Een beetje van Amsterdam (1) – Klappbrücken …!

Amsterdam liegt bereits wieder hinter mir. Schon ein bisschen schade …
Soll ich Ihnen etwas verraten?
Amsterdam ist eine wunderschöne Stadt! Waren Sie auch schon einmal dort?
Die Niederländer – alle, mit denen ich bisher in meinem Leben beruflich oder privat zu tun hatte – sind obendrein ein äußerst freundliches, lockeres, irgendwie entspanntes Völkchen. Generell. Ausnahmen mag es geben. Die gibt es immer und überall.
Leider nutze ich meine Holländisch-Kenntnisse seit Jahren kaum noch. Es ergibt sich einfach nicht mehr, und dadurch ist alles etwas verkümmert. Vokabular im Nebel, Grammatik verbuddelt. Nur umso genauer hört man hin, versteht immerhin weiterhin relativ gut und reagiert zumindest gelegentlich – vor allem mit den Höflichkeitsbegriffen (Floskeln hört sich negativ an).
Man grüßt, sagte danke, und wenn jemand wissen will, ob man „wat eten“ (essen) möchte, dann lichtet sich der Vokabelnebel und immerhin zwei Worte schauen hervor. Es reicht für „een beetje“ als Antwort. Ein bisschen. Das passt praktischerweise für viele Sachen.
Ist Ihnen kalt? Een beetje. Haben Sie noch Durst? Een beetje. Warten Sie schon lange? Een beetje.  Ganz schön laut hier, oder? Een beetje. Sprechen Sie holländisch? Een beetje.
Wenn Ihnen die Tür aufgehalten wird, heißt es natürlich nicht „een beetje“. In dem Fall kommen Sie mit „Ik dank U zeer“ gut weiter. Bei tausend anderen Gelegenheiten hilft das ebenfalls.
Und grüßen Sie immer in Landessprache! Lächeln Sie dabei!
Dann haben Sie den ersten Schritt gemacht. Man sieht Ihre Bemühungen, das Entgegenkommen und hilft wiederum Ihnen, wenn etwas für Sie „niet zo eenvoudig“ (nicht so einfach) ist.

So gut diese Tipps sein mögen, die Sache hat einen Haken. Bei mir jedenfalls. Ich bin nach ein paar Tagen so in die neue, die andere Sprachwelt eingetaucht, dass ich bei der Rückkehr nie sofort ab- bzw. umschalten kann. Bei Dialekten behalte ich den Singsang bei, bei Fremdsprachen … nun, vorgestern zum Beispiel, am Sonntag.
Vorgestern bin ich zu meinem Wahllokal ein paar Straßen weiter marschiert. So weit, so gut. Kaum drinnen, habe ich fröhlich „Goedenmiddag“ gewünscht, und als ich den Wahlzettel ausgehändigt bekam, schickte ich auch noch ein „bedankt“ hinterher. Amsterdamsche Nachwirkungen. Daraufhin wurde natürlich noch einmal ganz genau kontrolliert, ob ich überhaupt bei der Bundestagswahl mitmachen darf …

Doch zurück zu Amsterdam.
Ich möchte Ihnen im Laufe der Zeit immer wieder einmal etwas von dieser Stadt zeigen. Eben hin und wieder – um Sie nicht mit allem zu überfrachten.
Heute geht es um Brücken. Um eine Brücke.
Sie wissen, Amsterdam hat unendlich viele Grachten, diese Wasserkanäle, die sich wie ein Netz durch die gesamte Stadt ziehen. Es sind mehr als in Venedig und die Zahl der Brücken, die diese Wasserwege überspannen, überschreitet die von Paris. Man spricht von 1.281!
Dieses Wasserwegenetz wird nicht nur für den Ausflugsverkehr von äußerst flachen Booten (auf denTiefgang, aber auch die Aufbauten bezogen) genutzt, dort liegen nicht nur zusätzlich noch zahllose, äußerst unterschiedliche Hausboote fest vertäut, sondern diese Fleete dienen genauso dem Warentransport. Zum Beispiel per DHL.

