Meer, Sonne, Strand … (2) – Hai-Alarm!? Ostsee, Bodden und per Rad nach Wustrow …

Das erste Mal erblickte ich Wustrow von der Wasserseite aus.
Gleich am Tag der Ankunft!
Als sich nämlich herausstellte, dass Bootsfahrten auf der Ostsee ab Graal-Müritz (Mecklenburg-Vorpommern) ausschließlich am Sonntag angeboten werden und zudem klar wurde, dass es sich auch nicht um massenhaft, sondern lediglich um zwei Abfahrten handelt.
Die erste am Vormittag nach Warnemünde kam nicht mehr in Frage. Zu diesem Zeitpunkt waren wir nämlich noch gar nicht eingetroffen. Es blieb für Spätankömmlinge, die den darauf folgenden Sonntag bereits gar nicht mehr da sein würden, lediglich der spontane Entschluss, um 16 Uhr an der kleinen zweistündigen Fahrt mit MS BALTICA entlang der Küste teilzunehmen. Statt west- nun ostwärts Richtung Fischland und Darß.

MS BALTICA  beim Anlegen an der Seebrücke von Graal-Müritz

MS BALTICA beim Anlegen an der Seebrücke von Graal-Müritz

Dabei passierten wir bei schönstem Sommerwetter und glitzernder See mit etwas Abstand den Badeort Wustrow samt seiner Seebrücke, und irgendwie fand ich schon bei diesem ersten Hinsehen die bunten Häuser, die Kirche, die Landschaft … die Silhouette einfach ansprechend.

Wustrow mit Strand von Bord der MS Baltica aus gesehen ....

Wustrow mit Strand von Bord der MS Baltica aus gesehen ….

Die Fischländer Kirche von Wustrow von der Wasserseite gesehen

Die Fischländer Kirche von Wustrow von der Wasserseite gesehen

Obwohl ich den Zeitpunkt des Vorbeifahrens anfangs fast verpasste!
Auf dem Schiff saß eine Familie mit zwei Kindern neben mir. Der Sohn um die acht Jahre alt, die Tochter vielleicht fünf. Er erkundete das Boot, stiefelte von Backbord nach Steuerbord, schaute über die Reling ins Wasser und brüllte irgendwann quer übers Deck:
„Ein Hai, ein Hai!“
Hellwach waren sie plötzlich alle, die Damen und Herren Mitfahrenden! Bei dem einen löste es eine Schrecksekunde aus, bei anderen flammte züngelnd die Sensationsgier auf. Genau so lange, bis der Satz im Gehirn angekommen war und sich auf den meisten Gesichtern prompt ein leicht schiefes, etwas verlegenes Lächeln breitmachte.
Ach, hier gibt’s doch gar keine Haie! Oder …?
Leichte Unsicherheit, manch einer warf prüfend-skeptische Blicke auf die Wellen.
Die Schwester des Jungen glaubte jedoch ganz sicher weiterhin daran und verkündete heulend, dass sie keinen Hai in der Ostsee möchte, weil sie noch baden wolle. Große Aufregung und Krokodilstränen …
Die Mutter erklärte resolut, der Bruder hätte sich verguckt.
Daraufhin lenkte der Knabe ein und erwiderte ernsthaft:
„Jetzt isser weg. Der Wal hat ihn gefressen …“
Kurz danach ertönte neuer Alarm:
„Piraten …!“
Und so habe ich vor lauter Action Wustrow erst danach entdeckt.

Schauen Sie mal!
Wenn das Wasser an einer Stelle so aufgewühlt ist und aussieht, als würde es gleich brodeln, dann schwimmen dort grad Hunderte von kleinen Fischen! Ein Haifisch-Schwarm! ;)

Graal-Müritz  - Kocht das Wasser der Ostsee an manchen Stellen?

Graal-Müritz – Kocht das Wasser der Ostsee an manchen Stellen?

Graal-Müritz  - Wo das Wasser zu brodeln scheint, ist ein Fischschwarm ...

Graal-Müritz – Wo das Wasser zu brodeln scheint, ist ein Fischschwarm …

Ich wollte Sie heute und in weiteren Blogposts gern erneut auf einen Streifzug nach Mecklenburg-Vorpommern an die Ostseeküste mitnehmen – inkl. der üblichen Gedanken(sprünge). Im ersten Teil ging es allgemein um die Strände, die Region und Sie pausierten bereits mit Musiker Christian Sänger und dem Kollegen Paul an der Seebrücke von Graal-Müritz. Meeresblick eingeschlossen.

Oh, ich wurde kürzlich gefragt, was es mit den Seebrücken auf sich hätte!
Früher herrschte erheblich mehr Schiffsbetrieb zwischen den Ansiedlungen an der See und belebte den Bäderverkehr zwischen Warnemünde und der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst.
In dieser Zeit gab es bereits an vielen Orten entlang der Küste die ins Meer hinausgebauten Seebrücken, deren Stege bis in tiefere Gewässer ragen und so ein Anlanden der Schiffe ermöglichen. Die Ostsee ist in Strandnähe sehr flach, Boote haben dort nicht genügend Wasser unter dem Kiel. Die Seebrücke von Graal-Müritz misst daher stolze 350 m. Erst in dieser Entfernung zum Land ist die Wassertiefe für die Ausflugsschiffe ausreichend. Die Länge der Brücke von Wustrow beträgt immerhin 240 m. In beiden Orten wurden sie Anfang der 90er Jahre komplett neu errichtet und dabei verlängert.
Es ist ein schönes Gefühl am Ende einer Brücke zu stehen, windumweht … Es ist fast so, als wäre man wirklich mitten im Meer.

Die Seebrücke von Graal-Müritz ragt mit ihren 350 m Länge weit in die Ostsee hinaus

Die Seebrücke von Graal-Müritz ragt mit ihren 350 m Länge weit in die Ostsee hinaus

Zurück zu Wustrow.
Es war klar, dorthin sollte es einmal ganz gezielt gehen. Im Laufe der Urlaubswoche näherten wir uns dem Ort sowohl per Auto also auch per Fahrrad. Ein Schild an der Straße hat mich fasziniert und überrascht, denn ich hatte diese Tiere hier als Straßenquerer überhaupt nicht erwartet!
Otter!
Ich vergesse gern, dass es eigentlich Fischotter heißen müsste und diese Art die einzige Marderart ist, die sowohl im Wasser als auch an Land lebt. Und sie sind nachtaktiv. Viele dieser „streng geschützten Tiere“, die auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Tiere aufgeführt sind, lassen ihr Leben im Straßenverkehr!

Auf der Fahrt von Wustrow über Dierhagen nach Klockenhagen: Achtung!  Otterwechsel!

Auf der Fahrt von Wustrow über Dierhagen nach Klockenhagen: Achtung! Otterwechsel!

Das Foto entstand natürlich nicht völlig spontan und nebenbei. Sie ahnen, wie so etwas abläuft.
Beim ersten Vorbeifahren sehen Sie das Schild aus dem Augenwinkel, und es erregt Ihre Aufmerksamkeit. Beim zweiten Mal merken Sie sich die Stelle und beim dritten Mal hoffen Sie, dass Sie sich als Beifahrer aus dem Fenster hängen können und Ihnen irgendein Zufall zur Hilfe eilt, der bewirkt, dass der Fahrer auf der Landstraße langsamer als sonst an diesem Hinweisschild vorbeifährt. Langsamer vorbeifahren kann! Es herrscht ja Betrieb!
Nun, das Glück hatte ich, denn just an dem Tag befand sich weiter vor uns eine Art Trecker mit einer Durchschnittgeschwindigkeit von etwa 30 km/h, und danach mussten sich alle richten.
Frohlockung! Fenster herunter, Kamera raus. Bild im Kasten.

Eine Autoexkursion ist recht nett, doch besonderes Vergnügen bereitet die Fahrt per Rad, denn der Weg führt – im Gegensatz zur Straße – ziemlich parallel zur Küste.

Ostseestrand mit Schutzdüne bei Graal-Müritz

Ostseestrand mit Schutzdüne bei Graal-Müritz

Entlang des Fahrradwegs nach Wustrow. Bunt gestaltete sanitäre Einrichtungen ... Hier wird vieles in dieser Hinsicht aufgepeppt. Auch Trafohäuschen.

Entlang des Fahrradwegs nach Wustrow. Bunt gestaltete sanitäre Einrichtungen … Hier wird vieles in dieser Hinsicht aufgepeppt. Auch Trafohäuschen.

Dinge, die Sie bei der Fahrt mit dem Auto nicht sehen:  Odin - Teil des Dierhäger Themenpfads und ein Werk des Holzbildhauers Siegfried Kümmel

Dinge, die Sie bei der Fahrt mit dem Auto nicht sehen: Odin – Teil des Dierhäger Themenpfads und ein Werk des Holzbildhauers Siegfried Kümmel. Direkt am Radweg …

Er führt an Dierhagen vorbei, liegt teilweise im Wald, geraume Zeit leicht geschützt hinter der Düne, doch verläuft vor Wustrow auch eine längere Strecke direkt auf dieser Schutzerhebung. Das wiederum bedeutet, man hat nicht nur häufig optimalen Ausblick auf die See, sondern sieht sogar an ein oder zwei Stellen gleich auf beiden Seiten des Landstreifens Wasser. Wustrow auf Fischland liegt nämlich genau an der schmalsten Stelle der Halbinsel, und so befindet sich auf der einen Seite das Wasser der Ostsee inkl. Blick auf feinen Sandstrand und Seebrücke, auf der anderen Seite das Wasser des Boddens mit Wiesen und Schilfflächen.

