Bekommt man davon Muskelkater in den Lidern …?

Heute wurde nachgeholt, was gestern durch den Kinobesuch zu kurz kam: Besorgungen tätigen, den Hasenfutter-Nachschub organisieren, den Geldautomaten leeren, den Kühlschrank füllen.
Wo komme ich vorbei?
An einem neuen Mode-Geschäft im Einkaufszentrum. Wie neu es ist, erfahre ich, als ich unmittelbar vor der Eingangstür stehe und noch überlege, auf welche innere Stimme ich heute höre. Die eine vermeldet energisch:
Bleib’ draußen, da drinnen wirst du taub!

Recht hat sie, es wummert, dass wieder die Knochen zu vibrieren beginnen und das Trommelfell anfängt zu zittern und zu rebellieren.
Die andere Stimme jedoch flüstert:
Geh hinein, du wirst dir das noch nicht entgehen lassen, Liebes?
Sie können es vielleicht nachvollziehen – ich jedenfalls, mochte schon immer die Stimmen lieber, die leiser reden und nette Sachen sagen …

Ich betrete den – just an diesem Tage eröffnenden – relativ kleinen Laden und stelle erleichtert fest, dass es drinnen nicht noch lauter ist. Offensichtlich wird hauptsächlich der Bassbeat nach draußen getragen. Hier im Raum hört der Kunde das Gesamtwerk, was wesentlich besser  auszuhalten ist.
Moderne Musik.
Oder irgendein Remix mit Tokio, New York, etc. im Textteil … (fragen Sie mich nicht, ich bin in dieser Hinsicht uninformiert!)

Zwei blutjunge Top-Model ähnliche Verkäuferinnen sind dort tätig und zusätzlich eine Filialleiterin, starke zwei bis drei Jahre älter …
Sie machen ihren Job gut und offensichtlich auch gerne. Ich kann an einem Teil absolut keine Größenangabe finden und erhalte gleich Hilfestellung. Alles dort präsentierte,  ist wirklich nicht mein Stil, doch eine dünne, taillierte Strickjacke gefällt mir. Ich würde sie gern anprobieren.
Für diese Aktion ist offensichtlich die Filialleiterin persönlich zuständig.
„Gerne, ich zeige dir (man wird automatisch erst einmal geduzt – gut, dass ich das inzwischen von Twitter gewohnt bin und auch völlig in Ordnung finde), wo die Kabine ist. Hast du die tollen Unterzieh-Shirts dazu schon gesehen?“
„Nein, bisher noch nicht“, antworte ich, denn ich denke, dass es sich um Shirts in der gleichen feinen, dünnen Art handeln müsste, und die hatte ich nicht entdeckt.
„Hier, schau mal, ein Wahnsinns-Türkis! Na, ist das nichts für dich?“
Sie zeigt mir ein Spaghettiträger-Hemd aus Ripp-Baumwolle mit Häkelspitze, die auf mich grob, krumpelig und ungebügelt wirkt.
Ich weiß ja, dass das so gehört, aber ich bevorzuge den Look eher an anderen, nicht so bei mir. Allerdings hat die Verkäuferin offenbar einen guten, trainierten Blick für die Größe und bemerkt auch mein Zögern sofort.
Zuerst nimmt sie an, es sei wegen der Wahnsinns-Farbe.
„Ich habe es auch noch in diesem dezenten Altrosa“, vermeldet sie, sympathisch lächelnd.
Die Farbe ist in der Tat augenfreundlich, die Stoff- und Machart jedoch die gleiche.
Weil sie sich solche Mühe mit mir gibt, erkläre ich ihr meine Vorbehalte. Sie schließt daraus, dass ich etwas Feineres möchte, und was passiert? Unbewusst wechselt sie vom Du zum Sie! Das lässt mich innerlich lächeln, aber auch stutzen.
Wenn ich Baumwolle trage bin ich ‚Du’, wenn ich Satinspitze wähle ‚Sie’?
Sehr merkwürdig.
Während ich anprobiere und noch einen Moment überlege, ob ich die zuerst gewählte Jacke nehmen möchte, hat sie der Rhythmus der Musik gepackt, und sie wippt vor mir mit den Hüften.
„Gut, ich danke dir (ich bin lernfähig und maches es ihr nach mit dem Du) für deine Hilfe und möchte gerne die Strickjacke nehmen!“
„Fein, da vorne ist die Kasse“, spricht sie, nimmt mir das Teil aus der Hand und schuffelt wie eine Dampflok im Takt der Musik vor mir her.  Ich muss aufpassen, dass ich es nicht nachmache …

Ein kleines Drama bahnt sich an der Kasse an. Die Mädels schimpfen auf ihren Chef.
Der erste Tag, und der gute Mann hat ihnen kein Wechselgeld dagelassen!
Vor mir haben wohl mehrere Kunden zum Zahlen große Scheine verwendet, und die Angst sitzt tief, dass auch ich  … Nein, ich habe es fast passend, was entsprechend enthusiastisch gefeiert wird.
Zum Abschied erhalte ich mit einem tiefen Augenaufschlag meine „Paparazzi“ Tüte.

Ach, das hatte ich noch gar nicht erzählt, oder?
Die Filialleiterin, eine wirklich sehr gut aussehende Brünette, hat sich die Wimpern unheimlich vielen Schichten Mascara verschönt. Das Gewicht der Tusche muss ganz erheblich sein!
Unter erschwerten Umständen öffnet sie die hübschen Augen und lässt die zarten und doch so beschwerten Lider  wieder herunterplumpsen.

Damit komme ich auch zu meiner Frage:
Diese Gewichte an den Wimpern, dieses mühsame Lider öffnen und schließen erinnert mich an Training im Fitness-Studio.
Verursacht so etwas nach einem langen Tag Muskelkater in den Lidern?
Und wie entfernt man die dicken, starren Schichten?
Wird die Farbe abgeklopft?
Gibt es vielleicht sogar einen entsprechenden Mascara-Meißel …?

Wahrscheinlich ist alles gar kein Problem.
Aber wie …?
Wissen Sie was, ich gehe irgendwann noch einmal dort hin und frage einfach nach.

©Februar 2011 by Michèle Legrand

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