise.
Wenn das alles nur so leicht funktionierte!
Die Pflanze hat nämlich darauf aufzupassen, dass sie ihre doch empfindlichen Fortpflanzungsorgane schützt. Bei Regen oder sehr kühler Nacht sind die Staubbeutel mit den Pollen oder auch der Stempel mit der Narbe natürlich gewissen Gefahren ausgesetzt, die am Tag geringer ausfallen. Logischerweise schließt sie daher tendenziell die Blütenblätter zu ihrem eigenen Schutz gern eher.

Bestäuber unterwegs - Andrang im Lavendel ...

Bestäuber unterwegs – Andrang im Lavendel …

Cosmea (Schmuckkörbchen)  um 12 Uhr mittags - Blüte weit geöffnet  ...

Cosmea (Schmuckkörbchen) um 12 Uhr mittags – Blüte weit geöffnet …


Und wie geht das? Dieses Schließen und dieses Wissen wann?

Prinzipiell wird das Zusammenziehen der Blütenblätter durch Druckveränderungen ausgelöst (Wasserdruck in den Zellen erfährt Änderung, Zuckerkonzentration erhöht sich etc.). Und in vielen Fällen – technisch betrachtet – auch durch Temperaturunterschiede an Ober- und Unterseite der Blütenblätter, was das Ausrollen oder Einrollen beeinflusst.
Doch abgesehen davon besitzt die Pflanze schon so etwas wie die entsprechenden Gene und eine innere Uhr. Natürlich spielen Lichtreize, Lichtdauer und Grad der Helligkeit eine nicht unerhebliche Rolle. Die Pflanze hat dafür eigens Rezeptoren, um die Intensität zu messen! Auch Luftfeuchtigkeit, Temperatur etc. vor Ort sind relevant. Nur eben nicht in jedem Fall auf die gleiche Weise. Diese Einflüsse können somit sowohl Hemmfunktion haben als auch Auslöser sein. Pflanzenabhängig. Was für die eine Pflanze etwas anschiebt, löst bei der nächsten unter Umständen gar nichts aus.

Den nachtblühenden Pflanzen ist Licht relativ schnuppe, sie wissen, sie müssen unbedingt bei Dunkelheit Flagge zeigen, sonst kommt ihr nachtaktiver Bestäuber (Insekt o. a.) nicht. Nächster wichtiger Punkt: Der Bestäuber ist inzwischen zwar unterwegs und willig, doch er muss sie natürlich auch finden können! Finsternis hin oder her.
Was ist die Konsequenz?
Die meisten Nachtblüher haben relativ große und vor allem helle Blüten, die wie kleine Strahler in ansonsten fast schwarzer Umgebung leuchten. Restlicht wird dadurch verstärkt, wenn der Mond scheint, entstehen zusätzliche Reflektionen.
Bestäuber haben überdies ein Näschen für den Geruch. Die Pflanze weiß das. So wird häufig als Lockmittel entweder herrlich geduftet oder ordentlich gestunken. Je nachdem, wen die Pflanze anziehen will und muss. Aasliebende Insekten sind mit Lilienduft leider nicht glücklich, die erscheinen eher, wenn es mieft.

Reger Betrieb am Tag auf weit geöffneten Blüten der Lykkefund-Rose   ...

Reger Betrieb am Tag auf weit geöffneten Blüten der Lykkefund-Rose

Tagblüher haben ebenfalls ihre Eigenarten. Sie reagieren sehr häufig sogar auf Lichtveränderungen, die mittendrin, also untertags, auftreten. Schieben sich unvermittelt dunkle Wolken vor, schließen sich bei einigen Arten bereits in diesem Moment die Blüten, obwohl sie es sonst nur am Abend täten. Es wäre jedoch ein Fehlurteil anzunehmen, die Pflanze müsse strohdumm sein, weil sie darauf hereinfällt und es womöglich für den Einbruch der Nacht hält. Nein, sie ist schlau und lediglich vorsichtig. Sie vermutet, dass die dunkle Wolkenfront einen Schauer mit sich bringen wird. Regen? Stempel wird nass? Pollen gefährdet? Blüte zu.
Oder sie ist – wie z. B. Enzian – extrem lichtempfindlich und reagiert nun einmal auf kleinste Veränderungen (Nachlassen der Intensität) mit einem Schließen ihrer Blüte.

