Selbst schuld, wenn man sich kaufen lässt …

Heute zur Abwechslung mal etwas ganz anderes: mir ist speiübel! Und ich habe es mir selbst zuzuschreiben, denn ich habe mich breitschlagen lassen, habe mich KAUFEN lassen! Jawohl.

Vor einigen Tagen riefen sie an. Vorweg: ich nehme nicht an Umfragen am Telefon teil. Wenn ich die anrufenden Firmen überhaupt nicht kenne, wenn die Mitarbeiter drauflosreden und mich mit (unsinnigen) Fragen behelligen wollen, wenn sie mir Persönliches aus dem Ärmel ziehen wollen – dann heißt die Antwort leider nein. Freundlich – wie ich nun grundsätzlich einmal veranlagt bin – sage ich noch dazu, sie möchten es bitte nicht persönlich nehmen. Ich weiß ja, dass sie nur ihren Job machen.

Noch aus früheren Zeiten  habe ich jedoch persönlichen Kontakt zu einer Marktforschungsfirma, die eine richtige Kartei führt und ganz gezielt Umfrageteilnehmer oder Testpersonen für bestimmte Zwecke auswählt. Ich kann jederzeit ablehnen, aber da es recht selten vorkommt und sie diese Aufgabe dann auch noch bezahlen, nehme ich es doch hin und wieder an. Oder wenn sie betteln, dass sie unbedingt noch jemanden für eine Gruppe brauchen, denn das ist für mich noch weitaus interessanter, als alleine vor dem Computer meine Angaben zu machen. Sie wollen über das Produkt Informationen, ich über das menschliche Verhalten. Das sage ich ihnen aber nicht … ;)
Ich hatte es mir also nett vorgestellt, als sie diesmal am Telefon wieder von mehreren Testpersonen sprachen. Tja, man soll eben doch keine Erwartungen haben, …

Also heute hätte ich mich für meine Zusage wieder einmal selbst versohlen können! Warum? Deshalb:
Ich bin eingeladen zu einer Verköstigung, wie es so schön heißt. Ich soll neu entwickelte, vegetarische Brotaufstriche testen. Es fiel der Begriff Pasten. Ich kenne solche Aufstriche, esse sie aber nur hin und wieder, weil ich mehr ein Frischkostfan bin und mir selber etwas anmixe.
Im Moment habe ich gerade freie Zeit am Vormittag, sage mein Kommen zu und beschließe seufzend, auf ein Frühstück daheim zu verzichten. Ich kann nicht so schnell hintereinander erneut essen. Tee zum Wachwerden sollte genügen.
Wir sind neun Personen, die eingeladen sind, doch es findet keine Diskussion statt. Stattdessen landen wir doch wieder alle vor dem PC, jeder einzeln.
Teller und Glas stehen bereits am Platz. Ausreichend Wasser ebenfalls. Es ist zum Neutralisieren zwischen den Proben gedacht. Fades, weißes Toastbrot (immerhin getoastet) wird gereicht, ein paar Erklärungen sind schnell gemacht, und dann werden die ersten Proben aufgetischt. Es ist wie in der Schule bei Klassenarbeiten. So, Kinder! Du bekommst Bogen A und du Bogen B. Das mir ja keiner abschreibt!  In diesem Fall erhält jeder die Testschälchen in einer anderen Reihenfolge. Ich schaue mir meine erste Portion mit dem schmackhaften Namen M75 an. Das ist definitiv keine Paste! Auch die anderen gucken überrascht.
Nun rückt das Team damit heraus. Wir seien doch an zwei Tagen eingeladen (gut, das wusste ich), und am ersten Tag gibt es Bruschetta-Produkte, am zweiten wiederum Pasten.
Bruschetta auf leeren Magen!
Ich bekomme als erstes die Sorte Tomate+Chili+Basilikum mit groben Stücken. Scharf. Dazu einen seitenlangen Fragebogen am Bildschirm. Ankreuzantworten hinsichtlich Geruch, Konsistenz, Farbe, Geschmack, Nachgeschmack. Textfelder für eigene Kommentare, die hier jeder sehr unterschiedlich vornimmt. Mein Nachbar schreibt immer nur ein Wort hinein. Ich denke mir, sie würden sich vielleicht mehr wünschen und versuche, das Produkt mit einem Satz zu ‚fassen’. Alles wiederholt sich – insgesamt fünf Mal.
Zu dem Typ Chili gesellen sich Typ Olive-intensiv, weitere Variationen mit Tomate,  verschiedenen Würzungen und mit Stückchen von klein bis groß. Bruschetta Nr. 5 ist u. a. mit Knoblauch.
Nach den fünf Proben ist mein Magen rebellisch, obwohl ich sonst gern mal ein Stück weiches, frisches oder geröstetes Brot mit (Tomaten-)Bruschetta esse. Wir bekommen noch einen zusätzlichen Fragebogen mit als Hausaufgabe und „dürfen“ morgen mit den Pasten fortfahren. Dann gibt es auch erst das Honorar. Kein Wunder …!  (Die kennen ihre Pappenheimer auch und zahlen vorsorglich nur nach vollendeter Arbeit)

