Von denen, die sich im Rindenmulch wälzen und denen, die kopflos wirken …

Räkeln Sie sich bei Sonnenschein auch auf Rindenmulch? Schubbern am Boden, breiten Ihre Arme aus, wackeln mit dem Allerwertesten und genießen die Wärme?
Nicht?
Sie sitzen also ganz sittsam auf der Bank. Das ist vorbildlich, aber wer hat jetzt mehr Vergnügen, hm? Wir kommen gleich noch einmal zu diesem Punkt, doch klären wir zunächst noch:
Beginnen Sie während des Sonnenbads damit, an sich herumzuzupfen? Winden, verrenken Sie sich? Verschwindet Ihr Kopf dabei außer Sichtweite? Das heißt, verstecken Sie ihn – sagen wir einmal – in der Achselhöhle?
Sie sind nicht so gelenkig? Hm.
Nun, wenn Menschen sich damit so schwer tun und fürchten, Verknotungen  oder aber die Erregung öffentlichen Ärgernisses zu riskieren, dann schauen wir uns heute lieber den Nachwuchs zweier Vogelarten an, der mit derartigem Räkeln und Kopf verstecken kein Problem hat.

Es gab Junge bei den Teichhühnern oder – ganz korrekt – den Teichrallen (Gallinula chloropus). Hier in Hamburg tauchen diese Wasservögel recht häufig auf, während anderenorts – vor allem in der offenen Landschaft – von rückläufigem Bestand gesprochen wird. Es schwankt sehr von Region und Region und hängt u. a. mit der Härte der Winter zusammen. Auch mit Biotopzerstörung und genereller Veränderung von Landschaften sowie den Randzonen von Gewässern. Die Teichrallen möchten halt nicht nur Wasserflächen, sondern auch eine dichte Ufervegetation, und das ist glücklicherweise manchmal an den Teichen und Seen im Stadt- und Randgebiet Hamburgs der Fall.

Teich mit eingewachsener Uferzone nahe des Botanischen Sondergartens Wandsbek - so, wie ihn Teichrallen schätzen ...

Teich mit eingewachsener Uferzone nahe des Botanischen Sondergartens Wandsbek – so, wie ihn Teichrallen schätzen …

Vorgestern war ich in meinem Stadtteil nahe des Botanischen Sondergartens Wandsbek (da muss ich Ihnen in Kürze auch noch etwas zeigen!) unterwegs. An ihm entlang fließt zum einen die Wandse, zum anderen liegen ganz in seiner Nähe zusätzlich kleinere Teiche. Die Rufe einer Ralle machten mich auf sie aufmerksam und danach lockte mich zaghaftes Piepsen eines Kükens dichter heran. Eine weitere Spaziergängerin stoppte, kannte im Gegensatz zu mir die Teichbewohner jedoch schon, da sie jeden Tag dort entlanggeht. Sie verriet mir, dass es bei einem Teichhuhnpärchen ursprünglich sieben Küken gab. Leider sind davon nur noch zwei übrig. Die anderen sollen Wasserratten erwischt haben. Sagt die Dame. Was genau sich dahinter verbirgt, ob Schermäuse oder Biberratten oder gewöhnliche Ratten in Wassernähe – keine Ahnung. Andere denkbare Feinde wären z. B. Igel, Marder, Eulen oder Raubfische, Raubvögel etc.

Teichralle mit Jungem - Nähe Botanischer Sondergarten Wandsbek

Teichralle mit Jungem – Nähe Botanischer Sondergarten Wandsbek

Teichrallen mit zwei Nachkömmlingen - Nähe Botanischer Sondergarten Wandsbek

Teichrallen mit zwei Nachkömmlingen – Nähe Botanischer Sondergarten Wandsbek

Wer sie sieht, ist hin- und hergerissen. Süß oder eher nicht? Die jungen Vögel werden erst noch Schönheiten. Im Moment sind sie recht quirlige kleine, wuschelige, leicht zerzauste, schwarze Bälle, die fiepen, piepsen und häufig um Futter betteln. Sie haben erstaunlich kräftige und beim Strecken lange, sehr dunkle, etwas grünlich schimmernde Beine, die in großen Füßen und respekteinflößenden Krallen enden. Und sie haben bisher kaum etwas auf dem Kopf! Die Oberseite ist fast kahl, dort sprießen nur ein paar „Härchen“.