 Rosenblüten zeigen sich abends  lediglich nicht mehr komplett geöffnet ...

Rosenblüten zeigen sich abends lediglich nicht mehr komplett geöffnet …

Wissen Sie, was ich sehr intelligent finde?
Angenommen, eine Pflanze hat einen inneren Tagesrhythmus, der ihr vorgibt, jeweils um 15 Uhr die Blüte zu schließen. Aus welchem Grund auch immer es ihr so behagt oder in den Genen liegt ist nebensächlich. Vielleicht kommen Vogel oder Insekt, welche in dem Fall Bestäubungsaufgaben übernehmen, grundsätzlich einfach durchweg viel eher.
Ist nun aber einmal keine Bestäubung bis 15 Uhr erfolgt, lassen einige Pflanzen die Blüten kurzerhand länger auf. Sie können also erkennen, ob oder auch wie intensiv schon bestäubt wurde. Und sie können die Blütenöffnungszeit dementsprechend anpassen! Umkehrt ist es ebenfalls zu beobachten. War der Bestäuber bereits aktiv, wird durchaus eher geschlossen.
Da sag mir einer, Pflanzen empfänden oder könnten nichts! Erstaunlich, diese Natur …

Und die Bienen oder andere Insekten? Was machen sie, wenn bei einer Pflanzenart mittags Toresschluss ist, sie aber noch nicht satt geworden sind? Sie sind so flexibel, dass sie nicht partout auf einer einseitigen Ernährung beharren. Hat der Löwenzahn oder überhaupt eine Pflanze der löwenzahnartigen Korbblütler auf der Wiese bereits völlig typgerecht früh am Tag seine Blühzeit abgeschlossen, wandert der Bestäuber mit dem Restappetit eben zur Schafgarbe (Achillea millefolium), die am Nachmittag noch länger die Blüten geöffnet lässt.
Man hat sich arrangiert …

Schafgarbe, gelb  (Achillea millefolium) im Hintergrund

Schafgarbe (Achillea millefolium), gelb (im Hintergrund)


Eine Blumenuhr?

Kennen Sie den schwedischen Botaniker Carl von Linné? Er hat im 18. Jahrhundert dieses Phänomen der unterschiedlichen Blühzeiten (über den Tag gesehen) entdeckt und eine dementsprechende Blumenuhr entworfen. Ein Beet wurde wie das Zifferblatt einer Uhr in zwölf Abschnitte unterteilt und anschließend die einzelnen Felder mit jeweils den Blumen bepflanzt, die zur jeweiligen Stunde (z. B. 12 Uhr resp. 24 Uhr) zu blühen begannen.
Es wuchsen Wegwarte, Klatschmohn, Zaunwinden, Disteln, Margeriten, Enzian, Wunderblumen, Nachtkerzen und vieles mehr. Wenn Herr von Linné gefragt wurde, wie spät es sei, reichte ihm ein Blick aus dem Fenster. Waren die Blüten des Waldsauerklees und der Stockrose schon geöffnet, die der Mittagsblume jedoch nicht, war es ungefähr halb elf. Zeigte die Zaunwinde bereits geschlossene Blüten, die Seerose hingegen blühte noch, musste es  vor 17 Uhr, aber bereits nach 16 Uhr sein.
Es heißt, der Botaniker konnte die Zeit bis auf wenige Minuten genau benennen. Der kannte seine Freunde im Beet eben sehr gut.

Stockholm - Humlegården - Das Linné-Denkmal nahe der Nationalbibliothek

Stockholm – Humlegården – Das Linné-Denkmal nahe der Nationalbibliothek

Ein genaues Hingucken erspart einem offenbar das Tragen der Armbanduhr. Und mit dem Wissen um die genauen Blühzeiten werden vielleicht begeistert Blüten entdeckt, die vorher noch nie gesehen wurden, weil man dummerweise immer zur falschen Zeit anwesend war.

Halten Sie also Ihre Augen offen, speziell wenn Sie nach Sonnenuntergang unterwegs sind. Vielleicht begegnen Ihnen die geöffneten Blüten der Mondblume (Ipomoea alba), des Sternbalsams (Zaluzianskya capensis, auch Duftender Nachtphlox genannt), die der Nachtviolen (Hesperis matronalis), des Gemshorns (Matthiola bicornis), der Taglilien (besonders helle Blüten z. B. Hemerocallis citrina und H. liloasphodelus) oder eben der Nachtkerzen (Oenothera , z. B. Oenothera biennes). Engelstrompete und Oleander sind weitere Kandidaten. Sie blühen außer im Dunklen jedoch ebenfalls während des Tages!

