Leipziger Allerlei – Teil 4: Ein kleiner Eindruck von der Buchmesse auch für Nicht-Fachbesucher …

LBM 2012 - Messegelände Leipzig

Ich bin einer von 346.000 täglich. Steht da. Ich lese es auf einem von 790 Monitoren. So viele gibt es. Das steht da auch. Ich habe jetzt allerdings nur einen einzigen vor mir. Die restlichen 789 sind sonstwo. Das Bild wechselt. Jetzt könnte ich einen Handwerkskurs für Frauen belegen. Schlagen sie mir vor. Mir und eben täglich insgesamt 345.999 anderen Fahrgästen. An diesem Morgen und hier sind es die, die in Leipzig mit der Straßenbahn vom Zentrum aus in Richtung Norden fahren. Unser gemeinsames Ziel: die Buchmesse. Es ist Sonntag, der 18. März 2012, und natürlich gibt es auch einzelne Fahrgäste, die schon am alten Stadtbad oder gleich dahinter beim Gasometer aussteigen möchten. Etwas später, beim Baumarkt Hornbacher, der eine eigene Haltestelle hat, will überhaupt keiner raus. Yippie-ya-ya, yippie-yippie-yay hat sonntags nämlich zu.
Die Straßenbahn ist proppevoll. Beim Einsteigen irgendwo in der Mitte des Zuges, ergatterte ich noch einen Platz direkt an der Tür. Mir war nicht ganz klar, ob es ein ziemlich klein geratener Zweisitzer sein sollte oder ein breit geratener Einzelplatz, doch die schmale Frau, die schon dort saß, rückte sofort ganz an das Fenster und ließ mich neben sich sitzen.
Nun hocke ich auf der Kante und direkt vor mir ist das, was wie eine Drehscheibe aussieht. Der Bereich , in dem zwei Wagen durch beachtlichen seitlichen Faltenwurf miteinander verbunden sind und somit jede Kurve schaffen. Oder etwas technischer ausgedrückt: vor und wohl auch unter mir scheint sich das Drehgelenk des modernen Gelenktriebwagens zu befinden. Und das schabt, knirscht und rubbelt gewaltig. So gewaltig, dass der Po brummt. Und für das Gesäßbrummen möchte ich fast folgenden Vergleich heranziehen: ich glaube, so ist es, wenn man auf einer schleudernden Waschmaschine sitzt …

Ich habe noch ein bisschen Fahrzeit vor mir und meine Gedanken wandern zum Vorabend zurück. Ich war eingeladen, Gast einer musikalischen Lesung in der Alten Handelsbörse in Leipzig zu sein. Titel der Veranstaltung: „Oscar Wilde und William Shakespeare“, Veranstalter: Monarda Publishing House Ltd. (Ronny Krause), Ich hatte zugesagt, weil ich ein Wilde-Fan bin. Insgeheim war ich allerdings mit einer gewissen Skepsis dort hingegangen. Auf dem Programm stand „Der glückliche Prinz“, eines der Wilde-Märchen und ich habe dieses und die anderen Märchen im Original hervorragend von Stephen Fry vorgetragen gehört. Meine Messlatte lag dementsprechend hoch. Konnte eine deutsche Übersetzung und – vor allem – konnte ein deutscher Leser, ein deutscher Interpret, irgendeine deutsche Stimme mich zufriedenstellen?
Dieser Abend barg eine große Überraschung für mich, denn obwohl ich vorher gelesen hatte, dass der Vortragende ein Peter Fricke sei, habe ich überhaupt nicht geschaltet. Der Name ist nicht so selten, dass ich ihn automatisch mit jemand ganz Speziellem verbunden habe. Bis gestern.

Der ausliegender Flyer von "Monarda Publishing House" - Peter Fricke liest

Der ausliegende Flyer (und mit freundlicher Genehmigung) von „Monarda Publishing House“ – DER Peter Fricke liest