Ich bin ein junges Teichhuhn (Gallinula chloropus) und bald auch eine Schönheit. Die Kahlheit am Kopf dauert nicht mehr lang an ...

Ich bin ein junges Teichhuhn (Gallinula chloropus) und bald auch eine Schönheit. Die Kahlheit am Kopf dauert nicht mehr lang an …

Die Eltern kümmern sich beide hingebungsvoll um die Kleinen. Wer Vater und wer Mutter ist, lässt sich für ein ungeübtes Auge kaum erkennen, denn Gefieder und Färbung weisen keine Unterschiede auf. Es heißt, das Weibchen sei größer und schwerer, doch wenn sie nicht direkt nebeneinander schwimmen, fällt der Vergleich ziemlich schwer.

Die Jungen paddeln in Elternnähe im Wasser umher, suchen sich selbst schon den einen oder anderen Samen oder zupfen an Wasserpflanzen. Ansonsten werden sie jedoch von den Großen gefüttert. Schnecken, kleine Fische, das sind die Leckerbissen, nach denen sie gieren.
Zwischendurch wird über Seerosenblätter gelaufen, die diese Leichtgewichte noch tragen. Man ruht sich auf Blättern und abgeknicktem Schilf aus, sonnt sich und vollzieht dabei die schon eingangs erwähnten Verrenkungen. Bis der Kopf weg ist!
Schauen Sie einmal hier!

Teichrallennachwuchs beim Sonnenbad und Putzen .... Huch!  Kopflos?

Teichrallennachwuchs beim Sonnenbad und Putzen …. Huch! Kopflos?

Oh!  Zum Glück! Der Kopf ist wieder aufgetaucht .... Teichrallenjunges putzt sich

Oh! Zum Glück! Der Kopf ist wieder aufgetaucht …. Teichrallenjunges putzt sich

So sehe ich von vorne aus - Teichrallenküken zeigt doch noch sein Gesicht.

So sehe ich von vorne aus – Teichrallenküken zeigt doch noch sein Gesicht.

Und nun habe ich wieder Hunger! Junges Teichhuhn (was für Beine, Füße, Krallen!  wird nach von einem Elternteil gefüttert

Und nun habe ich wieder Hunger! Junges Teichhuhn (was für Beine, Füße, Krallen! wird danach von einem Elternteil gefüttert

Währenddessen wird auf der anderen Teichseite das zweite Küken  vom anderen Elternpart versorgt ... Teichrallenfütterung

Währenddessen wird auf der anderen Teichseite das zweite Küken vom anderen Elternpart versorgt … Teichrallenfütterung

Dank der guten Versorgung entwickeln sich die Küken schnell, und vielleicht schaffen es wenigstens diese beiden kleinen Racker, dass kein anderes Tier sie als Beute erwischt.

Ein Stückchen weiter, direkt im Botanischen Sondergarten, ist auf einem Wegstück Rindenmulch verteilt. Auf ihm sonnte sich völlig selbstvergessen ein Amseljunges.

Jungamsel beim Sonnenbad ...

Jungamsel beim Sonnenbad …

Obwohl es mich irgendwann bemerkte, breitete es noch einmal genüsslich die Flügel auf dem von der Sonne beschienenen Mulch aus und wackelte dann und wann wohlig mit dem noch etwas kurzen Schwanz.

Junge Amsel benießt den warmem Rindenmulch

Junge Amsel benießt den warmem Rindenmulch

Aus dem Gebüsch nebenan erklang erregtes Gezwitscher einer erwachsenen Amsel. Offenbar hatte meine Anwesenheit die Eltern in Alarmbereitschaft versetzt, und das Küken wurde gewarnt. Es erhob sich widerwillig, hüpfte unerschrocken erst auf mich zu, dann an mir vorbei hin zu einer Steintreppe, mühte sich hüpfend die Stufen hinauf, um sich schließlich – oben angekommen – mit einem letzten fröhlichen Gebrabbel von mir zu verabschieden. Vielleicht war es auch nur ein Beruhigungslaut für Mama oder Papa. Ein äußerst selbstsicherer und fideler Nachwuchs.

... dann kommt das Amseljunge auf mich zumarschiert, läuft an mir vorbei Richtung Treppe ...

