Der Faktor Zeit. Annäherung an Soziale Netzwerke.

Annäherung an Soziale Netzwerke. Hochtrabend klingt es. Dazu der Faktor Zeit. Ich hätte genauso gut schreiben können: Mein langer Weg zu Twitter und Konsorten.
Schon einmal einen Tiger gestreichelt? Nein? Natürlich nicht, ist ja gefährlich! Würdest es aber schon gern tun, oder?
Schon einmal zu einer Riesenparty eingeladen? Vorher flaues Gefühl? Na, ob das wohl gut geht…? Man kennt ja kaum jemanden.
Schon mal festgestellt, dass einige Dinge ein paar mehr Anläufe benötigen, ehe der Entschluss dafür (oder auch dagegen) sich herauskristallisiert?
Schon Folgendes erlebt: Unlust gepaart mit Neugier? Ablehnung und  gleichzeitige Anziehung? Ein Revidieren der Ansicht? Aha-Situationen?

Kenne ich durchaus. Es geht mir in mindestens einem Punkt so, nämlich immer bei der Frage des Beitritts zu sozialen Netzwerken. Den Sinn erschließen, das Risiko abwägen, etc.
Nehmen wir Twitter. Was habe ich mich geziert und gewunden. Ich? Twitter? Nie! Zunächst waren da bestimmte Vorstellungen:
1)     Ich kenne keinen, also was soll ich da?
2)    Ich will keine pikanten Details aus meinem Privatleben offenlegen – nur, was bleibt dann zu twittern?
3)    Es kann doch auch keinen interessieren… (Frühstücksbrotbelag, Schnupfenanfall)
4)    Warum sollte mir jemand folgen wollen?
5)    140 Zeichen. Wenn ich mal was zu erzählen habe, wie soll ich damit auskommen…?
6)    Internet, Technik, neues Gedöns, Datenschutz, Hacker, Viren, Phishing….Komm,.vergiss  es! Bleib’ mir doch weg damit.
Und nehmen wir ruhig die Punkte hinzu, die meine Mutter mit ‚sowas’ verband:
7)   Das ist doch so ein Swingerclub, oder?
8)   Suchen die da Partner?
9)   Haben die nichts Besseres zu tun?
10) Was willst du mit den Fremden?

Vieles stellt sich später als ganz anders heraus, aber irgendwelche Vorstellungen sind halt vorher da. Sie erleichtern den Weg mitnichten – eher sind es Stolpersteine, Barrieren oder im günstigsten Fall immer noch Umleitungsschilder.
Es sind Hemmschwellen – so hoch wie die Wellen, die bei Windstärke 12 an den Bug eines Schiffes prallen. Nur merkwürdigerweise munkelt gleichzeitig irgendwo ein kleiner Magnet vor sich hin, der sich selbsttätig einschaltet und bewirkt, dass der Blick sich automatisch  immer wieder in Richtung dieser Netzwerke bewegt…
Ein kleiner Blick zurück: Twitter, der Dienst, legte nicht in Deutschland los. In Amerika gegründet, folgte naturgemäß zuerst der Personenkreis aus dem englischsprachigen Raum. Wir kamen später dazu, und mit dem wachsenden Interesse der Deutschen, führte Twitter später auch seinen Dienst in deutscher Sprache ein. Für viele in diesem Land war das ein wichtiger Moment und der Punkt, an dem sie sich registrierten  Für mich spielte es überhaupt keine Rolle, es war kein Kriterium für meinen Entschluss dafür oder dagegen. Ich war einfach noch nicht soweit, sondern musste mich erst von meinen Vorstellungen freimachen und unbekümmert an alles herangehen können.
Zu der Zeit hatte ich Freunde über ein internationales Forum kennengelernt, von denen der ein oder andere schon Ende 2007 Twitter erwähnte. Es gab Nachrichten und Informationen, die plötzlich über Twitter kamen. Es gab somit Menschen, die mich interessierten und die Twitternutzer waren. Auf einmal war es nicht ein bloßes Internetdingens, sondern es standen Personen dahinter.
„Komm auch!“ Ich wurde becirct,  mich auch zu registrieren. Es stieß zuerst immer noch auf taube Ohren.
Nach langen Monaten und unangemeldeter, inoffizieller Mitleserei war es so weit, dass ich beschloss: Heute ist der Tag! Twitter ich komme  – freiwillig!
Natürlich gab es grinsende Gesichter bei den befreundeten  Forumsmitgliedern. Die hatten es ja eh schon geahnt.
„Ha, wussten wir’s doch! Warum nicht gleich so …?“
Warum? Weil es wie Tiger streicheln ist. Sieht toll aus, wirkt farbenfroh und relativ harmlos, aber wehe, wenn du nicht aufpasst! Nun bin ich seit März 2009 dabei, lebe noch, habe meine eigenen Twitter-Regeln und komme damit erstaunlich gut klar.
Follower waren am ersten Tag da  – eben durch die vorherigen Kontakte in diesem Forum. Es zog Kreise, zuerst nur englischsprachig bzw. französisch, seit Februar/März 2010 auch deutsch. Meine Sichtweise bezüglich Twitter hat sich geändert. Es ist immer noch ein bisschen Tiger streicheln, aber er scheint mir vorher gefüttert worden zu sein….

