Es gibt nur noch die ‚Motorwelt‘ …

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Es gibt nur noch die Motorwelt. Und ein ADAC-Heft. Nein, stopp, stimmt nicht. Es gibt auch irgend so einen Ratgeber mit Tipps bei Prostata-Problemen.
Das hatte ich mir anders vorgestellt …
Anfang des Jahres nahm ich mir vor, die längst überfälligen Kontrollen bei zwei Ärzten hinter mich zu bringen. Bisher hatte ich sie glorreich vor mir hergeschoben. Kommt noch. Ja, Ja. Den Augenarzt kann ich inzwischen abhaken. Erledigt.
Ich mag keine Arztbesuche, aber wem sage ich das. Die Mehrheit könnte darauf verzichten.
Wirklich? Wenn ich alle Jubeljahre mal einen Termin habe, herrscht immer starker Andrang in den Praxen und das unabhängig von der Fachrichtung. Ob Hausarzt, Hautarzt, Augenarzt o. a. – es ist garantiert mächtig was los.
Sind die Deutschen so ein krankheitsanfälliges Völkchen? Ich mag es mir gar nicht vorstellen. Vielleicht sind die Besuche auch der Ersatz für nicht mehr stattfindende Butterfahrten. Oder für eingeschlafene Gespräche mit dem Partner, insgesamt mangelnde  Kommunikationsmöglichkeiten.
Beim Arzt kommt man immer ins Gespräch – wenn der Patient es denn will. Herr oder Frau Doktor selbst haben leider – ob sie wollen oder nicht – oft nicht so ausgiebig Zeit, um daheim entstandene Versäumnisse und Missstände hier mal eben zu kompensieren (die Krankenkassen zahlen keine langen Gespräche), aber die Mitwartenden im Wartezimmer, ja die haben notgedrungen Zeit – während sie dort geduldig wartend ausharren.
Ich mag nicht nur Arztbesuche nicht so gern, ich mag auch aufgezwungene Gespräche nicht so gern. Ich erkenne meist schon beim Hereinkommen, was mich an diesem Tag erwartet. Leider bin ich kein Eisblock, der eine entsprechend abweisende Miene aufsetzt, so dass sich automatisch keiner mehr an mich herantraut. Was ich tue, um dennoch meine Ruhe zu haben, ohne unfreundlich herüberzukommen, ist … ich lese.
Ich kaufe mir nie Hefte wie Bunte, Gala, Brigitte, Frau im Spiegel und wie sie alle heißen, aber beim Arzt schlage ich zu. Hemmungslos. Dann hole ich auf mit Klatsch und Tratsch, mit Tragödien, Komödien, Platitüden, Dramen  rund um Promis, Frisuren, Beziehungen, Filmpremieren, Alkoholabstürze, Prügeleien und Prozesse gegen Paparazzi oder Ex-Lover.  Ein- bis zweimal im Jahr. Nur beim Arzt oder Zahnarzt. Dann ist der Anfall vorbei.
Wie gesagt, ich lese also einmal aus dem Grund, dass ich nicht gleich von Anfang an zwangsweise Konversation führen muss. Wenn es sich irgendwie dann doch ergibt – nun denn, dann soll es so sein.
Der andere Grund ist das alljährlich auftretende ein- bis zweimalige Gieren nach besagten Heften, denen ich mich schon innerlich grinsend nähere.
Wollte ich heute auch. Und was finde ich? Siehe oben. Die Motorwelt. Das ADAC Heft. Das Dings mit Prostata-Tipps. Hallo? So habe ich mir das nicht gedacht!
Lustlos greife ich das erste Heft. Oh,ein Audi.Schön.
Das nächste Blatt.  Nein!  Abschlepphilfe im Ausland! Prima.
Heft Numero drei: Einlagen für den Herrn. Schon immer mein Traum. DANKE!
Jetzt besitze ich endlich eine tolle Lesebrille, aber mein Herr Doktor beschließt aus Kostengründen, seinen Lesezirkel abzubestellen.  Das passt ja super…
Ich entschließe mich gerade, mein Notizbuch zu zücken und nebenher ein bisschen in der Gegend herumzuschauen, als mein Gegenüber Anstalten macht, den Mund zu öffnen. In meine Richtung.  Ein Mann. Mein Jahrgang etwa. Es geht los.
„Nichts für Sie dabei?“
Ich stelle mich ein bisschen blöd. „Wie bitte?“
„Na, ich meine die Zeitschriften.“
„Ach, ist nicht so tragisch. Ich muss nicht unbedingt lesen.“
Ich dachte, damit halte ich das Gespräch kurz.
Er möchte aber weiter reden. „Ich habe auch nichts gefunden.“
Zack, damit hat er mich! Sein Köder war gut. Nun möchte ich es nämlich doch wissen:
„Ehrlich?  Sie sind nicht an der aktuellen Motorwelt interessiert? Die Zeitschrift für den Mann. Mit Hochglanzbildern von PS-starken, neuen, tollen, teuren Autos?“
Mir ist schon klar, dass es ein Klischee ist, aber diesem Herrn würde man optisch durchaus einen starken BMW, einen Geländewagen oder sogar einen Porsche zutrauen. Neu, natürlich.

Er winkt ab. „Ich hätte lieber eine Pferdezeitschrift oder ein Gartenheft!“
Da schau einer an! Ich brauche nicht zu sagen, dass ich dann doch ein sehr nettes Gespräch über das sehr ergiebige Thema Garten geführt habe. Freiwillig. Man sieht also mal wieder, wofür es gut war, dass nur langweilige Heftchen ausgelegt wurden.
Ich reagierte fast ein wenig ungehalten, als ich aufgerufen wurde. Wir waren doch gerade beim Ansetzen von Brennnesselbrühe …
Richtig genervt war ich übrigens – zumindest anfangs –  als ich nun zwar im Behandlungszimmer saß, aber kein Arzt erschien. Ich war viel zu früh aufgerufen worden! Und weder eine Motorwelt noch ein Herr mit Gartenfaible weit und breit.
Mein neuer Zeitvertreib war dann, mit Blicken zu erkunden, wie viele Produkte meiner eigenen Firma ein Arzt in seinen Praxisräumen hat. Es wäre ausbaufähig …

Für dieses Jahr sind unter Umständen die Arztbesuche vorbei (toi, toi, toi) und somit geht auch sie dahin – die Chance auf die Gala, die Bunte, ….
Oder sollte ich vielleicht den Arzt wechseln …??

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