Ostseebad Wustrow - Vorne im Bild der Bodden, hinten die Ostsee (vom Wustrower Kirchturm aus gesehen)

Ostseebad Wustrow – Vorne im Bild der Bodden, hinten die Ostsee (vom Wustrower Kirchturm aus gesehen)

Sie passieren beim Radwandern auch Siedlungen mit vielen älteren, meist kleineren Häuser, die heute zu einem erheblichen Teil als Feriendomizil vermietet werden. Immer wieder tauchen mit Reet gedeckte Bauten auf. Selbst bei neu errichteten Gebäuden wird dieser Stil häufig gewählt. Man erkennt kürzlich hinzugekommene Dächer daran, dass sie wesentlich heller sind, denn das witterungsbedingte Nachdunkeln des Schilfrohrs braucht ein Weilchen. Ein solches Dach ist bis zu 70 Jahre haltbar, erzählte der Kapitän bei einer Boddenausflugsfahrt. Das Rohr wächst hier in der Uferzone des Gewässers, wird im Winter geschnitten und im Sommer verarbeitet. Es gibt einige Fachbetriebe in dieser Region, man sieht immer wieder Fahrzeuge mit entsprechenden Firmenbezeichnungen.

Das Fischland-Hochufer zwischen Wustrow und Ahrenshoop

Das Fischland-Hochufer zwischen Wustrow und Ahrenshoop – Enorm viele Schwalben nisten dort in den Steilwänden in hochgelegenen Höhlen. Ein Loch neben dem anderen …

Die Aussicht vom Fischland-Hochufer Richtung Ahrenshoop und Landzungenende

Die Aussicht vom Fischland-Hochufer Richtung Ahrenshoop und Landzungenende

Wenn Sie - wie ich - vom Radweg abkommen und den Wanderweg weiter Richtung Ahrenshoop nehmen, treffen Sie vielleicht auch diese herumtollenden Hasen ...

Wenn Sie – wie ich – vom Radweg abkommen und den Wanderweg weiter Richtung Ahrenshoop nehmen, treffen Sie vielleicht auch diese herumtollenden Hasen …

Auf diesem Landstück von Fischland und Darß über die Halbinsel Zingst bis zur Insel Hiddensee und Westrügen erstreckt sich der insgesamt 805 km² große Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft. Die Boddengewässer sind quasi große, relativ flache Lagunen, die vom Meer durch Landzungen abgetrennt sind.
Früher hatten sie an mehreren Stellen einen Durchlass zur Ostsee, doch diese wurden aus verschiedensten Anlässen geschlossen. Die Gründe waren oft wirtschaftlicher Natur.
Neid spielte ebenfalls eine nicht zu unterschätzende Rolle!

Ostseebad Wustrow - Saaler Bodden - rechts im Hintergrund die Ostsee (Blick vom Kirchturm)

Ostseebad Wustrow – Saaler Bodden – rechts im Hintergrund die Ostsee (Blick vom Kirchturm)

Während der Hansezeit im 14.-16. Jh. und der Hochzeit der Großsegler, als ab Fischland 240 Schiffe ausliefen und auf der Ostsee mitkonkurrierten, war das vielen ein Dorn in Auge. Kurzerhand versenkte man einheimische Schiffe in der Öffnung zur See, die Stelle versandete – und ab da ging nichts mehr! Wustrow, Ahrenshoop und weiteren Orten erging es so. Allein in Prerow (Darß) beschlossen die Bürger nach einer verheerenden Überschwemmung, die den Ort komplett unter Wasser setzte, von sich aus, die Verbindung zum Meer zu blockieren.
Heute gibt es nur noch eine einzige Öffnung und einige Flutrinnen.

Ende Teil 2, Fortsetzung folgt!

Von Wustrow selbst haben Sie heute noch gar nicht viel gesehen, daher erscheint in Kürze Teil 3:
Meer, Sonne, Strand … (3) – Streifzug durch Wustrow und der Turmgefangene

©August 2013 by Michèle Legrand
Michèle Legrand - Michèle. Gedanken(sprünge) @wordpress.com

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  1. #1 von Silberdistel am 21/08/2013 - 22:19

    Ich muss jetzt einfach mal ein Dankeschön hierlassen. Du beschreibst eine Region, die mir persönlich sehr am Herzen liegt, sehr schön, fast liebevoll. Ich denke, sie hat es verdient.
    Mich hat dieser Beitrag sehr gefreut.
    LG von der Silberdistel, die gerade fern dieser ihr sehr lieben Heimat ist

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    • #2 von ladyfromhamburg am 21/08/2013 - 23:33

      Das hast du sehr nett ausgedrückt, liebe Silberdistel – und natürlich freut es mich immens! Ich verfolge gerade deine Berichte von unterwegs und wünsche dir und deinem Mann weiterhin einen schönen Urlaub! Ich las irgendwo etwas von einer Burg, die ihr wohl auch anpeilt. Hab’s mir doch denken können! ^^
      Liebe Grüße diesmal mehr in südlicher Richtung!
      Michèle

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