Kino und King’s Speech: Ein Nachmittag

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Kino. Ich war schon lange nicht mehr dort gewesen. Bei einigen Filmankündigungen waren die Neugier, der Wille sowie der Vorsatz da hinzugehen. Nur, kam der Zeitpunkt, und der Film lief an, war es in Vergessenheit geraten oder klappte aus terminlichen Gründen nicht gleich. Komischerweise werden sowieso oft genau die Filme gleich wieder gestrichen, die ich mir ansehen möchte …
Heute jedoch war es tatsächlich so weit. Meine Tochter und ich hatten uns zu einem Mädels-Nachmittag verabredet, um den Film ‚The King’s Speech’ im Original im Streits Kino am Jungfernstieg in Hamburg zu sehen.  Männliche Wesen hatten dankend abgelehnt, als wir von der englischen Version sprachen. Dann halt nicht, ihr zauberhaften Geschöpfe …
Wir trafen uns bei bildschönem Sonnenschein, aber Temperaturen um den Nullpunkt, direkt vor dem Alsterhaus. Mademoiselle kam von der Uni, Madame von zu Hause. Die Damen beschließen, sich heute etwas zu gönnen und entern das Alex, den früheren Alster-Pavillon, direkt am Wasser (Binnenalster). Café au lait und weiße Schokolade schmecken gut, haben aber auch einen Preis mit Seeblick-Aufschlag. Nun, es ist schließlich nicht jeden Tag der Fall, dass wir hier einkehren. Lieber seltener etwas Schönes, als ständig irgendwo aus dem Pappbecher coffee to go.

Die Kinokasse hat noch zu, sie öffnet erst 30 Minuten vor der ersten Vorstellung des Tages, die wir heute gewählt haben. Als wir kurz vorher eintreffen, hält sich der Andrang in Grenzen. Vom Alex kommend, überqueren wir die Ampel erst Richtung Nivea-Haus, dann hinüber zum Streits Kino.
Ich muss schmunzeln, als ich den Pfahl eines Straßenschildes entdecke. Irgendjemand hat ein „Verhüterli“ gestrickt und dem Pfosten eine etwa 30 cm lange Wollsocke auf halber Höhe verpasst. Ich frage mich, wie sie so befestigt wurde. Es sieht aus wie rundgestrickt und sitzt ‚hauteng’ an!
Wurde sie auf Maß angefertigt und vor Ort am Pfahl zusammengenäht?
Hat jemand das Schild samt Pfosten dazu aus dem Boden gezogen, um das modische Teil von dort aus überzuziehen? Es bleibt ein Rätsel …
Kurze Zeit später sitzen wir in sehr gemütlichen Sesseln im Kino, dass irgendwie Theateratmosphäre vermittelt. Dunkelblau/beige sind die Farben der Einrichtung. Gedämpftes Licht. Und dann geht es auch schon los.

Ihr habt sicherlich schon selbst viel über die Handlung des Films gehört oder gelesen. Daher möchte ich euch nur den Eindruck von zwei Kinobesucherinnen vermitteln und euch sagen, dass es sich wirklich lohnt, dieses Werk anzusehen.
Leider weiß ich nicht, ob es der deutsche Synchronsprecher geschafft hat, die Sprechbehinderung des Herzogs von York (Albert) und späteren Königs George VI, so phantastisch zu vermitteln wir Colin Firth, der Mann, der es eben auch spielt und nicht nur spricht!
Die Engländer haben häufig ein sehr feines Händchen für die Besetzung aller Rollen. Sie wenden unheimliche Sorgfalt auf bei der Auswahl des Cast – bis hin zur kleinsten Nebenrolle!
Es werden keine schönen Gesichter gesucht, im Sinne von schön, wie wir sie auf den Titelblättern der Gazetten finden. Es werden Typen gesucht. Wesen mit Charakter. In diesem Film eine zusätzliche Herausforderung, da die Handlung nicht fiktiv ist, sondern sich an der wahren Begebenheit orientiert.
Das Schöne ist, dass man nicht krampfhaft versucht, jede kleine Äußerlichkeit perfekt zu kopieren, sondern es wird durch die Art der Darstellung des Charakters auf der Stelle klar, wer hier gemeint ist – schon bevor das erste Mal der Name fällt.
Ganz groß in meinen Augen der Schauspieler Geoffrey Rush, der die Rolle des Sprachlehrers Lionel Logue besetzt! Zusammen mit Colin Firth ein sehr starkes Paar, dass sich gegenseitig hervorhebt, ohne sich selbst damit klein zu machen. Wenn dies das Werk des Regisseurs Tom Hooper ist, dann Hut ab!
Weiterhin emotional, ohne aber augenfällig auf die Tränendrüse drücken zu wollen. Ausdrucksstarke Gesichter, die Bände sprechen. Tragik wechselt sich ab mit Komik, die es auch hier durchaus gibt.
Alles in allem so eindrucksvoll, dass alle Kinobesucher am Ende sitzenbleiben, und sich noch den gesamten Abspann ansehen, um zu verinnerlichen oder/und aus Sorge, es könnte noch etwas kommen, was man auf keinen Fall versäumen möchte…

Wir verlassen das Streits beeindruckt, froh, dagewesen zu sein und überhaupt nicht die Euros bedauernd, die wir hier für den Eintritt bezahlen mussten. Es war es wert.
Auf einer Skala von eins bis fünf, gäbe es eine fünf von uns beiden. Die Oscar-Nominierten hätten allesamt diesen Award verdient, daher bin ich nun sehr gespannt, wie der Ausgang der Verleihung sein wird. Mein Daumendrücken ist den Herren Firth, Rush und anderen nach dieser Darbietung jedenfalls sicher.
Wer immer sich noch entscheidet, sich dieses Werk im Kino anzuschauen, ich wünsche viel Spaß und gute Unterhaltung.

Rathaus_25feb2011

Rathaus vom Jungfernstieg aus
gesehen – 25.02.2011

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