Amsterdam -  DHL nutzt die Grachten zum Transport  - "Hollands Glorie" fährt aus

Amsterdam – DHL nutzt die Grachten zum Transport – „Hollands Glorie“ fährt aus

Die Beförderung der Güter erfolgt aber durchaus auch in Schuten und anderen Gefährten. Manche ragen weit nach oben hinaus – haben z. B. einen eigenen Kran an Bord –  so dass eine feste Brücke mit einer bestenfalls mittelmäßig hohen Durchlassöffnung hier das Ende der Tour bedeuten würde.
Auf einigen wichtigen Strecken ist es daher möglich, Brücken zu öffnen. Entweder funktioniert es so, dass bei einem mittleren Brückensegment per Zugmechanismus jeweils ein Part dieses Abschnitts nach links, der andere Teil nach rechts in die Höhe gezogen wird. Das Schiff passiert, die Brückenteile werden wieder heruntergelassen

Amsterdam - Blick von der Blauen Brücke - rechts eine der "Zugbrücken"

Amsterdam – Blick von der Blauen Brücke – rechts eine der „Zugbrücken“

Oder es gibt die Variante, dass eine Brücke samt Straße mit allen Spuren, Schienen, Radwegen und dem Brückengeländer komplett einseitig hochgeschwenkt werden kann. Wie eine liegende Tür, die weit geöffnet wird. Ein Scharnier, das klappt.
Auf dem Weg zum Hortus Botanicus, dem Botanischen Garten, liegt direkt vor dessen Zugang die Hortusbrug, die genau nach diesem Prinzip des Klappens funktioniert. Ein Stück zuvor kommen Sie am Gebäude der Filmakademie vorbei. Vielleicht ist dies der Grund weshalb Sie, wenn Sie nun Zeuge des folgenden Geschehens werden, sofort an wildeste Verfolgungsjagden denken. Man hat schließlich entsprechende Filme gesehen.
Das ist fast wie dieser Pawlowsche Reflex!
Sobald das Bimmeln erklingt, welches die Schließung der Schranken ankündigt, spielen bzw. spulen sich vor Ihrem inneren Auge rasante Szenen ab! Bei Ihnen ist plötzlich Nacht, Lichter blitzen auf regennasser Fahrbahn. Sie sehen eine sich öffnende Brücke, das Aufklaffen der Fahrbahn und den immer größer werdenden, nun schon dramatisch breiten Spalt! Sie fühlen Spannung aufkommen! Sie vernehmen das Geräusch aufdrehender Motoren! Sie riechen Benzin!
Der Bösewicht (Auftragskiller oder so) jagt mit quietschenden Reifen dem Guten hinterher. Ohne Zweifel ein Rennen auf Leben und Tod! Er (der Böse) würde aus ihm (dem Guten) Hackfleisch machen, falls er ihn erwischte.
Doch Sie wissen natürlich, wie es ausgeht.
Der Gute (Weltretter oder so und selbstverständlich ein begnadeter Fahrer) nimmt bei seiner Flucht die Klappbrücke als Rampe, rast innerorts mit 140 km/h heran, hebt ab, fliegt … und landet – selbstredend ohne Achsenbruch – auf der gegenüberliegenden Uferseite. Sein Verfolger (nicht halb so talentiert am Steuer), kann in seriöseren, gehaltvolleren Filmen (dort ist er immerhin vorausschauend und halbwegs vernünftig) meist gerade noch rechtzeitig bremsen und blickt dem Flüchtenden lediglich extrem frustriert hinterher, während er bei der seichteren Filmvariante mit leicht überhöhtem Action-Anteil auf Kosten der sonstigen Handlung (hier ist er ein hitziger, unüberlegt handelnder, fieser Möpp) mit Karacho in die Lücke rauscht und kläglich versinkt.
Eventuell explodiert der Wagen noch. Über Wasser. Unter Wasser. Ach, egal. Jedenfalls Action und Totalschaden. Des Fahrzeugs. Und der Fahrer ist auch meist hin.