Sollten Sie nach durchfeierter Nacht – Ihre Uhr haben Sie dabei im wüsten Gemenge verloren – an einer Nachtkerze vorbeikommen, die ihre Blüten schon wieder geschlossen hat, dann verrät Ihnen dies, dass Sie es tatsächlich extrem lang ausgehalten haben bei dieser Party. Der Pflanzenzustand zeigt: Es muss inzwischen nach 6 Uhr morgens sein!
Oder müsste. Theoretisch.
Denn was mich im eigenen Garten irritiert, ist, dass meine Nachtkerze Tag und Nacht blüht.
Was will man machen. Ein Dickkopf halt …
(Oder eine besondere Züchtung, was vermutlich eher zutrifft.)

Kohlweißling am Lavendel und meine tags blühende Nachtkerze hinten ...

Kohlweißling am Lavendel und meine tags blühende Nachtkerze hinten …

Nachtkerze (Oenothera), Blütezeit 20 Uhr bis 6 Uhr früh -  Diese hier blüht munter auch bei Sonnenschein ...

Nachtkerze (Oenothera), Blütezeit 20 Uhr bis 6 Uhr früh? – Diese hier blüht munter auch bei Sonnenschein …

Genug für heute. Feierabend. Gleich klappt die Sumpfdotterblume ihre Blüte zu (21 Uhr), und morgen muss ich bereits aufstehen, sobald die Distelblüte sich öffnet, während sich die Nachtkerze just dann zum Schlafen entschließt. (Um 6 Uhr aufstehen ist immerhin etwas humaner als zum Kürbistagesblühstart. Der wäre um 4 Uhr!)

Ein letzter Blick nach draußen. Was macht jetzt die rote Cosmea (Schmuckkörbchen), die Sie von weiter oben kennen? Klappt sie nun zu oder nicht? Aha, sie wird um 21 Uhr sichtlich müde …

Abends geht sie schlafen (Cosmea) ...

Abends geht sie schlafen (Cosmea) …

Bis demnächst!
Ich wünsche Ihnen eine schöne Woche mit viel Sonnenschein bei nicht zu heißen Temperaturen! Die Wettervorhersage ließ aufhorchen und ein wenig an Sahara-Verhältnisse denken …
Das Trinken nicht vergessen!

 

© by Michèle Legrand, Juni 2015
Michèle Legrand - freie Autorin - Michèle. Gedanken(sprünge) @wordpress.com

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31 Kommentare

Gewitterstimmung …

Drückende Hitze. Saunaluft. Und dann ein Gewitter mit heftigem Platzregen.
Bei Ihnen auch?
Rote Kletterrose nach Regen ...
Ich grüße Sie und wollte mich kurz melden. Hätte es diesen enormen Guss nicht gegeben, wäre es gar nicht dazu gekommen. Er hat mich davor bewahrt, einen weiteren Tag mit richtig harter Gartenarbeit zu verbringen.
In diesem Jahr wächst er einem fast über den Kopf. Vielleicht liegt es an dem sagenhaften norddeutschen Sommer des letzten Jahres mit seinem anschließenden milden Winter. Es könnte diesen wahnsinnigen Austrieb aller Gehölze gefördert haben.
Irgendwie bin ich nur am sägen und ausschneiden. Selbst um diese Jahreszeit noch – oder wieder, jetzt nachdem die Vögel die Nester mit ihrem Jungvolk verlassen haben. Es ergibt so viel Biomüll, dass ich mit Komposthaufen, Biotonne und sonstigen Verwahrmöglichkeiten einfach nicht auskomme. Jede Woche fallen säckeweise Extramüll an.

Ohne zusätzliche Müllsäcke läuft in diesem Jahr gar nichts ...

