Manchmal regt mich die Kosmetikindustrie etwas auf …

Verehrte Herren, Sie können gern den Artikel lesen. Hier herrscht Gleichberechtigung, doch ich sage Ihnen gleich, es geht im Grunde genommen um ein Frauenthema. Ich spreche Sie nur deshalb ausdrücklich mit an, da Sie offenbar – sehr zu meinem Erstaunen, aber durchaus nicht zu meinem Missfallen – wohl äußerst intensiv und zahlreich auch  die monegassische Hochzeit gesehen haben!
DAS ist doch nun wirklich ein Frauenthema!
(Ich habe sie nicht gesehen …)
Es hat sich doch etwas getan in der Gesellschaft. Vielleicht liegt Ihnen daran, die Frauen besser zu verstehen. Möglicherweise liefert Ihnen der nachstehende Bericht einen Einblick in die Gefühlswelt eines weiblichen Wesens.
Möglicherweise, wie gesagt …

Verehrte Damen, Sie können gern den Artikel lesen. Hier herrscht Gleichberechtigung. Es ist sowieso ein Frauenthema. Da Sie mich aber wieder sehr überrascht haben mit Ihrer (Vor-) Liebe für  bzw. Ihrer Fachkenntnis über Boxkämpfe – lange Zeit ein reines Männerthema — lade ich Sie lieber noch einmal ausdrücklich ein. Sie können, die müssen natürlich nicht … Natürlich hoffe ich auf Leidensgenossinnen.

Es ist irgendwie banal. UND TROTZDEM REGE ICH MICH AUF! Aufregung bei mir heißt allerdings oft nur  dreimal tief durchatmen, ein schwach hörbares Pfft!, ein Augenbrauen unmerklich für eine Millisekunde hochziehen sowie ein innerliches, lauteres Grummeln.

Warum ich mich aufrege?
Es trifft immer mich. Immer!
Ach, Blödsinn, bleiben wir ehrlich. Es passiert  dann und wann, doch es passiert anderen auch. Nur sind andere in der Hinsicht vielleicht flexibler, sind freudiger am ausprobieren,  sehen es als Chance Neues zu entdecken oder als Grund,  einen ausgedehnten Shopping-Marathon zu starten.
Ich habe vergessen zu sagen, was mich ärgert.
Kosmetikhersteller!
Die ärgern mich gewaltig.
Ich denke, mein Typ Kunde verärgert die auch. Es beruht also auf Gegenseitigkeit.
Die Firmen, sie wünschen sich Kunden, die auf Werbung anspringen, die ständig ihre Innovationen bejubeln und ausprobieren, die zu fünft mit Freundinnen auf Einkaufstour gehen, wobei dann jede der anderen an diesem oder jenem Stand noch etwas aufschnackt.
„Das musst du noch haben, das sieht richtig klasse bei dir aus.“
Wer kann da schon widerstehen…
Sie möchten Kunden, die nicht merken, wenn sich mal wieder die Packungsgröße ändert, der Preis aber trotz geringeren Inhalts gleich bleibt.
Sie möchten Kunden, die blind den Werbeaussagen vertrauen.
Sie möchten Kunden, denen es egal ist, welche Inhaltsstoffe die Creme oder Wimperntusche hat.
Sie möchten Kunden, die  zwar dem Hersteller treu bleiben (also doch nicht von einem zum anderen hüpft), und dabei  immer mit dem zufrieden sind, was dieser gerade beliebt, auf den Markt zu werfen (also jede Neuheit annimmt).

Ja, und dann komm ich.
Ich komme alleine. Keiner, der mir hereinredet oder mich zu Mehrkäufen animiert.
Ich weiß, was ich kaufen möchte. Mich interessiert nicht das Neueste, geschweige denn die Werbung.
Ich lese mir Inhaltsstoffe durch, denn es gibt bei mir die ein oder andere allergische Reaktion.
Ich frage gezielt nach Inhaltsbeschreibungen, da die Industrie es relativ unwichtig findet, alles gleich mit auf das Produkt zu drucken. Teilweise tut sie es mittlerweile, dann aber hat die Schrift eine kaum messbare Größe und wird gern auf einen Hintergrund aufgebracht, der überhaupt keinen Kontrast bietet.
Es tut mir ja auch leid, wenn ich mit der Fragerei gelegentlich das Verkaufspersonal nerve, nur Fehlkäufe wegen mangelnder Kennzeichnung sind ebenfalls ärgerlich. Fehl- oder Falschkäufe passieren sowieso hin und wieder, ausgelöst dadurch, dass nur Kunstlicht im Laden vorhanden ist und das Produkt zu Hause oder draußen bei Tageslicht ganz anders aussieht.
Ich lasse mich schwer bequatschen und zu anderen Dingen bewegen. Nennen Sie es Sturheit, nur, warum wechseln, wenn ich gerade mit dem, was ich habe, so zufrieden bin?

