Vorsicht Glatteis!

Vorsicht Glatteis!
28.05.2012. Pfingstmontag.
Ein Tag mit Sommer-Juli-Freibad-Temperaturen. Draußen und im Auto sowieso.
Ich bin unterwegs in den Westen Hamburgs und schwanke während der Fahrt etwas unschlüssig zwischen Fenster auf und Wind oder Fenster zu und Klimaanlage. Fenster auf gewinnt, die Sonne scheint auf die Arme, ein Lüftchen umweht mich, und alles ist immer genau so lange gut, bis eine Ampel auf Rot springt und ich länger stehen muss. Dann heizt sich der Wagen im Nu auf. Nur kurz vor Ende der Reise die Klimaanlage noch hochzufahren, ist Energieverschwendung bzw. es ist auch so sinnlos, denn was nützt es, wenn sie es noch knapp schafft, Kühlschrank-Gemüsefach-Temperaturen zu zaubern, ich aber beim Aussteigen einen Schlag bekomme …?
Nein, keine Klimaanlage – und eigentlich möchte ich damit auch nur andeuten, dass ich ziemlich köchelnd in Niendorf eintraf.

Ich bin auf dem Weg zum Neuen Friedhof Niendorf. Einen Menschen besuchen, der heute Geburtstag gehabt hätte. Ein bisschen Zwiesprache halten, ihn auf den neuesten Stand der Dinge bringen, Fragen stellen, schauen, ob alles in Ordnung ist,  horchen, was so los ist …
Da ich nicht wusste, ob irgendwo ein Blumenladen am Pfingstmontag geöffnet hat, habe ich meinen Garten geplündert und laufe mit buntem Blumenstrauß bei gleißendem Licht Richtung schmiedeeisernem Eingangstor. Das Auto musste ich etwas entfernt parken. Ich schiebe die Unterlippe vor und puste Luft nach oben unter die Ponyhaare. Mir ist warm.
Das große Tor ist erreicht. Ein Schild, an den senkrechten Gitterstäben befestigt, enthält in großen Lettern die Warnung:
VORSICHT GLATTEIS!
Ich vergesse weiter zu pusten. Glatteis! Glatteis? Heute? Hier?
Nein. Natürlich, mir ist schon klar, dass es ein Ganzjahresschild ist, das im Sommer eben nicht entfernt wird. Doch diese Einsicht hat nicht verhindern können, dass vorher erste, automatische Reaktionen auftraten, das Gedanken sich eigenständig formten …
Ich bekam etwas Gänsehaut an den Unterarmen.
Ich dachte Millisekunden über meine Schuhe nach, die nicht glatteistauglich sind.
Danach passierte Folgendes: Szenen und vor allem völlig neue Warnschilder tauchten vor dem inneren Auge auf!
Sahara. Die Sonne brennt. Das Licht flimmert. Ein Schild: Vorsicht Überschwemmung!
Herbst an der Elbe. Heftigster Regenguss, nahende Sturmflut. Ein Warnschild: Vorsicht Sonnenbrand!
Und zu guter Letzt grübelte ich darüber nach, ob das Schild schon die ganzen fünf Jahre, die ich hier immer wieder herkomme, dort hängt. Ich kann es nicht sagen …

Ich traute mich trotz der Warnung auf das Friedhofsgelände und erreichte bald mein Ziel. Während ich die Blumen versorgte, plauderte ich mit ihm:
„Wusstest du, dass es gefährlich war, hierher zu kommen?“
(Er antwortete natürlich nicht, doch ich  berichtete ihm trotzdem von dem Schild.)
„Ich musste tierisch mit dem Glatteis hier bei dir aufpassen!“, bemerkte ich, mir Luft zufächelnd.

Ich habe ihn lachen gehört …

©Mai 2012 by Michèle Legrand

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