… dann kommt das Amseljunge auf mich zumarschiert, läuft an mir vorbei Richtung Treppe …

... erklimmt die Stufen ....

… erklimmt die Stufen …

... tschilpt noch ein Auf Wiedersehen und hört endlich auch auf die aufgeregten Rufe der Eltern

… tschilpt noch ein Auf Wiedersehen und hört endlich auch auf die aufgeregten Rufe der Eltern

Wissen Sie, was ich danach gemacht habe?
Ich habe zur Probe die Hand auf den Rindenmulch gelegt und tatsächlich, er wärmt wie eine Fußbodenheizung. Eigentlich könnte man sich dort zumindest hinsetzen. Oder mit nackten Füßen …
Man müsste ja nicht gleich mit dem Hintern wackeln …
Und der Kopf!
Der müsste natürlich noch sichtbar bleiben!

©Mai 2014 by Michèle Legrand
Michèle Legrand ©Foto Andreas Grav (Ausschnitt)

 

 

 

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  1. #1 von Ulrike am 06/05/2014 - 15:50

    Herrlich! Schön geschrieben. Da muss ich auch mal wieder hin!

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    • #2 von ladyfromhamburg am 06/05/2014 - 16:58

      Ulrike, das ist ein schönes Fleckchen dort! Im Moment ist generell Nachwuchszeit, auch bei den Enten, die weiter Richtung Eichtalpark leben. Und der Sondergarten hat eigentlich immer etwas am blühen, was schön anzusehen ist. Dazu kommt im Blog noch etwas.
      Was mir allerdings in letzter Zeit auffällt, ist, dass der Wanderweg entlang der Wandse, der ja gleichzeitig von Radfahrern benutzt wird, langsam an einigen Stellen für Fußgänger (speziell ältere Herrschaften mit Rollator etc.) gefährlich wird. Der Anteil der Radfahrer hat stark zugenommen, und teilweise fahren sie – besonders, wenn sie als Gruppe unterwegs sind – mit einem Affenzahn in die Kurven und sogar auf die kleineren, recht schmalen Brücken, die die Wandse überqueren. Da bin ich tatsächlich fast umgefahren worden, obwohl ich ganz am Rand stand.

      LG Michèle

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      • #3 von Ulrike am 06/05/2014 - 17:11

        Achje, das ist ja schade! Ich bin da allerdings auch schon mal mit dem Fahrrad langgefahren. Aber ich bin generell nicht sehr schnell. LG Ulrike

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      • #4 von ladyfromhamburg am 06/05/2014 - 17:21

        Ich bin selbst sonst auch eher mit dem Rad dort, und ich glaube fast, das ist die sicherere Methode, sich dort fortzubewegen. ^^
        LG Michèle

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  2. #5 von marliesgierls am 06/05/2014 - 20:02

    Wie immer so schön anschaulich und lebhaft beschrieben, ich sehe die jungen Vögel förmlich vor mir. Das macht Spaß, wenn die Vögel so keine Scheu haben und man dicht genug ist um sie gut zu beobachten. Bei mir baden die Vögel immer im Wassertopf der Hängebauchschweine und da könnte ich auch stundenlang zusehen und wenn die Drosseln sich nachher in der Sonne trocken, einfach schön.

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    • #6 von ladyfromhamburg am 06/05/2014 - 22:04

      Das stelle ich mir auch besser als jeden Kinofilm vor, Marlies. Was sagen denn die Hängebauchschweine dazu, dass ihr Wassertopf anderweitig als Badewanne gebraucht wird? ^^ Sind die da tolerant (solange du immer wieder neues Wasser einfüllst)? Oder bekommen die das gar nicht mit? Wahrscheinlich komme die Vögel, wenn deine Schweine abgelenkt sind …

      LG Michèle

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      • #7 von marliesgierls am 07/05/2014 - 09:02

        Da Schweine sind da sehr tolerant, die Vögel fressen den ganzen Tag die Reste, das stört nicht. Komischerweise trinken die Hängebauchschweine fast nichts. Ich stelle trotzdem immer was hin. Sie gehen mal gerne in das Wasserloch, aber sie kommen ohne Trinken aus. lg Marlies

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  3. #8 von Manu am 06/05/2014 - 21:41

    aber der Igel ist kein Prädator für Teichhühner!! :))

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    • #9 von ladyfromhamburg am 06/05/2014 - 21:59

      Nicht für die ausgewachsenen Teichrallen, doch mir wurde einmal glaubhaft versichert, dass es Exemplare gibt, die die Nester respektive Eier plündern. Ist dem etwa gar nicht so? Hast du da gesicherte Informationen, Manu?

