Hamburg: Eindrücke aus der City – Heute: drinnen!

Heute wende ich mich an meine verehrten Blogleser mit der Frage:
Hätten Sie eventuell Lust, ein Stück des Weges mitzukommen? Im Bereich City Hamburg?
Heute geht es um das Eindrücke sammeln in der Mönckebergstraße (Haupteinkaufsstraße) auf dem Weg zwischen Hauptbahnhof und Rathaus inkl. eines Minibesuchs im Rathaus selbst. Mit dabei? Dann los …

Eine Sache ist merkwürdig. Die eigene Stadt wird in puncto Erkunden immer vernachlässigt. Auf Reisen, im Urlaub, bei Stippvisiten aus welchem Grund auch immer  – überall versucht ein jeder, einen Blick auf die Sehenswürdigkeiten oder Charakteristika einer Stadt zu erhaschen. Nur in seiner eigenen kennt er sich nicht so gut aus, da klappt es irgendwie nicht.
Die Stadt ist ja noch länger da, das kann ich immer noch sehen.
Vielleicht ist dieser Gedanke der Hemmschuh, der Aktionsverzögerer. Meist erst dann, wenn Besuch von außerhalb sich ankündigt, wird überlegt, was den Gästen vielleicht gezeigt werden könnte – und auf diese Art und Weise kommt der Einheimische endlich auch einmal selbst in den Genuss des Sightseeings.
Irgendwann fand ich so einen Zustand nicht länger haltbar, und deshalb besuche ich, wenn ich in der Innenstadt von Hamburg zu tun habe und ein bisschen Restzeit übrigbleibt, gern ein paar spezielle Stellen (wahlweise):
a) die ich überhaupt noch nicht sah
b) die ich mag und einfach wieder einmal sehen möchte
c) die mir im Vorbeigehen an einem Tag auffielen, als keine Zeit für einen Stopp war
d) die mich gerade just in diesem Moment heftig anziehen.
Was soll ich denn machen, wenn ich gelegentlich harmlos auf dem Gehweg promeniere, sich die schwere Tür eines alten, großen Kontorhauses öffnet, jemand heraustritt und ich … hineinhusche? Diese Anziehung.
Passiert …
Oft sind es sowieso öffentliche Einrichtungen. In dem Fall jedoch, wenn nur Büros und noch nicht einmal Geschäfte im Gebäude sind, geht es üblicherweise ausschließlich über die Anmeldung per Klingel hinein. Bedauerlicherweise kenne dort aber keinen!
Ich schaue in diesem Fall immer sehr gelassen den Heraustretenden an, so dass er automatisch davon ausgeht, die (ich) muss hier hin. Ich lächle freundlich-harmlos  und stelle fest:
„Ach, das trifft sich ja gut …!“
Die Tür wird aufgehalten, und ich besänftige den Anflug von schlechtem Gewissen damit, dass es ja nicht gelogen war.
Das Risiko für solch eine Art von Hausfriedensbruch ist bei Sonnenschein geringer, denn dann gibt es draußen Verlockendes. Allerdings spielte vorgestern das Wetter leider gar nicht mit. Viele Orte sind grundsätzlich zwar auch bei Regen reizvoll, doch sobald Platzregen einsetzt, hört deren Charme auf einmal recht schnell auf.
Ich habe mich an diesem Tag auf die besagte Art in ein Haus in der Mönckebergstraße Höhe Gerhard-Hauptmann-Platz geschummelt.
Ich stelle nichts an, ich stehe nur auf die alten Treppenhäuser! Die riesig dimensionierten Treppenaufgänge, die oftmals noch alten und verschnörkelten Geländerstreben und deren Handläufe, die Zwischenpodeste, die es bei den Treppen gibt, weil die Geschosse so hoch sind, dass die Treppe (mitunter mehrmals) geteilt werden muss. Dazu kommen der Klang, der Hall, der Geruch, das Licht. Alles ist speziell.

Hamburg, Mönckeberstraße, modernisiertes Kontorhaus, Treppenhaus

Mönckebergstraße, das Treppenhaus eines modernisierten Kontorhauses

Ich war auch diesmal angenehm überrascht. Das Haus wurde zwar grundlegend modernisiert, so dass jetzt schlichtere Formen vorherrschen, doch die Großzügigkeit ist geblieben. Der blankgeputzte Lauf des Geländers glänzte wie Silber, und das Ersteigen der Stufen  wurde interessant durch viele Bilder, die zwischen den Geschossen aufgehängt waren.
Alte Ansichten von Hamburg, der Alster, den Arkaden, einem Alsterdampfer, berühmten Backsteinbauten. Wirklich schön gemacht. Wenn ich oben angelangt bin, schaue ich immer über das Geländer hinunter in die Tiefe. In diesen Häusern, ist wirklich noch jedes einzelne Stockwerk bis unten zu sehen und jedes Mal staune ich, wie viele Stufen beim Erklimmen zusammengekommen sind! Man merkt es nicht während des Erkundens.

Hamburg, Kontorhaus in der Mönckebergstraße, im Treppenhaus hängende Bilder, Alster-Arkaden

Im Treppenhaus hängt eine alte Ansicht der Alster-Arkaden

Diesmal tritt oben ein Herr aus einem der Büros. Er sieht mich über dem Geländer hängen.
„Fallen Sie nicht runter!“ Er schaut aber nicht sehr besorgt aus.
„Bin doch schon groß …“ beruhige ich ihn trotzdem.
„Kann ich Ihnen helfen? Wollen Sie zu Notar X?“, lautet nun die Frage.
Damit, dass Leute auftauchen, muss ich natürlich immer rechnen.
„Vielen Dank, aber ich bin schon fertig. Ich bewundere nur noch das Treppenhaus.“
Er guckt erstaunt.
Selbstverständlich gibt es dort auch einen Fahrstuhl. Der Herr drückt den Knopf, denn er möchte abwärts. Der Lift kommt, die Türen gleiten auf. Er wartet. Auf mich.
„Möchten Sie nicht mit?“, kommt es – leicht überrascht -, weil ich keinerlei Anstalten mache, mich vom Geländer zu entfernen.
„Oh, nein! Vielen Dank, sehr freundlich, aber ich nehme lieber die Treppen.“
„Zu Fuß? Die ganzen Stockwerke?“
„Sie haben hier sehr schöne Bilder an den Wänden.“
„Ich achte da gar nicht mehr so drauf. Na, denn …“
So ist es tatsächlich. Die Gewohnheit lässt das Besondere irgendwann blasser und blasser erscheinen. Wer weiß, wie lange er schon nicht mehr das Treppenhaus benutzt hat.

Rathaus Hamburg, Eingang über den Rathausplatz, Türwappen

Der Eingang zum Rathaus (Rathausdiele) über den Vorplatz

Als ich guter Dinge wieder vor die Tür trat, war es mit dem Regen allerdings keinen Deut besser. Oder doch, aus seiner Sicht. Es regnete intensiver. Es waren die Spaziergangsumstände für mich, die sich nicht verbessert hatten. Das sprach für einen schnellen nächsten Stopp. Im Rathaus – soweit man dort ohne offizielle Führung hinein darf. Ich war lange nicht in der Diele, der großen Säulenhalle. Zurzeit steht dort natürlich ein riesiger, geschmückter Weihnachtsbaum mit überdimensionalen Kugeln und Engelsfiguren.

Rathaus Hamburg, Diele (Säulenhalle)  mit geschmücktem Weihnachtsbaum

Die Diele (Säulenhalle) des Hamburger Rathauses mit geschmücktem Weihnachtsbaum

Schnell die seitlichen Treppen (rechts geht es zum Senatsflügel, links zur Bürgerschaft) erstiegen, um dort wieder Geländer und alte Lampen zu bewundern und um zu schauen, ob es die alte Fahrstuhltür immer noch gibt. Alles beim Alten. Die Tür ist nicht besonders hoch. Ein Herr, der hier offensichtlich arbeitet und den Lift gerade benutzen will, muss den Kopf einziehen beim Einsteigen.
Der Blick hinaus in den Innenhof zeigt, dass der Hygieia-Brunnen auch im Regen schön aussieht.