Ohne zusätzliche Müllsäcke läuft in diesem Jahr gar nichts …

Meine Büsche kommen mir vor wie Bambus im Regenwald. Der wächst pro Tag 30 cm, und ich habe das dumpfe Gefühl, meine Gewächse hinken dem kaum hinterher.
Zusätzlich habe ich mich neulich aus rationalen Gründen und aus einem gewissen Harmoniebedürfnis heraus mit einem anstrengenden Nachbar wieder vertragen und versuche natürlich, neue kritische Diskussionen möglichst zu vermeiden. Persönlich aus dem Weg zu gehen. Keinen Anlass, aber auch keine Gelegenheit für weitere merkwürdige Ansinnen bezüglich Gehölzschnitt und -höhe etc. zu geben.  Schneide stattdessen vorsorglich, aber so, dass es mir noch gefällt.
Gerade herrscht also mit dem einen (seitlich) wieder Friede, Freude, Eierkuchen, da luchst mir mein hinten anschließender Nachbar in einer schwachen Minute bereits ein neues Zugeständnis ab.
Hätte ich bloß nicht!

Ich erzähle Ihnen gleich mehr darüber, doch wissen Sie was?
Falls Sie mit einem Grundstückskauf liebäugeln, denken Sie nicht, nur weil Sie ein Eckgrundstück oder Eck(reihen)haus erstehen und dadurch an einer Seite ein Nachbar wegfällt, ergibt sich automatisch weniger Zündstoff! Pustekuchen!
Schauen Sie vielmehr darauf, wie die anderen Häuser um Ihr Grundstück drumherum positioniert sind. Die, die gar nicht direkt Grenze an Grenze mit Ihnen sind, aber fast …
Ich habe zwar das sagenhafte Glück. dass ich einerseits nebenan richtig nette und verträgliche Tür-an-Tür-Nachbarn habe, aber andererseits auch das Pech, dass sich an meiner Grundstückslängsseite zusätzlich vier mit ihren Stirnseiten anschließende Nachbarn befinden.
Sie verstehen das jetzt schon richtig mit den Stirnseiten, oder?
Es geht um die Ländereien, nicht um die Köpfe.
Dazu kommt ein weiterer Nachbar an meinem Grundstücksende. Obwohl alle, die mit den schmalen Stirnseiten anstoßen, als Abstand erst noch ihren eigenen Vorgarten, den öffentlichen Gehweg und einen Seitengrünstreifen haben ehe meine Grenzhecke überhaupt beginnt, besteht dort in einem Hause die Ansicht, dass bei mir Gepflanztes trotz dieser Distanz Licht klaut.
Verdunkelt! (In einem Film würden jetzt beängstigende Töne erklingen …)
Wohlgemerkt es geht um einen Strauch, der in mein Grundstück hinein, nicht nach außen wächst und obendrein um einen, der nicht einmal direkt vis-à-vis des besagten Hauses steht, sondern mindestens 15 m weiter rechts. Mir will nie so ganz in den Kopf, wie dieses Gewächs die Erschaffung der Finsternis hinbekommen soll …
Friedliebend wie ich bin, hat er inzwischen doch wieder seinen Willen gekriegt. Der Nachbar, nicht der Busch. Er ist geschrumpft. Jetzt der Busch, nicht der …

Genug davon. Diesmal geht es zur Abwechslung um etwas anderes.

Ich habe als zusätzlichen Sichtschutz eine Holztrennwand zum Nachbarn hinten. Efeubewachsen. Es hat ihn genervt, weil das immergrüne Gewächs leider nicht nur auf meiner Seite wuchs, sondern sich zu ihm herüberschlängelte. Diese Art der natürlichen, grünen Wände sah von beiden Seiten superschön aus – und die Vögel liebten es ebenfalls.
Sie merken, ich spreche in der Vergangenheit.
Aus dem Bedürfnis heraus, endlich Ruhe vor den ewigen Klagen zu haben, habe ich zugesagt, den Efeu komplett zu entfernen. Gesagt, getan. Nun habe ich den Salat!
Zutage trat, dass der Efeu die Holzwand einerseits ramponiert, aber andererseits auch perfekt zusammengehalten hat. Jetzt, nachdem ich alles herunter- und herausgeschnitten und Hindurchgewachsenes herausgebrokelt habe, lösen sich nämlich die diagonalen Zierlatten, brechen teilweise weg.
Der neue Anblick gefällt weder meinem Nachbarn noch mir. Folglich steht die nächste Aktion an: Zaun erneuern. Sichtelemente austauschen. Das lässt sich nämlich garantiert nicht wieder zusammenschustern mit den verzogenen, geschrumpften, angebrochenen Teilen …
Ich sag’s Ihnen: Reichst du den kleinen Finger, wird gleich nach der ganzen Hand gegrabscht!
Gut, der Nachbar kann nicht wirklich etwas für den jetzt desolaten Zustand der Sichtschutzwand, aber hätte man alles so belassen, hätte es gehalten und wäre noch jahrelang wunderbar gewesen.
Wie sagt man bei uns im Norden: Alles unnützer Tüdelkram!
Ich bin also demnächst wieder im Garten beschäftigt – gerade als ich dachte, ich hätte jetzt erst einmal das Gröbste hinter mir. Nun ja, vielleicht spielt das Wetter …
Wann startet in Deutschland nochmal die Regenzeit …?