Die ganze Zeit, während wir alle fleißig futterten, rochen, neutralisierten und Testbogen ausfüllten, war eine der Testpersonen nur am Schniefen und Husten. Es ist ja nobel zu kommen, aber irgendwo auch rücksichslos. In dem engen kleinen Raum kann sich keiner der geballten Ladung Bazillen entziehen, und für die Marktforschung ist die Beurteilung völlig wertlos. Mir kann keiner weismachen, dass jemand mit solch einer Erkältung noch irgendetwas schmeckt! Da hätte auch einer rein nach Lust und Laune seine Kreuze setzen können.
Ich packte nach dem Test meine Sachen zusammen, hatte übelsten Nachgeschmack von Chili, Olive, Extrempaprika, Zu-intensiv-Tomate, Majoran, Öl und Salz! Eines der Produkte war leider zudem fürchterlich versalzen.  Fünf TicTacs – die Box hatte ich zum Glück in der Handtasche dabei –  mussten dran glauben, halfen aber kaum, und so ging ich hinterher einen Cappuccino trinken. Leider schmeckte der danach auch nicht so wirklich.
Was mich dort aber erheiterte, war die Tatsache, dass die Köpfe von Menschen immer plötzlich hinter einer Sitzbank verschwanden.
Mitten zwischen den Stühlen und Bänken verlief eine Rolltreppe nach unten, die man als solche aber nicht bemerkte. Es wirkte wie Slapstick. Als würden die Personen hinter der Couch das Treppen hinuntersteigen nachahmen. Es fehlte nur ihr Wiederauftauchen.
Langsam aber sicher geriet die unsägliche Verköstigung in den Hintergrund, meine gute Laune bahnte sich wieder ihren Weg, und mein Magen gab sein Gegrummel auf. Zuhause habe ich mir Zwieback gegönnt, den ich sonst nur esse, wenn ich wirklich krank bin. Das will also schon etwas heißen!
Falls ich morgen noch lebe – und danach sieht es momentan glücklicherweise doch stark aus – werde ich zur Freude meines Magens vorher genüsslich frühstücken.
Des Weiteren werden lediglich Minitestportionen gegessen!
Ich werde versuchen, einen Platz nicht direkt neben der Bazillen verteilenden Testperson zu ergattern (falls diese morgen noch lebt),
und ich hoffe inständig, dass die Pasten nicht zu exotisch kreiert sind. Weitere kulinarische Höhepunkte lehnt mein Magen ab und empfindet es als Zumutung.
Ein Zwieback wird mich begleiten.

Und ganz egal, wie sich das morgen entwickelt und ausgeht – so schnell lasse ich mich nicht wieder kaufen!

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  1. #1 von Gabriele am 07/11/2011 - 20:55

    Liebe Michéle, nur von dem Geschriebenen habe ich Magendruck bekommen.Darauf einen Underberg! :( Herzlichen Gruß an Dich und Deinen Magen Gabriele/Zitronenjette20;)

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    • #2 von ladyfromhamburg am 07/11/2011 - 21:01

      Liebe Gabriele,
      ich schätze dein Mitgefühl sehr! ;) Es ist tatsächlich aber so, dass ich mir das eindeutig selbst eingebrockt habe und jetzt ‚frauhaft‘ dadurch muss. Ich versuche es mit der Tee- und Bauchtätschel-Methode und freue ich enorm, wenn nach morgen diese Verköstigungsarie ausgestanden ist. Da lobe ich mir doch meine eigene Essenswahl.
      Liebe Grüße zurück
      Michèle

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