Miss Supertype

Miss Supertype – Die Werbesingle aus dem Jahr 1983

Miss Supertype als Podcast (unter dem Artikel die Audiobeschreibung des Covers für meine blinden Blogbesucher sowie der Song als Audio-Datei)
https://www.sugarsync.com/pf/D6851760_7339928_980553 Teil 1

https://www.sugarsync.com/pf/D6851760_7339928_976579 Teil 2

https://www.sugarsync.com/pf/D6851760_7339928_976587 Teil 3

Ich habe das Bloggen ein wenig vernachlässigt, da ich momentan an etwas anderem schreibe, stelle jedoch soeben fest, dass ich jetzt einfach nicht daran vorbeikomme, denn heute schlug das Schicksal erbarmungslos zu!
Auf der Suche nach amtlichen Unterlagen, zog ich irrtümlich einen falschen Ordner aus dem Regal und fand unter ‚O’ uralte Papiere. Ein Blick auf das Rückenschild des Ordners verriet: Aha, daneben gegriffen! Dieser Ordner enthielt nicht den Behördenschriftverkehr und Rechnungen, sondern Berufsinfos, Firmeninfos und alte, aus nostalgischen Gründen aufbewahrte Dinge aus diesem großen Bereich. Zum Beispiel den Schriftwechsel mit Olympia International  (Olympia Werke, Wilhelmshaven). Diese Firma gibt es seit Anfang der 90er Jahre des letzten Jahrtausends nicht mehr, nur der Markenname Olympia existiert noch (und eine Holding).

Ich erwähnte es bereits einmal im Blog, es gab eine Zeit, da es für mich sehr wichtig war, zusätzliches Einkommen zu erzielen. Ich habe es auf sehr viel verschiedenen Wegen getan. Schon während der Schule und der Ausbildung gab es die Arbeit in der Konditorei, die Büroeinsätze über ein Zeitarbeitsunternehmen, Nachhilfeunterricht u.v.m.
Neben meiner regulären Tätigkeit im Büro, arbeitete ich ab 1982 mehrere Male auch auf der Hannover Messe, die ein paar Jahre später (1986) in CeBit umbenannt wurde. Als Messehostess.
Nichts Anrüchiges in diesem Fall, es ging lediglich um die Präsentation von neuen Büromaschinen und generell neu entwickelten Produkten der Firma Olympia. Man war zuvor zufrieden mit mir gewesen, und so kam 1983 ein Brief, in dem man mich erneut um Mitwirkung bat.
Zu dieser Zeit hieß moderne Bürotechnik meist die nächste Generation von Schreibmaschinen, Tischrechnern, etc.,  während Computer noch ein wenig in den Startlöchern scharrten.
Es gab schon  das System Boss  und auf dieser Messe die Erweiterung Boss X8 (Plattenlaufwerk 10 MB Festplatte, 10 MB Wechselplatte) mit dem Betriebssystem Prologue. Als Programmiersprachen dienten Basic, Bal, Cobol, Fortran, Pascal. Dazu noch den Boss ‚People’, der mehr für die Allgemeinheit als fürs Office gedacht war. Alles war in den Anfängen …

Man stelle sich bitte die Zeit vor: vorwiegend Schreibmaschinen; Männer gab es wenig an den verfügbaren Geräten, denn Männer ließen schreiben. Es war ihnen zu mühselig auf den existierenden Maschinen, und aus heutiger Sicht kann man es fast verstehen.
Sich verschreiben war ungünstig. Nach Kugelkopf– war man nun bei Typenradmaschinen, und moderne Geräte hatten natürlich schon ein Korrekturband, welches auch für kleine, sich einschleichende Tippfehler reichte.
Nur, wenn sich ein Satz komplett änderte oder eine neue Situation Änderungen mit sich brachte, gab es lediglich eine Möglichkeit: neu anfangen. Auf einem neuen Blatt, mit Durchschlag möglichst, denn Kopien waren noch teuer.
Pech, der Durchschlag wird dummerweise nicht mit korrigiert. Nur überschrieben. Ein unschönes, schwarzes Gekrakel, das den Leser anstarrt. Zu so etwas hatten Männer selbstverständlich noch weniger Lust.
Durchschläge verschönern mit Radierstift!
Die von ihnen produzierten schwarzen Flecke waren generell noch dunkler. Als Ursache hierfür zählt das von ihnen bevorzugte Schreiben nach Adlersuchsystem. Hierdurch entstand ein so heftiger und brutaler Anschlag, dass der dahinter liegende Durchschlag gleich mit durchschlagen wurde.
LOCH!
Nein, nein, da konnten die Frauen ran … Und damit komme ich wieder zur Messe.

Der Kontakt. Man will mich wieder … ;) Und weil ich weiblich bin, bekomme ich auch ein zusätzliches ‚e‘ beim Nachnamen (Nein, nicht Lagrande, aber immerhin ;)

Die erste Vorstellung bei und für Olympia Anfang der 80er Jahre fand in einem Hotel in Hamburg statt. Rekrutierung.
Da gab es ziemlich abschätzende Blicke!
Heute würde höchstwahrscheinlich gleich eine Frauenbeauftragte auf der Matte stehen. Größe, Gewicht, Figur, Haare, Zähne, Nägel – Fleischbeschau. Wer den ersten Teil überlebt hatte, durfte zum „Recall“, wie man heute sagen würde. Das Interview übernahm ein Herr mit enormem Bauchumfang, der heftig schwitzte.
Es wurde gebohrt und gelöchert:
„Vom 10-Finger-System kann ich ausgehen, ja?  Haben Sie technisches Verständnis? Können Sie Sprachen? Wie viele? Sind Sie kommunikativ, belastbar? Überstunden sind kein Thema, oder? Sind sie diskret?
Bitte?
War ich doch etwa an etwas anderes geraten?

Nein, es ging nur um Verschwiegenheit hinsichtlich firmeninterner Informationen. Irgendwann war auch das vorbei.
Bestanden! Warum frau das mitmacht?
Weil der Job selbst gar nicht schlecht ist und weil sie für damalige Zeiten den sehr hohen Lohn von DM 140,– pro Tag bezahlten. Bei zehn Tagen Messe (inkl. der bezahlten Schulungstage), war das eine ganz schöne Stange Geld. Es fiel nicht so schwer, die Vertragsbedingungen mit einem relativ milden Lächeln zu quittieren (siehe Brief –  z. B. Thema Frisur, Kleiderregel). Ich fühle mich heute übrigens nicht mehr an die Diskretion gebunden, und da das Werk nicht mehr existiert, kann es wohl auch keinen wirklich erschüttern.

Die Konditionen, Seite 1

1983 war ich also erneut dort. Diesjähriges Messehiglight: eine neue Schreibmaschine, mit dem reichlich selbstüberzeugtem Namen Supertype.
Der Clou waren LCD Display & Memory. Oberhalb der Tastatur  erschien eine gewisse Anzahl der Zeichen im Display und ggf. konnten diese noch geändert werden – vor dem Ausdruck auf das Papier!
Innovation und schier wahnsinnige ‚editing’ Möglichkeiten …^^
Mir hatte man mir diese Supertype aufs Auge gedrückt („Sie sind unsere Miss Supertype!“) und zusätzlich die Eurotype, eine weiteres Gerät, das – man höre und staune – Sonderzeichen besaß, mit denen sich sämtliche Sprachen im Euroraum darstellen ließen. Fehlte einem früher die Tilde, die Welle auf dem N im Spanischen oder der kleine Kreis auf dem A im Skandinavischen (bolle-Å) – kein Problem, jetzt kam die Eurotype und löste all Ihre Probleme.
Fortschritt. Messeneuheit. Luftsprung. Wahnsinn.

Messeausweis für das Fräulein…

Ein paar Tage vor der Abreise nach Hannover erhielt ich per Paket meine Kleidung. Einen Hosenanzug. So schlecht geschnitten, dass selbst die (bekanntermaßen leidenden) deutschen Olympiateilnehmer immer wesentlich bessere Modelle hatten. Die Farbe würde ich als killendes lachs-rost-matthellbraun bezeichnen. Nicht nur die lange Anzugjacke, sondern auch die Hose selbst war gefüttert, was eklig an den Beinen klebte. Eine formschöne (Sie hören mein Räuspern?), cremefarbene Bluse mit Stehkragen, hochgeknöpft, vollendete das geschmacksverirrte Outfit.

Die Frisur muss sitzen…

Nun, die nächsten zehn Tage war dies mein Opfer, das ich für 140 DM Tageslohn bringen musste. Das Namensschild daran machte es auch nicht schicker. Fräulein Legrand war dort zu lesen.
Ja, damals musste das noch erwähnt werden!
Nein, nicht Frau, Fräulein bitte!
Ich glaube, heute bevorzugen wir Vor- und Nachnamen mit Angabe der Funktion im Unternehmen. Wobei die Mehrzahl der Leute ulkigerweise plötzlich Manager oder Vice-President ist …

Die Messe war gut besucht. Die Arbeit machte Spaß, und die Zeit verging schnell. Ich kam allerdings nie vom Messestand weg, sah also auch nie etwas anderes als den eigenen Olympia-Bereich. Ich liebte das Internationale, die vielen Sprachen, die interessierten Besucher. All die Gespräche, die zustande kamen. Gut, dass die Olympia-Chefs nicht immer mitbekamen, dass es manchmal um etwas ganz anderes ging, als ausschließlich die grandiose, exzeptionelle  Supertype.
Ich ließ mir vom Grand Canyon Nationalpark erzählen, vom Lachsangeln in Norwegen (darauf kamen ein Besucher und ich  durch die „todschicke“ Farbe meines Anzugs, die auch dem Gast aufgefallen war.
„Tragen Sie diese Farbe privat auch?“
Es kam Prominenz an den Stand. Es hieß, es würde gefilmt werden. Dies bewog eine Kollegin, an diesem Tag ihre Privatkleidung anzuziehen. Man möchte ja vorteilhaft aussehen. Als  Folge wurde ihr wurde sofort und fristlos gekündigt. Abreise am Abend. Harte Sitten, aber es stand ja im Vertrag (Kleiderordnung).