Gestern war ich gleich nach dem Gewitterregen draußen! Barfuß. Als alles noch tropfte und dampfte. Eine Waschküche ist nichts dagegen! Die Äste hingen alle ganz tief unter der schweren Last.
Was unerwartete Einblicke gewährte!
Mein Blumenhartriegel (Cornus kousa var. Chinensis) beginnt gerade zu blühen. Seine Äste sind etagenförmig angeordnet, stehen fast waagerecht ab.  Da ich ihn mehr als Baum, denn als Strauch gezogen habe, beginnt die Verästelung erst in gewisser Höhe und die Brakteen genannten Blüten auf ihren kleinen Stielen sieht man meist lediglich von der Seite.
Gestern gab es die Gelegenheit zur Draufsicht:

Auch die Zweige des Blumenhartriegels (Cornus kousa var. chinensis) drückt es herunter - so sind die Brakteen besser zu sehen!

Auch die Zweige des Blumenhartriegels (Cornus kousa var. chinensis) drückt es herunter – so sind die Brakteen besser zu sehen!

 

Die gelbe Kapuzinerkresse (Tropaeolum majus) hat sich wacker gehalten bei dem Platzregen …

Kapuzinerkresse  (Tropaeolum majus) im Regen ...

Auf den Blättern des Ginkgo biloba perlt der Regen besonders gut ab …

Ginkgo biloba mit Wasserperlen ...

Ginkgo biloba mit Wasserperlen …

Manche Blätter erinnern wirklich enorm an Schmetterlinge  …

Ginkgo biloba - Blätter wie Schmetterlinge ...
Auch die Kletterrosen ( „Lykkefund“, weiß und eine rote Kletterrose, beides Rambler) wirken zwar etwas zerzaust, haben den harten Niederschlag dennoch recht gut überstanden…

Pfaffenhütchen (Euonymus europaeus), Spierstrauch und Rose Lykkefund im Regen ...

Pfaffenhütchen (Euonymus europaeus), Spierstrauch und Rose „Lykkefund“ im Regen …

 

Rote Kletterrose (regennass)

Es ist also kein allzu großer Schaden entstanden. Morgen sieht wahrscheinlich alles wieder so aus, als wäre nichts geschehen.

Der Türkische Mohn (Papaver orientale) hat allerdings seine letzten Blütenblätter opfern müssen …

Mohnkapsel ... (Papaver orientale, Türkischer Mohn)
Das Orangerote Habichtskraut (Hiracium aurantiacum) schüttelt vermutlich nur noch kurz die Restfeuchtigkeit ab, dann strahlt es wieder wie hier kurz vor dem Guss …

Orangerotes Habichtskraut (Hiracium aurantiacum)

Ich ahne, dass der Garten nach dieser Dusche und bei milden Temperaturen erneut den Drang verspüren wird, mir über den Kopf zu wachsen. Die Hecke wird schießen! Irgendwie habe ich auch den Eindruck, der Rasen ist in den letzten Stunden schon wieder höher geworden!
Ach, ja …
Doch seien wir ehrlich: Ohne Garten wäre es auch nichts!
Hält fit. So muss man das sehen. Und bietet natürlich ebenfalls Entspannung. Zumindest gelegentlich.^^

Ich hoffe, Sie haben nicht nur zu wurschteln, sondern können  ein wenig entspannen. Ihnen allen einen schönen Sonntag, möglichst unverhagelt und gewitterfrei!

© by Michèle Legrand, Juni 2015
Michèle Legrand  ©Foto Andreas Grav (Ausschnitt)

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