Beim Eintreffen in der Alten Handelsbörse befanden sich auf den Stühlen Flyer, auf denen ein Foto des Künstlers zu sehen war. DER Peter Fricke! Ich war völlig verblüfft! Vor vielen, vielen Jahren hatte ich ihn getroffen. Ich meine, es war am Flughafen, und irgendwo habe ich ein Autogramm von ihm mit einem fast identischen Foto. Identisch was die Haltung, den Gesichtsausdruck, das leicht angedeutete Lächeln, etc. angeht. Es hat halt ein paar völlig unwesentliche Fältchen mehr …
Ich war damals etwa 20 Jahre und mochte ihn als Schauspieler, aber auch und besonders aufgrund seiner Stimme. Er spielte viel Theater, aber selten in Hamburg. Er hatte zahlreiche Fernsehrollen. Ich habe aber nie viel Fernsehen geschaut, so dass ich seinen weiteren Weg leider nicht konsequent „begleitet“ habe. Hin und wieder horchte ich auf, wenn irgendwo im Hörfunk etwas von ihm gesendet wurde. Oder eine BBC-Dokumentation lief. Denn auch dort war er zu finden. Und dieser Peter Fricke sollte Oscar Wilde präsentieren! Vorfreude pur!
Die Lesung war klasse. Richtig, richtig gut! Peter Fricke hat mich völlig überzeugt. Allerdings hat mich die zu dem Oscar Wilde Text hin und wieder vom Band eingespielte Musik an manchen Stellen etwas irritiert.

Leipzig liest. Veranstaltung mit Peter Fricke am 17.03.2012  - Alter Handelsbörse - Oscar Wilde und William Shakespeare

LBM 2012 – Leipzig liest. Lesung mit Peter Fricke am 17.03.2012 in der Alten Handelsbörse. Veranstalter: Monarda Publishing House

Im zweiten Teil der Programms wurden Ausschnitte aus Shakespeares Werken vorgetragen, und dieser Teil der Lesung wurde hervorragend ergänzt durch das gemischte Vokalensemble Chordae Felicae, das zeitgenössische Lieder zum Besten gab. Einmalig schöne, perfekt aufeinander abgestimmte Stimmen, gelungenes Arrangement und dazwischen immer wieder die angenehme und ausdrucksstarke Stimme von Peter Fricke, der sich Shakespeares Worten annahm. Ich habe nachträglich irgendwo ein Zitat von Herr Fricke gelesen, das ich hier wiedergeben möchte:
„Wenn Gedanken allein aus der Sprache körperliche Kontur erhalten, wenn Charaktere sichtbar werden, ohne dass man sie sieht, ist die Kunst der Interpretation erreicht.“ (Peter Fricke)
Ich glaube, das war es. Es hat mir sehr viel Vergnügen bereitet und der Grund, dass ich jetzt in der Straßenbahn daran denken muss, ist der, dass ich ihn heute noch einmal sehen werde. Am Vorabend hatte Ronny Krause seinen Messebesuch für Sonntag  am Stand von Monarda Publishing House angekündigt.

Das Ziel Messegelände ist fast erreicht. Warum soll man eigentlich noch etwas über die Leipziger Messe berichten? Interessiert das jemanden? Außerdem ist sie doch längst vorbei!
Und wir wissen bereits, dass 2.070 Verlage aus 44 Ländern dort vertreten waren und dass sich mehr als 165.000 Besucher dort auf rund 69.000 m² tummelten (etwa Vorjahresniveau). Wir wissen, wer die Preise gewonnen hat, welche Neuerscheinungen besonders beachtet wurden, welche fast ignoriert. Warum jetzt also noch mehr zu diesem Thema?
1)
Es gab nicht nur die Messe, sondern zusätzlich luden 2.780 Autoren und andere Mitwirkende zu ca. 2.600 Veranstaltungen an rund 350 verschiedenen Orten in und um Leipzig ein, an denen gelesen, gelauscht, sich getroffen und genossen wurde. Letzteres ist die Vergangenheitsform von genießen, nicht von niesen. Es hieß auch Leipzig liest und nicht Leipzig niest. (Diesen Punkt  „Veranstaltungen“ erwähnte ich thematisch gerade schon)
2)
Es gab nicht nur die typischen  Messebesucher, sondern auch erwähnenswerte, recht exotische Wesen.
3)
Es gab bisher keine zufriedenstellende Information darüber, ob für die Leipziger Buchmesse eine Art Kleiderordnung existiert.
4)
Außerdem war ich dort. Und die Messe war gut. Warum soll ich mich komplett in Schweigen hüllen? Ich habe auch Fotos. Soll ich die ganz alleine angucken? Nicht? Na, also.
Mir scheint, wir haben  ausreichend Gründe gefunden …

