Lesebrille. Aha. Und?

Lesebrille_Aha_Und_.MP3
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Bei dem einen kommt sie früher, beim anderen später. Aber sie kommt so sicher, wie das Amen in der Kirche: die Zeit der erforderlichen ‚Hilfsmittel’. Ich rede jetzt von den Augen und der Sehkraft.
Die Flexibilität der Linse im Auge lässt altersbedingt nach, und irgendwann klappt es nicht mehr, einen Text durch Anstarren sowie konzentriertes Fixieren der Schriftzeichen zu entschlüsseln.
Nein.  Nur, bevor der Mensch sich eingesteht, dass Lasern, Kontaktlinsen, Brille oder sonst etwas einfach dran sind, durchläuft manch einer oft mehrere Stadien:
Stadium 1:
Die leise Frage taucht auf: Kann es sein, dass die die Texte jetzt immer kleiner drucken…?
Stadium 2:
Irgendwie ist das Licht neuerdings überall nicht so optimal. Die könnten auch mal hellere Birnen reinschrauben… Geizhälse.
Stadium 3:
Ach, meine Augen sind ausnahmsweise heute schon zu müde. Ich glaube, ich fange nicht mehr an zu lesen. Das ‚Ausnahmsweise’ häuft sich …
Stadium 4:
Ich komme gar nicht mehr mit meinen Büchern hinterher. Nein, die Augen sind schon okay, aber bei Tageslicht lesen geht schon besser – oder unter der Halogenlampe. Allerdings ist das nicht so gemütlich. Lassen wir’s daher. (Nur, ich würde ja schon gern wissen, wie der Roman weitergeht….)
Stadium 5:
Ach, komm, jetzt stell’ dich nicht so doof an. Lies!
Potzblitz! Die Texte und Geschichten entwickeln sich vermehrt sehr überraschend. Du wiederholst Zeilen und entdeckst, dass du neue Texte ‚gesehen’ (sprich: frei erfunden) hast. Kannst aber nicht wirklich was dafür, denn ‚m’ und ‚n’ sind schon ziemlich ähnlich… Frechheit. Überall, wo in Kleinschrift ein dünnes ‚l’ hintergeklemmt ist, besteht nun auch die Gefahr des Übersehens und Auslassens. Und – mal ganz ehrlich – ‚a’ und ‚o’ sind auch nicht gerade sehr unterschiedlich, oder?
Stadium 6:
Nach kurzer Zeit haben die Zeilen nun leider, leider auch die Angewohnheit, urplötzlich ein klein wenig zu verschwimmen. Bitte? Nein, nur minimal, nicht tragisch. VERDAMMT, ich seh’ nichts…
Stadium 7:
Kopfweh
Stadium 8:
Termin beim Augenarzt und Verordnung einer Brille.

Wenn ich von mir ausgehe, ziehen sich diese Stadien über einen Zeitraum von drei Jahren hin, und seit heute, dem 09. April 2011 bin ich Lesebrillen-Neubesitzerin. Erstbesitzerin. Trägerin der Premierenbrille.
Wie es ist? Ich schwanke momentan zwischen Euphorie und leichtem Verdruss. Allerdings überwiegt eindeutig das Positive.
Was für ein merkwürdiges und ein wenig überraschend kommendes Glücksgefühl, alles auf Anhieb und schnell lesen zu können!
Ich stelle fest, ich freue mich plötzlich unbändig  auf die ziemlich kleine Schrift von Brida (Paolo Coelho). Dieses Buch habe ich kurz nach Weihnachten angefangen zu lesen, fand es super, aber habe nach gut der Hälfte leicht frustriert aufgehört, weil ich überhaupt nicht vorankam. Mir fehlte die Zeit, mir die Stunden für ein Studium mit einem erheblichen Anteil an  ‚Ratemomenten’ zu nehmen. Aber jetzt. Jetzt…
Ich entdecke eine wirklich unglaubliche Steigerung der Lebensqualität! Schon die letzten Stunden haben mir diese positive Veränderung gezeigt. Eigentlich passierte es sofort – von einem Moment zum anderen…
Bleibt die Frage, was mir denn dann Verdruss beschert. Nun, einerseits war das Falschlesen gelegentlich auch recht witzig. Was habe ich dadurch nicht für zusätzliche Bilder im Kopf gesehen! Andererseits… ach, das, was jetzt kommt, ist typisches Frauengejammer.
Erzählen kann ich es ja trotzdem. Ich habe mir eine eher unauffällige Brille ausgesucht. Randlos. Ich hab’s nicht so gern, wenn das Gesicht von einer Brillenfassung ‚erschlagen’ wird. Zusätzlicher Wunsch: die Brille sollte möglichst leicht sein.
Als ich das ‚Anprobemodell’ aufsetzte, wirkte alles optisch recht harmlos. War ja auch Fensterglas drin. Der nette Optiker lullte mich zusätzlich noch freundlich ein mit seinem Hinweis:
„Wenn Sie dann die entspiegelten Gläser haben, fällt die Brille sowieso fast gar nicht auf.“
Prima, hört sich doch gut an. Heute nun folgte das Anpassen des Originals. Toll. Toll! Super, wie die neuen Gläser die bestehenden, bisher eher leichten, Krähenfüße vergrößern!
Sieht das jetzt nur für mich so gruselig aus, weil ich die Brille mit dem vergrößernden Effekt auf der Nase habe, oder wirkt es auch auf mein Gegenüber in gleicher Weise? Fragen über Fragen.
Sinnieren vorm Spiegel. Durchatmen, und dann kommt sie, die Erkenntnis: es ist im Grunde wurscht. Ich bin ich. Nach wie vor. Und mit Brille kann ich lesen. Ohne eher nicht.

Was sagte vorhin jemand aus Spaß zu mir: „Besser als Eselsohren…“  Hm, meine Ohren liegen an. Und sonst hätte ich lange Haare…
Verdammte Kiste, gibt es denn so etwas? Schon wieder ein Rückfall? Schluss jetzt!
Die wirkliche Frage ist: Ist das alles überhaupt irgendwie wichtig?
Und die einzig richtige Antwort lautet: nein.

Übrigens: Ihr dürft durchaus auch Stadien überspringen und es euch einfacher machen als ich…

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