30 Bohnen

„Also wenn ich ein neues Handy brauche, dann nehme ich eines mit Kamera, mit einer guten Kamera!“
So sprach sie schon vor einiger Zeit.
Ich lasse es frei, um wen es sich handelt, sage nur um eine mir liebe Dame im Rentenalter, die bisher noch ihr allererstes Handy hat (seit vielen Jahren) und sich mehr und mehr über diese Krücke ärgert. Es stirbt ihr konsequent unterwegs weg, richtig sehen kann sie auch nichts. Der Akku wurde vor zwei Jahren schon ausgetauscht, das Display ist nicht gerade sehr kontrastreich, doch daran lässt sich nichts verbessern, die Einstellung ist bereits ‚optimal’. Auch die Tasten sind mittlerweile etwas abgenaddelt. Sie sagt jedoch:
„Das ist kein Ding, denn ich weiß ja so, wo was ist!“
Kürzlich brachte sie der Akku allerdings fürchterlich in Rage. Ihr werter Gatte hatte vergeblich versucht, sie zu erreichen und behauptete etwas mufflig:
„Du hast wohl mal wieder dein Handy ausgemacht.“
„Habe ich nicht! Der Akku ist ja schon am Röcheln, kaum dass ich zur Haustür hinaus trete! Da kannst du ja überhaupt nicht mehr mit losgehen!“
Nur – weitere Ersatzakkus für dieses Modell gibt es mittlerweile nicht mehr. Der nette Sven im Shop schüttelte lediglich betrübt sein Haupt und stellte fest:
„Für diese (Uralt-)Modelle gibt es das leider nicht mehr.“ Seine Lippen waren bei dieser Aussage bewundernswerterweise nur minimal gekräuselt.
Es reifte der Entschluss: ein neues Handy wäre doch zweckmäßig und muss langsam her.
So startete die Zeit der Fragen, des Erkundens, des Löcherns. Wie ist das denn: Welches Handy hat überhaupt eine vernünftige Kamera? Und wann ist eine Kamera vernünftig? Wie viele Pixel sind erforderlich? Gibt es das bei einem einfachen Mobiltelefon oder muss man ein Smartphone nehmen? Wohlgemerkt – kleiner Haken bei der Geschichte –  sie will alles andere, was ein Smartphone kann, überhaupt nicht! Bitte auch kein Internet!
Sie hat auch keinen Computer, woraus sich die Frage ergibt: Wie komme ich dann an die Bilder? Wie kriege ich sie vom Handy, wie übermittle ich Daten, wie erhalte ich Abzüge?
Wir diskutieren alles hinlänglich, begeben uns zusammen auch in den ein oder anderen Laden. Es bedarf natürlich einer intensiven Sichtung der Modelle, wie sie so in der Hand liegen … Macht ja jeder.
Die, die ‚irgendwie schön’ sind, habe eine miese Kamera. Die, die gut fotografieren können, sind Smartphones und auch entsprechend teuer. Unnütz teuer, weil sie es ja nicht wirklich braucht.
„Warum möchtest du denn überhaupt so unbedingt eine gute Kamera dabei haben? Dein Fotoapparat (digital) macht doch super Bilder?“
„Mir ist das zu viel Gedöns in der Handtasche. Wenn ich unterwegs bin, möchte ich knipsen können, wenn mir etwas ins Auge fällt, ohne die große Kiste mitnehmen zu müssen.“
Ihre Kiste ist nicht gerade groß, aber ansonsten hört es sich ganz logisch an.
Der Besuch der Shops verläuft vorerst ergebnislos, doch das Thema gärt weiter vor sich hin. Vor drei Tagen ein weiterer Anruf. Codewort: Handy.
„Sag mal, wie ist das eigentlich mit dem Restguthaben auf dem Handy?“ Es ist eines mit Prepaid-Karte. „Ist das dann weg?“
„Nein, weg nicht.“
Ich versuche herauszufinden, ob sie – wenn – vorhat, beim gleichen Anbieter zu bleiben. Sie weiß es noch nicht genau.
„Kann ich das nicht umbuchen?“
„Du selbst? Das geht garantiert nicht.“ Ich rate ihr, bei der Service-Hotline anzurufen oder im Shop zu fragen.
„Ach nö.“
Ich frage, ob sie die alte SIM-Karte später weiterverwenden wird.
„Mal sehen …“
„Entweder du bleibst beim bisherigen Anbieter/Netz  und bekommst es höchstwahrscheinlich übertragen, oder du wechselst, hast unter Umständen eine neue SIM-Karte und kannst dann das Guthaben mit dem alten Gerät einfach noch abtelefonieren, bis es aufgebraucht ist. Es ist ja in dem Fall weiterhin voll funktionstüchtig.“
„ … Ach ja. Stimmt.“
Sie legt recht abrupt auf. Unsere Wege trennen sich vorerst.

Heute nun, bekomme ich am Nachmittag eine SMS von einer mir unbekannten Nummer. Der Inhalt:
„Habe jetzt eine 2. Nummer 01xx/56xxxxxx.“
Schön, denke ich. Von wem ist denn jetzt diese Nachricht? Ich vergleiche ein paar Nummern, weil sie mir ähnlich vorkommen, doch entscheide mich fürs Sichergehen und frage einfach nach. Meine Rück-SMS lautet:
„Wer ist denn da? ;) #Zweite_Handynummer“
Die Antwort kommt nach fünf Minuten „XY“.
Also sie.
Nun weiß ich leider nicht so genau, welche Nummer ich zukünftig vorzugsweise nehmen soll und simse halt noch die Frage, ob sie eventuell zu Hause ist (zwecks weiterer Klärung).
„Ja, ruf mal an.“
Als sie abnimmt, erfahre ich mehr über ihr neues, jetzt doch recht plötzlich erstandenes Handy.
Nun, es war die Gelegenheit.
Gut, sie hat ein paar Abstriche gemacht …
Aber es war ein super Angebot! Sie hatte nämlich Bohnen gesammelt. Einige.
Und Tchibo bot für 30 Treuebohnen ein komplettes, neues Handy mit SIM-Karte und inklusive 5 €  Guthaben an!
Gekauft. Gebohnt. Mitgenommen.
Sie hat es ganz alleine zusammengebaut, und es ist inzwischen sogar freigeschaltet. Sie fummelt sich momentan konzentriert durchs Menü. Eben hatte ich einen Anruf, von dem sie behauptet, sie sei es nicht gewesen. Es zeigte aber die Nummer. Keiner meldete sich, als ich abnahm. Ich rief zurück, und sie informierte mich:
„Nein, ich war das nicht. Ich übe nur.“
„Aha.“
Was soll ich groß dazu sagen. Stattdessen frage ich neugierig:
„Hat denn dein Handy eigentlich eine Kamera. Eine gute?“
„Nö. Ich nehme eben doch den Fotoapparat mit.“

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