Ostfriesland – heel wat besünners! Heute: Jümme, Pünte, Waldfunde, enge Brücken, Tiefs und Getier (3)

Stellen Sie sich vor, Sie biegen im südlichen Ostfriesland von einer wenig befahrenen Straße auf dem Land nach rechts in eine noch schmalere, noch geringer frequentierte Straße ab, weil Sie neugierig auf eine Sache sind, die sich nur so erreichen lässt. Sie fahren fast vier Kilometer durch Wiesen und Felder, gelegentlich – ganz selten – taucht ein Haus auf. Ein landwirtschaftlicher Betrieb mit Viehzucht. Die Felder sind größtenteils Weideflächen.
Es erinnert Sie vielleicht hin und wieder an England, speziell an Cornwall oder Wales. Dieses kräftige Grün der Wiesen, der gelegentlich heckenartige Bewuchs zu beiden Seiten. Zwischendurch folgt immer wieder ein längerer Abschnitt mit viel freier Sicht auf weites Land. Und diese Straße, die Ihnen das Gefühl gibt, sie wäre eine Einbahnstraße. Garantiert. Dieser schmale Schlauch. So viel Platz drum herum, und dann so eng gehalten. Was Sie in Ihrem Glauben weiter zu bestätigen scheint: Ihnen kommt die ganze Zeit nicht ein Fahrzeug entgegen!
Es zieht sich hin. In dem Moment, in dem Sie fast schon der Überzeugung sind, Sie hätten sich wohl verfahren, taucht ein Schild am rechten Fahrbahnrand auf. Der Hinweis, auf den Sie warteten. Dort muss es irgendwo gleich sein. Aha, jetzt nach links.
Voilà!
Nanu!? Sie bremsen. Eine Ampel? Hier? Eine rote Ampel? Nichts los, kein Verkehr, keiner in Sicht, seit Kilometern kaum noch ein Verkehrsschild, und jetzt stoppt Sie eine rote Ampel? Mitten in der ostfriesischen Natur?

Ostfriesland - Die Leda-Brücke (schmalste Autobrücke Deutschlands) als Verkehrsverbindung zwischen Amdorf und z. B. Leer

Ostfriesland – Die Leda-Brücke (schmalste Autobrücke Deutschlands) als Verkehrsverbindung zwischen Amdorf und z. B. Leer

Doch dann erinnern Sie sich, dass Sie die schmalste Autobrücke Deutschlands bei Amdorf (Detern) ansteuerten und Sie auch gern überqueren wollen. Und wenn eine Brücke so schmal ist, dass immer nur ein Auto aus einer Richtung zurzeit unbeschadet diesen Weg übers Wasser, in diesem Fall den Fluss Leda, nehmen kann, dann brauchen Sie zur Regelung des Verkehrs und zur Vermeidung von Karambolagen eine Ampel. Kaum haben Sie angehalten, kommt auf Ihrer Flussseite von irgendwoher ein zweites Auto. Auf einmal! Hält dicht hinter Ihnen. Beschnuppert die Stoßstange. Das wird doch hier jetzt keinen Stau geben? Der Blick geht nach vorn. Richtung Brücke.
Oho! Die ist aber … sehr zierlich. Schmaler als gedacht. Arg schmal!
Sie haben jetzt zwar noch die Chance, sich Ihren Plan mit der Überquerung zu überlegen. Sollten Sie einen sehr großen PKW besitzen, müssen Sie eh prüfen, ob er nicht Überbreite hat. Der Wagen darf quer nicht mehr als 1,80 m max. 1,85 m messen! Das ist das äußerste, was die Fahrspur an Weite hergibt. Sonst bleiben Sie stecken.
Also nicht Sie persönlich! Ich rede vom Auto!
Wenn Sie feststellen, dass Ihr Wagen durchaus könnte, Sie aber nicht, weil Ihnen nämlich jetzt mulmig wird, dann müssten Sie zurücksetzen. Theoretisch. Nur das geht nun nicht mehr, da sich mittlerweile dieser Ministau entwickelt hat …
Der Gegenverkehr taucht am Horizont auf. Überquert die inklusive der Auffahrten 150 m lange Leda-Brücke in schwindelerregender Höhe von 2,44 Metern. Der Wagen rollt an Ihnen vorbei. Na, wenn der das geschafft hat! Das eigentliche Brückenteil der Stahlbogenbrücke misst ja auch nur 50 Meter … Sie fassen neuen Mut, die Ampel springt auf Grün. Auch der Hintermann hat schon dieses erwartungsvolle Leuchten in den Augen.
Auf geht’s! Goliath auf dem Schwebebalken. Drauf, rüber, zack!

