Wenn Hendrik in Hotels ist …

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Um es vorweg zu nehmen, es ist nicht so, dass nur Hendrik dieses – nennen wir es einmal fröhlich – Malheur passiert. Es ist nicht einmal so, dass es ein männerspezifisches Phänomen wäre. Und – wenn es denn ein Mann ist – muss er absolut nicht unbedingt Hendrik heißen! (Um ehrlich zu sein, er heißt auch anders, geniert sich aber und möchte daher lieber anonym bleiben).
Worum es geht?
Hendrik ist ein intelligenter, freundlicher, häufig auch sehr aufmerksamer Mann. Beruflich bedingt ist er des Öfteren unterwegs und nächtigt dementsprechend häufig in Hotels. Es verwundert nicht sonderlich, dass er dadurch bedingt Profi im Kofferpacken wurde. Ach was, er ist sowieso ein Naturtalent in dieser Hinsicht! Ob für zwei Tage oder 14, ob für München oder Christchurch, Neuseeland, ob für Temperaturen unter Null Grad oder nahe an der Marke „Sauna“…. Für ihn kein Problem.
Hendrik ist flott. Er denkt und arbeitet effizient. Seine Packart ist als äußerst rationell zu bezeichnen. Was eine Frau als ihr Schminkköfferchen bezeichnen würde, ist seine 14-Tage-Indien Ausrüstung. Selbst fürs Auswandern käme er höchstwahrscheinlich mit Handgepäck aus.
Was ist es nun, was Hendrik Probleme macht? Wo hat dieser gewandte Mann seine kleine Schwäche?
Hendrik lässt gern – zu seinem eigenen Leidwesen – Dinge im Hotel zurück. Es begann alles vor langen Jahren mit einer noch nicht ausgelesenen Zeitschrift.
Meine Güte! Was soll’s! Vergiss es! Ist wirklich nicht tragisch. So wichtig und interessant kann sie auch nicht gewesen sein. Allerdings war dies nur der Anfang.
Bei der nächsten Gelegenheit blieb sein Schlafanzug im Hotel, weil er ihn an einem an der Innenseite der Badezimmertür befindlichen Haken aufgehängt hatte. Natürlich guckt kein Mensch (Mann) noch einmal ins Bad. Wozu auch?
Ach, komm! Neu war der auch nicht mehr. Gibt Schlimmeres. Und doch, ja, er hing auch wirklich recht versteckt. Was tun? Im Hotel nachfragen?  Sollten die es aufheben? Man(n) kommt vielleicht bald wieder? Hendrik wand sich. Es war zu unangenehm, und so verzichtete er auf die Kleidung. Vielleicht wollte er das Nachtgewand aber auf diese Art auch nur  loswerden….
Hendriks nächste Reise bedeutete den Verlust eines Stiftes mit persönlicher Gravur. Doch Hendrik hat schon recht, wenn er ihm nicht so heftig nachtrauert. Mit diesem Stift hatte er wirklich eine undeutliche Schrift – um das Wort Sauklaue zu umgehen.
Danach waren es mal ein Oberhemd, Socken (zum Glück gleich ein komplettes Paar), dann das Aftershave, gefolgt von einem dünnen Überziehpulli. Der blieb übrigens dort, weil er leicht geknüllt auf dem Sessel halb hinter dem Kissen den Unsichtbaren gespielt hatte. Selbst schuld – sozusagen. Genauso wie das Nageletui, das merkwürdigerweise in der Nachttischschublade gelandet war. Hendrik hatte noch höchst erzürnt gefragt, wer denn – bitte schön – dafür verantwortlich gewesen wäre. Beim Aufenthalt einer Einzelperson eine doch relativ leicht nachzuvollziehende Sache. Unser Mann von Welt hingegen hatte ein wenig das Zimmermädchen in Verdacht. Sicher. Es wird so gewesen sein. Eine ehrgeizige, schwer schaffende und sehr gewissenhafte Zimmerfee erkennt man daran, dass sie ungefragt das Zimmerinventar sowie die vom Gast mitgebrachten Gegenstände nach eigenem Ermessen und nicht immer im Sinne des Besitzers umsortiert… Hendrik fand diese Gedankengänge übrigens nicht so witzig und bezeichnete sie als weit hergeholt. Das ist verständlich, denn seine Ideen sind natürlich weitaus realistischer…
