Freddy mit der Mütze …

Ich weiß, ich fragte mich, ob er wohl immer noch das sehr volle, dunkle Haar hätte … Nur Freddy Quinn
trug eine dieser schwarzen, grobgestrickten, zipfellosen Wollmützen. Tief in die Stirn gezogen und bis
über eventuell vorhandene Koteletten. Kein Wunder, das Wetter präsentierte sich äußerst grottig;
kühl, nass und trüb.
Der Dunst hing tief über der Außenalster, doch wir saßen unverdrossen auf einer der Bänke am Ufer.
Er hatte die Hände in den Taschen seines Mantels vergraben, die Beine weit von sich gestreckt, dabei
die Füße überkreuzt und erzählte schmunzelnd von einer Ruderregatta.
Ein Kind in bunten Gummistiefeln rannte auf dem angrenzenden Spazierweg durch eine Pfütze.
Immer wieder. Hin und her. Hin und her …
Aus einem der nahen Bäume drang der Lärm gleich mehrerer echauffierter Krähen und unterbrach Freddys Erzählfluss. Sein Blick ging hoch ins Geäst. Als er die Radaubrüder entdeckt hatte, krächzte er zurück, als spräche er ihre Sprache. Er kehrte wieder zu seinen Regattaerinnerungen zurück, während ich auf der gro-
ßen Wiese rechts das Dromedar wahrnahm, das feuchtes Gras kaute. Unentwegt.
Wir starrten uns ein Weilchen an, bis … Moment!

Ein Dromedar? Frei? In Hamburg …? Und wieso Freddy Quinn … mit mir …?
Mir kam das mehr als verdächtig vor. Aus gutem Grund!

Sie ahnen es vermutlich – alles nur geträumt. Mir selbst wird das meist in eben solchem Moment klar, in
dem sich komplett Unlogisches hineinmogelt. Mitten im Schlaf kommt die Erkenntnis! Nicht real! Traum!
Die Reaktion lässt nicht lange auf sich warten.
Ist der Traum absurd und völlig überflüssig, unterbreche ich das Geschehen, wofür oftmals nicht einmal komplettes Aufwachen nötig ist. Während des Schlafens verblasst das Bild oder die Handlung endet einfach. Schlagartig. Auch das kommt vor.
Sind die im Schlaf hochkommenden Bilder jedoch spannend und höchst willkommen, tauchen Personen in diesem nächtlichen Film auf, an denen mir liegt, die ich unbedingt sehen und hören möchte – im realen Leben sind sie womöglich bereits verstorben – und wird mir in dem Fall bewusst, dass nur ein Traum läuft (Klaus lebt doch gar nicht mehr …?), liegt mir unheimlich viel daran, dass er jetzt bloß nicht endet!
Nein! Nicht aufwachen! Lass die Bilder nicht verschwinden …
Nun ja, in dieser Hinsicht ist wohl kräftiges Üben angesagt, denn die Handlung zuverlässig fortlaufen zu lassen gelingt mir nicht, es lässt sich zumindest nicht lange durchhalten. Irgendwie scheint gerade dieser sehnliche Wunsch, die Dringlichkeit dahinter, den Plan regelrecht zu durchkreuzen.

Speziell diese sehr merkwürdigen Dinge – warum träumt der Mensch bloß derartige Ungereimtheiten?
Von Plätzen, an denen er nicht war, Menschen, die er gar nicht kennt …? Lassen Sie es uns nicht wissen-
schaftlich zu erklären versuchen oder professionelle Traumdeutung heranziehen – lassen Sie uns einfach nur herumunken und spekulieren.
Erinnern Sie sich noch an etwas, was ich Ihnen in ganz frühen Zeiten dieses Blogs anvertraut habe? Ich nahm damals an (ebenso munter-spekulativ gemeint), dass Träume offensichtlich hin und wieder schwer fehlgeleitet werden. Das bedeutet, Sie bekommen höchstwahrscheinlich gelegentlich Träume eingespeist, die eigentlich für jemand anderen gedacht sind. Genauso umgekehrt. Jemand erhält die für Sie gedachte Story.
Das Durcheinander bei den Inhalten und entsprechend mangelndes Verständnis können Sie sich vorstellen.