Wo waren wir?
Amsterdam. Hortusbrug. Hellichter Tag.
Oh, es ist wohl doch nicht so dramatisch …
Doch was passiert tatsächlich?
Die kleine Anzahl Fußgänger, die in diesem Augenblick vorbeikommt, bleibt stehen und schaut gemeinsam recht gebannt zu. Autos sammeln sich in den drei Minuten fast gar keine an. Amsterdam ist nämlich nicht unbedingt die Stadt der Autos, sondern eher die der Straßenbahnen (Trams) und Fahrräder. Bei Letzterem munkelt man etwas von 600.000 Exemplaren!
Infolgedessen entwickelt sich auch innerhalb kürzester Zeit eine beachtliche Warteschlange von fietsers (Fahrradfahrern) an der Schranke.

Amsterdam - Hortusbrug  am Botanischen Garten

Amsterdam – Hortusbrug am Botanischen Garten

Amsterdam - Hortusbrug - .... im geschlossenen Zustand. Autos, Straßenbahn, Motorräder, Fahrräder und Fußgänger queren hier die Gracht.

Amsterdam – Hortusbrug – …. im geschlossenen Zustand. Autos, Straßenbahn, Motorräder, Fahrräder und Fußgänger queren hier die Gracht.

Amsterdam - Hortusbrug  - ... es geht los!  Achten Sie auch auf die Leitungsmasten der Tram!

Amsterdam – Hortusbrug – … es geht los! Achten Sie auch auf die Leitungsmasten der Tram!

Amsterdam - Hortusbrug  - ... fast senkrecht. Der Durchlass ist frei für das nahende Boot.

Amsterdam – Hortusbrug – … fast senkrecht. Der Durchlass ist frei für das nahende Boot.

Amsterdam - Hortusbrug - Stimmt, es hätte nicht durchgepasst ...

Amsterdam – Hortusbrug – Stimmt, es hätte nicht durchgepasst …

Und es gibt doch weitere Zuschauer! Mehrere sogar. Eine Klasse mit noch sehr jungen Schülern, die auf dem Weg zum Zoo sind, sieht dem Schauspiel ebenfalls erwartungsvoll entgegen. Sie haben sich nur nicht an die Straße, sondern am Ufer entlang der Gracht aufgestellt, schweigen beeindruckt während des Hochklappens, reden danach aufgekratzt durcheinander und winken dem passierenden Boot enthusiastisch zu.

Amsterdam - Zuschauer an der Gracht - Klappbrücke in Aktion ansehen ...

Amsterdam – Zuschauer an der Gracht – Klappbrücke in Aktion ansehen …

Amsterdam - Hortusbrug - Das Boot ist durch. Links der Arbeitsplatz des Brückenwärters, der nun die Hortusbrug wieder herunterklappt.

Amsterdam – Hortusbrug – Das Boot ist durch. Links der Arbeitsplatz des Brückenwärters, der nun die Hortusbrug wieder herunterklappt.

Amsterdam - Hortusbrug - Langsam senkt sie sich wieder ...

Amsterdam – Hortusbrug – Langsam senkt sie sich wieder …

Amsterdam - Hortusbrug - Es fehlt nicht mehr viel ...

Amsterdam – Hortusbrug – Es fehlt nicht mehr viel …

Es ist schon ein besonderes Spektakel!
Es wirkt mächtig, dieses massive Teil, das sich plötzlich wie von Geisterhand bewegt aufrichtet, etwas drohend eine Riesenwand bildet und unter sich ein gewaltiges Loch hinterlässt. Es ist ein bisschen gespenstisch, weil fast kein Geräusch dabei entsteht.
Kaum hat ein durchgelassenes Boot die andere Seite erreicht, schließt sich die Brücke ebenso leise wieder, und so erscheint es Minuten später, als wäre nie etwas geschehen – als sei es überhaupt nicht möglich, dass diese massive Betonbrücke sich auch nur einen Millimeter bewegt hat!

Amsterdam - Hortusbrug - Als sei nichts geschehen ...

Amsterdam – Hortusbrug – Als sei nichts geschehen …

 

Amsterdam - Hortusbrug - Die Schranken öffnen sich wieder - und wie man sieht, haben es die Fahrradfahrer hinten sehr eilig.

Amsterdam – Hortusbrug – Die Schranken öffnen sich wieder – und wie man sieht, haben es die Fahrradfahrer hinten sehr eilig.