Beim Eintreffen des Triebwagens der Linie 16 an deren Endstation, bot sich ein schönes Bild. Die Sonne hatte es geschafft durchzubrechen, die Besucher strömten den Hallen entgegen und im Herannahen glitzerte die Oberfläche des rechteckig angelegten, großen Wasserbeckens. Ein veritabler See breitet sich vor dem Besucher aus. Die gläsernen Hallen wirkten in dem hellen Licht ebenfalls leicht und luftig, was mich veranlasste, ein Weilchen stehenzubleiben, um alles zu genießen. Der Fotoapparat musste heraus. Während ich in dazu in die Hocke ging, um in der Tasche einiges umzupacken, schaute ich in dieser tiefen Haltung direkt über die Wasseroberfläche und entdeckte ein erstaunliches Phänomen. Menschen liefen durch das Wasser! Quer von links nach rechts!  Man konnte sie ab Hüfthöhe aus dem Wasser ragen sehen. Das konnte doch nicht sein …

Messegelände Leipzig (LBM 2012) : Der Weg durchs Wasser

Messegelände Leipzig (LBM 2012): Der Weg durchs Wasser …

Kleiner Junge (verdeckt) mit seinem Opa beim Boot fahren lassen - Am Ufer Teilnehmer des European Cosplay Gathering

Kleiner Junge (verdeckt) mit seinem Opa beim Boot fahren lassen – Am Ufer Teilnehmer des European Cosplay Gathering

Etwas näher offenbarte sich dann der kleine Trick. Ein tiefer gelegter Gang verbindet beide Uferseiten und teilt den See in zwei Hälften. Nur der leicht verlängerte Oberkörper einer Person war jeweils zu erkennen. Kaum hatte ich das geklärt, fielen mir junge Menschen auf, die anders gekleidet waren, als ich mir Buchmessenbesucher vorgestellt hatte. Sie waren sehr phantasievoll und höchst unkonventionell angezogen. Sie trugen farbenfrohe Verkleidungen und häufig Perücken, waren sorgfältig geschminkt, posierten, ließen sich fotografieren. Teilweise von Freunden, teilweise von völlig Fremden.

LBM 2012 - Verkleidetes Wesen vor mir auf dem Weg ...

LBM 2012 – Verkleidetes Wesen vor mir auf dem Weg …

LBM 2012 - Weitere "seltsame" Wesen

LBM 2012 – Weitere „seltsame“ Wesen …

Erst später lernte ich, dass sie sich hier bei der LBM 2012 erneut treffen, weil gleichzeitig der europaweite Wettbewerb „European Cosplay Gathering“ stattfindet, bei dem Verkleidungskünstler versuchen, sich für die nächste Runde auf der JapanExpo in Paris zu qualifizieren. Sie stellen Figuren aus Comics da, sind Manga-inspiriert, in diesem Jahr wohl zusätzlich auch von Musicals. Auf der LBM selbst ist natürlich auch das Thema Comics relativ umfangreich in einer Halle vertreten, der Bezug mit oder zu einer Buchmesse ist demnach gegeben. Sie bewegen sich überall inmitten der Menschenmassen und fallen einfach auf.
Interessant zu lesen, dass es ganz strenge Regularien hinsichtlich der Gestaltung der Kostüme gibt. Sie dürfen nicht anstößig sein (zu freizügig, thematisch, etc.), sie dürfen die Sicherheit nicht gefährden (Höchstbreite bei ausladenden Kostümen, damit man noch durch die Gänge kommt), es gibt Regeln bezüglich Accessoires, u. v. m.
Das alles wirkte auf mich ein, bevor ich überhaupt mit der Eintrittskarte durch die Kontrolle gekommen war und meinen eigentlichen ‚normalen’ Messerundgang starten konnte.

LBM 2012 - Leipzig - Diorama des neuen Messegeländes

LBM 2012 – Leipzig – Diorama des neuen Messegeländes in der Eingangshalle. Start des eigentlichen Messerundgangs.