Wie gesagt, die Zeit verflog. Abends fuhr ich leicht geschlaucht vom außerhalb gelegenen Messegelände per Straßenbahn zurück in die Stadt zur Pension mit der burschikosen Zimmerwirtin. Mehr als ein Privatzimmer hatte Olympia für das Messepersonal nicht eingeplant. Das Zimmer war jedoch sauber und ordentlich, nur das Bad leider für mehrere und im Flur.
Ansonsten gab es damals ausschließlich männliche Gäste.
Mein Vorteil!
Zum einen bewachte mich die Wirtin sehr resolut-mütterlich und fand es schön, ab und zu mit dem jungen Mädel klönen zu können. Sie brachte mir manchmal sogar spät noch heißen Tee oder Kakao. Zum anderen sind viele Männer bei der Badmitbenutzung nie verkehrt. Nach Festlegung eines Zeitplans für den Morgen, stellte sich heraus, dass diese ohne Schminkerei und Frisurenstyling fix waren, ihnen fünf Minuten reichten und ich das Bad somit lange für mich nutzen konnte.
Vor ihnen!
Also auch noch im sauberen, trockenen  Zustand und ohne Zahnpastareste im Waschbecken.  Am Abend kehrte  ich vor ihnen zurück. Es passte also optimal.
Einladungen gab es während der Zeit viele – von Besuchern und von Kollegen. Ich nahm jedoch nur die ganz am Ende der Messe an. Ich wusste , dass ich nach der Messe sofort wieder für meine eigene Firma im Büro weitermachen musste, mir zwei Wochenenden fehlten und ich daher mit meiner Kraft haushalten musste. Wir gingen zum  Abschluss mit wenigen, jedoch sehr netten Kollegen, zum Essen in ein Restaurant namens Il Borsalino. Wer weiß, ob es dieses Lokal heute noch gibt…

Am Ende des letzten langen Tages, nahm ich sehr erfreut mein Gehalt in Empfang, bekam noch 100 DM extra „Zufriedenheitsprämie“, und weil man so ‚pleased’ war, durfte ich (NEIN!!) auch den Anzug behalten!
Erbarmen!
Die Hose flog zu Hause in den Müll, bzw. kam zur Kleidersammlung. Die Jacke hatte ich noch eine Weile, bis ich mir eingestand:
Michèle, Liebes, sei ehrlich! Die ziehst du nie in deinem Leben wieder an!
Ich entledigte mich auch ihrer.
Mir sagte ein Etui mit Kugelschreiber und Druckbleibstift („Für Sie, für gute Zusammenarbeit als kleine Anerkennung – Ihre Olympia Werke“) weitaus mehr zu, und dann erhielt ich etwas, was mir heute wieder ein Grinsen entlockte: Eine Werbe-Single. Eine 45er Schallplatte.  „Miss Supertype“ – so der Titel.
Hitverdächtig!  ;-)
Ein absolut frauenfeindliches Plattencover, ebenso der Aufdruck auf der Platte selbst. Ich kann darüber nur lachen, aber heute würde man sie verklagen, jawoll! Ich möchte Sie  daran teilhaben lassen. Ich habe es fotografiert und habe sogar im Keller den alten Plattenspieler entstaubt und reaktiviert, weil ich mich selbst nicht mehr an das Lied entsinnen konnte.
Oh, Sie werden es merken! Es ist ein so enorm anspruchsvoller Text! Die Stimme macht einfach sprachlos und die Werbeaussage …
Moment, gibt es eine?
Gut, dass man mir diese Schallplatte nicht vorher zeigte. Ich hätte mir doch im Vertrag zusichern lassen, dass dies nicht meine Arbeitskleidung ist und ich nicht den Supertype-Song lernen muss.
Viel Vergnügen!

 

Miss Supertype Cover und Platte (Blog: Michèle. Gedanken(sprünge) - August 2011

Miss Supertype, auch die Platte ziert ein „Bunny“

https://www.sugarsync.com/pf/D6851760_7339928_976551 Die Beschreibung des Covers für meine blinden Blogbesucher
https://www.sugarsync.com/pf/D6851760_7339928_976567  Die Single als „Hörgenuss“

©August 2011 by Michèle Legrand

Nachtrag 2014:
Seit März 2014 hat SugarSync sein Dienste leider nicht mehr gratis im Angebot. Daher wurde mein dortiges Konto gelöscht und die Audiodateien sind momentan für Sie nicht abspielbar. Ich suche nach einer anderen Lösung.

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