Rathaus Hamburg, der Hygieia-Brunnen im Innenhof

Hygieia-Brunnen im Innenhof des Hamburg Rathauses

Es wirkt so, als hätte der Niederschlag gerade etwas nachgelassen, deshalb entscheide ich mich, den Weg zurück Richtung Hauptbahnhof anzutreten.

Ich wusste es. Es gab noch ein Gebäude, das ich wieder einmal betreten wollte. Ebenfalls in der Haupteinkaufsstraße, der Mönckebergstraße, gelegen, befindet sich das Levante-Haus. Ein sehr schöner, großer alter Bau, der zwischen 1995 und 1997 von einem Kontorhaus mit Innenhöfen zu einer Passage mit Geschäften umgebaut wurde, und in dem nun auch das Hotel Park Hyatt beheimatet ist. Beim Levante-Haus wurde im Grunde nur noch die Fassade erhalten sowie das Dach rekonstruiert (beides unter Denkmalschutz). Ansonsten wurde entkernt, die Kellerdecke abgesenkt, um einen ebenerdigen Zugang zu schaffen, Geschosse wurden verändert und aufgestockt, an der Stelle der ehemaligen Innenhöfe ist jetzt die Einkaufspassage (verglast). Alte Originalelemente wurden jedoch an einigen Stellen wieder verwendet, so dass der ursprüngliche Stil wirklich noch zu fühlen, greifbar ist.

Levante-Haus, Eingang Mönckebergstraße, Zentaur-Skulptur von Barry Baldwin

Am Eingang zum Levante-Haus in der Mönckebergstraße wartet der Zentaur …

Bereits über dem Eingangsportal an der Straße empfängt einen eine Zentaurenfigur, ein Stück weiter folgt ein Durchgang, der von Elefantenköpfen ‚bewacht’ wird.

Elefanten-Skulptur über dem Durchgang ins Levante-Haus (Barry Baldwin)

Schon jetzt fällt auch hier der Blick auf einen Weihnachtsbaum. Er ist anders geschmückt als vor einem Jahr. Befindet man sich direkt an seinem Standort, fehlt an dieser Stelle die Decke zwischen Erdgeschoss und Obergeschoss und man kann hinaufschauen. Das Auge erblickt als Einfassung des Durchlasses einen Rundfries, der Tierfiguren darstellt. Affen, ein Elefant, ein Tintenfisch, Raubkatzen, verschiedene Vögel, vieles mehr. Es handelt sich um vom Aussterben bedrohte Tierarten, die der englische Künstler Barry Baldwin in zweijähriger Arbeit dort formte. Die Arbeit und das Arrangieren der einzelnen Figuren war so anstrengend für Hals und Nacken,  dass es ihm bis heute zu schaffen macht und er das Projekt daher in nicht besonders guter Erinnerung hat. Von ihm stammen auch die beiden zuvor erwähnten Figuren an den Eingängen.

Levante-Haus, Fries von Barry Baldwin, bedrohte Tierarten

Levante-Haus Hamburg, Fries von Barry Baldwin (Affen)

Levantehaus Hamburg, Fries von Barry Baldwin, bedrohte Tierarten (Tintenfisch)

Levante-Haus Hamburg, Fries von Barry Baldwin (Tintenfisch)

Des Weiteren gibt es im Haus Wandmalereien („Evolution der Menschheit“) und ganz oben im  7. OG ein künstlich beleuchtetes Bleiglasfenster – gestaltet von der deutschen Malerin Ada Isensee.  Alles wunderschöne Kunstwerke – und quasi vor der eigenen Haustür!
Als ich eine Aufnahme der von Baldwin geschaffenen Tiere machen wollte, stand ich hinter der Weihnachtstanne und arbeitete mich auf der Suche nach dem günstigsten Fotografierwinkel um sie herum vor. Von der anderen Seite hatte ein japanisches Pärchen genau die gleiche Idee. Irgendwann trafen wir aufeinander, hatten uns gegenseitig im Bild, stutzten, setzten ab und entschuldigten uns fürs gegenseitige Stören. Ganz automatisch übernahm ich die Verbeugungen, die die japanische Dame mir gegenüber machte. Als sie bemerkte, dass ich offenbar eine ganz harmlose Deutsche bin, lächelte sie etwas entspannter. Er fotografierte sie, sie fotografierte ihn und irgendwann fragte ich, ob sie nicht zusammen auf ein Foto möchten. Strahlende Gesichter, der Fotoapparat wurde mir anvertraut, eine Aufnahme – na, noch eine, falls die erste nichts wurde. Wieder folgten Verbeugungen und gute Wünsche. Unsere Fotosession war danach allgemein beendet und meine freie Zeit in der Stadt ebenfalls.
Ich machte mich auf den Heimweg und fand die kleinen Stopps inkl. Treppenhauserkundung wieder einmal sehr erbaulich.