LBM 2012 - Blick in die Eingangshalle

LBM 2012 – Blick in die Eingangshalle

Ich erwähnte, es gab bereits genügend Informationen für „Menschen vom Fach“. Natürlich bin auch ich wegen der Bücher, wegen Lesungen, wegen Besuchen auf Ständen und zwecks Treffen mit mir schon vom Internet bekannten Gesichtern gekommen. Ich habe mir einige Interviews angehört, habe anregende Gespräche geführt und noch weitaus mehr Unterhaltungen zugehört, habe interessante Neuveröffentlichungen entdeckt, und verfolgte Lesungen, die ich mir fest im Terminkalender notiert hatte. Jede Halle habe ich durchwandert, bin nach den Lesungen in Halle 5 häufig zur Halle 4, der internationalen Halle, zurückgekehrt. Einmal allein deshalb, weil es urgemütlich gewesen war, dem Gespräch (Interview) zweier völlig entspannter Österreicher zu lauschen. Entschleunigung pur. Kaffeehausatmosphäre. Küss die Hand, gnä’ Frau …
Ansonsten. Was ist mir aufgefallen?
Es gibt Besucher, die sichtlich gelangweilt durch die Gänge schlurfen. Es sind nicht viele, aber sie fallen auf. Die Frage ist, warum sie überhaupt zur Messe gehen, wenn es sie nicht interessiert. Vielleicht ist es auch nur ein immens kurzes Durchhaltevermögen. Eine reduzierte Aufmerksamkeitsspanne. Es gibt  natürlich das genaue Gegenteil. Menschen, mit roten Bäckchen von Stand zu Stand huschend, und beinahe jedes Buch vom Regal nehmend. Stundenlang voller Elan, als hätten sie im Rücken einen Schlüssel stecken, an dem von Zeit zu Zeit gedreht, mit dessen Hilfe sie hin und wieder neu aufgezogen werden, um fortan munter weiter zu schnurren. Das sind offen gestanden jedoch auch nicht viele.
Dann gibt es das Gros, das morgens recht vital antritt, aber im Laufe der Zeit Erschlaffungserscheinungen zeigt. Die ohne Schlüssel hinten. Schleichende Ermüdung. Ein ganz natürlicher Vorgang. Der Steinboden der Hallen, die immer abgestandenere Luft, das Kunstlicht, der Geräuschpegel – als das strengt kolossal an. Auch ich brauchte von Zeit zu Zeit Frischluft und ab und zu einen Stuhl zum Setzen. Die Cafeteria auf der Messe ist nicht gerade billig, deshalb denke ich insgeheim, ein Teil der Lesungen war nur deshalb gut besucht, weil es dort Stühle gab und die Leute einfach sitzen wollten. Viele sanken förmlich in sich zusammen, klappten die Ohren zu und pausierten. Oder – etwas unpassend: sie fingen an, sich zu unterhalten. Während der Lesung …

LBM 2012 - Wem es zu viel wird: Entspannungsliege steht parat ...