Grund für meinen aktuellen Frust: Immer wenn ich ein Produkt liebe und eine Weile verwendet habe, beschließen die Hersteller, dass es jetzt nicht mehr ‚in’  ist und nehmen es aus dem Programm.
Selbstverständlich unangekündigt!
Es fühlt sich so an, als beträfe es immer gerade meine Artikel.
Fassungslos stehe ich vor dem Regal und suche vergeblich. Zuerst ist da noch der kleine Hoffungsfunke, dass nur der Nachschub nicht geklappt hat. Dann fehlt das Etikett am Regal. Die Nachfrage ergibt – je nach Geschäft – ein Schulterzucken oder eine ausführliche Information, dass XY jetzt gerade wieder ein Wahnsinnsprodukt auf den Markt wirft und daher die alte Serie natürlich eingestellt wird. Natürlich.
Wieso NATÜRLICH?
Das Alte ist doch deshalb nicht schlecht!
„Ja, aber, Sie müssen doch verstehen, die Farbe ist jetzt auch einfach nicht mehr angesagt …“
Das ist mir doch wurscht! Ich mag sie aber!
Und ich vertrage das Produkt!
Wenn die neue Wahnsinnsserie einfach einmal auf den Hammercocktail aus Parabenen verzichten würde, könnten wir ja eventuell darüber reden, über dieses Wahnsinnsnachfolgeprodukt.
TUT SIE ABER NICHT!
Methylparaben, Ethylparaben, Propylparaben und Isobutylparaben. Und als würde das noch nicht reichen zur Konservierung, kommt auch noch ein bisschen Phenoxyethanol mit hinein.
Und so ganz  nebenbei, leicht unterschwellig, teilt man mir mit dieser Information, dass es ‚so was von out’ ist, netterweise außerdem gleich  mit, dass ich mit meinem Geschmack wohl auch ein bisschen zurück bin …

Die Inhaltsstoffe sind also der Haken. Nun, synthetische Stoffe müssen nicht sein. Ich lande also im Endeffekt bei Naturprodukten. Es gibt sehr gute, empfehlenswerte und verträgliche Pflegemittel. Allerdings, bei – wie es so schön heißt – dekorativer Kosmetik, sprich dem Tuschkasten, hapert es noch gewaltig.  Die Haftung lässt zu wünschen übrig.  Die Deckkraft.  Und toll, dass dort haufenweise Duftstoffe zugefügt werden, die auch Allergien auslösen. Wer glaubt, pflanzliche Ausgangsprodukte wären automatisch unkritisch, irrt. Warum muss überhaupt starker Duft (teilweise Gestank) sein?
Oder Wimperntusche. Naturkosmetikhersteller  haben fast nie wasserfeste/n  Mascara im Programm!
Ach, du mein Lippenstift. Mein einzig wirklich benutzter Rotstift. Mein täglicher Gefährte. Wie lange wird es dich noch geben, bis ich wieder vor leeren Regalen stehe? Das letzte Mal, als ich mit der Situation konfrontiert wurde,  habe ich in ganz Hamburg Restbestände gesammelt und davon eine geraume Zeit gezehrt. Dann der Glücksfall beim Urlaub in Irland. Ich fand in Dublin bei Boots meinen geliebten lipstick und – sehr zum Erstaunen der Angestellten – kaufte die verrückte Touristin gierig drei Stück der gleichen Farbe. Es war das allerletzte Mal, dass ich dieses Produkt bekam. Dann war endgültig Schluss. Ende. Aus.
Im Moment suche ich Wimperntuschen-Ersatz. Nach Umbau eines Geschäftes, des einzigen, welches dieses Produkt führte, wurde MEINE Serie ausgemistet oder ausgelistet.
Meine aktuelle Bilanz: Seit drei Wochen nichts Vernünftiges entdeckt, ein Produkt doch aufschwatzen lassen, weil die Inhaltsstoffe akzeptabel waren. Zu Hause habe ich allerdings festgestellt: das Produkt ist wohl wasserfest, wird aber durch ganz normales Make Up aufgelöst. Eine Viertelstunde nach dem Auftragen kann man erfolgreich  im nächsten Hollywood-Horrorschinken mitspielen.

So, liebe männliche Blogleser, die Sie durchgehalten haben: Hat Ihnen das jetzt irgendwie geholfen?
Oder Sie, meine Leserinnen: Kennt die eine oder andere die Situation?
Ich könnte mir folgende männliche Reaktion vorstellen: „Soll sie doch gar kein Zeugs nehmen.“
Nein, liebes männliches Geschöpf, das müssen Sie bitte noch schnell lernen, das dies überhaupt keine Alternative ist!
Vielleicht nickt auch einer ganz wissend und sagt: „Hatte ich auch – als XY mein Aftershave aus dem Sortiment geworfen hat. Was habe ich mich geärgert! Ehe ich mal einen neuen Duft gefunden hatte, der mir gefiel.“
Ein betagteres Semester der alten Schule empfiehlt mir unter Umständen die gute alte Kernseife.
Wie auch immer. Ich werde weiter suchen und bin immer wieder einmal am Durchatmen, Pfft-Machen, Augenbrauen hochziehen und Grummeln.
Die macht es einem wirklich nicht leicht, diese Kosmetikindustrie

©Juli 2011 by Michèle Legrand

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