Es wird spannend: Tag der Entscheidung beim Model Contest „Quarrée Gesichter 2012“

Castingteilnehmer mit Mode von S. Oliver

„Du hast den Anruf nicht gehört!! Wo warst du denn?“
Bei meinem Rückruf werde ich mit Fragen begrüßt. Ich hatte gerade auf dem Display meines Handys den Hinweis auf einen Anruf in Abwesenheit bemerkt. Abwesenheit stimmt insofern nicht, als ich durchaus anwesend war, aber nichts hörte. Die Musik war einfach lauter gewesen und die Ablenkung durch das, was mir auf dem Catwalk und als Gesamtprogramm geboten wurde. Catwalk?
„Du hast was? Beim Model Contest zugeschaut …?“ Die Verblüffung ist nicht zu überhören.
Ja, gut, sie ist gerechtfertigt. Es stimmt. Ich kann mich beispielsweise einfach nicht zu DSDS überwinden. Zum Gucken, meine ich. Auch nicht mit Anschieben…
Ich denke, auch Germany’s Next Top Model kann gerne weiterhin am Donnerstag gesendet werden. An dem Tag habe ich nämlich abends Steptanz…
Aber ein Casting habe ich verfolgt! Es fand und findet sozusagen vor meiner eigenen Haustür statt. Was mich daran reizt?
Es ist die Art, wie dieser Contest veranstaltet wird (ab 22.10.2011 abends muss ich sagen wurde), und es sind zu einem nicht unerheblichen Teil auch die Reaktionen des Publikums. Alles wesentlich reizvoller als Dramen, Zickenkriege, Sprüche und Tränen im Fernsehen.
Wer in meinem Blog schon häufiger zu Besuch war, erhielt bereits dreimal einen kleinen Einblick. Ich stelle die Links zu zwei Artikeln und einem Boo (Audiobeitrag) weiter unten ein und fasse nur kurz das Wichtigste für die neu Hinzugekommenen zusammen.
Der Wettbewerb und das entsprechende Casting werden in Hamburg im Bezirk Wandsbek von einem sehr beliebten Einkaufszentrum, dem Quarrée, veranstaltet. Anfang des Jahres erfolgte ein Aufruf an vielleicht zukünftige Models, sich doch bei einem Fotoshooting an fünf Tagen im Februar einzufinden, denn man suche „Quarrée Gesichter 2012“. Am Ende des Model Contests würden ein weiblicher und ein männlicher Gewinner bekanntgegeben sowie ebenfalls ein Preisträger in der Kategorie XL-Model (ab Kleidergröße 42).
Dies war bereits der erste Punkt, der mir gefiel. Ich empfinde es als relativ eintönig, wenn von vorn herein ausschließlich superschlanke Mädels und sonst nichts zugelassen werden. Ich hätte sogar noch eine weitere Kategorie aufgenommen: Die Kategorie ‚reifes’ Model, vielleicht mit einem etwas besser klingenden Titel. Reif klingt wie verschrumpelter Pfirsich.
Die Jahreszahl 2012 hatte mich verwirrt zu diesem Zeitpunkt, da das ganze Jahr 2011 noch vor uns lag, doch durch ein sehr ausgefeiltes und zeitaufwendiges Auswahlverfahren mit einer Entscheidung erst im Oktober, entpuppten sich alle Zahlen als richtig.
Von ursprünglich über 900 Bewerbern, blieben nach einer ersten Sichtung noch etwa 300 übrig. Im Recall wiederum 130, die am 01. April ihren ersten großen Auftritt auf einem Catwalk im Quarrée hatten. Dem vorausgegangen war ein erstes Lauftraining, ein Workshop. Ich geriet damals zufällig ins Getümmel und nahm es zum Anlass, mich bei meinem freitäglichen Audiobeitrag, dem Boo, u. a mit diesem Event zu befassen. Ich gestehe, damals habe ich ein bisschen gelästert. Ich konnte mir noch nicht richtig vorstellen, dass im Endeffekt ein Model bzw. ein Gesicht gefunden wird, dem man auch in der Branche Beachtung schenken wird.
http://theladyfromhamburg.posterous.com/freitags-boo-so-siehts-aus-heute