Einmal hatte ich nächtens das Vergnügen, in einer Oase zu sitzen. Dort war kein Dromedar, allerdings traf ich in der Wüste auf meine ehemalige Französischlehrerin, die ernst und mit Hingabe auf einer großen Harfe spielte. Wer sie kennt bzw. kannte, weiß, wie unwahrscheinlich dieses Szenario ist! Erklär mir einer so etwas …
Hatte ich die neun Ameisenhaufen am Strand schon erwähnt? In dem Traum spielten auch Richard von Weizsäcker und ein schwarzes Taxi eine wichtige Rolle. Oder die Sache mit dem russischen Briefträger und seiner Trillerpfeife?
War das etwa einer Ihrer Träume? Geklaut und zu mir umgeleitet? Können Sie vielleicht etwas damit anfangen?

Was halten Sie von dem Vorschlag, dass Sie mir einfach erzählen, was Ihnen traumbezogen bisher fehlt oder was nicht mehr vorkommt, schlicht abhanden gekommen zu sein scheint. Wenn ich merke, dass so etwas irrtümlich bei mir landet, dirigiere ich es selbstverständlich sofort zu Ihnen um.

Mehr wollte ich Ihnen gar nicht erzählen, ich habe noch zu tun.
Halt! Gerade fällt mir noch etwas ein!
Die merkwürdigen Träume haben hin und wieder so ihre kleinen Auswirkungen auf das nachfolgende Verhalten im Wachzustand. Seit dem Freddy-Traum gestern ertappe ich mich z. B. dabei, dass ich ständig „Hundert Mann und ein Befehl“ singe. Das legt sich hoffentlich in ein oder zwei Tagen wieder.
Mittlerweile habe ich sogar herausgefunden, wann und wodurch diese sonderbaren Träume ausgelöst werden. Es hat nichts mit gerade vorher Erlebtem zu tun.
Es passiert zuverlässig, wenn es mir im Schlafzimmer im Laufe der Nacht zu kalt wird, ich deshalb gegen Morgen doch den Thermostat der Heizung aufdrehe, das Frösteln nachlässt und ich zu dieser Zeit noch einmal einschlafe. Das ist der Startschuss für reichlich phantasievolle bis wirre Träume!
In meinen Augen ist die Ursache ein kräftig losbollernder Heizkörper, der während des Morgenschlafs für mollige Temperaturen sorgt. Und nur morgens funktioniert es!
Dadurch, dass Sie nach einem dieser Träume tageszeitbedingt meist endgültig aufwachen, bleibt der Inhalt sogar noch ein Weilchen im Gedächtnis haften, was ja sonst nicht immer der Fall ist.
.

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende! Und träumen Sie etwas Nettes!

.

© by Michèle Legrand, Oktober 2016
Michèle Legrand

 

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  1. #1 von mannigfaltiges am 22/10/2016 - 08:52

    Interessante Ausführungen mal wieder.
    Also meine Träume gehören schon zu mir, ein fremder Traum ist mir noch nicht untergekommen. Was mich momentan stört, sind diese Träume mit Drehbuch, welche dann abrupt durch das Erwachen enden. Sie sind noch so präsent, dass ich hellwach die Story zu einem vernünftigen Ende führen möchte.
    Letztes Beispiel: ich wurde von einem Kampfhubschrauber verfolgt, welcher mit nach dem Leben trachtete: So wie in „North by Northwest“ Cary Grant dem Flieger entkommen wollte. Nur war es bei mir in einer Stadt. Kurz vor den Showdown wurde ich wach. Den ganzen Vormittag machte ich mir Gedanken, wie ich so einem mörderischen Ding entkommen könnte.
    Naja, war ja nur ein Traum.
    Schönes Wochenende,
    Erich

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    • #2 von ladyfromhamburg am 22/10/2016 - 17:15

