Banales ist manchmal erstaunlich erstaunlich – oder wie das Gehirn zuweilen trickst …

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Bild Gehirn (ohne Text): spiegel-online

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Gelegentlich bleibt keine Zeit für eigene Pläne, und Vorlieben kommen schlichtweg zu kurz.
Bloggen zum Beispiel.
Arbeit und noch einmal Arbeit, eine Familienfeier, und wen ertappt man zusätzlich als nicht enden wollende arbeitsbeschaffende Maßnahmen? Haus und Garten.  Ja, leider. Es sind eben nicht nur paradiesische Orte der Erbauung, Erholung und Entspannung, sondern auch Stätten, deren Hege und Pflege Zeit verschlingt …, welche dann zum besagten Schreiben fehlt!
Es ist ein hundsgemeiner Zustand.
Der Mensch fühlt sich verplant, manchmal auch ausgenutzt – auf jeden Fall irgendwie erledigt. Mit einem untergerührten Quäntchen Unzufriedenheit und einem – latent – vorhandenen Fitz Sorge, ob er an alles gedacht hat und alles zeitgerecht schafft.

Manchmal entsteht jedoch – und das ist nun das Merkwürdige daran – trotz aller Arbeit, die häufig auch zeitweilig in die Nähe von Überforderung rückt, gleichzeitig eine Art Unterforderung. Eine geistige Unterforderung, die durch Arbeit im Akkord und unter generellem Zeitdruck verursacht wird und zwar immer dann, wenn viele gleichartige Arbeitsabläufe heruntergespult werden.
Das Hirn ist zwar hoch aktiv, doch sehr einseitig. Es wartet irgendwie auf adequaten Ausgleich. So als möchte es auch seinen anderen Regionen gut versorgt wissen. Wenn es könnte, würde es sicher Kompensationsgeschäfte anbieten:
Ich liefere dir klare Gedanken, Ideen, geistige Fitness, zügiges Arbeiten, strukturiertes Denken, etc., wenn du mir im Gegenzug dazu
a) Zeit zum Erholen und
b) Stoff gibst, der mich interessiert und für Abwechslung sorgt.

Körperliche Belastung ist selbstverständlich ebenfalls da, auch diese oft sehr speziell und unausgewogen. Oder wie nennt man das, wenn sich so etwas wie ein „Bügelarm“ entwickelt, die Gartenarbeit die Bildung eines Quasimodo-Rückens fördert, oder die Dauerarbeit am Schreibtisch vor dem  Computer den Körper herausfordert, Beine schwellen lässt und die Augen belastet.
Auch hier wären Ausgleich oder Tauschgeschäfte sinnvoll.
Zum Beispiel das Prinzip der Payback-Punkte-Einlösung. Ein reges Punktesammeln für Pflichten, einzulösen in Minuten für die eigene Vorstellung von (Frei-)zeitgestaltung. Natürlich alles immer zeitnah, da sonst die Punkte verfallen.
Schluss mit dem Vorhaben: „Nun ja, ich kann ja immer noch Ostern ausschlafen …
Irrtum!
Sofort!
Sonst sind die Punkte weg! Manchmal würde so ein bisschen Druck wirken wie der berühmte Tritt in den Hintern.

Das Thema heute heißt aber Banales ist erstaunlich erstaunlich. Wo bleiben jetzt die Banalitäten? Und wieso sind sie erstaunlich? Widerspricht sich das nicht?
Banales zeigt sich in genau solchen Situationen der Hektik, Zeitnot, Arbeitswut, Schlappheit, etc. Der schon angesprochene Geist sucht sich irgendwann einfach seinen Ausgleich und sein neues Futter selbst. Durch die schon anfallende Beanspruchung für ‚korrekte Arbeitserfüllung’, bleibt ihm häufig nur die Möglichkeit, sich zur Entspannung als Selbstversorger Banalitäten, etwas eigentlich Einfaches mit doch einer Prise Interessantem, gelegentlich Absurdem, zu genehmigen.
Sein automatisch hinzugeschaltetes Gegen- und Kontrastprogramm.
Wenn der Eigner des schönen Gehirns schon nicht selber diesbezügliche Anstalten macht…
In der Nacht sind es Träume, die u. a. zur Verarbeitung des Erlebten mit beitragen, am Tag während der Arbeit ist es nicht als Äquivalent der Tagtraum, sondern ein leichtes Abdriften, unbewusstes Suchen und Wahrnehmen von unwichtigen Dingen, die das Gemüt doch bitte erheitern können.
Was könnte das sein? Was sind solche banalen Dinge?
,Banal’ ist ein recht vielschichtiger Begriff. Picken wir hier die Bedeutung von ‚unmaßgeblich’ oder ‚nicht erwähnenswert’ heraus. Und schauen, ob und wo der Anteil Erstaunliches verborgen ist.
Jetzt habe ich aber langsam Hunger!“ oder auch: „Ich muss noch zum Tanken!“ fällt unter banale Feststellung, Erinnerung, Äußerung – ohne viel Überraschungseffekt oder Erstaunen. Logisch, wenn man noch nichts gegessen hat oder der Tank fast leer ist …
Es ist aber nur die Vorstufe, das Einschalten des Hirns zum Zwecke des Ablaufens eines Nebenprogramms. Die vernachlässigte Hälfte meldet sich und sagt offensichtlich den Sinnesorganen, dass sie nun auch auf andere Dinge als Arbeit anspringen sollen, was sie dann auch sofort und sich brav fügend tun.
Die Augen bemerken unnütze Kleinigkeiten, das Hirn baut aufgenommene Bilder eigenmächtig um und spielt neue Filmchen ab. Der Mensch fragt sich mitten im größten Tohuwabohu, bei Anspannung und weitaus wichtigeren Dingen um ihn herum, staunend:
Was hat denn der Chef dort für einen Fussel auf der Jacke? Sieht aus, wie verlorene Schokolade vom Magnum Eis….
Warum klingelt es immer an der Bürotür, wenn gerade keiner aufmachen kann?
Wie schafft es die Kollegin mit vollem Mund zu telefonieren und dennoch erstaunlich deutlich zu klingen?
Warum lässt sich das Türschloss immer erst beim zweiten Versuch öffnen, so dass jeder beim ersten Versuch denkt, er hätte den falschen Schlüssel?
Wenn das Eichhörnchen dort auf dem Rasen im hinteren Teil des Grundstücks die Walnuss, die es herumschleppt, nicht selbst vergraben hatte (hier gibt es nämlich mehrere Eichhörnchen):  kriegen die kleinen Kollegen dann Zoff untereinander? Erkennen sie ihre Nüsse wieder?
Warum reizt es einen plötzlich, sämtliche vorhandenen Türstopper des Büros zu sammeln, verkehrt herum zu drehen und sie zu stapeln, um auf diese Art eine Miniatur der Cheops-Pyramide von Gizeh nachzubauen?
Warum stellt sich das Bild von Büromonitoren dar (ca. 20 im Raum), die zu rotieren beginnen, sich eigenständig zu einem Kreis formieren und die alle das Meer als Hintergrundbild haben? Dein Platz ist dazwischen in der Mitte, auf deiner Bürodrehstuhl-Insel sitzend, umgeben von Wasser, Strand, Muscheln und Palmen. Und du wendest dich zu Monitor Nr. 20. Der letzte Monitor zeigt den Sonnenuntergang und das bedeutet: Feierabend.
Warum fällt es dir heute auf, dass in der Rechtsanwaltskanzlei Hirsch in München Frau Huhn arbeitet, und bei Firma X in Baden-Baden sowohl ein Herr Schwarz als auch eine Frau Weiß?
Und warum lässt diese Tatsache dein gieriges Gehirn gar nicht mehr los?
Es sucht und scannt dich ab nach weiteren Informationen. Da gab es doch auch die Görtz-Filiale mit Frau Schuhmann, den Tierarzt Dr. Hund sowie den Physiotherapeuten Heiler.
Es fällt dir auf, es gibt tatsächlich häufig Menschen, die ihrem Namen entsprechend einen Beruf gewählt haben.
Herr Koch, der Küchenchef wurde, Frau Rose, die Floristin, Herr Dr. Krone, der Zahnarzt und Herr Gärtner, der Chef einer Firma für Naturteichanlagen wurde.
So und auf andere Art tingelt dein Gehirn nebenher eigenwillig auf eigenen Wegen, berauscht sich an Banalitäten und macht dennoch zusätzlich seinen ‚bezahlten’ Job.

Und weil es so brav war, und dich auf seine unauffällige Weise durch die letzten Tage manövriert hat, dich mit Banalem erstaunt und zu deinem Wohl abgelenkt hat, schreibst du heute wieder Blog. Über ‚es’. Als Anerkennung. Als Belohnung, denn ES hat es sich verdient …

Eichhornchen
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