Der Neue

Ich wollte mich schon länger von ihm trennen. Im Grunde, seit ich bemerkt hatte, dass er doch irgendwie einen Schaden hatte!
Nein, es ist nicht übereilt!! Ich habe es eine geraume Weile beobachtet und hingenommen. Zuerst dachte ich, vielleicht ließe sich alles noch retten – durch die Nutzung eines ‚Verhüterlis’ beispielsweise, nur – ehrlich gesagt – es hat doch alles keinen Zweck mehr!
Das geht so nicht weiter! Ich suche mir einen anderen …
Man sagt, im Herbst wären die Chancen geringer. Kann schon sein, doch versuchen kann ich es ja trotzdem, dachte ich – tapfer lächelnd.
Ich traf einen. Einen, der schon auf den ersten Blick ziemlich anziehend, vorzeigbar wirkte und gleichzeitig belastbarer schien. Es hatte ja keinen Sinn, dass ich mir einen ebenso dünnhäutigen Mimosentyp wie vorher erneut an Land zog. So einen, dem die Kälte zu schaffen macht…
Ich nahm ihn mir genauer vor und sann über seine (deutlich sichtbaren) Vorzüge nach:
Gut, dass er größer ist. Er muss auch größer sein. Ich mag große … Der Durchmesser ist sehr wichtig. Sonst rutscht alles nicht richtig rein.
Ich beschloss, es mit ihm zu versuchen, ihm eine Chance zu geben, griff nach ihm und habe ihn im Auto mit nach Hause genommen. Er war ordnungsgemäß angeschnallt auf dem Rücksitz. Vorne kommt mir so einer nicht hin, und in den Kofferraum passte er nicht. Gesagt hat er ja nichts. Nun, das kennt man. Wer von denen ist schon gesprächig?
Daheim zeigte ich ihm die Terrasse und wies ihm einen Platz zu. Bevor er die neue Stellung übernehmen konnte, musste ich allerdings seinen Vorgänger ausschalten. Zu diesem Zwecke holte ich einen schweren Hammer aus dem Keller und näherte mich danach seelenruhig von der Seite.
Zack! Ich weiß nicht, ob er etwas geahnt hat. Es ging alles sehr schnell. Ich hieb mehrfach auf ihn ein, kurz, hart und effektiv. Er knickte seitlich hilflos etwas weg und verlor ächzend hautfarbene Ovale, die krachend zu Boden fielen. Damit hatte ich gerechnet. Ich entsorgte alles sorgfältig und überaus schnell. Zuerst  in einem stabilen Zinkeimer, dann dessen Inhalt in der großen Mülltonne. Heute kommt die  Müllabfuhr. Damit wären alle Spuren beseitigt …

Ich hoffe, dass mein roter Fächerahorn das Umpflanzen aus dem alten, geplatzten, in den neuen, größeren Terrakotta-Pflanztopf gut überstanden hat. Nur ein Umwickeln mit Jute, ein ‚Verhüterli‘, hätte im Winter auch nicht richtig gehalten. Leider hatte die Pflanze von mir unbemerkt im Laufe des Jahres Wurzeln durch das Wasserabzugsloch und durch eine Fuge der Terrassenplatten hindurch ins Erdreich gebildet. Die musste ich kappen, um ihn in sein neues Heim zu setzen… Der Neue wird schon auf ihn aufpassen.

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  1. #1 von howlingwolf1953 am 31/10/2011 - 14:03

    Der „Neue“ wird schon aufpassen.. denn er hat das Schicksal des „Alten“ ja wohl mitbekommen.
    Er wird rot vor Anstrengung sein, freut sich aber doch auf manchmal zupackende Hände!

