Ein Rosenmontag in der Karnevalshochburg Hamburg

Eigentlich war meine Überlegung am Wochenende: Wir haben Karneval. Die Faschingstage stehen vor der Tür. Die Tage, an denen z. B. wir Hamburger einerseits Kunden im Süden der Republik – speziell natürlich  im Rheinland – nur äußerst schwer erreichen, an denen aber auch andererseits keiner dieser Karnevalisten auf die Idee kommt, freiwillig in Hamburg bei unserer Firma anzurufen, um umfangreiche Dinge zu klären, vertrackte Bestellungen loszuwerden oder Reklamationen anzumelden.
Wenn Rosenmontag ist, heißt es Helau und Alaaf, nicht Hängeregistraturwagen-Order, technische Beratung oder Druckerpatronen-Reklamation. Nicht ein komplett neues Möbel-Programm steht auf der Tagesordnung, sondern das Programm des lokalen Karnevalvereins. Und keiner will Lambertz Madeira Keksmischung für den Geschäftsbesuch, alle wollen nur KAMELLEN und das beim Festumzug. Stimmung!
Generell kann oder könnte man davon ausgehen, dass es also etwas ruhiger ist in norddeutschen Büros. Bei uns ist dann auch Stimmung, eine andere, aber durchaus gute …
Wir Nichtsahnenden, Abstinenten, die mit ungläubigem Blick die Freude am Karneval wahrnehmen, atmen dann kräftig durch und machen etwas, was man eigentlich nicht tut:
Wir mokieren uns ein wenig darüber!
Vielleicht, weil wir wirklich nicht nachvollziehen können, was daran so toll ist, vielleicht ist es aber auch ganz einfach nur der blanke Neid der ‚steifen‚ Nordlichter.
Da haben DIE ihren Spaß – jedes Jahr wieder – und bekommen dazu auch noch meistenteils frei! Unerhört!
Die trinken, schwafeln, rennen verrückt verkleidet herum und machen schlimme Sachen! Nein, nicht Orgien! (Sex, Alkohol o. ä.)
Oder vielleicht doch?
Nein!
Viel schlimmer: sie halten BÜTTENREDEN!
Und jedes Mal danach dieses TÄTÄ-TÄTÄ-TÄTÄ! Das kann nicht gesund sein.
Ehrlich, im Grunde machen wir uns hier nur Sorgen um eure Gesundheit …

Heute Morgen nun komme ich ins Büro, und wider Erwarten herrscht doch großer Andrang in den Leitungen.
Immer mehr Firmen gehen dazu über, nicht komplett zu schließen, sondern jeden Tag einen armen Schlucker abzuordnen, der in der Firma die Stellung halten muss. Wir haben demnach heute eine Art Telefonseelsorge zu leisten und müssen Karnevals-Ausgesperrte vor depressiven Phasen retten.
Jedes Mal, wenn eine verloren klingende Person am anderen Ende der Leitung ist und vielleicht noch ein Kölscher Dialekt herauszuhören ist, holen wir tunlichst die Samtstimme hervor und leisten Erste Hilfe. Die besteht in erster Linie darin, dem Einsamen eine Möglichkeit zu geben zu beschreiben, wie schön doch der Fasching ist. Wir zeigen dann tiefstes Verständnis. Kundenservice halt. Dafür bekommen wir gelegentlich Kostproben einiger Büttenreime frei Haus.

Mein Kollege, der mir Anfang letzter Woche mit dem Tankdeckel half, wird telefonisch damit infiziert. Nach mehreren Anrufen dieser Art mutiert er zum „Brezelmann von Määnz“ und ist kurz davor, den Narrhallamarsch zum Besten zu geben. Das Reim-Bedürfnis hält bis zum frühen Nachmittag an, es kommt inzwischen flüssig über die Zunge, der Nachschub rollt zügig und sicher.
Strotzt heut die Mail vor Fehlern nur, trank Whisky wohl der Kunde pur …“
„Ham sie dich allein gelassen, darfst du auch die Kollegen hassen …“
Beim Nachhausegehen höre ich noch:
Wer Karneval in Hamburg mag, der kriegt demnächst nen freien Tag! Tätä-tätä-tätä …

Ich finde, wir sind ganz einfach ab heute die Karnevalshochburg im Norden!
Kann doch nicht so schwer sein. Irgendwo liegt bestimmt noch eine Pappnase herum für den Anfang.

Immerhin hatten wir auch einen Rosenmontagsumzug!
Oh ja!
Eine Kollegin zog heute mit Sack und Pack in ihre neue Wohnung …
Tätä-tätä-tätääää!

©März 2011 by Michèle Legrand

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