Nach diesem ersten Catwalk wurde selbstverständlich weiter gesiebt, die Übriggebliebenen erhielten einen zusätzlichen Workshop als Belohnung. Am 06. und 07. Mai folgten neue Aktionen der Models mitten im Einkaufszentrum. Auftreten in Gruppen, kleine erdachte Choreografien, gemeinsame Fahrt mit Einkaufstüten auf der Rolltreppe, Gänsemarsch durch den Hauptgang mit Abbiegen beim Geflügel.
https://michelelegrand.wordpress.com/2011/05/08/wann-castings-fur-mich-anfangen-interessant-zu-werden%e2%80%a6/
Erneutes Filtern, eine weitere Auslese, ein Grüppchen, welches sich für einen wieder anders gearteten Workshop qualifizierte. Mitte Juni schlidderte ich mitten in die Living Dolls, die lebenden Schaufensterpuppen! Eine wirklich tolle und originelle Sache, die auch ein spezielles Können erfordert und einmal mehr hervorbringt, wer bei diesem Wettbewerb mit Vielseitigkeit glänzen kann.
https://michelelegrand.wordpress.com/2011/06/18/verscharfte-bedingungen-fur-nachwuchsmodels-%e2%80%a6/
Mein damals (für mich) sehr positiv aufgefallener männlicher Teilnehmer ist leider jetzt – kurz vor der Entscheidung – nicht mehr dabei.
Die Entscheidung, sie steht unmittelbar bevor. Am gestrigen Freitag, dem 21. Oktober, und auch heute am Sonnabend während des Tages finden jeweils drei Modenschauen mit den nun noch übrig gebliebenen, sehr hoffnungsvollen Kandidaten und Kandidatinnen statt. Die allererste dieser Shows gestern habe ich besucht – und dadurch, hier schließt sich der Kreis, hatte ich den Anruf überhört.
Ich kam etwas früher in der umgestalteten großen Halle an, entdeckte aufgebaute Stühle am Rand des Catwalks, die schon zu 2/3 belegt waren. Sollte ich mich auch setzen? Jetzt schon? Nein, ich erledigte noch ein paar Dinge und kehrte kurz vor Beginn zurück. Alle Plätze belegt. Es hat mich nicht gestört, denn im Sitzen sieht man von dort aus sowieso nur Füße und Beine. Auf einer Treppe, die zur Galerie hinauf- bzw.  von ihr herabführt, hatte sich eine Mutter mit drei kleinen Kindern auf halber Höhe auf die Stufen und ans Geländer gequetscht, um den Durchgang noch zu gewährleisten. Gute Idee. Ich nahm etwas höher auch dort Platz und war bald von noch mehr Kindern und ihren Müttern umringt. Die Kleinen neben mir waren Spanier. Junge und Mädchen.
Sie beobachten mich neugierig, als ich Fotoapparat und noch ein paar technische Dinge heraushole. Ich wiederum schaue mir das Publikum an. Noch etwas spärlich, was die Zahl der Stehenbleiber angeht, doch sobald die Musik ertönt, werden es mehr. Frauen sind eindeutig in der Mehrheit. Die, die so früh da waren und Sitzplätze ergatterten, scheinen zum großen Teil Angehörige der Teilnehmer/innen zu sein. Man merkt es etwas später beim Applaus. Bestimmte Personen klatschen nur für bestimmte Kandidaten. Etwas, das ich persönlich als daneben empfinde, denn es geht hier nicht darum, mit dem Applaus und seiner Lautstärke zu ermitteln, wer denn der Gewinner ist. Ich stelle fest:
Von den unvermittelt Stehenbleibenden klatschen Frauen mehr für die wenigen männlichen Models.
Frauen tuscheln miteinander und ihre Blicke sind kritisch prüfend.
Männer gucken leicht gelangweilt („Ach, ist das öde!“) und beachten ihre männlichen Geschlechtsgenossen im Wettbewerb mit eher geringem Interesse („Pfft! Der!).
Die Aufmerksamkeit der Männer hängt auch stark von der eingesetzten Musik ab. Je bassintensiver, je wacher der Blick.
Wie bekommt man eigentlich Männer mit zur Modenschau? Gar nicht, höre ich. Doch, ich glaube schon. Es wurden jedenfalls in dem Moment auf einmal auffällig mehr, als die  geheimnisvolle Ankündigung erfolgte, gleich würde etwas sehr Aufregendes passieren. Die Präsentation von Dessous-Mode der Marke Triumph! Also, bitte merken! Männer brauchen Bass, Spannung und Aussicht auf Haut …