    Terracotta secunda wird Acer palmatum das beste Zuhause bieten, schädliche Umwelteinflüsse abpuffern und zur Gesundheit und drangvollem Wachstum beitragen.
    Er weiss aber, dass es keine absolute (Frost-)Sicherheit geben kann.
    Er will daher auf speziellen Füßchen stehen und durch reichlich alte Tonscherben, Blähton oder Lavagranulat am Bodensicher und gefühlvoll drainiert werden, mit nicht zu lehmhaltiger oder organischer wasserbindenden Erden, am liebsten mit grobkörnigen Sand (0/16) oder tuffhaltige Gesteinen gefüllt werden..
    Bei Dauerfrostlagen freut er sich über seinen Mantel aus Jute oder Luftpolsterfolie, wie überhaupt im Winter über einen Schutz vor starken Niederschlägen.

    Die raffiniert geschlitzen im Herbst leuchtend roten Blätter des buschartig gewachsenen Acer palmatum werden Terracotta secunda auf jeden Fall beflügeln…

    Er wird sein bestes geben!

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    • #2 von ladyfromhamburg am 31/10/2011 - 16:37

      Ich grüße dich @howlingwolf1953. Wieder viele Tipps, die du für mich bereitstellst. ;)
      Mein Terracotta secunda ist in Wirklichkeit auch nicht mehr der ’secunda“… Ich habe diesen rotblättrigen Acer palmatum dissectum seit vielen Jahren. Er hat alle Winter überstanden, doch die Töpfe sind alle 5-6 Jahre auszuwechseln. Meist aufgrund von Frostschäden, denn wir haben hier nasse Winter + Frost der hinzukommt, oft ohne schützenden Schnee (Ausnahme: die letzten beiden Jahre).
      Ein anderer Grund fürs Umsetzen war sein Wachstum. Er wollte halt gern eine Nummer größer ‚tragen‘. Die Tipps, die nun nennst, wende ich zum weitaus größten Teil an – sonst wäre er mir sicherlich schon erfroren. Er ist offenbar so zufrieden, dass er fast genau so gut/schnell/formschön weitergewachsen ist, wie ein frei stehendes Exemplar dieser Art (nur grünblättrig statt rotblättrig, welches ich ziemlich zur gleichen Zeit setzte. Ich habe wirklich nur Sorge, dass ihn jetzt die gekappte Wurzel im Winter empfindlicher machen könnte. Werde also wieder bei hartem Frost mit Jute einwickeln, mit Laub und Kokosmatte abdecken und noch dichter ans Haus heranziehen. Zum Glück ist es kein Immergrün! Hier kann immerhin keine Verdunstung über das Blatt erfolgen (wäre schade, wenn dann der Nachschub via Wurzel nicht klappt).
      Nochmals danke für deinen Kommentar und liebe Grüße
      M.

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      • #3 von howlingwolf1953 am 31/10/2011 - 17:06

        Ich hoffe ja nur, dass Dich meine Tipps nicht nerv. In meiner Familie gibt es mittlerweile de fragwürdigen Titel des „Erklär-Bären.
        Ich fühle mich halt durch Deine Geschichten angesprochen.
        Schwierig wird es für Wurzel wohl erst ab -5°C.
        Wenn Du die Krone im gleichen Maße kürzt, wie die Wurzeln, so dass die „wenigeren“ Wurzeln die verbleibenden Blätter entsprechend versorgen können, sollte es keine Probleme geben.
        Schnittstelle evtl mit Baumkitt verschmieren.
        Jetzt halt ich erst mal meinen Mnd!
        ;-)

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      • #4 von ladyfromhamburg am 31/10/2011 - 18:29

        Erklär-Bär…. :)) Scheint mir nicht sooo weit hergeholt. Klingt in meinen Ohren aber sympathisch. Ich bin nicht genervt, sondern sehe es mehr als Austausch unter Garten-/Naturfreunden. Geh einfach davon aus, dass bei mir zu Hause viel Gartenliteratur steht, die auch schon mehrfach gelesen wurde ;). Einige Jahre Praxis + Rübergucken nach England/Irland etc. kommen hinzu (auf Bücher, Berichte, Anlagen und Tipps bezogen, nichts so sehr auf alles selbst gesehen haben). Mach nur so weiter, du siehst ja, was du davon hast: ellenlange Antworten :-)

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