Ein wenig später, es war bei einem Aufenthalt in Singapur, vergaß er das Aufladegerät seines Handys. Er zieht gern nur den Stecker vom Gerät, aber nicht aus der Steckdose… Da er ein altes Mobiltelefon besitzt, an dem er zärtlich hängt, half es nichts, hier nach einem neuen Ersatz-Ladegerät zu suchen. Die Stecker sind generell nicht nur von Hersteller zu Hersteller unterschiedlich, sondern auch noch von Modell zu Modell. Ein Ladegerät für sein antikes Stück gab es im Handel nicht mehr. Die jungen Ladenangestellten schauten auch jedes Mal staunend, manchmal auch panisch – oder sie wurden extra von ihren älteren Kollegen hinzugeholt, um sich das ‚Ding von früher’ einmal anzugucken.
Die Lage war klar. Wollte Hendrik dieses Handy weiterbenutzen, war es nötig, mit dem Hotel Kontakt aufzunehmen.
Würden Sie ihm sein Ladegerät nach Deutschland senden? Per Kurier, versteht sich, denn der Akkustand wurde langsam bedrohlich. Die Hotelangestellten waren zuvorkommend, durchaus willens sein geliebtes Teil vor dem nahen Tod zu bewahren. Allerdings wurden sie dabei anfangs von Auflagen und Regeln gebremst. Man darf nicht einfach so  technisches Gerät einpacken und ins Ausland verschicken. Da haben Staat und Zoll noch ein Wörtchen mitzureden! Es gibt strikte Vorschriften und viele Formulare. Hendrik jedoch ist ein Glückskind. Sein Ladegerät kam drei Tage später unversehrt in Hamburg an, und er verwendet es noch heute.
Weitere Kleinigkeiten der nachfolgenden Monate und Jahre können ausgelassen werden, sie waren nicht weiter erwähnenswert.  Wen interessieren schon Ledergürtel, USB-Kabel, ein Ken Follett Roman, Kopfschmerztabletten oder im Ausland erstandenes Hobby-Material? (Welches ich nicht genau nenne, um die Anonymität nicht zu gefährden)
Hendrik wusste nun um seine Schwäche, was einen annehmen ließe, er würde jetzt sicher vor jedem Auschecken aus einem Hotel, eine  äußerst gründliche Inspektion des Zimmers vornehmen.  Er gesteht sein kleines Schwächelchen mittlerweile durchaus ein, denn irgendwann erkannte auch er, dass seine Zimmermädchen-Theorie löchrig war. Er beteuert nun, eine gründliche Komplett-Zimmer-Kontrolle durchgeführt zu haben – nur…
Nun, wir waren nicht dabei. Vielleicht – wir wissen es nicht – hat er dabei lieber geschlossene Augen.
Als Hendrik vorgestern anrief, saß er im Zug und hatte gerade bemerkt, dass ihm etwas fehlte. Als die Klimaanlage blies, fiel ihm auf, dass er sein Jäckchen nicht dabei hatte. Nun benötigte er geschwind die nicht vorhandene Telefonnummer eines bestimmten Hotels. Dieses neueste Opfer seiner kurzfristigen Vernachlässigung war übrigens ein sogenanntes  Lieblingsstück, auf welches unser weit gereister Hotelgast nun gar nicht verzichten mag.
Es wurde sich mehrfach telefonisch kurzgeschlossen, und im Endeffekt war das Hotelpersonal bereit, gegen eine Aufwandsentschädigung  von 15€ (Porto inkl.) ein Päckchen zu packen und sofort auf den Weg zu bringen.
Wie durch ein Wunder lieferte es die so oft kritisierte Post schon am nächsten Tag aus. Erstaunen löste folgende Aufschrift auf dem Karton aus:
Vorsicht, nicht werfen! Zerbrechlich!
Eine Jacke?
Eine vorsichtige Rückfrage beim Besitzer ergibt nach einigem Herumgedruckse das kleinlaute Eingeständnis, dass es sich wohl um ein Glas handeln müsste. Zusätzlich wohlgemerkt, denn das mit der Jacke stimme schon. Dieses Glas sei ein nach einer Vortrags-Veranstaltung allgemein verteiltes Geschenk und ist offenbar so hässlich, dass unser Mann von Welt und mit Geschmack, es mit voller Absicht zur Minibar gestellt und für den dortigen Verbleib auserkoren hatte.
Tja, Hendrik, … das haben sie dir nun allerdings auch hinterher gesandt!

Später am Telefon.  Ein ungläubiges Wispern in der Leitung: „Das Glas haben die auch geschickt??“
„Ja.“
Stille. Sprachlosigkeit
Bisher hat nichts geholfen, um Hendrik vor seinen Verlusten zu bewahren, von seiner Schwäche zu kurieren. Aber vielleicht, man kann ja nie wissen, leitet dieses ‚traumatische‘ Erlebnis jetzt eine Wende ein…

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