      Es geht höchst abenteuerlich in deinen Träumen zu! Doch ich gebe zu, Erich, es ist sehr irritierend, wenn genau das auf- oder erlösende Ende fehlt. Vielleicht war deine Lage nicht so rosig und das Aufwachen hat dich vor Schlimmeren bewahrt? ^^ So geht es mir bei sehr unangenehmen Träumen manchmal. Ich bin in dem Moment eigentlich heilfroh, dass es nicht bis zum Äußersten geht.
      Dir auch ein schönes Wochenende!
      LG Michèle

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  2. #3 von kowkla123 am 22/10/2016 - 13:22

    ja, was man alles so träumen kann, genieße die kommenden Tage

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  3. #5 von Zeitreisender am 22/10/2016 - 14:11

    In meiner Jugend konnte ich fliegen. Dabei machte ich Schwimmbewegungen und konnte bei Bedarf auf meinem Rücken jemanden mitnehmen. Durch das zusätzliche Gewicht wurde aber auch das Fliegen schwerer, ich konnte auch nicht mehr so leicht abheben. Diese Träume vermisse ich. Sie kamen seit damals nie mehr wieder…
    LG Volker

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    • #6 von ladyfromhamburg am 22/10/2016 - 17:33

      Es ist eigenartig, dass es mitunter Träume gibt, die wiederholt vorkommen bzw. vorgekommen sind, deren Auftauchen aber irgendwann endete. Das Fliegen im Traum kenne ich, Volker, fünf- oder sechsmal wiederholte sich ein fast identisch ablaufender Traum. Doch im Alter von etwa 20 Jahren war damit Schluss. Es ist heute noch präsent! Von der Handlung her nicht mehr bis ins letzte Detail, das damalige Gefühl während des Fliegens jedoch sehr genau. Es gefiel mir sehr – auch wenn ich keinen mitnehmen konnte, so wie du. ^^
      Ich kann jedenfalls gut nachvollziehen, dass du diese Träume vermisst.
      LG Michèle

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  4. #7 von Reinhold Staden am 24/10/2016 - 16:54

    Schön geschrieben, Michéle. Je älter ich werde, desto weniger träume ich. Oder kann mich daran erinnern. Wenn ich träume, dann oft „die Lösung“ für ein Thema / ein Problem. Themen, die mich beschäftigen „verfolgen“ mich auch manchmal im Traum. Aber auch ich merke im Traum das ich gerade träume und versuche dann dem weiteren Verlauf eine Richtung zu geben. Klappt aber nie! Wünsche Dir eine gute Zeit und angenehme Träume. Liebe Grüsse. Reinhold

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    • #8 von ladyfromhamburg am 24/10/2016 - 20:18

      Diese spezielle Art von träumen (es beschäftigt einen Unerledigtes, Probleme gehen auch nachts nicht aus dem Kopf, ein Horrorszenario verschafft albtraumhafte Visionen etc.) kennt glaube ich jeder Mensch. Ich bin immer froh, wenn sich die Ausgangslage ändert und somit die Ursache für die Träume verschwindet. Dass sich Träume schwer oder kaum in eine andere Richtung lenken lassen, ist schon gemein. ^^ Wenigstens schafft man es meist, die Notbremse zu ziehen und wenigstens aufzuwachen, wenn es ganz schlimm wird.
      Danke für deine Zeilen, Reinhold, und liebe Grüße auch zurück!
      Michèle

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      • #9 von Reinhold Staden am 25/10/2016 - 08:51

        Notbremse… ist gut!!! Manchmal habe ich das Gefühl ich brauche die schon am Tag. In der heutigen Zeit möchte ich manchmal aufwachen… obwohl ich gar nicht schlafe und träume. Hab eine gute Zeit, Michéle. Ich sehe ein zartes Blau am Himmel. Werde mich mal auf den Weg machen und einige Träume auf den Sensor brennen. ;:)

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      • #10 von ladyfromhamburg am 26/10/2016 - 23:44

        Ich hoffe, du hattest mit deiner Sensorbrennerei Glück, Reinhold … ^^ Freue mich schon, wenn ich das (Traum-)Resultat womöglich demnächst bei dir vorfinde!