LBM 2012 – Wem es zu viel wird: Entspannungsliege steht parat …

Andere Veranstaltungen, die mehr Publikum verdient hätten, lagen an strategisch ungünstigen Orten. Am Rand, am Ende einer Halle mit wenig anziehenden Standflächen um sie herum.
Obwohl die Stände sich auf einer Messe vom Aufbau her gleichen, ist es sehr unterschiedlich, was der einzelne Standinhaber daraus macht. Welche Farbtupfer er hineinbringt, wie es ihm gelingt sich abzuheben. Was er noch hervorzaubern kann auf Anfrage. Ob er sein Unternehmen präsentieren kann, ob er sich präsentieren kann. Ob er überhaupt präsent ist! Es macht keinen guten Eindruck, wenn der Stand nur sporadisch besetzt ist oder der Anwesende nur versunken in irgendwelchen Unterlagen stöbert und von herannahenden Interessenten überhaupt nicht Notiz nimmt.
Vielleicht liegt auch alles nur daran, dass es der vierte und letzte lange Messetag ist. Die Energiereserven sind etwas erschöpft. Oder es ist der zu enge Kragen. Damit wären wir zum Thema Kleidung gelangt.
Gibt es hier eine Kleiderordnung?
Von meinen eigenen Messetätigkeiten weiß ich nur, dass ich als Standpersonal immer Kleidung bekam, die ich tragen musste, ob ich wollte oder nicht. Hier gibt es offizielles Personal auch, z. B. bei den Lesebühnen. Sie tragen tatsächlich einheitliche, seriöse und erkennbare Kleidung (Aha, Messepersonal!) Ansonsten wirkt es auf mich folgendermaßen:
Man gibt sich lässig-volksnah. Zumindest unter den alten Hasen der LBM. Viel Strick. Farblich durchaus wagemutig. Es wird konservativ-ordentlicher im Bereich Technik, ebenso in dem Bereich der Fernsehsender. Dort ist es aber zweigeteilt. Die, die damit rechnen müssen, ins Bild zu kommen, peppen sich auf, die, die hinter der Kamera sind, laufen im Pulli oder T-Shirt und löchrigen Jeans. Konservativ bedeutet aber noch lange nicht Anzug oder Kostüm. Ganz wenige lassen sich dazu hinreißen. Hose und andersfarbiges Sakko eventuell beim Herrn, auf jeden Fall ohne Schlips. Bluse statt Shirt bei der Dame, Kette oder Halstuch wird gern gezeigt.
Doch dann entdecke ich sie plötzlich doch: die Anzugmenschen. Größtenteils an kleinen Ständen. Einzelkämpfer. Recht engagiert, zugänglich, gesprächsfreudig. Wie kommt das? Das gängige Klischee lautet doch, die Anzugträger sind die langweiligen, etwas arroganten, auf Distanz bedachten Vertreter. Die feinen Schnösel. Die, die die Nase gern mal ein bisschen Richtung Himmel strecken. Alles Unsinn! Hier fallen sie durchweg positiv auf.
Bei den ersten zwei Ständen entnehme ich der laufenden Konversation, dass die Herrschaften das erste Mal auf der Messe vertreten sind. Es fehlten also Vergleichsmöglichkeiten, es mangelte an Erfahrung, was die anderen so tragen. Leipziger Buchmesse klingt groß. Klingt wichtig. Als Neuling verspricht man sich besonders viel von einem eigenen Standauftritt, möchte Eindruck hinterlassen, möchte seriös wirken – der Anzug muss mit.
An den nächsten drei Ständen dieser Art hat es mich gepackt. Ich möchte wissen, ob es auch neueinsteigende Anzugträger bzw. Kostümdamen sind. Ich mag nur nicht so direkt fragen. Also geht mein Interview mehr in die Richtung: „Sagen Sie, wo standen Sie denn letztes Jahr?“ – „Wir sind neu hier auf der Messe …“ – Bingo!
Oder: „Kann es sein, dass ich Sie schon einmal in Halle 4 gesehen habe?“ – „Nein, wir sind das erste Mal hier.“ „Ach, tatsächlich …?“ – Bingo!
Es gibt also eine und doch keine Kleiderordnung. Jeder kann, wie er will, aber manche können nicht wollen, weil sie meinen zu müssen. Oder sie wollen können, müssen aber nicht.
Wie kamen wir darauf? Stimmt, zu enger Kragen und erschöpft sein.
Wer nicht erschöpft ist, sind diejenigen, die auf der Messe sammeln gehen. Mit Riesentüten (auch auf der Messe ergattert) stauben sie Gratisartikel ab, teilweise dreist gleich mehrfach. Als ich am Ende die Messe verließ, wollte mir einer etwas von seiner Beute verkaufen. Nein, sehr freundlich, ich brauche nichts … Ich vermute, dass auch der Herr, der am Stand von Monarda Publishing House gleich ungefähr zehn Autogramme von Herrn Fricke wollte, daheim einen regen Verkauf oder Handel damit betreibt.
Peter Fricke. Um 14.00 Uhr war es soweit. Ich hatte mich mit Christian Scheinhardt am Stand verabredet. Er war auch auf der Veranstaltung vom Vorabend gewesen, und wir haben beide vor, die Gelegenheit zu nutzen, um Herrn Fricke  mitzuteilen, wie gut es uns gefallen hat. Aus diesem kurzen Statement wird eine längere Unterhaltung, bei der es um Sprache, das Übersetzen und Interpretieren geht, um Luftholen bzw. die unterschiedliche Atemtechnik, die Probleme mit sich bringen kann. Englisch und Deutsch gleichen sich in dieser Hinsicht noch, aber Deutsch und Französisch … Mon Dieu! Es entpuppt sich, dass Peter Fricke nicht nur ein hervorragender Vortragender/Schauspieler/Künstler/Synchronsprecher/Preisträger,  etc. ist, sondern zudem ein höchst angenehmer und freundlicher Mensch und Gesprächspartner. Es war mir ein enormes Vergnügen, ihn quasi wiederzusehen (nach Jahrzehnten) und diesmal etwas mehr von ihm wahrzunehmen.

LBM 2012 - 18..03.2012 - Mit Peter Fricke am Stand von Monarda Publishing House (Foto ebenfalls von Monarda)

Mit Peter Fricke am Stand von Monarda Publishing House (Foto mit freundlicher Genehmigung von Monarda Publishing)

LBM 2012 - Peter Fricke am Stand von Monarda Publishing House mit Christian Scheinhardt

LBM 2012 – Peter Fricke am Stand von Monarda Publishing House mit Christian Scheinhardt

Der Restnachmittag verging wie im Flug. Am Morgen hatte ich u. a. schon eine Lesung von Paul-Henri Campbell (las aus „Space Race“) besucht.

Paul-Henri Campbell - Space Race

Paul-Henri Campbell liest aus seinem Buch „Space Race“ – LBM 18.03.2012

Dazwischen Darbietungen mir vorher nicht persönlich bekannter Autoren. Zum Abschluss hörte ich  Christian Scheinhardt, der aus seinem starken Debüt-Roman „Lea geht“ vortrug. Stark? Aber wie! Ich kann es beurteilen, denn ich habe ihn schon ganz gelesen!

LBM 2012 - Christian Scheinhardt liest aus seinem Roman "Lea geht" - 18.03.2012 -16.30h

LBM 2012 – Christian Scheinhardt liest aus seinem Roman „Lea geht“ – 18.03.2012

Der Tag war um, und die Messe fast vorbei. Nun noch zurück in die Stadt. Der Rückweg ging schneller als gedacht, denn es fuhr direkt vor der Halle ein Bus mit Ziel Hauptbahnhof ab, der unzählige müde Messebesucher in kürzester Zeit an Ort und Stelle brachte.
Ein rundherum schöner Tag, höchst interessant und kurzweilig. Die schmerzenden, müden Füße werden klaglos hingenommen. Sie waren es definitiv wert.

LBM 2012 -  Originelle Sitzmöbel und ein vertieftes Publikum aller Altersklassen

LBM 2012 – Originelle Sitzmöbel und ein vertieftes Publikum aller Altersklassen

LBM 2012 - Auch ein Wesen auf dieser Buchmesse - (Wildholzgegenstände unterschiedlicher Art)

LBM 2012 – Auch ein Wesen auf dieser Buchmesse … (Wildholzgegenstände unterschiedlicher Art)

LBM 2012 - Messegelände Leipzig -  Übertragungswagen

LBM 2012 – Messegelände Leipzig – Ohne sie geht es nicht: Übertragungswagen

Bis zum nächsten Tag hatte ich mich gut erholt und erkundete weiter die Stadt. In Teil 5 des Leipziger Allerleis befasse ich mich daher wieder mehr mit Leipzigs City und freue mich, wenn Sie wieder dabei sind bzw. wenn ihr wieder im Blog vorbeischaut!

©März 2012 by Michèle Legrand

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  1. #1 von menschentalent am 26/03/2012 - 08:18

    Vielen Dank für diesen ausführlichen Bericht von der schönen Leipziger Buchmesse. Ich habe mich an meine Besuche in den letzten beiden Jahren erinnert gefühlt. Dieses Jahr hab ich es leider nicht dorthin geschafft. Bin aber motiviert, es im nächsten Jahr wieder zu packen…

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    • #2 von ladyfromhamburg am 26/03/2012 - 15:25

      Vielen Dank für deinen Kommentar! 14.-17.03.2013. Der nächste Termin (LBM 2013) steht ja schon ;) Falls es bei dir etwas wird, falls ich wieder hinfahre – vielleicht ergibt sich dann die Möglichkeit, sich einmal persönlich Hallo zu sagen. Es würde mich freuen!

      LG Michèle

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  2. #3 von lesestoff am 12/03/2015 - 14:06

    Danke für die lebhafte Erzählung. Ich fahre am Sonntag auch auf die aktuelle Buchmesse in Leipzig und fühle mich jetzt schon gut vorbereitet. :)

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    • #4 von ladyfromhamburg am 13/03/2015 - 18:28

      Ich danke für den Blogbesuch und die Teilnahme am Einführungskurs „Buchmesse“. Nun kann der eigene Besuch gefahrlos erfolgen … :-)
      Nein, nein, der wäre auch so ein gelungenes Erlebnis, aber nichtsdestotrotz konnte der Einblick nicht schaden. Ich wünsche viel Vergnügen auf der aktuellen Buchmesse und interessante Gespräche, Lesungen und Entdeckungen! Wird eventuell darüber im Blog etwas zu finden sein? Ich glaube, ich merke mir den Lese(r)stoff lieber einmal vor …

      LG Michèle

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