Hamburg hat also interessante Treppenhäuser in seinen imposanten alten Kontorbauten, in denen oft sogar noch viele alte Elemente erhalten sind, es hat ein sehr schönes Rathaus, dessen richtig prachtvolle Säle man erst bei der Führung zu sehen bekommt und mehrere gut gelungene Um- und Ausbauten von Häusern (-> neue Passagen) jeglicher Art mitten in der City! Ein anderes Mal mehr davon.
Für heute ist der Gang beendet, vielleicht ist beim nächsten City-Besuch wieder jemand mit dabei – via Blog! ;)

Zum Abschluss noch einige  Zusatzfotos, Hinweise und Links für diejenigen, die mehr Information zu den genannten Bauten oder Künstlern möchten. Wikipedia hat einen umfangreicheren Eintrag sowohl über das Rathaus als auch über das Levante-Haus.
Mehr Information  über den Bildhauer Barry Baldwin findet sich hier:
http://www.baldwinsculptor.com/html/levantehaus.html
Ein Bild des Bleiglasfensters von Ada Isensee gibt es hier zu sehen:
http://tinyurl.com/6wmtfr5
Der Hygieia-Brunnen des Rathauses wird hier näher beschrieben:
http://www.hamburgwiki.de/wiki/Hygieia-Brunnen
Schöne Einblicke in die Rathausdiele werden hier gezeigt:
http://www.cekora-web.de/rathausdiele.htm

Rathaus Hamburg, Innenhof im Regen, Blick auf die Renaissance-Fassade sowie Hygieia-Brunnen

Der Innenhof des Hamburger Rathauses im Regen. Blick auf die Renaissance-Fassade und auch hier der Hygieia-Brunnen mit im Bild.

Rathaus Hamburg, Diele, Aufgang zum Senatsflügel

In der Diele des Hamburger Rathauses. Der Aufgang zum Senatsflügel.

Rathaus Hamburg, Diele, Fahrstuhltür am Aufgang zur Bürgerschaft

Fahrstuhltür in der Diele des Hamburger Rathauses (am Aufgang zur Bürgerschaft)

Rathaus Hamburg, Treppenaufgang aus der Diele zur Bürgerschaft, Lampen

Rathaus Hamburg, der Aufgang aus der Diele zur Bürgerschaft mit schönen alten Leuchtern

Rathaus Hamburg, Diele, einer von zwei Wandbrunnen links und rechts des Eingangs

Rathaus Hamburg. einer von zwei Wandbrunnen in der Diele (links und rechts des Eingangs). Sie wurden 1897 in der Kunstgießerei Lauchhammer angefertigt. Zwischen 8 und 19 Uhr spenden sie Trinkwasser (nach Senatsrechnung kosten die Speier pro Jahr 3.388 Euro)

Advertisements

, , , , , , , , ,

  1. #1 von Anja -Veronika Hinz am 21/06/2015 - 15:57

    super !
    Vielen Dank
    Ganz toll geschrieben und sehr unterhaltsam !!!

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Herz & Verstand

Ein Gemeinschaftsprojekt aus dem Blog für den Blog - ein Mitmach-Projekt

Meine Art

Meine Werke, sowie die Ausstellungen an denen ich Teilnehme sind in diesen Blog zu sehen.

Gesellschaft, Politik, Schule, Reisen und mehr

ideas, thoughts, innovations, visions, fears ....

törichtes Weib --- das Leben geht weiter

PRIVATES Tagebuch /// Geschriebenes & Geknipseltes & mehr... so ein 365 Tage Dings von Follygirl

%d Bloggern gefällt das: