Freunde, heute ist Tag der Beschneidung…

Aus gänzlich unreligiösen Gründen und weitaus öfter als nur einmal im ganzen Leben, nähere ich mich ab Mai wiederholt einigen – dann recht grün dreinschauenden – Gesellen, mit einem festen Vorsatz sowie … Instrumenten.
„Jungs, ihr seid dran!“
Gemeint sind diverse Exemplare der Gattung Buxus sempervirens, also Buchsbaum-Exemplare im Garten. Ihre Beschneidung steht an, und der Grund lautet: immense Wuchslust.
In Gartenbüchern heißt es so nett und zivil: diese Pflanzenart zählt zu den langsam wachsenden Gewächsen. Ganz klein (so wie bei den nichtleserlichen Klauseln mancher AGB) folgt der Zusatz: wird bis zu 8 m hoch. In etwas besser lesbarer Schrift und schneller zu entdecken: erreicht meist nur Strauchgröße. Aha. Soso. Prima.
Ich hatte vor gut 20 Jahren einen 25 cm hohen Minibusch gesetzt. Er wirkte begeistert und fing aus lauter Dankbarkeit an, jährlich mehr als den Durchschnittszuwachs zuzulegen. Der Minibusch wurde zum Maxibusch, der irgendwann seine Ecke mehr als ausfüllte und vor dem Übergang zum Riesenstrauch ein wenig gebremst werden musste.
Eines Jahres im September, bewahrte ich einige abgeschnittene Triebe auf und verwendete sie als Stecklinge zur Vermehrung.
Ob sie wohl anwuchsen?
Ach, was frage ich eigentlich…? Bei diesem Busch!
Fast alle bildeten Wurzeln, und ich beschloss, mehrere zusammen zu setzten, um daraus weitere Büsche zu ziehen. Einige wurden auch Teil einer Hecke.

Es gibt mittlerweile sehr viele spezielle Züchtungen, die von sich aus schon kugelförmig wachsen oder tatsächlich schwachwüchsiger sind als die gewöhnliche Art des Buxus.
Nicht so die meinen. Sie möchten partout in die Breite gehen. Und in die Höhe. Und überhaupt….
Was tun?
Es bleiben mehrere Möglichkeiten. Rausreißen zum Beispiel. Diese Variante bevorzugt einer meiner Nachbarn grundsätzlich. Sein Motto: was größer ist als ein Igel wird herausgerissen. Als ein kleiner Igel wohlgemerkt! Dann kommt etwas Neues. Für ein bis zwei Jahre …
Nächste Möglichkeit: Wachsen lassen und alle paar Jahre radikal bis fast zum Boden zurückschneiden.
Vergessen Sie es!
Es sieht grauslig aus, der Busch findet es auch nicht optimal, und der Unterschied zwischen Riese vorher und Storzelreste am Boden hinterher ist zu massiv. Demnach ist diese Variante auch nicht das Richtige für meine Gartenbewohner und mich. Ich nämlich hänge an meinen Gesellen.
Mein Kompromiss heißt: ihr seid dran, aber gemäßigt. Und hier gehen die Meinungen sicher auseinander.
Ich spreche von gemäßigt im Sinne von „es kommt nicht so viel ab“.
Wie ich schneide, finden manche hingegen nicht so „gemäßigt“.
Grundsätzlich wirkt Natürlichkeit und natürlicher Wuchs im Garten auf mich ansprechender, aber ich weiß nicht, welches Teufelchen  mich manchmal bei den Buchsbäumen reitet …
Die Beschneidung der Jungs könnte man auch zur Kategorie Friseurbesuch  zählen.  Einmal Façon-Schnitt bitte!  Trocken. Eventuell einen Schluck hinterher. Fönen erledigt der Wind.
Ja, doch, sie sind auch experimentierfreudig! Oder ich bin es …
Als meine Kinder noch klein waren, wurde die Hecke eine Zeitlang zur Burgmauer mit Zinnen. Inzwischen sind sie groß, und der Heckeabschluss, d. h. ihre Oberkante ist wieder normal gerade.
Bitte? Was meinten Sie? Die Büsche?
Nun, da habe ich zur Zeit einen Kürbis, die Irokesen, eine Möchtegern-Pyramide, die mehr wie ein Schneckenhaus anmutet, simple Kugeln, aber auch zwei Rundgesellen, die darauf warten, dass ihnen im Laufe der Zeit ein zweites Geschoss wächst. Im Moment wirkt es mehr wie eine Eiskugel mit einem  Klecks Sahne obendrauf.
Ein Phänomen bemerke ich auch hier. So wild sie scheinbar wachsen, warte ich jedoch darauf, dass sich eine bestimmte Form herausentwickelt, dauert es ewig! Genau wie bei den menschlichen Haaren. Sollen sie lang wachsen (oder überhaupt) geht es scheinbar nicht vorwärts. Hat der Friseur nicht auch wieder viel zu viel gekürzt? Es dauert Monate, ehe sein Missgeschick sich zurechtgewachsen hat.
Ist es eigentlich Einbildung, oder wachsen bei Männern die Haare schneller?
Ich muss zum Friseur, die Haare hängen schon wieder über den Ohren!
Ich muss dringend hin, der Nacken ist ein Urwald!
Solche Sätze kommen von Männern. Ausschließlich. Das möchte ich auch mal sagen können. Ehrlich! Ich würde doch lieber öfter dran säbeln, als monatelang warten, dass ein Zentimeter hinzukommt!
Stopp. Wir waren beim Thema Buchsbaum und ihrer Beschneidung.
Ich habe wieder geschnippelt und zeige Ihnen heute einige vorher/nachher Bilder.
Der Kürbis würde innerhalb einer Saison ohne Schneiden zum Struwwelpeter werden, was durchaus auch seinen Reiz hätte, nur würde er dann seine Beetnachbarn erdrücken.
Die Irokesen könnten jederzeit wieder normale Kugeln werden …
Der Ich-weiß-nicht-ob-ich-lieber-Schnecke-oder-Pyramide-sein-will Buchsbaum  würde schnell wieder zur normalen Kegelform zurückkehren und nach einem weiteren Jahr einfach nur noch eine Kastenform besitzen.

Durch die Verwendung des ganz ordinären Strauchbuxus sind der Fantasie einerseits keine Grenzen gesetzt, da keine angezüchtete feste (unflexible) Grundform vorhanden ist. Andererseits sind diese Büsche sehr viel lockerer im Aufbau, was sich im Winter bei Schneelast besonders deutlich zeigt. Der Kürbis wurde durch die Last in seiner Mitte auseinandergedrückt und wirkte wie eine geschälte Orange, deren Stückchen einladend nach außen gekippt wurden. Er hat es überstanden, sich wieder aufgerichtet, und so steht weiteren Jahren als Kürbis oder was auch immer nichts im Wege.

Haben Sie etwa auch frisierte Gartenbewohner?
In England sah ich sehr gelungene Kunstwerke in einigen Gärten stehen. Offensichtlich von Meisterhand geformt mit schier unendlicher Detailliebe, gutem Augenmaß, Fantasie, Können und offensichtlich auch mit der Zeit und Muße, den Schnitt ständig nachzubessern, damit die Form stets top aussieht. Im englischsprachigen Raum wird diese Kunst des Formschnitts als ‚topiary’ bezeichnet und dieses Hobby sehr viel mehr gepflegt als bei uns. So wie es dort noch mehr Gartenschauen gibt, mehr Wettbewerbe auf dem Gebiet der Gartengestaltungskunst und eben auch im Bereich ‚topiary’.
Ich gestehe, ich habe die Kunstwerke bewundert, aber es wäre mir im Garten zu viel und zu unnatürlich. Da saßen exotische Vögel bzw. nachgebildete Buchsbaum-, Liguster- oder Eibenmenschenpärchen auf ebensolchen Naturbänken. Es standen grüne ‚Fahrzeuge’ herum. Geometrische Figuren, geformte Häuser, Burgen, Hunde,  Elefanten, Rehe,  Spiralen, Türmchen, Torbögen, tanzende Elfen, aber auch Panzer!
Für das Heranziehen vieler großer Formen wird hier auch meist wesentlich mehr als lediglich der bloße Strauch gebraucht. Viele Objekte haben ein stützendes Grundgerüst (Drahtgeflecht), um das sich die Pracht ranken kann, entsprechend gelenkt bzw. mit Drähten gezogen und natürlich in Form  geschnitten wird.
Schön, diese ‚masterpieces’ zu sehen, aber doch leicht übertrieben für meinen Garten. Für mein Empfinden. Im Übrigen muss ich  auch ein bisschen an die Nerven des Nachbarn denken …

Buxus sempervirens - Buchsbaum - noch struwwelig ...

Buxus sempervirens – Buchsbaum – noch struwwelig …

Buxus sempervirens -  Buchsbaum - Der Kürbis entsteht ...

Buxus sempervirens – Buchsbaum – Der Kürbis entsteht …

Buxus sempervirens - Buchsbaum - Der Kürbis ist fertig ...

Buxus sempervirens – Buchsbaum – Der Kürbis ist fertig …

Buxus sempervirens -  Buchsbaum - Vor dem Schnitt zur Pyramide/Schneckenform ...

Buxus sempervirens – Buchsbaum – Vor dem Schnitt zur Pyramide/Schneckenform …

Buxus sempervirens - Buchsbaum - Pyramide/Schnecke ...egal - fertig!..

Buxus sempervirens – Buchsbaum – Pyramide/Schnecke …egal – fertig!

Buxus sempervirens - Buchsbaum  - Pyramide von oben ...

Buxus sempervirens – Buchsbaum – Pyramide von oben …

Buxus sempervirens - Die, die auf die zweite Etage warten ...

Buxus sempervirens – Die, die auf die zweite Etage warten …

Buxus sempervirens - Buchsbaum - Die Irokesen noch etwas zottelig ...

Buxus sempervirens – Buchsbaum – Die Irokesen noch etwas zottelig …

Buxus sempervirens - Buchsbaum - Formschnitt - Die Irokesen nachher ...

Buxus sempervirens – Buchsbaum – Formschnitt – Die Irokesen nachher …

 

Nachstehend für Sie noch einige Links zu speziellen Formschnittbeispielen, die von den richtigen Könnern stammen:

http://www.topiaryartdesigns.com/   (Coole Elefanten)
http://www.topiaryartdesigns.com/galleries.htm  (Slide show)

http://vayetech.info/blog/wp-content/uploads/2010/03/granimals1.jpg (Giraffe)

http://thephotogardenbee.com/wp-content/uploads/2010/01/couple-summer-topiary.jpg  (Pärchen)

http://www.buchsbaum.de/Bilder/Buchsbaum-Formschnitt.jpg (Banksitzer)

©Juni 2011 by Michèle Legrand

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