Wenn es in Hamburg regnet: Rathausplatz, zwei Türme und ein Unterschlupf mit bunter Decke

Heute würde ich gern mit Ihnen in den Regen hinaus. Nicht lange!
Ich möchte Ihnen in Hamburgs City etwas zeigen, bevor in diesem Monat eine weitere Folge der Serie
Stilvolle Treppenhäuser, schöne Fassaden, eigenwilliges Interieur –
der Charme Hamburger Kontorhäuser
hier im Blog erscheint.
Entsinnen Sie sich an das beeindruckende Hildebrand-Haus aus dem dritten Teil und die Feststellung, dass es in der Straße Neuer Wall noch mehr zu entdecken gibt? Folgerichtig heißt es demnächst:
Teil IV – Hübner, Gutruf, Pinçon … ein Blick auf die Häuser im Bereich Neuer Wall

Heute sind wir ganz in der Nähe, nur vernachlässigen wir vorerst die Kontorhäuser, da es auf dem Weg dorthin bereits etwas gibt, was es sich anzuschauen lohnt. Wir kommen gleich dazu …
Wissen Sie, was mich manchmal stört?
Mich stört, dass auf Ansichtskarten fast immer Sonnenschein und blauer Himmel zu sehen sind. Meist sogar noch kräftig retuschiert! So unverschämt blau ist der Himmel selbst im Sommer höchst selten …
Es ist genauso unnatürlich, wie die Eigenart, in Rosamunde-Pilcher-Filmen Schottland oder Cornwall ebenfalls immer nur mit strahlender Sonne zu zeigen.
Es ist nicht so!
Und es ist auch nicht so, dass bestimmte Gegenden und Orte nur bei Sonne Charme hätten. Manches ist gerade bei Regen reizvoll. Die Größenverhältnisse scheinen anders, die Farben sind dunkler und kräftiger. Nasses Pflaster wirkt grundverschieden, Metall spiegelt, Granit glänzt. Geräusche verändern sich. Außerdem sind weniger Menschen da, auf einmal ist alles ganz weit. Mitten in der Stadt.
Diese Schönwetter-Postkarten führen leicht zu einer gewissen Erwartungshaltung und haben gelegentlich zur Folge,  dass schlechteres Wetter gleich fürchterlich krumm genommen wird. Manch einer geht dann gar nicht vor die Tür.
Genau das ist heute unser Glück!
Schnappen Sie sich eine Jacke und den Schirm. Es sieht weiter hinten bereits wieder heller aus, vielleicht wird es schon in ein paar Minuten besser.
Ach, einen kleinen Moment bitte noch!
Wir treffen uns heute auf dem Rathausplatz in Hamburg. Sie können Ihn gar nicht verfehlen …

Die City im Regen - Hamburg, Rathausplatz, Blick Richtung Petrikirche

Die City im Regen – Hamburg, Rathausplatz, Blick Richtung Petrikirche

Ist das nicht ein höchst ungewohnter Anblick? Wie oft habe ich Ihnen Bilder präsentiert, auf denen zumindest Teile des Platzes zu sehen waren. Mal waren chinesische Wochen, ein anderes Mal fand der Triathlon statt und die Fläche des Rathausmarktes war für den Einlauf der Läufer präpariert. Bahnen, Tribünen, künstlicher Bodenbelag.
Oder vor ein paar Wochen! Wissen Sie noch? Der Weihnachtsmarkt hatte gerade begonnen, alles war gefüllt mit Holzbuden, Ständen, Lichterdekoration, Tannenbäumen, Pyramiden.

Aber heute – heute haben wir alles fast alleine für uns! Zumindest momentan …

Die City im Regen - Hamburg, Rathausplatz, Blick zu den Alsterarkaden

Die City im Regen – Hamburg, Rathausplatz, Blick zu den Alsterarkaden

 

Jetzt erst lässt sich erkennen, welche Ausmaße der Platz eigentlich hat! Und wenn Sie sich umschauen, sehen auch die von Alexis de Chateauneuf erbauten Alsterarkaden im Regen schön aus. (Haben Sie bemerkt, der Regen wird weniger – schon strömen alle wieder nach draußen …)

Die City im Regen - Hamburg - Blick Richtung Alte Post (Poststraße)

Die City im Regen – Hamburg – Blick Richtung Alte Post (Poststraße)

Lassen Sie Ihren Blick weitergleiten Richtung Schleuse und hinein in die Poststraße. Sehen Sie das rote Gebäude links mit dem hohen Turm? Es ist die Alte Post.
Sie wurde von 1845 bis 1847 erbaut, und wer sich über gewisse Ähnlichkeiten im Stil wundert, etwas, das ihn an die gerade gesehenen Alsterarkaden erinnert, dem sei gesagt, dass Architekt Alexis de Chateauneuf auch hier zuständig war. Auch bei diesem Gebäude ist wieder italienische Renaissance im Spiel, das venezianische Vorbild, die Palazzo-Bauten – wenn auch hier und dort zusätzlich Ergänzungen durch gotisch anmutende Rundbögen aus Sandstein anzutreffen sind.