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  5. #11 von Silberdistel am 24/10/2016 - 19:15

    Och nee, nur war ich gerade äußerst gespannt, wie und warum Du Freddy Quinn getroffen hast und worüber Ihr noch, außer über seine Erinnerung an eine Ruderregatta, gesprochen habt. :-( Wie dumm aber auch, dass da plötzlich dieses Dromedar aufgetaucht ist. Diese Viecher können einem doch den schönsten Traum vermiesen ;-)
    Also fremde Träume sind mir noch nicht untergekommen. Ich denke, meine Träume waren auch immer nur mir zugedacht. Sollte sich das irgendwann einmal ändern, schicke ich den Außenseiter zu Dir ;-)
    Liebe Grüße von der Silberdistel

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    • #12 von ladyfromhamburg am 24/10/2016 - 20:23

      Das ist sehr nett mit dem Transfer des Außenseiters … ;-) Danke schön!
      Tja, leider muss ich passen bezüglich des Fortgangs des Gesprächs mit Herrn Quinn, liebe Silberdistel. Es hätte mich auch interessiert. Gesehen habe ich ihn tatsächlich einmal (real) im St.-Pauli-Theater in Hamburg. Nur – keine Mütze, kein Gespräch und ewig her. ^^

      Liebe Grüße auch zurück!
      Michèle

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  6. #13 von Heartafire am 24/10/2016 - 21:32

    A delightful read Michèle, your writing style is wonderful. Some studies define dreaming as a way to act out our subconscious desires in a setting that is „unreal“ so to speak. Perhaps what we dream would be unacceptable or even harmful in reality. Still we are not sure why we dream. I find that my dreams occur in the morning just before waking. As a child if I had a „bad“ dream my grandmother would advise me to turn over and I would forget the dream. Strangely it always worked, the power of suggestion. Thank you for this very entertaining and beautifully written text, I thoroughly enjoyed it.
    Liebe Grüße,
    Holly

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    • #14 von ladyfromhamburg am 26/10/2016 - 23:41

      Thank you so much, Holly. Please excuse the delayed reply, it was difficult to be online during the last days.
      So nice to get your kind feedback and so interesting to read about your thoughts regarding dreams as well as your childhood memories. As you say, sometimes it’s the power of suggestion or imagination.^^
      I’m sending my very best regards also back to you! Liebe Grüße aus Hamburg!
      Michèle

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      • #15 von Heartafire am 27/10/2016 - 00:39

        Thank you Michele, always a pleasure to visit you!

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  7. #16 von ernstblumenstein am 26/10/2016 - 15:30

    Ich dachte doch gleich, Michèle mit Freddy Quinn, dazu noch ein Dromedar – ob das nur gut gehen kann ;-), entschuldige bitte Michèle. Herzlichen Dank für deine gekonnten Traumgedanken Ich träumte früher öfter, meistens auch Unverdautes oder Unerledigtes.
    Als erfahrener Rentner träume ich ganz selten, was mit einer besseren inneren Balance zusammen hängt. Ohne Berufsleben lebe ich mein Leben leichter und lockerer und nehme wenig Unerledigtes mit in den Schlaf.
    Ich wünsche dir schönes Wetter und ein gutes Wochenende. Ernst

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    • #17 von ladyfromhamburg am 26/10/2016 - 23:50

      Lieber Ernst, dann sieht es tatsächlich so aus, als führtest du ein unaufgeregtes und grundsätzlich zufriedenes, ausgeglichenes und geregeltes Leben, das nur in Traumhinsicht – und was Menge oder Vielfalt von Traumvorlagen angeht – eben ein wenig „schwächelt“. ^^
      Ich glaube, damit lässt es sich jedoch recht gut leben, oder?
      Ich danke dir für deine Zeilen, wünsche dir – falls doch einmal Traumzeit angesagt sein sollte – Träume der angenehmen und positiv-phantasievollen, inspirierenden Sorte.

      Bis demnächst! Ich freue mich auch schon wieder auf deine zukünftigen Posts!
      LG Michèle

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