Schwedenhappen – Teil 1: Stockholm – Ankunft und eine Leiche …

Stockholm, Nationalmuseum, Blick über Hafen, Reisebusse

Blick vom Königspalast Richtung Nationalmuseum

Schweden. Nun ist die Zeit im Land der Elche schon wieder herum, und der Arlanda-Express, die schnelle Zugverbindung zwischen Stockholms im Norden gelegenen Flughafen Arlanda und der City von Schwedens Hauptstadt, bringt mich dieses Mal am frühen Morgen zum Heimflug.
Vor vier Tagen ging es ab Arlanda die 41km südwärts, um die Metropole zu entdecken, Wasser zu sehen, Schweden zu studieren, Eindrücke zu sammeln und vielleicht sogar, um mich ein wenig auf die Spurensuche zu machen und an die Fersen meines aus Schweden stammenden und lang verstorbenen Großvaters (mütterlicherseits) zu heften.
Wer den Blog am 26.08.2011 – gerade noch vor der Abreise gelesen hat – weiß, dass ihn ein Mysterium umgibt. Er hat alles darangesetzt, seine Geschichte zu verheimlichen. Mir geht es jetzt letztendlich hauptsächlich darum zu ergründen, ob Schweden oder die Schweden als Volk,  auch etwas so Vertrautes in mir auslösen, wie der Norden Frankreichs und die Franzosen es taten (aus dieser Region stammt ein weiterer Teil der Vorfahren, diesmal väterlicherseits).

Ach, was hatte ich für große Pläne bei der Abfahrt!
Den Laptop plus diverses Zubehör hatte ich eingepackt, denn das Hotel warb dick und fett damit, dass es WLAN bereitstellt. Nun, dann spräche sicher nichts dagegen, gleich jeden Tag – oder besser gesagt jeden Abend – ein bisschen über das am Tag Erlebte zu berichten.
Die Stammblogleser ein bisschen mit Fotos und kleinen Häppchen zu versorgen.
Selbst den Tag auf diese Weise zu verarbeiten und Revue passieren zu lassen.
Einfältig gedacht, meine Liebe! Wirklich nett geplant, Madame!
Pläne sind schon großartig … So nett konstruiert, im Kopf funktioniert es super, tadellos, sogar bis ins Detail – und vor Ort stellen Sie fest: Nichts wird so oft sabotiert wie Pläne! Das Wort sollte hier mit einem abfälligen „Pffft!“ gesprochen oder gedacht werden …
Es ging halt nicht so wie angenommen. Es hat jedoch für ein wenig Twitter  und Facebook-Chat am Abend gereicht, und das war sehr schön. Interessant auch diverse Fragen oder Anregungen, die von Twitter-Followern bzw. FB-Freunden kamen: Hast du schon… gesehen?Ist eigentlich … noch da? – Stimmt es, dass …?
Ein paar dieser Dinge habe ich aufgenommen und vor Ort geprüft. Darauf komme ich separat zurück. Um bis dahin nicht alles zu vergessen, habe ich versucht, mir wenigsten drei, vier Stichpunkte zu notieren und hoffe, dass die Bilder, die ich geknipst habe, mich zusätzlich wieder auf alles bringen, was ich erzählen wollte.

Storkyrkan direkt am Königspalast

Wer die nächsten Tage hier den Blog besucht, wird immer wieder einmal ein paar „Schwedenhappen“ finden. Teils in Form von Fotos (die merkwürdigerweise hier unschärfer erscheinen als im Original), teils als Vor-Ort-Bericht z. B. vom Vasa-Museum.
Ich warne Sie allerdings vor: ich schreibe grundsätzlich keine Reiseführer! Ich habe absolute keine Lust, Passagen von Wikipedia hier zu wiederholen!
Ich schaue nach anderen Dingen, und wer erpicht darauf ist, diese auch zu sehen oder sich mit gelegentlich durchaus auch auf den ersten Blick absurden Ideen und Gedankenspielen zu befassen, der ist hier goldrichtig.

Heute vorerst ein paar Fotos zur Einstimmung auf die Stadt, die man auch das Venedig des Nordens nennt. Immerhin ist Stockholm auf insgesamt 14 Inseln verteilt, durch 53 Brücken miteinander verbunden, und die Oberfläche der Stadt besteht zu 30 % aus Wasser.
Das dürfte an Zahlen zur Vorstellung reichen.
Stockholm, oder besser gesagt Schweden, ist bei uns auch ein Begriff in Verbindung mit Kriminalromanen. Wem sind nicht die Autoren Stieg Larsson oder auch Håkan Nesser bekannt (neben vielen anderen guten Schreibern)…
Mein persönlicher Freitags-Schweden-Krimi: Am Tag der Ankunft, lief ich eine Hafenmole entlang. Kleines Kopfsteinpflaster,  hin und wieder ein  halbhoher, runder, weißer Betonpfosten, der  meinen Weg blockierte. Ich umwanderte alle Hindernisse, schaute ansonsten gern auf das glitzernde und glucksende Wasser. So lange, bis ich abrupt stoppte …
Ich stand vor einer Leiche!

Schwedenkrimi: Tod an der Mole

Die Möwen, Zwergstrandläufer und einige Krähen hatten den leblos herumliegenden Körper an der Hafenmole auch schon entdeckt und rückten ihm langsam, Zentimeter für Zentimeter, dichter auf den Leib. Die späte Nachmittagssonne war immer noch heiß an diesem Tag. Sie brannte erbarmungslos auf das dunkel gekleidete Etwas nieder. Nach dem ersten Schrecken kommt die nüchterne Feststellung, dass einem Toten dies nun wirklich nichts mehr ausmacht …
Die Seevögel verharrten, wo sie zuletzt gestoppt hatten. Geier gibt es hier zum Glück nicht.
Mein Blick wanderte in Richtung Landseite. Welch ein nobler Ort zu sterben! Im Hintergrund der Strandvägen mit teuren Bauten und Bewohnern, die dementsprechend hohe Mieten zu zahlen haben. Wer hier wohnt, zählt nicht zu den Armen.

Stockholm, Djurgårdsbron Blick zur Stadt, Strandvägen mit Booten

Blick von der Djurgårdsbron in Richtung Stadt und Strandvägen

Anscheinend beabsichtigte keiner, sich um das leblose Bündel Mensch dort an der Wasserkante zu kümmern. Reiche Banausen! Das männliche Wesen lag sehr dicht an der Kante. Ein kleiner Tritt von hinten würde genügen, und es würde ins Wasser gleiten. Wenn die recht korpulente Kanadagans, oder was sich jetzt gerade näherte, sich mit etwas Schwung  gegen ihn drücken würde, reichte dies sicher auch aus … Die Strömung triebe ihn ab und würde ihn bestimmt in drei Tagen in Gamla Stan, der Altstadt von Stockholm, an Land spülen.

Stockholm, Strandvägen

Häuser am Strandvägen

Eine weitere Möwe kamangesegelt und kreischte lautstark, bevor sie dicht bei den anderen Artgenossen landete. „Macht die Landebahn frei! Ich komme!“ So hörte es sich an. Das Geschrei aus zahlreichen Schnäbeln aller anwesenden Kumpels, erreichte lautstärkemäßig Dezibel, die bei uns- zumindest am Wochende- nicht gestattet wären, da sie über dem Wert lagen, den beispielsweise ein Rasenmäher mit Benzinmotor verursacht.
Nicht nur ich schreckte dabei zusammen.
Der Radau hatte ebenfalls die Leiche wiedererweckt!
Sie rollte sich auf die Seite, glücklicherweise Richtung Land. Schläfchen gehalten, braun geworden. Schnell noch die Augen gerieben, aufgestanden, Glieder geschüttelt. Der Mann wirkte erfrischt.
Ich habe ihm nicht gesagt, dass ich ihn fotografierte und denke auch nicht, dass er jemals einen deutschen Blog-Beitrag lesen wird….
Aber Sie!

Bis demnächst, wenn es u. a.  um die Frage geht, wie man im Pulk einer Gruppe Japaner einen freien Platz zum Fotografieren findet….

©August 2011 by Michèle Legrand

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  1. #1 von Holger Klang am 30/08/2011 - 22:02

    Moin, das fängt ja schon toll an. Ich hatte viel Spaß beim Lesen. Vielen Dank dafür.

    Gefällt mir

    • #2 von ladyfromhamburg am 31/08/2011 - 15:03

      Hallo, Holger,

      gern geschehen! Mich wiederum freut es sehr, wenn es dir gefallen hat!
      Mal schauen, ob auch in den noch kommenden Teilen der Schwedenhappen etwas speziell für dich dabei ist. Immerhin warst du ja auch schon in Stockholm. Dir weiterhin viel Spaß!

      Gefällt mir

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