… und täglich grüßt das Murmeltier

Es kommt wieder. Oder sie. Die Wiederholung im Fernsehen.
Heute!
„Groundhog Day“ bzw. bei uns heißt es: „… und täglich grüßt das Murmeltier“
Sie kennen den Film sicher – so oft, wie er schon gesendet wurde.
Was werden Sie machen? Anschauen?

Ich weiß, ich werde erst sagen:
Hey, den kennst du! Du hast das Murmeltier schon mindestens sechs Mal gesehen. Du brauchst wirklich nicht noch einmal …
Nur – ich schaue sehr wenig Fernsehen. Ab und zu einen Film, besonders wenn sehr geschätzte Schauspieler dabei sind, eine Lieblingsserie, Sachsendungen zu verschiedenen Themen – alles nicht ständig.
Also eher selten Fernsehen – soll  ich dann ausgerechnet  die siebte Wiederholung …?
Das Ding ist, ich habe mittlerweile festgestellt, dass es doch drei bis fünf Filme gibt, die mich einfach immer wieder einfangen, gegen die ich praktisch nicht immun zu kriegen bin.
Es sind keine pädagogisch sehr wertvollen Filme, sondern nette Relax-Filme mit gut formulierten Dialogen, toller Musik (die wirklich die Handlung unterstreicht), sorgfältig ausgewählten und passenden Schauspielern, irgendwie liebevoll und mit Lust gemacht und möglichst mit einem Happy End – das ist aber nicht zwingend.
Als Beispiel für gute Musikwahl fällt mir „Notting Hill“ ein. Allein schon Elvis Costello mit „She“ … Gänsehaut!

Generell gibt es doch viele Filme der beschriebenen Art, werden Sie sagen.
Irgendwie haben Sie recht …
Wenn dem so ist, dann haben einige wenige wohl offenbar noch irgendetwas anderes an sich, was magisch anzieht.

Groundhog Day.
Ich ahne bereits, wie es nachher abläuft. Ich werde mir um 20.15 Uhr eintrichtern:
Nicht anschalten! Ist alt! Wiederholung!
Nur – es läuft an diesem Tag sonst wieder nichts Gescheites.
Ich könnte den Fernseher wie so häufig ganz auslassen.
Ja …, könnte ich.
… aber da läuft dieser Film, diese Wiederholung!

Kennen Sie, oder?
Ab Filmbeginn halten Sie ungefähr eine halbe Stunde vor dem dunklen Bildschirm durch. Spätestens dann geht es los:
Eigentlich könnte ich kurz reingucken. (Betonung auf kurz)
Jetzt müsste die Szene kommen, in der Bill Murray in seiner Unterkunft morgens im Frühstücksraum die ältere Pensionswirtin fragt:
„Haben Sie manchmal Déjà-Vus, Mrs. Lancaster?“
Und sie ihm treuherzig antwortet:
„Ich glaube nicht, aber ich könnte ja in der Küche nachfragen.“
Ja, ja – ist jetzt nicht der Brüller, aber so etwas bleibt halt hängen.

Sie schalten ein. Es ist nicht die Szene, aber sie kommt ja demnächst … Bis dahin lassen Sie eben an.
Zehn Minuten später.
Inzwischen war die Szene, doch Sie können doch jetzt nicht ausschalten! Phil (Bill Murray) ist bisher immer noch ekelhaft arrogant und oberflächlich!
Sie nehmen sich als nächsten Schlusspunkt die Szene vor, in der er das erste Mal etwas Nettes sagt.
Schwere Entscheidung. War das schon nett oder nicht?
Sie warten ein bisschen länger, denn er hat sie noch nicht überzeugt … Bill schafft es jetzt allerdings schon, die Leute zu verblüffen, positiv zu überraschen. Ihnen kommt spontan ein Dialog in den Sinn, und als alter Kenner können sie selbstverständlich frei zitieren:

„Ein wundervoller Tag. Es gibt niemanden, der ihn so planen könnte ….“ –
„Doch, man kann schon, es ist nur ein Riesenhaufen Arbeit.“

Ach, was soll ich sagen, Sie verpassen ständig den Moment sich auszuklinken. Wenn erst einmal die Liebesgeschichte mit Andie MacDowell an Fahrt aufnimmt und Sie mitfiebern, ist eh alles zu spät.
Sie müssen einfach sehen, wie Phil Connors (Bill Murray) französische Lyrik parliert, auf den Weltfrieden anstößt und Ritas (A. MacDowell) Gesicht als wunderschöne Eisskulptur darstellt.
Sie warten darauf, dass er diversen Leuten zig Mal das Leben rettet und darauf, dass er Klavier spielt. Das persönliche Highlight des Films schlechthin!
Sie leiden bis dahin mit ihm, weil der Tag immer und immer wieder gleich startet. Reagieren langsam unwirsch, denn – ganz ehrlich – er gibt sich solche Mühe und hat sich so gebessert!
Sie sind hin- und hergerissen bei den Dramen, die sich abspielen, wenn Bill keinen anderen Ausweg sieht als den Versuch, sich das Leben zu nehmen. Vergeblich natürlich. Zwischen Lachen und Heulen ist es kein weiter Weg.