      LG Michèle

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  4. #10 von kowkla123 am 07/05/2014 - 14:47

    aus wichtigen Gründen nur ein Gruß, Klaus

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  5. #12 von Garden Walk Garden Talk am 08/05/2014 - 01:39

    The chicks are adorable. Too bad the water rats got some of them. I never saw a Rail or Moorhen before. Very nice images.

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  6. #13 von Josef am 08/05/2014 - 11:46

    Liebe Michèle, diese Tiergeschichten sind durch die geschickte Verbindung einer schönen Fotostrecke mit einem interessanten Begleittext sehr unterhaltsam. Vielen Dank fürs Herzeigen und Erzählen. Herzliche Grüße von München nach Hamburg, Josef

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  7. #14 von Silberdistel am 08/05/2014 - 18:07

    Wieder einmal haben wir auf gewissen Art ein gemeinsames Erlebnis. Wir hatten vor einigen Jahren eine recht seltsame Begegnung mit einem Teichhuhn. Leider habe ich damals vor lauter Verwirrung keine Fotos gemacht. Die Geschichte habe ich trotzdem auf meinem Blog erzählt. Wenn Du irgendwann einmal Zeit hast, vielleicht magst Du meine Geschichte über ein solches grünfüßiges Vögelchen ja auch lesen. Sie steht hier: http://buecherstaub.wordpress.com/2011/04/04/die-schwarze-maus-2/
    Deine Einleitung hat mir übrigens ganz besonders gut gefallen. Du hast meiner Fantasie ordentlich Zucker gegeben :-D
    Danke für diesen wunderschönen Post und liebe Grüße von der Silberdistel

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    • #15 von ladyfromhamburg am 09/05/2014 - 17:16

      Liebe Silberdistel, vielen Dank für deinen Kommentar und vor allem auch für deinen Hinweis auf dein Erlebnis. Ich habe deine Geschichte vom April 2011 im Blog gelesen, mitgefiebert, mich sehr über den Ausgang gefreut – und dir dort einen Kommentar hinterlassen! Deine kleine schwarze Rennmaus war ja mit allen Wassern gewaschen! :-)

      LG Michèle

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  8. #16 von Sartenada am 18/05/2014 - 08:11

    So lovely written “report” from animal life in Hamburg. Your photos are very instructive and beautiful. Thank You.
    Happy Sunday!

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    • #17 von ladyfromhamburg am 19/05/2014 - 21:02

      Thank you, Matti! Hope you had a nice weekend. Meanwhile I discovered your latest blogpost which I enjoyed very much!

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  9. #18 von ernstblumenstein am 27/05/2014 - 11:04

    Vielen Dank für deinen schönen Bericht mit den tollen Bildern. Er hat mir sehr gut gefallen. Dass junge Amseln im Rindenmulch ein Sonnenbad nehmen, finde ich interessant. Ich beobachte in meinem grossen Garten jeweils die Spatzen, die bei trockener Witterung regelrechte Mullbäder nehmen, um so wahrscheinlich ihr Gefieder vor Parasiten zu reinigen.
    Liebe Grüsse Ernst

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    • #19 von ladyfromhamburg am 29/05/2014 - 20:09

      Meist wählen die Spatzen – zumindest in der Stadt – dafür Sandbäder aus. Daher dachte ich auch immer, andere Untergründe wären uninteressant. Entweder geht Mulch genauso gut oder sie nehmen mit dem vorlieb, was gerade dort ist – und warm ist! Letztes Jahr habe ich an der Ostseeküste Spatzen sowohl im warmen Sand des trockenen Strandbereichs als auch unter Kiefern auf leicht sonnigen Waldwegen solche Bäder nehmen sehen.

      LG Michèle

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      • #20 von ernstblumenstein am 30/05/2014 - 19:53

        ich glaub, sie nehmen das, was in der Nähe vorhanden ist und Mull oder Mulch geht auch, wenn kein Sand vorhanden ist. Spatzen sind sehr anpassungsfähig…
        hab ein schönes Wochenende…
        Ernst

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