Geträumt?
Nein, die Fotos liefern den Beweis.
Klappbrücken …
Faszinierend. Wie vieles in Amsterdam!

Von dort herzliche Grüße und später einmal een beetje mehr.
Schön, dass Sie vorbeigeschaut haben! Ik dank U zeer!

Amsterdam - Michèle Legrand - WordPress - Michèle. Gedanken(sprünge)

Grüße aus Amsterdam!

©September 2013 by Michèle Legrand

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  1. #1 von regenbogenlichter am 24/09/2013 - 16:28

    Danke für die schönen und interessanten Grüße aus Amsterdam. Das mit der Begrüßung, bitte, danke etc. funzt übrigens überall auf der Welt und auch gegenüber Menschen anderer Nationalitäten in Deutschland.
    In dem Sinne „Goedenmiddag“ und „bedankt“ ;-)
    Ute

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    • #2 von ladyfromhamburg am 25/09/2013 - 14:48

      So ist es, liebe Ute. Heute ging es bei mir halt um Amsterdam, doch du hast natürlich völlig recht. Das Prinzip ist weltweit anzuwenden. – Nur seitdem fast jeder mit ein wenig Englisch aufwarten kann, wird sich gern damit durchgeschlagen, was grundsätzlich auch relativ gut funktioniert. Doch als Einstiegshilfe, Zugang aufeinander und Respekterweisung, sind einige Brocken der jeweiligen Landessprache ideal und einfach unschlagbar.

      Lieben Gruß zurück!
      Michèle

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  2. #3 von WoDuWo am 25/09/2013 - 03:14

    Echt toll, sowohl Amsterdamm als auch dein erfrischender Beitrag ;)
    Danke für den „Kurzurlaub“ & Liebe Grüße
    Franz

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  3. #5 von ernstblumenstein am 25/09/2013 - 19:19

    Ein toller Bericht über Amsterdam, Michèle, mein Kompliment für die Ausgewogenheit der einmaligen Fotos über die Klappbrücken, die den herrlichen und liebevollen Text über die Stadt so treffend unterstützen. Dank deinem Bericht kenne ich Amsterdam een beetje. Chapeau. Ik dank U zeer. Ernst

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    • #6 von ladyfromhamburg am 26/09/2013 - 15:08

      Niets te danken, Ernst! ;) Ich danke dir für die nette Reaktion!

      Liebe Grüße in die Schweiz,
      Michèle

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  4. #7 von Cordula Kerlikowski am 26/09/2013 - 13:29

    Jouw bericht maakt me echt benieuwd. Ik was tot nu alleen in Belgie, maar ik hoop volgende jaar ook eens naar Amsterdam te gaan.
    Groetjes uit Berlijn
    Cordula

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    • #8 von ladyfromhamburg am 26/09/2013 - 15:06

      Een lumineuze idee! Doe maar, Cordula! Amsterdam is een prachtige stad!

      Groetjes terug uit Hamburg
      Michèle

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  5. #9 von Sartenada am 27/09/2013 - 08:50

    Lovely photo „report“ from Amsterdam. We visited it a „hundred“ years ago when seeking something special seed for our garden.

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    • #10 von ladyfromhamburg am 27/09/2013 - 19:03

      When you visited Amsterdam in *coughs slightly* 1913, could you get the special seed you were looking for, Matti? Or did you choose some tulip bulbs, special ones?
      I just discovered your latest blog post about Kristinestad! Liked it a lot and left a comment for you!
      -Michèle-

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  6. #11 von astatoril am 15/10/2013 - 03:50

    Michele, bei Ihren Berichten und Fotos bekomme ich Sehnsucht alle Städte zu besuchen um dort mit offenen Augen zu flanieren. Ich bin begeistert.

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    • #12 von ladyfromhamburg am 15/10/2013 - 16:01

      Das ist schön zu hören (bzw. lesen) und freut mich ungemein! Solange Sie noch nicht in alle Städte selbst aufbrechen konnten, schauen Sie gern im Blog oder lassen sich inspirieren, wohin Sie Ihr Weg tatsächlich führen könnte. Amsterdam empfehle ich Ihnen besonders. Diese Stadt hat wirklich Flair und unheimlich viele schöne Ecken!

      LG Michèle

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