Es war einmal ein Kranz … jetzt ist er nicht mehr

Denken wir uns bitte eine große (tatsächlich existierende) Firma, die üblicherweise in der Adventszeit das Foyer des Hauses mit einem großen Weihnachtskranz dekoriert und diesen traditionell von ihren Lehrlingen schmücken und aufhängen lässt. Viele Jahre ist dies ein nettes Ritual, und alle erfreuen sich daran.
In diesem Jahr hängt kein Adventskranz dort.
Einsparung? Geldnot?
Nein …
Man erfährt, im vergangenen Jahr beschwerte sich eine einzelne Person über die Art, wie der Kranz dekoriert wurde. Er sei zu bunt, zu ‚türkisch’!
Der Kranz musste abgehängt werden, Überflüssiges wurde entfernt, er wurde erneut montiert. Nun schlichter, nicht so türkisch …
Angelegenheit erledigt?
Die Monate vergingen. Die Adventszeit stand erneut vor der Tür, nur in diesem Jahr weigerten sich die Lehrlinge, den Kranz zu schmücken. Die Firma wiederum weigerte sich daraufhin, überhaupt einen Kranz aufzuhängen!
Ende. Es war einmal ein Kranz …
Und nun bin ich etwas entgeistert und auch sauer.
– Sauer darüber, dass Geschmäcker nicht verschieden sein dürfen.
– Sauer darüber, bunt als türkisch zu bezeichnen, wenn dieses Wort in dem Fall so abwertend und negativ herüberkommt. Meine Mutter liebt es, ihren Weihnachtsbaum über und über zu behängen, in allen Farben, mit Kugeln, meterlangen Schmuckketten und Kerzen. Trotzdem würde wahrscheinlich keiner zu ihr sagen: Liebe Frau, hängen Sie mal etwas ab, Ihr Baum ist zu türkisch!“
– Sauer darüber, dass es reicht, dass eine einzige Person (fragwürdige) Kritik äußert und alle nichts Besseres zu tun haben, als dieser einen Stimme sofort Gehör zu schenken. Nicht nur Gehör schenken, sondern in meinen Augen völlig unangemessen reagieren und viele andere damit vor den Kopf stoßen.
– Sauer darüber, dass es selbst in diesem Jahr, als die Lehrlinge konsequenterweise ihren Verzicht mitteilen, nicht möglich ist, ein Gespräch zu führen, die alte – immer noch gärende Sache – zu klären und  vielleicht doch noch eine gütliche Lösung zu finden.
– Sauer darüber, dass nur bockig mit dem Fuß aufgetreten wird („Dann gibt es eben gar keinen Kranz!“)

Ist das nicht ein fürchterlicher Kindergarten? All das, weil EINEM der Kranz nicht so passte, wie er war. Weil EINER selbstgefällig, egoistisch und intolerant herummosert. Weil andere sofort, aber ohne nachzudenken, aktiv werden. Vielleicht, um einem Konflikt aus dem Weg zu gehen. Als kämen sie so darum herum. Nun haben sie halt einen anderen …
Schlimmer noch, wenn sie es taten, weil der EINE vermeintlich wichtiger war, als alle anderen.
Hierarchie. Stellung. Macht. Selbst beim Adventskranz muss es durchkommen.
Traurig. Wirklich traurig..

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  1. #1 von Susanne Peyronnet am 07/12/2011 - 10:16

    Liebe Michèle,
    das ist ein schönes Beispiel dafür, was übertriebene Rücksichtnahme für Folgen haben kann. Hier wäre einmal ein Anlass gewesen, sich gerade zu machen und Rückgrat zu zeigen. Diese Geschichte ist außerdem ein Lehrstück dafür, wie das Beseitigen eines Problems ein viel größeres gebiert. In sofern ist dieses Erlebnis ein Lehrstück. Hoffentlich eines, das seine Wirkung tut.
    Liebe Grüße,
    Susanne
    PS: Ich wollte diesen Kommentar bereits mobil absetzen, aber das funktioniert leider nicht. Bekomme die Rückmeldung „falsche E-Mail-Adresse“, was immer das heißen soll.

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    • #2 von ladyfromhamburg am 07/12/2011 - 11:57

      Liebe Susanne,
      ich danke dir für deinen Kommentar. Schön, dass du es via Web senden konntest. Keine Ahnung, warum mobil diese Kommentar für dich angezeigt wurde.
      Bezüglich Lehrstück sehe ich ein wenig schwarz – zumindest was den aktuellen Fall des Kranzes angeht. Vielleicht hat es auf zukünftige Dinge bezogen eine positive Wirkung. Diesen Vorsicht-da-hatten-wir-doch-schon-mal-so-was Effekt …

      LG Michèle

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