Bring eine Keule mit! Und geh nicht wieder fremd …!

Ausgelöst hat folgenden Artikel ein kurzes Telefonat mit meiner Mutter gestern früh. Als es klingelte, nahm ich ab und ihre Stimme vermeldete:
„Ich bin’s. Kannst du eine Keule mitbringen?“
Was sie letztendlich wollte, war ein Hähnchenbein als Mittagessen.  (Sie ist im Moment nach einer Fuß-Operation ans Haus gefesselt)

Ich bin ein Mensch, der von der Sprachvielfalt und auch dem Wortreichtum unserer deutschen Sprache sehr angetan ist und gern möglichst viel davon verwendet, um genauer differenzieren zu können. Trotz dieser enormen Auswahl an zur Verfügung stehenden Worten, haben wir ebenfalls reichlich mehrdeutige Begriffe! Wenn ein solcher auftaucht, erscheinen vor meinem inneren Auge sofort die verschiedenen Varianten.
Ich sah mich während des Telefonats kurzzeitig im Höhlenmenschen-Look mit einer großen Keule bewaffnet bei meiner Mutter läuten. Bis mir einfiel, dass Höhlen damals wohl keine Klingel hatten! Letztendlich holte mich diese Feinheit wieder auf den Teppich zurück.
Wer mir auf Facebook folgt, hat gestern Abend bereits eine lebhafte Unterhaltung aufgrund des kurzen Keulen-Statements erlebt oder war selbst beteiligt.
Die Keule ist ein Teekesselchen. ‚Teekesselchen suchen‘ war – vielleicht ist es das heute immer noch – ein beliebtes Spiel in meiner Kindheit. Dabei geht es um das Finden und Erraten von Begriffen, die zwei oder noch mehr Bedeutungen haben.
Ganz nett. Im Krankenhaus sagte mal eine Krankenschwester zu einem beinamputierten Herren:
„Sie haben Anspruch auf den elektrischen Stuhl.“
Oh, diese Mehrfachbedeutungen …
Für mich  interessanter sind nur noch Redewendungen. Sie standen und stehen für die Beschreibung einer Situation, eines Empfindens, können Beurteilung oder Kommentar und noch vieles mehr sein. Gerade sie geben Anlass für Missverständnisse und können gelegentlich ziemlich in die Irre leiten. Einmal durch schlichte Missinterpretation, aber hauptsächlich passiert dies, wenn sie aus dem Zusammenhang gerissen und für sich alleine genannt werden! Wenn auf einmal nicht mehr klar ist, ob der wortwörtliche Inhalt gemeint ist oder der Sinn der Redewendung.
Der Mensch möchte im Grunde einen ganz einfachen Satz mitteilen, erwischt nur unbewusst eine Redewendung! Er äußert diesen Satz , allerdings empfängt sein Gesprächspartner ihn als  Redewendung und nimmt sie und den Inhalt erstaunt zur Kenntnis. Der eine (Absender) nichtsahnend, der andere (Empfänger) geplättet …

Soso, Teekesselchen und Redewendungen …
Zu abstrakt? Zu trocken?
Lieber ein Beispiel?
Situation: Ein Nachmittag an dem rege SMS geschickt oder Tweets gepostet werden
Zweck: Das harmlose Mitteilen von und Teilhaben lassen an Neuigkeiten. Ein netter, unbekümmerter Mann aus Hamburg, berichtet vom Besuch bei seiner neuen Freundin, und er meint genau das, was er schreibt:

SMS 1: Stehe unter Strom!
(Der junge Mann macht sich auf den Weg, durchquert den alten Elbtunnel)
SMS 2: Sie hat ziemlich nahe am Wasser gebaut …
(Er besucht die Villa seiner neuen Freundin direkt an der Elbe …)
SMS 3: Wir waren bei der Bank.
(Nix Individualkundencenter und Geld abheben, eher Herumlümmeln auf den edlen Holzlatten im Garten)
SMS 4: Ich stehe auf dem Schlauch
(Was liegt der auch in der Gegend herum)
SMS 5: Sie hat mir die kalte Schulter gezeigt.
(Es ist frisch geworden draußen im Spaghetti-Top)
SMS 6: Bleibe jetzt auf dem Teppich.
(Vom Garten nach drinnen gewechselt …)
SMS 7: Sie geht grad an die Decke.
(Freundin erklimmt in der Bibliothek die hohe Leiter, um einen antiken Band auf dem obersten Regal des Bücherbords zu holen)
SMS 8: Ihr Lack ist ab.
(Der von der Leiter selbstverständlich!)
SMS 9: Ich steig ihr aufs Dach.
(Bei dieser grandiosen Sonnenterrasse!)
SMS 10: Sie hat einen Vogel!
(Er hat auf der Terrasse die Voliere mit dem Papagei entdeckt)
SMS 11: Es hat gewaltig gefunkt!
(Beim Anzünden ihres Gasherdes …)
SMS 12: Habe gerade ein bisschen an der Brust geknabbert
(Es gab Wachteltäubchen zu seinen Ehren)
SMS 13: Habe ihre gerade reinen Wein eingeschenkt.
(Gute Qualität hat der Tropfen …)
SMS 14: Ließ mich von Sharon verführen
(Er bezieht sich lediglich auf die appetitliche Kaki-Frucht, die es zum Nachtisch gab)
SMS 15: Bin grad fremdgegangen.
(Er brauchte doch noch Geld für weitere Unternehmungen. Leider gab es keinen Bankautomaten der eigenen Bank in der Nähe …)
SMS 16: Morgen fahre ich mit ihr nach Russland.
(Ausflug in die Nähe von Eckernförde in Schleswig-Holstein)
SMS 17: Es ist aus, bin ihr an den Karren gefahren.
(Beule im Porsche sorgt für Beziehungsende)
SMS 18: Sie hat mir eben ihren letzten Willen mitgeteilt.
(Geh endlich!)

Etwas weniger abstrakt jetzt? ;)
Dann war es das für heute.
„Bin am Ende“
(der Seite)

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