„Ihre Tüte lebt!“

Karstadt - Ihre Tüte lebt!Es gibt Vorkommnisse, die in einem kurz vor Weihnachten kurzzeitig die Sorge aufsteigen lassen, ob man denn dieses Fest überhaupt erlebt!
Wieso?
Akuter Herzkasper durch Schreck …!
Erlebt heute am späten Nachmittag. (Inzwischen wieder völlig genesen und guter Dinge)

Der Supermarkt bei Karstadt.  An der Kasse ein Stück vor mir räumt eine Dame gerade die ersten, bereits erfassten Artikel in ihren Einkaufswagen, während der Rest ihres Einkaufs sich noch auf dem Laufband befindet und von der Kassiererin gescannt wird. Hinter ihr steht eine Dame, die lediglich eine Tüte aus dem Frischfleischbereich trägt und danach kann ich bereits damit beginnen, meine Lebensmittel auf das Förderband zu legen. Es befinden sich jetzt nur noch drei Teile der ersten Kundin auf dem Band, u. a.  auch ein größeres Päckchen aus der Fischabteilung. Karstadt hat sich vor längerer Zeit angewöhnt, Frischfisch in einer Art Alufolie (innen kaschiert) einzuschweißen.
Das Band bewegt sich gerade wieder ein Stückchen vorwärts.
Auf einmal knistert und raschelt es.
Die Fischpackung zittert!
Das Geräusch wird lauter und lauter, in der Folie beginnt es zu boxen und zu schlagen, und urplötzlich macht das Päckchen einen mordsmäßigen Satz vom Laufband in Richtung offener Kasse!
Die Umstehenden erstarrten bereits bei den ersten Geräuschen, doch beim „Hupfer“ startet entsetztes Geschrei!
Die Kassiererin knallt aus Reflex und vor lauter Schreck ihre Kasse zu. Sie und auch die Kunden schauen entsetzt bis leicht angewidert und vor allem sehr ungläubig! Die Dame, der das Fischpaket gehört,  ist seltsam ruhig und reagiert überhaupt nicht. Die Fleischkäuferin zwischen ihr und mir weicht deutlich zurück.
Ich kann es einfach nicht glauben! Was ist das?
Der Fisch in der Packung muss noch leben! Oder?
Man sagt ja, dass auch Fische ohne Kopf weiterhin zucken oder dass Hühner ebenfalls noch kopflos durch die Gegend rennen, obwohl sie theoretisch schon tot sind (sein müssten).  Daran mag ich gar nicht denken.
Vielleicht ist er auch nicht richtig getroffen worden und lebt wirklich noch! Wie ein im Sarg aufgebahrter, der wieder zu Bewusstsein gelangt und nun von innen an den Sargdeckel hämmert.
Lasst mich raus!
Fürchterlich!
Oder ist das jetzt unter Umständen eine neue Methode, frischen Fisch nach Hause zu holen? Der Karpfen, der der Frische wegen, noch bis Weihnachten leben soll und statt per Glaskugel oder mittels einer wassergefüllten Plastiktüte, wie sie Zoohändler für Aquariumszierfische verwenden, für den Kunden einfach mit Wasser in der Folie eingeschweißt und so transportiert wird?
Wer weiß, wer weiß …

Auf jeden Fall kann die Tüte dort nicht bleiben, und sollte der Fisch noch leben, muss er da raus! Die stille Kundin und Käuferin des Fisches stellt jedoch gerade völlig ruhig fest:
„Ich fasse die Tüte nicht an!“
Ein Herr aus der Nachbarschlange kommt zur Hilfe. So richtig wohl ist ihm allerdings auch nicht dabei. Er nimmt das Päckchen mit spitzen Fingern links und rechts an den äußersten Zipfeln und hievt es zurück in den Einkaufswagen.
„So, nun fahren sie den mal zurück zur Fischabteilung“, erklärt er. „Der braucht noch einen Schlag auf den Kopf.“
Etwas drastisch gesagt, aber wahr.
Nur, dabei vergeht einem doch der Appetit!
Seine Idee, zurück zum Fischmann zu fahren, ist allerdings nicht verkehrt und wird auch tatsächlich von der Dame akzeptiert. Sie macht sich mit dem Einkaufswagen auf den Weg. Der Abstand zwischen ihr und der Schiebestange ihres Wagens ist merklich größer als sonst üblich.
Bei den Karstadt-Kunden ist das Thema noch nicht durch. Es startet eine lebhafte Diskussion über mehrere Schlangen hinweg. Ich bekomme Gesprächsfetzen mit:
„Unmöglich.“
„Hab’ dich nicht so!“
„Ich esse nie wieder Fisch!“
„Tierquälerei!“
„Mir ist schlecht …“
„Na ja,  bei uns gibt es Pute!“
etc.
Die Kassiererin hat sich gefasst. Jetzt legt die Kundin vor mir ihr Fleischpäckchen aufs Band. Sie erhält dafür von der Karstadt-Angestellten einen recht misstrauischen Blick.
Daraufhin kommt von dieser Kundin die folgende Bemerkung:
„Also mein Filet ist definitiv tot …!“
Es schien alle zu beruhigen, einige waren auch erst jetzt wieder zu einem Lächeln fähig.

Ich glaube, so manch einer kauft – zumindest die nächsten Male – seinen Fisch woanders.

©Dezember 2011 by Michèle Legrand

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  1. #1 von Heinz am 09/01/2012 - 16:21

    Vorbildlich, dass hier haeufig geschrieben wird.

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