Ostfriesland - Leda-Brück bei Amdorf -  Sie sollten kein zu breites Auto haben!  Und von hier sehen Sie auch noch gar nicht, wie es eigentlich weitergeht ...

Ostfriesland – Leda-Brück bei Amdorf – Sie sollten kein zu breites Auto haben! Und von hier sehen Sie auch noch gar nicht, wie es eigentlich weitergeht …

Geschafft! Wenn Sie dort heil hinübergekommen sind, dann könnten Sie auch gleich noch ein anderes kleines Abenteuer in Angriff nehmen. Eine Besonderheit kennenlernen.
Wie kann man einen Fluss noch überqueren?
Bitte? Schwimmend?
Ja, und Ihr Auto …? Amphibienfahrzeug? Serienmäßig? Nicht? Ach, was …

Das südliche Ostfriesland und speziell die Gegend um Leer herum sind von einigen Wasserläufen durchzogen. Die Ems fließt dort Richtung Nordsee, die Leda stößt hinzu, mündet ihrerseits wiederum bei Leerort in die Ems und schließlich wäre da noch die Jümme, ein Nebenfluss der Leda, der in diese mündet. In dem Bereich, in dem Leda und Jümme sich befinden, spricht man auch vom Zweistromgebiet.
Ganz früher, als hier noch Reise- und Postkutschen fuhren, gab es überhaupt keine Brücken über die Flüsse. Sicher konnten Personen vereinzelt in kleinen Booten übersetzen, doch was machte man mit Fuhrwerken?
Auf einem der Haupthandels- und Reisewege von Westfalen nach Ostfriesland?
Da stand nicht Ochs vom Berg, sondern Pferd vorm Fluss.
So erschuf man vor gut 450 Jahren eine Fährverbindung und erbaute um das Jahr 1562 herum die Pünte, eine handgezogene Wagenfähre, die am Zweistrom von Leda und Jümme bei Amdorf und Wiltshausen am sog. Lüdeweg die Jümme überquert. Auf diese Art waren seitdem die Gebiete diesseits und jenseits der Flüsse verbunden – vorausgesetzt, die Witterungseinflüsse ließen es zu. Im Winter wurde der Fahrbetrieb eingestellt.
Heute ist die Treidelpünte, als eine am Seil geführte Fährprahm (= flache Fähre) für Touristen eine Attraktion, die jedes Jahr von Anfang Mai bis Ende September genutzt werden kann. Drei Fahrzeuge passen maximal auf die Fläche. Zusätzlich ist Platz für ca. 30 Personen, gegebenenfalls auch Fahrräder.

Ostfriesland - Ein Ticket fürs Autoübersetzen per Pünte über die Jümme. Auto plus Fahrer 4,- Euro. Jeder weiterer  Mitfahrer oder Fußgänger 1,- Euro.

Ostfriesland – Ein Ticket fürs Autoübersetzen per Pünte über die Jümme. Auto plus Fahrer 4,- Euro. Jeder weiterer Mitfahrer oder Fußgänger 1,- Euro. Mit Fahrrad 1,50 Euro.

An dem Tag, an dem ich die Stelle an der Jümme ansteuerte, regnete es. Die Pünte lag am anderen Ufer, und es wirkte anfangs alles ein bisschen verlassen.
Aber fahren Sie nicht wieder weg!
Bereits eine Minute nach dem Eintreffen tat sich etwas. Zwei junge Männer erschienen, brachten die Fähre herüber und setzten die Kundschaft samt Auto wenig später wohlbehalten wieder auf der anderen Seite ab.
Wäre also auch die Fährfahrt unbeschadet und fröhlich gelungen …!