Sie bremsten, diese männlichen Wesen. Hingen plötzlich am Geländer der Galerie und bekamen glitzernde Augen. Raffiniert eingefädelt ist es, denn die Models betreten die Bühne zuerst in lange, rote Bademäntel gewandet. Gespannte Erwartung. Der Mantel fällt. Aufkommender Beifall, vereinzelt Gejohle und Gepfeife. Eindeutig von den Herren. Ich hätte so gern mehr Hände gehabt, um Publikum und Catwalk gleichzeitig fotografieren zu können. Doch ich hätte ja nie alle fragen können, ob sie mit dem Posten der Fotos einverstanden sind. Hier ein großes Danke an das Quarrée-Team, welches mir offiziell die Erlaubnis erteilte, die Bilder ins Internet zu stellen und an den – wie ich finde – richtig gut/super versiert arbeitenden Tontechniker, mit dem ich hinterher noch einen kleinen Plausch hatte und der ebenfalls einverstanden ist, sein Foto im Internet zu sehen ;)
Neben mir die beiden Kinder passen gut auf. Sie mehr als er. Bei der Dessous-Präsentation zieht sich ihre Stirn sorgenvoll zusammen, und es kommt die Frage:
„Ist denen nicht kalt?“
Der kleine Spanier, der zwischendurch schon Spuren von Langeweile zeigte und mit einem Eis besänftigt wurde, vergisst weiter zu lecken und guckt. Wir schauen beide auf ein Model und bestätigen uns gegenseitig, dass sie wirklich „bonita“ (hübsch) ist. Ich erinnere ihn daran, sein Eis weiter zu lutschen – es fängt an zu tropfen. Eines der kleinen Mädchen weiter unten auf der Treppe entledigt sich ihres Pullovers. Ihre Mutter schimpft. Die Kleine mosert, dass „die da“ auf dem Catwalk schließlich auch nichts weiter anhaben.
Vorhin, als die Models mit Haartrocknern auf dem Catwalk performten (für Produkte der Firma Medimax), hörte ich den Kommentar einer anderen Lütten:
„Schießen die damit?“
Ja, es gibt Fragen über Fragen, die hier noch zu klären sind.
Zum Beispiel auch die, wer vielleicht gewinnen könnte. Die Moderatorin mutmaßt, dass wir als Zuschauer jeder sicher einen Favoriten hätten. Das sagt sie so einfach.
Übrig geblieben sind im Moment 28 Kandidaten. Fünf Vertreter bei den Herren, ebenso fünf bei den XL-Models. Macht als Differenz 18 junge Damen der Kategorie ‚Schlank’. Bei den  Herren und XL-Models habe ich durchaus meinen persönlichen Sieger, doch bei den Mädchen fällt die Entscheidung überaus schwer.
Ich stelle fest, dass ich bei einigen die Figur schön und das Gesicht apart finde. Dort aber Präsenz, Haltung und/oder Gang bemängele.
Einige können super laufen, haben tolle Haare, haben auf mich aber relativ wenig Ausstrahlung.
Zwei Kandidatinnen waren für mich erste Wahl, solange sie genügend Kleidung trugen. Im Bikini-Look wirken sie extrem hager und der Gang dadurch ein wenig eckig.
Zwei junge Damen sind schlichtweg die perfekten Models für einen Gruppenauftritt. Toll teamfähig, auch exzellenter Kontrast zu den anderen. Nur sobald sie den Catwalk alleine betreten, entsteht ein seltsames Gefühl von Leere.
Eines der Mädchen hat das bezaubernste Lächeln, das man sich vorstellen kann. Souverän, unaufdringlich, offen. Nicht aus der Ruhe zu bringen. Ihr traue ich es zu. Sie hat von der Größe her allerdings nicht unbedingt die typischen Modelmaße. Es fragt sich also, wie eine professionelle Jury sie bewertet.
Diese Jury wird aus fünf Personen bestehen, die mit der Branche und dem Metier zu tun haben und auf umfangreiche Erfahrungen zurückgreifen können.  Eine zusätzliche sechste Stimme hat das Publikum – per Online-Voting!
http://www.quarree.de/events/gesichter2012/

Bis heute Abend müssen die Teilnehmer noch bangen oder positiv ausgedrückt: sie dürfen hoffen. Ein letztes Mal treten sie bei einer Abendgala vor 2.500 geladenen Gästen auf. Nach einer letzten Beratung der Jury steht dann der Gewinner fest.
Ich wünsche allen viel Glück und denen, die heute Abend nicht siegreich sind, sei gesagt, dass man alles auch über Umwege erreichen kann. Dies ist nicht die einzige oder letzte Möglichkeit im Leben!

…“Was wolltest du denn eigentlich von mir?“, frage ich am Telefon.
„Du, das habe ich jetzt völlig vergessen!“

Die männlichen Kandidaten

Models werben für die Drogeriekette Budnikowsky

Man beachte bitte den steigenden Anteil der zuschauenden Männer. Man sammelt sich auf der Galerie... ;)

XL-Models präsentieren warme Kleidung

Die Rückkehr des Leoarden-Looks

Freizeitmode (Sportkleidung)

...es geht um Schmuck von Zero

Die Herren im Winteroutfit

XL-Models mit der Mode von C&A

Models präsentieren AUST

Es naht die Zeit der Laternenumzüge...

Mode von S. Oliver

Winteroutfit der Herren

Mein Fön schießt ...

... und weitere Spielchen mit dem Fön

Die Damen und Herren ausgestattet von Steffi-Moden

... posen und performen zur Musik

Noch züchtig verhüllt ...

Dessous-Mode von Triumph

...Dessous-Mode ist auch von hinten ansehnlich.

Einen Tusch und Extra-Applaus für den versierten Mann von der Tontechnik!

Finale - Gruppenbild mit der Moderatorin

Kleiner Nachtrag am 23.10.2011 zur Aktualisierung, denn nun stehen die Sieger dieses Contests fest:
Kategorie Damen: Anna-Marie
Kategorie Herren: Kevin
Kategorie XL-Models: Kim
Nachstehend als Link die vom Veranstalter selbst auf Facebook veröffentlichten Fotos der Gewinner:

http://www.facebook.com/photo.php?fbid=282711065082823&set=a.282711055082824.70313.164479016906029&type=1&theater

http://www.facebook.com/photo.php?fbid=282711078416155&set=a.282711055082824.70313.164479016906029&type=1&theater

http://www.facebook.com/photo.php?fbid=282711088416154&set=a.282711055082824.70313.164479016906029&type=1&theater

http://www.facebook.com/photo.php?fbid=282544251766171&set=a.190718887615375.42459.164479016906029&type=1&theater

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  1. #1 von Alexander Strauß am 25/10/2011 - 01:10

    Vielen Dank für die sehr gelungene komprimierte Formulierung und Schilderung der vergangenen neun Monate.

    Alexander Strauß

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    • #2 von ladyfromhamburg am 25/10/2011 - 10:24

      Ich freue mich über Ihren Kommentar, Herr Strauß. Inzwischen weiß ich, dass Sie für die Organisation, das Training der Models und vieles, vieles mehr zuständig waren. Nachträglich war es mir auch ein Vergnügen, ihre Videos dazu anzusehen! Ich hatte als Quarrée-Besucher nicht den Einblick in ihre Arbeit und die des Teams oder der Models, sondern konnte und wollte nur von der Warte des Publikums aus berichten.
      Nach allen Reaktionen, die ich mitbekam, fand die Veranstaltung sehr großen Anklang. Ich freue mich zu lesen, dass auch die feierliche Gala am Abend der Entscheidung ein großer Erfolg war und für die Zukunft an eine Fortsetzung dieses Model Contests gedacht wird. Mein Einwurf bezüglich des Aufnehmens einer Kategorie älteres/reifes Model war durchaus ernst gemeint. Wenn Sie nur einmal bedenken, wie hoch auch der Anteil älterer Besucher im EKZ ist, die dadurch allem zusätzlich viel mehr Beachtung schenken würden…

      Michèle Legrand

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