Ein Blick zur Uhr oder: Am Ende dieser Tage ..

Eine gewisse Anzahl von Eiern jeglicher Art (Hühner-, Schoko-, Marzipanei) hat schon daran glauben müssen. Verspeist. Unwiederbringlich vernichtet.
Aber gut waren sie …

Während hier noch veritable Restbestände vorhanden sind, sieht es mit den Reststunden dieses herrlich langen und wunderbar warmen, sonnigen Osterwochenendes allerdings etwas betrüblich aus.
Ich habe mal gehört, dass es zwei Arten (neben Millionen anderen natürlich) von Menschen gibt.
Die, die auf die Uhr schauen, weil sie glauben, die Zeit schleiche, würde gar nicht vergehen, klebe fest.
Die anderen verfolgen die Zeiger, weil sie gar nicht fassen können, dass ein gewisser Zeitraum sich dem Ende nähert, dass der Sand fast durchgelaufen ist im Eierglas.
Der Blick zur Uhr ist hier die leise Hoffnung auf eine Überraschung: Ach, es ist doch erst 15 Uhr?
Gepaart mit dem unterschiedlichen Empfinden beim Blick auf die Uhr, ist auch das generelle Empfinden. Der Zustand, in dem sich ein menschliches Lebewesen befindet.
Nur einmal ganz grob umrissen:
Hat es Langeweile, tut sich scheinbar nichts, mit dem es etwas anfangen kann, sucht es Unterhaltung von außen, die tragischerweise nicht kommt. Oder ist die Erwartung zu hoch, was in der vorhandenen Zeit alles kolossal Starkes passieren soll, dann folgt der genervte und enttäuschte Blick mit der Feststellung:
Nichts los! Die Zeit geht heute wieder überhaupt nicht herum. Es ödet mich an. Unterhaltet mich1 Tut etwas!
Wochenenden und Feiertage sind ein rotes Tuch. Auffällig immer, dass die Änderung der Situation von außen erwartet wird.
Hier findet man auch viele Menschen, die wochentags so eingespannt und beschäftigt sind, dass der Unterschied am Wochenende zu gewaltig ausfällt. Die Selbstbeschäftigung funktioniert nicht auf Anhieb – schon gar nicht auf Knopfdruck. Im Innern kehrt nie Ruhe ein, da immer der Drang zur Aktion da ist. Gelegentlich streikt der Körper aus Müdigkeit und Überlastung, aber der Geist spielt sein eigenes Spielchen.
Was? Nichts am Laufen? Blick zur Uhr: Erst 15 Uhr?
Es folgt ein herzerweichendes Stöhnen.

Die zweite Spezie ist unter Umständen in der Woche genauso eingespannt, nur stellt für diese die Tätigkeit nicht den Mittelpunkt des Universums dar. Nebenher gibt es andere Dinge, die unheimlich interessant und wünschenswert sind.
Diese Sorte Menschen liebt und sehnt sich nach freier  Zeit für eigenes Programm, eigen hier im Sinne von selbstgestaltet (im Gegensatz zur vorherigen Gruppe). Sei es für  das Pflichtprogramm (was auch irgendwann erledigt werden will) oder – wesentlich mehr natürlich – für das Freizeitprogramm. Dieses beinhaltet alles andere. Nicht nur Aktivitäten, Unterhaltung und Kontakte, sondern zu einem nicht unbeträchtlichen Anteil  auch Entspannungsphasen.
Mancher versteht darunter vielleicht nur mehr Schlaf, aber das alleine ist es oft gar nicht. Es heißt vielmehr, Dinge in Ruhe tun, etwas genießen, entspannen, beobachten, lesen, baden, Sonne tanken …
Ein dem ureigenstem Bedürfnis entsprechendes Verhalten!
Da die meisten im Verhältnis 5:2 Tage arbeiten bzw. Wochenende/freie Tage haben, ist die freie Zeit natürlich immer unterrepräsentiert.
Die Folge: Sie ist dem Empfinden nach zu kurz und wird als fliegend wahrgenommen.

Das Erstaunliche ist immer wieder, dass auch die Menschen, die konstant über Langeweile klagen, dennoch natürlich nie und nimmer auf ihre freien Tage verzichten würden. Sie verbringen sie nur oft etwas unzufrieden, unausgefüllt, genervt und sind häufig Künstler im Animateure finden.
Wie ich überhaupt auf dieses Thema komme?
Eingangs erwähnte ich die nur noch wenigen verbleibenden Reststunden dieser Feiertage und ergänze Folgendes, weil mich schon wieder so nette Reaktionen und etwas besorgte Nachfragen nach meinem Befinden erreicht haben:
Gehen Sie davon aus, dass ich ganz generell gesehen mehr zur zweiten Kategorie der oben beschriebenen Spezie Mensch gehöre und nehmen Sie folgende Situation:
Es gibt Zeiten, da werden Sie gefordert. Die Arbeit, die Pflichten, der private Alltag – alles scheint auf einmal enorm Kraft zu ziehen. Mehr als sonst. Ein Auto hätte wahrscheinlich das Gefühl, nur noch auf wenigen Töpfen zu laufen.
Alles strengt mehr an. Der Gegenwind bläst kräftiger. Deine Reaktionen werden anders. Dein Körper meldet sich anfangs murmelnd:
Na, komm, achte ein bisschen auf Balance.
Nach einer Weile knurrt er dann aufmüpfiger:
So, meine Liebe, jetzt ist hier aber Schluss! Du machst jetzt Pause! – oder auch: Ändere etwas!
Und wer das immer noch so penetrant ignoriert, der bekommt – wie man es so schön umgangssprachlich ausdrückt – einen vor den Latz. So ist es mir in der letzten Woche ergangen.
Und leider hat erst das etwas bewirkt.
Ich habe mir jetzt ein paar Urlaubstage im Mai erkämpft, die ich ursprünglich  wieder nicht hätte bekommen bzw. auf einen unbekannten Termin hätte verschieben sollen.
Ich werde etwas tun, was mir gut tut. Auch diese Osterfeiertage habe ich mir schon als Urlaubstage gestaltet, wohl wissend, dass es noch vieles gäbe, was erledigt werden müsste.
Nur, ich denke, es läuft mir nicht davon.

Ein weiteres kleines Osterei lacht mich übrigens gerade so freundlich von der Seite an.
Armes Ding …
Sein Schicksal ist besiegelt. Ja, manchmal ist das Leben hart.
Warum soll es auch ein Ei besser haben …
Ich werde es mir gönnen  und sehr dankbar daran denken, was allein diese letzten vier Tage bewerkstelligen konnten.

Ich hoffe, auch für Sie war es ein schönes Osterfest.

©April 2011 by Michèle Legrand

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  1. #1 von Christian Scheinhardt am 25/04/2011 - 17:07

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