Ostfriesland - Die Pünte - Seit über 450 Jahren überquert die handgezogene Fähre (Treidelpünte) am Zweistrom von Leda und Jümme in Wiltshausen die Jümme

Ostfriesland – Die Pünte – Seit über 450 Jahren überquert die handgezogene Fähre (Treidelpünte) am Zweistrom von Leda und Jümme in Wiltshausen die Jümme …

Ostfriesland - Die Pünte über die Jümme - Deutschlands einzige handgezogene Wagenfähre ...

Ostfriesland – Die Pünte über die Jümme – Deutschlands einzige handgezogene Wagenfähre …

Es geht noch ein wenig weiter über Land, wenn Sie Lust haben.
Gelegentlich wird von Leuten – gern von welchen, die noch gar nicht dort waren – behauptet, alles sei so eintönig. Im Brustton der Überzeugung erzählen Ihnen Fremde, der Gegend Unkundige, dass Ostfriesland nur weites, flaches, völlig unterschiedsloses Land sei. Hätten sie gehört …
Das ist falsch!
Nehmen wir doch wieder die Region des südlichen Ostfrieslands als Beispiel. Hier gibt es neben den Flüssen Ems, Leda und Jümme eine Vielzahl kleinerer Gewässerläufe, die das gesamte Gebiet durchziehen. Der Boden ist höchst unterschiedlich, entsprechend auch der Bewuchs, seine Nutzung, die Fähigkeit Feuchtigkeit zu halten, seine tierischen Bewohner etc.
Es ist sandig oder auch lehmig im Bereich der Ausläufer des ostfriesischen Geestrückens. Dort wo die Ems und Leda unmittelbar Einfluss nehmen, gibt es wiederum die Flussmarschen. Direkt an den Flüssen finden Sie überschlickte Randmoore und in vielen Teilen (z. B. Rheiderland westlich von Leer Richtung Dollart oder auch großflächig im Nordosten von Leer) tatsächlich regelrechte Moorböden.
Jetzt werden Sie vielleicht sagen: Ja, und wie erkenne ich das?
Passen Sie auf:
Die Marsch wird intensiv für die Landwirtschaft genutzt. Hat geringen Baumbestand, genügend bis reichlich Bodenfeuchte, wirkt grün, ist aber durch dieses intensive Bewirtschaften – was wildlebende Tiere angeht – nicht sehr artenreich.
Hier entdecken Sie allerdings die meisten Maulwurfshügel!
Die Geest wird etwas anders genutzt. Zwar auch für Äcker und Grünflächen, doch die Flächen sind anders angelegt, was das Gebiet für viele Pflanzen und besonders auch Tiere interessanter macht und ihnen Lebensraum bietet. Wesentlich mehr Kleinvogelarten leben dort – was man sofort hört!
Woran das liegt?
An den sogenannten Wallhecken! Ein landschaftsprägendes Kulturgut dieser Region!

Ostfriesland - ... die unter Schutz stehenden Wallhecken zur Einfriedung der Felder (s. Text)

Ostfriesland – … die unter Schutz stehenden Wallhecken zur Einfriedung der Felder (s. Text)

In Schleswig-Holstein und den ländlichen Regionen anderer Bundesländer würde man sie vielleicht am ehesten mit Knicks vergleichen. Es sind mit Bäumen und diversen Sträuchern bewachsene Erdwälle, die ursprünglich der natürlichen Einfriedung von Acker- und speziell Weideflächen dienten. Sie verhinderten, dass das Vieh weiter als gewünscht herumwanderte, denn der einzige Zugang zum Feld wurde vom Bauern immer mit einem Gatter verschlossen.

Ostfriesland - Wallhecken zur Einfriedung von Feldern und Weideland. Die Zufahrt ist meist mit einem Gatter abgesichert.

Ostfriesland – Wallhecken zur Einfriedung von Feldern und Weideland. Die Zufahrt ist meist mit einem Gatter abgesichert.

Sie erfüllten und erfüllen jedoch noch weitere Zwecke, weswegen sie heute auch unter Schutz gestellt sind und nicht verändert, geschweige denn abgeholzt werden dürfen. Sie sind ein Schutz vor Erosion und Witterung, liefern Holz (wenn doch einmal ein Baum aus Sicherheitsgründen gefällt werden muss bzw. durch Strauchschnitt), sie sind ein Grenzzeichen und in dem Buschwerk, das sich zwischen den Bäumen auf dem Wall befindet, siedeln sich zahlreich besagte Tier- und Pflanzenarten an.
Auf kleineren Parzellen wird eher Vieh gehalten, auf größeren überwiegt der Pflanzenanbau. Überall dort, wo durch die Größe ein Einsatz von Maschinen lohnenswert scheint – und genau aus diesem Grund gibt es auch Kritiker der Wallhecken, die, weil sie lieber einen einfacheren Zugang zu den Feldern hätten oder  mehrere miteinander verbinden möchten,  gern störende (Grenz-)Wälle entfernen würden.
Sie murren vergebens …

Und das Moorgebiet?
Nun, dort gibt es nicht so viel Getier. Vielleicht begegnet Ihnen ein Moorfrosch oder eine Eidechse. Oder ein Birkhuhn! Nur das allein als Erkennungszeichen wäre etwas wenig und riskant. Womöglich warten Sie vier Wochen, bis ein Frosch vorbeigehüpft kommt. Falls Sie überhaupt im Moor sind – was Sie bis dahin ja erst herausfinden möchten.
Nein, machen Sie es sich einfacher.
Wenn Sie Ihren Blick über das Land gleiten lassen, über Wiesen, Weiden, Felder … dann fällt Ihnen in einigen Regionen auf, dass sie verstärkt von Wassergräben durchzogen sind. Und hinzu kommt: Sie entdecken sehr gerade verlaufende Kanäle und Orte, deren Häuser entlang dieser Kanäle aufgebaut sind. Aufgereiht wie die Perlen einer Kette. Ein schnurgerader und auch ungewöhnlich lang gestreckter Verlauf. Ihnen begegnen Ortsnamen, in denen der Begriff –fehn auftaucht (Großefehn, Rhauderfehn, Ostrhauderfehn …).
In dem Fall sollte es bei Ihnen klingeln.
Fehn?
Sobald dieses Wort auftaucht ist klar, dass die Stelle, an der Sie sich befinden, zumindest ursprünglich eine morastig-sumpfige Niederung oder ein Moor war.
In früheren Zeiten, als der Torfabbau aufgenommen wurde, trieb man zu Beginn einen – früher auch schiffbaren – Kanal ins Moor, der sowohl zur Entwässerung des Moores als auch zum Abtransport des gestochenen Torfes diente. Auf ihm schaffte man mittels getreidelter (gezogener) Schiffe notwendiges Baumaterial etc. heran. In dieser Region war ein derartiger Kanal lange Zeit auch ganz generell ein Verkehrsweg.
Als damals im Zuge des Torfabbaus die Reihensiedlungen (Fehnsiedlungen) entlang der Kanäle entstanden, führten hier die Fehntjer anfangs unter primitivsten Umständen ein Leben in ziemlicher Not. Erst später gab es einen Aufschwung und erst für nachfolgende Generationen verbesserte sich die Lage. Aus dieser Zeit stammt der ostfriesische Spruch:
„Den Ersten sien Doad, den Tweten sien Not, den Dridden sien Broad.“

Überhaupt sind die Ostfriesen sehr gewieft, was die Entwässerung des Bodens angeht. Hatte man in früheren Zeiten immer durch die Nähe zur Nordsee, die Flüsse und den Einfluss der Gezeiten Überschwemmungen zu ertragen, begann man als Gegenmaßnahme als erstes mit der Eindeichung der Flüsse. Das geschah bereits im Mittelalter!

Ostfriesland - Ohne Schafe undenkbar ... Auf dem Deich bei Midlum im Rheiderland

Ostfriesland – Ohne Schafe undenkbar … Auf dem Deich bei Midlum im Rheiderland

Doch Sturmfluten, die Anhebung des Meeresspiegels und auch die Erhöhung des Grundwasserspiegels sorgten weiter für Überflutungen. Da musste mehr passieren …
Nach einem ausgeklügelten System wurde und wird die Entwässerung des Binnenlandes und der Felder, speziell auch im landwirtschaftlich stark genutzten Marschgebiet, vorgenommen. Dazu braucht und unterscheidet ein Ostfriese folgende Dinge.
Siel – Es handelt sich bei einem Siel um einen verschließbaren Gewässerdurchfluss, der sich in einem Deich befindet.
Tief – Das Tief ist ein größerer Wasserlauf, durch den Binnenwasser durch ein Siel ins Meer abfließen kann
Schloot – Ein Schloot wird als Wassergraben künstlich angelegt oder ein (meist fließendes) Gewässer wird ausgebaut
Die Entwässerung läuft folglich immer nach dem Prinzip: Schloot – Tief – Siel – Meer.
Nur zur Vervollständigung:
Kanal – Ein Wasserlauf mit künstlich hergestelltem Gewässerbett

Ostfriesland - .... oft von Wassergräben (Tiefs, Kanälen) zur Entwässerung des Binnenlandes durchzogen.

Ostfriesland – …. oft von Wassergräben (Tiefs, Kanälen) zur Entwässerung des Binnenlandes durchzogen.

Bis in die 50er Jahre des letzten Jahrhunderts half auch dieses Prinzip der Entwässerung allein nicht immer aus. Seitdem gibt es zusätzlich die Schöpfwerke, die nicht abfließendes Wasser (Grundwasser oder auch Niederschlag) im Bedarfsfall aus den Kanälen und Sielen in die Flüsse pumpen.

Ostfriesland - Am Wymeerer Sieltief -   - sonst mehr die schwarz-weißen Kollegen, hier sehr friedlich und offenbar genießend die Braunen mit schwarzer Ergänzung

Ostfriesland – Am Wymeerer Sieltief (Rheiderland)  – … sonst mehr die schwarz-weißen Kollegen, hier sehr friedlich und offenbar entspannt genießend die Braunen mit schwarzer Ergänzung

Ostfriesland - Wind auf dem Land ... die Frisur sitzt.

Ostfriesland – Wind auf dem Land … die Frisur sitzt.

So, nun haben Sie sich auch ein bisschen Entspannung verdient!
Es geht in den Nationalpark Wattenmeer, an den Dollart, eine etwa 100 km² große Meeresbucht. Dort befindet sich im nördlichen Rheiderland bei Pogum eine Bohrinsel, vielmehr eine Plattform, die nach Abschluss der Bohrtätigkeiten dort blieb und nicht zurückgebaut wurde. Heute erkennt man nur noch eine Halbinsel, die in den Dollart hineinragt und hat einen schönen Blick aufs Meer. Mit seinen Vogelschwärmen …

Ostfriesland - Blick von der alten Bohrinsel an der Emsmündung auf den Dollart (Meeresbucht) mit Vogelschwärmen

Ostfriesland – Blick von der alten Bohrinsel an der Emsmündung auf den Dollart (Meeresbucht) mit Vogelschwärmen

Und da hin und wieder (Klischees!) gern auch behauptet wird, Ostfriesland hätte keine Wälder, hier ein Gegenbeispiel: den Wald bei Hesel, nordöstlich von Leer gelegen. Das ist nicht nur irgendein Wald! Dort finden Sie etwas Ungewöhnliches!
Vor langer Zeit (das ist schon ein paar Jahrhunderte her) gab es in diesem Waldstück den Nunnenbarg oder auch das Kloster Barthe, in dem Nonnen lebten. Damals war die Wüstung (Siedlung) noch nicht so völlig im Wald gelegen und eingewachsen wie heute! Im 12. Jahrhundert sah es dort noch ein wenig anders aus. Es gab viel Ödland drum herum, das mühsam kultiviert wurde. Aufgelöst hat sich der Konvent nach der Reformation und seither spross der Wald …
Von den Klostergemäuern ist heute nichts mehr vorhanden, doch man hat zwischen 1988 und 1992 Ausgrabungen vorgenommen und konnte so Rückschlüsse auf Ausmaße und Lage der Gebäude bzw. Räume ziehen. Damit der heutige Waldspaziergänger eine ungefähre Ahnung davon hat, wie es aussah, sich Größe und Anordnung vorstellen kann, wurden Hecken als Orientierungshilfe gezogen.

Ostfriesland - Klosterwüstung Barthe - Nunnenbarg - Blick auf die Ausmaße der ehemaligen Klosteranlage, die heute anhand der gepflanzten Hecken dargestellt wird.

Ostfriesland – Klosterwüstung Barthe – Nunnenbarg – Blick auf die Ausmaße der ehemaligen Klosteranlage, die heute anhand der gepflanzten Hecken dargestellt wird.

Wie Sie sehen, leidet der Kapitelsaal im 21. Jahrhundert unter Pilzbefall …

Ostfriesland - Klosterwüstung Barthe - Nunnenbarg - Der ehemalige Kapitelsaal leidet heutzutage sozusagen unter Pilzbefall ...

Ostfriesland – Klosterwüstung Barthe – Nunnenbarg – Der ehemalige Kapitelsaal leidet heutzutage sozusagen unter Pilzbefall …

Und nun, liebe Leser, da das Ende endgültig naht, bleibt lediglich eine kleine Aufgabe für Sie. Im Heseler Wald gab es ein dicht von Klee bedecktes Plätzchen. Sie können nun auf dem Foto nachschauen, ob nicht vielleicht ein glücksbringendes, vierblättriges Kleeblatt dabei ist …

Ostfriesland - Wald bei Hesel - Klee auf dem Weg zum Nunnenbarg (Kloster Barthe) - Sie können ja mal suchen, ob ein vierblättriges Blatt dabei ist ...

Ostfriesland – Wald bei Hesel – Klee auf dem Weg zum Nunnenbarg (Kloster Barthe)

… oder Sie lassen es und überbrücken die Zeit bis zum Erscheinen des vierten und letzten Teils der Serie, dem Windmühlen-Part, anderweitig. Sie sind da bestimmt sehr kreativ!

Schönes Wochenende Ihnen allen und bis demnächst!

©Juni 2014 by Michèle Legrand
Michèle Legrand  ©Foto Andreas Grav (Ausschnitt)

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  1. #1 von kowkla123 am 21/06/2014 - 10:28

    schön, ein wenig auch wie in M/V, ich wünsche einen guten Tag, Klaus

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    • #2 von ladyfromhamburg am 21/06/2014 - 16:53

      Man fühlt sich hin und wieder plötzlich an einen Landschaftsstrich in Schleswig-Holstein oder auch Mecklenburg-Vorpommern erinnert. Oder sogar Regionen in England kommen einem auf einmal in den Sinn. Da stimme ich dir zu, Klaus. Hingegen als Gesamtheit betrachtet unterscheidet es sich für mich erheblich – und die Luft ist irgendwie anders. Der Einfluss der nahen Nordsee.
      Schönes Wochenende und LG
      Michèle

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  2. #3 von luentje am 21/06/2014 - 11:23

    Vielen Dank Michèle,
    für die Fortsetzung und die weiteren interessanten Geschichten und Informationen von deiner Reise in meine Heimat. Die Bilder sind sehr schön und treffend. Ich bin schon sehr gespannt und freue mich auf den nächsten Teil!
    LG Ahlrich

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    • #4 von ladyfromhamburg am 21/06/2014 - 16:58

      Du kannst deine Heimat also in Text und Fotos wiedererkennen? Das freut mich immer, wenn ich von gebürtigen Ostfriesen in der Hinsicht eine positive und zustimmende Reaktion erhalte. Dann kann ich es nicht so falsch gesehen oder soviel übersehen haben. Ich hoffe, auch der Mühlen-Part wird die später Vergnügen machen, Ahlrich. Sicher kennst du die Mühlen schon von eigenen Besuchen. Im Grunde müsste ich dir im Blog eine Version liefern, in der du die Mühlen erst bestimmst! :-) Den Standort, ihre Namen etc. … Nein, nur Spaß, du musst hier nicht arbeiten und schwitzen beim Blog lesen. Auch Einheimische oder gebürtige Ostfriesen dürfen genießen. ^^
      LG Michèle

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      • #5 von luentje am 22/06/2014 - 10:09

        Das Wiedererkennen ist bei deiner Beschreibung keine Frage, Michèle! Ich glaube, ich muss bald mal wieder hinfahren!
        Mühlen kenne ich in der Tat viele in Ostfriesland. Ein Freund von mir ist Besitzer einer Mühle.
        Einige kann man auch von innen besichtigen, manchmal sogar bei laufendem Betrieb.
        Die von dir angesprochene Blogversion hört sich interessant an. Aber eigentlich möchte ich deinen nächsten Beitrag eher genießen als zu arbeiten und zu schwitzen!^^
        Ich bin schon mal gespannt welche Mühlen du uns hier zeigen wirst!
        LG Ahlrich

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  3. #6 von marliesgierls am 21/06/2014 - 17:17

    Bald sind wir alle Ostfriesland-Experten dank Dir liebe Michèle. Bin wirklich gespannt, ob ich dort auch mal persönlich hinkomme. Ein schönes Rest-Wochenende, lg Marlies

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    • #7 von ladyfromhamburg am 21/06/2014 - 19:22

      Danke, Marlies, dir auch! Du kommst bestimmt noch einmal dorthin! So weit entfernt von dir ist es nicht. Aber natürlich muss sich jemand in der Zeit um die Tiere bei dir kümmern. Wahrscheinlich ist eher das der Knackpunkt …

      Liebe Grüße
      Michèle

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  4. #8 von RK am 22/06/2014 - 09:52

    Wenn man die Fotos so sieht .. ich glaube dort oben würde ich mich auch wohlfühlen ;-) Mich zieht es ja im Urlaub auch immer gern ans Meer.

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    • #9 von ladyfromhamburg am 22/06/2014 - 17:03

      Das Meer ist dort sehr schnell erreicht, Robert. Also probiere es gern aus. Ostfriesland hat wirklich so einige sehr schöne Ecken und seine Besonderheiten.
      Bei meinem nächsten Aufenthalt habe ich vor, mich auch so langsam vom Landesinneren zur Küste hin vorzurobben. ^^ Vor Jahren war ich auf einer der Inseln. Das wäre vielleicht auch etwas für dich. Ganz viel Meer …

      LG Michèle

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      • #10 von RK am 23/06/2014 - 05:31

        Das wäre bestimmt was für mich… da hast du recht. Vor langer Zeit waren wir einmal mit den Eltern auf eine der Nordseeinseln… nur habe ich schon wieder vergessen auf welcher ;-)

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  5. #11 von Sartenada am 30/06/2014 - 07:46

    Wonderful post. I was surprised to see hand-drawn ferry! I love it. I think that You are happy when You yet one in action, in Finland we do not have them anymore.

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    • #12 von ladyfromhamburg am 30/06/2014 - 17:48

      It’s very special, indeed. It’s the only hand-drawn car ferry in Germany which is still in operation, Matti. We are owing this to the dedication of a registered association. Today tourists, hikers as well as cyclists are using (and loving) this possibility to cross the river „Jümme“.
      Thanks for visiting the blog again! – Michèle

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  6. #13 von ernstblumenstein am 10/07/2014 - 16:49

    “heel wat besünners”, ich würde das mit “hei ist es was besonderes?” übersetzen. Das muss Plattdeutsch sein aber besünners (bsonders) meine ich zu verstehen. Ich mag deine Friesland Schilderungen und Bilder sehr und hoffe, dass noch weitere Berichte folgen werden.
    Ich muss sagen Michèle, ich bin von deinen Reiseberichten begeistert, egal, in welche Himmelsrichtung die Reise geht. Einen Gruss in den Abend. Ernst

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    • #14 von ladyfromhamburg am 11/07/2014 - 18:34

      Lieber Ernst, vielen Dank für deine begeisterte Reaktion. Freut mich natürlich mächtig!
      Wie du annimmst, ist „Heel wat besünners“ plattdeutsch bzw. eben hier ostfriesisches Platt. Heel hat die Bedeutung von ganz. Ostfriesland ist folglich ganz was besonderes.

      LG Michèle

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      • #15 von ernstblumenstein am 11/07/2014 - 18:49

        danke für deine Antwort ! Dialekte und besondere Sprachkreationen wecken immer mein Interesse.
        Dir ein angenehmes Wochenende. Ernst

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