Papaver statt Palaver

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Heute, zur kleinen offiziellen Einführung der neuen Blogsparte Garten, ein Blick auf eine – wie ich finde – imposante Staude, die allerdings nur wenige Tage ihren (Blüten-)Höhepunkt hat und ansonsten eher ein Schattendasein führt. Die durchaus ebenfalls hübschen Blätter ziehen nach der Blüte leider rasch komplett ein (zudem ist ein bisschen Obacht angesagt (Kinder!), da der milchige Saft in den Stängeln und Blättern giftig ist).
Es geht um den Mohn (Papaver), in diesem Fall um den Türkischen Mohn (Papaver orientale), der in Gärten häufiger verbreitet ist. Etwas größer als der normale Klatschmohn und wesentlich größer sowie vom Blattwerk her anders als der zarte Islandmohn bzw.  der wilde Mohn, den wir von Wiesen kennen.
Im Moment steht mein Orientale in voller Blüte, und die Hummeln führen Sonderschichten ein, um sich an seinen Leckereien zu ergötzen. Oft wuschelt der Wind  die riesigen Blütenblätter sanft durcheinander, so dass es gelegentlich scheint, als würde der Mohn nun seine tief in der Blüte eingetauchten,  brummenden Insektengäste kurzzeitig sorgsam mit einer leichten roten Sommerdecke zudecken.
Vorhin, nach einem kurzen, heftigen Gewitterguss, zeigte sich die Standfestigkeit der Pflanze. So schön wie zuvor, nur obendrein noch mit ein paar dicken Tropfen verziert, in denen sich das Sonnenlicht brach. Nach kurzer Abtropf- und Trocknungszeit, erschien auch die Brummerbrigade wieder.
Hummeln erinnern mich immer an Hubschrauber.
Viele sagen, es sei erstaunlich, dass sie überhaupt fliegen können – bei dem Eigengewicht!
Andere behaupten, sie würden sofort perplex abstürzen, wüssten sie, wie unmöglich ihr Tun erachtet wird.
Mich erstaunen die unterschiedlichen Geräusche, die Insekten beim Anflug fabrizieren. Es erscheint aber logisch, wenn Folgendes in Betracht gezogen wird:
Libellen haben beispielsweise einen recht langsamen Flügelschlag von nur ca. 20-30 Schlägen pro Sekunde. Man hört sie kaum, dafür fallen sie optisch sofort auf.
Hummeln sind immer noch langsam, sie hingegen kommen allerdings schon auf 120–160 Schläge p. Sek. Das gibt ein etwas anderes Geräusch! Nehmen wir nun noch die Körpermasse und die Resonanz, die ein derartiger Körper wohl miterzeugen kann, dann ist der Gedanke an Hubschrauber nicht fern.
Als Vergleich dazu vielleicht ein Wert, der die Stechmücken betrifft:
die sogenannten Leichtgewichte kommen auf eine Flügelschlagzahl von ca. 600 pro Sekunde! Darum nehmen wir hier nur noch ein Sirren wahr.
Zurück zum Papaver. Auch die gierigste Hummel verschwindet irgendwann abgefüllt. Es ertönen erhebliche Startgeräusche und bei der ein oder anderen gibt es durchaus ein gewisses Abhebeproblem. Ruhe kehrt ein.

Dann bleibe ich meist noch einen Moment länger, schaue dem Wogen der zarten Blütenblätter zu, die gelegentlich wie dünnes Krepppapier wirken und tanke zwar keinen Blütenstaub, aber doch eine Art Energie aus dem lebendigen Rot-Orange. Kein Laut ertönt, egal wie sehr die Pflanze hin und her wankt. Die Blätter  haben keine glatte Oberfläche und scharfe Kanten, die beim Aneinanderstoßen Raschelgeräusche hinterlassen.  Sowohl der grüne Stängel, als auch die Blätter sind überzogen von weißen Härchen, die anderen Lärm zu schlucken scheinen.

Nach einem Regen, wenn keiner sonst im Garten ist und durch lautes Zwischengebrabbel stört, dann genieße ich es und denke: Wie schön – Papaver statt Palaver.

 

 

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