Hamburg -  Die Alte Post, Poststraße - Einer der  Seiteneingänge - Im EG befindet sich eine Einkaufspassage

Hamburg – Die Alte Post, Poststraße – Einer der Seiteneingänge – Im EG befindet sich eine Einkaufspassage

Hamburg -  Die Alte Post, Poststraße, diesmal vom Hanseviertel Richtung Rathaus schauend ...

Hamburg – Die Alte Post, Poststraße, diesmal vom Hanseviertel Richtung Rathaus schauend …

Hamburg -  Die Alte Post,  Poststraße - Uhrturm

Hamburg – Die Alte Post, Poststraße – Uhrturm

Sie haben den Turm gesehen? Natürlich!
Es ist der Uhrturm, an dessen Spitze sich ab ca. 1838 ein optischer Telegraf befand, der den Endpunkt der Nachrichtenverbindung bis zur Elbmündung, dem zu Hamburg gehörenden Cuxhaven, bildete. Er bekam später einen oktogonförmigen Baukörper zusätzlich obenauf gestülpt, weil man gemerkt hatte, dass der Turm für seine Zwecke zu niedrig war. In dieser Form sehen wir ihn heute hier, und mit diesem neuen Endpunkt wurde 1848 eine optische Telegrafenlinie Richtung Bremen in Betrieb genommen.

Bemerkenswert, dass es endlich ein erstes öffentlich zugängliches Kommunikationsmedium gab, das von Kaufleuten begründet und genutzt wurde. Andere Systeme zuvor hatten immer nur der Verwaltung gedient oder dem Militär!
Diese Erfindung war natürlich noch nicht das Gelbe vom Ei. Wenn Sie sich vorstellen, dass optische Telegrafen nur kurze Reichweiten hatten und es sich beispielsweise um einfache Blinkspiegel handelte. Oder auch komplexere Spiegeltelegrafen. Dann gab es noch Winkzeichen und Flaggensignale.
Alles ein bisschen unsicher, wetterabhängig, kompliziert, und es wurde schwierig bei ungünstigen Sichtverhältnissen.

Kein Wunder, dass kluge Köpfe weiter forschten, und sehr schnell vollzog sich der Wandel zum elektrischen Telegrafen/zur Morsetelegrafie. Die nötige technische Einrichtung hierfür war billiger, einfacher und letztendlich auch günstiger im Unterhalt. Jahrzehntelang gab es weiterhin beides. Das eine schlich sich dazu, das andere verabschiedete sich in kleinen Schritten.
Im Grunde haben wir sogar heute bei der Eisenbahn (Signale) immer noch einen gewissen Teil an optischen Telegrafen
Und bis heute sind trotz aller neuzeitlichen Erfindungen mancherorts auch weiterhin in der Schifffahrt Morselampen für kurze Entfernungen gebräuchlich.
Es reicht an Information, oder?

So, und was sehen Sie direkt in Verlängerung des Turms?
Einen weiteren Turm!

Die City im Regen - Hamburg -  Blick Richtung Alte Post ... und dahinter ... der Fernsehturm (Heinrich-Hertz-Turm)

Hamburg – Der Regen hat nachgelassen – Blick Richtung Alte Post … und dahinter … der Fernsehturm (Heinrich-Hertz-Turm)

Den Heinrich-Hertz-Turm, auch Telemichel (Fernsehtum) genannt oder ganz offiziell: die Funkübertragungsstelle 22 Hamburg. Er wurde in den Jahren 1966-1968 erbaut und ist quasi die moderne Variante des Alten Postturms – ein Neuer Postturm, ca. 120 Jahre jünger.  Hier im trauten Beisammensein …

Es regnet schon wieder …
Ach, Sie haben doch keinen Schirm dabei?
Jetzt schauen Sie nicht so unglücklich! Seien Sie froh, dass es momentan nicht so aussieht:

Hamburg - Alsterarkaden, Kleine Alster und Rathausschleuse im Nebel

Hamburg – Alsterarkaden, Kleine Alster und Rathausschleuse im Nebel

Kommen Sie!
Huschen wir einfach in den Arkadengang der Alsterarkaden,  und ich zeige Ihnen einen Durchgang, eine prachtvolle Abkürzung zum Neuen Wall (den wir uns demnächst vornehmen (s. o.)).
In den Alsterarkaden befindet sich die älteste und kleinste Einkaufspassage Hamburgs: die Mellin-Passage. Dort hat u. a. die Hamburger Bücherstube Felix Jud & Co. ihren Sitz.
Die Decken und höhergelegene Teile der Seitenwände des Durchgangs sind mit wunderschönen, farblich sehr stimmigen Malereien verziert. An vielen Stellen werden die Arkadenformen wieder aufgenommen. Ansonsten finden sich im oder am Mauerwerk zahlreiche Verzierungen, dekorative Vorsprünge oder auch weiter oben eingelassene Bogenfenster (geschlossen).

Hamburg - Durchgang Alsterarkaden zum Neuen Wall, Mellin-Passage

Hamburg – Durchgang Alsterarkaden zum Neuen Wall, Mellin-Passage

Hamburg -  Ein Blick an die Decke der Mellin-Passage (Alsterarkaden/Neuer Wall)

Hamburg – Ein Blick an die Decke der Mellin-Passage (Alsterarkaden/Neuer Wall)

Wussten Sie, dass diese Decken- und Wandbemalung mehr durch Zufall wieder zum Vorschein kam?
Nachdem es Silvester 1989 einen Brand in einem der Geschäfte gegeben hatte, musste ein Teil des Hauses abgerissen und wieder neu errichtet werden. Hauptsächlich fanden bauliche Veränderungen an der Westseite, also am Neuen Wall statt, und bei dieser Renovierung entdeckten Handwerker staunend die Malereien im Stil von Alphonse Mucha …

Hier werden wir uns beim nächsten Mal treffen. Ist Ihnen das recht?
Sagen wir in der Mitte der Passage, wo der Lichthof ist.
Und dann gehen wir hierhin (Appetizer)^^:

Hamburg - Kontorhäuser - Das Gutruf-Haus - Stilvoll und elegant - auch die Farbwahl

Hamburg – Kontorhäuser – Das Gutruf-Haus – Stilvoll und elegant – auch die Farbwahl

Ich freue mich, wenn Sie wieder dabei sind!

Quelle:
Wikipedia half mir mit Wissen über die optischen Telegrafen.

Anmerkung/Hinweis:
Wenn Sie generell gern mit durch Hamburg spazieren möchten, rufen Sie doch hier im Blog einfach die KATEGORIE Hamburg! auf.
Dort werden Sie fündig.

©Januar 2013 by Michèle Legrand

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  1. #1 von regenbogenlichter am 06/01/2013 - 21:33

    Spaziergänge mit dir durch Hamburg sind wunderschön und informativ. Wenn wir mal in Hamburg sind, ist bestimmt Smatphone und dein Blog mit dabei…das ist genial. :-)
    Die Mellin-Passage und der „Palazzo“ sind ganz wundervoll.
    Und was hier die Alphörner waren, sind bei euch die Funktürme.
    Das Morsealphabet wird bei der Bahn übrigens teilweise immer noch verwendet. Nicht mit Morseapparaten, sondern als Ruf (Klingel-) Zeichen.
    Ich freu mich schon auf die Kontorhäuser.
    Liebe Grüße nach Hamburg
    Ute

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  2. #2 von regenbogenlichter am 06/01/2013 - 21:34

    Smartphone sollte das heißen… ;-)

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    • #3 von ladyfromhamburg am 06/01/2013 - 22:22

      Danke schön für deinen netten und für mich ebenfalls sehr informativen Kommentar! (Schon klar mit dem Smartphone! ^^)
      Interessant, dass die Bahn Klingelzeichen nutzt! Ute, wenn du einmal nach Hamburg kommst, sollten außer Blog und Smartphone möglicherweise eine Tasse Kaffee und neue Live-Tipps drin sein … :-)

      LG Michèle

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      • #4 von regenbogenlichter am 08/01/2013 - 23:32

        Ja, die Klingelzeichen werden immer seltener…es gibt auch immer weniger Fernsprecher an den Strecken…dafür gibt es jetzt Funk und Handy… aber irgendwelche „mobilen“ Posten, zum Beispiel zum Bahnübergang sichern, könnte/sollte man mit dem (Morse-)Klingelzeichen für „k“ (für kommen) erreichen. Sofern noch ein Fernsprecher vorhanden ist. Aber das „stirbt“ aus. ;-)
        Das würde mich (uns) freuen… :-)

        Liebe Grüße
        Ute

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  3. #5 von Sartenada am 07/01/2013 - 09:54

    How wonderful tour in Hamburg! „Alte Post“ is great.

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  4. #7 von Silberdistel am 08/01/2013 - 21:04

    Ich war wieder gern dabei, auch wenn’s geregnet hat ;-) Danke für den interessanten und bildenden Spaziergang.
    LG von der Silberdistel

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  5. #9 von ernstblumenstein am 04/02/2013 - 13:15

    Ein schöner Bericht über Hamburg. Er gefällt mir. Liebe Grüsse Ernst

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    • #10 von ladyfromhamburg am 04/02/2013 - 21:55

      Freut mich, Ernst. Hamburg ist in dieser Hinsicht aber auch eine sehr inspirierende und dankbare Quelle für mich.
      LG Michèle

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