Als Mehrfachseher bemerken Sie plötzlich:
Huch! Der Film geht höchstens noch zehn Minuten.
Jetzt abzuschalten wäre wirklich Blödsinn. Und so gönnen Sie sich das Happy End.

Phil und Rita. Morgens im kuscheligen Bett des Hotels und – oh, Wunder – im Radio erklingt nur  sehr kurz die gleiche Musik, die Bill Murray ein ums andere Mal hat ertragen müssen. Bis der Sender bemerkt, dass das Band vom Vortag anlief … Und Bill registriert, dass Andie noch da ist …
Jetzt kommt Ihr großer Moment! Sie soufflieren:
„Irgendetwas ist anders.“
„Gut oder schlecht?“
„Alles, was anders ist, ist gut.“

Und schließlich:

„Weißt du, welcher Tag heute ist? Heute ist Morgen!“

Geschafft!
Die Tortur ist vorbei, Bill ist geläutert, er und Andie fortan ein Paar und ich –  ich bin zum siebten Mal gerührt, berührt – was auch immer. (Irgendwo hatte ich doch ein Taschentuch …)

Rufen Sie also nachher so ab 20.15 Uhr bitte nicht bei mir an. Es kann sein, dass ich beschäftigt bin und nicht abnehme.

©Oktober 2012 by Michèle Legrand

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  1. #1 von volkerhoff am 17/10/2012 - 22:30

    Soeben zu Ende gesehen. War wie immer traumhaft schön! Phil Connors hat so viele Fähigkeiten :-) !

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    • #2 von ladyfromhamburg am 17/10/2012 - 23:13

      Ich habe es auch wieder sehr genossen, Volker! ;) Jedesmal denke ich wirklich, ich müsste es doch langsam über haben, doch die Szenen (und die liebevoll ausgesuchten skurrilen Typen) sind einfach schön … Vielleicht macht den Film auch aus, dass er trotz aller Phantasterei unheimlich logisch und konsequent in der Handlung ist – das fehlt vielen anderen.

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  2. #3 von volkerhoff am 17/10/2012 - 22:32

    Reblogged this on Willkommen in meinem Blog und kommentierte:
    Ein ganz toller Blogpost zu einem meiner Lieblingsfilme…

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  3. #4 von Fotografikum am 18/10/2012 - 09:35

    also ich habe es mir auch wieder angetan gestern abend :)

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  4. #6 von Silberdistel am 20/10/2012 - 19:12

    Ich habe ihn nicht gesehen, jedenfalls nicht jetzt, sonst aber schon. Hm, ich weiß nicht mehr, wie oft schon. Inzwischen hilft mir die DVD im Schrank gegen solche Zwänge, den Fernseher einschalten zu müssen. Ich könnte ja immerzu, wenn ich nur wollte, denn da ist ja diese DVD ;-)

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    • #7 von ladyfromhamburg am 21/10/2012 - 14:31

      Eine DVD bewirkt bei mir komischerweise, dass ich den Film dann nie gucke. Ich erzähle mir selbst die enormen Vorteile (keine Werbung, Bonus-Schnipsel, etc.), doch da ich weiß, sie liegt im Schrank und könnte genausogut morgen oder übermorgen dran sein, ist die Folge, dass ich es ewig hinausschiebe.
      Wenn etwas hingegen nur alle Jubeljahre im Fernsehen kommt, heißt es: jetzt oder nie! (Es geht jetzt nur um Filme, deren DVD ich nicht habe. Die, die ich habe, schaue ich auch im Fernsehen nicht mehr. Und so gern ich „… und täglich grüßt das Murmeltier“ sehe – ich möchte jetzt nicht mehr die DVD (allerhöchstens leihweise für die englische Fassung).

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      • #8 von Silberdistel am 21/10/2012 - 18:10

        Wir gucken sogar oft die DVD an dem Tag, an dem auch der Film kommt – dann natürlich wunderbar werbefrei (was am Anfang der DVD an Werbung ist, überspringen wir dabei natürlich gern) :-)

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