Demnach alles bestens? Ich drücke es mal so aus: Seit etwa einem Jahr ist die nächste Wildkatze in Sicht: Facebook.
Was stand nicht alles in der Presse bezüglich Lücken beim Datenschutz und der Privatsphäre! Was wurde nicht geschimpft und gemeckert. Trotz allem stieg die Zahl der Nutzer stetig. Ich entdeckte, dass es auf Facebook offensichtlich Lesenswertes gab, an das ich so nicht herankam.
„Bitte registriere dich….“
Durch Umwege fand ich heraus, dass bei diesem Netzwerk Personen zu finden waren, die Twitter bisher nicht zugeneigt waren oder es sind.  Zwei Möglichkeiten, die sich daraus für mich erschließen:
Warten, bis diese Leute Twitter entdeckten oder Facebook selbst beitreten.
Ich habe  sowohl meine Tochter als auch meinen Sohn interviewt:
Wo sind die Kinken? Was muss ich beachten? Wie habt ihr eure Einstellungen? Richtiger Name?  Wie viel und an wen etwas preisgeben?
Weiter überlegt. Nebenbei trafen neue Links via Twitter ein mit der netten Einladung: Schau auch auf meine Facebook-Seite… Ha! Erstmal können!
Im Mai jährte sich das Jahr, und wie heißt es so schön: Alles neu macht der Mai. Vielleicht schafft der Monat es nicht, alles zu verändern, aber wer will das denn schon. Er schaffte es jedoch, dass Facebook sich mir jetzt mehr als reizvolle Hauskatze, denn als gefährlicher Tiger präsentiert, welche allerdings eine Art gesichertes Großraumgehege braucht (persönliche Einstellungen), damit sie mir nicht auf der Nase herumtanzt oder Heckmeck veranstaltet. Ich bin bereit für Neues, und es liegt nunmehr ein Nachmittag der Lektüre hinter mir. Eine Einführung in Facebook und seine Besonderheiten. Ein Studieren von Richtlinien, Ausführungen und Erklärungen. Die Vertiefung in die bunte Welt der Einstellungsmöglichkeiten!
Alles ist jetzt soweit erledigt. Ich habe bloß noch keinen blassen Schimmer, wie es in der Praxis funktionieren wird!

Kommen wir zum Ende für heute und stellen einfach fest: Der Faktor Zeit spielt eine sehr große Rolle. Bei der Gewöhnung an neue Errungenschaften, beim Entwickeln von Bedarf, beim Annähern, beim Durchschauen, beim Kennenlernen, beim ‚Freunde’ finden.
Bei Facebook gibt es demnach keine Follower, sondern – hurra! – Freunde.
Bitte nicht falsch verstehen, ich will mich gar nicht lustig machen! Schön, wenn aus den Kontakten Freundschaften – auch im wirklichen Leben – werden. Doch für die bloße Kontaktaufnahme und das Akzeptieren einer Anfrage den Begriff „Freundschaft“ zu prägen, ist gewöhnungsbedürftig. Ich vermute messerscharf: Facebook ist einfach sagenhaft vorausschauend. Könnte ja sein, dass dein Kontakt dein Freund wird – irgendwann.
Ich stürze mich ab 02. Juni 2011 ins unbekannte Gewässer, gehe auf die Riesenparty mit Unbekannten, streichle die Wildkatze… Wer mir Schwimmflügel leiht, sich auf der Party dazugesellt oder Tiger-Erfahrung hat – der ist mir auf Facebook sehr willkommen!
Ihr findet mich seit heute unter ‚Michèle Legrand’ (es gibt mehrere, aber ich nutze das gleiche Foto wie hier),  und es wäre schon schön, wenn ich dort nicht ganz alleine bleiben würde…

Advertisements

, ,

  1. Hinterlasse einen Kommentar

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

törichtes Weib --- das Leben geht weiter

PRIVATES Tagebuch /// Geschriebenes & Geknipseltes & mehr... so ein 365 Tage Dings von Follygirl

Joesrestandfood

Der Restaurant-Test und mehr. Hier werden Restaurants, Events und außergewöhliche Lokationen vorgestellt und bewertet.

Linsenfutter

Naturbeobachtungen aus Hamm und dem Rest der Welt ~~~~~~~~~~ mit über 1000 Beiträgen und unzähligen Fotos.

Deine Christine!

...mein altes, neues Leben mit MS...

%d Bloggern gefällt das: