Fertig gepackt! Es geht nordwärts …

Schweden - Stockholm, August 2011, M. Legrand

Schweden – Stockholm, August 2011

Fertig gepackt! Nun kann es losgehen.
Auf nach Schweden!
Ein weiteres Land, aus dem ein Teil meiner Vorfahren kommt. Mein Großvater mütterlicherseits trug den schönen Namen Gustav.
Genau, fast wie der schwedische König, nur ohne Carl, Gustav nicht mit ‚f’ am Ende, und er war auch nicht der XVI. in der Familie. Das kann ich allerdings gar nicht mit Sicherheit behaupten, denn merkwürdigerweise machte mein Opa immer ein großes Geheimnis um seine Herkunft. Er erwähnte seine schwedischen Eltern nicht, war einfach irgendwann hier in Deutschland und – schwieg. Meine Mutter hat nie mehr erfahren, er nahm sein Geheimnis mit ins Grab.
Wie häufig, wenn nichts bekannt ist, kursieren die wildesten Gerüchte.
War er ein uneheliches Kind?
Gab es ein Zerwürfnis?
Waren seine Eltern sehr früh verstorben, und wollte er hier einfach komplett neu anfangen?
Sah er hier unter Umständen die besseren Chancen? ­­­­Oder hatte er etwas verbrochen? Suchte man ihn?
Wollte er etwas aus der Erinnerung streichen?
Nun, man wird es nicht mehr erfahren. Allerdings, wenn er genauso allergisch auf Mückenstiche reagierte wie ich, dann hat er Schweden vielleicht aus diesem Grund den Rücken gekehrt …

Es existieren kaum Informationen, schon gar keine Details!  Weder woher genau er kam, noch wie seine Eltern mit Vornamen hießen. Später ließen sich auch keine Dokumente finden. Als er starb waren sie, wenn überhaupt, im Besitz meiner zu der Zeit noch lebenden Großmutter, nach deren Tod, war nichts auffindbar. Rein gar nichts! Sehr mysteriös …
Ich mochte ihn sehr. Leider starb er früh, schon, als ich gerade erst zur Schule kam. Die Tatsache, dass ich ihn immer noch genau vor Augen habe und mich an Gesprächsfetzen zwischen ihm und mir erinnern kann, zeigt, dass er Eindruck hinterlassen hat.
Jetzt fahre ich das erste Mal in dieses, sein Land. Nach Stockholm. Keine Ahnung, ob er dorther kam oder jemals dort war. Doch ich bin sehr gespannt, ob etwas auftritt, was ich bei meinem ersten Besuch Frankreichs und der Bretagne bzw. Normandie empfand. Dorther stammte der Großvater väterlicherseits bzw. seine Vorfahren. Eine Affinität zur Sprache war schon lange da, obwohl wir sie daheim nicht sprachen. Ich lernte sie, mich interessierte die Geschichte genauso wie die Kultur.
Dieser Großvater erzählte glücklicherweise ein wenig von früher, meist, wenn ich ihm die Haare schnitt. Das sind Szenen, die ich ebenfalls noch heute vor mir sehe…
Mit einem kleinen Vorwissen und weit geöffneten Augen, schaute ich mir 1982 diese Region an. Vorher darüber zu lesen oder davon erzählt zu bekommen, ist eins. Doch dort zu sein, war noch etwas völlig anderes. Es war seltsam vertraut. Irgendetwas kam mir wohlbekannt vor. Die Eigenarten der Menschen wirkten nicht fremd.
Und ich dachte: jetzt kannst du ein weiteres Stück deines Puzzles hinzufügen.
Ich fühlte mich eigenartigerweise auf eine Art ‚kompletter’.

Nun also der Weg in Richtung Norden. Ursprünglich einfach geplant als kleine Städtetour, Stockholm als Miniurlaub für ein verlängertes Wochenende. Meinen Mann zieht es schon länger in Richtung Vasa-Museum – Kogge angucken. Stundenlang.
Er ist ein großer Schiffsliebhaber, und auch ein Kenner auf diesem Gebiet. Nun, wir werden uns im Museum leider ein wenig trennen müssen, denn ich werde mir weitere Dinge ansehen. Alte und neue Dinge und eben auch Menschen – wie ich es immer mache…
Nach Stunden werden wir uns sicher irgendwo wiederfinden. Er wird von der Kogge schwärmen und ich von dem altmodischem Schild am WC, von Mikkeline und Morten, die im Gang mit Murmeln spielten und von denen ich etwas Schwedisch lernte, oder von der Sonne, die durch das bunte, alte Fenster im großen Saal fiel.
Heute beim Packen und je näher der Termin der Reise rückt, desto mehr wird mir klar, dass für mich diese Reise wieder eine Suche nach einem weiteren Puzzleteil sein wird.
Was wird mir Schweden vermitteln? Was anstoßen oder hervorbringen? 
Bei der Vorgeschichte gibt es ganz sicher nichts Konkretes, Fassbares, etwas womit jemand, der immer Begründungen und Beweise für alles und jedes braucht, etwas anfangen kann.
Aber ich glaube, dass es mir reichen wird. Ich bin überzeugt, dass jeder auf dieser Welt seine Spuren hinterlässt, so sicher auch mein Großvater. Vielleicht finde ich wieder ein unscheinbares, unförmiges Teil, dass jedoch mit allen anderen schon vorhandenen Teilen ein neues, genaueres Bild ergibt.
Von ihm, von mir, vom Leben und seinem Lauf.
Vielleicht bin ich ihm sogar für einen winzigen Moment etwas näher. Das wäre ein großes Geschenk.

Ich mache mich jetzt auf den Weg zum Flughafen.
Sverige, jag kommer…

©August 2011 by Michèle Legrand

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